Haftnotiz

Da ist dieser Termin, vor dem ich nicht erst seit Wochen sondern sogar schon seit Monaten Angst habe. Dann war er endlich da. Und ich krank. Und voller Angst und Unsicherheit, dass das jetzt zu einem noch größeren Problem werden könnte. Und dann war der Ersatztermin. Und ich immer noch krank. Zu viel Aufregung in den letzten Wochen, zu viel Anspannung, die dieses Mal nicht nur als *Ver*spannung in meinem Nacken landet, sondern auch als Entzündung im Magen und Darm. Zwieback, Kamillentee, Antibiotika, juchee!

Und jetzt warte ich schon wieder seit Wochen auf den Ersatztermin vom Ersatztermin vom Termin und dass ich keinen bekomme setzt mir noch mehr zu als es die Angst vorm Termin an sich könnte, weil herrje, ich will das jetzt endlich hinter mich bringen, will endlich wissen, was genau mich da überhaupt erwartet, wie schlimm es denn jetzt überhaupt wird.

Und dann gestern der Entschluss, jetzt selber tätig zu werden, mich aus der Ohnmacht des Wartens zu befreien, das Handy gepackt, tief durchgeatmet, nochmal tief durchgeatmet und nochmal und dann angerufen. Jetzt habe ich immer noch keinen neuen Ersatztermin, leider, aber schon zwei Dinge angesprochen, die wichtig sind. Immerhin. Und irgendwie fühlt sich das Warten jetzt ein bisschen anders an, nicht mehr ganz so ausgeliefert.

Selbstwirksamkeit. Ich kann viel häufiger selber etwas unternehmen als mir oft bewusst ist. Ommm. Daher hier wieder mal eine Haftnotiz für mich selber. Damit ich das hoffentlich irgendwann mal verinnerliche.

Ufff. Den Termin hätte ich trotzdem gerne bitte sehr zeitnah. Nicht nur aus Angstgründen.

Katja

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Prummedatschi

Wenn ich eines in den letzten Jahren auf Twitter gelernt habe, dann dass es vom Twittern eines Fotos von Pflaumenkuchen ungefähr 10 Minuten bis zum „Prummetaat!  😍“-Kommentar von Micha und dem „Zwetschgendatschi! 😍“-Kommentar von Armin dauert und natürlich auch, dass das die regionalen Vokabeln im Westen bzw. Süden der Republik sind.

Und weil ich unlängst jemandem versprochen hatte, mein Rezept für die Prummedatschi (und vielleicht nenne ich Pflaumenkuchen einfach ab jetzt immer so, als Hommage an die beiden Vokabelgeber 😅) aufzuschreiben, mache ich das direkt hier.

Meine beiden bisherigen diesjährigen waren beide mit Quark-Öl-Teig und Zimtstreuseln und das war ziemlich grandios.

Für 1 Blech dafür braucht man:

Für den Boden:

400 g Mehl
1 Tütchen Backpulver
125 ml Milch
125 ml neutrales Öl (ich nehme Rapsöl)
100 g Zucker
250 g Magerquark

Für den Belag:

ca. 1,5 kg Pflaumen

Für die Streusel:

300 g Mehl
150 g Zucker
2 Tütchen Vanillezucker
150 g weiche Butter
2 TL Zimt
(2 Handvoll grob gehackte Walnüsse – optional für mehr Crunch)

 

Und so geht’s:

Die Zutaten für den Quark-Öl-Teig zusammenkneten und auf dem gefetteten Backblech ausrollen und mit einer Gabel ein paar Mal einpieken. Die Pflaumen waschen, entsteinen und leicht einschneiden und ziegelartig überlappend auf dem Teig verteilen.

Die Zutaten für die Streusel mit der Hand zusammenkneten und über die Pflaumen streuseln.

Bei 200°C Ober-/Unterhitze für ca. 25 min backen.

 

 

That’s all.

Katja

It’s the little things

Die Nachbarn haben gestern in ihrem Garten die Musik aufgedreht und Schlagerkaraoke gemacht. Das war sehr schief und es war sehr laut und vor allem war es nach 23 Uhr und ich seit einer Weile im Bett, wo ich zu schlafen versucht habe.

