High voltage

Manchmal weiß ich gar nicht, ob ich darüber lachen oder eher weinen soll, dass mir schon einmal Gelerntes so leicht wieder abhanden kommt. Ich _weiß_, dass das beste Mittel gegen meine innere Unruhe und mein ewiges Gehetztsein ist, mir bewusst Zeit für jene Dinge zu nehmen, die mich runterholen und zur Ruhe kommen lassen. Ausgiebig Kochen und Bloggen gehören dazu, helfen fast instant und wieder einmal sind es genau diese beiden Dinge, die ich in meinem gerade so gehetzten Alltag, der vollgepackt mit Terminen ist, wie er es seit 15 Jahren nicht war, vernachlässige, für die ich keine Zeit habe.

Dabei könnte man mich nachts um 4 aus dem Schlaf reißen und ich könnte nicht nur die Binomischen Formeln aufsagen oder wüsste aus dem Effeff*, dass die Avogadro-Konstante gerundet 6 mal 10 hoch 23 ist, sondern könnte ebenso sicher meine Überzeugung ausdrücken, dass man ja nie für etwas _Zeit hat_, sondern sich höchstens für Dinge (oder auch Menschen) _Zeit nimmt_ oder eben nicht und dass es fast immer eine Frage von Prioritäten ist.

Irgendwann heute Nachmittag lag ich heulend auf dem Bett, weil ich momentan oft das Gefühl habe, dass mir mein Leben gerade über den Kopf wächst. Mein Mut stürmt voran, ich kann auf einmal so vieles, was so viele Jahre nicht ging und will irgendwie alles auf einmal und überfordere mich mit meinen vielen Terminen derzeit chronisch selbst, weil neben all den Dingen, die ich gerne machen möchte und die meist damit zu tun habe, dass ich irgendeinen von euch tollen Menschen aus dem Internet in der Welt da draußen treffe, auch noch jene Termine habe, die ich #ausGründen anpacken muss und das sind im Moment unter anderem ein paar Arzttermine, die mich nicht nur Zeit sondern auch viele Nerven wegen viel Angst kosten. Und zwischen all dem Unterwegssein und dem dauernd draußen sein, fehlt mir so viel Zeit für mich und die Dinge, die mir gut tun. Natürlich tut es mir auch wahnsinnig gut, so viel zu unternehmen, aber das ist – so sehr es mir gefällt – auch immer noch unheimlich kraftraubend, weil ich dafür meistens unter Menschen bin, oft unter vielen davon, was für mich nach so langer Isolation immer noch alles andere als normal ist.

Was ich also gerade dringend lernen muss: Fuß vom Gas, nicht ganz aber ein bisschen. Gelegentlich mal rechts ranfahren und durchatmen. Ab und zu mal hinsetzen, nicht dauernd in Bewegung sein. Manchmal nur mal aus dem Fenster oder vor mich hingucken oder noch besser wieder mal häufiger mit Geduld nach innen und mir vor allem klar machen, dass niemand mich hetzt außer ich mich selber. Ruhe. In Ruhe machen. Jetzt hier ein Anfang. Statt Wäsche zusammenzulegen, was ich gefühlt dringend machen müsste, aber was tatsächlich morgen noch genauso dringend oder auch unwichtig sein wird, sitze ich hier, endlich wieder mal durch die Fingerspitzen denkend, mir die Zeit nehmend, Gedanken hier festzuhalten. In der Vergangenheit hat es schon ein paar Mal gut geklappt, mich selber dazu zu zwingen bzw. mir vorzunehmen, für eine Weile täglich zu bloggen, um das wieder mit mehr Normalität in den Alltag zu integrieren und gerade überlegte ich, dass ich das eigentlich wieder mal tun sollte – und vielleicht, weil der direkt folgende Gedanke war „das schaffst du doch derzeit nie im Leben, das kriegst du nicht hin, du hast ja so schon für nichts Zeit“, was – as absurd as can be – ja jenes beweist, was ich hier in Worte zu fassen versuche, werde ich genau das jetzt tun. Es wenigstens versuchen. Es kann ja nur helfen, nichts verschlechtern.

Hallo, ich bin Katja. Ich blogge hier jetzt wieder mal für eine Weile täglich.

Sometimes the fastest way to get there is to go slow. (Tina Dico, Count to ten)

Katja

 

(*sehr interessant übrigens der Wikipedia-Artikel mit diversen Herkunftstheorien)

Uh huh. Life’s like this. / 20 to go

Es ist kompliziert. (Bedeutungsvolle Pause. :mrgreen: )

Uh huh
Life’s like this
Uh huh, uh huh
That’s the way it is
‚Cause life’s like this
Uh huh, uh huh
That’s the way it is

(April Lavigne – Complicated)

