Heureka

„Mooooment! Das will ich jetzt aber nochmal genauer hören. Vor allem, wie’s Ihnen dabei ging.“, sagt der beste Therapeut und guckt mich belustigt an.

Kurz zuvor war ich gleichzeitig mit einem dpd-Boten auf seiner Treppe angekommen, der überaus freundlich und charmant eine ganze Sackkarre voller Pakete auslieferte und sie allesamt die Treppe hochschleppte und den Therapeuten nicht mit anpacken ließ.

„Na der war aber freundlich.“, sage ich kurz drauf als ich mich auf den mir nun schon seit fast 2 Jahren so vertrauten Stuhl, in dem vertrauten Raum fallen lasse und während der Therapeut meine Versicherungskarte wegen des neuen Quartals einliest, erzähle ich ihm was ca. 1 Stunde vorher bei mir los war.

Als ich gerade aus der Dusche komme und nur in ein Handtuch gewickelt bin, klingelt es, direkt 3, 4 Mal. Weil wir keine Gegensprechanlage, keine Türsummer und nix haben, ich aber sehen konnte, dass ein UPS-Wagen vor der Tür hält, öffne ich also das Badezimmerfenster und rufe runter. Der UPS-Typ antwortet, dass er ein Paket für [Name der Nachbarn] hätte. Ich sag ihm, dass ich nicht runterkommen kann, weil ich mich erst anziehen muss, er’s aber gerne vor der Tür abstellen kann und ich’s dann reinhole, sobald ich angezogen bin. Fenster zu, angefangen mich einzucremen. Ein paar Minuten später klingelt’s erst einmal, dann 30 Sekunden später Sturm. Fenster auf. „Komm runter, ich hab Paket.“ „Ich bin immer noch nicht angezogen, stellen Sie’s doch einfach vor die Tür.“ „Mach Tür auf.“ „Geht nicht. Wir haben keinen Türöffner, dafür müsste ich auch runterkommen. Stellen Sie’s doch einfach vor der Tür ab. Ich hol’s in ein paar Minuten rein.“ „Mach Tür auf. So eine Verschwendung von meiner Zeit. Ich hab jetzt 10 Minuten wegen einem Päckchen verloren. Wenn nicht Tür aufmachen, nehm ich wieder mit. So ein Unverschämtheit. Hab das ganze Auto voll Pakete und muss hier so viel Zeit verschwenden.“ „Was genau ist denn Ihr Problem? Sie haben jetzt zwei Möglichkeiten: stellen Sie’s vor die Tür oder nehmen Sie’s wieder mit. Ich komme sicher nicht, nur in ein Handtuch gewickelt, runter.“ Dann höre ich nur noch ein Fluchen und mache das Fenster wieder zu. Als ich später runterkomme, steht da natürlich kein Paket, das hat er wieder mitgenommen.

Und während ich dem Therapeuten die Geschichte erzähle, geht mir selber ein Licht auf, weswegen er da nochmal nachgefragt hat und es ist wieder einmal einer dieser „Heureka“-Momente in der Therapie.

Wenn mir die gleiche Geschichte noch vor einem Jahr passiert wäre, wäre ich vermutlich in Tränen aufgelöst in der Therapie gelandet, dafür dass da jemand so offensiv und unfreundlich auf mich reagiert, wo ich doch eigentlich IHM (und den Nachbarn) einen Gefallen tun will, damit er nicht nochmal wiederkommen muss. Ich wäre in der Situation am Fenster völlig überfordert gewesen und mir hätten die Worte gefehlt und mich hätte das Erlebnis für den Rest des Tages beschäftigt und vermutlich noch darüber hinaus, mich immer wieder fragend, was ich denn wieder falsch gemacht habe und ob ich das hätte abwenden können. Es wäre doch jetzt wirklich nicht so ein Umstand gewesen, wenn ich mir fix was übergezogen und runtergerannt wäre…

