Wie geht das denn? #8b heute: Tagesklinik

Zu Teil 1, in dem es um eher organisatorischen Kram geht: Hier entlang!

 

Jeder Morgen (bis auf den Donnerstag) beginnt um 8 Uhr mit der sog. Morgenrunde. Die findet im Gruppenraum statt, wird von einem der 3 Leute aus dem Pflegeteam geleitet und dauert ungefähr eine halbe Stunde. Je nachdem, wer von der Pflege anwesend ist, läuft die ein wenig unterschiedlich ab. Im Grunde geht es meist um so Fragen: Wie geht’s dir gerade? Wo stehst du gerade in der Therapie? Montags erzählen wir vom Wochenende und woran wir in der Woche therapeutisch arbeiten wollen, freitags von der Wochenendplanung. In der Morgenrunde werden organisatorische Fragen geklärt, manchmal Atemübungen gemacht, manchmal psychologische Hintergründe und Modelle zB die Transaktionsanalyse und dergleichen grob umrissen und erklärt. Manchmal bekommen wir eine Geschichte vorgelesen – die natürlich stets einen psychologischen Hintergrund hat. Manchmal machen wir Imaginationsübungen und müssen unser aktuelles Befinden nicht einfach nur beschreiben, sondern zB uns vorstellen, wir seien Sportler, die gerade im Trainingslager sind und wir müssen uns eine Sportart aussuchen, in der wir trainieren und unseren Stand in der Therapie mit dem Trainingszustand beschreiben. Bei einer anderen Übung mussten wir uns ein Werkzeug überlegen, das wir benutzen könnten um an unserem aktuellen Problem zu arbeiten.
Manchmal spielen wir Spiele, bei denen es um Konzentration geht. Die Morgenrunde ist von allen Therapien die vielseitigste, wo die meisten unterschiedlichen Dinge passieren.
Der Donnerstag sticht da noch besonders raus, da haben wir statt der üblichen Morgenrunde Lockerung, wo wir manchmal ein Ballspiel machen, manchmal Qi Gong, manchmal pantomimisch Sprichworte erklären, manchmal Wikinger Schach spielen oder Betttuch Tennis und was sich durch alle Therapien durchzieht sind immer die Fragen: „Wie geht’s mir gerade? Was macht die Übung mit mir? Tut mir das gut oder eher nicht? Woher kenne ich das Gefühl?“ Es wird quasi nichts getan ohne es auch noch zu reflektieren und das alleine ist ungeheuer anstrengend, dass man sich den ganzen Tag immer wieder mit der Frage beschäftigen muss, wie es einem gerade geht und Worte dafür finden muss, es zu beschreiben. Es ist natürlich auch ok, einfach mal die Klappe zu halten, weil man das gerade nicht in Worte fassen kann. Und man darf sich generell aus bestimmten Dingen ausklinken, wenn einem eine Übung nicht gut tut, ein Thema triggert oder dergleichen. Es ist in der Klinik nicht nur erlaubt, sondern erwünscht, dass man auf sich selber und seine Bedürfnisse achtet, seine Grenzen findet und beachtet. Natürlich auch, dass man probiert, darüber hinaus zu gehen – es soll sich ja schließlich etwas ändern. Aber ein ‚geht gerade nicht‘, ist jederzeit legitim und man kann dann – im Rahmen der jeweiligen Therapie – sehen, was das aktuelle Bedürfnis ist und die Therapeuten sind da auch immer mit Hilfestellung da, um herauszufinden, was man gerade braucht. Einer meiner liebsten Sätze aus der Lockerung ist „Die Übung ist für Sie da, nicht Sie für die Übung“ und das beschreibt den Umgang mit den Patienten ganz gut. Das ist insgesamt sehr auf Augenhöhe und jederzeit transparent, wozu Dinge dienen.

Außer der Morgenrunde, die es täglich gibt, gibt es nur noch zwei weitere tägliche Rituale: das eine ist das gemeinsame Mittagessen in der Gruppe um 12.45 Uhr und das andere der Tagesabschluss, der bedeutet, dass wir uns alle nacheinander persönlich bei der Pflege abmelden müssen bevor wir die Klinik nachmittags verlassen und nach Hause fahren. Dafür stehen wir tatsächlich ab kurz vor halb 4 nachmittags vor dem Stationszimmer an und warten drauf, dass die Tür endlich aufgeht, wir nacheinander reingehen können, unsere Medikamentenration bekommen und evtl. noch Terminzettel oder dergleichen. Wenn man in therapiefreien Zeiten tagsüber das Klinikgelände verlassen möchte, ist das aber kein Problem – man muss sich dafür nur in eine Abwesenheitsliste eintragen.

