Verdamp lang her…

Katja hat am 20. Dezember 2008 um 17:00 Uhr aufgehört zu rauchen,
ist damit schon 2.922 Tage 1 Stunde 9 Minuten 11 Sekunden rauchfrei,
hat in dieser Zeit 35.064 Zigaretten nicht geraucht, 4.207,68 Euro gespart
32 Gramm Nikotin und 386 Gramm Teer den Lungen erspart und insgesamt
121 Tage 18 Stunden RauchFrei-Zeit gewonnen.

Mehr SWR3 RauchFrei unter http://www.SWR3.de/rauchfrei

Und dann gibt es trotz der 8 Jahre immer noch vereinzelte Tage oder eher Situationen, wo der erste Impuls immer noch der Gedanke „du musst jetzt dringend eine rauchen“ ist. Nach all der Zeit. Das, was mich davon abhält, ist nur der nicht mehr vernebelte Verstand, der genau weiß, dass es „ach nur die eine“ für mich nie geben könnte. Dafür saß die Sucht viel zu tief, waren die ersten Monate ohne Zigaretten viel zu quälend. Nicht körperlich, nur für den Kopf, die angeknackste Psyche, die kaputte Gehirnchemie.

Auch wenn mir ansonsten #aus_Gründen gerade nicht so nach Feiern ist, das hier ist schon ein Grund dafür. Eines der Dinge, auf die ich mächtig stolz bin – auch wenn ich dafür gar nichts machen musste, „nur“ (hahaha!) eben etwas weglassen. Seit genau 8 Jahren jetzt.

Katja

(mit lieben Grüßen an meine Freundin Bine, mit der zusammen ich damals die letzte auf meiner Terrasse geraucht habe – ohne auch nur im Entferntesten zu ahnen, dass es die letzte sein würde)

Über viel Angst und ein bisschen entspannte Scheissegaligkeit

„Aber was oder wer oder wie bin ich dann überhaupt?“ frage ich in der letzten Sitzung bevor ich wieder losheulen muss. So viel Fremdbestimmung im Kopf, so viele „Werte“ und Vorstellungen, die auf einmal in Frage stehen, von denen ich nicht weiss, ob sie überhaupt eine Bedeutung haben und wo sie überhaupt herkommen. Naja doch, letzteres weiss ich eigentlich verdammt gut. Nur nicht, wieso zur Hölle sie immer noch so tief und fest in mir sitzen und vor allem, wieso mir das schon so viele Jahre nicht bewusst ist. Und damit meine ich nicht mal alle Lebensjahre, sondern nur die letzten, die in denen ich eigentlich ja ziemlich reflektiert war. Dachte ich. War ich vermutlich auch. Und trotzdem ist da dieser große blinde Fleck gewesen, diese Gedanken und Gefühle, die so tief in mir verschlossen sind, dass mir ihre Existenz nicht mal bewusst war.

Dass Therapie kein Spaziergang ist – auch wenn ich hinterher häufig einen mache, um den Kopf freizulaufen – wusste ich schon von vorherigen, viel weniger hilfreichen, Therapien. Dass es so dermaßen in harte Arbeit ausarten könnte, so dermaßen anders verlaufen könnte, als ich mir vor und zu Beginn vorgestellt hatte und dass sich so dermaßen viele neue Baustellen in mir auftun würden, statt dass sich alte erledigen, hätte ich nicht geahnt.

Jetzt also richtig. Und richtig gründlich. Kein „Herumdoktorn“ an Symptomen sondern der Versuch an die Ursachen zu kommen und während ich das schreibe, spielt die kopfeigene Band die Schlusssequenz von „Sweet Transvestite“ aus der Rocky Horror Picture Show und Tim Curry alias Frank N Furter sagt schon im Aufzug stehend „…so I’ll remove the cause… but not the symptom“ bevor er sein kleines Lachen lacht, wohingegen ich die Augen aufreisse, wie es nur Susan Sarandon als Janes Weiss besser hinbekommt, weil mir das, was da gerade passiert unglaubliche Angst macht.

Nie vorher wusste ich gründlicher und in größerem Ausmaß nicht, wer oder besser wie ich überhaupt bin und wo mir normale Ungewissheiten wie zB „Wird das Paket ausgerechnet jetzt kommen, wenn ich schnell auf’s Klo flitze?“ schon zusetzen, macht mir das hier richtig gründlich zu schaffen. Was wird am Ende dabei rauskommen? Wer bin ich dann? Wie bin ich dann? Wird sich überhaupt so viel ändern, wie es mir gerade vorkommt, dass sich ändern wird? Wird das überhaupt alles in nur so wenig Zeit reinpassen? Werde ich die, die ich werde, wirklich mehr mögen oder vielleicht noch weniger als die aktuelle Version von mir? Und ich merke, wie mir alle diese Fragen die Luft abschnüren, wie sie es mir schwer machen, mich auf das alles einzulassen.