Stattdessen war es so, dass ich – nur eine Stunde später – das Erlebte (nachdem ich ein paar wütende Tweets geschrieben hatte) fast schon wieder verdrängt hatte und überhaupt nur auf die Idee kam, es dem Therapeuten zu erzählen, weil sein freundlicher dpd-Bote so ein krasses Kontrastprogramm zu dem kurz vorher Erlebten war. Das war gleich im doppelten Sinne eine glückliche zeitliche Koinzidenz – zum einen, weil ich nur noch alle 4 Wochen Therapietermin habe und wenn das Erlebnis nicht so superfrisch gewesen wäre, hätte ich gar nicht mehr daran gedacht, es zu erzählen, zum anderen weil just in dem Moment die Pakete beim Therpeuten ankamen. Und beides zusammen hat dazu geführt, dass mir wieder einmal bewusst geworden ist, welche Fortschritte ich tatsächlich in den letzten 2 Jahren gemacht habe. Das sehe ich ja leider viel zu selten. Man merkt ja eher die riesengroßen beängstigenden Dinge, die man nicht kann. Die, die auf einmal gehen, sind ja so sehr geschrumpft und zu Alltäglichkeiten geworden, dass man sich ihrer nur selten derart bewusst ist, wie ich in dieser Therapiesitzung.

Ich kann wütend werden und mich über andere ärgern und ich kann das ausdrücken. Ich lasse mir nicht mehr alles gefallen und suche nicht mehr immer bei mir die Schuld und den Fehler. Und ich fühle mich nicht mehr für die Lösung der Probleme von anderen zuständig und verantwortlich. Ich muss es nicht mehr allen recht machen, schon gar nicht mehr gänzlich Unbekannten, die noch dazu unfreundliche Menschen sind. So klein das ist, so groß ist das für mich.

Und ich musste das jetzt unbedingt hier festhalten, damit es – weil es ja so etwas Alltägliches geworden ist – mir nicht entgleitet und ich hier was zum dran Festhalten habe, wenn ich wieder mal mutlos denke, dass es gar nicht voran geht. Auch wenn mir ansonsten gerade wieder mal die Zeit zum Bloggen fehlt, weil ich – ich glaube es selber kaum – andauernd unterwegs bin und andauernd tolle Sachen mache. Zuletzt: 4 Tage Paris in der letzten Woche (was ich zwar auf Twitter intensiv kundgetan habe, aber hier schändlicherweise nicht mal erwähnt).

Vielleicht muss das so sein, dass das Leben manchmal schneller ist und ich hier nicht hinterherkomme – auch wenn es mir arg leid tut und mir die Zeit zum Bloggen wirklich oft fehlt. Dafür tut das viele Leben aber gerade (meistens) auch sehr gut.

Geht’s euch auch gut?

Katja

Immunschwäche

Es sind immer wieder die gleichen Fragen, auf die das Leben™ dich zurückwirft, immer wieder die gleichen Zweifel, immer wieder die gleichen Ängste und Befürchtungen. Wenn es dir gelingt, einen Schritt beiseite zu treten, erkennst du deutlich die Muster – das Auge sieht was passiert, der Verstand begreift es – und doch sind die Gefühle gleich einem Kunstwerk von Escher und es scheint schier unmöglich den Knoten aufzulösen, die Täuschung und Illusion zu entwirren.

Die 3-jährige stampft zornig mit dem Fuß auf, bettelt, fleht, wirft sich heulend auf den Boden und du weißt nicht, wie du sie trösten sollst. Du schaffst es nicht mehr, streng mit ihr zu sein und ihr alles zu verbieten, seit du ihre Not einmal erkannt hast. Aber du weißt auch nicht, wie du ihr die Welt erklären sollst, ihr das geben, was ihr so dringend fehlt. Und so wendet sie sich nach außen, sucht, findet, strauchelt, fällt, schürft sich die Knie auf und ihr ertrinkt beide in Tränen. Sie trotzig, selbst-ver-zweifelt. Und du voller Hass auf die Kleine, weil sie so ist wie sie ist und dir das Leben so schwer macht und du kommst erst langsam dahinter, dass du so niemals einen Ausweg finden kannst, wenn du nicht endlich anfängst, die Verantwortung für sie zu übernehmen und dich liebevoll und geduldig um sie zu kümmern.

