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„Warum erlaubst du dir eigentlich nicht, glücklich zu sein?“ fragte mich vor 1,5 Jahren eine Frau, die ich damals erst ein paar Tage lang kannte und der ich ein bisschen von mir erzählt hatte und die ich dann über ein Jahr lang nicht gesehen und jetzt in ganz anderem Kontext wiedergetroffen habe und regelmäßig sehe und das ist ganz gut so, denn fast jedes Mal, wenn ich ihr begegne, habe ich genau diese Frage wieder im Kopf, die leider immer noch genauso aktuell ist, wie vor 1,5 Jahren.

„Warum erlaubst du dir nicht, glücklich zu sein?“ Weil ich’s nicht verdiene, ist die Antwort tief in mir drin, die dort immer noch lauert, auch wenn ich es mir noch so sehr wünsche, dieses Glücklichsein und auch wenn ich es absolut nicht will, dass das mit dem Nichtverdienen die Antwort ist. Ich bin so vollgepackt mit inneren Verboten und Geboten, mit Glaubenssätzen, die gar nicht die meinen sind, mit Fremdwertzuweisungen, da wo es um Selbstwert gehen sollte und immerhin merke ich das inzwischen, auch wenn ich immer noch nicht raus kann aus meiner Haut, so ist mir inzwischen zumindest klar, wo das alles herkommt und was es genährt hat und zumindest manchmal gelingt mir der Schritt zurück und ich kann es aus der Distanz betrachten und in Frage stellen.

Zur Abwechslung mal nicht mich selber in Frage stellen, sondern das Falsche in mir, was das Richtige ist, um in Frage gestellt zu werden. Ergibt das außerhalb meines Kopfes Sinn?

Katja

Nur Blei

Und dann merkst du, wie du gerade gleichermaßen fürchtest auf dich selber zurückgeworfen zu werden und doch hoffst, dass du dadurch endlich wieder mehr von dir zu greifen bekommen könntest.
„Vielleicht macht’s Sinn sich nochmal neu zu verirren, denn jede Suche führt uns näher zu uns.“ So viele Jahre schon, hast du die Textzeile aus „Gold gegen Blei“ von von Brücken in der Seitenleiste deines Blogs stehen und jedes Mal, wenn du sie siehst, denkst du, dass Nicholas wahrscheinlich wirklich der einzige ist, dem du das „Sinn machen“ lächelnd durchgehen lassen kannst und wie ironisch es eigentlich ist, dass gerade diese Textstelle so enorm wichtig für dich ist, dass du sie trotz des dich ansonsten immer störenden Machens so prominent im Blog stehen haben willst. Aber herrje, wie lange soll denn dieses sich neu verirren noch dauern? Wann kannst du denn endlich mal wieder bei dir ankommen? Und wie sollst du das anpacken? So viel Veränderung in den letzten Jahren, wie sollte das Gefühl, das dir so fehlt, denn zu dir zurückfinden, wenn dein ganzes Leben sich so verändert hat? Oder umgekehrt, wie solltest du es wiederfinden können? Wann ist das große Verirren endlich vorbei? Wann führt die Suche dich wieder näher zu dir selbst? Und wie zur Hölle solltest du das eigentlich anpacken mit der Suche? Wo gibt’s die Taschenlampen für die Suche nach dir selbst, wo die Spürhunde? Wie geht das alles überhaupt? Und wann wird und wird überhaupt diese große Unsicherheit und Ratlosigkeit sich wieder mal lichten?

Ufffff. Einatmen. Ausatmen. Geht schon Schnaps?

Katja

Immerhin

Die Frau im Spiegel sieht traurig aus, denke ich in letzter Zeit häufig und tatsächlich wird es mir am ehesten beim Blick in den Spiegel bewusst, dass mein Blick sich verändert hat, meine Augen oft mehr grau als grün sind und die Mundwinkel hängen. Vielleicht ist es auch eher ernst als traurig. Schwermütig. Und dann zwinge ich mich, mich anzulächeln, wenigstens einmal die Mundwinkel nach oben zu reißen, aber es fühlt sich nicht echt an und da kann ich mir leider auch nichts vormachen und zack sind sie auch wieder unten, als hätten sie vergessen, wie es ist, von selber weiter oben zu bleiben. Haha, du versuchst doch gerade zu schummeln, schimpft es dann irgendwo hinten in einem Winkel des Kopfes, klar, dass das nicht funktioniert.