Und dann sind da diese anderen Momente. Die, in denen ich schon merke, dass sich etwas… nein besser: dass ich mich schon verändert habe und wie sehr. Dass da auf einmal immer mal ein völlig neues Selbstbewusstsein rausblitzt – das mich dann natürlich direkt im nächsten Moment selber erschreckt. Und ich meine damit echtes Selbstvertrauen, keine lockere Flapsigkeit, das konnte ich trotz allem erstaunlicherweise immer recht gut. Aber jetzt ist es zusätzlich noch ein für mich selber Eintreten und DAS konnte ich wirklich noch nie. Bei all der vielen neuen Angst, geht an der Stelle auch welche verloren und wird durch ein bisschen entspannte Scheissegaligkeit ersetzt.

Katja

 

Umzugspannen-Monstertext oder Wieso bist’n du gerade dauernd so schlecht drauf, Katja?

Vorhin Gestern Abend waren wir in der neuen Wohnung, um am 4-Meter-Monster-Schrank weiterzubauen und das ging ganz gut und ich war endlich wieder mal zuversichtlich, dass jetzt doch endlich mal wieder alles gut oder wenigstens ok werden könnte, wie ich es in letzten Tagen selten war. Dann ging ich in die Küche, die bisher mehr Raum mit über 200 Paketen (in denen sich die noch nicht ausgepackte, noch nicht aufgebaute Küche befindet) als wirklich Küche ist und da fiel mir ein dunkler, weil feuchter Fleck ein bisschen seitlich und oberhalb des Rolladenkastens des größeren Küchenfensters auf und ich konnte fast körperlich spüren, wie alle Kraft, Zuversicht und Energie erst mal wieder aus mir wichen, so wie Luft aus einem kleinen Löchlein in einem Luftballon entweicht.

Ich kann nicht mehr. Ich hab die Schnauze gerade so gestrichten voll.

Es ist nicht die Arbeit, die der Umzug mit sich bringt, nicht das Kartons packen und von Wohnung zu Wohnung verschieben, nicht das Ikea-Piktogramme entschlüsseln und Möbel zusammenbauen, es sind diese ganzen Probleme und Katastrophen, in allen möglichen Formen, Farben und Größen, die dieser Umzug mit sich bringt.

Es sind die vielen Termine, das auf Abruf für Handwerker, Speditionen und dergleichen sitzen, die wenige Zeit alleine, um zur Ruhe zu kommen, um die vielen Gedanken, die sich sammeln, mal wieder zu notieren. Es ist keine Zeit zum Kochen, was mich normalerweise erdet und beruhigt, keine zum Bloggen, keine zum Lesen.

Es ist das trotz völliger Erschöpfung nachts nicht schlafen können, vor lauter Sorgen und Angst, was als nächstes noch passieren wird. Es ist nicht mal die Sorge, ob noch etwas passieren wird, sondern nur die Frage wann und was und wie schlimm wird’s denn…

Ich bin ein optimistischer Mensch, bin ich immer gewesen. Tief in mir glaube ich immer daran, dass irgendwann dieser blöde Spruch ‚alles wird gut‘ wahr wird. Ich konzentriere mich auf die guten Dinge, die guten Seiten. Und hinter all dies muss ich gerade ein großes EIGENTLICH setzen, denn gerade geht mir all das verloren, wird mein Optimismus auf eine harte Probe gestellt.

Schnitt.

Es ist Ende Februar, wir treffen die neuen Vermieter in der neuen Wohnung, um noch ein paar Details zu klären. Wir wollen die Wohnung, die wollen uns als Mieter, soweit passt alles, da sind nur noch ein paar Sachen zu besprechen. Das soll noch gemacht werden und da soll noch der Fensterbauer nach schauen und die Einfahrt wird bald gepflastert und im Bad dürfen wir gerne die dunkelkackbraunen Fliesen hell überstreichen, eigentlich kann das sogar der Handwerker der Vermieter für wenig Geld für uns erledigen und dann muss da noch ’ne Kleinigkeit gemacht werden und dort, aber das wird schnell gehen und sobald sie fertig sind, können wir den Schlüssel der Wohnung eigentlich schon haben und schon anfangen, unsere Sachen rüberzuräumen und das wird vermutlich in der zweiten Märzwoche der Fall sein, auch wenn wir die Wohnung erst ab Mitte April gemietet haben.

Direkt am Tag als wir den Mietvertrag unterschreiben fahren wir von dort aus ins große Möbelhaus in der Nähe und schauen uns Küchen an, lassen uns eine planen. Uff teuer und Lieferung erst Ende Mai. Wir erbitten uns Bedenkzeit für ein paar Tage, weil wir am nächsten Tag für zwei Nächte nach Wien aufbrechen wollen.

In Wien ist schlechtes Wetter und so brechen wir am Abreisetag früher als geplant auf und machen auf dem Rückweg noch bei einem weiteren Möbelhaus Halt. Da isses genauso teuer und liefern können die auch nicht eher. Also am nächsten Tag zum Möbelschweden, gucken, an deren Planungstool setzen, sieht alles gut aus und deutlich günstiger. ‚Wie lange dauert das denn, wenn man bei Ihnen eine Küche incl. Aufmaß planen und bestellen möchte?‘ ‚Wenn Sie das online beauftragen, bekommen Sie ganz zeitnah telefonisch einen Termin für’s Ausmessen, dann kommen Sie wieder zu uns zu einem Planungstermin und dann liefern wir innerhalb von 1-3 Wochen.‘ OH WIE SUPER! Dann können wir die Küche so Ende März, Anfang April rum bekommen, in Ruhe einen Dienstleister zum Aufbau suchen und tatsächlich direkt Mitte April einziehen und haben dann auch noch 6 Wochen Zeit, um ganz gemütlich aus der alten Wohnung das selbstverlegte Laminat in 2 Räumen rauszureissen, uns um Sperrmüll und dergleichen zu kümmern.