Da wollte ich heute nicht wieder bis kurz vor Ultimo mit dem Bloggen warten, aber dann war so viel zu tun und ich den ganzen Tag beschäftigt und unterwegs und dann saßen wir gerade schon wieder mit Wein und gegrilltem Wels und tollem Rucola und Ramazzotti Arancia, den wir vor einer Weile probiert hatten und von dem wir heute präventiv lieber direkt eine ganze Kiste erstanden haben, weil, verdammt ist das Zeug lecker, vor allem mit einer Prise Zimt und frischer Orange, auf jeden Fall ist es jetzt schon wieder so spät und ich zugegebenermaßen auch ein bisschen angeschickert und normalerweise würde ich jetzt gar nicht mehr auf die Idee kommen, zu bloggen, aber das mit der Sturheit gilt natürlich auch heute immer noch und so leicht gebe ich mich nicht geschlagen und höre einfach so wieder auf, also gibt es heute wieder nur ein paar wenige Sätze, ABER immerhin! Immerhin halte ich meinen Vorsatz und fülle hier Tag um Tag die Eingabemaske aus, um wenigstens ein kurzes Lebenszeichen zu hinterlassen. Gerade ist es ein „alles gut“-Zeichen, ein müdes.

Schön, dass ihr hier lest, auch wenn es gar nichts „Echtes“ zu lesen gibt! 🙂

Katja

Umzugspannen-Monstertext oder Wieso bist’n du gerade dauernd so schlecht drauf, Katja?

Vorhin Gestern Abend waren wir in der neuen Wohnung, um am 4-Meter-Monster-Schrank weiterzubauen und das ging ganz gut und ich war endlich wieder mal zuversichtlich, dass jetzt doch endlich mal wieder alles gut oder wenigstens ok werden könnte, wie ich es in letzten Tagen selten war. Dann ging ich in die Küche, die bisher mehr Raum mit über 200 Paketen (in denen sich die noch nicht ausgepackte, noch nicht aufgebaute Küche befindet) als wirklich Küche ist und da fiel mir ein dunkler, weil feuchter Fleck ein bisschen seitlich und oberhalb des Rolladenkastens des größeren Küchenfensters auf und ich konnte fast körperlich spüren, wie alle Kraft, Zuversicht und Energie erst mal wieder aus mir wichen, so wie Luft aus einem kleinen Löchlein in einem Luftballon entweicht.

Ich kann nicht mehr. Ich hab die Schnauze gerade so gestrichten voll.

Es ist nicht die Arbeit, die der Umzug mit sich bringt, nicht das Kartons packen und von Wohnung zu Wohnung verschieben, nicht das Ikea-Piktogramme entschlüsseln und Möbel zusammenbauen, es sind diese ganzen Probleme und Katastrophen, in allen möglichen Formen, Farben und Größen, die dieser Umzug mit sich bringt.

Es sind die vielen Termine, das auf Abruf für Handwerker, Speditionen und dergleichen sitzen, die wenige Zeit alleine, um zur Ruhe zu kommen, um die vielen Gedanken, die sich sammeln, mal wieder zu notieren. Es ist keine Zeit zum Kochen, was mich normalerweise erdet und beruhigt, keine zum Bloggen, keine zum Lesen.

Es ist das trotz völliger Erschöpfung nachts nicht schlafen können, vor lauter Sorgen und Angst, was als nächstes noch passieren wird. Es ist nicht mal die Sorge, ob noch etwas passieren wird, sondern nur die Frage wann und was und wie schlimm wird’s denn…

Ich bin ein optimistischer Mensch, bin ich immer gewesen. Tief in mir glaube ich immer daran, dass irgendwann dieser blöde Spruch ‚alles wird gut‘ wahr wird. Ich konzentriere mich auf die guten Dinge, die guten Seiten. Und hinter all dies muss ich gerade ein großes EIGENTLICH setzen, denn gerade geht mir all das verloren, wird mein Optimismus auf eine harte Probe gestellt.

Schnitt.

Es ist Ende Februar, wir treffen die neuen Vermieter in der neuen Wohnung, um noch ein paar Details zu klären. Wir wollen die Wohnung, die wollen uns als Mieter, soweit passt alles, da sind nur noch ein paar Sachen zu besprechen. Das soll noch gemacht werden und da soll noch der Fensterbauer nach schauen und die Einfahrt wird bald gepflastert und im Bad dürfen wir gerne die dunkelkackbraunen Fliesen hell überstreichen, eigentlich kann das sogar der Handwerker der Vermieter für wenig Geld für uns erledigen und dann muss da noch ’ne Kleinigkeit gemacht werden und dort, aber das wird schnell gehen und sobald sie fertig sind, können wir den Schlüssel der Wohnung eigentlich schon haben und schon anfangen, unsere Sachen rüberzuräumen und das wird vermutlich in der zweiten Märzwoche der Fall sein, auch wenn wir die Wohnung erst ab Mitte April gemietet haben.

Direkt am Tag als wir den Mietvertrag unterschreiben fahren wir von dort aus ins große Möbelhaus in der Nähe und schauen uns Küchen an, lassen uns eine planen. Uff teuer und Lieferung erst Ende Mai. Wir erbitten uns Bedenkzeit für ein paar Tage, weil wir am nächsten Tag für zwei Nächte nach Wien aufbrechen wollen.

