Wie geht das denn? #8b heute: Tagesklinik

Zu Teil 1, in dem es um eher organisatorischen Kram geht: Hier entlang!

 

Jeder Morgen (bis auf den Donnerstag) beginnt um 8 Uhr mit der sog. Morgenrunde. Die findet im Gruppenraum statt, wird von einem der 3 Leute aus dem Pflegeteam geleitet und dauert ungefähr eine halbe Stunde. Je nachdem, wer von der Pflege anwesend ist, läuft die ein wenig unterschiedlich ab. Im Grunde geht es meist um so Fragen: Wie geht’s dir gerade? Wo stehst du gerade in der Therapie? Montags erzählen wir vom Wochenende und woran wir in der Woche therapeutisch arbeiten wollen, freitags von der Wochenendplanung. In der Morgenrunde werden organisatorische Fragen geklärt, manchmal Atemübungen gemacht, manchmal psychologische Hintergründe und Modelle zB die Transaktionsanalyse und dergleichen grob umrissen und erklärt. Manchmal bekommen wir eine Geschichte vorgelesen – die natürlich stets einen psychologischen Hintergrund hat. Manchmal machen wir Imaginationsübungen und müssen unser aktuelles Befinden nicht einfach nur beschreiben, sondern zB uns vorstellen, wir seien Sportler, die gerade im Trainingslager sind und wir müssen uns eine Sportart aussuchen, in der wir trainieren und unseren Stand in der Therapie mit dem Trainingszustand beschreiben. Bei einer anderen Übung mussten wir uns ein Werkzeug überlegen, das wir benutzen könnten um an unserem aktuellen Problem zu arbeiten.
Manchmal spielen wir Spiele, bei denen es um Konzentration geht. Die Morgenrunde ist von allen Therapien die vielseitigste, wo die meisten unterschiedlichen Dinge passieren.
Der Donnerstag sticht da noch besonders raus, da haben wir statt der üblichen Morgenrunde Lockerung, wo wir manchmal ein Ballspiel machen, manchmal Qi Gong, manchmal pantomimisch Sprichworte erklären, manchmal Wikinger Schach spielen oder Betttuch Tennis und was sich durch alle Therapien durchzieht sind immer die Fragen: „Wie geht’s mir gerade? Was macht die Übung mit mir? Tut mir das gut oder eher nicht? Woher kenne ich das Gefühl?“ Es wird quasi nichts getan ohne es auch noch zu reflektieren und das alleine ist ungeheuer anstrengend, dass man sich den ganzen Tag immer wieder mit der Frage beschäftigen muss, wie es einem gerade geht und Worte dafür finden muss, es zu beschreiben. Es ist natürlich auch ok, einfach mal die Klappe zu halten, weil man das gerade nicht in Worte fassen kann. Und man darf sich generell aus bestimmten Dingen ausklinken, wenn einem eine Übung nicht gut tut, ein Thema triggert oder dergleichen. Es ist in der Klinik nicht nur erlaubt, sondern erwünscht, dass man auf sich selber und seine Bedürfnisse achtet, seine Grenzen findet und beachtet. Natürlich auch, dass man probiert, darüber hinaus zu gehen – es soll sich ja schließlich etwas ändern. Aber ein ‚geht gerade nicht‘, ist jederzeit legitim und man kann dann – im Rahmen der jeweiligen Therapie – sehen, was das aktuelle Bedürfnis ist und die Therapeuten sind da auch immer mit Hilfestellung da, um herauszufinden, was man gerade braucht. Einer meiner liebsten Sätze aus der Lockerung ist „Die Übung ist für Sie da, nicht Sie für die Übung“ und das beschreibt den Umgang mit den Patienten ganz gut. Das ist insgesamt sehr auf Augenhöhe und jederzeit transparent, wozu Dinge dienen.

Außer der Morgenrunde, die es täglich gibt, gibt es nur noch zwei weitere tägliche Rituale: das eine ist das gemeinsame Mittagessen in der Gruppe um 12.45 Uhr und das andere der Tagesabschluss, der bedeutet, dass wir uns alle nacheinander persönlich bei der Pflege abmelden müssen bevor wir die Klinik nachmittags verlassen und nach Hause fahren. Dafür stehen wir tatsächlich ab kurz vor halb 4 nachmittags vor dem Stationszimmer an und warten drauf, dass die Tür endlich aufgeht, wir nacheinander reingehen können, unsere Medikamentenration bekommen und evtl. noch Terminzettel oder dergleichen. Wenn man in therapiefreien Zeiten tagsüber das Klinikgelände verlassen möchte, ist das aber kein Problem – man muss sich dafür nur in eine Abwesenheitsliste eintragen.

