Gelesen im April 2014

Ach je, schon wieder ein Monat vorbei, in dem ich fast nicht zum Lesen gekommen bin.

 

Paulo Coelho – Veronika beschließt zu sterben

Veronika, eine junge Frau aus Slowenien, irgendwo in den 20ern, beschließt ihrem Leben ein Ende zu bereiten und schluckt Tabletten. Als sie wieder zu sich kommt, findet sie sich in Vilette wieder, dem berühmt-berüchtigten ‚Irrenhaus‘ in Ljubljana – jetzt tatsächlich mit dem nahenden Tod konfrontiert, denn die Tabletten, mit denen sie sich umbringen wollte, haben einen irreparablen Schaden an ihrem Herzen verursacht und ihr bleiben nur noch wenige Tage zu leben.

Anfangs froh über diese Nachricht, wird Veronikas Kummer darüber mit jedem Tag in Vilette, größer, weil sie dort, zwischen den vermeintlich Verrückten, die Lust zu Leben (wieder-)findet.

Ein Fazit zu ‚Veronika beschließt zu sterben‘ fällt mir nicht ganz leicht. Das Buch insgesamt und inclusive des sehr vorhersehbaren Ausgangs kommt mir eigentlich zu sehr mit der ‚lebe jeden Tag als wäre es dein letzter‘-Keule daher, die Weisheiten sind teils sehr mit Gewalt dort untergebracht.

Andererseits enthält das Buch für mich jede Menge Schätze – die sich vor allem an all jenen Stellen zeigen, wo es um die Definition von Normalität/Realität oder Verrücktheit geht. Da hat Coelho einfach schöne Beispiele eingeflochten, die mich sehr oft beim Lesen schmunzeln ließen.

Ich hatte hier schon eines der Beispiele zitiert, hier noch ein weiteres:

„[…] Es gibt Dinge, die vom gesunden Menschenverstand bestimmt werden: Daß man die Knöpfe an einem Hemd vorn anbringt, ist eine Frage der Logik, denn es wäre sehr viel schwieriger, es seitlich oder gar auf dem Rücken zuzuknöpfen.
Andere Dinge jedoch setzen sich durch, weil immer mehr Menschen glauben, sie müßten so sein. Ich werde Ihnen zwei Beispiele nennen: Haben Sie sich jemals gefragt, warum die Buchstaben auf den Tasten einer Schreibmaschine in der bekannten Ordnung verteilt wurden?“
„Nein.“
„Wir können die Tastatur QWERTY nennen, denn die Buchstaben der ersten Reihe sind so angeordnet. Ich habe mich gefragt, warum das so ist, und die Antwort gefunden: Die erste Maschine wurde 1873 von Christopher Scholes erfunden, damit die Leute schöner schreiben konnten. Doch dabei gab es ein Problem. Wenn man sehr schnell auf der Maschine schrieb, verhedderten sich die Typen und blockierten die Maschine. Da entwarf Scholes die QWERTY-Tastatur, eine Tastatur, die die Schreiber zwang, langsam zu schreiben.“

(Paulo Coelho, Veronika beschließt zu sterben, Diogenes, Seite 179)

Ich mochte am Buch, das Hinterfragen der Normalität und der Verrücktheit. Was mir überhaupt nicht gefallen hat ist, dass da eine junge Frau, deren Leben eher unerfüllt als unglücklich wirkt, als suizidal dargestellt wird. Natürlich kann auch innere Leere zu Depressionen und zu Suizidgedanken führen, aber irgendetwas stört mich bei diesem Buch gewaltig an dieser – auch nirgends schlüssig erklärten – Folgerung. Vielleicht ist es für mich deswegen nicht glaubwürdig, weil ich nicht glauben will, dass ein Mensch so leichtfertig, wie es hier auf mich wirkt, sein Leben wegwerfen will. Ich frage mich die ganze Zeit, warum Veronika denn nun überhaupt beschlossen hat zu sterben. Das wirkt auf mich alles ein wenig so konstruiert, nur damit der Autor eine Gelegenheit hat, die Weisheiten über den Wert des Lebens unterzubringen.

 

Katerina Dimitriadis – Käts Start-up Küche

Eigentlich geht es ja hier ’nur‘ um Lese- und nicht um Kochbücher. Wenn es ein Kochbuch aber schafft, dass ich – statt nur mal eben schnell reinzublättern, wie ich das normalerweise bei neuen Kochbüchern mache – das komplette Buch von vorne bis hinten innerhalb nur eines Wochenendes durchlese, dann ist das ein eindeutiges Indiz, dass auch das Lesen des Buches Spaß macht.

