Hochgeschwemmt.

Puh, das hat wieder mal gesessen. Was, wenn diese Phase gerade, das Abwärts, das Dunkel, das Loch, in dem du wieder mal festhängst – und während du das tippst, fragst du dich, wieso du gerade so rumeierst, wieso es so wichtig zu sein scheint, einen Euphemismus dafür zu finden, wieso du es nicht einfach beim Namen, bei seinem Namen Depression nennst – also was wenn dieser Depressionsschub derzeit wieder mal zum ganz alten Muster passt und gehört? So fies und gemein dieses Schlechtgehen nämlich auch ist, es ist immerhin altbekannt und vertraut. Und Vertrautes gibt Halt und Sicherheit und Schutz. Egal wie scheiße dieser ganze vertraute Mist auch ist, immerhin diese Funktion erfüllt er immer noch. Dunkelheit und Traurigkeit als vertraute Gefährten in einer Zeit, in der dir sonst wieder mal so viele Dinge zugleich und mit Wucht den Boden unter den Füßen wegziehen, in denen sonst alles unsicher und haltlos ist? Das ist ordentlich Stoff zum Draufrumdenken. Ufff.

Katja

Die nächste Runde geht rückwärts

Diese Phasen, wenn du dich wieder mal selber infrage stellst und dann stehst du da blöd mitten in der Frage rum und weißt nicht, wie du wieder rauskommen sollst, weil die Wände nachgeben, je mehr du dagegen ankämpfst und strampelst und du drehst innerlich durch in deiner kleinen hausgemachten (homemade with self hate – kleiner drei Bussi) infrage-Gummizelle. Du bist überall und überall sind deine Dämonen und klatschen grinsend zum High Five ab, weil sie dich wieder mal überrumpelt und die Oberhand haben und wenn die Hand eh schon mal oben ist, kann man ja auch viel geschmeidiger in einer fließenden Bewegung den High Five ausführen und sie sind laut und nervend und du willst doch nur deine Ruhe. Du bist überall und überall ist ganz weit von dir selber weg, zumindest von deiner Mitte. Wo die nun wieder ist, weißt du beim besten Willen nicht und wie kann es überhaupt sein, dass du die andauernd und immer wieder verlegst, wo sie doch eigentlich qua Definition mal schön an ihrem Platz – nämlich in deiner Mitte – sein sollte. Der stechende Schmerz über den Verlust deiner Mitte oder vielleicht auch deinerselbst in Gänze überlagert alles, vor allem die Vernunft, die mit jeder Menge gut gemeinter Abers daherargumentiert, aber in diesen Momenten hat sie keine Chance gegen so viel Gefühl und du hängst schmerzgekrümmt in der Mitte – nicht deiner eigenen, das wäre ja zu schön, wenn die auf einmal doch wieder auffindbar wäre, sondern die Mitte zwischen deiner Vernunft mit den Argumenten und den Gefühlen, die vor allem aus Schmerz bestehen und alle brüllen sich gegenseitig an und bezichtigen sich der Lüge und du weißt wieder mal überhaupt nicht, wem du glauben sollst.

Und. es. kotzt. dich. so. an. Du kotzt dich selber so an, in deiner wieder mal viel zu großen Emotionalität, in der du wieder mal fast ertrinkst wie in einem Meer aus Tränen. Und dann kotzt dich an, dass du immer noch alles sofort gegen dich selber richten musst. Dass – sobald du nicht Little Miss Sunshine bist – du dich sofort für negative Gefühle auch noch selber fertig machen musst, dir selber sofort zu viel bist und damit den Selbsthass erst recht noch fütterst, statt ihn einfach endlich mal verhungern zu lassen. Spiralen nach unten. Immer wieder und sie liegen immer noch so dicht unter der Oberfläche, obwohl du die ganzen Mechanismen doch schon so lange verstanden hast. Und da kommt direkt die nächste Umdrehung, die fragt, weswegen du es dann bitteschön immer noch nicht hinbekommst, wenn du’s doch schon so lange verstanden hast undsoweiterundsofortjetztnocheinsteigendienächsteRundegehtrückwärts.

Und dann irgendwann ist da vom viel zu viel Fühlen für eine Weile nur noch Erschöpfung übrig und du atmest langsam ein. Und wieder aus. Und hoffst, dass es das jetzt erst mal wieder war und es jetzt erst mal wieder gut ist oder zumindest nicht mehr ganz so heftig.

Müde.

