Blog like nobody’s reading

So! Das kann man ja auch gar nicht oft genug sagen, vor allem nicht mit dieser speziellen „So!“-Betonung, wo man das Ausrufezeichen so deutlich mithört, sogar ohne dass man es laut aussprechen muss, es klingt quasi auch ohne Lautstärke mit Nachdruck im Kopf.

So! 13 also und schon wieder ein Jahr rum, in dem ich häufiger den Gedanken „ich müsste dringend wieder mal ein paar Gedanken ins Blog kritzeln“ gedacht habe als es dann auch tatsächlich gemacht zu haben. Zu viel um die Ohren, zu viel im Außen, zu viel von vielem und auch von guten Dingen, aber zu wenig Zeit und vor allem Muße und oft scheitert es schon an so banalen Dingen, wie der Tatsache, dass ich meinen Rechner nur noch selten überhaupt anschalte, weil ich die meisten Sachen inzwischen mit dem Handy mache, nur das Bloggen eben nicht, weil ich zum „in die Tasten denken“ eben immer noch das vertraute Gefühl der Tasten unter den Fingern brauche und zack, dann klappt das mit dem gedanklichen Mäandern auch direkt wieder, so wie jetzt zum Beispiel und das ist immerhin eine sehr beruhigende Erkenntnis. Ich könnte immer noch jederzeit, wenn ich denn wollte, aber ich nehme mir jetzt nicht zum x-ten Mal vor in Zukunft gefälligst wieder mehr zu wollen, weil – auf das Problem bin ich vor einer Weile schon gestoßen – wollen hat nunmal keinen Imperativ. Und man kann niemanden und auch nicht sich selber dazu zwingen, irgendetwas zu wollen, auch nicht häufiger zu bloggen. Obwohl man das ja *eigentlich* sogar will, aber da ist es wieder dieses böse Wort, dieses *eigentlich*, was so häufig irgendwo im Weg rumsteht, obwohl es das ja eigentlich gar nicht will. Und auch hier das ist, wie vermutlich bei allen Dingen im (erwachsenen) Leben, wohl eine Frage von Prioritäten. Man hat ja quasi nie die Zeit oder Gelegenheit für irgendwas – außer man nimmt sie sich.

Beruhigend, dass mein Blog keinerlei Beleidigungstendenzen zeigt, wenn es wieder mal ein Jahr lang zu kurz gekommen ist in meiner Prioritätenliste, womit ich meine Zeit zubringe. Schön, dass es mir trotzdem nach all den – heute genau 13! – Jahren trotzdem immer noch vertrauter Ort und virtuelle Heimat ist. Immerhin die emotionale Bindung ist noch völlig intakt und wir haben zwar gerade nicht so viel schreibenden Kontakt, aber das ändert nichts an der Liebe.

Happy Blogsday, mein Kleines! Schön, dass es dich gibt und schöne Grüße an alle, die hier teilweise schon fast so lange oder vielleicht auch zufällig erst seit gestern mitlesen. Auch schön, dass es euch gibt und dass ihr das Netz und auch mein Blog oft zu einem freundlicheren, wohnlicheren Ort macht.

Und jetzt die Partyhüte aufgesetzt! \o/

Katja

Hmpfngrmbl. (Heute nicht.)

Und dann, unter der Dusche, wenn das Gesicht eh schon mal nass ist, dann hat sich das wenigstens gelohnt, bricht das ganze Elend wieder aus dir heraus, rinnt dir der Schmerz in heißen Tränen über die Wangen und du verstehst wieder mal nicht, was der Auslöser ist, ging doch jetzt tagelang alles gut und es dir mit steigenden Sonnenstunden pro Tag und zunehmender Farbe und Blütenpracht in der Natur auch endlich besser, aber dann kommt dieser eine Gedanke und alles verschwimmt.

Und dann zählst du stumm bis 10. Atmest ein. Atmest aus. Und nochmal von vorn. Drehst das Wasser ab. Trocknest dir das Gesicht ab. Nimmst die Schultern zurück. Und machst weiter.

Again and again and again. Bitte gehen Sie weiter. Es gibt hier nichts zu sehen.