Das kann niemand außer dir. Die Lücke in ihr kannst nur du füllen. Akzeptiere das endlich. Es geht nur so.

Katja

Wait? What?

„Vielleicht kommt da gerade dein wahres Temperament zum Vorschein und das war nur immer unter der ganzen Angst begraben.“, sagt der beste Freund am Telefon, als ich ihm morgens um 9 sprudelnd von meinen gewaltigen Sprüngen über den eigenen Schatten in der letzten Zeit erzähle und alleine die Tatsache, dass „morgens um 9“ und „sprudelnd“ so dicht beieinander stehen, in einem Satz, in dem es um mich geht, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass da irgendetwas gewaltig anders ist als sonst.

Neben und zwischen den ganzen Stimmungsschwankungen, die da in letzter Zeit mit mir passiert sind – denn so wirklich einflussreich habe ich mich ihnen gegenüber nicht gefühlt, es fühlte sich tatsächlich eher nach einem passiven Geschehen an – habe ich tatsächlich irgendwo unglaubliche Energie in mir entdeckt, die gerade mal einfach so die ganze Angst, mit der ich mir üblicherweise selber im Weg stehe, über den Haufen rennt.

Seitdem er das gesagt hat, geht mir das nicht mehr aus dem Kopf, denn diese Frage, die stelle ich mir ja schon lange. Wer bin ich eigentlich? Wie bin ich eigentlich? Was liegt unter der Depression und all der vielen Angst? Manchmal versuche ich mich daran zu erinnern, wie ich früher gewesen bin, bevor das so alles so schlimm wurde, aber einfallen tun mir dabei meistens Episoden, die eher zeigen, dass ich wahrscheinlich schon als Kind depressiv gewesen bin. Und Angst war sowieso immer das vorherrschende Gefühl meines Lebens. Zusammen mit Traurigkeit.

Jetzt ist da auf einmal dieses Energiebündel, das mir aus dem Spiegel heraus die Zunge rausstreckt, mir irgendwie ähnelt und doch so unendlich fremd erscheint. Und ich weiß noch nicht so genau, ob ich bei dem Tempo überhaupt mitkomme, mit mir selber und der neu entdeckten Energie wirklich Schritt halten kann. Ich weiß nicht, ob und wie sinnvoll es ist bzw. wäre, mich selber ein bisschen auszubremsen. Langsam zu machen, langsamer. Und dann der nächste Gedanke ist direkt jener, was ist, wenn das alles sowieso nur vorübergehend ist? Nur mal für 2, 3 Wochen so bleibt und danach wieder die bleiernen Gewichte an Armen und Beinen automatisch dafür sorgen, dass ich zu meinem normalen Tempo zurückkehre. Also vielleicht doch lieber den Schwung nutzen, so lange er da ist?

Es ist kompliziert und ich kann langsam nicht mehr zählen, wie oft ich das im letzten Jahr gedacht habe. (Aber es ist gerade auch gut und das denke ich wirklich nicht besonders oft.)

Katja

Irgendwas mit Aufräumen, innen.

Ich staune immer wieder darüber, in welchem Ausmaß ich „betriebsblind“ bin. Dabei sollte ich das langsam wirklich gelernt haben. Dinge, die so tief reingehen, sind selten selber dafür verantwortlich, sondern triggern meist irgendetwas Altes tief in mir. Gestern dann _endlich_ der fallende Groschen, bezüglich dessen, was da gerade in meinem Kopf solche Kapriolen schlägt. Natürlich brauchte es den Impuls von außen, den Gedanken, gar nicht mal im konkreten Zusammenhang, der mich drauf brachte.

Seitdem arbeitet es immer noch in mir, denke ich immer noch auf der Sache rum, aber anders. Aufgeräumter. Das sind jetzt gute oder zumindest okaye Gedanken, klärende, aufdröselnde, besonnene(re), keine hilflosen, ohnmächtigen, verzweifelten. Der schlimme Selbsthass und die Zweifel der letzten Tage sind leiser und ich fühle mich ein Stück weit entzombiefiziert, fast schon menschlich.

Fehlt nur noch, dass der Kopf insgesamt leiser wird und ich hoffentlich irgendwann mal wieder abends einschlafen kann. Also zu einer vernünftigen Zeit.