Wenn die Morgenrunde gegen 8.30 Uhr vorbei ist, sitzen wir oft im Gruppenraum zusammen und jeder futtert sein mitgebrachtes Frühstück. Die meisten frühstücken erst in der Klinik, weil wir fast immer zwischen 8.30 und 9 Uhr Zeit haben und man dann morgens zu Hause ein paar Minuten einsparen kann.

Montags ist dann ab 9 Uhr Kunsttherapie. Auch da gibt es eine Anfangsrunde, in der alle – schon wieder – sagen, wie es ihnen geht und auch, woran bzw. mit welchen Materialien sie in der Kunsttherapie arbeiten wollen. Was wir da machen, ist vollkommen uns überlassen. Manche malen 10 Wochen lang Mandalas mit Buntstiften aus, weil es ihnen gut tut – oder sie sich nicht trauen, etwas anderes auszuprobieren. Manche bearbeiten Speckstein oder Ton oder Modelliermasse. Es gibt jede Menge Bastelkram, Papier und Tonkarton in allen Farben und für alle möglichen Zwecke und jede Menge Farben von Acryl- und Aquarellfarben über Buntstifte, Pastellkreide, bunte Tusche…. bis zu Wachsmalern. Wer möchte, legt einfach los, wer keine Idee hat, kann mit der Kunsttherapeutin gemeinsam überlegen, was gerade das richtige für ihn sein könnte. Die Therapie geht über 100 min und die letzten paar Minuten nutzen wir fast immer für eine Abschlussrunde, in der jeder (freiwillig) sein Bild vorzeigen kann und nochmal reflektieren, wie’s ihm geht und ob das gut getan hat oder ob man womöglich das Falsche für die jeweilige Stimmung erwischt hatte.

Die Kunsttherapie war für mich persönlich die größte Überraschung an der ganzen Kliniksache. Ich habe zuletzt in meiner Jugend ’nen Pinsel oder Farben in der Hand gehabt und das nie besonders gerne und schon gar nicht gut gemacht. Aber ich habe es in der Kunsttherapie tatsächlich geschafft, ab der ersten Therapiestunde völlig unbefangen ranzugehen, all mein ‚ich kann doch nicht malen‘ zu unterdrücken und mir zu erlauben, einfach mit Farbe rumzumachen, ohne dass da am Ende was künstlerisch Wertvolles dabei rauskommen muss. Zu meiner großen Überraschung tut mir das zum einen unglaublich gut – mich einfach einzulassen ohne mich zu bewerten, noch überraschter bin ich aber darüber, dass es mir nicht nur Spaß macht, sondern mir einige meiner dort entstandenen Bilder echt gut gefallen. Und dann noch Überraschungspunkt 3: ich kann mir zugestehen, dass mir meine eigenen Bilder gefallen und mache sie nicht direkt wieder klein und tue das ab. In 10 Wochen ist es mir nicht einmal passiert, dass ich aus dem Kunstraum gegangen bin und nicht breit gegrinst habe und auch in therapiefreien Zeiten packe ich häufig die Malsachen im Gruppenraum aus und male dort einfach weiter.

Nach dem Mittagessen gibt es montags um 13.30 Uhr noch die Gruppenpsychotherapie, die 50 min dauert. Dabei sitzen wir tatsächlich ganz klischeehaft in einem Stuhlkreis. Zu Beginn suchen wir immer ein Thema. Jeder hat da die Möglichkeit sein Thema, über das er gerne reden möchte, einzubringen und wenn mehrere ein Thema haben, das bei ihnen gerade ansteht, dann einigen wir uns zuerst darauf, über was wir reden. Der Psychologe, der die GPT leitet, hält sich selber meist raus und wir diskutieren unsere verschiedenen Erfahrungen und Blickwinkel und er mischt sich nur selten ein und moderiert ein bisschen oder erklärt einen psychologischen Hintergrund. Themen sind zB Abschied nehmen, Überforderung, Umgang mit Erwartungen und Enttäuschungen, soziale Ängste und dergleichen. Dadurch, dass in der Gruppe so viele verschiedene Charaktere – von der Frau mit den 14 Geschwistern bis zum leitenden Angestellten mit Burnout – zusammenkommen, sind die unterschiedlichen Perspektiven breit gefächert und meist bekommt man irgendwie wertvollen Input.