Wenn die Morgenrunde gegen 8.30 Uhr vorbei ist, sitzen wir oft im Gruppenraum zusammen und jeder futtert sein mitgebrachtes Frühstück. Die meisten frühstücken erst in der Klinik, weil wir fast immer zwischen 8.30 und 9 Uhr Zeit haben und man dann morgens zu Hause ein paar Minuten einsparen kann.

Montags ist dann ab 9 Uhr Kunsttherapie. Auch da gibt es eine Anfangsrunde, in der alle – schon wieder – sagen, wie es ihnen geht und auch, woran bzw. mit welchen Materialien sie in der Kunsttherapie arbeiten wollen. Was wir da machen, ist vollkommen uns überlassen. Manche malen 10 Wochen lang Mandalas mit Buntstiften aus, weil es ihnen gut tut – oder sie sich nicht trauen, etwas anderes auszuprobieren. Manche bearbeiten Speckstein oder Ton oder Modelliermasse. Es gibt jede Menge Bastelkram, Papier und Tonkarton in allen Farben und für alle möglichen Zwecke und jede Menge Farben von Acryl- und Aquarellfarben über Buntstifte, Pastellkreide, bunte Tusche…. bis zu Wachsmalern. Wer möchte, legt einfach los, wer keine Idee hat, kann mit der Kunsttherapeutin gemeinsam überlegen, was gerade das richtige für ihn sein könnte. Die Therapie geht über 100 min und die letzten paar Minuten nutzen wir fast immer für eine Abschlussrunde, in der jeder (freiwillig) sein Bild vorzeigen kann und nochmal reflektieren, wie’s ihm geht und ob das gut getan hat oder ob man womöglich das Falsche für die jeweilige Stimmung erwischt hatte.

Die Kunsttherapie war für mich persönlich die größte Überraschung an der ganzen Kliniksache. Ich habe zuletzt in meiner Jugend ’nen Pinsel oder Farben in der Hand gehabt und das nie besonders gerne und schon gar nicht gut gemacht. Aber ich habe es in der Kunsttherapie tatsächlich geschafft, ab der ersten Therapiestunde völlig unbefangen ranzugehen, all mein ‚ich kann doch nicht malen‘ zu unterdrücken und mir zu erlauben, einfach mit Farbe rumzumachen, ohne dass da am Ende was künstlerisch Wertvolles dabei rauskommen muss. Zu meiner großen Überraschung tut mir das zum einen unglaublich gut – mich einfach einzulassen ohne mich zu bewerten, noch überraschter bin ich aber darüber, dass es mir nicht nur Spaß macht, sondern mir einige meiner dort entstandenen Bilder echt gut gefallen. Und dann noch Überraschungspunkt 3: ich kann mir zugestehen, dass mir meine eigenen Bilder gefallen und mache sie nicht direkt wieder klein und tue das ab. In 10 Wochen ist es mir nicht einmal passiert, dass ich aus dem Kunstraum gegangen bin und nicht breit gegrinst habe und auch in therapiefreien Zeiten packe ich häufig die Malsachen im Gruppenraum aus und male dort einfach weiter.

Nach dem Mittagessen gibt es montags um 13.30 Uhr noch die Gruppenpsychotherapie, die 50 min dauert. Dabei sitzen wir tatsächlich ganz klischeehaft in einem Stuhlkreis. Zu Beginn suchen wir immer ein Thema. Jeder hat da die Möglichkeit sein Thema, über das er gerne reden möchte, einzubringen und wenn mehrere ein Thema haben, das bei ihnen gerade ansteht, dann einigen wir uns zuerst darauf, über was wir reden. Der Psychologe, der die GPT leitet, hält sich selber meist raus und wir diskutieren unsere verschiedenen Erfahrungen und Blickwinkel und er mischt sich nur selten ein und moderiert ein bisschen oder erklärt einen psychologischen Hintergrund. Themen sind zB Abschied nehmen, Überforderung, Umgang mit Erwartungen und Enttäuschungen, soziale Ängste und dergleichen. Dadurch, dass in der Gruppe so viele verschiedene Charaktere – von der Frau mit den 14 Geschwistern bis zum leitenden Angestellten mit Burnout – zusammenkommen, sind die unterschiedlichen Perspektiven breit gefächert und meist bekommt man irgendwie wertvollen Input.

