Hmpfngrmbl. (Heute nicht.)

Und dann, unter der Dusche, wenn das Gesicht eh schon mal nass ist, dann hat sich das wenigstens gelohnt, bricht das ganze Elend wieder aus dir heraus, rinnt dir der Schmerz in heißen Tränen über die Wangen und du verstehst wieder mal nicht, was der Auslöser ist, ging doch jetzt tagelang alles gut und es dir mit steigenden Sonnenstunden pro Tag und zunehmender Farbe und Blütenpracht in der Natur auch endlich besser, aber dann kommt dieser eine Gedanke und alles verschwimmt.

Und dann zählst du stumm bis 10. Atmest ein. Atmest aus. Und nochmal von vorn. Drehst das Wasser ab. Trocknest dir das Gesicht ab. Nimmst die Schultern zurück. Und machst weiter.

Again and again and again. Bitte gehen Sie weiter. Es gibt hier nichts zu sehen.

Katja

Tag 44/44

Manchmal stelle ich mir vor, dass jeder Mensch, dem man im Leben begegnet, eine (oder auch mehrere) Seiten im Buch des eigenen Lebens füllt. Manche Seiten sind dicht mit Text in einer unleserlichen Schrift beschrieben und offenbaren ihren Inhalt nur bruchstückhaft. Manche sind spärlich beschrieben, manche voller Poesie. Bei manchen Seiten ist die Schrift verschmiert und das Papier ist aufgeweicht – von den vielen Tränen die darauf gefallen sind. Manche enthalten die Noten eines Musikstücks. Manche Seiten scheinen aus Thermopapier zu sein, erst ganz deutlich erkennbar und präsent, aber nach einer kurzen Weile verblasst die Schrift völlig, als wäre sie nie da gewesen. Manche Seiten sind voller Tintenkleckse, manche voller Tipp-Ex-Spuren. Manche einfarbig, andere leuchten in bunten Farben. Manche rascheln, so dass man meinen könnte, das Meer rauscht.  Und dann gibt es noch ein paar Seiten mit Regenbögen, gefüllt von Menschen, die gleichermaßen Sonne wie Dunkelheit und Tränen ins Leben bringen.

Und manchmal frage ich mich, wie wohl meine Seite im Buch anderer Leben aussehen würde.

Katja

Tag 31/44

Sich langsam aus einer depressiven Episode rauszukämpfen ist ein bisschen vergleichbar mit dem erwachenden Frühling. Man sieht langsam wieder Sonnenstrahlen, fühlt die Wärme und das Licht. Die Welt um einen herum (und auch in einem drin) wird langsam wieder bunter, das Grau in Grau des Himmels bekommt immer häufiger Wolkenlücken, durch die der blaue Himmel durchscheint. An manchen Tagen ist er ganz klar und knalleblau oder hat nur ein paar einzelne Wölkchen. Überall sprießen kleine Triebe und die ersten Blümchen blühen. Morgens nach dem Aufstehen, wird der Nebel jeden Tag ein bisschen lichter und weniger dicht. Die ersten Vögel kommen wieder aus dem Süden zurück und zwitschern am Morgen.

Und dann gibt es diese Rückschläge. Aus heiterem Himmel (sogar im Wortsinne) ziehen sich dicke graue Wolken zusammen. Es schüttet in Strömen, manchmal schlägt einem sogar wieder ungemütlicher Schneeregen ins Gesicht. Aber das hält nicht so lange an. Ein paar Stunden, höchstens ein paar Tage, dann ist der Spuk wieder vorbei. Der Himmel ist wieder blau, die Sonne wärmt das Gesicht.

Und dann frage ich mich, ob es Zufall ist, dass es mir jedes Jahr im Frühling wieder deutlich besser geht. Ob nicht nur die Welt da draußen diesen Jahreszeiten unterliegt, sondern die auch in mir drinnen irgendwie stattfinden. Dann bin ich eindeutig ein Frühlingsmädchen, ein Sommerkind – und froh, das beides gerade noch vor mir liegt.