Hm, ich merke, dass ich ganz schön aus- und abschweife. Interessiert euch das auf diesem detaillierten Level? Ich mache hier mal wieder einen Cut für die Lesbarkeit.

Katja

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Wie geht das denn? #8a heute: Tagesklinik

Watt issen Tajesklinik? Da stellnwa uns ma janz dumm!

 

Ich hatte vor ein paar Tagen auf Twitter mal nachgefragt, ob Interesse daran besteht, etwas mehr darüber zu erfahren, was ich gerade so mache. Im Blog ist es unter anderem gerade so ruhig, weil ich jetzt schon in der 10. Woche in einer Psychosomatischen Tagesklinik bin. Und da ich zwar schon einige Jahre zu meinem ambulanten Therapeuten gehe, aber selber vor meinem ersten stationären Klinikaufenthalt im Frühjahr letzten Jahres, überhaupt keine Ahnung hatte, was stationäre oder teilstationäre Psychotherapie so macht und mir unter anderem diese Ungewissheit solche Angst gemacht hat, versuche ich hier ein bisschen zu beschreiben, was da so passiert. Vielleicht macht es dem einen der der anderen Mut, sich Hilfe zu holen und vielleicht macht es insgesamt die Blackbox ein bisschen durchsichtiger. Ich kann das natürlich nur mit meinen eigenen Erfahrungen aus der speziellen Klinik füttern, in der ich gerade bin. Anderswo mag es ganz anders sein.

Der erste Punkt, der mich völlig verwirrt hat war jener, dass es zwar recht viele Tageskliniken gibt, ABER (großes Aber) man muss im Vorfeld erst mal genauer recherchieren, was die können/machen. Ich wurde im Mai aus der stationären Therapie entlassen mit der dringenden Empfehlung, doch auch noch in eine Tagesklinik zu gehen. Bei der Adresse, die der Sozialdienst mir mitgegeben hatte, rief ich an und musste dann bis Ende Juli auf einen Termin für ein Erstgespräch warten. In der Zwischenzeit hatte ich selber noch nach Kliniken recherchiert und war dann insgesamt bei 3 verschiedenen zu einem solchen Gespräch und erst im Verlauf dort, wurde mir klar, dass es ein sehr großer Unterschied ist, ob man in eine psychiatrische Tagesklinik oder in eine psychosomatische Tagesklinik geht.

In der psychiatrischenTK gibt es eher konkrete Hilfestellungen zur Alltagsbewältigung – das ist ein Angebot für Menschen, deren „Funktionieren“ im Alltag so weit eingeschränkt ist, dass sie zB ihren Haushalt, Einkaufen und dergleichen nicht ohne Hilfe bewältigen. In einer der besuchten Kliniken gibt es gar keine regelmäßigen Therapiesitzungen mit den Psychologen (die sind nur für Notfälle da), dafür aber so Dinge wie gemeinsames Einkaufen, Tisch decken und sehr viel (täglich 3 Stunden) Ergotherapie, wo gebastelt oder gemalt oder gewerkelt wird – einfach um mal wieder die Belastbarkeit zu testen und die Frustrationsschwelle und den Umgang damit. Ansonsten gibt es dort einen Sozialarbeiter, der bei allen Behördenbelangen, Anträgen und dergleichen berät und hilft. Hätte ich vorher von dem Unterschied gewusst, hätte ich mir 2 der Gespräche bzw. Besuchstage sparen können, denn was ich brauche, ist psychotherapeutische bzw. psychosomatische Therapie.

Die Tagesklinik, in der ich seit Ende November bin, ist eine psychosomatische. Die Station hat insgesamt 21 Plätze für Patienten und die sind nochmal in 2 Gruppen unterteilt. In meiner Gruppe sind 10 Leute, mit denen ich sämtliche Gruppendinge gemeinsam habe. Fast jeder bleibt zwischen 8 und 12 Wochen dort zur Behandlung, wobei 12 auch das Maximum ist (und ich bin froh, dass ich so lange bleiben darf). Neuaufnahmen sind fast immer nur montags, Entlassungen freitags. Tagesklinik grundsätzlich bedeutet, dass man von Montag bis Freitag tagsüber in der Klinik ist und abends bzw. über Nacht und an den Wochenenden zu Hause. Daher ist das Einzugsgebiet auch recht begrenzt, denn man muss ja täglich zur Klinik pendeln. (Und der Anteil an Flüchen in meinen Selbstgesprächen ist um 37% gestiegen seit ich täglich im Berufsverkehr unterwegs bin.)