Das scheint in der Regel auch ganz gut zu funktionieren. Aber nicht, wenn der zuständige Ausmesser einen Unfall hat und der Termin ausfällt und auch nicht, wenn bei Ikea nur eine von eigentlich fünf Küchenplaner*innen arbeitet. Statt nach 6 Wochen eine fertig aufgebaute Küche zu haben, haben wir nach 6,5 Wochen immerhin einen Termin zur Planung und Bestellung und nach weiteren 4,5 Stunden auch einen Termin für die Lieferung – schon 2 Wochen später. Ganz Gallien? Einen Liefertermin für die ganze Küche? Nein, eine unbeugsame Arbeitsplatte hört nicht auf, unserer Planung Widerstand zu leisten. Deren Liefertermin sollen wir am nächsten oder übernächsten Tag bekommen.

Bevor das aber geschieht fällt mir abends auf, dass in der Bestellung nicht die ausgesuchte Arbeitsplatte aufgeführt ist, sondern ein ganz anderes Design. Also bei Ikea gemeldet (erreichen tut man die übrigens nie, man kann nur hoffen, dass auf Mails irgendwann doch noch jemand reagiert und anrufen kann man nur im deutschlandweiten Callcenter, nicht mal im entsprechenden Laden, geschweige denn in der Küchenabteilung des entsprechenden Ladens…) und dann tagelang (nicht bis morgen oder übermorgen) gewartet, bis wir endlich erfahren, dass sie a) die Platte im richtigen Design in Auftrag gegeben und b) die Arbeitsplatte schon gute 2 Wochen nach der restlichen Küche geliefert wird.

Schnitt.

Vielleicht ist das ja alles gar nicht so schlimm, dass es so lange dauert, denn in der Wohnung geht es auch nur mäßig voran. Beim Vertragsabschluss ist noch eine uralte und verranzte Einbauküche aus den frühen Siebzigern eingebaut, die die Vermieter noch rausnehmen und dann auch noch die Wand dahinter verputzen wollen. Beim Rausnehmen der Küche, die eine Theke mitten in den Raum gebaut hatte, fällt dann auf, dass die Fließen, die in Küche und Wohnzimmer durchgehend verlegt sind, unter den alten Küchenschränken nicht mit verlegt sind. Als wir das nächste Mal in die Wohnung konmen, stehen wir vor einer klaffenden Lücke im Bodenbelag, mitten im Raum, wo die Theke war. Zum Glück findet sich im Keller noch ein Rest Fließen. Der Handwerker verlegt die restlichen Fließen so gut wie er’s wohl kann. Teils quer zur Richtung, ohne Wasserwaage, und sie reichen auch nicht ganz für die noch bestehenden Lücken. Nun gut, kommen ja Schränke drüber.

Die Wand ist natürlich noch nicht verputzt. Der Vermieter sollte uns Bescheid sagen, dass der Handwerker drauf wartet von uns zu hören, wo die Steckdosen hin sollen. Uns sagt niemand Bescheid, es geht 2 Wochen nicht weiter.

Beim nächsten Besuch guckt G. ein bisschen betreten. ‚Hier, das mit den Steckdosen da in der Wand. Das geht so nicht. Da verlaufen die Heizungsrohre. Ich hab da reingebohrt. Ist aber alles schon wieder behoben und die Wand neu gemacht.‘

Und dann bei einem der nächsten Besuche ‚drüben‘ fällt mir auf, dass da gar nicht überall Schränke drüber kommen, wo die Fließen fehlen. Die Lücke ist 47 cm breit. Der eine Schrank nur 40 cm tief, weil sonst das Fenster nicht aufginge. Oh und Fußleisten fehlen auch noch hier und da und dort, wo man den Boden sehen wird. Oh und im Arbeitszimmer und Schlafzimmer gibt es da auch noch Lücken.

Wir suchen selber im Keller nach Restfließen. Da gibt es nichts, was auch nur einigermaßen passen würde. Also zum Baumarkt, Fließen kaufen, G. fragen, ob er die 3 Stück verlegen kann. Mittlerweile ist auch egal, ob mit oder ohne Wasserwaage. Da sieht man eh nur 7 rausguckende Zentimeter.

Schnitt.

