Erinnerungsnotiz: Veränderung

Es fühlt sich nicht anders an, zumindest nicht bewusst und zumindest bisher noch nicht und doch wird mir derzeit häufig bewusst, dass sich (endlich) etwas bewegt in meinem Denken und Fühlen.

Ich merke, meist erst hinterher und wenn ich tatsächlich darüber nachdenke, dass Situationen, die mich früher in ein Loch hätten fallen lassen, mir längst nicht mehr so nahe kommen.

Da ist zB diese Frau auf diesem Portal, bei dem ich mich angemeldet habe. Wir tauschten ein paar Mails, sie stellte irgendwann eine Frage, die ich seltsam fand. Ich antwortete ihr zwar, traute mich aber auch zu schreiben, dass ich die Frage seltsam finde. Das ist eigentlich sehr banal, aber etwas, was ich früher nicht gemacht hätte, denn in meiner Wahrnehmung wäre es früher immer so ausgegangen, dass ich einfach zu empfindlich bin und dass es nur an mir lag, dass ich diese Frage merkwürdig finde. Dann ging es weiter und sie war (so vermute ich zumindest) irritiert, dass ich das geschrieben hatte. Ich habe versucht zu erklären, ich glaube aber sie hat gar nicht verstanden, worauf ich hinauswollte und ich überlegte ein paarmal, ob das schon ein Hinweis darauf ist, dass wir wellenlängentechnisch einfach zu weit voneinander entfernt sind.

Dann, nach ein paar Tagen, schrieb sie mir – für mich aus relativ heiterem Himmel, denn ihre letzte längere Mail wartete noch auf eine Antwort von mir – sie wolle den Kontakt lieber abbrechen, es hätte aber nichts mit mir zu tun.

Und ich las die Mail und ich dachte ‘Hm ok. Das hätte vermutlich eh nicht so gut gepasst.’. Dann schrieb ich ihr eine kurze Antwort, wünschte ihr alles Gute und dann machte ich mit der Sache weiter, an der ich vorher gewesen war.

Krasser Shice!

Ich, die ich bis vor kurzem nach einer solchen Mail vermutlich den Rest des Tages weinend verbracht hätte.
Ich, die ich bis vor kurzem angefangen hätte, mich selber zu zerfleischen, dass ich etwas so Falsches gemacht habe, dass diese Frau sich zurückzieht noch bevor wir uns ein bisschen kennenlernen konnten.
Ich, die ich bis vor kurzm gedacht hätte, dass ich mich nicht genügend angestrengt hätte, so zu sein, wie sie mich mögen könnte.
Ich, die ich bis vor kurzem gedacht hätte, dass ich gar keine Freunde verdient habe, weil ich so anders und so falsch bin und dass Menschen mich nur so lange mögen, bis sie mich näher kennenlernen.
Ich, die ich bis vor kurzem über Wochen nachts wachgelegen hätte und mich damit gequält hätte, das unbedingt verstehen zu wollen, mich versichern zu wollen, dass es tatsächlich nichts mit mir zu tun hat, hätte nachfragen und erklären wollen, weil ich mich sicherlich falsch verstanden gefühlt hätte.

Das ist neu und anders und für mich sehr krass. Ich glaube, es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich nicht in ewiges Grübeln, Selbstvorwürfe und Schuldgefühle versunken bin, sondern – so vermute ich zumindest – einen etwas realistischeren Blick auf die Situation haben konnte. Wer weiss, was für eine Geschichte die andere mit sich herumträgt, wer weiss, was bei ihr in den Tagen rund um den Mailwechsel noch so im Leben los war, wer weiss…? Natürlich kann es sein, dass es meine Bemerkung war, die ihren Kontaktabbruch ausgelöst hat. Aber, wenn sie nicht in der Lage ist, dann darüber mit mir zu reden und das zu klären, was ich durchaus versucht habe, dann ist das – ausnahmsweise – mal nicht mein Problem und wenn sie solche Dinge nicht mal wieder klären möchte oder kann, dann hätte das tatsächlich nicht gepasst mit uns und ich wäre damit eh nicht glücklich geworden.