Auf meiner Station geht die Therapiezeit von 8.00 Uhr bis 16.30 Uhr, die Anwesenheitspflicht endet aber fast immer schon um 15.30 Uhr – falls man nicht noch einen späten Einzeltermin bekommen hat, der länger dauert. In der Regel sind wir von kurz vor 8 bis 15.30 Uhr dort anwesend.

Ich bin morgens meistens um 7.45 Uhr da, um in Ruhe die Jacke ausziehen, die Tasche wegschließen und ’nen Schluck Kaffee zu trinken bevor es los geht. In den Therapien sind Getränke, Essen und Handys verpönt, was gerade bei den Getränken echt blöd ist, weil einige Therapien über 100 Minuten gehen. Weil es ja keine stationäre Behandlung ist, haben wir keine typischen Krankenhauszimmer, sondern nur Ruheräume. Da teilen sich je 7 Leute einen Raum (das ist auch das einzige, wo die Gruppen gemischt sind) und jeder hat einen bequemen Liegesessel, einen kleinen Tisch daneben und einen Spind. Außerdem gibt es auf der Station 2 Gruppenräume (für jede Gruppe einen festen) eine kleine Küche mit Kaffeeautomat, Mikrowelle, Wasserkocher, Geschirrspüler und Kühlschrank und über mehrere Gebäude verteilt diverse Therapeutenzimmer und Therapieräume. Die Ruheräume sind tatsächlich so gedacht, dass es dort ruhig ist, für Gespräche in therapiefreien Zeiten dient der Gruppenraum – in dem übrigens auch jeder einen festen Platz hat. Dort finden auch manche Therapien statt und auch das gemeinsame Mittagessen. Neben zB den Kreativtherapeuten, die die ganze Gruppe in Therapien betreuen, hat jeder Patient eine fest zugewiesene Psychologin, eine Ärztin und eine*n Bezugspfleger*in.

Bis hierhin war’s hauptsächlich ein bisschen über die organisatorischen Abläufe und weil das schon arg lang ist, mache ich hier mal einen Einschnitt und schreibe das lieber in mehreren Teilen auf, damit’s nicht so ein unlesbares Monster wird. Mehr über die Therapien und wie so ein Tag bzw. eine Woche aussieht, dann sobald ich wieder Energie und Zeit zum Weiterschreiben finde.

Katja

 

Vuizvuigfui

Diese Tage, an denen einem schon morgens beim Aufstehen, die eigene Haut nicht richtig passt, an manchen Stellen schlabbert, wie ein ausgeleiertes altes Shirt, an anderen kneift, wie die frisch gewaschene Jeans. Diese Tage, an denen man sich wünscht, jemand anderer zu sein, irgendwer nur nicht man selber. An denen sich alles verkehrt anfühlt, was man ist, wie man ist und vor allem, was und wie man fühlt. An denen sich das Fühlen verkehrt anfühlt, alles nicht richtig, alles zu viel, viel zu viel. An denen man sich dauernd fragt, warum man so ist, wie man ist, warum man nicht ein bisschen weniger so sein kann, wie man ist, ein bisschen weniger fühlen kann. An denen man sich fragt, warum das alles immer direkt so tief reingehen muss, warum man’s nicht lernen kann, ein bisschen nach außen dicht zu machen. So ein Gürteltierpanzer wäre schön. Oder einer von ’ner Schildkröte. Ein Schneckenhaus. Igelstacheln. Ein Gürteltierpanzer mit Igelstacheln. Irgendetwas, das Schutz bietet, vielleicht auch abschreckt. Einem Gefahr vom Leib hält, obwohl es gar nicht um den Leib geht, sondern um die Gefühle, um das Innen, nicht das Außen. Diese Tage, an denen man sich fragt, warum einem Nähe zu anderen Menschen so wichtig ist und warum man aus all dem Schmerz und der Erfahrung nichts lernt, nicht irgendwann begreift, dass Dichtmachen das ist, was einen schützt, einen schützen könnte, wenn man denn dichtmachen könnte. Diese Tage, an denen man sich so verkehrt fühlt, so nicht in diese Welt passend. Zu viel denkt. Zu viel fühlt. Zu viel von allem ist. Vor allem von sich selbst. Und an denen man das, was man ist, die, die man ist, so überhaupt nicht leiden kann, weil sie einem selber viel zu viel ist und man sie mit ihren vielen Emotionen kaum mehr aushalten kann.
Diese Tage, von denen man immerhin (wieder) weiß, dass sie irgendwann vorbeigehen und an denen man hofft, dass der nächste dann doch wieder besser wird. Immerhin das. Immerhin wieder hoffen, dass das irgendwann mal wieder besser werden wird.

