Say Cheese.

Seit Tagen den Editor offen, so so viel im Kopf, im Bauch, im Herzen, was gleichermaßen nach außen drängt und dringend, ganz klein zusammengerollt, innen drin bleiben will. Gedanken, wie flüchtige Schlieren von Milch, die auf Kaffee trifft und sich direkt im nächsten Moment alles durcheinanderwirbelnd vermischt, deren Spuren sich verflüchtigen, nicht mehr nachverfolgbar und erst recht nicht greifbar sind. Aufruhr, dessen Infragestellungsfragen so überriesengroß und furchteinflößend sind, dass der Nacken vom zu-ihnen-Aufschauen sicher weh tun würde, wenn die Angst davor nicht so allumfassend dafür sorgen würde, dass der Kopf kaum zwischen den Schultern rausgucken kann, während der Blick ins Leere gleitet, wechselt sich ab, mit ungläubig zaghaft fragendem Gibtsdaswirklichstaunen. Dazwischen die Erwachsene, erstaunlicherweise oft bei sich bleibend, verschwestert, gestärkt und manchmal den Selbsthass wie eine alte und zu groß gewordene Schlangenhaut abstreifend, trotzig ‚Hier, das bin ICH‘ sagend, manchmal (selten, aber immerhin) das ‚und das ist ganz ok so‘ denkend und die Kleine, gebeutelt, verletzt, so viel sinnlos und unmöglich ersehnend, im ewig erscheinenden Pingpong hin- und hergeworfen zwischen viel zu großen Gefühlen und Gedanken.

Seit Tagen den Editor offen und dann geht doch nicht mehr als diese kryptische Bestandsaufnahme des Moments, der nicht nur den aktuellen Moment, sondern den im weiter gefassten Sinne erfasst. Bestandsaufnahme. Aufnahme. Achtung Aufnahme. Jetzt bitte lächeln. Say ‚Gibtsdaswirklich‘ oder ‚Cheese‘. Und Klick.

Katja

 

Eine uralte südhessische Weisheit, die ich gerade erfunden habe, besagt: fällt dir nach 5 Minuten kein Titel ein, schreib eben einfach irgendwas in das Feld.

So viele Gedanken im Kopf und doch komme ich derzeit so selten dazu, sie hier festzuhalten.

Leben passiert gerade in einer rasanten Geschwindigkeit – außen und auch innen und vielleicht ist es daher nicht mal ein Wunder, dass mir gerade andauernd schwindlig ist. Da ist so viel Denken, bei dem ich mit dem Fühlen nicht hinterherkomme und so viel Fühlen, bei dem ich mit dem Denken nicht hinterherkomme und ich mittendrin. Aber ausnahmsweise mal nicht zerfasert und zerrissen, sondern irgendwie ganz. Ganz anders und ganz ungewohnt und wirklich irgendwie ganz in diesem eigentlichen ganzen Wortsinne. Wenig (hinter-)fragend, mehr hinspürend, hinguckend.

Hinguckend auch immer wieder mal im Draußen. Wenn es denn mal schön und trocken genug für das Draußen ist. Draußenbeute von letztens, denn für manches fehlt mir nicht nur die Zeit, sondern gerade auch die Worte*. Deswegen Bilder. (Klick macht groß.)

 

Katja

(*Aber fände ich sie, wären es gerade gute.)

Augenblick.

Dieser Moment, wenn der Sturm ein bisschen abflacht, der Regen nachlässt. Wenn zwar überall Blätter durch die Straßen fegen und kleine Äste rumliegen, weil noch niemand sie weg- und aufgeräumt hat, aber erst mal, wenigstens im Augenblick, keine neuen mehr runterfallen. Wenn die Luft ganz klar ist und frisch und noch nach Regen riecht. Wenn die grauen Sturmwolken erste Lücken bekommen, durch die Sonnenstrahlen gleißend einfallen und im Kontrast zum Grau, ein surreales Zwielicht entsteht. Wenn alles – für einen Augenblick nur – anhält. Ruhig. Klar. Durchatmen. Nur für einen Augenblick.

Dieser Moment. Aber in einem drinnen.