Katja

Tag 44/44

Manchmal stelle ich mir vor, dass jeder Mensch, dem man im Leben begegnet, eine (oder auch mehrere) Seiten im Buch des eigenen Lebens füllt. Manche Seiten sind dicht mit Text in einer unleserlichen Schrift beschrieben und offenbaren ihren Inhalt nur bruchstückhaft. Manche sind spärlich beschrieben, manche voller Poesie. Bei manchen Seiten ist die Schrift verschmiert und das Papier ist aufgeweicht – von den vielen Tränen die darauf gefallen sind. Manche enthalten die Noten eines Musikstücks. Manche Seiten scheinen aus Thermopapier zu sein, erst ganz deutlich erkennbar und präsent, aber nach einer kurzen Weile verblasst die Schrift völlig, als wäre sie nie da gewesen. Manche Seiten sind voller Tintenkleckse, manche voller Tipp-Ex-Spuren. Manche einfarbig, andere leuchten in bunten Farben. Manche rascheln, so dass man meinen könnte, das Meer rauscht.  Und dann gibt es noch ein paar Seiten mit Regenbögen, gefüllt von Menschen, die gleichermaßen Sonne wie Dunkelheit und Tränen ins Leben bringen.

Und manchmal frage ich mich, wie wohl meine Seite im Buch anderer Leben aussehen würde.

Katja

Tag 31/44

Sich langsam aus einer depressiven Episode rauszukämpfen ist ein bisschen vergleichbar mit dem erwachenden Frühling. Man sieht langsam wieder Sonnenstrahlen, fühlt die Wärme und das Licht. Die Welt um einen herum (und auch in einem drin) wird langsam wieder bunter, das Grau in Grau des Himmels bekommt immer häufiger Wolkenlücken, durch die der blaue Himmel durchscheint. An manchen Tagen ist er ganz klar und knalleblau oder hat nur ein paar einzelne Wölkchen. Überall sprießen kleine Triebe und die ersten Blümchen blühen. Morgens nach dem Aufstehen, wird der Nebel jeden Tag ein bisschen lichter und weniger dicht. Die ersten Vögel kommen wieder aus dem Süden zurück und zwitschern am Morgen.

Und dann gibt es diese Rückschläge. Aus heiterem Himmel (sogar im Wortsinne) ziehen sich dicke graue Wolken zusammen. Es schüttet in Strömen, manchmal schlägt einem sogar wieder ungemütlicher Schneeregen ins Gesicht. Aber das hält nicht so lange an. Ein paar Stunden, höchstens ein paar Tage, dann ist der Spuk wieder vorbei. Der Himmel ist wieder blau, die Sonne wärmt das Gesicht.

Und dann frage ich mich, ob es Zufall ist, dass es mir jedes Jahr im Frühling wieder deutlich besser geht. Ob nicht nur die Welt da draußen diesen Jahreszeiten unterliegt, sondern die auch in mir drinnen irgendwie stattfinden. Dann bin ich eindeutig ein Frühlingsmädchen, ein Sommerkind – und froh, das beides gerade noch vor mir liegt.

Katja

Tag 30/44

Wie ich mich manchmal beim Anblick von Wassertropfen frage, ob es wohl möglich ist, dass ich genau dem gleichen Tropfen – oder kleiner gedacht: einem der enthaltenen Wassermoleküle – schon mal an anderem Orte begegnet bin. Vielleicht war das dritte Molekül von oben rechts im zweiten Tropfen von links eines, das mir im letzten Sommer beim Platzregen, in den ich geraten bin, auf die Nase geregnet ist. Oder – was noch schöner wäre – wir sind uns vor Jahren in Spanien am Strand begegnet und es war damals Teil einer Atlantikwelle (natürlich der schönsten!), die meine Füße beim Strandspaziergang umspült hat.

Und vielleicht bist du ihm ja auch schon mal begegnet. Ich wette, es hat deine Zehen durchgeweicht als du zum letzten Mal versehentlich in eine große Pfütze getreten bist, das sieht man ihm doch an, dem kleinen Schlingel. 🤭