Muss ja.

Katja

Lost in time and lost in space and meaning

Es ist fast als würde ich mich mit jedem Kilometer, den ich mich vom Meer entferne, auch wieder von mir selber entfernen, als würde die gigantische Schere zwischen Herz und Kopf immer weiter auseinanderklaffen und mich mit- und in zwei Teile reißen. Denken und Fühlen, das waren bei mir noch nie so dermaßen verschiedene Dinge wie sie es jetzt sind und in mir finden tägliche Grabenkämpfe über die Vorherrschaft statt. Innere Aufruhr, ein ewiges Zerren meiner Selbst an meinen Ressourcen und ewiges Krisen- und Kriegsgebiet. Der Kopf hat immer wieder seine klaren Momente, in denen er die Oberhand hat und in denen ich mir selber ziemlich genau erklären kann, was da überhaupt gerade in und mit mir passiert und dann im nächsten Moment kommt eine Welle aus Emotionen und schlägt mir über dem Kopf zusammen und reißt mich von den Füßen und dabei bin ich doch gerade schon wieder so weit vom Meer entfernt, aber es ist der Sturm in mir drin, der das macht. Ich sehne mich nach Ruhe und Frieden und doch ist da auch immer wieder ein kleiner Teil von mir, der das selber sabotiert, der dem Drang nach- und die Kontrolle abgibt und dann ist da noch mehr Wasser und es tropft aus den Augen bis sich um die Füße eine Pfütze bildet und ich mir wünsche, darin zu versinken. Bis zum Grund zu sinken, in der Hoffnung, dass sie so tief ist, dass kein Geräusch mehr bis zu mir durchdringt. Aber dann wird mir wieder bewusst, dass der Lärm nicht außen, sondern in mir drin ist und dass es keine Flucht gibt sondern nur ein Mittendurch. Mitten durch, durch den ganzen Selbsthass, der jede Schwäche erkennt und nutzt und sofort wieder grinsend ums Eck kommt, sobald ich mit mir selber hadere, weil es mir schon wieder und immer noch so schlecht geht und ich diesen Schalter im Kopf oder Herzen oder im Woauchimmer nicht finde, der alles mal wieder zurecht rücken und die Dinge in ihre wahre Bedeutung sortieren kann und aufhört, alles immer größer zu denken, außer mich selber, mich immer nur kleiner. Dabei wäre Gelassenheit das, was sehr viel besser helfen könnte. Auch das weiß ich, die Erkenntnis ist keine neue und doch verhakt es sich gerade an allen Stellen, des schon einmal Gelernten und wenn da auf der anderen Seite nicht so enorm viele Fortschritte wären, die ich gerade mache und zum Glück auch sehe und wahrnehme, nämlich in allen anderen Bereichen, dann würde ich vermutlich noch mehr verzweifeln als ich es gerade ohnehin schon tue.

Also back to the basics. Einatmen. Ausatmen. Repeat. Und dann merken, dass da immerhin langsam wieder ein Funken Zuversicht auftaucht, dass es doch verdammt nochmal irgendwann langsam mal besser werden *muss*, weil noch schlechter und noch länger so schlecht nicht mehr geht.

Katja

Tabuzone

Achtung Triggerwarnung:

In diesem Text geht es um Suizidgedanken und den Umgang damit. Bitte lest den folgenden Text nicht, wenn es euch gerade schlecht geht, wenn ihr selber psychisch angeschlagen seid oder – aus welchen Gründen auch immer – nicht mit diesem Thema in Berührung kommen möchtet.

 

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Doch nicht ganz aussichtslos

Ich versuche gerade die richtigen oder überhaupt Worte für das zu finden, was heute passiert ist und merke, das ist gar nicht so leicht, weil ich mal wieder gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. In meinem Kopf geht es immer noch drunter und drüber, aber ich möchte es auch gerne festhalten, so lange der Eindruck noch frisch genug ist, damit ich im wahrsten Wortsinne, was zum daran Festhalten habe.