*

Und dann außerdem heute einen schlimmen Angsttermin geschafft.

„Weißt du eigentlich, wie stark du von außen wirkst, dadurch dass du so massiv offen mit deiner Angst umgehst?“ fragte der beste Freund mich vor Jahren irgendwann und daran musste ich heute denken als ich gegen die Angst anredete, nicht versuchte, sie zu verbergen, sondern sie einfach offen auf den Tisch zu legen. Und während ich das machte und die (aufmerksame!) Reaktion des Gegenübers wahrnahm merkte ich, wie die Schultern zurückgingen und ich den Blick heben konnte und wie ich mich tatsächlich – genau in dem Moment, wo ich mich durch das Preisgeben meiner großen Schwächen ja _eigentlich_ so verletzbar und angreifbar machte – auf einmal stark und geschützt fühlte. Es kann niemand rausfinden, was mit mir „nicht stimmt“, wenn ich es nicht als verbergenswert erachte und verstecke. Gute Erkenntnis. Guter Termin.

Alles gut gerade. Zumindest so viel besser als die letzte Zeit. So kann’s bitte bitte erst mal bleiben. Ich hab keine Kraft mehr für diese emotionale Achterbahn und kann die Pause dringend brauchen.

Katja

Mist.das.

Es ist kompliziert, dass da immer noch so viele Dinge vor mir rumliegen, die mir gerade so viel Mut abverlangen und/oder zumindest irgendwie eine bewusste Entscheidung, weil sie sich sonst auf ewig und in schwindelnde Höhe gestapelt vor mir aufbauen. Dieses gedankliche Nicht-Loslassen-Können, wenn sich ein Gedanke erst mal im Kopf geformt hat, macht mich fertig. Dass es kein echtes Beiseitelegen gibt, kein Abschieben, kein Wegpacken. Das alles ist andauernd da und wieder da und wieder. Es kreiselt tagsüber und lässt mich aktuell auch nachts wieder mal nicht schlafen. Keine Ruhe für den Kopf und sie wäre doch so dringend nötig.

Normalerweise ist Bloggen für solche Dinge DAS Mittel meiner Wahl, aber selbst das geht gerade nicht richtig. Obwohl ich hier seit Jahren immer wieder Seelenstriptease betreibe, ist die innere Zensur gerade zu groß und ich weiß (noch) nicht recht, wie ich damit umgehen soll. Mauern einreißen? Da fehlt mir gerade auch der Mut. Und es türmt sich direkt noch eine weitere Sache drauf auf’s Gedankenkarussel. Immer wieder dabei sein, immer wieder mitmachen, die nächste Fahrt geht rückwärts!

Noch vertrackter ist das gerade Nicht-Frei-Schreiben-Können bei den guten Dingen. Dass mir für einiges, was mich da bewegt, gerade auch der Ort fehlt, um es festzuhalten, der Ort, von dem ich es später wieder rauskramen kann, um mich irgendwann zu erinnern, wie diese Phase – in der sich gerade so viel ändert – gewesen ist. Das ist großer Mist. Wie gut mir der Blick in die Vergangenheit tut, merke ich gerade tatsächlich oft am vielleicht für mich spannendsten Feature von Facebook, der „An diesem Tag“-Funktion, die mich oft in alte Blogeinträge katapultiert und mir bewusst macht, wo ich immer noch nach den gleichen losen Fäden suche und wo ich schon deutlich weiter beim Entwirren bin.

Es ist gut und wichtig für mich, diese Gedanken zu sammeln, da muss ich mir wirklich (bald) etwas einfallen lassen. Wenn ich das nicht mache, nicht (auf)schreibe und das alles ohne Ventil im Kopf bleibt, wird der Druck immer größer und wie schnell das in heftigen Stimmungsschwankungen mündet und wie oft ich mich gerade wieder im Fall (be)finde, macht mir gerade ziemliche Angst.

Ich merke zwar, dass ich es bisher auch irgendwie immer noch schaffe, das Ruder wieder rumzureißen und den Fall aufzuhalten, aber das Eis kommt mir jeden Tag ein bisschen dünner vor…

Katja

 

Grad‘ deswegen.