Hm, ich merke, dass ich ganz schön aus- und abschweife. Interessiert euch das auf diesem detaillierten Level? Ich mache hier mal wieder einen Cut für die Lesbarkeit.

Katja

Werbeanzeigen

Wie geht das denn? #8a heute: Tagesklinik

Watt issen Tajesklinik? Da stellnwa uns ma janz dumm!

 

Ich hatte vor ein paar Tagen auf Twitter mal nachgefragt, ob Interesse daran besteht, etwas mehr darüber zu erfahren, was ich gerade so mache. Im Blog ist es unter anderem gerade so ruhig, weil ich jetzt schon in der 10. Woche in einer Psychosomatischen Tagesklinik bin. Und da ich zwar schon einige Jahre zu meinem ambulanten Therapeuten gehe, aber selber vor meinem ersten stationären Klinikaufenthalt im Frühjahr letzten Jahres, überhaupt keine Ahnung hatte, was stationäre oder teilstationäre Psychotherapie so macht und mir unter anderem diese Ungewissheit solche Angst gemacht hat, versuche ich hier ein bisschen zu beschreiben, was da so passiert. Vielleicht macht es dem einen der der anderen Mut, sich Hilfe zu holen und vielleicht macht es insgesamt die Blackbox ein bisschen durchsichtiger. Ich kann das natürlich nur mit meinen eigenen Erfahrungen aus der speziellen Klinik füttern, in der ich gerade bin. Anderswo mag es ganz anders sein.

Der erste Punkt, der mich völlig verwirrt hat war jener, dass es zwar recht viele Tageskliniken gibt, ABER (großes Aber) man muss im Vorfeld erst mal genauer recherchieren, was die können/machen. Ich wurde im Mai aus der stationären Therapie entlassen mit der dringenden Empfehlung, doch auch noch in eine Tagesklinik zu gehen. Bei der Adresse, die der Sozialdienst mir mitgegeben hatte, rief ich an und musste dann bis Ende Juli auf einen Termin für ein Erstgespräch warten. In der Zwischenzeit hatte ich selber noch nach Kliniken recherchiert und war dann insgesamt bei 3 verschiedenen zu einem solchen Gespräch und erst im Verlauf dort, wurde mir klar, dass es ein sehr großer Unterschied ist, ob man in eine psychiatrische Tagesklinik oder in eine psychosomatische Tagesklinik geht.

In der psychiatrischenTK gibt es eher konkrete Hilfestellungen zur Alltagsbewältigung – das ist ein Angebot für Menschen, deren „Funktionieren“ im Alltag so weit eingeschränkt ist, dass sie zB ihren Haushalt, Einkaufen und dergleichen nicht ohne Hilfe bewältigen. In einer der besuchten Kliniken gibt es gar keine regelmäßigen Therapiesitzungen mit den Psychologen (die sind nur für Notfälle da), dafür aber so Dinge wie gemeinsames Einkaufen, Tisch decken und sehr viel (täglich 3 Stunden) Ergotherapie, wo gebastelt oder gemalt oder gewerkelt wird – einfach um mal wieder die Belastbarkeit zu testen und die Frustrationsschwelle und den Umgang damit. Ansonsten gibt es dort einen Sozialarbeiter, der bei allen Behördenbelangen, Anträgen und dergleichen berät und hilft. Hätte ich vorher von dem Unterschied gewusst, hätte ich mir 2 der Gespräche bzw. Besuchstage sparen können, denn was ich brauche, ist psychotherapeutische bzw. psychosomatische Therapie.

