Liebe Twitter-Hasis! (Die Sache mit den Ratschlägen)

[Vorgeschichte in very short: Ich hab seit gestern Morgen die Fensterbauer in der Wohnung. Es ist alles ganz schlimm. Die arbeiten in einem unfassbaren Ausmaß schlampig (was schon beim falschen Ausmessen im März angefangen hat), richten Chaos in der Wohnung an, machen Dinge kaputt und dergleichen mehr, die Liste ist lang. Darüber habe ich – mit steigendem Frust und steigender Verzweiflung, weil mich die Situation überfordert – getwittert.]

Twitter ist für mich ein guter Ort, wenn ich in einer akuten Krise stecke, weil es ein gutes Ventil ist, um inneren Druck abzubauen, indem ich relativ ungefiltert und schnell rausschrei(b)en kann, was mich gerade belastet. Und weil es mir außerdem das Gefühl gibt, da ist jemand an meiner Seite, wenn ich mich im Realen räumlich alleine, in der für mich schlimmen Lage, befinde.

Twitter ist für mich ein schlechter Ort, wenn ich in einer akuten Krise stecke, weil Menschen oft so ticken, anderen helfen zu wollen, wenn die ihre Probleme schildern und das oft versuchen, indem sie Ratschläge erteilen.

Und das ist der Punkt, wo es schwierig wird, denn – auch wenn ich weiß, dass all die Vorschläge, Ideen, Aufforderungen etwas zu tun, überaus wohlwollend, freundlich, hilfreich und gut gemeint sind – ich bin ja nicht zu blöd, selber auf diese Ideen zu kommen. Ganz im Gegenteil, solche Krisen entstehen bei mir oft dadurch, dass ich _sehr genau_ weiß, was ich in dem Moment _eigentlich_ tun müsste, aber im gleichen Moment bin ich so dermaßen von der Situation überfordert, dass mir die Kraft zur Handlung oder – so wie heute – zur konkreten Auseinandersetzung fehlt.

Was passiert also, wenn diese Ratschläge auf mich einprasseln? Der Druck, unter dem ich stehe, wird größer statt kleiner und meine Handlungsfähigkeit wird schwächer, weil die Überforderung größer wird.

Jetzt könnte man sagen: „Selbst schuld! Wenn du deine Gedanken und Probleme auf Twitter in die Öffentlichkeit stellst, dann komm auch mit den Folgen und Reaktionen klar!“ und/oder mich auch für undankbar halten, weil ich ja – meiner wunderbaren Timeline sei’s gedankt – fast ausschließlich freundliche Antworten und Reaktionen erhalte und ja eigentlich froh sein sollte, dass Menschen meinen Kummer lesen, mich sehen und wahrnehmen und auf mich reagieren. Und zweiteres sehe ich auch und das ist es, was Twitter zu einem guten Ort macht. Menschen achten aufeinander, beachten einander, sind füreinander da. Auch und gerade, wenn einer in einer Krise steckt.

Was ich mir wünschen würde: Kein RatSCHLAG ohne Bitte darum. (Oder wenigstens nicht ohne die vorherige Frage, ob konkrete Tipps gesucht werden.) Ich kann mir das nur für mich wünschen, das muss für niemand anderen gelten, aber wenn ich tatsächlich Rat suche, dann frage ich konkret danach. Wenn ich über ein Problem twittere, dann geht es mir darum, der inneren Anspannung ein Ventil zu geben. Ich persönlich bin dann dankbar, gesehen und wahrgenommen zu werden. Bin dankbar über Flausch und virtuelle Umarmungen. Bin froh, wenn ihr mit mir zusammen flucht oder die Hände vor’s Gesicht schlagt.

Aber sagt mir bitte nicht, was ich dann tun und wie ich mich verhalten soll! Das macht das Gefühl des Drucks für mich größer, die Lage schlimmer.

Und weil ich die beste Timeline von allen habe, hoffe weiß ich, dass ich euch das sagen darf und dass ihr mich jetzt nicht für völlig undankbar haltet. ❤

#notjustsad

Katja

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Lebenszeichen. Re-Hallo.