Aber dann sind da auch endlich wieder diese Momente, in denen ich brüllend losprusten muss, mich manchmal auch eine ganze Weile nicht mehr einkriegen kann. Immerhin das geht wieder. Immerhin manchmal.

Einatmen. Ausatmen.

Katja

Ruderpartie

Und dann wird dir wieder mal bewusst, dass du selbst es bist, die du da vermisst. Die von vor einiger Zeit, die mit mehr Leichtigkeit und Zuversicht, die nicht andauernd das Bedürfnis hatte, die Arme schützend um den eigenen Körper zu legen, um sich irgendwie selbst besser zusammenzuhalten – aus Angst, da könnte noch mehr verloren gehen, von dem (Lebens-)Gefühl, das da mal war. Als ob Arme da etwas ausrichten könnten, wo es doch die Dinge im Inneren sind, die schmerzlich fehlen und so ist es auch oft mehr ein hilflos suchendes Rudern, kein wirkliches Festhalten. Und du merkst, wie oft dir wieder mal die Worte fehlen, um das, wie es in dir aussieht zu beschreiben und um es über das Worte finden, das Beschreiben zu begreifen. Aber du weißt zum Glück auch, dass das Worte suchen und finden, wenn du es übst, dazu führt, dass die Gedanken sich daran gewöhnen, formulierbar, ausdrückbar zu werden und dass die Gefühle weniger beängstigend sind und weniger Macht über dich haben, wenn du sie in Worte fassen kannst und dadurch auch besser verstehen. Also einatmen, ausatmen und zum zwiffundnölfzigsten Mal der Vorsatz hier wieder häufiger Gedanken aufzukritzeln.

Katja

Ja huch?!

…und dann wird mir auf einmal bewusst, wie ultrahammeroberkrass diese Veränderung und Entwicklung ist, die ich da in der letzten Zeit gemacht habe. Dieses berufliche Thema, das so lange Zeit so dermaßen furchteinflößend war, dass ich schon alleine beim Drandenken, dass ich mal drüber nachdenken müsste, eine Panikattacke bekommen habe, wie ich es nur aus Zeiten kannte, als ich noch rauchte, was inzwischen auch schon wieder über 10 Jahre her ist und dass ich damals™ immer in Panik verfallen bin und dringend erst mal eine rauchen musste, wenn ich nur darüber nachdachte, dass ich mal über’s Aufhören nachdenken müsste, so in etwa war das jahrelang für mich.

Und jetzt? Ich stelle mich. Ich mache diese Reha, in der es darum geht. Ich beschäftige mich damit. Ich frage großartige Menschen um Rat und bekomme noch viel großartigere und allesamt wohldurchdachte Ideen, denke über diese Ideen nach, versuche mich reinzudenken, reinzuspüren, reinzuhören. Das alles vorsichtig optimistisch, neugierig, offen, gespannt. Und mir wird erst in einem ruhigen Moment überhaupt klar, WIE groß diese Veränderung ist und ich muss es dringend hier aufschreiben, um es bewusster festhalten zu können. Da tut sich was in mir, viel sogar und immer noch ein bisschen wehmütig vermisse ich den besten Therapeuten und mir wird – beim Gedanken, dass er gerade vermutlich stolz auf mich wäre – wieder mal bewusst, wie nah er mir in all den Jahren war und dass genau diese, möglicherweise nicht zu hundert Prozent professionelle, dafür aber immer enorm fürsorglich wohlwollende Nähe es war, was mir in all den Jahren so gut getan hat, weil das eines der Dinge ist, die mir in meiner Kindheit am allermeisten gefehlt haben. Aber vielleicht kann ich mir auch jetzt einfach mal erlauben, selber stolz auf mich zu sein. So! Nämlich!

Katja

 

Worum es geht. Und worum nicht.

„Du schaffst das schon!“ bekomme ich gerade häufiger zu hören. „Ja, danke. Ich hoffe es.“ antworte ich meistens und bin tatsächlich dankbar über den Zuspruch und die Unterstützung und Aufmunterung, die darin steckt.