In Wien ist schlechtes Wetter und so brechen wir am Abreisetag früher als geplant auf und machen auf dem Rückweg noch bei einem weiteren Möbelhaus Halt. Da isses genauso teuer und liefern können die auch nicht eher. Also am nächsten Tag zum Möbelschweden, gucken, an deren Planungstool setzen, sieht alles gut aus und deutlich günstiger. ‚Wie lange dauert das denn, wenn man bei Ihnen eine Küche incl. Aufmaß planen und bestellen möchte?‘ ‚Wenn Sie das online beauftragen, bekommen Sie ganz zeitnah telefonisch einen Termin für’s Ausmessen, dann kommen Sie wieder zu uns zu einem Planungstermin und dann liefern wir innerhalb von 1-3 Wochen.‘ OH WIE SUPER! Dann können wir die Küche so Ende März, Anfang April rum bekommen, in Ruhe einen Dienstleister zum Aufbau suchen und tatsächlich direkt Mitte April einziehen und haben dann auch noch 6 Wochen Zeit, um ganz gemütlich aus der alten Wohnung das selbstverlegte Laminat in 2 Räumen rauszureissen, uns um Sperrmüll und dergleichen zu kümmern.

Das scheint in der Regel auch ganz gut zu funktionieren. Aber nicht, wenn der zuständige Ausmesser einen Unfall hat und der Termin ausfällt und auch nicht, wenn bei Ikea nur eine von eigentlich fünf Küchenplaner*innen arbeitet. Statt nach 6 Wochen eine fertig aufgebaute Küche zu haben, haben wir nach 6,5 Wochen immerhin einen Termin zur Planung und Bestellung und nach weiteren 4,5 Stunden auch einen Termin für die Lieferung – schon 2 Wochen später. Ganz Gallien? Einen Liefertermin für die ganze Küche? Nein, eine unbeugsame Arbeitsplatte hört nicht auf, unserer Planung Widerstand zu leisten. Deren Liefertermin sollen wir am nächsten oder übernächsten Tag bekommen.

Bevor das aber geschieht fällt mir abends auf, dass in der Bestellung nicht die ausgesuchte Arbeitsplatte aufgeführt ist, sondern ein ganz anderes Design. Also bei Ikea gemeldet (erreichen tut man die übrigens nie, man kann nur hoffen, dass auf Mails irgendwann doch noch jemand reagiert und anrufen kann man nur im deutschlandweiten Callcenter, nicht mal im entsprechenden Laden, geschweige denn in der Küchenabteilung des entsprechenden Ladens…) und dann tagelang (nicht bis morgen oder übermorgen) gewartet, bis wir endlich erfahren, dass sie a) die Platte im richtigen Design in Auftrag gegeben und b) die Arbeitsplatte schon gute 2 Wochen nach der restlichen Küche geliefert wird.

Schnitt.

Vielleicht ist das ja alles gar nicht so schlimm, dass es so lange dauert, denn in der Wohnung geht es auch nur mäßig voran. Beim Vertragsabschluss ist noch eine uralte und verranzte Einbauküche aus den frühen Siebzigern eingebaut, die die Vermieter noch rausnehmen und dann auch noch die Wand dahinter verputzen wollen. Beim Rausnehmen der Küche, die eine Theke mitten in den Raum gebaut hatte, fällt dann auf, dass die Fließen, die in Küche und Wohnzimmer durchgehend verlegt sind, unter den alten Küchenschränken nicht mit verlegt sind. Als wir das nächste Mal in die Wohnung konmen, stehen wir vor einer klaffenden Lücke im Bodenbelag, mitten im Raum, wo die Theke war. Zum Glück findet sich im Keller noch ein Rest Fließen. Der Handwerker verlegt die restlichen Fließen so gut wie er’s wohl kann. Teils quer zur Richtung, ohne Wasserwaage, und sie reichen auch nicht ganz für die noch bestehenden Lücken. Nun gut, kommen ja Schränke drüber.

Die Wand ist natürlich noch nicht verputzt. Der Vermieter sollte uns Bescheid sagen, dass der Handwerker drauf wartet von uns zu hören, wo die Steckdosen hin sollen. Uns sagt niemand Bescheid, es geht 2 Wochen nicht weiter.

Beim nächsten Besuch guckt G. ein bisschen betreten. ‚Hier, das mit den Steckdosen da in der Wand. Das geht so nicht. Da verlaufen die Heizungsrohre. Ich hab da reingebohrt. Ist aber alles schon wieder behoben und die Wand neu gemacht.‘

Und dann bei einem der nächsten Besuche ‚drüben‘ fällt mir auf, dass da gar nicht überall Schränke drüber kommen, wo die Fließen fehlen. Die Lücke ist 47 cm breit. Der eine Schrank nur 40 cm tief, weil sonst das Fenster nicht aufginge. Oh und Fußleisten fehlen auch noch hier und da und dort, wo man den Boden sehen wird. Oh und im Arbeitszimmer und Schlafzimmer gibt es da auch noch Lücken.

Wir suchen selber im Keller nach Restfließen. Da gibt es nichts, was auch nur einigermaßen passen würde. Also zum Baumarkt, Fließen kaufen, G. fragen, ob er die 3 Stück verlegen kann. Mittlerweile ist auch egal, ob mit oder ohne Wasserwaage. Da sieht man eh nur 7 rausguckende Zentimeter.

