Liebe E.

Und wieder, wie immer am 17. September seit so so vielen Jahren, war einer meiner ersten Gedanken des Tages, dass heute dein Geburtstag ist. Da sind immer noch so viele Fragen im Kopf, wie es passieren konnte, dass wir uns so dermaßen aus den Augen verlieren konnten, wo genau das, doch vorher über so lange räumliche und auch zeitliche Distanz nie passiert war und ich mir nie vorstellen konnte, dich jemals zu verlieren. Viel zu fest war das Band zwischen uns und wie oft haben wir uns als Kinder gegenseitig den „Familie hat man, Freunde kann man sich aussuchen“-Spruch gesagt? Es tut nicht mehr so oft weh, wie noch vor ein paar Jahren, aber gerade laufen mir 2 Tränen über die Wange, weil ich so gerne wüsste, wie es dir geht und dich immer noch so sehr vermisse. Aber den Mut, noch einmal zu versuchen, Kontakt aufzunehmen, habe ich (zumindest gerade) nicht und so denke ich, heute noch ein bisschen mehr als sonst, aus der Ferne an dich.

Happy Birthday, liebe Schwester E. Ich hoffe, dir geht’s gut und wünsche dir nur das Allerbeste! Pass gut auf dich auf, wo immer du bist und was immer du machst. Der Platz in meinem Herzen ist für immer deiner. ❤

Deine Katja

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Während draußen die Landschaft vorbeisaust

Und dann sitzt du im Zug, noch 2 Stunden Fahrt liegen vor dir, die Kopfhörer, aus denen Billy Talent ertönt, in den Ohren, das Handy in der Hand, im Blick ein bisschen vom Handy, ein bisschen von der Landschaft, die vorm Zugfenster vorbeisaust, ein bisschen von deinem Gegenüber, ebenfalls mit Kopfhörern in den Ohren, mit Häkelnadel statt Handy bewaffnet. 

So sitzt du und hast den Kopf voll mit Eindrücken von einem Tag in Erfurt, von einer ersten Begegnung mit einer tollen Frau, die du seit Jahren kennst, aber heute zum ersten Mal getroffen hast, und musst darüber nachdenken, wie sehr sich dein Leben in den letzten 2 Jahren verändert hat, wie sehr du dich verändert hast. So ein Ausflug wie heute wäre noch vor einigen Monaten undenkbar gewesen. Zu große Angst, mit der du dir selber im Weg gestanden hättest. 

Irgendwann vibriert dein Handy wegen einer eingehenden WhatsApp. Die Frau gegenüber grinst einmal kurz hoch, die WhatsApp: „wenn du was essen willst, winkst du, ja?“. Und dann merkst du, wie du auf einmal schwer an 3 Tränen schlucken musst. Die Frau mit dem Kopfhörer gegenüber, die statt zu reden, weil ihr beide gerade kommunikationsmüde und -satt seid nach dem langen Tag, der kurz nach 6 auf dem Bahnhof begonnen hat, WhatsApp schreibt, ist deine Freundin und das ist ein Gedanke, der dir gerade regelmäßig Tränen in die Augen treibt. So viele Jahre hast du dir jemanden gewünscht, mit dem du dich derart verstehst und der nicht am anderen Ende der Republik wohnt, sondern in einer Distanz, in der man sich auch einfach Mal so und ohne großen logistischen Aufwand und lange Planung treffen kann. So sehr, dass du es sogar via Anzeige versucht hast, um immer irgendwann festzustellen, dass das nie über ganz nett hinaus kam, immer anstrengend war und mit viel Bauchweh verbunden und dem Gefühl, immer aufpassen zu müssen, was du sagst und wie du bist. Immer gebremst, nur nicht zeigen, wie schräg und seltsam du manchmal bist.
Und dann ist da auf einmal jemand, da bist du ganz du und das ist ok. Und nach ein paar Monaten und etlichen Begegnungen, fragst du dich, ob es wirklich erst ein paar Monate sind, weil dieser Mensch mit vollkommener Natürlichkeit in die Lücke passt, die da so lange war. Irgendwann fällt dir auf, dass du wirklich eine Freundin gefunden hast und du heulst auf einmal Rotz und Wasser, als dir aufgeht, wie sehr du anfangs davon ausgegangen bist, dass sie nur Mitleid mit dir haben kann, weil was sollte so ein klasse Mensch ausgerechnet mit dir Loserin wollen? Aber das Verstehen, das da zwischen euch ist, das ist alles nur kein Mitleid und du fühlst dich auf einmal gar nicht mehr als Loserin sondern überaus dankbar über so viele Veränderungen.