Frustriert durch so vieles, was da gerade schief läuft, kaufen wir uns einen Megamonstergrill für die neue Terrasse. Die alte Wohnung hat einen fest auf der Terrasse vermauerten, wir brauchen also einen eigenen. Der Mitdings recherchiert, liest in Grillforen, sucht, macht. Die mit Abstand günstigste Lösung ist, nach Dänemark zu fahren, um dort einen zu kaufen. Da sind jene, wovon wir einen haben möchten, um Klassen billiger. Dann flattert das Angebot vom Baumarkt rein. Genau so einer. Günstig und zusätzlich nur für einen Tag, den die Baumarktkette als ‚Welttag der Heimwerker‘ ausgerufen hat, gibt’s nochmal 15% Rabatt auf alle Käufe über 100 Euro. Ausgerechnet an dem Tag haben wir aber eine Verabredung mit meiner Familie, die sich nicht verschieben lässt. Der Mitdings verfolgt online die Bestände diverser Baumärkte der Kette, telefoniert morgens schon rum, stellt irgendwann fest, die Preise der Grills schwanken von Region zu Region. Dann findet er einen Markt, der auf der Strecke liegt und wo wir auf dem Rückweg vorbeifahren können, um den ‚Schnäppchengrill‘ einzusacken.

Als wir den Markt stürmen, ist das Modell ausverkauft. 20 Stück davon hatten sie da. 20 Stück davon haben sie verkauft. Der nette Verkäufer bietet uns an, dass er den Grill für uns nachbestellt, wir den dann trotzdem zum gleichen Preis mitsamt der 15% Rabatt bekommen und – der Knüller – dass sie ihn kostenlos anliefern. (Wenn man online bestellt, zahlt man schicke 30 Euro für die Anlieferung und jetzt soll das auf einmal gratis gehen?) Wir schlagen ein, zahlen eine Unsumme an der Kasse, freuen uns. Endlich klappt doch mal was. Ende der Folgewoche soll er im Markt ankommen und dann bekämen wir einen Anruf zur Vereinbarung der Lieferung. Stattdessen bekommt der Mitdings mit fast einer Woche Verspätung einen Anruf, dass sich das ganze um noch eine Woche verzögern wird und dann ein paar Tage später einen weiteren, dass der Grill nicht mehr hergestellt würde und wir doch in den Markt (~ 50 km von uns entfernt) kommen sollten, um unser Geld wieder abzuholen. Ok, also kein Grill erst mal.

Dann, wieder ein paar Tage später plötzlich noch ein Anruf, der Grill sei jetzt wieder da und wir könnten ihn im Markt abholen. Wir stimmen zu, fragen gar nicht mehr nach Lieferung, bevor die sich’s wieder anders überlegen. Heute holen wir das Baby vermutlich ab. Und ja, das hat einen guten Ausgang, aber hätte es den nicht ohne das Generve zwischendurch haben können?

Schnitt.

Der Handwerker hat die Badezimmerfließen gestrichen und das sieht richtig gut aus im Vergleich zu dem dunkelbraun vorher. Weil wir hier schon 9 Jahre lang mit dem Bad nicht so glücklich waren, wollen wir’s in der neuen Wohnung von Anfang an schön machen und kaufen uns eigene Waschbecken samt Unterschränken und Spiegelschränken, um die quietschorangenen der Wohnung dagegen auszutauschen. Seit wir versucht haben, die alten Waschbecken abzuschließen (heisst das so? das Rückgängigmachen von anschließen?), weiss ich, was Eckventile sind und dass man gar nix machen kann, wenn die zu alt und verkalkt und nicht drehbar sind. Eckventile besorgt, den Handwerker gebeten, sie auszutauschen, weil auch das eigentlich Vermietersache ist. Der ist so freundlich und hängt sogar die ollen Waschbecken für uns ab und schleppt sie in den Keller, zerquetscht aber dafür mit seiner Zange direkt die Gewinde der neuen Eckventile. Alles wie immer.

Dafür fällt ihm auf, dass in der Küche noch gar keine Eckventile angebracht sind und wir die brauchen werden für den Küchenaufbau. Also wieder in den Baumarkt, nochmal welche besorgt, G. baut sie ein. Und ich stehe knirschend daneben und bitte ihn, die Zange nicht ausgerechnet an den Gewinden anzusetzen…

Nachdem wochenlang immer Werkzeug auf dem Klodeckel im Bad rumlag und plötzlich mal keines da ist, komme ich zum ersten Mal auf die Idee, den Klodeckel zu öffnen. Dass wir eine neue Brille samt Deckel besorgen wollen ist klar. Dass wir ein komplett neues Klo brauchen, um nicht vor Ekel die Flucht zu ergreifen, zeigt sich erst da. Das geht echt gar nicht. Wieder mit dem Vermieter verhandelt. Wir besorgen, bauen ein, er zahlt.

Die Duschglastür, die im März angebracht werden soll, fehlt übrigens Mitte April als wir den Wohnungsschlüssel dann doch endlich bekommen – nicht mal pünktlich zum Mietbeginn – immer noch und auch Ende April. Wir messen die Nische selber aus, stellen fest, dass das gar nicht so einfach wird, weil die Nische recht niedrig ist, fragen nach, ob wir uns einfach selber kümmern können/sollen und der Vermieter die Rechnung übernimmt. Später die Nachricht: ja geht klar. Die wird jetzt zwar spät, aber immerhin am gleichen Tag wie die Küchenarbeitsplatte geliefert.

