(Liebens-)Wert

Wann ist man liebenswert? Was bestimmt den (Liebens-)Wert eines Menschen? Hat man das in sich oder wird man das erst dadurch, dass einen jemand liebt oder einen wenigstens dafür hält? Und kann man – wenn man als Kind nicht geliebt wurde – irgendwann und -wie als Erwachsene so sehr heilen, dass man ohne diese Bestätigung von aussen, an den eigenen (Liebens-)Wert glauben kann? Und falls ja, wie macht man das? In mir ist da ewig eine Lücke und ich weiss überhaupt nicht, wie ich die füllen soll ohne Input von aussen. Wenn ich den bekomme, fällt es mir viel leichter, mich selber mal nicht zu sehr zu hassen, manchmal sogar zu mögen. Aber ich denke immer, es gilt eigentlich nur, wenn man das alleine schafft an diesen eigenen Wert zu glauben, völlig unabhängig davon, ob man gerade dahingehende Bestätigung von aussen bekommt oder nicht.

Katja

 

Verzögerte Erkenntnis

Am Donnerstag war hier ein Techniker von der Telekom, weil wir seit einer Weile Probleme mit der DSL-Leitung haben. Der war freundlich und hilfsbereit und kommunikativ und nachdem er das Problem zwar identifizieren, aber nicht komplett lösen konnte, saßen wir zusammen am Tisch, tranken einen Kaffee und quatschten noch ein bisschen. Alles ganz cool & froody.

Cut.

Es dauerte bis heute Morgen bis mir langsam dämmerte, was da überhaupt passiert war.

Ein wildfremder Mann klingelte unvermittelt hier an der Tür, obwohl ich damit gerechnet hatte, dass er sich vorher nochmal ankündigen würde und musste in die Wohnung – meinen geschützten Raum, bei dem es immer mindestens ein bisschen komisch ist, wenn ich Menschen (zum ersten Mal) reinlasse – obwohl mein vorheriger Kenntnisstand war, dass er, falls er überhaupt ins Haus müsse, nur in den Heizungskeller zum Hausanschluss, keinesfalls aber in die Wohnung müsse. Das alles kam für mich also _eigentlich_ eher überrumpelnd daher und hätte mich vermutlich _normalerweise_ erst mal in eine Art Schockstarre versetzt. Stattdessen plauderte ich die ganze Zeit mit dem fremden, in der Wohnzimmerecke knieenden Mann, während ich um ihn rumwuselte und die Spülmaschine ausräumte und dann ganz locker und ohne nachzudenken fragte, ob er auch einen Kaffee möchte, weil ich gerade im Begriff war, mir einen zu machen.

Und das alles fühlte sich noch dazu so dermaßen normal an, dass es fast 2 Tage braucht, bis bei mir die Erkenntnis einsetzt, wie _ungewöhnlich_ ich mich in der Lage tatsächlich gefühlt und verhalten habe.

Oh wow. Yay! Much Normalität. \o/

Katja

Too much information

Ich bin Katja. Ich habe Depressionen und eine Angststörung. Eines meiner Probleme, welches letztere mit sich bringt ist, dass es eine riesige Hürde für mich bedeutet, Menschen in meine/unsere/die Wohnung zu lassen. Das betrifft sowohl Fremde als auch die meisten Menschen, die ich schon eine Weile kenne. Ganz spontan fallen mir nur sehr wenige Ausnahmen ein, bei denen mir das leicht (oder wenigstens nicht allzu schwer) fällt. Und auch wenn ich mir häufigere Besuche meiner Familie wünsche, fällt es mir selbst bei so nahestehenden Menschen nicht leicht.

Meistens lässt sich das ganz gut umgehen. Ich benutze nie den Türöffner sondern gehe immer, wenn es klingelt über den Flur zur Haustür und öffne dort. Da lassen sich diverse Post- und Paketboten, Stromzählerableser, Zeugen Jehovas ganz gut direkt ‚abfertigen‘ und ich muss mich nicht weiter damit auseinandersetzen. Der Heizungsableser ist komplizierter, aber das ist seit 8 Jahren der gleiche, irgendwie geht das dieses eine Mal pro Jahr und der Mitdings versucht,  einzurichten zum angekündigten Termin anwesend zu sein. Das ist zum Glück immer irgendwann am frühen Abend, wo das nicht so kompliziert ist.