Hallo, ich bin Katja, ich schreibe normalerweise in dieses Blog rein, aber gerade die ganze Zeit gar nicht, weil ich umziehe und bis gestern keine sinnvolle Möglichkeit (aka Rechner mit vernünftiger Tastatur und nicht nur Händiwischding) in der neuen Wohnung hatte, um hier was reinzuschreiben und zwar so, dass ich nicht völlig von der Technik genervt bin. Das ist aber ehrlich gesagt nur die halbe Wahrheit, denn ich blogge auch deswegen wieder mal nicht, weil es mir total lausig geht und ich mir selber auf die Nerven gehe und mich nicht leiden kann und dann immer in Schweigen verfalle, weil ich niemandem auf die Nerven gehen will. Was total blöd ist, denn wo, wenn nicht in meinem Blog, das ich seit Jahren nutze, um meinen Kopf auszukippen und solchen Mist eben loszuwerden, damit ich das nicht alles mit mir alleine ausmachen und dauerhaft mit mir rumschleppen muss, sollte ich diese Dinge einfacher festhalten? Genau hier kann sich jeder aussuchen, weiter zu lesen oder eben den Tab zu schließen, weil ich niemanden speziell vollnöle, sondern das einfach in eine weisse Seite bzw. die WordPress-Eingabemaske reintippe.

Ich versuche also mal wieder hier reinzukommen, mich hier heimisch zu fühlen und ohne Angst, euch zu nerven, meinen Kummer hier abzuladen…

Heutige Umzugskatastrophen bisher:

Nachdem ich endlich den ersten Bücherkarton ausgepackt und ins Regal eingeräumt hatte, hat mich das Regal mit sämtlichen Büchern und dem Regalboden beworfen. Das hätte mich vermutlich anderswann zum Lachen oder vielleicht höchstens zum Fluchen gebracht. Gerade hat’s mich zum Heulen gebracht und ich wäre am liebsten schreiend weggelaufen und für 2 Wochen irgendwo fern von all dem Mist untergetaucht.

Es ist die schiere Menge an Shice, die gerade passiert, die mich dünnhäutig wie selten macht und dafür sorgt, dass meine Nerven blank liegen und dass ich es nicht hinbekomme, über Pannen zu lachen, sondern sie als Katastrophen zu empfinden. (Völlig unabhängig davon, wie groß sie wirklich sind…) Und obwohl ich das alles weiss, komme ich aus diesem Gefühlswust gerade nicht raus…

*
Um einen Eindruck zu vermitteln, zwei Tage im Rückwärtsgang:

Gestern festgestellt, dass das Garagendach (zumindest) bei (starkem) Regen gleich an einigen Stellen undicht ist. Weil wir hier keinen Keller haben, dient die Garage als Kellerersatz und da steht gerade jede Menge Zeug drin, was wir beim Umzug erst mal reingeräumt haben.

Vorgestern hat uns der Handwerker eröffnet, dass die Wand in der Gästetoilette vermutlich aufgestemmt werden muss. Irgendwas ist da undicht, weswegen es in der Etage drunter von der Decke her nass ist. Da muss aber erst noch ein Gutachter kommen. Wie hier überhaupt bei allem.

Da war der Handwerker überhaupt, weil es kein warmes Wasser mehr im Haus gab, weil irgendwas mit der Heizung nicht stimmte.

Fließendes Wasser durch die Decke hatten wir ja übrigens auch schon. Darüber hatte ich schon gebloggt und dass die vom Möbelschweden gelieferte Küchenarbeitsplatte mindestens 3 Zentimeter zu kurz ist, obwohl wir von denen professionell hatten ausmessen lassen, passt wunderbar in den Rest der Geschichte.

Immerhin haben die mittlerweile auf unsere Reklamation reagiert und es sieht so aus als bekämen wir die Platte irgendwann ausgetauscht. Wenn denn nochmal neu vermessen ist und wir wieder 4-6 Wochen auf die Maßplatte gewartet haben. Trotzdem hat das einen Haufen Ärger gemacht, Zeit, Energie und Nerven gekostet, weil hier einfach gerade gar überhaupt nichts glatt zu gehen scheint.

Ich bin gerade so fertig, so durch, so umfassend erschöpft und überfordert, dass alleine das morgendliche Aufstehen einen Kraftakt bedeutet. Die Depression ist lauter, ist schlimmer als in den letzten paar Jahren, aber ich weiss gar nicht, ob ich es so nennen kann/soll, denn es gibt ja aktuell ganz akute Gründe dafür, dass es mir schlecht geht. Und trotz alledem schaffe ich es, jeden verdammten Morgen aufzustehen und hier den ganzen Tag über zu wurschteln und zu versuchen, Ordnung ins Chaos zu bringen.