Bei der Gelegenheit und der Beschäftigung mit der Dusche fällt uns auf, dass es exakt eine Temperatur zum Duschen gibt. An der unterputz liegenden Duscharmatur ist irgendwas gebrochen, das Teil dreht rund, die Temperatur lässt sich nicht regeln. Der Mitdings recherchiert wieder mal, stellt fest, dass das auch nicht so einfach wird und der Kundendienst der Herstellerfirma vermutlich die gute Lösung sein wird, wenn man nicht die Wand aufstemmen möchte, sagt dem Vermieter Bescheid, der schickt am nächsten Tag den Handwerker, der stellt nochmal das gleiche fest wie der Mitdings und wir bekommen endlich das Ok, den Kundendienst zu rufen und die Rechnung an den Vermieter zu schicken.

Der wird immerhin Dienstag Morgen in aller Herrgottsfrühe auf der Matte stehen.

Schnitt.

Diese ganzen Kleinigkeiten, die so zwischendrin noch schief gehen und von denen jede ein kleines bisschen Aufmerksamkeit, Zeit und Energie frisst. Zum Beispiel bestellen wir zwei Dinge in einer Bestellung, der Versender teilt es in zwei Lieferungen auf, eine davon kommt problemlos ein paar Tage später an, die andere hat im Lieferstatus ein ‚unzustellbar, weil Empfänger unbekannt‘. Angekommen ist übrigens der mitbestellte Wein ( \o/ ), nicht das Teil für die Wohnung…

Oder die Tatsache, dass aus ‚Der Garten? Der wird noch gemacht. Der steile Hang kommt raus, das kommt alles auf ein Niveau und von der Terrasse bauen wir eine Treppe in den Garten.‘ ein ‚Ach der Garten? Ja also, der bleibt jetzt doch so. Da will die Firma zu viel Geld, das ist zu teuer.‘ geworden ist.

Da fällt es kaum noch ins Gewicht, dass man sich am neu angebrachten Briefkasten beim Leeren an den scharfen Kanten die Hand fast aufschlitzt. Immerhin haben wir den mittleren, nicht den unteren, der bei Regen komplett unter Wasser steht, während sich in unserem nur eine kleine Pfütze bildet.

Oder der Ärger über Menschen, denen man beim umzugsbedingten Ausmisten via einer Free Your Stuff-Gruppe Zeug schenken will, sich nach deren Terminwunsch richtet und dann versetzt wird.

Schnitt.

Bei der Wohnungsbesichtigung stellen wir fest, dass eines der Wohnzimmerfenster einen Sprung hat. ‚jaja, das wird jetzt auch direkt gemacht. Da kommt der Fensterbauer und tauscht das aus.‘
Mitte April ist das Fenster noch genauso wie vorher, zwischen beiden Scheiben ist es dauernd beschlagen, weil Feuchtigkeit dazwischensteht. Ausserdem stellen wir fest, dass die Fensterbank an dem gleichen Fenster gebrochen ist (‚tauscht der Fensterbauer dann auch mit‘), die Terrassentür sich nicht kippen lässt und auch nur dann richtig schließt, wenn man an der unteren Ecke dagegentritt (’soll der Fensterbauer nach gucken‘), einer der Küchenrolläden gerissen ist und sich an der Stelle verhakt (‚das macht dann der Fensterbauer‘), beim zweiten Küchenfenster die Fensterbank, da wo vorher die Arbeitsplatte bis ins Fenster rein gebaut war, noch fehlt (‚baut der Fensterbauer dann eine ein‘) und jetzt der nasse Fleck an der Ecke des Rolladenkastens und noch ein weiterer an der Decke und niemand weiss, ob es diesen Fensterbauer überhaupt gibt und falls ja, ob er jemals zu unserer Wohnung finden wird.

Katja

Verunsicherungsfaktoren

Mit Ungewissheiten und Dingen, die sich fast vollständig meiner Kontrolle entziehen, kann ich nicht gut umgehen. Die machen mich im besten Fall nur nervös, in schlechteren Varianten machen sie mir Angst und Panikattacken. Gerade machen mich die ganzen Umzugsungewissheiten ziemlich mürbe. Vor allem die Tatsache, dass wir noch keine Ahnung haben, wann genau wir umziehen können und werden. Wir haben die neue Wohnung ab Mitte April gemietet, die alte noch bis Ende Mai, also eigentlich jede Menge Zeit und keine Zeitnot. Trotzdem wollten wir eigentlich Mitte April am liebsten direkt umziehen. Fest stand direkt beim Finden der Wohnung, dass wir eine neue Küche brauchen / möchten und damit fing der schwierige Teil an. Ein Besuch beim großen Möbelhändler – und zwar exakt am Tag als wir den Mietervertrag unterschrieben haben, um ja nur keine Zeit zu verschenken – in der Nähe ergab, dass die Küchen dort nicht nur ganz schön teuer sind, sondern auch unschöne 3 Monate Lieferzeiten haben. Die hätten uns allerfrühestens Ende Mai eine Küche geliefert und das auch nur, wenn wir quasi am gleichen Tag noch bestellt hätten.

