madeja

So viel im Kopf und schon wieder klappt das nicht, dieses Hinsetzen und drauflos Schreiben bis es raus ist. Zu viele Gedanken auf einmal, zu ungeordnet, wie ein Wollknäuel, das die Katze dreimal quer durch den Raum gejagt hat und bei dem kein Anfang und kein Ende mehr zu finden ist. Wahrscheinlich würde es helfen, die Finger tief einzugraben in dieses Wollgedankenkonglomerat oder sie eben wieder so lange auf die Tastatur zu legen bis das funktioniert, aber das würde auch den Schmerz wieder hochholen, vor dem du schon die ganze Zeit in bunte Farben flüchtest, fast als könntest du in die Motive, die dabei entstehen schlüpfen und ihm entkommen. Aber nur fast. Und nur für eine kurze Weile funktioniert das ja auch wirklich, aber spätestens wenn die Nacht kommt, dreht der Kopf wieder rund und all die Tricks, die normalerweise ganz gut funktionieren, versagen derzeit. Zu viel auf einmal, zu ungeordnet, wie ein Wollknäuel… Moment, zurück, da waren wir doch gerade schon.

Katja

Hmpfngrmbl. (Heute nicht.)

Und dann, unter der Dusche, wenn das Gesicht eh schon mal nass ist, dann hat sich das wenigstens gelohnt, bricht das ganze Elend wieder aus dir heraus, rinnt dir der Schmerz in heißen Tränen über die Wangen und du verstehst wieder mal nicht, was der Auslöser ist, ging doch jetzt tagelang alles gut und es dir mit steigenden Sonnenstunden pro Tag und zunehmender Farbe und Blütenpracht in der Natur auch endlich besser, aber dann kommt dieser eine Gedanke und alles verschwimmt.

Und dann zählst du stumm bis 10. Atmest ein. Atmest aus. Und nochmal von vorn. Drehst das Wasser ab. Trocknest dir das Gesicht ab. Nimmst die Schultern zurück. Und machst weiter.

Again and again and again. Bitte gehen Sie weiter. Es gibt hier nichts zu sehen.

Katja

Tag 31/44

Sich langsam aus einer depressiven Episode rauszukämpfen ist ein bisschen vergleichbar mit dem erwachenden Frühling. Man sieht langsam wieder Sonnenstrahlen, fühlt die Wärme und das Licht. Die Welt um einen herum (und auch in einem drin) wird langsam wieder bunter, das Grau in Grau des Himmels bekommt immer häufiger Wolkenlücken, durch die der blaue Himmel durchscheint. An manchen Tagen ist er ganz klar und knalleblau oder hat nur ein paar einzelne Wölkchen. Überall sprießen kleine Triebe und die ersten Blümchen blühen. Morgens nach dem Aufstehen, wird der Nebel jeden Tag ein bisschen lichter und weniger dicht. Die ersten Vögel kommen wieder aus dem Süden zurück und zwitschern am Morgen.

Und dann gibt es diese Rückschläge. Aus heiterem Himmel (sogar im Wortsinne) ziehen sich dicke graue Wolken zusammen. Es schüttet in Strömen, manchmal schlägt einem sogar wieder ungemütlicher Schneeregen ins Gesicht. Aber das hält nicht so lange an. Ein paar Stunden, höchstens ein paar Tage, dann ist der Spuk wieder vorbei. Der Himmel ist wieder blau, die Sonne wärmt das Gesicht.

Und dann frage ich mich, ob es Zufall ist, dass es mir jedes Jahr im Frühling wieder deutlich besser geht. Ob nicht nur die Welt da draußen diesen Jahreszeiten unterliegt, sondern die auch in mir drinnen irgendwie stattfinden. Dann bin ich eindeutig ein Frühlingsmädchen, ein Sommerkind – und froh, das beides gerade noch vor mir liegt.

Katja

Tag 25/44

Wenn Licht und Dunkelheit aufeinandertreffen³.