Naja, hier bin ich auf jeden Fall wieder und hoffe, dass ich wieder ins Kopf-erleichtern-durch-Bloggen reinfinde. Jetzt mit neuem Dach über’m Kopf (aktuell sogar noch dicht!) das eigentlich ziemlich cool sein könnte, wenn hier nicht eine Katastrophe die andere jagte.

Seid ihr auch noch da?

Katja

Verunsicherungsfaktoren

Mit Ungewissheiten und Dingen, die sich fast vollständig meiner Kontrolle entziehen, kann ich nicht gut umgehen. Die machen mich im besten Fall nur nervös, in schlechteren Varianten machen sie mir Angst und Panikattacken. Gerade machen mich die ganzen Umzugsungewissheiten ziemlich mürbe. Vor allem die Tatsache, dass wir noch keine Ahnung haben, wann genau wir umziehen können und werden. Wir haben die neue Wohnung ab Mitte April gemietet, die alte noch bis Ende Mai, also eigentlich jede Menge Zeit und keine Zeitnot. Trotzdem wollten wir eigentlich Mitte April am liebsten direkt umziehen. Fest stand direkt beim Finden der Wohnung, dass wir eine neue Küche brauchen / möchten und damit fing der schwierige Teil an. Ein Besuch beim großen Möbelhändler – und zwar exakt am Tag als wir den Mietervertrag unterschrieben haben, um ja nur keine Zeit zu verschenken – in der Nähe ergab, dass die Küchen dort nicht nur ganz schön teuer sind, sondern auch unschöne 3 Monate Lieferzeiten haben. Die hätten uns allerfrühestens Ende Mai eine Küche geliefert und das auch nur, wenn wir quasi am gleichen Tag noch bestellt hätten.

Ein weiteres Möbelhaus hat auch keine erfreulicheren Lieferzeiten, also zum Möbelschweden, lange rumgeguckt, festgestellt, dass die mittlerweile durchaus Küchen haben, die uns gefallen (vor 10 Jahren war das nicht so) und die noch dazu deutlich günstiger werden dürfte. Also gut, dann dort kaufen. Wenn man sich beim Möbelschweden eine Küche planen lässt, kostet das inclusive Ausmessen und Lieferung 150 €. Wenn man sie selber plant und nur liefern lässt, kostet das 150 € und weil wir bei der letzten Küche, die wir selber ausgemessen haben, bei der Lieferung festgestellt haben, wie schief die Wände in dieser Wohnung hier sind und dass das alles gar nicht so passt, wie gedacht sondern dass wir einen Hängeschrank an eine ganz andere Wand verschieben mussten (was im Nachhinein eine bessere Lösung war), also dieses Mal auch ausmessen lassen. Wenn dann die Maße bei Ikea vorliegen und die ein paar Angaben haben, was man sich so vorstellt, planen die schonmal drauf los und dann geht man zu einem Termin ins Möbelhaus und plant nochmal zusammen rum und bestellt den Kram. Ab dann dauert es – so unser bisheriger Informationsstand – 1 bis 3 Wochen bis die Küche geliefert wird und weil der Aufbau durch Ikea unverhältnismäßig teuer ist, muss also vorher noch ein Dienstleister gefunden werden, der das günstiger macht. Das geht aber auch erst, wenn die Küche bestellt ist, ansonsten bekommt man von denen keinen Kostenvoranschlag.

An diesem Punkt waren wir dann vor über 3 Wochen und an exakt dem gleichen Punkt sind wir heute immer noch, weil es innerhalb von 3 Wochen noch nicht hingehauen hat, dass die Küche ausgemessen wurde. Auf den ersten Termin haben wir über 2 Wochen warten müssen, den mussten wir blöderweise absagen, weil wir dachten, die Küche sei weiter als sie tatsächlich war. Der nächste mögliche Termin wäre dann heute gewesen, den hat die Ausmessfirma abgesagt, weil der Ausmessmensch krank ist. Einen neuen Termin gibt’s noch gar nicht. Und die Zeit rennt und aus dem ‚Mitte April klappt locker‘ ist schon ein ‚hoffentlich Anfang Mai‘ geworden.

Das Blöde ist, dass genau von diesem Ausmessen und der Küchenbestellung auch alles andere abhängt, weil wir dann noch mehr Möbel mit der Küche zusammen liefern lassen wollen, die aber idealerweise vor unseren aktuellen Möbeln in der neuen Wohnung ankommen und die wir auch vorher aufbauen wollen, weil wir dann noch genügend Platz dafür haben.