Katja

Tag 18/44

Es gibt ja Leute, die haben Mauern um ihre Herzen errichtet, gut befestigt, manche sogar mit Wach- und/oder Wehrtürmen in regelmäßigen Abständen. Bei meinem denke ich oft, dass es von einer semipermeablen Membran begrenzt ist, was einer der etwa 3 Fachbegriffe ist, die bei mir aus dem Biologieunterricht überhaupt hängen geblieben sind, weil ich das Wort semipermeabel so schön finde, damals schon so schön fand als ich es zum ersten Mal gehört habe. Halbdurchlässig. Rein geht alles zack zack, raus kommt so gut wie nichts mehr, was erst mal drin ist. Oder wer erst mal drin ist. Das ist es ja, was dann so oft Leid verursacht, dieses wieder loslassen müssen und eben oft auch dann nicht können, selbst, wenn ich es eigentlich will und nicht nur muss oder müsste. Da ist dann diese Barriere, dieses nur Halbdurchlässige, nur in die Reinrichtung. Ist ja auch genügend Platz drin, groß genug ist es ja mein Herz. Vielleicht sollte ich mal über die Einrichtung einer herzinternen Rumpelkammer nachdenken, wo ich das verstauen kann, was nicht wieder rausgeht. Oder wer. Damit ich nicht dauernd darüber stolpere und damit auch über meine eigene Unfähigkeit des Ausmisten, Aufräumens, Loslassens. In Herzensangelegenheiten zumindest. In der Küche oder im Kleiderschrank klappt das deutlich besser. Ein Riegel muss natürlich an diese Rumpelkammertür, damit der Kram auch drinnen bleibt und nicht mir nix dir nix wieder rausmarschiert. Rumpelkammertür auf, Dings rein, Tür zu, Riegel vor. Und dann erst mal schweissgebadet von außen dagegenlehnen und durchatmen. Und dann langsam rückwärts von der Tür wegbewegen und hoffen, dass man so erst mal davon kommt. Dass das herzinterne aus-den-Augen-aus-dem-Sinn irgendwie funktioniert. Das wär’s.

Katja

Tag 12/44

Spaziergangsscherbengedanken.

Wie faszinierend sich das Sonnenlicht in Glasscherben bricht und alles zum Glitzernd und Funkeln bringt und manchmal frage ich mich, ob es bei Menschen nicht genauso ist – wenigstens von außen betrachtet – ob manche nicht gerade deswegen so leuchtend und glitzernd und funkelnd wirken, weil sie eigentlich irgendwie zerbrochen sind und da keine glatte Oberfläche ist, die das Licht gar nicht so schön brechen könnte. Irgendwie ist der Gedanke gerade tröstlich, weil er immerhin die Möglichkeit beinhaltet, selber irgendwie glitzern oder funkeln zu können mit all der eigenen Kaputtheit und Zerbrochenheit.

Freundlichkeitsüberwältigungsgedanken.

Ansonsten fühle ich mich gerade von einer unglaublichen Welle an Freundlichkeit und Großzügigkeit und Wertschätzung überrollt, die mich ein bisschen den Boden unter den Füßen verlieren und erst mal hilflos mit den Armen paddeln lässt. Das ist zugleich großartig und ein wenig beängstigend, weil es mich, nach einem spontanen Gedanken, ziemlich unerwartet in dieser Wucht getroffen hat und ich muss wieder mal daran denken, wie viel leichter es mir doch fällt, Negatives anzunehmen und zu glauben als so überaus Positives. Bei Komplimenten übe ich das immerhin seit einiger Zeit, sie nicht sofort zurückzuweisen oder zu relativieren sondern mich dafür zu bedanken – auch wenn sich das immer noch falsch anfühlt und ein Teil von mir nur darauf wartet, dass das Gegenüber doch noch merkt, dass es ein Irrtum war. Das jetzt ist nochmal eine andere Hausnummer und wird mich noch ein bisschen beschäftigen. Ufff.

Kartoffelsuppenvorfreudegedanken.

Auf dem Herd steht ein großer Topf Soulfood und jedes Mal, wenn ich die Suppe koche – was diesen Winter über recht häufig war – muss ich grinsend an meine Freundin Svü denken, der ich vor etlichen Jahren den Rezeptlink hier im Blog gab und bei der die Suppe nur das Grinsen am Topfboden heisst. Deswegen übrigens https://wawuschel.wordpress.com/2013/02/26/als-ich-einmal-an-einem-dienstag-ein-breites-grinsen-am-boden-eines-grosen-topfes-fand/
und vielleicht sollte ich doch wieder anfangen, meinen Rezepteinträgen hier merkwürdige Titel zu geben, die zwar nichts mit dem eigentlichen Rezept zu tun haben, dafür aber dafür sorgen, dass das Essen bei euch dann auf ewig lustige Namen hat. 😀

Katja