Die Tagesklinik, in der ich seit Ende November bin, ist eine psychosomatische. Die Station hat insgesamt 21 Plätze für Patienten und die sind nochmal in 2 Gruppen unterteilt. In meiner Gruppe sind 10 Leute, mit denen ich sämtliche Gruppendinge gemeinsam habe. Fast jeder bleibt zwischen 8 und 12 Wochen dort zur Behandlung, wobei 12 auch das Maximum ist (und ich bin froh, dass ich so lange bleiben darf). Neuaufnahmen sind fast immer nur montags, Entlassungen freitags. Tagesklinik grundsätzlich bedeutet, dass man von Montag bis Freitag tagsüber in der Klinik ist und abends bzw. über Nacht und an den Wochenenden zu Hause. Daher ist das Einzugsgebiet auch recht begrenzt, denn man muss ja täglich zur Klinik pendeln. (Und der Anteil an Flüchen in meinen Selbstgesprächen ist um 37% gestiegen seit ich täglich im Berufsverkehr unterwegs bin.)

Auf meiner Station geht die Therapiezeit von 8.00 Uhr bis 16.30 Uhr, die Anwesenheitspflicht endet aber fast immer schon um 15.30 Uhr – falls man nicht noch einen späten Einzeltermin bekommen hat, der länger dauert. In der Regel sind wir von kurz vor 8 bis 15.30 Uhr dort anwesend.

Ich bin morgens meistens um 7.45 Uhr da, um in Ruhe die Jacke ausziehen, die Tasche wegschließen und ’nen Schluck Kaffee zu trinken bevor es los geht. In den Therapien sind Getränke, Essen und Handys verpönt, was gerade bei den Getränken echt blöd ist, weil einige Therapien über 100 Minuten gehen. Weil es ja keine stationäre Behandlung ist, haben wir keine typischen Krankenhauszimmer, sondern nur Ruheräume. Da teilen sich je 7 Leute einen Raum (das ist auch das einzige, wo die Gruppen gemischt sind) und jeder hat einen bequemen Liegesessel, einen kleinen Tisch daneben und einen Spind. Außerdem gibt es auf der Station 2 Gruppenräume (für jede Gruppe einen festen) eine kleine Küche mit Kaffeeautomat, Mikrowelle, Wasserkocher, Geschirrspüler und Kühlschrank und über mehrere Gebäude verteilt diverse Therapeutenzimmer und Therapieräume. Die Ruheräume sind tatsächlich so gedacht, dass es dort ruhig ist, für Gespräche in therapiefreien Zeiten dient der Gruppenraum – in dem übrigens auch jeder einen festen Platz hat. Dort finden auch manche Therapien statt und auch das gemeinsame Mittagessen. Neben zB den Kreativtherapeuten, die die ganze Gruppe in Therapien betreuen, hat jeder Patient eine fest zugewiesene Psychologin, eine Ärztin und eine*n Bezugspfleger*in.

Bis hierhin war’s hauptsächlich ein bisschen über die organisatorischen Abläufe und weil das schon arg lang ist, mache ich hier mal einen Einschnitt und schreibe das lieber in mehreren Teilen auf, damit’s nicht so ein unlesbares Monster wird. Mehr über die Therapien und wie so ein Tag bzw. eine Woche aussieht, dann sobald ich wieder Energie und Zeit zum Weiterschreiben finde.

Katja

 

Wie ich einmal 4 Wochen brauchte, um alle Zutaten für ein Rezept zusammen zu bekommen

Und da ich auf Twitter um das Rezept gebeten wurde und ich das eh gerne mal aufschreiben wollte, damit ich’s nicht zu jeder Kürbis-Maronen-Ricotta-Saison neu zurechtknobeln muss, hier also zum Nachbasteln:

Für 4 gute Esser oder für 2 Esser an 2 Tagen braucht man:

Für die Tomatensoße:

1 Zwiebel
2-3 Zehen Knoblauch
1/2 Tube Tomatenmark
optional: ein sehr großzügiger Schluck Kochwein (weiß oder rot)
1 Flasche Passata
Salz und Pfeffer aus der Mühle
Paprika (ich nehme immer scharfes geräuchertes)
1 Prise Zucker
1 Prise Zimt
Oregano
Öl

Und so geht’s:

Zwiebel und Knoblauch schälen und in feine Würfel schneiden. Das Öl in einem kleinen Topf erwärmen, Zwiebel und Knoblauch glasig anschwitzen, das Tomatenmark dazu geben und anrösten, mit dem Wein ablöschen, dann die Gewürzen und die Passata dazugeben und die Soße mindestens 1 Stunde bei kleiner Hitze einköcheln lassen.