Und überhaupt Spaß…

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Mit dieser tollen Widmung vorne drin trudelte das Buch mit der freitäglichen Post bei mir ein, weil die Lieblingscorina wieder mal genau den richtigen Riecher hatte, dass das genau das passende Kochbuch für mich ist. ♥

Eigentlich sind ja Kochanfänger die Zielgruppe von Käts Start-up Küche und entsprechend einfach sind auch die meisten Rezepte und auch die Tipps, die sie überall im Buch gibt, sind jetzt nicht unbedingt sagenumwobenes Neuland für mich. Aber trotzdem und gerade deswegen liebe ich das Buch seit dem ersten Aufklappen. Da ist nämlich eine, die das, was sie macht, mit großer Leidenschaft und viel Spaß macht und sie schafft es, das wunderbar mit dem Buch zu vermitteln. Noch dazu erklärt Kät viele Handgriffe und vermeidet unnötigen Fachjargon, damit auch wirklich Anfänger mit den Rezepten klar kommen und das Kochen Lust statt Frust bereitet. Sehr sehr toll! Hinten dran gibt es einen unheimlich nützlichen Anhang, der sich der Küchengrundausstattung widmet und ein paar Lebensmitteln, die in keinem Vorrat fehlen sollten, dazu viele Tipps, was man mit Resten anfangen kann oder Gemüse, das schnell weg muss, damit man keine Lebensmittel wegwerfen muss. Spätestens an dieser Stelle war ich sehr in Kät verliebt, denn genau das sind praktische Probleme, vor denen Küchenanfänger oft stehen und ich habe ansonsten noch kein Kochbuch in der Hand gehabt, das auch an diese Belange denkt.

Und schließlich ist auch an Variation gedacht. Bei vielen Rezepten gibt es ein Grundrezept und direkt mehrere mögliche Abwandlungen, bei anderen ein Zutatenkarussell mit Tipps, welche Zutaten man durch welche ersetzen kann und ausserdem steht bei vielen Rezepten noch als Tipp dabei, wie man ganz einfach durch Austauschen einzelner Zutaten ein vegetarisches oder veganes Gericht daraus macht.

Wenn es Käts Ziel war, Spaß am Kochen und an ihren Rezepten zu vermitteln so hat das bei mir bereits beim Lesen geklappt! Und heute wird direkt das erste Rezept nachgekocht! Mittlerweile habe ich schon 4 oder 5 Rezepte ausprobiert, was es bisher vorher noch bei keinem Kochbuch innerhalb so kurzer Zeit gab. Das ist alles wirklich sehr alltagstauglich. Schwärmend, begeistert! Und mittlerweile habe ich es sogar schon direkt weiterverschenkt an eine, die noch ein bisschen besser in die Zielgruppe passt. Wobei hier durchaus nicht nur Anfänger gute Ideen finden!

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Ein paar kleine Mangos [ja, ich weiss es natürlich, aber das muss so 😀 ] hat das Buch übrigens schon. Die tun meiner Verliebtheit allerdings keinen Abbruch. ZB hat es kein(e) Lesebändchen, was ich gerade bei Kochbüchern immer sehr schade finde.  Und wenn mehrere einzelne Gerichte kombiniert werden (also zB Fisch mit Kartoffeln und Salat) werden alle benötigten Zutaten zusammengefasst aufgezählt. Wenn man dann nur einen Bestandteil davon zubereiten möchte, muss man sich Zutaten und Mengen selber aus dem Text rausfischen und oft auch erst noch berechnen. Wenn bei einem vorherigen Bestandteil 4 der 6 EL Öl verbraucht wurden, steht dann bei weiteren Bestandteilen nämlich nur noch ‚das restliche Öl‘. Das finde ich gerade für Anfänger eine ein bisschen unglückliche Methode. Und als letztes: Die angegebene Zubereitungsreihenfolge erscheint mir oft nicht sinnvoll geordnet. Bei den Bifteki zB, die ich schon zubereitet habe (Rezeptklick), steht als erste Anweisung, dass man den Ofen auf 200° vorheizen soll. Danach wird Toastbrot noch für 15 Min eingeweicht und danach überhaupt die ganzen Zutaten überhaupt erst verknetet und die Bifteki geformt, Kartoffeln geschält etc. und dann kommt der Kram in den Ofen. Einem Anfänger, und das ist ja die explizite Zielgruppe der Start-up Küche, fällt nicht zwingend auf, dass er seinen Ofen dann vielleicht eine Dreiviertelstunde zu früh einschaltet.

Katja

 

 

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4 Kommentare zu “Gelesen im April 2014

  1. Oh… ich wollte das eigentlich auch mal lesen. Aber konstruierte Sachen regen mich ja schon maßlos auf.

    Die Zielgruppe dankt immer noch und hat immerhin schon 2 Sachen gekocht. Oder zumindest eine als Anregung genutzt. Und alles für die Quiche hier rumfliegen. Aber ich sollte mir später mal dringend die Vorratsliste anschauen… 😀

  2. @Anette: Ja, so empfand ich es auch. Ich hatte so viel Gutes drüber gelesen und war deswegen neugierig. Aber ich kann generell nicht so gut mit Büchern, die die frohe Kunde wie toll das Leben doch ist, mit dem Holzhammer verbreiten.
    Nick Hornbys ‚A long way down‘ kommt mir – auch wenn die Geschichte und die Leute abgedreht sind – trotzdem natürlicher vor.

    @Svü: Ich fand es schon lohnend, aber eben hauptsächlich für diese Stellen, wo die Seiten von Normal oder Unnormal in Frage gestellt werden. Der Geschichte wegen weniger.

    Die Nichtganzzielgruppe grinst deutlich über die geteilte Begeisterung der Zielgruppe. 😀

  3. Pingback: 123-5-3 | Gedankensprünge

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