Bei Menschen, mit denen ich mich verabrede / die ich hierher einlade, habe ich immer ein bisschen Zeit, um mich darauf einzustellen, jemanden rein zu lassen. Es wird einfacher, wenn ich vorher Zeit habe, mich damit zu beschäftigen. Bei den meisten Menschen wird es auch leichter, wenn sie erst mal ein paar Mal hier gewesen sind.

Bei manchen Menschen kann ich das (irgendwann) einigermaßen offen kommunizieren, wenn ich länger mit ihnen zu tun habe. Als hier vor ein paar Jahren in beide Wohnungen neue Nachbarn eingezogen sind, mit denen ich mich auch ausführlicher unterhalte als nur im Treppenhaus zu grüßen, war es mir total unangenehm, dass ich immer an der Wohnungstür stehen geblieben bin und niemanden hereingebeten habe. Umgekehrt wäre es mir so auch am liebsten gewesen, aber das hat die Nachbarin mir schon direkt beim ersten Mal als ich hochging, um etwas zu besprechen, abgewöhnt. Als ich vor ihrer Tür bleiben wollte hat sie mich lautstark reinbeordert, damit die Katze nicht abhaut.
Danach war es mir noch unangenehmer, sie hier im Gegenzug vor der Tür stehen zu lassen. Zudem sie ungefähr 20 Mal häufiger vor meiner Tür steht als ich vor ihrer. Irgendwann habe ich mir ein Herz gefasst und ihr erzählt, weswegen ich sie nie hereinbitte und dass mir das wirklich mächtig schwer fällt. Ich weiss selber nicht genau, wieso es einfacher für mich ist, das zu erzählen, aber es lässt den für mich so wichtigen Schutzraum der Wohnung geschützt. Ich erzähle es und kann dann quasi direkt wieder dort in Deckung gehen und brauche für die Zukunft nicht mehr dauernd zu befürchten, jemand würde in diesen Raum ‚eindringen‘ wollen, der nicht hingehört. Sie hat darauf äusserst verständnisvoll reagiert und seitdem stand sie nach dem Klingeln auch nie mehr direkt mit der Nase vor der Tür (was mich immer erschreckt hat), sondern einen Meter oder weiter von der Tür entfernt im Flur, klar signalisierend, dass sie nicht erwartet, dass ich sie reinlasse. Dass sie diese Macke so respektiert und das damit zeigt, rechne ich ihr hoch an.

Dann gibt es aber noch die Situationen, bei denen ich nicht recht weiss, wie ich mich verhalten soll. In einer solchen stecke ich gerade und auch wenn es eigentlich kein drängendes Problem ist und ich eine tatsächliche Entscheidung, wie ich vorgehen möchte, aufschieben kann, spukt es mir doch permanent im Kopf herum.

Ich habe hier einen kaputten Behälter des teuren Kunststoffschüsselherstellers, der seine Produkte nur auf speziellen Veranstaltungen verkauft und 30 Jahre Garantie darauf gibt. Dieser spezielle Fehler tritt bei der Behälterart häufiger auf und das wurde bisher auch anstandslos ausgetauscht. Ich mag das Teil und die Sachen sind teuer genug, dass ich es auch dieses Mal gerne umtauschen würde. Ich suchte mir also auf deren Webseite eine ortsansässige Mitarbeiterin und wollte nachfragen, ob diese Dosen bei jenem Fehler immer noch anstandslos getauscht werden und ob sie das für mich durchführen könnte. Die erste Hürde war, dass ich entweder hätte anrufen können (was ich ja auch nicht gut kann) oder per Kontaktformular Kontakt aufnehmen. Bitte, wer hat denn heutzutage noch Kontaktformulare, bei denen zwar Adresse und Telefonnummer Pflichtangaben sind, ohne die man das Formular nicht absenden kann, aber die eMail-Adresse ist optional? Mich lässt das nichts Gutes ahnen, über die Art und Weise, wie die Antwort erfolgen wird und ich war froh, doch noch die (Firmen-)eMail-Adresse der Dame ausfindig zu machen. Zudem ich von früher weiss, dass die Mitarbeiterinnen gerne mal einfach vor der Tür auftauchen statt anzurufen, falls man versucht hat, Kontakt aufzunehmen. Weil es im persönlichen Gespräch schwerer fällt, sich nicht zu einem Verkaufsabend auf dem heimischen Sofa überreden zu lassen.

Ich mailte ihr also, gab keine meiner Kontaktdaten (bis auf die Absendermailadresse) preis, fragte wegen des Umtauschs und bekam als Antwort:

Das mit den Umtausch ist heute noch so. Gerne hole ich es mir bei Ihnen ab und besorge Ihnen das neue. Von wo kommen Sie denn? Wann würde es Ihnen am besten passen?