*

Zum Jahreswechsel formulierte ich einen einzigen Wunsch und Vorsatz für 2015  und ich wusste und weiss, dass ich vor allem Geduld und Beharrlichkeit aufbringen muss, um endlich meine eingetretenen Denkmuster hinter mir lassen zu können. Bis Mitte Januar habe ich noch gebraucht, um mich endlich aufzuraffen. Seitdem verbringe ich wirklich viel und fast täglich Zeit damit, die Nase (wieder) in Ratgeber zu stecken, um die ich vorher lange Jahre einen Bogen gemacht habe, ich mache Übungen, ich notiere mir Dinge, ich merke, wenn ich schlecht über mich selber denke und versuche, meine Gedanken zu korrigieren. Ich merke, wie in den letzten Wochen ein paar Dinge wie Puzzleteile einrasten und wie ich immer deutlicher verstehe, wo die Gedanken herkommen. Ich merke, wie es mir mal gelingt, mit Abstand daraufzusehen und wie ich dann, vor allem, wenn es mir schlecht geht, wieder ganz tief mitten drin hänge und nicht rauskomme. Aber das alles ist mir gerade Zeichen von Bewegung. Denn selbst, wenn ich tief drin hänge, fällt mir das Drinhängen auf und ich weiss oft, woran es liegt. Das fühlt sich alles irgendwie sehr meta an, als würde ich mich im Erleben und Denken von aussen betrachten.

Und dann gibt es solche Ereignisse, wie das oben beschriebene, bei denen mir erst hinterher irgendwann im Laufe der nächsten Tage aufgeht, wie anders ich darauf reagiert habe als ich das früher hätte. Mir wird dann schlagartig dieser frühere Ablauf und all die negativen Gedanken und Gefühle, die das eigentlich nach sich gezogen hätte, bewusst, die einfach so ausgeblieben sind. Das sind die Momente, in denen ich tatsächlich merke, dass ich voran komme, dass die Zeit gut investiert ist und meine Methode doch irgendwie zu funktionieren scheint.

Und – was noch viel schwerer wiegt – ich bekomme eine Ahnung davon, wie sich das Leben anfühlen könnte, vielleicht irgendwann mal anfühlen wird.

Katja

Fruchtig-scharf

Wenn es um Soßen geht, glaube ich unumbrüchlich an Liebe auf den ersten Blick äh Probelöffel und in diese Orangen-Ingwer-Soße habe ich mich vor ein paar Tagen ganz frisch verliebt. Ich habe es natürlich wieder mal versäumt, das Essen zu knipsen, das Rezept möchte ich aber trotzdem nicht wieder vergessen – daher bekommt es hier seinen Platz.

Man braucht dafür:

die dünn abgeriebene Schale einer halben unbehandelten Orange – oder (wenn man in der Kleinen Stadt wohnt, wo es zwar zum Glück immer unbehandelte Zitronen, aber fast nie unbehandelte Orangen gibt) ca. 1 EL Orangenschale aus dem Backzutatenregal
400 ml frisch gepresster Orangensaft (es geht natürlich auch Direktsaft)
1-2 daumengroße Stücke Ingwer – je nach gewünschtem Schärfegrad, bei mir waren es etwa 1,5 Daumen
2-3 Zehen Knoblauch
1 EL brauner Zucker
1-2 EL Sojasoße
Pfeffer und Salz, frisch gemahlen

Und so geht’s:

Ingwer und Knoblauch möglichst fein schneiden, alle Zutaten – bis auf Salz und Pfeffer – zusammen in einen kleinen Topf geben, aufkochen lassen und dann 20-30 min im offenen Topf leise vor sich hinköcheln lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und wenn einem die Soße noch zu flüssig ist, kann man einen TL Speisestärke mit kaltem Wasser verrühren und zum Binden in die Soße rühren. Mir hat die Konsistenz aber auch so schon gut gefallen.

Schmeckt fruchtig und scharf gleichermaßen und passt hervorragend zu asiatischen Gerichten bzw. verleiht die Soße einem Gericht eine asiatische Note.

Bei uns gab es dazu Jasiminreis und knusprige Hühnerbruststücke aus dem Backofen. Für letzteres einfach die Hühnerbrust in Stücke schneiden, in Mehl wälzen, in mit Salz und Pfeffer verquirltes Ei tunken, dann in Semmelbröseln wälzen. Ein Backblech mit Backpapier belegen und 2-3 EL Öl mit einem Backpinsel darauf verteilen. Die Hühnerstücke auf dem Blech platzieren, einmal umdrehen, damit beide Seiten ganz dünn mit Öl benetzt sind, dann für 30 min bei 200°C Umluft in den Backofen geben. Nach der Hälfte der Zeit alle Stücke wenden. Das ganze dann noch mit leicht angerösteten Sesamsaaten und Frühlingszwiebelringen bestreuen, wenn es aus dem Ofen kommt. Gut war’s. :)

Katja

Gelesen im Februar 2015

Auch im Februar habe ich’s geschafft, ziemlich konsequent abends nicht so lange rumzutrödeln, sondern einigermaßen früh ins Bett zu gehen und lieber noch ein bisschen zu lesen. So bin ich schon bei erstaunlichen 14 Büchern in 2015. 2014 waren’s Ende Februar gerade mal 4,5.