Bei den Temperaturen geht das nur mit geöffneter Terrassentür und Ventilator auf der Terrasse, was bedeutet: kurz vor 23 Uhr ist es schwierig. Dass wir hier relativ flughafennah wohnen, merkt man kaum, außer im Sommer, abends kurz vor elf. Ab 23 Uhr gilt das Nachtflugverbot am FRA, kurz vorher werfen die – ähnlich dem großen Knallfinale bei einem Feuerwerk – nochmal alles in die Luft, was Flügel hat und da der Tag dann ansonsten schon recht leise ist, fällt das enorm auf.

Wenn ich zu der Zeit schon im Bett liege, dann weiss ich ohne Blick zur Uhr haargenau: jetzt ist kurz vor elf, gleich ist Ruhe.

Also eigentlich. Wenn nicht die Nachbarn dann anfangen, im Garten lauthals Schlager mitzusingen. Es läuft irgendwas, was ich nicht kenne, dann Nino de Angelos Jenseits von Eden, von dem ich wünschte, es nicht zu kennen, denn so macht natürlich mein Kopf, nicht das, was er soll – nämlich abschalten – sondern versucht krampfhaft, sich an den Text zu erinnern…wenn selbst der Kopf nicht mehr ruht, wann er soll, dann sind wir jenseits von Eden. Das. Ist. Nicht. Schön.

Und weil es so unschön war, den gleichen Song direkt nochmal und dann einen anderen und noch einen und ich ertappe mich bei dem Gedanken, ob es vielleicht doch ginge, die Terrassentür zu schließen, um wenigstens wegen der Hitze nicht schlafen zu können, was in Summe nicht besser, aber wenigstens nervenschonender wäre und dann macht mein Kopf was und das ist völlig neu und 3 min später stehe ich, mit vom Gras im Garten ganz nassen Füßen, vor den Nachbarn und bitte sie freundlich, die Musik etwas leiser zu drehen und die nicken ebenso freundlich und sagen, dass sie sie ganz ausschalten, weil: ist ja schon spät.

Ich schlurfe durch’s nasse Gras zurück und brauche dann tatsächlich immer noch eine Weile zum Einschlafen. Jetzt aber aus Freude und ein bisschen stolz darauf, dass ich meine eigenen Bedürfnisse inzwischen oft spüren kann und sie auch ernst nehme und sie mir zugestehe und dass mich nicht mehr ganz pauschal hinter allen anderen einordne. Das ist neu und es fühlt sich gut an.

Und während ich das dachte, war es himmlisch ruhig.

Katja

#aufdasLeben

Heute vor genau 11 Jahren habe ich meinen allerersten Blogeintrag geschrieben. Damals eigentlich quasi fast ganz sicher, dass es bei dem einen bleiben würde oder zumindest nicht mehr als zwei oder drei daraus werden könnten, denn mir fiele ja vermutlich dann eh nichts mehr ein, was ich noch aufschreiben könnte. Damit lag ich knapp daneben, denn obwohl ich in den letzten Jahren sehr viel weniger gebloggt habe als zwischendrin mal, sind es inzwischen 2.234 – mit diesem hier also 2.235 veröffentlichte Blogtexte. Und in all den Jahren und auch in all den Phasen, wo ich hier wenig geschrieben habe, war irgendwie immer noch klar, dass das hier, das Aufschreiben meiner oft schwurbeligen Gedankensprünge, mir immer wieder enorm gut tut und dass mein Blog irgendwie fest zu mir und meinem Leben gehört und auch wenn ich hier mal ruhiger war und oft ja noch bin, kam mir trotzdem nie der Gedanke, das Bloggen ganz sein zu lassen. Ganz im Gegenteil, eigentlich nehme ich mir andauernd vor, wieder regelmäßiger zu schreiben – eben weil es mir gut tut – aber dann grätscht mir in den letzten Monaten ziemlich oft mein Leben dazwischen und mir fehlt die Energie, mich auf’s in die Tastatur fließen einzulassen, stattdessen muss ich gerade häufig Realitätsflucht begehen, weil mein Kopf sonst komplett rund dreht.