Schnitt.

Frustriert durch so vieles, was da gerade schief läuft, kaufen wir uns einen Megamonstergrill für die neue Terrasse. Die alte Wohnung hat einen fest auf der Terrasse vermauerten, wir brauchen also einen eigenen. Der Mitdings recherchiert, liest in Grillforen, sucht, macht. Die mit Abstand günstigste Lösung ist, nach Dänemark zu fahren, um dort einen zu kaufen. Da sind jene, wovon wir einen haben möchten, um Klassen billiger. Dann flattert das Angebot vom Baumarkt rein. Genau so einer. Günstig und zusätzlich nur für einen Tag, den die Baumarktkette als ‚Welttag der Heimwerker‘ ausgerufen hat, gibt’s nochmal 15% Rabatt auf alle Käufe über 100 Euro. Ausgerechnet an dem Tag haben wir aber eine Verabredung mit meiner Familie, die sich nicht verschieben lässt. Der Mitdings verfolgt online die Bestände diverser Baumärkte der Kette, telefoniert morgens schon rum, stellt irgendwann fest, die Preise der Grills schwanken von Region zu Region. Dann findet er einen Markt, der auf der Strecke liegt und wo wir auf dem Rückweg vorbeifahren können, um den ‚Schnäppchengrill‘ einzusacken.

Als wir den Markt stürmen, ist das Modell ausverkauft. 20 Stück davon hatten sie da. 20 Stück davon haben sie verkauft. Der nette Verkäufer bietet uns an, dass er den Grill für uns nachbestellt, wir den dann trotzdem zum gleichen Preis mitsamt der 15% Rabatt bekommen und – der Knüller – dass sie ihn kostenlos anliefern. (Wenn man online bestellt, zahlt man schicke 30 Euro für die Anlieferung und jetzt soll das auf einmal gratis gehen?) Wir schlagen ein, zahlen eine Unsumme an der Kasse, freuen uns. Endlich klappt doch mal was. Ende der Folgewoche soll er im Markt ankommen und dann bekämen wir einen Anruf zur Vereinbarung der Lieferung. Stattdessen bekommt der Mitdings mit fast einer Woche Verspätung einen Anruf, dass sich das ganze um noch eine Woche verzögern wird und dann ein paar Tage später einen weiteren, dass der Grill nicht mehr hergestellt würde und wir doch in den Markt (~ 50 km von uns entfernt) kommen sollten, um unser Geld wieder abzuholen. Ok, also kein Grill erst mal.

Dann, wieder ein paar Tage später plötzlich noch ein Anruf, der Grill sei jetzt wieder da und wir könnten ihn im Markt abholen. Wir stimmen zu, fragen gar nicht mehr nach Lieferung, bevor die sich’s wieder anders überlegen. Heute holen wir das Baby vermutlich ab. Und ja, das hat einen guten Ausgang, aber hätte es den nicht ohne das Generve zwischendurch haben können?

Schnitt.

Der Handwerker hat die Badezimmerfließen gestrichen und das sieht richtig gut aus im Vergleich zu dem dunkelbraun vorher. Weil wir hier schon 9 Jahre lang mit dem Bad nicht so glücklich waren, wollen wir’s in der neuen Wohnung von Anfang an schön machen und kaufen uns eigene Waschbecken samt Unterschränken und Spiegelschränken, um die quietschorangenen der Wohnung dagegen auszutauschen. Seit wir versucht haben, die alten Waschbecken abzuschließen (heisst das so? das Rückgängigmachen von anschließen?), weiss ich, was Eckventile sind und dass man gar nix machen kann, wenn die zu alt und verkalkt und nicht drehbar sind. Eckventile besorgt, den Handwerker gebeten, sie auszutauschen, weil auch das eigentlich Vermietersache ist. Der ist so freundlich und hängt sogar die ollen Waschbecken für uns ab und schleppt sie in den Keller, zerquetscht aber dafür mit seiner Zange direkt die Gewinde der neuen Eckventile. Alles wie immer.

Dafür fällt ihm auf, dass in der Küche noch gar keine Eckventile angebracht sind und wir die brauchen werden für den Küchenaufbau. Also wieder in den Baumarkt, nochmal welche besorgt, G. baut sie ein. Und ich stehe knirschend daneben und bitte ihn, die Zange nicht ausgerechnet an den Gewinden anzusetzen…

Nachdem wochenlang immer Werkzeug auf dem Klodeckel im Bad rumlag und plötzlich mal keines da ist, komme ich zum ersten Mal auf die Idee, den Klodeckel zu öffnen. Dass wir eine neue Brille samt Deckel besorgen wollen ist klar. Dass wir ein komplett neues Klo brauchen, um nicht vor Ekel die Flucht zu ergreifen, zeigt sich erst da. Das geht echt gar nicht. Wieder mit dem Vermieter verhandelt. Wir besorgen, bauen ein, er zahlt.