Seitdem ringe ich mit mir.

Wenn ich einfach frage, ob ich nicht auch bei ihr vorbeikommen kann, ohne meinen Wunsch näher zu begründen, fühlt sich das irgendwie sehr schräg an und ich fühle mich unhöflich, so auf ihr freundliches Angebot zu reagieren. Ich habe immer das Gefühl, ich muss solche Dinge erklären, eine Begründung liefern. Anders fühlt es sich an, als würde ich jemanden vor den Kopf stoßen, der freundlich zu mir war. *soifz*

Ihr einfach meine Adresse geben und mich darauf einlassen, möchte ich aber auch nur äusserst ungerne. Da sträubt sich so viel in mir.

Es sträubt sich aber auch alles in mir, mir eine Ausrede auszudenken und ihr diese zu präsentieren. Ich kann das einfach nicht. Ich bin viel zu offen und ehrlich, als dass es mir leicht fiele, Menschen bewusst anzulügen.

Aber ich käme mir auch schräg dabei vor, wenn ich ihr schreiben würde, dass ich lieber bei ihr vorbeikäme, weil ich Schwierigkeiten damit habe, fremde Menschen in meine Wohnung zu lassen…

Natürlich will ich mich nicht mehr wegen der Depressionen und allem was damit zusammehängt verstecken und dieses Tabu aufbohren, wo immer ich die Gelegenheit dazu habe. Aber es kommt mir wie eine Überinformation vor, das in diesem Rahmen zu erzählen. Ich hatte mit dieser Frau bisher Kontakt über eine Mail und ihre Antwort darauf. Ihr jetzt ungefragt und -gebeten so persönliche Details zu erzählen, wo es doch nur um eine Kunststoffdose geht, kommt mir schräg vor.

Mir ist bewusst, dass das eine total banale Sache ist, bei der es sich überhaupt nicht lohnt, viel Energie zu verschwenden. Im Endeffekt könnte ich es auch einfach sein lassen, es geht nur um diese doofe Dose. Und trotzdem kreiselt das seit gestern in meinem Kopf rum und ich schaffe es nicht, es aus meinen Gedanken zu verbannen.

Daher hier der erste ‚Kloß‘, denn da – also im Kopf – geht ja gerade nochmehr drunter und drüber. Mal sehen, ob das Aufschreiben ein bisschen Ruhe im Kopf und ein bisschen mehr Klarheit bringt. Vielleicht kann ich damit wenigstens dieses Thema erst mal beiseite legen.

Katja

 

 

Erinnerungsnotiz: Veränderung

Es fühlt sich nicht anders an, zumindest nicht bewusst und zumindest bisher noch nicht und doch wird mir derzeit häufig bewusst, dass sich (endlich) etwas bewegt in meinem Denken und Fühlen.

Ich merke, meist erst hinterher und wenn ich tatsächlich darüber nachdenke, dass Situationen, die mich früher in ein Loch hätten fallen lassen, mir längst nicht mehr so nahe kommen.

Da ist zB diese Frau auf diesem Portal, bei dem ich mich angemeldet habe. Wir tauschten ein paar Mails, sie stellte irgendwann eine Frage, die ich seltsam fand. Ich antwortete ihr zwar, traute mich aber auch zu schreiben, dass ich die Frage seltsam finde. Das ist eigentlich sehr banal, aber etwas, was ich früher nicht gemacht hätte, denn in meiner Wahrnehmung wäre es früher immer so ausgegangen, dass ich einfach zu empfindlich bin und dass es nur an mir lag, dass ich diese Frage merkwürdig finde. Dann ging es weiter und sie war (so vermute ich zumindest) irritiert, dass ich das geschrieben hatte. Ich habe versucht zu erklären, ich glaube aber sie hat gar nicht verstanden, worauf ich hinauswollte und ich überlegte ein paarmal, ob das schon ein Hinweis darauf ist, dass wir wellenlängentechnisch einfach zu weit voneinander entfernt sind.

Dann, nach ein paar Tagen, schrieb sie mir – für mich aus relativ heiterem Himmel, denn ihre letzte längere Mail wartete noch auf eine Antwort von mir – sie wolle den Kontakt lieber abbrechen, es hätte aber nichts mit mir zu tun.

Und ich las die Mail und ich dachte ‚Hm ok. Das hätte vermutlich eh nicht so gut gepasst.‘. Dann schrieb ich ihr eine kurze Antwort, wünschte ihr alles Gute und dann machte ich mit der Sache weiter, an der ich vorher gewesen war.