11 Jahre in denen sich für mich sehr viel verändert hat. In denen ich mich selber sehr verändert habe. Vielleicht bin ich gerade deswegen so froh über diese kleine Konstante in meinem Leben – auch, weil es mir oft auch erst mal wieder vor Augen hält, wie groß meine Schritte inzwischen geworden sind.

Danke dafür, dass ihr immer noch da seid, hier immer noch mitlest. Ich sage seit Jahr und Tag, dass es in erster Linie das Aufschreiben für mich selber ist, was mir gut tut, aber dass ihr hier lest und so oft Anteil an meinem Leben habt, mir oft Resonanzboden für meine Gedanken seid, ist das Sahnehäubchen auf der Torte mit den 11 Kerzen.

Danke. Schmag euch. Sehr. ❤

 

Und trotzdem bleibt es immer gleich
Ich schlage auf und stell mir vor
Was wäre, wenn’s noch schlimmer wird
Den immer gleichen Satz im Ohr:
Dass Atmen sich wohl trotzdem lohnt
Das Schicksal niemals wen verschont
Die Straße ist nicht immer eben
Und gerad‘ deswegen: #aufdasLeben

Happy Blogsday, mein gar nicht mehr so Kleines! Dich mag ich auch sehr. Immer noch.

Katja

#ausGründen

Katja

Die Sache mit dem Aushalten

Die andere Sache, die mir seit ein paar Tagen wieder dauernd im Kopf rumgeht, ist das mit dem Aushalten. Und wo ich gerade so versuche, zu greifen zu bekommen, wieso das derzeit so dermaßen präsent im Kopf ist, fällt mir auf, dass es vielleicht daran liegt, dass ich gerade so große Angst davor habe, in eine Lage zu geraten, in der es mir nicht gut geht/die mir nicht gut tut und wie ich dann aus meiner üblichen Falle des Aushaltens rauskommen kann.

_Die_ Situation aus der Klinik im letzten Frühjahr (der ‚bösen‘ Klinik, in der es mir so schlecht ging), die ich vermutlich nie im Leben vergessen werde ist eine, irgendwann am Ende der zweiten oder Anfang der dritten Klinikwoche. Tagelang brennt sich ein „das müssen Sie jetzt mal aushalten“ ums andere „vielleicht müssen Sie das jetzt eben einfach mal aushalten“ und es sind wechselnde Dinge, um die es geht und wechselnde Menschen, die mir das sagen und ich höre es nicht zwei Mal sondern vermutlich ein Dutzend mal innerhalb weniger Tage und in mir hallt das Aushalten-Aushalten-Aushalten und irgendwann bei einem Spaziergang durch den Klinikpark, der eher ein Gewaltmarsch ist, bei dem die Schritte immer zorniger werden und das Rauschen in den Ohren immer lauter wird, kommt der Schmerz hoch über so viel Aushalten müssen. Meine Kindheit. Aushalten müssen. Immer aushalten müssen. Und bloß dabei leise bleiben. Still aushalten. Nur nichts sagen. Nicht rühren. Sonst wird das, was es auszuhalten gilt immer nur noch schlimmer. Und dann bin ich irgendwann zurück in der Klinik, begegne meinem Bezugspfleger auf dem Flur. Wir wechseln ein paar Worte, er fragt mich etwas, ich antworte irgendwas, wo es darum geht, dass es mir nicht gut geht und dann höre ich wieder die Worte „müssen Sie aushalten“ und das ist der letzte Tropfen der noch fehlt und ich stemme die Hände in die Hüften und stampfe wie ein zorniges Kind mit den Füßen auf und brülle aus Leibeskräften „ICH HAB DIE SCHNAUZE SO VOLL! ICH HAB IN MEINEM GANZEN VERSCHISSENEN LEBEN IMMER NUR AUSHALTEN MÜSSEN. ICH WILL NICHT MEHR! WENN MIR HIER HEUTE NOCH EINMAL WER SAGT, DASS ICH IRGENDWAS AUSHALTEN MUSS – DEM HAUE ICH AUF’S MAUL!!!!111elf“.