Katja

Tag 22/44

Sie hörte ein leises Schluchzen und wusste nicht, wo das Geräusch herkam. Alle Winkel der Wohnung lief sie ab, schaute in alle Ecken, hob alle Kissen und Decken an und suchte darunter, doch sie konnte niemanden finden. „Wo bist du?“ fragte sie in die Leere hinein. „Ich kann dich nirgendwo finden.“ Das Schluchzen verstummte kurz und ein leises Stimmchen antwortete zaghaft: „Na hier. Hier bin ich.“ Sie drehte eine zweite Runde, suchend, innehaltend und dabei immer kurz die Luft anhaltend, damit sie eine mögliche Richtung aus der das Schluchzen kam, wahrnehmen könnte. Nichts. Die Lautstärke blieb immer gleich, egal in welcher Ecke der Wohnung sie sich bewegte. Irgendwann gab sie ihre Suche auf. Setzte sich still hin und vergrub den Kopf in den Armen. „Jetzt bin ich da. Ich höre dich. Erzähl mir, was los ist.“

Manchmal muss man nach außen hin leiser werden, damit man das Innere besser hört.

Katja

Tag 8/44

Und dann ist da auf einmal wieder dieses Band, das die Brust so einschnürt, dass jeder Atemzug schwer fällt und der Kloß im Hals, der sich auf-Teufel-komm-raus nicht runterschlucken lässt, sondern mit jedem Versuch noch anzuwachsen scheint und du merkst, wie die Schultern immer schwerer werden, das Sichtfeld enger und wie dich die Woge aus Traurigkeit und Verzweiflung von den Füßen reißt und über deinem Kopf zusammenschlägt. Während du das Gefühl hast, immer tiefer zu sinken, wird es wenigstens still um dich herum, verstummt auch endlich für einen kurzen Moment die Frage nach dem Warum, die ansonsten inzwischen dauerpräsent in deinem Kopf ist und von der du weißt, dass du niemals eine Antwort darauf erhalten wirst.

Und dann merkst du, wie deine Füße den Grund erreichen, zaghaft tasten, du atmest ein, du atmest aus, was, obwohl du dich wie unter Wasser fühlst, endlich wieder schmerzfrei geht und dann ein kleiner Tipp mit den Fußspitzen. Du stößt dich ab, steigst wieder auf, durchbrichst die Oberfläche, atmest tief durch. Und noch einmal.

Und machst weiter. Bis zum nächsten Mal.

Katja

Because you know it’s all about the…

Manchmal glaube ich, es geht eigentlich immer in irgendeiner Form ums Annehmen und Loslassen und dass sich am Ende alles irgendwie darauf zurückführen lässt.

Annehmen. Vor allem mich selber. Vor allem die Teile von mir, mit denen ich mir oft doch so schwer tue. Die Dunklen, die Traurigen, die Verzweifelten, die fast schon zwangsläufig in ein „warum bist du nur so wie du bist und nicht anders?“ münden, was ungefähr das Gegenteil von dem ist, was in solchen Momenten hilfreich wäre, denn letztendlich schiebt mich das Hadern mit mir selber immer nur weiter in Richtung Boden. Annehmen. Auch die schlechten Tage. Auch jene Gefühle, die ich lieber nicht fühlen würde.

Annehmen und dann loslassen. Loslassen von dem, was ich nicht haben will, dem, was ich nicht haben kann, dem, was mir nicht gut tut.

Und dabei am besten noch locker bleiben, denn ohne das geht weder das eine, noch das andere so richtig und schon gar nicht leicht. Ach herrje, wenn da nur nicht immer diese Kluft wäre zwischen dem, was mein durchaus kluger Kopf so weiß und dem, was mein kleines dummes Herz daraus macht.

Einatmen. Ausatmen.

Katja

die jetzt länger nach einem griffigen Titel gesucht als am Text geschrieben und sich am Ende selber ’nen Ohrwurm gemacht hat