Katja

Momentbestandsaufnahme

Dann bist du krank und zwei Tage geht gar nichts und der Kopf ist wie mit Watte gefüllt und die Welt rundum dumpf und obwohl dich das ganze Kranksein – schon wieder Kranksein – nervt, bist du doch ganz froh über die Watte im Kopf und die Ruhe, die daraus entsteht, denn da wo viel Watte ist, ist kein Platz für allzu viele Gedanken. Da können sie überhaupt nicht ausholen und kreiselnkreiselnkreiseln und noch eine Schleife und sich verheddern und aufundab und dich dabei mitreißen. Zwei Tage Ruhe, zwei Nächte mit immerhin einigermaßen ausreichend Schlaf und dann ist diese ganze Krankseinfunktionsshice so ins System integriert, dass das Grübeln, einfach so, wieder nebenbei funktioniert und da ist zwar immer noch Watte im Kopf, aber die Zweifel drücken sie immer fester zusammen, nehmen immer mehr Raum ein, machen sich breit, kreiselnkreiseln und von vorne. Zu viele offene Baustellen auf einmal und du kommst nicht mehr hinterher beim Sortieren und Einordnen.

Und dann ist da so viel Traurigkeit in den letzten Tagen und Wochen und immerhin davon weißt du mittlerweile, was es mit ihr auf sich hat oder hast zumindest eine ziemlich starke Ahnung darüber, weißt, dass sie zwar im Jetzt getriggert und ausgelöst wird, aber eigentlich so weit in die Vergangenheit gehört, wie du überhaupt nur denken kannst. Du schaffst es zum ersten Mal, dir diese alte Sache überhaupt anzuschauen, nicht wegzuzucken, sie nicht wegzuschieben, sondern die Gefühle zuzulassen und den uralten Schmerz und das, wo er herkommt, zu betrachten, die Verzweiflung und Not zu spüren und das kostet Kraft und ist unendlich anstrengend, aber trotzdem ist da auch so etwas wie Hoffnung in dir, dass dir das Loslassen vielleicht doch irgendwann noch gelingen wird…

Katja

Vanille

Was siehst du, wenn du die Augen schließt? Wovor hast du Angst? Stadt oder Land? Träumst du in Bildern oder in Worten? Würdest du manchmal die Zeit gerne zurück drehen? Oder vor? Magst du die Stille? Glaubst du, man hat immer eine Wahl? Blau oder grün? Oder lieber türkis? Ganz was anderes? Sommer oder Winter? Was hast du dir zuletzt gekauft? Welche Farben haben die Socken, die du gerade trägst? Wann hast du zuletzt geweint? Und gelacht? Worüber? Tee oder Kaffee? Mit Milch? Hast du eine Lieblingszahl? Was war heute Morgen dein erster Gedanke? Was würdest du gerne können, wenn du es mit einem Fingerschnippen erlernen könntest? Sind noch Kekse da? Wer ist dein*e Held*in? Wo wärst du jetzt gerne? Welches ist deine Lieblingsfarbe? Kannst du dich leicht von Dingen trennen? Und von Menschen? Magst du den Duft von Sommerregen auf Asphalt? Oder lieber jenen im Wald? Beides? Wein oder Bier? Gar kein Alkohol? Wohin bist du zuletzt gereist? Möchtest du noch einmal dort hin? Warum? Was hast du gestern Abend gegessen? Bist du gerne alleine? Oder lieber unter Menschen? Welches Buch hat dich zuletzt beeindruckt? Weinst du manchmal bei Büchern oder Filmen? Kannst du dich selber gut leiden? Ab jetzt für immer nur noch eine Eissorte – welche?

Katja

*macht Lebensaufräumgeräusche*

Dann, irgendwann, Monate später, bekommt der Text doch noch seine Widmung und seinen Adressaten und die immer wieder aufreißende Wunde in mir, vielleicht endlich die Ruhe, die sie zum Heilen braucht.