Katja

Tag 30/44

Wie ich mich manchmal beim Anblick von Wassertropfen frage, ob es wohl möglich ist, dass ich genau dem gleichen Tropfen – oder kleiner gedacht: einem der enthaltenen Wassermoleküle – schon mal an anderem Orte begegnet bin. Vielleicht war das dritte Molekül von oben rechts im zweiten Tropfen von links eines, das mir im letzten Sommer beim Platzregen, in den ich geraten bin, auf die Nase geregnet ist. Oder – was noch schöner wäre – wir sind uns vor Jahren in Spanien am Strand begegnet und es war damals Teil einer Atlantikwelle (natürlich der schönsten!), die meine Füße beim Strandspaziergang umspült hat.

Und vielleicht bist du ihm ja auch schon mal begegnet. Ich wette, es hat deine Zehen durchgeweicht als du zum letzten Mal versehentlich in eine große Pfütze getreten bist, das sieht man ihm doch an, dem kleinen Schlingel. 🤭

Katja

Tag 18/44

Es gibt ja Leute, die haben Mauern um ihre Herzen errichtet, gut befestigt, manche sogar mit Wach- und/oder Wehrtürmen in regelmäßigen Abständen. Bei meinem denke ich oft, dass es von einer semipermeablen Membran begrenzt ist, was einer der etwa 3 Fachbegriffe ist, die bei mir aus dem Biologieunterricht überhaupt hängen geblieben sind, weil ich das Wort semipermeabel so schön finde, damals schon so schön fand als ich es zum ersten Mal gehört habe. Halbdurchlässig. Rein geht alles zack zack, raus kommt so gut wie nichts mehr, was erst mal drin ist. Oder wer erst mal drin ist. Das ist es ja, was dann so oft Leid verursacht, dieses wieder loslassen müssen und eben oft auch dann nicht können, selbst, wenn ich es eigentlich will und nicht nur muss oder müsste. Da ist dann diese Barriere, dieses nur Halbdurchlässige, nur in die Reinrichtung. Ist ja auch genügend Platz drin, groß genug ist es ja mein Herz. Vielleicht sollte ich mal über die Einrichtung einer herzinternen Rumpelkammer nachdenken, wo ich das verstauen kann, was nicht wieder rausgeht. Oder wer. Damit ich nicht dauernd darüber stolpere und damit auch über meine eigene Unfähigkeit des Ausmisten, Aufräumens, Loslassens. In Herzensangelegenheiten zumindest. In der Küche oder im Kleiderschrank klappt das deutlich besser. Ein Riegel muss natürlich an diese Rumpelkammertür, damit der Kram auch drinnen bleibt und nicht mir nix dir nix wieder rausmarschiert. Rumpelkammertür auf, Dings rein, Tür zu, Riegel vor. Und dann erst mal schweissgebadet von außen dagegenlehnen und durchatmen. Und dann langsam rückwärts von der Tür wegbewegen und hoffen, dass man so erst mal davon kommt. Dass das herzinterne aus-den-Augen-aus-dem-Sinn irgendwie funktioniert. Das wär’s.

Katja

Tag 12/44

Spaziergangsscherbengedanken.

Wie faszinierend sich das Sonnenlicht in Glasscherben bricht und alles zum Glitzernd und Funkeln bringt und manchmal frage ich mich, ob es bei Menschen nicht genauso ist – wenigstens von außen betrachtet – ob manche nicht gerade deswegen so leuchtend und glitzernd und funkelnd wirken, weil sie eigentlich irgendwie zerbrochen sind und da keine glatte Oberfläche ist, die das Licht gar nicht so schön brechen könnte. Irgendwie ist der Gedanke gerade tröstlich, weil er immerhin die Möglichkeit beinhaltet, selber irgendwie glitzern oder funkeln zu können mit all der eigenen Kaputtheit und Zerbrochenheit.