Ein weiteres Möbelhaus hat auch keine erfreulicheren Lieferzeiten, also zum Möbelschweden, lange rumgeguckt, festgestellt, dass die mittlerweile durchaus Küchen haben, die uns gefallen (vor 10 Jahren war das nicht so) und die noch dazu deutlich günstiger werden dürfte. Also gut, dann dort kaufen. Wenn man sich beim Möbelschweden eine Küche planen lässt, kostet das inclusive Ausmessen und Lieferung 150 €. Wenn man sie selber plant und nur liefern lässt, kostet das 150 € und weil wir bei der letzten Küche, die wir selber ausgemessen haben, bei der Lieferung festgestellt haben, wie schief die Wände in dieser Wohnung hier sind und dass das alles gar nicht so passt, wie gedacht sondern dass wir einen Hängeschrank an eine ganz andere Wand verschieben mussten (was im Nachhinein eine bessere Lösung war), also dieses Mal auch ausmessen lassen. Wenn dann die Maße bei Ikea vorliegen und die ein paar Angaben haben, was man sich so vorstellt, planen die schonmal drauf los und dann geht man zu einem Termin ins Möbelhaus und plant nochmal zusammen rum und bestellt den Kram. Ab dann dauert es – so unser bisheriger Informationsstand – 1 bis 3 Wochen bis die Küche geliefert wird und weil der Aufbau durch Ikea unverhältnismäßig teuer ist, muss also vorher noch ein Dienstleister gefunden werden, der das günstiger macht. Das geht aber auch erst, wenn die Küche bestellt ist, ansonsten bekommt man von denen keinen Kostenvoranschlag.

An diesem Punkt waren wir dann vor über 3 Wochen und an exakt dem gleichen Punkt sind wir heute immer noch, weil es innerhalb von 3 Wochen noch nicht hingehauen hat, dass die Küche ausgemessen wurde. Auf den ersten Termin haben wir über 2 Wochen warten müssen, den mussten wir blöderweise absagen, weil wir dachten, die Küche sei weiter als sie tatsächlich war. Der nächste mögliche Termin wäre dann heute gewesen, den hat die Ausmessfirma abgesagt, weil der Ausmessmensch krank ist. Einen neuen Termin gibt’s noch gar nicht. Und die Zeit rennt und aus dem ‚Mitte April klappt locker‘ ist schon ein ‚hoffentlich Anfang Mai‘ geworden.

Das Blöde ist, dass genau von diesem Ausmessen und der Küchenbestellung auch alles andere abhängt, weil wir dann noch mehr Möbel mit der Küche zusammen liefern lassen wollen, die aber idealerweise vor unseren aktuellen Möbeln in der neuen Wohnung ankommen und die wir auch vorher aufbauen wollen, weil wir dann noch genügend Platz dafür haben.

Also wäre vor Lieferung der Küche umzuziehen eher blöd. Zudem ich das auch eigentlich nicht mehr wollte, nachdem wir in dieser Wohnung hier die ersten 3 oder 4 Wochen küchenlos wohnten. Wir können aber auch nicht viel später als die Küche einziehen, denn dann hätten wir hier nur noch eine halbe, weil wir Teile davon ja mitnehmen und die müssen auch mit eingebaut werden, zB der Backofen und das Kochfeld, die ich ja beide noch nicht lange habe. Es ist kompliziert.

Kompliziert ist auch, dass ich auf der einen Seite schon so viel wie möglich in Kartons stopfen will, es aber auf der anderen Seite immer schwieriger wird, Dinge zu finden, die wir auch ganz sicher nicht mehr brauchen, wenn wir vielleicht doch noch 6 Wochen hier wohnen und nicht nur 3. Und ich weiss hier eh bald nicht mehr, wohin mit den gepackten Kartons. Aber wenn ich aufhöre zu packen und die Küche hat diese Idealfalllieferzeit von nur einer Woche, dann hätte ich den ganzen Berg noch vor mir.

Und ich weiss, eigentlich sind das alles gar keine Probleme, allerhöchstens tatsächlich Luxusprobleme, denn hey, wir haben endlich eine Wohnung gefunden und ich habe bald eine neue und hoffentlich sehr coole Küche, aber trotzdem macht mich das alles nervös und unruhig und lässt mich schlecht schlafen. Ich hoffe, das wird besser sobald ich einen Termin habe, auf den ich hinpacken kann…

Weitere Küchenkatastrophen in der neuen Wohnung waren übrigens bisher: beim Rausreissen der uralt Küche hat sich rausgestellt, dass unter den Schränken keine Fliesen verlegt waren (zum Glück waren noch einige davon im Keller gelagert), der Handwerker hat 2 Wochen lang darauf gewartet, dass wir ihm sagen, wo die Steckdosen hinsollen, wovon wir aber nichts wussten (weswegen wir den ersten Ausmesstermin auch absagen mussten, weil die Wand noch nicht fertig war und ohne fertige Wandarbeiten messen die nicht), da wo dann Steckdosen hinsollten, laufen Heizungsrohre lang, was sich aber erst beim Bohren in diese Rohre rausgestellt hat.

Ich kenne jetzt ungefähr 7 verschiedene Möglichkeiten wie man von Küchen Albträume bekommen kann und runterfallende Hängeschränke, die mannsgroße Löcher in die Wand reissen, wo mal Dübel waren, ist nur eine Spukvariante.

Aber ja. Alles ist noch gut und alles wird gut und der Stress sitzt momentan nur in meinem Kopf. Ich hoffe, durch’s Aufschreiben ist er ein bisschen besänftigt worden.

Ommm.

