Immer die Schutzfolie drauf lassen…

Ich habe seit Jahren eine weiße Hose im Schrank hängen, die aus herrlich dünnem luftigen Stoff ist. Total ideal für heiße Sommertage. Am heißesten Tag der letzten Woche, habe ich mich mit Anette (❤ ) in Mannheim getroffen und stand vorher ratlos vorm Schrank, weil ich nicht wusste, was ich bei der Hitze anziehen sollte, wenn ich den ganzen Tag unterwegs bin und es hat sehr lange gedauert bis ich auf jene weiße Hose kam. Das liegt daran, dass ich sie zwar für diese Eigenschaften sehr schätze, sie aber trotzdem quasi nie trage. Sie ist nämlich weiß. Weiße Klamotten haben bei mir die Angewohnheit, binnen Nanosekundenfrist nicht mehr weiß zu sein, sondern irgendwo Flecken zu haben. Also trage ich quasi nie welche, obwohl ich tatsächlich auch im Besitz einiger weißer Shirts bin.

Als ich also an jenem Morgen vor dem offenen Kleiderschrank stand, ging mir das alles im Kopf herum und wie beknackt das eigentlich ist, eine Hose zu kaufen, weil sie so ideal für dieses Wetter geeignet ist und sie dann nicht anzuziehen, weil sie schmutzig werden könnte und mir fiel auf, dass das bei mir ein durchgängiges Muster ist…

Meine Tastatur hat Ränder in Hochglanzschwarz. Als ich sie kaufte klebte darauf eine Schutzfolie und ich ließ die Folie so lange drauf bis sie sich selber an den Rändern abribbelte. Ebenso ließ ich monatelang die Displayschutzfolie auf dem kleinen Display des Festnetztelefons kleben, damit da nur ja keine Kratzer drauf kommen.

Alles, was sich irgendwie vor Schaden bewahren und schützen lässt, schütze ich. Mein Händi habe ich stets in einer Hülle und als es neu war und ich erst eine kaufen musste, habe ich es in eine Flauschesocke gepackt, um es in der Handtasche nicht zu zerkratzen und ich habe mal ein sehr dickes Taschenbuch (eine signierte Version von „Die Säulen der Erde“ von Ken Follet) nur mit zwei Händen ganz vorsichtig und nur gerade eben so weit aufgeklappt, dass ich bis zur Mitte der Seiten hin lesen konnte, damit der Buchrücken keine Knicke bekommt, was bei solchen dicken Wälzern beim Lesen ja nicht ausbleibt.

Das eigentlich Schlimme daran ist, dass mir bewusst geworden ist, dass das alles auch ein wenig bezeichnend dafür ist, wie ich seit Jahren mein Leben lebe… Immer vorsichtig, immer mit Angst, nur nix dreckig machen, nur nix kaputt machen, immer lieber gemäßigt, nie die Kontrolle verlieren, nix Weißes anziehen, lieber mal die Schutzfolie drauf lassen…

Katja (gerade an einer Ecke der Schutzfolie über’m Leben rumknibbelnd, vorsichtig natürlich, damit sie nicht reißt😀 )

 

 

 

Über viel Angst und ein bisschen entspannte Scheissegaligkeit

„Aber was oder wer oder wie bin ich dann überhaupt?“ frage ich in der letzten Sitzung bevor ich wieder losheulen muss. So viel Fremdbestimmung im Kopf, so viele „Werte“ und Vorstellungen, die auf einmal in Frage stehen, von denen ich nicht weiss, ob sie überhaupt eine Bedeutung haben und wo sie überhaupt herkommen. Naja doch, letzteres weiss ich eigentlich verdammt gut. Nur nicht, wieso zur Hölle sie immer noch so tief und fest in mir sitzen und vor allem, wieso mir das schon so viele Jahre nicht bewusst ist. Und damit meine ich nicht mal alle Lebensjahre, sondern nur die letzten, die in denen ich eigentlich ja ziemlich reflektiert war. Dachte ich. War ich vermutlich auch. Und trotzdem ist da dieser große blinde Fleck gewesen, diese Gedanken und Gefühle, die so tief in mir verschlossen sind, dass mir ihre Existenz nicht mal bewusst war.

Dass Therapie kein Spaziergang ist – auch wenn ich hinterher häufig einen mache, um den Kopf freizulaufen – wusste ich schon von vorherigen, viel weniger hilfreichen, Therapien. Dass es so dermaßen in harte Arbeit ausarten könnte, so dermaßen anders verlaufen könnte, als ich mir vor und zu Beginn vorgestellt hatte und dass sich so dermaßen viele neue Baustellen in mir auftun würden, statt dass sich alte erledigen, hätte ich nicht geahnt.

