Tabuzone

Achtung Triggerwarnung:

In diesem Text geht es um Suizidgedanken und den Umgang damit. Bitte lest den folgenden Text nicht, wenn es euch gerade schlecht geht, wenn ihr selber psychisch angeschlagen seid oder – aus welchen Gründen auch immer – nicht mit diesem Thema in Berührung kommen möchtet.

 

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Ich bin ja ansonsten nicht nachtragend…

…aber @poelsebude meint, ich sollte doch daraus auch noch einen Blogartikel machen

und das ist jetzt also quasi ein Nachtrag zum letzten Eintrag und einer der Gründe, weswegen ich mich, wenn es mir schlecht geht, am liebsten verkrieche und aus der meisten Kommunikation aussteige.

 

Katja

Memo an mich

Liebes Future-me,
Einigeln und mit der Depression und den kreisenden Gedanken alleine zu sein, ist keine gute Idee, wenn’s dir richtig schlecht geht – auch wenn sie noch so verlockend erscheint und auch wenn dir noch so wenig nach Menschen zumute ist. Du hast tolle Freunde und du gehst ihnen auch dann nicht auf die Nerven (ja echt!), wenn’s dir schlecht geht. Vertrau mal endlich darauf und hör auf, dich zu verstecken. Du fällst dann nur noch tiefer. Und es tut dir doch gut, zu merken, dass sie dich auch dann noch gerne haben, wenn du für dich selber wieder mal nur Hass übrig hast. Also mach nicht dicht, sondern umgib dich mit Leuten, die du magst und lass dich ablenken. Echt jetzt.
Dein Present-me

 

(Nicht aufgeben. Bitte.)

Neulich in meiner Küche

Das könnte ich durchaus häufiger tun – für Menschen kochen, die ich so gerne habe und sie dann um meinen Tisch versammeln – kaum etwas macht mich so dermaßen froh und zufrieden.

Gestern durfte ich und das war wegen der besonderen Menschen besonders schön! (Klick macht big!)

Auf das Leben! Und auf die Freundschaft!

Kommt bitte bald wieder! ❤

Katja

Nah am Wasser.

In mir ist derzeit viel in Bewegung und manchen Groschen kann ich förmlich beim Fallen zusehen. Bei einem davon geht es um Tränen und vielleicht ist das eine der unerwartetsten und erstaunlichsten Erkenntnisse – unter so vielen – der letzten Zeit.

Vor ein paar Tagen war ich mit einem Freund unterwegs in einer Kneipe und irgendwie kamen wir auf schwierige Themen und ich merkte, was so oft passiert: mir kommen die Tränen und ich kann sie nicht unterdrücken und zurückhalten. Mitten. In. Der. Kneipe. Ich hasse es, wenn das passiert und würde mich dann am liebsten in Luft auflösen oder im Boden versinken. Oft merke ich herannahende Tränen nicht mal, sondern erst, wenn sie mir schon die Wangen runterlaufen und ich kann sie absolut nicht verhindern. Und auch oft genug erst mal nicht wieder damit aufhören. Dann drehe ich mich, wenn es geht, verlegen, von den (fremden) Menschen, die mich umgeben weg und schniefe verstohlen ins Taschentuch.

Dass ich überhaupt so oft und viel weinen muss, ist eine meiner Eigenschaften, die mir immer wieder zusetzen, wofür ich mich immer wieder selber hasse. Ich will keine blöde Heulsuse sein und oft kann ich genau deswegen nicht wieder aufhören, weil ich mich in dem Moment, wo ich losheulen muss, dann auch noch frage, wieso zur Hölle ich so ’ne Memme bin und mich dafür selber fertig mache. Keine gute Voraussetzung dafür, dass Tränen wieder versiegen…

Vor dem Freund zu weinen war irgendwie nicht so schlimm, auch wenn mir selbst das unangenehm war, aber dass mir mitten in der Kneipe die Tränen über’s Gesicht liefen, war mir enorm peinlich. Als ich am nächsten Tag mit eben jenem Freund darüber redete und erzählte, wie unangenehm mir das war, fragte er ganz schlicht „Wieso?“ und während ich noch nach Worten und Formulierungen suchte, über eine Gesellschaft, in der Tränen nunmal etwas sehr Privates sind und außer Kindern doch irgendwie niemand in der Öffentlichkeit wein[t/en darf], fragt er noch hinterher „Was glaubst du, was die Leute denken, wenn sie dich weinen sehen?“ (DANKE! ❤ ) und in dem Moment trifft mich die Erkenntnis wie ein Schlag.

Selbst das, was ich bis zu diesem Moment angenommen hatte – dass Tränen von Kindern in der Öffentlichkeit ganz ok sind – galt ja für mich überhaupt nicht. Ich durfte schon als Kind nicht in der Öffentlichkeit weinen, denn „Was sollen denn die Leute denken?“ und zu Hause durfte ich auch nicht wirklich weinen (worüber ich hier schonmal geschützt gebloggt habe [bitte verzeiht, wenn alle anderen gerade ausgesperrt sind, im Zweifel schreibt mir wegen des Passworts]) und ich kam gar nicht mehr mit bei all den Gedanken, die in dem Moment gleichzeitig in meinem Kopf aufploppten. Was werden die Leute wohl tatsächlich denken? Was denke ich, wenn ich jemanden in der Öffentlichkeit weinen sehe? Meist ein ‚oh, die Frau/der Mann ist traurig‘ oder ich frage mich, was passiert ist oder ich bedaure, dass man Fremde nunmal nicht unbedingt anspricht und schon gar nicht bei etwas so Privatem, wie Tränen, denn mir ist es ja auch unangenehm, wenn ich dabei erwischt werde, das will ich auch niemandem anderen antun. Es ist ja so schon peinlich genug. Und dann wird mir klar, dass es eigentlich gar nicht so furchtbar peinlich ist und dass dieses „Was sollen denn die Leute denken?“, die vorwurfsvolle Frage, für die ich noch nie überhaupt eine Antwort gesucht habe, gar nicht meine Frage ist, sondern die meiner Mutter. Und ich hab im Sinn, was der beste Freund mir vor einer Weile über Introjekte erzählte und ich mir in Folge angelesen habe und der gefallene Groschen tanzt immer wilder und ich versuche, all meiner bisherigen Scham des Wassollendenndieleutedenkens ein Istwahrscheinlichgarnixschlimmesundfallsdochvölligegal entgegenzustellen und da ist gerade viel Ufff in mir und Puh und ein bisschen bin ich fast schon gespannt darauf, ob überhaupt und wie sich mein Empfinden in einer solchen Situation verändert haben wird.