Freundlichkeitsüberwältigungsgedanken.

Ansonsten fühle ich mich gerade von einer unglaublichen Welle an Freundlichkeit und Großzügigkeit und Wertschätzung überrollt, die mich ein bisschen den Boden unter den Füßen verlieren und erst mal hilflos mit den Armen paddeln lässt. Das ist zugleich großartig und ein wenig beängstigend, weil es mich, nach einem spontanen Gedanken, ziemlich unerwartet in dieser Wucht getroffen hat und ich muss wieder mal daran denken, wie viel leichter es mir doch fällt, Negatives anzunehmen und zu glauben als so überaus Positives. Bei Komplimenten übe ich das immerhin seit einiger Zeit, sie nicht sofort zurückzuweisen oder zu relativieren sondern mich dafür zu bedanken – auch wenn sich das immer noch falsch anfühlt und ein Teil von mir nur darauf wartet, dass das Gegenüber doch noch merkt, dass es ein Irrtum war. Das jetzt ist nochmal eine andere Hausnummer und wird mich noch ein bisschen beschäftigen. Ufff.

Kartoffelsuppenvorfreudegedanken.

Auf dem Herd steht ein großer Topf Soulfood und jedes Mal, wenn ich die Suppe koche – was diesen Winter über recht häufig war – muss ich grinsend an meine Freundin Svü denken, der ich vor etlichen Jahren den Rezeptlink hier im Blog gab und bei der die Suppe nur das Grinsen am Topfboden heisst. Deswegen übrigens https://wawuschel.wordpress.com/2013/02/26/als-ich-einmal-an-einem-dienstag-ein-breites-grinsen-am-boden-eines-grosen-topfes-fand/
und vielleicht sollte ich doch wieder anfangen, meinen Rezepteinträgen hier merkwürdige Titel zu geben, die zwar nichts mit dem eigentlichen Rezept zu tun haben, dafür aber dafür sorgen, dass das Essen bei euch dann auf ewig lustige Namen hat. 😀

Katja

Tag 5/44

Wenn man wochenlang keine richtige Antwort auf die Frage „wie geht’s dir?“ findet und vor allem gar nicht so genau drüber nachdenken möchte, was da gerade bei einem los ist und warum es einem seit Wochen ganz schön besch…eiden geht, ist es natürlich ganz schön dumm ambitioniert, sich vorzunehmen, wieder täglich zu bloggen. Vor allem, wenn man so’ne Befindlichkeitsbloggerin ist, die ihr Blog meist genau dafür nutzt – nach innen zu gucken und nachzuspüren, wie es ihr gerade geht und was da gerade so bei ihr los ist. Aber nun gut! Da müssen wir jetzt alle irgendwie durch (naja ich zumindest muss, ihr dürft/könnt/wasauchimmertfallsihrmöchtet) und vielleicht ist es ja auch langsam an der Zeit, wieder aufzuhören, den Kopf nur in den Sand stecken zu wollen. Immerhin kommt die Sonne auch endlich (! – ich möchte hier eigentlich ein Dutzend Ausrufezeichen in die Klammer setzen, aber beschränke mich auf eines) wieder zwischen den Wolken zum Vorschein und beendet das dauergraue, dauertrübe Elend da draußen. Ich mache hoffentlich mit und beende das dauergraue, dauertrübe Elend in mir drinnen auch endlich wieder und werde von innen wieder so bunt, wie ich an den Fingern, in den Haaren und im Gesicht in der letzten Zeit andauernd war – gemalt hab ich nämlich in den letzten Wochen wirklich mehr denn je. (Falls ihr hier das noch gar nicht mitbekommen habt – ich zeige meine #Küchentischkunst ja immer nur auf Twitter – und mal gucken wollt, bitte hier entlang: https://www.instagram.com/illuminista/ 

Katja