Jostein Gaarder – Die Frau mit dem roten Tuch (abgebrochen)

“Das Kartengeheimnis” von Jostein Gaarder war lange eines meiner Lieblingsbücher, das habe ich etliche Male gelesen, jetzt wollte ich endlich wieder mal etwas von ihm lesen, das ich noch nicht kannte. “Die Frau mit dem roten Tuch” habe ich auf Seite 35 von 222 entnervt aufgegeben. Das ist großer Mist das Buch.

Steinn und Solrun waren vor über 30 Jahren ein Paar. Jetzt treffen sie sich zufällig in einem Hotel wieder, genau dort, wo ihre Beziehung damals durch eine mysteriöse Begebenheit ein Ende fand. In der Folge dieser erneuten Begegnung beginnen sie einen eMail-Wechsel und das Buch besteht nur aus den Mails (ich vermute, das bleibt auch bis zum Ende so). Nun ist es aber nicht so, dass da zwei Menschen, die sich einmal nahe standen, beginnen zu erforschen, ob und was sie noch voneinander kennen, wie man annehmen könnte, stattdessen nutzt Gaarder die beiden nur, um zwei Weltanschauungen aufeinanderprallen zu lassen.

Sie, die spirituelle Eso-Tusse mit Glauben an Übersinnliches. Er, der knallharte Faktentyp, ohne Glauben an Schicksal, Zufall oder dergleichen. Die Mails, die die beiden sich schreiben verkrampft ohne Ende, es geht nur darum die beiden Ideologien zu präsentieren und aufeinander treffen zu lassen. Die Charaktere hinter den Mails bleiben völlig blutleer, sind nichts weiter als Hülsen oder Projektionsflächen für die unterschiedlichen Weltanschauungen. Das ist so durchschaubar nur darauf ausgelegt einen Rahmen für diesen Streit zu bieten, dass ich beim Lesen in keinem Moment vergessen kann, dass hier nur der Inhalt, die Denkweisen vermittelt werden soll. Keine Lust, damit noch mehr Zeit zu verplempern, bevor ich am Ende dann wieder aus dem Gedanken raus, eh schon die Hälfte gelesen zu haben, nun auch noch den Rest lesen könnte.

 

Joy Fielding – Sag, dass du mich liebst

Die erfolgreiche Privatermittlerin Bailey Carpenter wird bei einer Überwachung überfallen und brutal vergewaltigt. Danach ist nichts mehr wie vorher, Bailey ist ein nervliches Wrack. Das merkt auch ihre Halbschwester, zu der sie bis dato kaum Kontakt hatte und zieht kurzerhand vorübergehend bei ihr ein, um sich um Bailey zu kümmern. Die verlässt die Wohnung kaum mehr und zweifelt bei jedem Mann, ob es möglicherweise ihr Vergewaltiger sein könnte. Durch ihr Fernglas beobachtet sie immer wieder die Nachbarn im gegenüberliegenden Gebäude und wird so auch auf jenen Nachbarn aufmerksam und beobachtet ihn in der Folge fast schon zwanghaft, der die gleichen physischen Merkmale wie der Täter hat. Irgendwann scheint dieser zurückzuschauen, doch die Polizei nimmt Bailey nicht mehr ernst, die mittlerweile fast jeden Mann in ihrem Umfeld verdächtigt hat.

Spannend, gut lesbar und Joy Fielding schafft es wirklich, die Verzweiflung und Paranoia unter der die stark traumatisierte junge Frau nach dem Überfall leidet, eindrücklich zu vermitteln. Ich war ganz froh, als ich es ausgelesen hatte, weil das Buch für mich eigentlich keine gute Lektüre für abends vorm Versuch einzuschlafen war. Das kann man aber dem Buch nicht zum Vorwurf machen, sondern liegt daran, dass ich nicht gut darin bin, solche Bilder wieder aus dem Kopf zu bekommen.