Jetzt also richtig. Und richtig gründlich. Kein „Herumdoktorn“ an Symptomen sondern der Versuch an die Ursachen zu kommen und während ich das schreibe, spielt die kopfeigene Band die Schlusssequenz von „Sweet Transvestite“ aus der Rocky Horror Picture Show und Tim Curry alias Frank N Furter sagt schon im Aufzug stehend „…so I’ll remove the cause… but not the symptom“ bevor er sein kleines Lachen lacht, wohingegen ich die Augen aufreisse, wie es nur Susan Sarandon als Janes Weiss besser hinbekommt, weil mir das, was da gerade passiert unglaubliche Angst macht.

Nie vorher wusste ich gründlicher und in größerem Ausmaß nicht, wer oder besser wie ich überhaupt bin und wo mir normale Ungewissheiten wie zB „Wird das Paket ausgerechnet jetzt kommen, wenn ich schnell auf’s Klo flitze?“ schon zusetzen, macht mir das hier richtig gründlich zu schaffen. Was wird am Ende dabei rauskommen? Wer bin ich dann? Wie bin ich dann? Wird sich überhaupt so viel ändern, wie es mir gerade vorkommt, dass sich ändern wird? Wird das überhaupt alles in nur so wenig Zeit reinpassen? Werde ich die, die ich werde, wirklich mehr mögen oder vielleicht noch weniger als die aktuelle Version von mir? Und ich merke, wie mir alle diese Fragen die Luft abschnüren, wie sie es mir schwer machen, mich auf das alles einzulassen.

Und dann sind da diese anderen Momente. Die, in denen ich schon merke, dass sich etwas… nein besser: dass ich mich schon verändert habe und wie sehr. Dass da auf einmal immer mal ein völlig neues Selbstbewusstsein rausblitzt – das mich dann natürlich direkt im nächsten Moment selber erschreckt. Und ich meine damit echtes Selbstvertrauen, keine lockere Flapsigkeit, das konnte ich trotz allem erstaunlicherweise immer recht gut. Aber jetzt ist es zusätzlich noch ein für mich selber Eintreten und DAS konnte ich wirklich noch nie. Bei all der vielen neuen Angst, geht an der Stelle auch welche verloren und wird durch ein bisschen entspannte Scheissegaligkeit ersetzt.

Katja

 

Gewohnheit, die

Substantiv, feminin
Worttrennung: Ge|wohn|heit
durch häufige und stete Wiederholung selbstverständlich gewordene Handlung, Haltung, Eigenheit; etwas oft nur noch mechanisch oder unbewusst Ausgeführtes

(Quelle: Duden)

Der Kopf so voll und doch fällt es mir so schwer wie seit Jahren nicht, ihn hier auszukippen. „Alles eine Frage der Gewohnheit“ habe ich selber oft genug gedacht und auch gesagt, wenn es darum ging, die (Schreib-)Hemmung abzulegen und Gedanken einfach in Worte zu fassen. Jetzt bin ich selber die mit der Entwöhnung und finde nicht so richtig rein und merke doch dauernd wie sehr mir das (Auf-)Schreiben fehlt. So viele Gedanken im Kopf, so vieles, was sich in mir tut und was dringend aufschreibens- weil festhaltenswert wäre und dann nehme ich mir doch wieder nicht die Zeit dafür.

Also jetzt erst mal wieder anfangen, hinsetzen, die Finger auf die Tastatur und los. Das, was gerade durch den Kopf schwirrt, damit sich der Kopf und die Hände wieder daran gewöhnen, was das hier alles soll. Und das jetzt gleich, ungeachtet des „aber es ist doch schon wieder so spät und ich hab ja gar nicht richtig Zeit und müsste doch eh dringend mal ins Bett“ im Kopf. In der Zeit bis ich das zu Ende gedacht und mich über mich selber geärgert habe, weil ich es nicht mehr hinbekomme, mit dem Gedanken sortieren und aufschreiben, hab ich die 3, 4 Sätze auch tatsächlich aufgeschrieben. Jetzt. Hier.

Für’s erste überhaupt was. Genug. Ich muss nämlich tatsächlich ins Bett.

Schlaft gut!

Katja

Lebenszeichen. Re-Hallo.

Hallo, ich bin Katja, ich schreibe normalerweise in dieses Blog rein, aber gerade die ganze Zeit gar nicht, weil ich umziehe und bis gestern keine sinnvolle Möglichkeit (aka Rechner mit vernünftiger Tastatur und nicht nur Händiwischding) in der neuen Wohnung hatte, um hier was reinzuschreiben und zwar so, dass ich nicht völlig von der Technik genervt bin. Das ist aber ehrlich gesagt nur die halbe Wahrheit, denn ich blogge auch deswegen wieder mal nicht, weil es mir total lausig geht und ich mir selber auf die Nerven gehe und mich nicht leiden kann und dann immer in Schweigen verfalle, weil ich niemandem auf die Nerven gehen will. Was total blöd ist, denn wo, wenn nicht in meinem Blog, das ich seit Jahren nutze, um meinen Kopf auszukippen und solchen Mist eben loszuwerden, damit ich das nicht alles mit mir alleine ausmachen und dauerhaft mit mir rumschleppen muss, sollte ich diese Dinge einfacher festhalten? Genau hier kann sich jeder aussuchen, weiter zu lesen oder eben den Tab zu schließen, weil ich niemanden speziell vollnöle, sondern das einfach in eine weisse Seite bzw. die WordPress-Eingabemaske reintippe.