Und dann, wenn es außen ruhig wird, geht innendrin der eigentliche Kampf los. Ja, natürlich werde ich es schaffen. Das ist klar, daran besteht kein Zweifel und das Schaffen bzw. die Angst davor, es nicht zu schaffen, ist gar nicht das, was mich so umtreibt und was mir solche Angst macht. Ich weiß, dass ich es schaffen kann. Und vielleicht ist genau das das Problem. Ich kann schaffen. Ich kann durchhalten. Ich kann *aus*halten. Und ich kann genau dabei – beim Schaffen, beim Durchhalten, beim Aushalten – innerlich kaputt gehen während ich nach außen ganz wunderbar funktioniere, während ich versuche allen Ansprüchen und Erwartungen oder angenommenen Ansprüchen und angenommenen Erwartungen zu genügen, während ich versuche alles gut und alles richtig zu machen. Gut und richtig für alle anderen, nur leider selten für mich selber.

Ich habe keine Angst, es nicht zu schaffen. Ich weiß, dass ich das *kann*. Ich habe Angst davor, es zu schaffen, aber mich dabei selber aus den Augen zu verlieren. Meine Grenzen, meine Kapazitäten nicht zu spüren, den schmalen Grat zwischen Ehrgeiz und Selbstfürsorge nicht zu finden. Es nach außen zu schaffen, damit alle zufrieden sind und ich mich nicht wie eine Versagerin fühle, nicht schon wieder, und den viel zu hohen Preis dafür zu zahlen, dass mir das verloren geht und entgleitet, was das Leben schön und lebenswert macht.

Mein Anspruch an mich, mein Auftrag, den ich mir gerade also selber gebe, ist nicht, es zu schaffen, sondern genau hinzugucken, meine Grenzen zu finden, wahrzunehmen und vielleicht auch wirklich zu verschieben, aber im richtigen Maß, in jenem, dass nicht die Selbstfürsorge wieder hinten runterfällt, wo ich sie doch gerade erst so mühsam erlerne. Mir selber zuzugestehen, nicht alles schaffen zu müssen, im Zweifel sogar scheitern zu dürfen. Ohne, dass das meinen Wert schmälert.

Und das ist leider sehr viel schwieriger als es zu schaffen.

Katja

Haftnotiz

Da ist dieser Termin, vor dem ich nicht erst seit Wochen sondern sogar schon seit Monaten Angst habe. Dann war er endlich da. Und ich krank. Und voller Angst und Unsicherheit, dass das jetzt zu einem noch größeren Problem werden könnte. Und dann war der Ersatztermin. Und ich immer noch krank. Zu viel Aufregung in den letzten Wochen, zu viel Anspannung, die dieses Mal nicht nur als *Ver*spannung in meinem Nacken landet, sondern auch als Entzündung im Magen und Darm. Zwieback, Kamillentee, Antibiotika, juchee!

Und jetzt warte ich schon wieder seit Wochen auf den Ersatztermin vom Ersatztermin vom Termin und dass ich keinen bekomme setzt mir noch mehr zu als es die Angst vorm Termin an sich könnte, weil herrje, ich will das jetzt endlich hinter mich bringen, will endlich wissen, was genau mich da überhaupt erwartet, wie schlimm es denn jetzt überhaupt wird.

Und dann gestern der Entschluss, jetzt selber tätig zu werden, mich aus der Ohnmacht des Wartens zu befreien, das Handy gepackt, tief durchgeatmet, nochmal tief durchgeatmet und nochmal und dann angerufen. Jetzt habe ich immer noch keinen neuen Ersatztermin, leider, aber schon zwei Dinge angesprochen, die wichtig sind. Immerhin. Und irgendwie fühlt sich das Warten jetzt ein bisschen anders an, nicht mehr ganz so ausgeliefert.

Selbstwirksamkeit. Ich kann viel häufiger selber etwas unternehmen als mir oft bewusst ist. Ommm. Daher hier wieder mal eine Haftnotiz für mich selber. Damit ich das hoffentlich irgendwann mal verinnerliche.

Ufff. Den Termin hätte ich trotzdem gerne bitte sehr zeitnah. Nicht nur aus Angstgründen.

Katja