Die Duschglastür, die im März angebracht werden soll, fehlt übrigens Mitte April als wir den Wohnungsschlüssel dann doch endlich bekommen – nicht mal pünktlich zum Mietbeginn – immer noch und auch Ende April. Wir messen die Nische selber aus, stellen fest, dass das gar nicht so einfach wird, weil die Nische recht niedrig ist, fragen nach, ob wir uns einfach selber kümmern können/sollen und der Vermieter die Rechnung übernimmt. Später die Nachricht: ja geht klar. Die wird jetzt zwar spät, aber immerhin am gleichen Tag wie die Küchenarbeitsplatte geliefert.

Bei der Gelegenheit und der Beschäftigung mit der Dusche fällt uns auf, dass es exakt eine Temperatur zum Duschen gibt. An der unterputz liegenden Duscharmatur ist irgendwas gebrochen, das Teil dreht rund, die Temperatur lässt sich nicht regeln. Der Mitdings recherchiert wieder mal, stellt fest, dass das auch nicht so einfach wird und der Kundendienst der Herstellerfirma vermutlich die gute Lösung sein wird, wenn man nicht die Wand aufstemmen möchte, sagt dem Vermieter Bescheid, der schickt am nächsten Tag den Handwerker, der stellt nochmal das gleiche fest wie der Mitdings und wir bekommen endlich das Ok, den Kundendienst zu rufen und die Rechnung an den Vermieter zu schicken.

Der wird immerhin Dienstag Morgen in aller Herrgottsfrühe auf der Matte stehen.

Schnitt.

Diese ganzen Kleinigkeiten, die so zwischendrin noch schief gehen und von denen jede ein kleines bisschen Aufmerksamkeit, Zeit und Energie frisst. Zum Beispiel bestellen wir zwei Dinge in einer Bestellung, der Versender teilt es in zwei Lieferungen auf, eine davon kommt problemlos ein paar Tage später an, die andere hat im Lieferstatus ein ‚unzustellbar, weil Empfänger unbekannt‘. Angekommen ist übrigens der mitbestellte Wein ( \o/ ), nicht das Teil für die Wohnung…

Oder die Tatsache, dass aus ‚Der Garten? Der wird noch gemacht. Der steile Hang kommt raus, das kommt alles auf ein Niveau und von der Terrasse bauen wir eine Treppe in den Garten.‘ ein ‚Ach der Garten? Ja also, der bleibt jetzt doch so. Da will die Firma zu viel Geld, das ist zu teuer.‘ geworden ist.

Da fällt es kaum noch ins Gewicht, dass man sich am neu angebrachten Briefkasten beim Leeren an den scharfen Kanten die Hand fast aufschlitzt. Immerhin haben wir den mittleren, nicht den unteren, der bei Regen komplett unter Wasser steht, während sich in unserem nur eine kleine Pfütze bildet.

Oder der Ärger über Menschen, denen man beim umzugsbedingten Ausmisten via einer Free Your Stuff-Gruppe Zeug schenken will, sich nach deren Terminwunsch richtet und dann versetzt wird.

Schnitt.

Bei der Wohnungsbesichtigung stellen wir fest, dass eines der Wohnzimmerfenster einen Sprung hat. ‚jaja, das wird jetzt auch direkt gemacht. Da kommt der Fensterbauer und tauscht das aus.‘
Mitte April ist das Fenster noch genauso wie vorher, zwischen beiden Scheiben ist es dauernd beschlagen, weil Feuchtigkeit dazwischensteht. Ausserdem stellen wir fest, dass die Fensterbank an dem gleichen Fenster gebrochen ist (‚tauscht der Fensterbauer dann auch mit‘), die Terrassentür sich nicht kippen lässt und auch nur dann richtig schließt, wenn man an der unteren Ecke dagegentritt (’soll der Fensterbauer nach gucken‘), einer der Küchenrolläden gerissen ist und sich an der Stelle verhakt (‚das macht dann der Fensterbauer‘), beim zweiten Küchenfenster die Fensterbank, da wo vorher die Arbeitsplatte bis ins Fenster rein gebaut war, noch fehlt (‚baut der Fensterbauer dann eine ein‘) und jetzt der nasse Fleck an der Ecke des Rolladenkastens und noch ein weiterer an der Decke und niemand weiss, ob es diesen Fensterbauer überhaupt gibt und falls ja, ob er jemals zu unserer Wohnung finden wird.

Katja

Verunsicherungsfaktoren

Mit Ungewissheiten und Dingen, die sich fast vollständig meiner Kontrolle entziehen, kann ich nicht gut umgehen. Die machen mich im besten Fall nur nervös, in schlechteren Varianten machen sie mir Angst und Panikattacken. Gerade machen mich die ganzen Umzugsungewissheiten ziemlich mürbe. Vor allem die Tatsache, dass wir noch keine Ahnung haben, wann genau wir umziehen können und werden. Wir haben die neue Wohnung ab Mitte April gemietet, die alte noch bis Ende Mai, also eigentlich jede Menge Zeit und keine Zeitnot. Trotzdem wollten wir eigentlich Mitte April am liebsten direkt umziehen. Fest stand direkt beim Finden der Wohnung, dass wir eine neue Küche brauchen / möchten und damit fing der schwierige Teil an. Ein Besuch beim großen Möbelhändler – und zwar exakt am Tag als wir den Mietervertrag unterschrieben haben, um ja nur keine Zeit zu verschenken – in der Nähe ergab, dass die Küchen dort nicht nur ganz schön teuer sind, sondern auch unschöne 3 Monate Lieferzeiten haben. Die hätten uns allerfrühestens Ende Mai eine Küche geliefert und das auch nur, wenn wir quasi am gleichen Tag noch bestellt hätten.