Vielleicht fange ich mit dem an, was für mich so festhaltenswert ist: ich war heute Nachmittag ziemlich saumäßig stolz auf mich, ich stand nämlich irgendwann auf der höchsten begehbaren Stelle eines Turms an der nahegelegenen Bergstraße und das obwohl ich mich etwa 1,5 Stunden vorher wieder mal wie weltgrößte Versagerin gefühlt hatte.

Aber von vorne: ein Spaziergang sollte es werden, wobei das im Nachhinein schon eine eher euphemistische Bezeichnung ist, für den steilen, schmalen Weg über Stock und Stein, der sich durch den Wald den Berg hochwindet und so ging es mir auch schon nach wenigen hundert Metern ernsthaft an die Substanz. Ich gehe echt gerne spazieren, aber herrje, wir wohnen hier im totalen Flachland und die Wochen in der Klinik im Taunus, in denen ich relativ viel Bergstrecke zurückgelegt habe und dahingehend etwas trainierter war, liegen dann doch schon wieder ein paar Monate zurück und gerade schlaucht die Psyche den Körper ohnehin unglaublich und ich bin die meiste Zeit müde und völlig platt und energielos. Also saß ich schon nach ein paar hundert Metern steilen Bergwegs auf einer Bank, mit einer heftigen Panikattacke kämpfend, weil ich nicht schwindelfrei bin und der geröllige Weg sich alles andere als sicher angefühlt hat und der Verzweiflung nahe, weil ich da eigentlich am liebsten direkt wieder umgedreht und nach Hause gefahren wäre. Eigentlich wollte ich losziehen, um durch die Bewegung und das draußen Rumlaufen der Psyche was Gutes zu tun, aber das ging irgendwie voll nach hinten los und mir ging’s in dem Moment hundsmiserabel, weil es wieder mal so gut zu meinem depressiven Ich passte – der Vollversagerin, die nichts auf die Reihe bekommt. Nicht mal ’nen Sonntagmittagspaziergang zu ’nem ollen Schloss.

Irgendwoher hab ich dann immerhin soviel Trotz aufgebracht, dass ich dachte, ich probier’s jetzt wenigstens nochmal ein, zwei Serpentinen länger und irgendwie ging’s dann auf einmal mit ’nem großen Schluck Wasser, langem tiefen Durchatmen und vor allem erst mal nur noch vor die Füße gucken, um nicht zu stolpern und auch, um nicht zu sehen, wie schmal und steil der Weg wirklich war. Und dann, irgendwann so ’ne Stunde später, war der Weg hoch geschafft und ich den Berg endlich oben, aber da gab’s zwar viele dicke Mauern, aber keine echte Aussicht, also musste ich dringend auch noch den Turm hoch – auch noch das allerletzte Stück, wo die breite gut begehbare Betonwendeltreppe einer schmalen, engen, unebenen Steinwendeltreppe, die kaum noch den Namen Treppe verdient, weicht bis man endlich oben auf dem Turm steht.

Und dann musste ich, oben stehend, dran denken, wie ich das letzte Mal versucht habe, so einen engen Turmtreppenaufstieg zu bewältigen und wie ich damals mit einer grandiosen Panikattacke mitten auf der Treppe des Belfrieds von Brügge gescheitert bin. Und auf einmal war ich ganz schön gewaltig stolz auf mich, dass ich nicht nur den Berg doch noch bezwungen habe, sondern quasi ohne nachzudenken oder zu zögern den Turm auch noch hoch bin, weil ich jetzt nun mal eben auch Aussicht haben wollte, wo ich schonmal den Berg hoch war. Und zwar die beste Aussicht, die man haben kann – die von ganz oben.

Und davon hab ich euch auch ein bisschen was mitgebracht. Und auch von etwas weiter unten. (Klick macht groß.)

 

Jetzt ein paar Stunden später, ist von diesem Stolz nicht wirklich mehr was übrig und die Tränen kullern wieder. Aber gerade deswegen muss ich’s dringend aufschreiben, um nicht zu vergessen, dass es so Momente gerade auch zwischendrin doch gelegentlich gibt.

Katja

Ich bin ja ansonsten nicht nachtragend…

…aber @poelsebude meint, ich sollte doch daraus auch noch einen Blogartikel machen

und das ist jetzt also quasi ein Nachtrag zum letzten Eintrag und einer der Gründe, weswegen ich mich, wenn es mir schlecht geht, am liebsten verkrieche und aus der meisten Kommunikation aussteige.

 

Katja