Käthe

Absacker

Und dann, nach einem langen Tag, der um 7 mit Schnippeln und Vorbereiten und Machen für Gäste zum Grillen begonnen hat und gerade mit einem Yukon Jack auf Eis neben der Tastatur endet, ist der Kopf gleichzeitig voll und leer und leicht und schwer.

Die Gedanken sind wieder da und mäandern im Kopf herum. Die harten Konturen des grellen Morgens verwischen gerade durch den Alkohol. Die heißbrennende Wut ist schon vor ein paar Stunden verglüht. ¿Qué pasa conmigo, qué pasa contigo? Was ist das für ein Ritt auf Schrödingers Pferd? ¿Qué pasa?

So viele Fragen und mir fehlen die Ant_WORTE_n. Warten statt Worten. It’s up to you.

Beweg dein Herz zum Hirn
Schick beide auf die Reise
Tanz tanz tanz aber dreh dich nicht
Dreh dich nicht im Kreise

(Stoppok – Tanz)

Katja

High voltage

Manchmal weiß ich gar nicht, ob ich darüber lachen oder eher weinen soll, dass mir schon einmal Gelerntes so leicht wieder abhanden kommt. Ich _weiß_, dass das beste Mittel gegen meine innere Unruhe und mein ewiges Gehetztsein ist, mir bewusst Zeit für jene Dinge zu nehmen, die mich runterholen und zur Ruhe kommen lassen. Ausgiebig Kochen und Bloggen gehören dazu, helfen fast instant und wieder einmal sind es genau diese beiden Dinge, die ich in meinem gerade so gehetzten Alltag, der vollgepackt mit Terminen ist, wie er es seit 15 Jahren nicht war, vernachlässige, für die ich keine Zeit habe.

Dabei könnte man mich nachts um 4 aus dem Schlaf reißen und ich könnte nicht nur die Binomischen Formeln aufsagen oder wüsste aus dem Effeff*, dass die Avogadro-Konstante gerundet 6 mal 10 hoch 23 ist, sondern könnte ebenso sicher meine Überzeugung ausdrücken, dass man ja nie für etwas _Zeit hat_, sondern sich höchstens für Dinge (oder auch Menschen) _Zeit nimmt_ oder eben nicht und dass es fast immer eine Frage von Prioritäten ist.

Irgendwann heute Nachmittag lag ich heulend auf dem Bett, weil ich momentan oft das Gefühl habe, dass mir mein Leben gerade über den Kopf wächst. Mein Mut stürmt voran, ich kann auf einmal so vieles, was so viele Jahre nicht ging und will irgendwie alles auf einmal und überfordere mich mit meinen vielen Terminen derzeit chronisch selbst, weil neben all den Dingen, die ich gerne machen möchte und die meist damit zu tun habe, dass ich irgendeinen von euch tollen Menschen aus dem Internet in der Welt da draußen treffe, auch noch jene Termine habe, die ich #ausGründen anpacken muss und das sind im Moment unter anderem ein paar Arzttermine, die mich nicht nur Zeit sondern auch viele Nerven wegen viel Angst kosten. Und zwischen all dem Unterwegssein und dem dauernd draußen sein, fehlt mir so viel Zeit für mich und die Dinge, die mir gut tun. Natürlich tut es mir auch wahnsinnig gut, so viel zu unternehmen, aber das ist – so sehr es mir gefällt – auch immer noch unheimlich kraftraubend, weil ich dafür meistens unter Menschen bin, oft unter vielen davon, was für mich nach so langer Isolation immer noch alles andere als normal ist.