Katja

Ein Safeword für den eigenen Kopf. #wasfehlt

Und dann sitzt du erst mal minutenlang mit den Fingern auf der Tastatur. Reglos. Versuchst das, was im Kopf so drunter und drüber geht, in Worte und Sätze zu fassen, findest keinen Anfang, nimmst die Finger von der Tastatur weg, lässt sie mit einem tiefen Soifzer wieder fallen. Jetzt raus damit. Nicht wieder aufgeben. Du musst mal wieder anfangen, den Kopf zu sortieren (musstmusstmusst), dann findet er vielleicht auch wieder Ruhe (haha, wem machst du hier was vor?). Also so richtige Ruhe, nicht das völlig erschöpfte Rien-ne-va-plus-Zusammenbrechen der letzten Wochen.

So viel Veränderung. So. Viel. Und eigentlich ist es kein Wunder, dass der Kopf, dass die Psyche dann in die vertrauten Muster flüchtet. Selbsthass. Selbstabwertung. Du kannst nix. Du bist unfähig. Was denkst du dir nur dabei? Völlig übergeschnappt gerade? Nänänänänänä, gar nix kannst du! Kleine Versagerin! Das wird doch nie was. Das ist scheiße, das tut weh, aber es ist verdammt nochmal die vertraute Scheiße, es sind die vertrauten Muster. Vertrautes gibt Halt. Halt ist gut bei so viel Veränderung, so viel Neuem. Dass gerade das genaue Gegenteil, nämlich Selbstvertrauen und Zuversicht, deutlich hilfreicher wären und ebenfalls Halt gäben, tut ja nichts zur Sache.

Oberflächlich funktioniert das ja auch gerade ganz gut. „So lange faken bis du’s selber glaubst!“ – Der Zettel auf dem das steht, klemmt seit Jahren und immer noch gut sichtbar unter der Schreibtischunterlage und du kannst nicht mehr einschätzen, ob das alles Fake ist oder ob sich da in den letzten Monaten doch wieder echtes Selbstbewusstsein eingeschlichen hat und woran kann man das überhaupt erkennen und könnte das wenn schon bitte ein bisschen statischer sein. Schwanken macht nämlich schon wieder unsicher und je doller das Selbstbewusstsein schwankt, desto falscher kommt es dir vor.

Das Schlimme ist, dass gerade tatsächlich dauernd Dämpfer von außen kommen und zwar an genau den Stellen, an denen eigentlich das genaue Gegenteil passieren sollte und es wird nicht gerade leichter, wenn diese fiese Stimme von außen noch verstärkt wird. Die Wut und der Trotz darüber halten auch nur bis zum Abend, denn sobald es im Draußen leiser wird, fängt es innendrin wieder an.

Siehe Titel.

Katja

 

Titel hier eingeben

„Warum erlaubst du dir eigentlich nicht, glücklich zu sein?“ fragte mich vor 1,5 Jahren eine Frau, die ich damals erst ein paar Tage lang kannte und der ich ein bisschen von mir erzählt hatte und die ich dann über ein Jahr lang nicht gesehen und jetzt in ganz anderem Kontext wiedergetroffen habe und regelmäßig sehe und das ist ganz gut so, denn fast jedes Mal, wenn ich ihr begegne, habe ich genau diese Frage wieder im Kopf, die leider immer noch genauso aktuell ist, wie vor 1,5 Jahren.

„Warum erlaubst du dir nicht, glücklich zu sein?“ Weil ich’s nicht verdiene, ist die Antwort tief in mir drin, die dort immer noch lauert, auch wenn ich es mir noch so sehr wünsche, dieses Glücklichsein und auch wenn ich es absolut nicht will, dass das mit dem Nichtverdienen die Antwort ist. Ich bin so vollgepackt mit inneren Verboten und Geboten, mit Glaubenssätzen, die gar nicht die meinen sind, mit Fremdwertzuweisungen, da wo es um Selbstwert gehen sollte und immerhin merke ich das inzwischen, auch wenn ich immer noch nicht raus kann aus meiner Haut, so ist mir inzwischen zumindest klar, wo das alles herkommt und was es genährt hat und zumindest manchmal gelingt mir der Schritt zurück und ich kann es aus der Distanz betrachten und in Frage stellen.

Zur Abwechslung mal nicht mich selber in Frage stellen, sondern das Falsche in mir, was das Richtige ist, um in Frage gestellt zu werden. Ergibt das außerhalb meines Kopfes Sinn?