Das ist alles gerade ziemlich spannend und gut, was passiert. Zumindest vieles davon. Und ich bin so dankbar über so viel wertvollen Input von diversen Seiten und über Menschen in meinem Leben, die mir im richtigen Moment die richtigen Fragen stellen.

Katja

 

Momentaufnahme/Bestandsaufnahme (Irgendwas mit Selbstakzeptanz)

Bis vor ein paar Tagen hatte ich für eine ziemlich lange Zeit die beiden Sätze

Denkt (zu) viel. Fühlt (zu) viel.

als Charakterisierung in meiner Twitter-Kurzbeschreibung stehen. Für eine noch viel, viel, viel […] längere Zeit waren genau das zwei meiner Grundgedanken/-gefühle und über das Gefühl stets irgendetwas ZU zu sein, habe ich hier mindestens schon einmal gebloggt. Immerzu immer zu. Immer falsch und verkehrt und das war oft der Einstieg in eine Spirale aus Selbstzweifeln und Selbsthass.

Seit ein paar Tagen und Wochen oder vielleicht auch schon Monaten merke ich, wie sich mein Denken und Fühlen dahingehend ändert. Ich glaube, ins Rollen kam dieser Stein durch viele geduldige Gespräche mit einer Freundin, die mich zum ersten Mal fest in die Richtung geschubst hat, meine von mir als Makel empfundenen Eigenschaften als meine Stärken zu sehen. Das bin ich.

Vor ein paar Tagen, als sich andere Dinge, die mir das Herz schwer gemacht haben, ein bisschen gelichtet haben, ist mir klar geworden, wieviel weiter ich auf diesem Weg in der letzten Zeit tatsächlich gekommen bin, wie oft ich – wenn ich merke, dass ich mich wieder mal am Anfang der ‚ich bin falsch, wie ich bin‘-Gedankenspirale befinde – selber wieder korrigieren kann. Ich denke viel. Ja. Aber so bin ich und das ist ok. Ich fühle viel. Ja. Aber auch das bin ich und das ist ok wie es ist. Gedanken abbiegen lassen, ganz bewusst den schädlichen Einhalt gebieten. Gerade gelingt es mir besser als möglicherweise je zuvor, denn wenn dieser folgende Selbsthass und das Verkehrtfühlen erst gar nicht richtig durchstarten, sondern ich die Stellen, an denen das passiert, rechtzeitig bemerke und/oder von einem der großartigen Menschen in meinem Leben, zeitig ausgebremst werde, erst gar nicht in Gang kommen, ist der Weg hinaus deutlich kürzer.

Ich habe die lange getragenen Klammern – und nicht nur jene um den Text – endlich aus meinem Profil und hoffentlich auch aus meinem Kopf entfernt.

Denkt viel. Fühlt viel.

Und weil Heiko mich auf den wunderbaren Gedanken brachte, dass die Klammern ja jetzt eigentlich übrig sind, mag ich sie nutzen, um all jene mal fest virtuell in die Arme zu schließen, die einen ordentlichen Anteil an der Entwicklung haben – dadurch, dass ich bei ihnen so sein darf, wie ich bin und dadurch, dass sie mir das Gefühl geben, so wie ich bin, richtig und ein liebenswerter Mensch zu sein. Es ist viel leichter, das im eigenen Kopf zu implementieren, wenn man das als Feedback und Input von außen bekommt (und ich weiß nicht mal, ob das so verwerflich ist, nicht ganz alleine an den Punkt zu gelangen sondern von dieser Bestätigung von außen zu zehren). Meine lieben Freunde – und wer sich hier gerade angesprochen fühlt – ist vermutlich gar nicht so falsch in der Annahme auch gemeint zu sein. Danke! Schmag euch. Sehr! ❤

(( ))

Katja

 

Don’t wait up for that moment to arrive

Und dann diese Tage, an denen die Welt wieder besser aussieht, du nicht mehr weinst, sondern umarmst, lachst, Pizza und Käsekuchen isst, läufst, redest, Kaffee trinkst, umarmst, Sterne guckst, lebst – froh und dankbar über die Menschen in deinem Leben bist, die du Freunde nennen darfst, bei denen du sicher bist, deinen Akku aufladen kannst. ❤

Heute war ein guter Tag. Dass der heutige Tag auf jeden Fall nur besser als gestern werden konnte, war mir gestern schon klar, aber dass es wirklich ein _guter_ Tag werden konnte, geworden ist, hat mich ein wenig überrascht und macht mich froh und dankbar. (Looking at you Ralph!)

Jetzt: müde, erschöpft, aber anders als gestern und zuversichtlicher. Läuft wieder besser, hoffentlich.

We’re gonna leave them all behind, We’re gonna leave them all behind
We’re gonna catch that train, the words they say couldn’t stop us if they tried
(Billy Talent – Leave them all behind)

 

Katja