Was ich also gerade dringend lernen muss: Fuß vom Gas, nicht ganz aber ein bisschen. Gelegentlich mal rechts ranfahren und durchatmen. Ab und zu mal hinsetzen, nicht dauernd in Bewegung sein. Manchmal nur mal aus dem Fenster oder vor mich hingucken oder noch besser wieder mal häufiger mit Geduld nach innen und mir vor allem klar machen, dass niemand mich hetzt außer ich mich selber. Ruhe. In Ruhe machen. Jetzt hier ein Anfang. Statt Wäsche zusammenzulegen, was ich gefühlt dringend machen müsste, aber was tatsächlich morgen noch genauso dringend oder auch unwichtig sein wird, sitze ich hier, endlich wieder mal durch die Fingerspitzen denkend, mir die Zeit nehmend, Gedanken hier festzuhalten. In der Vergangenheit hat es schon ein paar Mal gut geklappt, mich selber dazu zu zwingen bzw. mir vorzunehmen, für eine Weile täglich zu bloggen, um das wieder mit mehr Normalität in den Alltag zu integrieren und gerade überlegte ich, dass ich das eigentlich wieder mal tun sollte – und vielleicht, weil der direkt folgende Gedanke war „das schaffst du doch derzeit nie im Leben, das kriegst du nicht hin, du hast ja so schon für nichts Zeit“, was – as absurd as can be – ja jenes beweist, was ich hier in Worte zu fassen versuche, werde ich genau das jetzt tun. Es wenigstens versuchen. Es kann ja nur helfen, nichts verschlechtern.

Hallo, ich bin Katja. Ich blogge hier jetzt wieder mal für eine Weile täglich.

Sometimes the fastest way to get there is to go slow. (Tina Dico, Count to ten)

Katja

 

(*sehr interessant übrigens der Wikipedia-Artikel mit diversen Herkunftstheorien)

Heureka

„Mooooment! Das will ich jetzt aber nochmal genauer hören. Vor allem, wie’s Ihnen dabei ging.“, sagt der beste Therapeut und guckt mich belustigt an.

Kurz zuvor war ich gleichzeitig mit einem dpd-Boten auf seiner Treppe angekommen, der überaus freundlich und charmant eine ganze Sackkarre voller Pakete auslieferte und sie allesamt die Treppe hochschleppte und den Therapeuten nicht mit anpacken ließ.

„Na der war aber freundlich.“, sage ich kurz drauf als ich mich auf den mir nun schon seit fast 2 Jahren so vertrauten Stuhl, in dem vertrauten Raum fallen lasse und während der Therapeut meine Versicherungskarte wegen des neuen Quartals einliest, erzähle ich ihm was ca. 1 Stunde vorher bei mir los war.

Als ich gerade aus der Dusche komme und nur in ein Handtuch gewickelt bin, klingelt es, direkt 3, 4 Mal. Weil wir keine Gegensprechanlage, keine Türsummer und nix haben, ich aber sehen konnte, dass ein UPS-Wagen vor der Tür hält, öffne ich also das Badezimmerfenster und rufe runter. Der UPS-Typ antwortet, dass er ein Paket für [Name der Nachbarn] hätte. Ich sag ihm, dass ich nicht runterkommen kann, weil ich mich erst anziehen muss, er’s aber gerne vor der Tür abstellen kann und ich’s dann reinhole, sobald ich angezogen bin. Fenster zu, angefangen mich einzucremen. Ein paar Minuten später klingelt’s erst einmal, dann 30 Sekunden später Sturm. Fenster auf. „Komm runter, ich hab Paket.“ „Ich bin immer noch nicht angezogen, stellen Sie’s doch einfach vor die Tür.“ „Mach Tür auf.“ „Geht nicht. Wir haben keinen Türöffner, dafür müsste ich auch runterkommen. Stellen Sie’s doch einfach vor der Tür ab. Ich hol’s in ein paar Minuten rein.“ „Mach Tür auf. So eine Verschwendung von meiner Zeit. Ich hab jetzt 10 Minuten wegen einem Päckchen verloren. Wenn nicht Tür aufmachen, nehm ich wieder mit. So ein Unverschämtheit. Hab das ganze Auto voll Pakete und muss hier so viel Zeit verschwenden.“ „Was genau ist denn Ihr Problem? Sie haben jetzt zwei Möglichkeiten: stellen Sie’s vor die Tür oder nehmen Sie’s wieder mit. Ich komme sicher nicht, nur in ein Handtuch gewickelt, runter.“ Dann höre ich nur noch ein Fluchen und mache das Fenster wieder zu. Als ich später runterkomme, steht da natürlich kein Paket, das hat er wieder mitgenommen.

Und während ich dem Therapeuten die Geschichte erzähle, geht mir selber ein Licht auf, weswegen er da nochmal nachgefragt hat und es ist wieder einmal einer dieser „Heureka“-Momente in der Therapie.