Zerrissen zwischen so viel Wollen und so wenig Trauen. Wie zur Hölle macht man das nur? Dinge nicht vorher so dermaßen zu zergrübeln, dass man am Ende nur mit hochgezogenen Schultern reglos dasitzt. Gelähmt.

Das Jahr ist noch jung und trotzdem habe ich gerade das Gefühl, mich so viele Dinge auf einmal nicht zu trauen. Ok, möglicherweise liegt es daran, dass ich gerade so viele Dinge auf einmal gerne machen / ändern würde und vielleicht ist es dann logisch, dass die alle auf einmal mich total überfordern. Aber es windet sich und windet sich im Kopf und ich weiß nicht, wo ich ansetzen, anfangen soll. Angst. Angst. Angst.

Nichts steht mir jemals so im Weg wie ich mir immer selber – mit all dem Denken und Grübeln und (Be-)Fürchten, anstatt einfach mal anzufangen, auszuprobieren, zu machen. Dabei weiß ich nicht mal, wovor genau ich mich so fürchte. Ob wirklich vor dem Scheitern. Oder vielleicht, manchmal, auch einfach vor der Veränderung, die Mutfassen mit sich bringt.

Die Zeit ist reif für Tränen, Schweiß und Blut,
Für ein ehrliches Stück grundsolides Leben!
Die Zeit ist reif für massenweise Mut,
Für die allerletzte Ruhe vor dem Beben!

(Jupiter Jones – Auf das Leben)

Und life goes on.
Und irgendwie mach ich das schon!

Katja

 

Shaka, als die Mauern fielen.

Dann, wenn der Groschen gefallen ist, irgendwann viel viel […] später, wenn der Zusammenhang zum ersten Mal vor dir offen liegt, die Frage der Fragen zum ersten Mal eine Antwort gefunden hat und wenn dir genauso unerwartet wie beim vorigen Mal und in der gleichen Situation wie beim vorigen Mal der nächste Zusammenhang, das, was da an dieser Antwort ja auch noch dran hängt, wie eine fehlgeleitete Silvesterrakete dicht an den Ohren vorbeisaust.

„Was passiert jetzt gerade mit Ihnen? Was löst diese Tränen aus?“ Und du willst, aber kannst vor lauter Schluchzen gar nicht sprechen, merkst, wie dein Kinn zittert, kein Laut über deine Lippen kommt, weinst, weinst, weinst, weinst… erst mal einfach weiter. Und er lässt dich, lässt dir die Zeit und du brauchst nicht hinzugucken, weißt auch so, dass dieser leicht besorgte, verständnisvolle, (ab-)wartende Blick auf dir ruht, den du in den letzten Monaten schon so häufig gesehen hast.

Dann, nach einer gefühlten Ewigkeit, als du endlich wieder sprechen kannst, ohne dass dich das Schluchzen erneut erschüttert, erklärst du stockend. Wenn das alles gar nicht an dir gelegen hat, eigentlich gar nichts mit dir zu tun hatte und es doch DAS war, das dich, das dein Leben am allermeisten geprägt hat. All der Selbsthass, all die Lebenszeit, die du damit zugebracht hast, und dann auf einmal bricht die Ursache dafür weg. Es liegt nicht an dir, du bist vielleicht gar nicht, nicht liebenswert. Und du weißt nicht weiter, weißt nicht, wie du mit diesem neuen Gedanken klar kommen kannst und sollst, weißt gar nicht, was das jetzt mit dir macht. Die Grundlage auf einmal weg. Es hatte nie mit dir zu tun.

Auch Wochen später weißt du immer noch nicht, wie du damit umgehen sollst, was das jetzt eigentlich verändert. Wie sich die Dinge dadurch ändern können. Endlich. Ändern. Können.

Ratlos. Überfordert.

Und doch. Irgendwo in dir ist auch eine ganz neue Erleichterung. „Es liegt nicht an mir.“, sagst du dir immer wieder, schließt die Augen, spürst wie die Tränen wieder in dir aufsteigen, aber andere, trotzigere, mutigere.

Katja