 

Kerstin Gier – Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner

Kati ist mit Felix verheiratet und dabei eigentlich auch sehr glücklich – bis zu dem Tag, an dem sie Mathias kennen lernt und sich Hals über Kopf verliebt. Das schlechte Gewissen nagt an ihr, doch was, wenn das Schicksal eingreifen würde und ihr die Möglichkeit gäbe, nochmal von vorne anzufangen und Mathias kennenzulernen, ohne Felix das Herz brechen zu müssen?

Das in aller Kürze der Inhalt, hoffentlich ohne zu viel zu verraten.

Von Kerstin Gier hatte ich im letzten Jahr schon die Edelsteintrilogie gelesen und wusste, dass ich ihren Schreibstil ganz gut leiden kann. Das ist bei diesem Buch nochmal deutlicher geworden. Sie schafft es wirklich, selbst kitschige Szenen so mit feiner Ironie anzupacken, dass ich das gut lesbar und aushaltbar finde und nicht das Bedürfnis habe, da irgendwen an den Schultern zu packen und zu schütteln, wie es mir zB bei Stephenie Meyers Bella andauernd ging. Das ist ihr hier mMn noch besser gelungen als bei der Edelsteinserie – so kann ich tatsächlich auch mit Liebesgeschichten und das Buch hat mir überraschend viel Spaß gemacht.

 

Jon Krakauer – In die Wildnis

Vor ein paar Jahren habe ich die Verfilmung der Geschichte von Christopher McCandless gesehen, der nach seinem Collegeabschluss sein komplettes Geld spendet, den Kontakt zu seiner Familie abbricht und sich auf Reisen durch die USA begibt, um schließlich nach fast 2 Jahren in die Wildnis Alaskas aufzubrechen, um dort eine Zeit lang völlig ausserhalb der Zivilisation zu verbringen. Chris – der sich selber Alexander Supertramp nennt – Abenteuer endet damit, dass vier Monate nach seinem Aufbruch in die Wildnis seine Leiche gefunden wird. McCandless war verhungert. Ich kann das hier aufschreiben, ohne zu spoilern, weil man diesen  Ausgang auch schon im Klappentext des Buches erfährt.

Als ich damals den Film, der auf Krakauers Buch beruht, gesehen habe, war ich hinterher für eine ganze Weile gleichermaßen verstört und auch fasziniert von diesem kompromisslosen Jungen und ich verschlang vieles, was ich über die Umstände im Netz finden konnte. Seitdem wollte ich auch unbedingt das Buch von Krakauer lesen.

Vom Buch war ich aber jetzt letztendlich enttäuscht. Ich hatte irrtümlicherweise angenommen, Krakauer hätte das Buch als eine Art Roman verfasst, weil auch der Film sehr chronologisch erzählend fortschreitet, doch es ist ein verworrener Mix aus zusammengetragenen Eindrücken Krakauers. Er hatte einige Menschen ausfindig gemacht, denen Chris auf seiner Reise, die in Alaska mündete, begegnet war, ausserdem ehemalige Klassenkameraden, Freunde, Familienmitglieder befragt und trägt eigentlich recht unsortiert eine Mischung dieser Eindrücke zusammen. Vieles davon sind auch nur seine persönlichen Eindrücke, die diese Menschen bei ihm hinterlassen haben. Dazwischen viele Zitate mehr oder weniger bekannter Naturromantiker und viel Rumvermute und Ruminterpretieren des Autors.

Als die Leiche Christopher McCandless im September 1992 gefunden wurde, veröffentlichte Jon Krakauer einen Artikel darüber. In der Folge erreichten ihn viele Zuschriften von Lesern, die überwiegend Kritik an McCandless enthielten, weil dieser mit an Dummheit grenzendem Leichtsinn ohne essentielle Ausrüstung in die Wildnis aufgebrochen war. Sein Buch liest sich für mich wie eine überwiegend unkritische Inschutznahme McCandless. Krakauer interpretiert und deutelt und nimmt an und erklärt. Und kurz vor Ende des Buches wird klar, weswegen er das tut. Er war als junger Mann, im ungefähr gleichen Alter, zu einer ungefähr genauso leichtsinnigen Tour aufgebrochen und nur mit Glück mit dem Leben davon gekommen.

Das Buch ist für mich vielleicht deswegen so schwer (be-)greifbar geblieben, weil ich diese Form überhaupt nicht zu greifen bekomme, diese Vermischung von tatsächlichen Begegnungen und die Romantisierung und Deutung Krakauers. Das ist wirklich schade. Ich vermute, Krakauer buhlt eigentlich mit dem Buch um Verständnis für Chris und weniger Strenge in der Betrachtung, bei mir erreicht er aber eher Widerstand statt Sympathie. Der ist aber eindeutig gegen den Autor gerichtet, nicht gegen McCandless und das ist für mich ein Problem, wenn der Autor selber so präsent ist in einem Buch über einen anderen.

