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So viel passiert in den letzten 12 Monaten. So viel Schmerz hochgeholt, den ich über all die Jahre verdrängt habe. So viele Erinnerungen, an die ich mich in all den Jahren nicht erinnern wollte und bei denen es mir auch immer noch schwer fällt, hinzgucken, aus lauter Angst, die Bande zu dir ganz zu zerschneiden. Harte Monate hinter mir, harte Monate vor mir und ich weiß nicht, was da noch alles hochgespült werden wird.

Und dann denke ich an dich und unsere letzten paar Monate zusammen und wie du mich quasi gezwungen hast, mich schon mit deinem Sterben und deinem Tod auseinanderzusetzen so lange du noch da warst und mir dabei helfen konntest, zu verstehen, was da passiert und muss daran denken, wie unglücklich es dich machen würde, wenn du wüsstest, wie unglücklich ich oft bin und dass dir vermutlich lieber wäre, ich würde alle gute Erinnerung opfern, wenn es mir helfen würde, die schlimmen Erfahrungen irgendwann mal zu verarbeiten.

Ach Dad… du fehlst mir immer noch. Nach all den Jahren.

Happy Birthday!

Deine Katja, dein Wawuschel – denn, ich glaube, ich hab das noch nie erzählt – da kommt der Name für mein Blog her.

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Vuizvuigfui

Diese Tage, an denen einem schon morgens beim Aufstehen, die eigene Haut nicht richtig passt, an manchen Stellen schlabbert, wie ein ausgeleiertes altes Shirt, an anderen kneift, wie die frisch gewaschene Jeans. Diese Tage, an denen man sich wünscht, jemand anderer zu sein, irgendwer nur nicht man selber. An denen sich alles verkehrt anfühlt, was man ist, wie man ist und vor allem, was und wie man fühlt. An denen sich das Fühlen verkehrt anfühlt, alles nicht richtig, alles zu viel, viel zu viel. An denen man sich dauernd fragt, warum man so ist, wie man ist, warum man nicht ein bisschen weniger so sein kann, wie man ist, ein bisschen weniger fühlen kann. An denen man sich fragt, warum das alles immer direkt so tief reingehen muss, warum man’s nicht lernen kann, ein bisschen nach außen dicht zu machen. So ein Gürteltierpanzer wäre schön. Oder einer von ’ner Schildkröte. Ein Schneckenhaus. Igelstacheln. Ein Gürteltierpanzer mit Igelstacheln. Irgendetwas, das Schutz bietet, vielleicht auch abschreckt. Einem Gefahr vom Leib hält, obwohl es gar nicht um den Leib geht, sondern um die Gefühle, um das Innen, nicht das Außen. Diese Tage, an denen man sich fragt, warum einem Nähe zu anderen Menschen so wichtig ist und warum man aus all dem Schmerz und der Erfahrung nichts lernt, nicht irgendwann begreift, dass Dichtmachen das ist, was einen schützt, einen schützen könnte, wenn man denn dichtmachen könnte. Diese Tage, an denen man sich so verkehrt fühlt, so nicht in diese Welt passend. Zu viel denkt. Zu viel fühlt. Zu viel von allem ist. Vor allem von sich selbst. Und an denen man das, was man ist, die, die man ist, so überhaupt nicht leiden kann, weil sie einem selber viel zu viel ist und man sie mit ihren vielen Emotionen kaum mehr aushalten kann.
Diese Tage, von denen man immerhin (wieder) weiß, dass sie irgendwann vorbeigehen und an denen man hofft, dass der nächste dann doch wieder besser wird. Immerhin das. Immerhin wieder hoffen, dass das irgendwann mal wieder besser werden wird.

Muss ja.

Katja

Liebe E.

Es wird vermutlich keinen 17. September in meinem Leben geben, in dem mein erster Gedanke nicht dir gilt. Es ist jetzt so viele Jahre her, dass wir zuletzt voneinander gehört haben und doch ist dein Geburtstag tief in mein Gedächtnis eingebrannt. Vor ein paar Tagen habe ich tatsächlich auf Facebook geguckt, ob ich dich finde. Deine eine Tochter habe ich gefunden, zwei deiner Brüder, deine Ma, deine Cousine, deinen Cousin. Dich nicht und wahrscheinlich ist es ganz gut so, denn sonst wäre ich vollends ratlos gewesen, ob ich nicht doch noch einmal versuchen soll, Kontakt zu dir aufzunehmen. Dass du mal nicht mehr ein selbstverständlicher Teil meines Lebens sein würdest, hätte ich nie für möglich gehalten. Du warst mir Familie, als meine eigene es nicht war und ich hätte nie damit gerechnet, dass es mal anders sein könnte und dass unsere Leben mal so unterschiedlich und solche Dimensionen voneinander entfernt verlaufen würden.