Wenn mir die gleiche Geschichte noch vor einem Jahr passiert wäre, wäre ich vermutlich in Tränen aufgelöst in der Therapie gelandet, dafür dass da jemand so offensiv und unfreundlich auf mich reagiert, wo ich doch eigentlich IHM (und den Nachbarn) einen Gefallen tun will, damit er nicht nochmal wiederkommen muss. Ich wäre in der Situation am Fenster völlig überfordert gewesen und mir hätten die Worte gefehlt und mich hätte das Erlebnis für den Rest des Tages beschäftigt und vermutlich noch darüber hinaus, mich immer wieder fragend, was ich denn wieder falsch gemacht habe und ob ich das hätte abwenden können. Es wäre doch jetzt wirklich nicht so ein Umstand gewesen, wenn ich mir fix was übergezogen und runtergerannt wäre…

Stattdessen war es so, dass ich – nur eine Stunde später – das Erlebte (nachdem ich ein paar wütende Tweets geschrieben hatte) fast schon wieder verdrängt hatte und überhaupt nur auf die Idee kam, es dem Therapeuten zu erzählen, weil sein freundlicher dpd-Bote so ein krasses Kontrastprogramm zu dem kurz vorher Erlebten war. Das war gleich im doppelten Sinne eine glückliche zeitliche Koinzidenz – zum einen, weil ich nur noch alle 4 Wochen Therapietermin habe und wenn das Erlebnis nicht so superfrisch gewesen wäre, hätte ich gar nicht mehr daran gedacht, es zu erzählen, zum anderen weil just in dem Moment die Pakete beim Therpeuten ankamen. Und beides zusammen hat dazu geführt, dass mir wieder einmal bewusst geworden ist, welche Fortschritte ich tatsächlich in den letzten 2 Jahren gemacht habe. Das sehe ich ja leider viel zu selten. Man merkt ja eher die riesengroßen beängstigenden Dinge, die man nicht kann. Die, die auf einmal gehen, sind ja so sehr geschrumpft und zu Alltäglichkeiten geworden, dass man sich ihrer nur selten derart bewusst ist, wie ich in dieser Therapiesitzung.

Ich kann wütend werden und mich über andere ärgern und ich kann das ausdrücken. Ich lasse mir nicht mehr alles gefallen und suche nicht mehr immer bei mir die Schuld und den Fehler. Und ich fühle mich nicht mehr für die Lösung der Probleme von anderen zuständig und verantwortlich. Ich muss es nicht mehr allen recht machen, schon gar nicht mehr gänzlich Unbekannten, die noch dazu unfreundliche Menschen sind. So klein das ist, so groß ist das für mich.

Und ich musste das jetzt unbedingt hier festhalten, damit es – weil es ja so etwas Alltägliches geworden ist – mir nicht entgleitet und ich hier was zum dran Festhalten habe, wenn ich wieder mal mutlos denke, dass es gar nicht voran geht. Auch wenn mir ansonsten gerade wieder mal die Zeit zum Bloggen fehlt, weil ich – ich glaube es selber kaum – andauernd unterwegs bin und andauernd tolle Sachen mache. Zuletzt: 4 Tage Paris in der letzten Woche (was ich zwar auf Twitter intensiv kundgetan habe, aber hier schändlicherweise nicht mal erwähnt).

Vielleicht muss das so sein, dass das Leben manchmal schneller ist und ich hier nicht hinterherkomme – auch wenn es mir arg leid tut und mir die Zeit zum Bloggen wirklich oft fehlt. Dafür tut das viele Leben aber gerade (meistens) auch sehr gut.

Geht’s euch auch gut?

Katja

…mit offenen Fenstern und Haaren im Gesicht

Und dann wird dir bewusst, wie sehr dein inneres Wohl und Wehe gerade wieder mal vom Außen abhängig ist und wie wacklig und fragil und verletzlich solche Konstruktionen sind, wenn sie in einer solchen Dringlichkeit die innere Kontrolle übernehmen. Du merkst, wie hoch du den Lautstärkenregler des Außen gedreht hast und in welchem Ausmaß du damit deine innere Stille übertönst, nur nach außen hörst, nicht nach innen. Dringend auf Input angewiesen, um die Leere zu füllen, obwohl du doch eigentlich längst weißt, dass das nicht funktionieren kann. Sobald etwas von außen die Barriere nach innen durchdringt, beginnt der unaufhaltbare radioaktive Zerfall mit flüchtiger Halbwertszeit. Das eigene Innen wird immer kleiner, weil es sich in freudiger Erwartungshaltung schon mal in die Ecke gekauert hatte, um genügend Platz zu machen und beobachtet wie das Vakuum um es herum immer größer wird, sich ausdehnt und nicht mal die hilflosen Schreie können durch den luftleeren Raum nach außen gelangen.