Krasser Shice!

Ich, die ich bis vor kurzem nach einer solchen Mail vermutlich den Rest des Tages weinend verbracht hätte.
Ich, die ich bis vor kurzem angefangen hätte, mich selber zu zerfleischen, dass ich etwas so Falsches gemacht habe, dass diese Frau sich zurückzieht noch bevor wir uns ein bisschen kennenlernen konnten.
Ich, die ich bis vor kurzm gedacht hätte, dass ich mich nicht genügend angestrengt hätte, so zu sein, wie sie mich mögen könnte.
Ich, die ich bis vor kurzem gedacht hätte, dass ich gar keine Freunde verdient habe, weil ich so anders und so falsch bin und dass Menschen mich nur so lange mögen, bis sie mich näher kennenlernen.
Ich, die ich bis vor kurzem über Wochen nachts wachgelegen hätte und mich damit gequält hätte, das unbedingt verstehen zu wollen, mich versichern zu wollen, dass es tatsächlich nichts mit mir zu tun hat, hätte nachfragen und erklären wollen, weil ich mich sicherlich falsch verstanden gefühlt hätte.

Das ist neu und anders und für mich sehr krass. Ich glaube, es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich nicht in ewiges Grübeln, Selbstvorwürfe und Schuldgefühle versunken bin, sondern – so vermute ich zumindest – einen etwas realistischeren Blick auf die Situation haben konnte. Wer weiss, was für eine Geschichte die andere mit sich herumträgt, wer weiss, was bei ihr in den Tagen rund um den Mailwechsel noch so im Leben los war, wer weiss…? Natürlich kann es sein, dass es meine Bemerkung war, die ihren Kontaktabbruch ausgelöst hat. Aber, wenn sie nicht in der Lage ist, dann darüber mit mir zu reden und das zu klären, was ich durchaus versucht habe, dann ist das – ausnahmsweise – mal nicht mein Problem und wenn sie solche Dinge nicht mal wieder klären möchte oder kann, dann hätte das tatsächlich nicht gepasst mit uns und ich wäre damit eh nicht glücklich geworden.

*

Zum Jahreswechsel formulierte ich einen einzigen Wunsch und Vorsatz für 2015  und ich wusste und weiss, dass ich vor allem Geduld und Beharrlichkeit aufbringen muss, um endlich meine eingetretenen Denkmuster hinter mir lassen zu können. Bis Mitte Januar habe ich noch gebraucht, um mich endlich aufzuraffen. Seitdem verbringe ich wirklich viel und fast täglich Zeit damit, die Nase (wieder) in Ratgeber zu stecken, um die ich vorher lange Jahre einen Bogen gemacht habe, ich mache Übungen, ich notiere mir Dinge, ich merke, wenn ich schlecht über mich selber denke und versuche, meine Gedanken zu korrigieren. Ich merke, wie in den letzten Wochen ein paar Dinge wie Puzzleteile einrasten und wie ich immer deutlicher verstehe, wo die Gedanken herkommen. Ich merke, wie es mir mal gelingt, mit Abstand daraufzusehen und wie ich dann, vor allem, wenn es mir schlecht geht, wieder ganz tief mitten drin hänge und nicht rauskomme. Aber das alles ist mir gerade Zeichen von Bewegung. Denn selbst, wenn ich tief drin hänge, fällt mir das Drinhängen auf und ich weiss oft, woran es liegt. Das fühlt sich alles irgendwie sehr meta an, als würde ich mich im Erleben und Denken von aussen betrachten.

Und dann gibt es solche Ereignisse, wie das oben beschriebene, bei denen mir erst hinterher irgendwann im Laufe der nächsten Tage aufgeht, wie anders ich darauf reagiert habe als ich das früher hätte. Mir wird dann schlagartig dieser frühere Ablauf und all die negativen Gedanken und Gefühle, die das eigentlich nach sich gezogen hätte, bewusst, die einfach so ausgeblieben sind. Das sind die Momente, in denen ich tatsächlich merke, dass ich voran komme, dass die Zeit gut investiert ist und meine Methode doch irgendwie zu funktionieren scheint.

Und – was noch viel schwerer wiegt – ich bekomme eine Ahnung davon, wie sich das Leben anfühlen könnte, vielleicht irgendwann mal anfühlen wird.