Katja

Wenn’s dunkel wird… (m)eine Bitte an euch: guckt hin, fragt nach!

(Alle Jahre wieder.)

Ich weiss. Ich wiederhole mich. Denn ich hab hier schon die letzten beiden Jahre zu dieser Jahreszeit ähnliche Texte verfasst und jetzt komme ich schon wieder damit an…

Das mache ich zum einen deswegen, weil mir sehr am Herzen liegt, dass wir lernen und uns trauen, offener mit psychischen Erkrankungen umzugehen, zum anderen speziell immer wieder zu diesem Zeitpunkt, weil es von Depressionen Betroffenen dann häufig noch schlechter geht. Wenn draussen alles grau und dunkel ist, rutscht man viel leichter auch innen in tiefe dunkle Löcher, aus denen es oft schwer ist, wieder rauszukommen.

Manchmal wird es aber doch besser und ein wenig heller, wenn man merkt, dass man nicht ganz alleine mit der hundsgemeinen Krankheit ist. Wenn man merkt, dass es Menschen gibt, denen an einem liegt. Wenn man merkt, dass da Freunde sind, die auch dann da bleiben und versuchen, Kontakt zu halten, wenn man selber es gerade nicht gut auf die Reihe bekommt, Kontakte zu pflegen und wenig Eigeninitiative zeigt.

Meine Bitte an euch:

Achtet bitte besonders in den dunklen Wochen, die vor uns liegen – und die noch dazu Feiertage mitbringen, an denen Einsamkeit noch deutlicher bewusst wird -, auf die Menschen in eurem Umfeld. Bitte fragt mal nach, wenn ihr merkt, dass sich jemand abschottet. Fragt eure Freunden, Bekannten, Nachbarn, Kollegen, Lieben wie’s ihnen geht und falls ihr euch Sorgen um sie macht, fragt auch noch ein zweites Mal nach, falls sie auf höfliche Floskeln ausweichen. Interessiert euch, geht nicht weg, bietet an zu reden / zuzuhören, aber bedrängt nicht. Seid auch einfach schweigend da und leistet Gesellschaft. Nehmt mal in den Arm. Gebt keine gutgemeinten Ratschläge, stellt keine ‚aber warum machst du denn nicht einfach…?‘-Fragen.

Wenn man Depressionen hat, kann man sich in schlimmen Phasen oft selber nicht leiden und zieht sich zurück, um anderen nicht mit der komischen Stimmung auf die Nerven zu gehen. Bitte seid da, bleibt da und gebt das Gefühl, dass auch diese Phasen ok sind. Seid _echte_ Freunde für Menschen, die dringend das Gefühl brauchen, so jemanden zu haben.

Wenn ihr selber betroffen seid und merkt, dass ihr in ein Loch fallt, dass eine akute Krise ansteht: Bitte holt euch Hilfe! Auch wenn alles ganz schwarz aussieht, gebt euch selber Zeit und die Chance, dass es wieder besser werden kann. (Das wird es! Irgendwann. Irgendwie. Auch wenn es gerade nicht so zu sein scheint. Bitte glaubt mir!)

Wenn Sie sich in einer akuten Krise befinden, wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Arzt oder Psychotherapeuten, die Ambulanz der nächstgelegenen Psychiatrischen Klinik oder die Telefonseelsorge (in Deutschland 0800 111 0 111 / 0800 111 0 222; in Österreich 142; in der Schweiz 143). Wenn diese nicht erreichbar sind, rufen Sie den Notarzt (in Deutschland 112, in Österreich und der Schweiz 144).

(Quelle: http://www.deutsche-depressionshilfe.de/ – Dort gibt es auch viele Informationen.)

Bitte passt gut auf euch und aufeinander auf! Und bitte sagt das weiter!

Ich mache das nur einmal im Jahr, dass ich euch aktiv darum bitte, einen Link weiterzugeben, einen Beitrag zu teilen, eine Nachricht weiterzusagen und das ist immer in diesem Fall, wo es mir um die Aufmerksamkeit für das Thema geht!

Vielen Dank für’s Lesen und die Aufmerksamkeit! Danke für’s Weitersagen!

Katja

*Edit am 02.11.2015:

@nelladarren wies mich darauf hin, dass ich hier einseitig appeliere und nur jene berücksichtige, die mit ihrer Depression nicht alleine sein wollen. Das ist mit meinem ‚bietet an, aber bedrängt nicht‘ tatsächlich zu knapp gefasst, denn manchmal ist schon das zu viel. Versucht also bitte so gut wie möglich darauf zu achten und zu respektieren, was euer Gegenüber möchte / will / braucht und akzeptiert vor allem auch den Wunsch, alleine gelassen zu werden.

Ich verlinke hier mal den ersten Tweet zu dem Thema, darüber (über das Datum unten im Tweetkästchen) lässt sich der Rest unserer Unterhaltung auf Twitter aufrufen.

Ein Versuch: Die Sätze meiner Kindheit (gesprochener Blogtext)

Bitte seid gnädig mit mir. Ich hasse meine Stimme, aber ich glaube, der Text braucht die gesprochene Form. Und mich an so etwas ranzuwagen ist ja auch eines der Dinge, vor denen ich nicht mehr zurückschrecken möchte.)