Bis irgendwann – hoffentlich – der kleine Schritt zur Seite gelingt, der die Perspektive um eine Nuance verändert, den Blick auf das freigibt, was da gerade wieder einmal mit dir passiert. Und du weißt, du hast schon fantastilliarden Mal den Blick ins Lösungsbuch an der entsprechenden Stelle geworfen. So oft, dass der Buchrücken an dieser Stelle einen Knick hat und du musst auch gar nicht mehr nachschauen, weil du längst auswendig weißt, was dort steht. Nur du selber kannst das auflösen, kannst den Raum füllen. Das funktioniert nur von innen.

Komm, dreh die Lautstärke ein bisschen runter. Du musst ja nicht ganz ausschalten, nur ein kleines bisschen leiser, damit du dich selber noch hören kannst. Deine Stille wieder hören kannst. Wieder auf sie hören kannst.

Und dann wird dir auch noch diese Sache mit der Geschwindigkeit bewusst und du denkst, dass es doch eigentlich gar kein Wunder ist, wenn du dich dauernd gehetzt fühlst, weil du gerade ständig und alles und nur im Vollgas zu Stande bringst und du fragst dich, ob es daran liegt, dass du so viel Zeit deines Lebens mit Überleben beschäftigt warst, dass du jetzt wie in einem Geschwindigkeitstrausch das Leben nachholen willst oder ob auch das nicht eigentlich eine Flucht vor dir selber ist. Nicht innehalten, nicht hingucken, nicht reingucken.

Wenn du also gerade schon dabei bist, wieder mal ein paar Striche an den Reglern zu drehen, dann nimm doch auch den Fuß ein bisschen vom Gas. Nur ein bisschen. Auch wenn Sommer ist und du mit offenen Fenstern und Haaren im Gesicht losrasen möchtest.

Sometimes the fastest way to get there is to go slow.
And sometimes if you wanna hold on you got to let go.

Katja

Say Cheese.

Seit Tagen den Editor offen, so so viel im Kopf, im Bauch, im Herzen, was gleichermaßen nach außen drängt und dringend, ganz klein zusammengerollt, innen drin bleiben will. Gedanken, wie flüchtige Schlieren von Milch, die auf Kaffee trifft und sich direkt im nächsten Moment alles durcheinanderwirbelnd vermischt, deren Spuren sich verflüchtigen, nicht mehr nachverfolgbar und erst recht nicht greifbar sind. Aufruhr, dessen Infragestellungsfragen so überriesengroß und furchteinflößend sind, dass der Nacken vom zu-ihnen-Aufschauen sicher weh tun würde, wenn die Angst davor nicht so allumfassend dafür sorgen würde, dass der Kopf kaum zwischen den Schultern rausgucken kann, während der Blick ins Leere gleitet, wechselt sich ab, mit ungläubig zaghaft fragendem Gibtsdaswirklichstaunen. Dazwischen die Erwachsene, erstaunlicherweise oft bei sich bleibend, verschwestert, gestärkt und manchmal den Selbsthass wie eine alte und zu groß gewordene Schlangenhaut abstreifend, trotzig ‚Hier, das bin ICH‘ sagend, manchmal (selten, aber immerhin) das ‚und das ist ganz ok so‘ denkend und die Kleine, gebeutelt, verletzt, so viel sinnlos und unmöglich ersehnend, im ewig erscheinenden Pingpong hin- und hergeworfen zwischen viel zu großen Gefühlen und Gedanken.

Seit Tagen den Editor offen und dann geht doch nicht mehr als diese kryptische Bestandsaufnahme des Moments, der nicht nur den aktuellen Moment, sondern den im weiter gefassten Sinne erfasst. Bestandsaufnahme. Aufnahme. Achtung Aufnahme. Jetzt bitte lächeln. Say ‚Gibtsdaswirklich‘ oder ‚Cheese‘. Und Klick.

Katja