Also wäre vor Lieferung der Küche umzuziehen eher blöd. Zudem ich das auch eigentlich nicht mehr wollte, nachdem wir in dieser Wohnung hier die ersten 3 oder 4 Wochen küchenlos wohnten. Wir können aber auch nicht viel später als die Küche einziehen, denn dann hätten wir hier nur noch eine halbe, weil wir Teile davon ja mitnehmen und die müssen auch mit eingebaut werden, zB der Backofen und das Kochfeld, die ich ja beide noch nicht lange habe. Es ist kompliziert.

Kompliziert ist auch, dass ich auf der einen Seite schon so viel wie möglich in Kartons stopfen will, es aber auf der anderen Seite immer schwieriger wird, Dinge zu finden, die wir auch ganz sicher nicht mehr brauchen, wenn wir vielleicht doch noch 6 Wochen hier wohnen und nicht nur 3. Und ich weiss hier eh bald nicht mehr, wohin mit den gepackten Kartons. Aber wenn ich aufhöre zu packen und die Küche hat diese Idealfalllieferzeit von nur einer Woche, dann hätte ich den ganzen Berg noch vor mir.

Und ich weiss, eigentlich sind das alles gar keine Probleme, allerhöchstens tatsächlich Luxusprobleme, denn hey, wir haben endlich eine Wohnung gefunden und ich habe bald eine neue und hoffentlich sehr coole Küche, aber trotzdem macht mich das alles nervös und unruhig und lässt mich schlecht schlafen. Ich hoffe, das wird besser sobald ich einen Termin habe, auf den ich hinpacken kann…

Weitere Küchenkatastrophen in der neuen Wohnung waren übrigens bisher: beim Rausreissen der uralt Küche hat sich rausgestellt, dass unter den Schränken keine Fliesen verlegt waren (zum Glück waren noch einige davon im Keller gelagert), der Handwerker hat 2 Wochen lang darauf gewartet, dass wir ihm sagen, wo die Steckdosen hinsollen, wovon wir aber nichts wussten (weswegen wir den ersten Ausmesstermin auch absagen mussten, weil die Wand noch nicht fertig war und ohne fertige Wandarbeiten messen die nicht), da wo dann Steckdosen hinsollten, laufen Heizungsrohre lang, was sich aber erst beim Bohren in diese Rohre rausgestellt hat.

Ich kenne jetzt ungefähr 7 verschiedene Möglichkeiten wie man von Küchen Albträume bekommen kann und runterfallende Hängeschränke, die mannsgroße Löcher in die Wand reissen, wo mal Dübel waren, ist nur eine Spukvariante.

Aber ja. Alles ist noch gut und alles wird gut und der Stress sitzt momentan nur in meinem Kopf. Ich hoffe, durch’s Aufschreiben ist er ein bisschen besänftigt worden.

Ommm.

Katja

Wirre Träume

Ich werde wach, stehe auf, gehe durch die Wohnung. Die Wohnung ist nicht diese hier und auch keine, in der ich in der Vergangenheit gewohnt habe, aber das Gefühl ist, dass ich dort zu Hause bin. Dann fallen mir zuerst ganz kleine Veränderungen auf. Die Details, an denen ich es zuerst bemerkt habe, habe ich mittlerweile vergessen, aber es waren anders stehende Gegenstände. Die Möbel standen zunächst noch richtig. Ich weiss nicht, woher ich es weiss, aber mir ist direkt klar, dass die Nachbarn (und zwar jene, die in der Realität gerade über uns wohnen) nachts in der Wohnung gewesen sein müssen und hier Kram rumgeräumt haben. Auf meinem Schreibtisch finde ich einen Haufen Papiere und es ist klar, dass das jemand alles angesehen und gelesen hat. In mir ein großes Gefühl der Empörung. Das geht doch nicht, das kann doch nicht wahr sein. Irgendwas hier läuft doch total verkehrt… Die können doch nicht einfach…

Dann ist der Mitdings auf einmal auch da, bemerkt die Veränderungen auch, aber er regt sich gar nicht darüber auf. Stattdessen sagt er Dinge wie: ist doch toll, mein Schreibtisch ist viel ordentlicher so. Und ich versuche total hilflos, ihm klar zu machen, weswegen es trotzdem alles verkehrt ist, dringe aber nicht zu ihm durch. Empörung, ganz viel Hilflosigkeit, das Gefühl, das ganz alleine lösen zu müssen. Ich weiss, ich muss die Nachbarn damit konfrontieren, habe aber auch Angst davor. Gedankenfetzen, dass ich vielleicht die Komische bin, dass was sie gemacht haben, doch ganz normal, ganz natürlich ist und nur ich das als so extrem empfinde.