Katja

Umlernprozess

Vielleicht eine meiner wichtigsten Erkenntnisse in den letzten Wochen (genauer gesagt auf meinem Lernweg, mich selber anzunehmen und zu versuchen, mich zu mögen, anstatt mich immer selber fertig zu machen und klein zu halten) war jene, dass es völlig ok / erlaubt / legitim ist, wenn ich das (versuche zu) lerne(n).

Das mag nach einer unglaublich simplen Erkenntnis klingen und vermutlich ist sie das auch, aber trotzdem ist mir tatsächlich erst jetzt aufgegangen, dass das eine der Stellen ist, wo es innerlich bei mir bei sämtlichen Umdenkversuchen hakt.

Jeden Versuch, mich selber zu trösten, nicht so streng mit mir zu sein, mir selber Mut zu machen, habe ich doch an einer späteren Stelle noch selber sabotiert, nämlich mit dem Schuldgefühl, das einsetzt, sobald ich etwas Positives über mich denke. Bzw. genügt dafür sogar schon, mir gezielt Positives zu sagen. Davon, tatsächlich so zu denken, bin ich ja ohnehin noch weit entfernt.

Jetzt also noch eine zusätzliche Stelle, an der mir immerhin schon bewusst wird, wo meine alten Muster anspringen, an der ich immerhin mittlerweile merke, dass da diese schädliche Stimme im Kopf einsetzt.

Zum Beispiel: ich lasse etwas fallen. Die Stimme im Kopf höhnt los, wie typisch das wieder mal ist und dass ich nix kann und zu blöd zu allem bin. Ich bemerke mittlerweile recht gut solche Abwertungen und versuche gezielt gerade zu rücken, dass ich nicht mehr so denken möchte und dass daraus etwas fallen zu lassen, längst nicht folgt, dass ich eine Versagerin auf ganzer Linie bin. Und nicht nur, dass mir das eh schon schwer fällt, mich da gegen mich selber zu verteidigen – diese Stimme im Kopf geht jetzt weiter und setzt dort an, dass ich mir das ja wohl selber nicht glaube und diese Milde ja wohl auch kaum verdiene. Dazu Schuldgefühle dafür, dass ich denke mich mögen zu dürfen…

Immerhin erkenne ich jetzt diese nächste Stolperstelle (häufig) und letztens abends ging mir auf, dass ich mir vielleicht einfach endlich erlauben sollte/könnte, mich selber zu mögen. Vielleicht setzt das die Sperre im Kopf endlich ausser Gefecht.

Das wirkt schon beim Denken irgendwie skurril und lächerlich und es ist mir ein bisschen peinlich, diese Art des inneren Streits mit mir selber überhaupt hier aufzuschreiben. Ich will es trotzdem hier notieren, denn für mich ist das gerade ein wichtiger Schritt, den ich weiterkomme und ich möchte das festhalten – vor allem auch, um es für mich abrufbarer zu halten, wenn die nächste dahingehende Stufe auftaucht.

Auch wenn ich vom ‚echten‘ Umdenken noch weit entfernt bin, alleine die Tatsache, dass mir die selbstabwertenden Gedanken als solche mittlerweile oft bewusst sind und ich mir da selbst Einhalt gebieten kann, fühlt sich schon deutlich besser an.

Katja

 

 

Tagesaktuell

Ich glaube, in den ganzen Jahren, seit ich blogge und meinen Header regelmäßig wechsle, hatte ich noch keinen Header, den ich direkt am gleichen Tag geknippst hatte, an dem ich ihn eingebaut habe. Daher hier eine Premiere. Das ist heute auf dem Rückweg aus dem Odenwald entstanden, wo wir, auf der Suche nach dem Winter, unterwegs waren.

Und das Bild ist nicht nur Header, weil mir der krass leuchtende Sonnenuntergang so gut gefallen hat, auf den wir während der Fahrt nur einen kurzen Blick erhaschen konnten, der gerade so für dieses eine Foto durch die schmutzige Windschutzscheibe gereicht hat, sondern auch, weil ich inständig hoffe, dass es nicht eines der letzten schönen Fotos war, die ich mit der geliebten Olympus geknipst habe.

Ich bin heute nämlich schon zum zweiten Mal auf die Kamera gefallen… Den ersten Sturz hat sie überlebt, das war im Oktober in Spanien, der hat ihr nur ein paar Kratzer im Gehäuse eingetragen. Aber es sind ja auch unsere die Narben, die uns besonders machen.