Ein weiteres Möbelhaus hat auch keine erfreulicheren Lieferzeiten, also zum Möbelschweden, lange rumgeguckt, festgestellt, dass die mittlerweile durchaus Küchen haben, die uns gefallen (vor 10 Jahren war das nicht so) und die noch dazu deutlich günstiger werden dürfte. Also gut, dann dort kaufen. Wenn man sich beim Möbelschweden eine Küche planen lässt, kostet das inclusive Ausmessen und Lieferung 150 €. Wenn man sie selber plant und nur liefern lässt, kostet das 150 € und weil wir bei der letzten Küche, die wir selber ausgemessen haben, bei der Lieferung festgestellt haben, wie schief die Wände in dieser Wohnung hier sind und dass das alles gar nicht so passt, wie gedacht sondern dass wir einen Hängeschrank an eine ganz andere Wand verschieben mussten (was im Nachhinein eine bessere Lösung war), also dieses Mal auch ausmessen lassen. Wenn dann die Maße bei Ikea vorliegen und die ein paar Angaben haben, was man sich so vorstellt, planen die schonmal drauf los und dann geht man zu einem Termin ins Möbelhaus und plant nochmal zusammen rum und bestellt den Kram. Ab dann dauert es – so unser bisheriger Informationsstand – 1 bis 3 Wochen bis die Küche geliefert wird und weil der Aufbau durch Ikea unverhältnismäßig teuer ist, muss also vorher noch ein Dienstleister gefunden werden, der das günstiger macht. Das geht aber auch erst, wenn die Küche bestellt ist, ansonsten bekommt man von denen keinen Kostenvoranschlag.

An diesem Punkt waren wir dann vor über 3 Wochen und an exakt dem gleichen Punkt sind wir heute immer noch, weil es innerhalb von 3 Wochen noch nicht hingehauen hat, dass die Küche ausgemessen wurde. Auf den ersten Termin haben wir über 2 Wochen warten müssen, den mussten wir blöderweise absagen, weil wir dachten, die Küche sei weiter als sie tatsächlich war. Der nächste mögliche Termin wäre dann heute gewesen, den hat die Ausmessfirma abgesagt, weil der Ausmessmensch krank ist. Einen neuen Termin gibt’s noch gar nicht. Und die Zeit rennt und aus dem ‚Mitte April klappt locker‘ ist schon ein ‚hoffentlich Anfang Mai‘ geworden.

Das Blöde ist, dass genau von diesem Ausmessen und der Küchenbestellung auch alles andere abhängt, weil wir dann noch mehr Möbel mit der Küche zusammen liefern lassen wollen, die aber idealerweise vor unseren aktuellen Möbeln in der neuen Wohnung ankommen und die wir auch vorher aufbauen wollen, weil wir dann noch genügend Platz dafür haben.

Also wäre vor Lieferung der Küche umzuziehen eher blöd. Zudem ich das auch eigentlich nicht mehr wollte, nachdem wir in dieser Wohnung hier die ersten 3 oder 4 Wochen küchenlos wohnten. Wir können aber auch nicht viel später als die Küche einziehen, denn dann hätten wir hier nur noch eine halbe, weil wir Teile davon ja mitnehmen und die müssen auch mit eingebaut werden, zB der Backofen und das Kochfeld, die ich ja beide noch nicht lange habe. Es ist kompliziert.

Kompliziert ist auch, dass ich auf der einen Seite schon so viel wie möglich in Kartons stopfen will, es aber auf der anderen Seite immer schwieriger wird, Dinge zu finden, die wir auch ganz sicher nicht mehr brauchen, wenn wir vielleicht doch noch 6 Wochen hier wohnen und nicht nur 3. Und ich weiss hier eh bald nicht mehr, wohin mit den gepackten Kartons. Aber wenn ich aufhöre zu packen und die Küche hat diese Idealfalllieferzeit von nur einer Woche, dann hätte ich den ganzen Berg noch vor mir.

Und ich weiss, eigentlich sind das alles gar keine Probleme, allerhöchstens tatsächlich Luxusprobleme, denn hey, wir haben endlich eine Wohnung gefunden und ich habe bald eine neue und hoffentlich sehr coole Küche, aber trotzdem macht mich das alles nervös und unruhig und lässt mich schlecht schlafen. Ich hoffe, das wird besser sobald ich einen Termin habe, auf den ich hinpacken kann…

Weitere Küchenkatastrophen in der neuen Wohnung waren übrigens bisher: beim Rausreissen der uralt Küche hat sich rausgestellt, dass unter den Schränken keine Fliesen verlegt waren (zum Glück waren noch einige davon im Keller gelagert), der Handwerker hat 2 Wochen lang darauf gewartet, dass wir ihm sagen, wo die Steckdosen hinsollen, wovon wir aber nichts wussten (weswegen wir den ersten Ausmesstermin auch absagen mussten, weil die Wand noch nicht fertig war und ohne fertige Wandarbeiten messen die nicht), da wo dann Steckdosen hinsollten, laufen Heizungsrohre lang, was sich aber erst beim Bohren in diese Rohre rausgestellt hat.