Aber egal wo du bist, was du so machst: ich hoffe von Herzen, dass es dir gut geht und dass du glücklich bist, liebe Schwester E. Happy Birthday – auch dieses Jahr erreichen dich meine Glückwünsche nicht  und ich schreib sie nur in mein Blog – ich wünsche dir alles erdenklich Gute und vielleicht kommt wenigstens dieser Gedanke bei dir an. Den Platz in meinem Herzen hast du für immer!

Deine Katja

Lost in time and lost in space and meaning

Es ist fast als würde ich mich mit jedem Kilometer, den ich mich vom Meer entferne, auch wieder von mir selber entfernen, als würde die gigantische Schere zwischen Herz und Kopf immer weiter auseinanderklaffen und mich mit- und in zwei Teile reißen. Denken und Fühlen, das waren bei mir noch nie so dermaßen verschiedene Dinge wie sie es jetzt sind und in mir finden tägliche Grabenkämpfe über die Vorherrschaft statt. Innere Aufruhr, ein ewiges Zerren meiner Selbst an meinen Ressourcen und ewiges Krisen- und Kriegsgebiet. Der Kopf hat immer wieder seine klaren Momente, in denen er die Oberhand hat und in denen ich mir selber ziemlich genau erklären kann, was da überhaupt gerade in und mit mir passiert und dann im nächsten Moment kommt eine Welle aus Emotionen und schlägt mir über dem Kopf zusammen und reißt mich von den Füßen und dabei bin ich doch gerade schon wieder so weit vom Meer entfernt, aber es ist der Sturm in mir drin, der das macht. Ich sehne mich nach Ruhe und Frieden und doch ist da auch immer wieder ein kleiner Teil von mir, der das selber sabotiert, der dem Drang nach- und die Kontrolle abgibt und dann ist da noch mehr Wasser und es tropft aus den Augen bis sich um die Füße eine Pfütze bildet und ich mir wünsche, darin zu versinken. Bis zum Grund zu sinken, in der Hoffnung, dass sie so tief ist, dass kein Geräusch mehr bis zu mir durchdringt. Aber dann wird mir wieder bewusst, dass der Lärm nicht außen, sondern in mir drin ist und dass es keine Flucht gibt sondern nur ein Mittendurch. Mitten durch, durch den ganzen Selbsthass, der jede Schwäche erkennt und nutzt und sofort wieder grinsend ums Eck kommt, sobald ich mit mir selber hadere, weil es mir schon wieder und immer noch so schlecht geht und ich diesen Schalter im Kopf oder Herzen oder im Woauchimmer nicht finde, der alles mal wieder zurecht rücken und die Dinge in ihre wahre Bedeutung sortieren kann und aufhört, alles immer größer zu denken, außer mich selber, mich immer nur kleiner. Dabei wäre Gelassenheit das, was sehr viel besser helfen könnte. Auch das weiß ich, die Erkenntnis ist keine neue und doch verhakt es sich gerade an allen Stellen, des schon einmal Gelernten und wenn da auf der anderen Seite nicht so enorm viele Fortschritte wären, die ich gerade mache und zum Glück auch sehe und wahrnehme, nämlich in allen anderen Bereichen, dann würde ich vermutlich noch mehr verzweifeln als ich es gerade ohnehin schon tue.

Also back to the basics. Einatmen. Ausatmen. Repeat. Und dann merken, dass da immerhin langsam wieder ein Funken Zuversicht auftaucht, dass es doch verdammt nochmal irgendwann langsam mal besser werden *muss*, weil noch schlechter und noch länger so schlecht nicht mehr geht.

Katja

Tabuzone

Achtung Triggerwarnung:

In diesem Text geht es um Suizidgedanken und den Umgang damit. Bitte lest den folgenden Text nicht, wenn es euch gerade schlecht geht, wenn ihr selber psychisch angeschlagen seid oder – aus welchen Gründen auch immer – nicht mit diesem Thema in Berührung kommen möchtet.

 

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Ich bin ja ansonsten nicht nachtragend…

…aber @poelsebude meint, ich sollte doch daraus auch noch einen Blogartikel machen

und das ist jetzt also quasi ein Nachtrag zum letzten Eintrag und einer der Gründe, weswegen ich mich, wenn es mir schlecht geht, am liebsten verkrieche und aus der meisten Kommunikation aussteige.

 

Katja

Memo an mich

Liebes Future-me,
Einigeln und mit der Depression und den kreisenden Gedanken alleine zu sein, ist keine gute Idee, wenn’s dir richtig schlecht geht – auch wenn sie noch so verlockend erscheint und auch wenn dir noch so wenig nach Menschen zumute ist. Du hast tolle Freunde und du gehst ihnen auch dann nicht auf die Nerven (ja echt!), wenn’s dir schlecht geht. Vertrau mal endlich darauf und hör auf, dich zu verstecken. Du fällst dann nur noch tiefer. Und es tut dir doch gut, zu merken, dass sie dich auch dann noch gerne haben, wenn du für dich selber wieder mal nur Hass übrig hast. Also mach nicht dicht, sondern umgib dich mit Leuten, die du magst und lass dich ablenken. Echt jetzt.
Dein Present-me

 

(Nicht aufgeben. Bitte.)