Heute war schlimmer. Sie war eingeschaltet, also das Objektiv offen und ich bin gerutscht und im Schnee damit geladet und davon hat sie jede Menge abbekommen. *soifz*

Drückt bitte Daumen, dass da nichts zurückbleibt.

Katja

Na und ob!

Das Ausmisten der Schränke, dem ich mich hier gerade endlich stelle, sorgt auch dafür, dass in meinem Inneren viel in Aufruhr versetzt wird. Wahrscheinlich geht das gar nicht anders, wenn man ein Mensch ist, der sehr an Dingen hängt, der Erinnerungsstücke nicht gut loslassen kann und irgendwie fürchtet, mit dem Loslassen der materiellen Dinge, auch die Erinnerungen zu verlieren. Natürlich weiss ich, dass letzteres Blödsinn ist und dass ich diese ganzen Sachen nicht brauche, um mich zu erinnern, und trotzdem ist da dieses seltsame Gefühl.

Es sind aber nicht nur diese Gedanken, die aufgewirbelt werden, auch ein paar Erkenntnisse über mich rasten wieder ein, wenn ich mich selber dauernd frage, weswegen es mir immer so schwer fällt, Anfänge zu finden, weswegen ich mir so oft selber im Weg stehe. Das auch alles, weil ich endlich wieder begonnen habe, mit jenem Buch zu arbeiten, über das ich hier ausgiebig schrieb, das bringt auch wieder viel in Bewegung.

Die Antwort ist wie (fast) immer: Angst. Hier konkreter: die Angst, Fehler zu machen.

Tief in mir ist irgendwo verankert, dass ich keine Fehler machen darf. Denn – Fehler haben direkte negative Konsequenzen. Missachtung. Missbilligung. Misshandlung.

Und noch einen Schritt früher: Das kannst du nicht. Mach das nicht, das wird doch eh nichts. Lass das lieber bleiben. Lass das, du kannst das doch gar nicht. Jetzt glaub doch nicht, du könntest das. Mach das nicht, sonst passiert x. Wenn du das machst, passiert x.

Diese Stimme in meinem Kopf, die mir mein Leben lang einredet, dass ich zu unfähig und zu blöd, zu klein, zu dumm, zu schwach, zu ungeschickt, zu . zu . zu . bin, bekommt gerade beim Nachforschen und der Auseinandersetzung – warum zur Hölle ich mir so wenig zutraue / mich so wenig traue – eine andere Stimmlage, wird zu der Stimme, die mir all diese Sätze in meiner Kindheit ganz real eingeredet hat, anstatt mir irgendwann mal Mut zu machen oder mich aufzumuntern.

Zum ersten Mal merke ich den Ursprung und dass der vielleicht gar nicht unbedingt aus meiner Erfahrung mit mir rührt (ey so schlecht bin ich doch gar nicht, verflucht! – bei allen Dingen, die ich ernsthaft angepackt habe, eher das Gegenteil, Klassenbeste, dann bestes Ausbildungsergebnis, dann bestes Jahrgangsabi, dann Studienstiftungs-Stipendium, dann gleich 3 Profs, die mir Hiwistellen angeboten haben – zumindest diesen intellektuellen Shice habe ich doch immer einigermaßen hinbekommen), sondern dass das immer der Nachhall jener Sätze ist, die ich in meiner Kindheit so oft gehört habe.

Das kannst du nicht.

Und ich habe das immer ungeprüft geglaubt, nur auf das geguckt, was ich nicht auf Anhieb hinbekommen habe und mich damit voll bestätigt gefühlt.

Ich glaube, jene Phase in meinem Leben, in der ich mir ziemlich viel selber zugetraut habe war, nachdem ich das Rauchen aufgegeben hatte. Damit hatte ich etwas geschafft, von dem ich 20 Jahre lang annahm, es nicht zu können, das gab mir Zuversicht in mich selber wie nichts zuvor, an das ich mich erinnern könnte. Damals war mein ‚Mantra‘: Ey, du hast es geschafft, nicht mehr zu rauchen. Dann kannst du doch auch alles andere!

Da möchte ich gerne wieder hin. Zuversicht, ein bisschen mehr Zutrauen in mich und in meine Fähigkeiten.

Also. Ab jetzt der Versuch, jedem inneren „das kannst du doch eh nicht“ ein „keine Angst, das klappt schon“ entgegenzuhalten. Für jedes „das wird doch eh nichts“ ein „du kannst das“ und für jede Angst davor, einen Fehler zu machen, die Beruhigung, dass selbst wenn, die Welt nicht untergeht.

Ufff. Mal sehen, ob das klappt.

Katja