Für die Füllung:

1 kleiner Hokaidokürbis
200 g gekochte Maronen
250 g Ricotta
250 ml Weißwein (ich nehme zum Kochen immer Pinot Grigio)
100 ml Sahne oder Cremefine zum Kochen
Salz und Pfeffer aus der Mühle
Thymian 2 Zweige oder 1 EL getrockneter
etwas Öl zum Braten

Und so geht’s:

Den Kürbis waschen, halbieren, mit einem Löffel die Kerne entfernen und das Fruchtfleisch in sehr feine Stücke schneiden. Das Öl in der Pfanne erhitzen und den Kürbis würzen und bei mittlerer Hitze anbraten, dann mit dem Wein ablöschen und den Kürbis gar dünsten. Die Maronen in kleine Stücke schneiden und zum Kürbis geben. Kurz mitanbraten, dann den Ricotta und die Cremefine dazu geben und alles gründlich vermischen.

Zum Zusammenbasteln braucht man:

ca. 25 Cannelloni
1 Kugel Mozzarella
1 handvoll geriebener Parmesan
etwas Öl für die Form

Und so geht’s:

Den Parmesan reiben, den Mozzarella in Würfel schneiden. Eine flache Auflaufform einölen, eine dünne Schicht Tomatensoße auf den Boden der Form geben. Die Füllung mit einem Teelöffel in die Cannelloni füllen und die gefüllten Nudelröllchen eng nebeneinander in die Form legen. Die Tomatensoße über die Cannelloni löffeln, sodass sie komplett bedeckt sind. Den Käse darüber streuen und die Form bei 180°C für ca. 30 min in den Ofen schieben. Mit einer Gabel reinpieksen, um zu prüfen, ob die Nudeln gar sind.

Omnomnom!

Katja

Extrakäse

Und dann wird dir auf einmal bewusst, wie häufig du alle negativen Gefühle gegen dich selber richtest, wie du immer wieder in Selbstabwertung und Selbsthass versinkst und du willst es anders machen und versuchst, deine Gedanken bewusst umzuleiten bzw. umzuformulieren, dir deine Muster bewusst zu machen und dir zu sagen, dass du das doch so nicht mehr willst, endlich nicht mehr. Das geht einen Moment lang gut und dann reißt es dir wieder den Boden unter den Füßen weg und du hörst auf, dich gegen die negativen Gefühle zu wehren und dann wird dir auf einmal auch noch bewusst, wieso dir das immer wieder passiert, wieso du am Ende doch wieder unten landest und dass das viel mit Sicherheit zu tun hat, denn der Selbsthass, das ist das vertraute Gefühl. Es geht dir dann zwar schlecht, aber es ist ein Schlechtgehen, das du kennst, das dir den Boden lässt, nicht zum drauf stehen, aber zum in der Ecke kauern. Es erfüllt eine Funktion. Sicherheit in all dem Chaos, das gerade in dir herrscht.

Und dann, ganz bewusst, der Gedanke, dass das dann jetzt eben so ist. Es geht dir schlecht und du machst dich wenigstens nicht noch dafür fertig, dass es dir *wieder mal* schlecht geht. Wenigstens diese Extraschleife Extrahass sparst du dir heute. One step.

Katja

(gerade sehr mit Therapie beschäftigt, viel zu wenig bloggend, mal sehen, ob ich das nicht wieder regelmäßiger hinbekomme, meine Gedanken hier reinzukippen und zu sortieren)

141144

So viel passiert in den letzten 12 Monaten. So viel Schmerz hochgeholt, den ich über all die Jahre verdrängt habe. So viele Erinnerungen, an die ich mich in all den Jahren nicht erinnern wollte und bei denen es mir auch immer noch schwer fällt, hinzgucken, aus lauter Angst, die Bande zu dir ganz zu zerschneiden. Harte Monate hinter mir, harte Monate vor mir und ich weiß nicht, was da noch alles hochgespült werden wird.

Und dann denke ich an dich und unsere letzten paar Monate zusammen und wie du mich quasi gezwungen hast, mich schon mit deinem Sterben und deinem Tod auseinanderzusetzen so lange du noch da warst und mir dabei helfen konntest, zu verstehen, was da passiert und muss daran denken, wie unglücklich es dich machen würde, wenn du wüsstest, wie unglücklich ich oft bin und dass dir vermutlich lieber wäre, ich würde alle gute Erinnerung opfern, wenn es mir helfen würde, die schlimmen Erfahrungen irgendwann mal zu verarbeiten.