Katja

Nur Blei

Und dann merkst du, wie du gerade gleichermaßen fürchtest auf dich selber zurückgeworfen zu werden und doch hoffst, dass du dadurch endlich wieder mehr von dir zu greifen bekommen könntest.
„Vielleicht macht’s Sinn sich nochmal neu zu verirren, denn jede Suche führt uns näher zu uns.“ So viele Jahre schon, hast du die Textzeile aus „Gold gegen Blei“ von von Brücken in der Seitenleiste deines Blogs stehen und jedes Mal, wenn du sie siehst, denkst du, dass Nicholas wahrscheinlich wirklich der einzige ist, dem du das „Sinn machen“ lächelnd durchgehen lassen kannst und wie ironisch es eigentlich ist, dass gerade diese Textstelle so enorm wichtig für dich ist, dass du sie trotz des dich ansonsten immer störenden Machens so prominent im Blog stehen haben willst. Aber herrje, wie lange soll denn dieses sich neu verirren noch dauern? Wann kannst du denn endlich mal wieder bei dir ankommen? Und wie sollst du das anpacken? So viel Veränderung in den letzten Jahren, wie sollte das Gefühl, das dir so fehlt, denn zu dir zurückfinden, wenn dein ganzes Leben sich so verändert hat? Oder umgekehrt, wie solltest du es wiederfinden können? Wann ist das große Verirren endlich vorbei? Wann führt die Suche dich wieder näher zu dir selbst? Und wie zur Hölle solltest du das eigentlich anpacken mit der Suche? Wo gibt’s die Taschenlampen für die Suche nach dir selbst, wo die Spürhunde? Wie geht das alles überhaupt? Und wann wird und wird überhaupt diese große Unsicherheit und Ratlosigkeit sich wieder mal lichten?

Ufffff. Einatmen. Ausatmen. Geht schon Schnaps?

Katja

Immerhin

Die Frau im Spiegel sieht traurig aus, denke ich in letzter Zeit häufig und tatsächlich wird es mir am ehesten beim Blick in den Spiegel bewusst, dass mein Blick sich verändert hat, meine Augen oft mehr grau als grün sind und die Mundwinkel hängen. Vielleicht ist es auch eher ernst als traurig. Schwermütig. Und dann zwinge ich mich, mich anzulächeln, wenigstens einmal die Mundwinkel nach oben zu reißen, aber es fühlt sich nicht echt an und da kann ich mir leider auch nichts vormachen und zack sind sie auch wieder unten, als hätten sie vergessen, wie es ist, von selber weiter oben zu bleiben. Haha, du versuchst doch gerade zu schummeln, schimpft es dann irgendwo hinten in einem Winkel des Kopfes, klar, dass das nicht funktioniert.

Aber dann sind da auch endlich wieder diese Momente, in denen ich brüllend losprusten muss, mich manchmal auch eine ganze Weile nicht mehr einkriegen kann. Immerhin das geht wieder. Immerhin manchmal.

Einatmen. Ausatmen.

Katja

Ruderpartie

Und dann wird dir wieder mal bewusst, dass du selbst es bist, die du da vermisst. Die von vor einiger Zeit, die mit mehr Leichtigkeit und Zuversicht, die nicht andauernd das Bedürfnis hatte, die Arme schützend um den eigenen Körper zu legen, um sich irgendwie selbst besser zusammenzuhalten – aus Angst, da könnte noch mehr verloren gehen, von dem (Lebens-)Gefühl, das da mal war. Als ob Arme da etwas ausrichten könnten, wo es doch die Dinge im Inneren sind, die schmerzlich fehlen und so ist es auch oft mehr ein hilflos suchendes Rudern, kein wirkliches Festhalten. Und du merkst, wie oft dir wieder mal die Worte fehlen, um das, wie es in dir aussieht zu beschreiben und um es über das Worte finden, das Beschreiben zu begreifen. Aber du weißt zum Glück auch, dass das Worte suchen und finden, wenn du es übst, dazu führt, dass die Gedanken sich daran gewöhnen, formulierbar, ausdrückbar zu werden und dass die Gefühle weniger beängstigend sind und weniger Macht über dich haben, wenn du sie in Worte fassen kannst und dadurch auch besser verstehen. Also einatmen, ausatmen und zum zwiffundnölfzigsten Mal der Vorsatz hier wieder häufiger Gedanken aufzukritzeln.

Katja