Mir fallen immer mehr Dinge auf, die sie verändert haben oder vielleicht ändert sich auch die Wohnung noch immer mehr im Verlauf des Traumes. Die Wände des Schlafzimmers sind auf einmal grün gestrichen. Der Nachbar muss das gemacht haben, während wir schliefen. Wieder ganz viel Angst, dass fremde Menschen nicht nur in die Wohnung eindringen, sondern sie sogar nach Gutdünken verändern und ich bin hilflos und kann nichts machen.

Dann, in einem Raum, von dem ich gar nicht weiss oder mich jetzt nicht erinnere, welchen Zweck er überhaupt hat, fehlt der halbe Fußboden und man kann ins darunterliegende Zimmer sehen. Die Nachbarn wohnen im Traum nicht über sondern unter uns und jetzt gibt es einen Durchbruch zu ihrer Wohnung und da lehnt eine Leiter und unten sitzt die Tochter im Schlafanzug und starrt apathisch auf einen Fernseher und reagiert nicht auf mein Rufen. Dann taucht der Kopf der Nachbarin auf und sie fragt in ihrem ganz normalen Tonfall als wäre nichts gewesen „was gibt’s denn?“. Ich atme tief ein, mache den Mund auf, um meiner Empörung Luft zu machen und es kommt kein Ton heraus, nur heisse Luft. Ich sehe mich von aussen wie ich den Mund auf- und zuklappe. Dann bin ich aufgewacht.

Katja

Also Stopp! (Bis zum nächsten Mal.)

Das Gefühl, dauernd und immer irgendetwas zu müssen und dann vor lauter Müssen und Druck und Überforderung irgendwann gar nicht mehr zu können und dann irgendwann doch wieder aufzurappeln, dabei denkend, was das doch eigentlich für ein unpassendes Wort ist, weil dann gar nichts rappelt, es ist doch eher ein leises Seufzen – und wieder von vorn. Dabei die ganze Zeit wissen, dass all das hausgemacht ist, wie ein gutes Vanilleeis, nur dass es hier um Müssen und Druck und Überforderung geht und das alles ist auch in hausgemacht nicht gut und schon gar nicht besser. Die ganze Zeit wissen, das ist eigentlich alles nur ein Gefühl, wie es schon ganz am Anfang steht. Wobei es ja dem Gefühl gegenüber nicht fair ist, es mit ’nur‘ ein Gefühl zu bezeichnen, sind doch gerade Gefühle so ausgefeilte Steuermechanismen, Antriebsfedern und oft Hauptentscheidungsverantwortungsträger. Doch zurück zum Müssen, das natürlich ein selbstauferlegtes ist, gerade wieder in einem solchen Ausmaß, dass die Unterscheidung zwischen Müssen und Wollen schwer fällt, weil selbst das eigentlich Gewollte im Gewand von unerledigten ToDos auf dem inneren Laufsteg auf- und abflaniert und dabei keck den Kopf zurückwirft. Immer das Gefühl zu müssen, um gegen die Gefühle nichts zu können, nichts zu leisten, zu nichts nütze zu sein, nichts wert zu sein, anzukämpfen und das mit noch mehr Müssen und noch mehr Machen zu kompensieren versuchen. Dabei ist doch längst klar, dass dieser Ausweg nicht im Tun, sondern nur im Denken zu finden ist.

Katja

Es geht bei Zeit ja meist ums Nehmen, nicht ums Haben

Immer, wenn von aussen viel auf mich einstürzt, fühlt es sich in mir an, als käme ich gar nicht mehr zur Ruhe. Wenn der Berg der zu erledigenden Dinge groß ist, verliere ich oft erst mal den Überblick, gerate ins Trudeln und schaffe es – je stärker ich trudele – nicht gut, mir einen Plan zurechtzulegen. Der Kopf steht dann nicht still. Nie. Nachts kann ich noch schlechter schlafen als ohnehin schon, weil 1000 Darfstenichtvergessens und Mussteunbedingtdrandenkens in meinem Kopf eine Party feiern.