 

Die Sätze meiner Kindheit hallten laut:
Spiel nicht mit dem Hund, der beißt.
Kletter da nicht hoch, das reißt.
Guck nicht in das Licht, das gleißt.
Das kannst du nicht, du weißt
doch ganz genau, du bist zu dumm.
Jetzt steh mal nicht im Weg herum.

Die Sätze meiner Kindheit hallten laut.
Ich hab mich nie sehr viel getraut.

Ich wurde älter, vielleicht weiser?
Besagte Sätze wurden leiser.
Und doch heul ich mich manchmal heiser,
denn obwohl ich jetzt und hier das System
meiner Mutter durchschaue,
es bleibt dabei, dass ich mich nicht viel traue.
Hab Angst vor diesem, Angst vor jenem.
Muss immer grübeln. Komm nicht über’s Sehnen
hinaus und an den Punkt des Machens,
dauernd weinen, statt mich lachend_s
ins Leben zu stürzen.

Die Sätze meiner Kindheit hallten laut.
Ich hab nie auf mich selbst vertraut.

Nie gedacht, dass ich gewinn‘.
Nie gewusst, dass ich wer bin.
Nur auf der Suche nach dem Sinn.
Nie den Kopf hoch und das Kinn
nach vorn gereckt und mutig los.
Mich klein gefühlt und niemals groß.

Die Sätze meiner Kindheit hallten laut.
Das Leben nur aus Angst gebaut.

Ich will so vieles, kann doch nicht.
Bleib im Schatten, scheu das Licht.
Die Angst versperrt mir stets die Sicht
auf das was ‚echtes‘ Leben ausmacht.
Wie man aus der Starre aufwacht.
Aufstehn und dann einfach starten
nicht mehr grübeln, nicht mehr warten,
auf den perfekten Plan im Sinn
das haut ja doch dann nie so hin.

Die Sätze meiner Kindheit hallten laut.
So viel Zeit, so viel Leben versaut.

Ich sag nicht mehr ’nein‘, wenn ich ‚ja‘ sagen will.
Verbiet‘ mir das Grübeln, ach Kopf sei mal still.
Ich mach jetzt! Ich lach jetzt! Will mir selber vergeben
meine Fehler und Macken. Ich will endlich leben.

Leben.
Mein Leben.
Mein Leben leben.
Mein Leben erleben.

Die Sätze meiner Kindheit hallten laut.
Ab jetzt wird hier auf’s Selbst vertraut.

(Hoffentlich.)

Katja

Wandschrankentdeckung

Diese Dinge, die ich gerade kann und schaffe und anpacke und mutig einfach mache, statt mir lange den Kopf darüber zu zerbrechen und mir mit meiner Angst selber im Weg zu stehen sind gut.

Aber da ist auch eine Schattenseite, wenn man anfängt, zu sehr an sich selber zu rütteln, das Innere zu sehr durchzuschütteln, neu zu sortieren, auf den Kopf zu stellen.

Da springen gerade Türen in meinem Inneren auf, hinter denen, sorgfältig verborgen, wie in einem großen, alten Wandschrank, bei dem man immer nur kurz die Tür einen Spalt weit öffnet, um nochwas reinzuschieben und den man um Gottes Willen bloß nicht zu weit öffnen darf, damit einem der ganze reingestopfte Mist nicht entgegenfällt, noch furchtbarere Wahrheiten und ältere Muster lauern als mir bisher bewusst war.

Da wird mir schmerzhaft bewusst, wieviel größer die Macke ist, die ich eigentlich habe und es erschreckt mich, dass ich, die ich eigentlich seit ein paar Jahren dachte, mich ganz gut zu kennen – vor allem all diese Muster, die mir ein so starres Korsett anlegen, von dem ich mich nur so schwer befreien kann – merke, dass ich ganz wesentliche Anteile von mir bisher nicht kannte, nicht mal eine Ahnung davon hatte, dass sie da sind, also quasi dieser Schrank überhaupt da ist.

Neben all den mutigen Dingen, auf die ich gerade tatsächlich stolz bin, kommen an fast jedem Tag, neue verdammte Ängste und erschreckende Erkenntnisse in mir hoch. Viel zu schnell, viel zu gewaltig, als dass ich da gerade noch irgendwie mit- oder hinterherkäme. Und ich weiss nicht, was ich machen soll. Wenn diese Türen einmal aufgesprungen sind und einem der ganze Kram entgegengefallen ist, kann man ja auch nicht so tun als sei nichts gewesen. Alles schnell wieder wegstopfen, die Tür verrammeln, von draussen ein Poster davor kleben, damit man sie nicht mehr sieht. Das funktioniert ja nicht, zumindest nicht bei mir. Ich weiss jetzt, dass da noch so viel mehr ist. So viele Aufgaben mehr. So viel mehr, das mir Angst macht.

Und doch…

Katja

(Kann es so einfach sein? Schranktür auf, Zeug raus und auf dem Boden ausbreiten, einzeln anheben, von allen Seiten betrachten, überlegen, was damit zu tun ist? Wenn es sich doch wie so’n oller Schrank anfühlt, müsste doch das Ausmisten auch irgendwie auf ähnliche Weise zu schaffen sein…)