Ach Dad… du fehlst mir immer noch. Nach all den Jahren.

Happy Birthday!

Deine Katja, dein Wawuschel – denn, ich glaube, ich hab das noch nie erzählt – da kommt der Name für mein Blog her.

Vuizvuigfui

Diese Tage, an denen einem schon morgens beim Aufstehen, die eigene Haut nicht richtig passt, an manchen Stellen schlabbert, wie ein ausgeleiertes altes Shirt, an anderen kneift, wie die frisch gewaschene Jeans. Diese Tage, an denen man sich wünscht, jemand anderer zu sein, irgendwer nur nicht man selber. An denen sich alles verkehrt anfühlt, was man ist, wie man ist und vor allem, was und wie man fühlt. An denen sich das Fühlen verkehrt anfühlt, alles nicht richtig, alles zu viel, viel zu viel. An denen man sich dauernd fragt, warum man so ist, wie man ist, warum man nicht ein bisschen weniger so sein kann, wie man ist, ein bisschen weniger fühlen kann. An denen man sich fragt, warum das alles immer direkt so tief reingehen muss, warum man’s nicht lernen kann, ein bisschen nach außen dicht zu machen. So ein Gürteltierpanzer wäre schön. Oder einer von ’ner Schildkröte. Ein Schneckenhaus. Igelstacheln. Ein Gürteltierpanzer mit Igelstacheln. Irgendetwas, das Schutz bietet, vielleicht auch abschreckt. Einem Gefahr vom Leib hält, obwohl es gar nicht um den Leib geht, sondern um die Gefühle, um das Innen, nicht das Außen. Diese Tage, an denen man sich fragt, warum einem Nähe zu anderen Menschen so wichtig ist und warum man aus all dem Schmerz und der Erfahrung nichts lernt, nicht irgendwann begreift, dass Dichtmachen das ist, was einen schützt, einen schützen könnte, wenn man denn dichtmachen könnte. Diese Tage, an denen man sich so verkehrt fühlt, so nicht in diese Welt passend. Zu viel denkt. Zu viel fühlt. Zu viel von allem ist. Vor allem von sich selbst. Und an denen man das, was man ist, die, die man ist, so überhaupt nicht leiden kann, weil sie einem selber viel zu viel ist und man sie mit ihren vielen Emotionen kaum mehr aushalten kann.
Diese Tage, von denen man immerhin (wieder) weiß, dass sie irgendwann vorbeigehen und an denen man hofft, dass der nächste dann doch wieder besser wird. Immerhin das. Immerhin wieder hoffen, dass das irgendwann mal wieder besser werden wird.

Muss ja.

Katja

Liebe E.

Es wird vermutlich keinen 17. September in meinem Leben geben, in dem mein erster Gedanke nicht dir gilt. Es ist jetzt so viele Jahre her, dass wir zuletzt voneinander gehört haben und doch ist dein Geburtstag tief in mein Gedächtnis eingebrannt. Vor ein paar Tagen habe ich tatsächlich auf Facebook geguckt, ob ich dich finde. Deine eine Tochter habe ich gefunden, zwei deiner Brüder, deine Ma, deine Cousine, deinen Cousin. Dich nicht und wahrscheinlich ist es ganz gut so, denn sonst wäre ich vollends ratlos gewesen, ob ich nicht doch noch einmal versuchen soll, Kontakt zu dir aufzunehmen. Dass du mal nicht mehr ein selbstverständlicher Teil meines Lebens sein würdest, hätte ich nie für möglich gehalten. Du warst mir Familie, als meine eigene es nicht war und ich hätte nie damit gerechnet, dass es mal anders sein könnte und dass unsere Leben mal so unterschiedlich und solche Dimensionen voneinander entfernt verlaufen würden.

Aber egal wo du bist, was du so machst: ich hoffe von Herzen, dass es dir gut geht und dass du glücklich bist, liebe Schwester E. Happy Birthday – auch dieses Jahr erreichen dich meine Glückwünsche nicht  und ich schreib sie nur in mein Blog – ich wünsche dir alles erdenklich Gute und vielleicht kommt wenigstens dieser Gedanke bei dir an. Den Platz in meinem Herzen hast du für immer!

Deine Katja