Was mir dann – das hat die Erfahrung der letzten Jahre mich gelehrt – verlässlich gut hilft ist, wenn ich mit einer gewissen Regelmäßigkeit meinen Kopf im Blog auskippe. Wenn ich hier Gedanken aufschreibe, wird es dort (also im Kopf) ruhiger, werde ich ruhiger. Der Haken an der Sache ist, dass ich genau das, was gut hilft, dann oft nicht gut hinbekomme. Viel los, viel zu tun und immer ist es das Bloggen, das auf der Strecke bleibt, weil das ja _eigentlich_ nur Freizeitvergnügen ist und wenn da (mindestens gefühlt) wenig Freizeit ist, fehlt mir die Ruhe und ich finde keinen Anfang. Und nicht mal die Feiertage bringen mich dazu, mal abzuschalten und runterzufahren.

So beobachte ich mich gerade wieder seit Wochen. Dadurch, dass ich seit Anfang Dezember diese dusslige Erkältung nicht wieder richtig losbekomme und ohnehin alles auf Sparflamme läuft, ist da noch weniger Energie übrig, um mich hinzusetzen und zu bloggen. Und es dauert jedes Mal, wenn ich in einer solchen Zwickmühle stecke, ein bisschen, bis die Erkenntnis bei mir ankommt, dass das (einer) der Haken ist, dass dieses Zeit nehmen, für diese Sache, die mir gut tut und vor allem hilft, den Kopf ein bisschen leiser zu bekommen, mich gar nicht aufhält, sondern voranbringt.

In diesem Sinne also endlich wieder ein Versuch, den gordischen Knoten im Kopf aufzubekommen. Zeit gewinnen, durch Zeit nehmen. Denn letztendlich ist ja nie welche davon übrig und es hängt alles nur an meiner Wahrnehmung.

Katja

Über Müsstemals und Möchtegerns

Im letzten Jahr (vielleicht auch schon länger?) ist das vorherrschende Gefühl bei mir, keine Zeit zu haben, dauernd gehetzt zu sein und gar nicht alles zu schaffen, was ich so schaffen müsste.

Und da liegt auch schon der Knackpunkt, denn die meisten Dinge, die ich so schaffen müsste, sind keine, die ich wirklich dringend schaffen muss, sondern mein meister Stress ist genauso hausgemacht, wie die vielen Marmeladen, die ich so koche oder zumindest gerne kochen würde – aber dann komme ich doch wieder nicht dazu.

Und je mehr ich mich in diesem ‚müsste‘ verheddere, zu weniger komme ich tatsächlich, weil das Gefühl der Überforderung – nicht inhaltlich, aber was Pensum vs. Zeit angeht – mittlerweile ein chronisches ist.

Seit etwa fünf Wochen, seit ich aus Spanien zurück bin, habe ich jetzt mal ausprobiert, wie es sich ohne todo-Liste anfühlt.

Das fällt mir nicht so leicht, denn ich bin ein Listenmensch und erst recht, wenn es um meine Todos geht. Vor einigen Jahren habe ich angefangen sehr akribisch Liste zu führen, weil ich gemerkt habe, dass es mir gut tut, Dinge darauf abzuhaken. Damit konnte ich mir selber vor Augen halten, dass ich ja doch was auf die Reihe bekommen habe – an Tagen, an denen es sich eigentlich so anfühlte, als bekäme ich nichts hin. An ganz schlechten Tagen habe ich mich selber ausgetrickst und damit motiviert, dass ich einzelne Dinge kleinschrittiger notiert habe.

Seit schätzungsweise 2 Jahren habe ich meine todo-Listen nur noch elektronisch geführt. Das war zwar nicht mehr ganz so gut wie das Durchstreichen auf Papier, dafür kann Wunderlist, das ich dafür verwende, aber seit einiger Zeit auch wiederkehrende Tasks verwalten und man muss sie nicht jedes Mal einzeln reinfüttern (und es ist auch auf den diversen Geräten nutzbar und synchronisiert die Daten).