Retrospektiv war das vermutlich das Beste, was in dieser Klinik tatsächlich passiert ist, denn es war natürlich nicht die Wut, die dorthin gehörte – zumindest nicht nur diese – sondern die Wut meiner Kindheit, die ich vorher noch nie fühlen konnte und die Tatsache, dass ich nach dem Klinikaufenthalt mit dem besten Therapeuten an der Stelle angeknüpft habe, war das, wieso es am Ende – zumindest auch – etwas Gutes bewirkt hat. (Und wie verflucht unfähig die in dieser Drecksklinik waren, zeigt sich unter anderem daran, dass sie zwar jeden Mumpf protokolliert haben, den sie aus Privatgesprächen unter Patienten belauscht haben und dich mit jedem Mist konfrontiert haben, aber daran hat dort niemand mit mir gearbeitet, das hat niemand aufgegriffen, daran angeknüpft.)

Und doch weiß ich immer noch nicht so genau wie das geht, dieses Nicht-Aushalten und Nicht-Aushalten-Müssen, denn in den seltensten Fällen passiert es ja wirklich, dass man direkt mit dem „das musst du aushalten“ von außen konfrontiert wird. Die Gefahr, dass ich in einer Lage lande, in der es mir nicht gut geht und dass ich dann darin verharre und aushalte, weil mir das Bewusstsein fehlt, dass ich etwas an der Situation ändern kann, dass ich etwas ändern darf, dass ich nicht aushalten muss, das ist die viel größere. Nicht zu bemerken, dass ich Dinge aushalte, die mir nicht gut tun, das macht mir gerade große Angst. Und vielleicht wird die ein bisschen kleiner durch’s Aufschreiben. Vielleicht (hoffentlich?) bin ich ja ein bisschen besser gewappnet, wenn ich mich mit dem Thema beschäftige, über’s Aushalten/Nicht-Aushalten-Müssen nachdenke.

Hoffentlich.

Katja

Über Eswäresoschönwenns und Tränen

Der Anruf, den ich am Freitag hinter mich bringen wollte und den ich jetzt aber, weil die Gesprächspartnerin nicht erreichbar war, erst frühestens am Dienstag erledigen kann, lässt mich das ganze Wochenende über nicht wirklich zur Ruhe kommen. Zu viel hängt da gerade dran und zu dem ganzen großen Vielen auch noch eine kleine zarte Hoffnung und ich glaube mehr noch als das große Dings ist es dieser Teil, weswegen ich das Gespräch so fürchte. Und das, das mich nächsten Freitag – dann aber ganz in echt und ohne Telefon – erwartet, auch. Dieses Eswäresoschönwenn, das ich mich noch nicht weiter oder zu Ende zu denken traue, das ich aber auch nicht ruhig bekomme, weil ich ahne, wie groß meine Enttäuschung sein wird, wenn aus dem Eswäresoschönwenn ein Neegehtnicht werden wird und wie sich das auch auf den ganzen Rest auswirken könnte. Und so schlucke ich’s dauernd wieder runter oder versuche das zumindest, auch wenn es nicht wirklich gelingt und die glühenden Kohlen, auf denen ich sitze, werden jeden Tag ein bisschen heißer.

Einatmen. Ausatmen. Morgen noch abwarten, Dienstag dann der erste/nächste Schritt. Bis dahin das Atmen nicht vergessen. Ein. Und aus. Und gleich nochmal. Und dann merke ich, wie sehr mir der beste Therapeut fehlt und wie gut mir sein immer wohlwollender Umgang getan hat. Und dann fällt mir wieder das Video ein, das @net_marie mir nach meiner letzten Therapiesitzung dort verlinkt hatte und jetzt sitze ich gerade heulend vorm Monitor, weil es mich auch beim 3. Anschauen und mit Wochen Abstand wieder völlig zerlegt, was diese empathische Frau auf der Bühne erzählt.

Katja