Also: wer Interesse an der wirklich sehr berührenden und bewegenden Geschichte Chris McCandless hat, dem sei der Film ans Herz gelegt. Das Buch kann man sich mMn getrost sparen.

 

Thomas A. Harris – Ich bin o.k. Du bist o.k.

mit dem etwas längeren Untertitel: Wie wir uns selbst besser verstehen und unsere Einstellung zu anderen verändern können – Eine Einführung in die Transaktionsanalyse

Ich bin nach Lesen des Buchs ein bisschen hin- und hergerissen. Die Transaktionsanalyse finde ich überaus interessant und auch gut als recht einfach anwendbares Erklärungsmodell tauglich. Harris erklärt die in der Transaktionsanalyse verwendeten Grundbegriffe ‘Eltern-ich’, ‘Kindheits-ich’, ‘Erwachsenen-ich’ und auch die vier (ich glaube er nennt es) Grundzustände von denen ‘ich bin ok, du bist ok’ der angestrebte sein sollte. Er geht auf komplementäre und nicht-komplementäre Transaktionen ein. Das alles ist sehr interessant und leicht verständlich und ließe sich problemlos aus vielleicht einem Drittel des Buches als Essenz herausziehen. Alles darüber hinaus empfinde ich als deutlich unstrukturierter und zwar durchaus philosophisch, aber wenig greifbar und für mich weniger hilfreich. Dazu kommt, dass man dem Buch deutlich anmerkt, dass es in den 60er Jahren veröffentlicht wurde als zB Homosexualität in den USA noch psychiatrisch behandelt wurde und als das Milgram Experiment erst einige wenige Jahre her war.

Was mir deutlich fehlt ist ein umfangreicherer Teil der eine Einführung gibt, wie man die Transaktionsanalyse für sich alleine anwenden kann, ohne dass ein dahingehend geschulter Psychiater mitsamt Therapiegruppe im Stuhlkreis sitzt. Dafür hätte ich auf die umfangreichen philosophischen Betrachtungen der ausgehenden 60er Jahre gerne verzichtet.

Und jetzt gucke ich mal, ob’s da nicht irgendetwas Moderneres und Hilfreicheres zum Thema gibt, das mehr praktische Hilfe zur Anwendung enthält.

 

Eoin Colfer – Artemis Fowl (7), Der Atlantik-Komplex

Artemis Fowl ist eine meiner Lieblingsserien der letzten Jahre und ich bin jetzt schon ein bisschen traurig, weil ich nur noch einen Band vor mir habe.

In diesem Band ist Artemis am Atlantik-Komplex erkrankt, was zwischenzeitlich dafür sorgt, dass der ansonsten unterdrückte Teil seiner Persönlichkeit, sein Alter Ego Orion, das Ruder übernimmt und der ist auf einmal gar nicht mehr steif und förmlich und zurückhaltend, sondern schmachtet seine Elfenfreundin und ZUP-Commander Holly Short gewaltig an und zeigt, dass irgendein Teil von Artemis ja doch zugehört hat, wenn sein Leibwächter Butler dem kleinen Anzugträger wieder einmal sinnloserweise versucht hat, ein paar Kampfkniffe beizubringen. Ausserdem versucht der mittlerweile 15-jährige frühere Meisterdieb die Welt zu retten, wobei ihm natürlich wieder einmal ein gefährlicher Verbrecher der Unterirdischen in die Quere kommt.

Ich glaube, ich wiederhole mich, wenn ich sage, dass ich eigentlich kein Fantasyfan bin, aber diese wunderbare Welt der Unterirdischen, die Eoin Colfer in der Serie geschaffen hat, macht mir riesigen Spaß!

*

Übrigens: allen, die möglicherweise neugierig auf die Transaktionsanalyse geworden sind, sei jetzt schon mal lieber “Transaktionsanalyse – wie geht denn das?” von Ute Hagehülsmann ans Herz gelegt. Das hatte ich mir direkt nach Beenden des Harris zugelegt und bin erst zur Hälfte durch, aber Hagehülsmann ist zum einen viel moderner in den Begrifflichkeiten, Ideologien und Beispielen und lässt zum anderen all dieses nicht greifbare Geschwurbel weg, was mich bei Harris so gestört hat. Mehr darüber dann bei den Märzbüchern.