Aus Gründen des Selbst/-schutzes und/oder des auf-mich-selber-Achtgebens an einigen Stellen Grenzen zu ziehen, an anderen Hürden einzurennen, ist noch neu und ich bin noch nicht so sicher, was da gerade in mir und mit mir passiert. Bei aller Verwirrung und Überforderung, ist da auch eine ganz neue Klarheit und furchtbar viel Energie und Mut, die mich andauernd selber überraschen und von denen ich gar nicht weiß, wo zur Hölle die gerade herkommen. Same same but very different. Und so wie mein Draußen auf einmal in viel mehr Bewegung ist, scheint es auch in mir zu sein. Ein bisschen ist das wie beim Aufräumen, wo mir auch äußeres Wohnungaufräumen so oft hilft, in meinem Kopf mehr Klarheit zu finden.

„Bleiben Sie bei sich selber“ hallt die Stimme des Therapeuten immer wieder in meinem Kopf und ersetzt oder übertönt zumindest so manches Mal jene Stimme, die mir einredet, wertlos zu sein.

Bleiben Sie bei sich. Und vielleicht ist es genau das, woher auf einmal der Mut und die Energie kommen. Vielleicht mache ich genau das gerade zum ersten Mal im Leben wirklich.

Es bleibt spannend! Bleiben Sie dran!

Katja

(Danke an die, die mir gerade dauernd stellvertretend für mich selber auf der Schulter rumhaut, weil ich das (noch) nicht kann. ❤ )

Mist.das.

Es ist kompliziert, dass da immer noch so viele Dinge vor mir rumliegen, die mir gerade so viel Mut abverlangen und/oder zumindest irgendwie eine bewusste Entscheidung, weil sie sich sonst auf ewig und in schwindelnde Höhe gestapelt vor mir aufbauen. Dieses gedankliche Nicht-Loslassen-Können, wenn sich ein Gedanke erst mal im Kopf geformt hat, macht mich fertig. Dass es kein echtes Beiseitelegen gibt, kein Abschieben, kein Wegpacken. Das alles ist andauernd da und wieder da und wieder. Es kreiselt tagsüber und lässt mich aktuell auch nachts wieder mal nicht schlafen. Keine Ruhe für den Kopf und sie wäre doch so dringend nötig.

Normalerweise ist Bloggen für solche Dinge DAS Mittel meiner Wahl, aber selbst das geht gerade nicht richtig. Obwohl ich hier seit Jahren immer wieder Seelenstriptease betreibe, ist die innere Zensur gerade zu groß und ich weiß (noch) nicht recht, wie ich damit umgehen soll. Mauern einreißen? Da fehlt mir gerade auch der Mut. Und es türmt sich direkt noch eine weitere Sache drauf auf’s Gedankenkarussel. Immer wieder dabei sein, immer wieder mitmachen, die nächste Fahrt geht rückwärts!

Noch vertrackter ist das gerade Nicht-Frei-Schreiben-Können bei den guten Dingen. Dass mir für einiges, was mich da bewegt, gerade auch der Ort fehlt, um es festzuhalten, der Ort, von dem ich es später wieder rauskramen kann, um mich irgendwann zu erinnern, wie diese Phase – in der sich gerade so viel ändert – gewesen ist. Das ist großer Mist. Wie gut mir der Blick in die Vergangenheit tut, merke ich gerade tatsächlich oft am vielleicht für mich spannendsten Feature von Facebook, der „An diesem Tag“-Funktion, die mich oft in alte Blogeinträge katapultiert und mir bewusst macht, wo ich immer noch nach den gleichen losen Fäden suche und wo ich schon deutlich weiter beim Entwirren bin.

Es ist gut und wichtig für mich, diese Gedanken zu sammeln, da muss ich mir wirklich (bald) etwas einfallen lassen. Wenn ich das nicht mache, nicht (auf)schreibe und das alles ohne Ventil im Kopf bleibt, wird der Druck immer größer und wie schnell das in heftigen Stimmungsschwankungen mündet und wie oft ich mich gerade wieder im Fall (be)finde, macht mir gerade ziemliche Angst.

Ich merke zwar, dass ich es bisher auch irgendwie immer noch schaffe, das Ruder wieder rumzureißen und den Fall aufzuhalten, aber das Eis kommt mir jeden Tag ein bisschen dünner vor…

Katja