Ich kenne jetzt ungefähr 7 verschiedene Möglichkeiten wie man von Küchen Albträume bekommen kann und runterfallende Hängeschränke, die mannsgroße Löcher in die Wand reissen, wo mal Dübel waren, ist nur eine Spukvariante.

Aber ja. Alles ist noch gut und alles wird gut und der Stress sitzt momentan nur in meinem Kopf. Ich hoffe, durch’s Aufschreiben ist er ein bisschen besänftigt worden.

Ommm.

Katja

Es geht bei Zeit ja meist ums Nehmen, nicht ums Haben

Immer, wenn von aussen viel auf mich einstürzt, fühlt es sich in mir an, als käme ich gar nicht mehr zur Ruhe. Wenn der Berg der zu erledigenden Dinge groß ist, verliere ich oft erst mal den Überblick, gerate ins Trudeln und schaffe es – je stärker ich trudele – nicht gut, mir einen Plan zurechtzulegen. Der Kopf steht dann nicht still. Nie. Nachts kann ich noch schlechter schlafen als ohnehin schon, weil 1000 Darfstenichtvergessens und Mussteunbedingtdrandenkens in meinem Kopf eine Party feiern.

Was mir dann – das hat die Erfahrung der letzten Jahre mich gelehrt – verlässlich gut hilft ist, wenn ich mit einer gewissen Regelmäßigkeit meinen Kopf im Blog auskippe. Wenn ich hier Gedanken aufschreibe, wird es dort (also im Kopf) ruhiger, werde ich ruhiger. Der Haken an der Sache ist, dass ich genau das, was gut hilft, dann oft nicht gut hinbekomme. Viel los, viel zu tun und immer ist es das Bloggen, das auf der Strecke bleibt, weil das ja _eigentlich_ nur Freizeitvergnügen ist und wenn da (mindestens gefühlt) wenig Freizeit ist, fehlt mir die Ruhe und ich finde keinen Anfang. Und nicht mal die Feiertage bringen mich dazu, mal abzuschalten und runterzufahren.

So beobachte ich mich gerade wieder seit Wochen. Dadurch, dass ich seit Anfang Dezember diese dusslige Erkältung nicht wieder richtig losbekomme und ohnehin alles auf Sparflamme läuft, ist da noch weniger Energie übrig, um mich hinzusetzen und zu bloggen. Und es dauert jedes Mal, wenn ich in einer solchen Zwickmühle stecke, ein bisschen, bis die Erkenntnis bei mir ankommt, dass das (einer) der Haken ist, dass dieses Zeit nehmen, für diese Sache, die mir gut tut und vor allem hilft, den Kopf ein bisschen leiser zu bekommen, mich gar nicht aufhält, sondern voranbringt.

In diesem Sinne also endlich wieder ein Versuch, den gordischen Knoten im Kopf aufzubekommen. Zeit gewinnen, durch Zeit nehmen. Denn letztendlich ist ja nie welche davon übrig und es hängt alles nur an meiner Wahrnehmung.

Katja

Über Müsstemals und Möchtegerns

Im letzten Jahr (vielleicht auch schon länger?) ist das vorherrschende Gefühl bei mir, keine Zeit zu haben, dauernd gehetzt zu sein und gar nicht alles zu schaffen, was ich so schaffen müsste.

Und da liegt auch schon der Knackpunkt, denn die meisten Dinge, die ich so schaffen müsste, sind keine, die ich wirklich dringend schaffen muss, sondern mein meister Stress ist genauso hausgemacht, wie die vielen Marmeladen, die ich so koche oder zumindest gerne kochen würde – aber dann komme ich doch wieder nicht dazu.

Und je mehr ich mich in diesem ‚müsste‘ verheddere, zu weniger komme ich tatsächlich, weil das Gefühl der Überforderung – nicht inhaltlich, aber was Pensum vs. Zeit angeht – mittlerweile ein chronisches ist.

Seit etwa fünf Wochen, seit ich aus Spanien zurück bin, habe ich jetzt mal ausprobiert, wie es sich ohne todo-Liste anfühlt.

Das fällt mir nicht so leicht, denn ich bin ein Listenmensch und erst recht, wenn es um meine Todos geht. Vor einigen Jahren habe ich angefangen sehr akribisch Liste zu führen, weil ich gemerkt habe, dass es mir gut tut, Dinge darauf abzuhaken. Damit konnte ich mir selber vor Augen halten, dass ich ja doch was auf die Reihe bekommen habe – an Tagen, an denen es sich eigentlich so anfühlte, als bekäme ich nichts hin. An ganz schlechten Tagen habe ich mich selber ausgetrickst und damit motiviert, dass ich einzelne Dinge kleinschrittiger notiert habe.