So kam es, dass ich auch die meisten täglich wiederkehrenden Dinge wie zB das Küche aufräumen, was ja immer anfällt, wenn man fast täglich kocht, auf die Liste packte. Dazu kommen alle Dinge, die mir irgendwann mal eingefallen sind, dass ich sie machen könnte / mal machen müsste und mittlerweile habe ich mehr als 20 Unterlisten angesammelt und insgesamt tummeln sich da deutlich mehr als 150 Aufgaben. Die unkomplizierte Möglichkeit dort Listen anzulegen führt dazu, dass ich das auch dauernd gemacht habe und jetzt habe ich dort so einen großen Wust an unerledigtem Kram, der mich jedesmal in geballter Summe anspringt, wenn ich Wunderlist aufmache.

Eigentlich also kein Wunder, dass ich dauernd das Gefühl habe, überfordert zu sein und niemals alles schaffen zu können, was ich so gerne schaffen wollen würde.

Die letzten Wochen jetzt, ganz ohne todo-Liste haben mir, glaube ich zumindest, gut getan. Besser als die Zeit davor auf jeden Fall. Alles, was dringend ist, habe ich auch so erledigt und mir ist zumindest nichts aufgefallen, was ich dadurch komplett vergessen hätte.

Ich bin ausserdem aufmerksamer geworden dahingehend, dass ich meinen ‚müsste ich ja mal‘-Reflex ein bisschen unterdrücke. Als Corina vor einiger Zeit Quitten gesammelt und verabeitet hat, war mein erster Impuls, am nächsten Tag auch losrennen zu müssen und zu schauen, ob ich am Rhein, wo so viele öffentliche Bäume stehen, noch welche bekomme. Und das ist typisch für mich dieser Reflex. Und der setzt unabhängig davon ein, ob ich gerade Zeit dafür hätte, Quitten einzusammeln und zu verarbeiten, oder ob ich mir damit (unnötigen) Stress mache. Dieses Mal ist es mir aufgefallen, noch bevor ich mit einem Eimer bewaffnet am Rhein war und ich habe mich bewusst entschieden, dass ich zwar vielleicht mal (lies: irgendwann mal) Quittengelee kochen könnte, aber beim besten Willen nicht in diesem Jahr dringend kochen müsste und schon mal gar nicht kochen muss.

Von der wunderbaren Welt des Wissens bekam ich einen ebenso guten Impuls wie den mit den Quitten, als sie letztens sinngemäß irgendwo schrieb, dass bei all dem ‚müsste mal‘ der Spaß ganz verloren geht und genau das trifft es bei mir auch sehr gut.

Es gibt wahnsinnig viele Dinge, die ich gerne mache oder auch, die ich gerne mal machen und ausprobieren würde. Aber dadurch, dass ich sofort das Gefühl habe und das auch sprachlich so verarbeite, dass ich die Dinge mal tun müsste, geht die Freude unterwegs irgendwie zwischen dem Gefühl gehetzt zu sein und eh nicht alles zu schaffen verloren.

Ich bin – wenn das auch ganz andere blöde Schattenseiten mitbringt und überhaupt durch die Schattenseiten erst ausgelöst wurde, aber das ist ja eine ganz andere Geschichte – momentan in der Lage, mir die meiste Zeit frei einteilen zu können und statt dass ich sie mit Dingen fülle, die mich erfüllen, verbringe ich gerade viel zu viel Zeit damit, mich gehetzt zu fühlen und in dem Gefühl festzuhängen, nichts auf die Reihe zu bekommen. Das muss dringend wieder anders werden und der Artikel ist vielleicht / hoffentlich ein Anfang damit; der Versuch, das erst mal in Worte zu fassen und im Kopf zu sortieren, damit ich es vielleicht auch im Alltag wieder besser sortiert bekomme, damit ich vielleicht meine Zeit (und auch und vor allem das Zeitgefühl) wieder besser in den Griff bekomme.

Und weil ich in den letzten 2, 3 Tagen schon wieder angefangen habe, mir todo-Listen auf Zetteln zu notieren, ist vermutlich auch der Zeitpunkt gekommen, an dem ich Wunderlist wieder mal öffnen sollte und radikal alles rauswerfen, an das ich ohnehin denke und auch alles, was so ein müsste/könnte ja mal Ding ist. Ich glaube, es gibt auch so genügend Müsste-und-Könnte-Mals, denen ich im Alltag begegne oder die mir dann schon einfallen werden, wenn ich die Zeit dafür habe – aber vor allem auch, wenn ich wieder ein bisschen mehr Ruhe und Raum im Kopf dafür habe. Und dann heissen vielleicht ein paar von ihnen auch wieder Möchtegerns statt Müsstemals.

Katja