Katja

Schönes #09/15

*Zahnarztkontrolltermin samt PZR überstanden und jetzt wieder ein halbes Jahr Ruhe. \o/

*Das freundliche Lächeln und ‘ich wünsche einen schönen Tag’-Zurufen des Fremden im Supermarkteingang.

*Jemandem eine Freude gemacht.

*Der nächste Teil des Spanischkurses hat begonnen. Nummer 11 ist das jetzt und ich lerne die Sprache schon seit 5 Jahren und habe immer noch oder gerade erst recht, Spaß daran.

*Über eine Mail gefreut und über einen anschließenden Mailwechsel sehr gelacht.

*Im Sonnenschein am Rhein spaziert.

*Unterwegs gewesen, ein bisschen von Mannheim und speziell das Schloss angeschaut. Nachdem es die Woche vorher in Fulda so schön war, direkt wieder rausgegangen, um mal dem ewigen Drinnensitzen entgegenzuwirken.

*Orangen-Ingwer-Soße gekocht und direkt verliebt. Überhaupt viel Zeit mit Kochen zugebracht, viel Spaß dran gehabt, leckeren Kram zusammengebrutzelt.

Katja

Und nochmal/noch mehr Freude: Ralph, der letzte Woche in den Kommentaren so skeptisch war, ob sich in seiner Woche tatsächlich ein paar Sachen zum Freuen verstecken, hat es ausprobiert und mitgesammelt. Die wunderbarste Welt des Wissens sammelt hier Schönes!

(mehr Schönes)

 

Blickdicht

Ich mag es, im Erdgeschoss zu wohnen. Es ist supereinfach, hier die Einkäufe reinzuschleppen und die tolle Terrasse und den Garten haben wir auch nur, weil es die Erdgeschosswohnung ist.

Das was mir hier allerdings oft fehlt ist die Möglichkeit, den Blick in die Ferne schweifen zu lassen. Überall, wo ich früher gewohnt habe, hatte ich mindestens ein oder zwei Fenster, von denen aus man in die Weite blicken konnte. Mein Schreibtisch stand immer so, dass ich irgendwo in die grüne Weite schauen konnte. Hier ist das Freundlichste und Schönste, was ich vom Fenster aus sehen kann, die Terrasse und der Garten – da endet der Blick dann aber schon am Gartenzaun. Eine Richtung ist ganz schlimm, da gibt es nur eine große hässliche Halle vorm Fenster. Nirgendwo gibt es Weite und gerade, wenn ich am Schreibtisch sitze, fehlt es mir sehr, hochzuschauen und den Blick mit den Gedanken zusammen (aus-)schweifen zu lassen.

Deswegen mag ich das Foto so gerne, das sich ab jetzt und für den März im Header findet.

Ausblick. Weitblick. Fernblick.

Entstanden ist es im Mai 2012 im Odenwald, der zum Glück dicht genug ist, um gelegentlich dort von den Hügeln aus den Blick in die Ferne schweifen zu lassen. Sollte ich viel häufiger mal tun.

Katja

Deswegen…

(Letztens wurde ich ein paar Mal gefragt, weswegen bei der Wohnungssuche die richtige Rheinseite so wichtig sei.)

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…und weil die nächste Brücke rheinaufwärts* ca. 25 km, die nächste rheinabwärts* ca. 50 km entfernt ist.

Katja

[*Falls es ausser mir noch jemanden gibt, der Schwierigkeiten hat, sich die Bezeichnung der Fließrichtung von Flüssen zu merken. Mir half die Eselsbrücke, dass das Wasser von der Quelle herunter zur Mündung fließt. Aufwärts ist also immer gegen die Stromrichtung.]

Neulich am Rhein

Eigentlich war ich gestern schon viel zu spät zum Einkaufen unterwegs und innerlich wieder mal furchtbar gehetzt, aber dann habe ich es mir im letzten Moment doch noch anders überlegt, bin an meiner Ausfahrt des Kreisels vorbeigefahren und habe lieber doch noch diejenige genommen, die runter in die Stadt und zum Rhein führt. Man muss das ja gerade nutzen, wenn die Sonne rauskommt und der Himmel, zumindest in Teilen, blau ist.

Wenn ich jetzt aus dem Fenster schaue, wo es schon wieder vom dauergrauen Himmel seit morgens dauerregnet, war es gestern eine gute Entscheidung, ein paar Schritte am Wasser entlang zu machen.

(Klick macht groß)

Katja