Seit schätzungsweise 2 Jahren habe ich meine todo-Listen nur noch elektronisch geführt. Das war zwar nicht mehr ganz so gut wie das Durchstreichen auf Papier, dafür kann Wunderlist, das ich dafür verwende, aber seit einiger Zeit auch wiederkehrende Tasks verwalten und man muss sie nicht jedes Mal einzeln reinfüttern (und es ist auch auf den diversen Geräten nutzbar und synchronisiert die Daten).

So kam es, dass ich auch die meisten täglich wiederkehrenden Dinge wie zB das Küche aufräumen, was ja immer anfällt, wenn man fast täglich kocht, auf die Liste packte. Dazu kommen alle Dinge, die mir irgendwann mal eingefallen sind, dass ich sie machen könnte / mal machen müsste und mittlerweile habe ich mehr als 20 Unterlisten angesammelt und insgesamt tummeln sich da deutlich mehr als 150 Aufgaben. Die unkomplizierte Möglichkeit dort Listen anzulegen führt dazu, dass ich das auch dauernd gemacht habe und jetzt habe ich dort so einen großen Wust an unerledigtem Kram, der mich jedesmal in geballter Summe anspringt, wenn ich Wunderlist aufmache.

Eigentlich also kein Wunder, dass ich dauernd das Gefühl habe, überfordert zu sein und niemals alles schaffen zu können, was ich so gerne schaffen wollen würde.

Die letzten Wochen jetzt, ganz ohne todo-Liste haben mir, glaube ich zumindest, gut getan. Besser als die Zeit davor auf jeden Fall. Alles, was dringend ist, habe ich auch so erledigt und mir ist zumindest nichts aufgefallen, was ich dadurch komplett vergessen hätte.

Ich bin ausserdem aufmerksamer geworden dahingehend, dass ich meinen ‚müsste ich ja mal‘-Reflex ein bisschen unterdrücke. Als Corina vor einiger Zeit Quitten gesammelt und verabeitet hat, war mein erster Impuls, am nächsten Tag auch losrennen zu müssen und zu schauen, ob ich am Rhein, wo so viele öffentliche Bäume stehen, noch welche bekomme. Und das ist typisch für mich dieser Reflex. Und der setzt unabhängig davon ein, ob ich gerade Zeit dafür hätte, Quitten einzusammeln und zu verarbeiten, oder ob ich mir damit (unnötigen) Stress mache. Dieses Mal ist es mir aufgefallen, noch bevor ich mit einem Eimer bewaffnet am Rhein war und ich habe mich bewusst entschieden, dass ich zwar vielleicht mal (lies: irgendwann mal) Quittengelee kochen könnte, aber beim besten Willen nicht in diesem Jahr dringend kochen müsste und schon mal gar nicht kochen muss.

Von der wunderbaren Welt des Wissens bekam ich einen ebenso guten Impuls wie den mit den Quitten, als sie letztens sinngemäß irgendwo schrieb, dass bei all dem ‚müsste mal‘ der Spaß ganz verloren geht und genau das trifft es bei mir auch sehr gut.

Es gibt wahnsinnig viele Dinge, die ich gerne mache oder auch, die ich gerne mal machen und ausprobieren würde. Aber dadurch, dass ich sofort das Gefühl habe und das auch sprachlich so verarbeite, dass ich die Dinge mal tun müsste, geht die Freude unterwegs irgendwie zwischen dem Gefühl gehetzt zu sein und eh nicht alles zu schaffen verloren.

Ich bin – wenn das auch ganz andere blöde Schattenseiten mitbringt und überhaupt durch die Schattenseiten erst ausgelöst wurde, aber das ist ja eine ganz andere Geschichte – momentan in der Lage, mir die meiste Zeit frei einteilen zu können und statt dass ich sie mit Dingen fülle, die mich erfüllen, verbringe ich gerade viel zu viel Zeit damit, mich gehetzt zu fühlen und in dem Gefühl festzuhängen, nichts auf die Reihe zu bekommen. Das muss dringend wieder anders werden und der Artikel ist vielleicht / hoffentlich ein Anfang damit; der Versuch, das erst mal in Worte zu fassen und im Kopf zu sortieren, damit ich es vielleicht auch im Alltag wieder besser sortiert bekomme, damit ich vielleicht meine Zeit (und auch und vor allem das Zeitgefühl) wieder besser in den Griff bekomme.

Und weil ich in den letzten 2, 3 Tagen schon wieder angefangen habe, mir todo-Listen auf Zetteln zu notieren, ist vermutlich auch der Zeitpunkt gekommen, an dem ich Wunderlist wieder mal öffnen sollte und radikal alles rauswerfen, an das ich ohnehin denke und auch alles, was so ein müsste/könnte ja mal Ding ist. Ich glaube, es gibt auch so genügend Müsste-und-Könnte-Mals, denen ich im Alltag begegne oder die mir dann schon einfallen werden, wenn ich die Zeit dafür habe – aber vor allem auch, wenn ich wieder ein bisschen mehr Ruhe und Raum im Kopf dafür habe. Und dann heissen vielleicht ein paar von ihnen auch wieder Möchtegerns statt Müsstemals.

Katja