Ich versuche also mal wieder hier reinzukommen, mich hier heimisch zu fühlen und ohne Angst, euch zu nerven, meinen Kummer hier abzuladen…

Heutige Umzugskatastrophen bisher:

Nachdem ich endlich den ersten Bücherkarton ausgepackt und ins Regal eingeräumt hatte, hat mich das Regal mit sämtlichen Büchern und dem Regalboden beworfen. Das hätte mich vermutlich anderswann zum Lachen oder vielleicht höchstens zum Fluchen gebracht. Gerade hat’s mich zum Heulen gebracht und ich wäre am liebsten schreiend weggelaufen und für 2 Wochen irgendwo fern von all dem Mist untergetaucht.

Es ist die schiere Menge an Shice, die gerade passiert, die mich dünnhäutig wie selten macht und dafür sorgt, dass meine Nerven blank liegen und dass ich es nicht hinbekomme, über Pannen zu lachen, sondern sie als Katastrophen zu empfinden. (Völlig unabhängig davon, wie groß sie wirklich sind…) Und obwohl ich das alles weiss, komme ich aus diesem Gefühlswust gerade nicht raus…

*
Um einen Eindruck zu vermitteln, zwei Tage im Rückwärtsgang:

Gestern festgestellt, dass das Garagendach (zumindest) bei (starkem) Regen gleich an einigen Stellen undicht ist. Weil wir hier keinen Keller haben, dient die Garage als Kellerersatz und da steht gerade jede Menge Zeug drin, was wir beim Umzug erst mal reingeräumt haben.

Vorgestern hat uns der Handwerker eröffnet, dass die Wand in der Gästetoilette vermutlich aufgestemmt werden muss. Irgendwas ist da undicht, weswegen es in der Etage drunter von der Decke her nass ist. Da muss aber erst noch ein Gutachter kommen. Wie hier überhaupt bei allem.

Da war der Handwerker überhaupt, weil es kein warmes Wasser mehr im Haus gab, weil irgendwas mit der Heizung nicht stimmte.

Fließendes Wasser durch die Decke hatten wir ja übrigens auch schon. Darüber hatte ich schon gebloggt und dass die vom Möbelschweden gelieferte Küchenarbeitsplatte mindestens 3 Zentimeter zu kurz ist, obwohl wir von denen professionell hatten ausmessen lassen, passt wunderbar in den Rest der Geschichte.

Immerhin haben die mittlerweile auf unsere Reklamation reagiert und es sieht so aus als bekämen wir die Platte irgendwann ausgetauscht. Wenn denn nochmal neu vermessen ist und wir wieder 4-6 Wochen auf die Maßplatte gewartet haben. Trotzdem hat das einen Haufen Ärger gemacht, Zeit, Energie und Nerven gekostet, weil hier einfach gerade gar überhaupt nichts glatt zu gehen scheint.

Ich bin gerade so fertig, so durch, so umfassend erschöpft und überfordert, dass alleine das morgendliche Aufstehen einen Kraftakt bedeutet. Die Depression ist lauter, ist schlimmer als in den letzten paar Jahren, aber ich weiss gar nicht, ob ich es so nennen kann/soll, denn es gibt ja aktuell ganz akute Gründe dafür, dass es mir schlecht geht. Und trotz alledem schaffe ich es, jeden verdammten Morgen aufzustehen und hier den ganzen Tag über zu wurschteln und zu versuchen, Ordnung ins Chaos zu bringen.

Naja, hier bin ich auf jeden Fall wieder und hoffe, dass ich wieder ins Kopf-erleichtern-durch-Bloggen reinfinde. Jetzt mit neuem Dach über’m Kopf (aktuell sogar noch dicht!) das eigentlich ziemlich cool sein könnte, wenn hier nicht eine Katastrophe die andere jagte.

Seid ihr auch noch da?

Katja

Alles voller Scherben

Immer immer wieder das gleiche Muster.

Du versuchst mich anzurufen. Ich bin nicht da oder wenn ich da bin, fehlen mir gerade Kraft und Nerven, mit dir zu reden. Du probierst es wieder. Repeat.

Irgendwann wird mein schlechtes Gewissen, weil ich deine Anrufe wochenlang ignoriert habe, so groß, dass ich mich zusammenreisse, dich anrufe. Du gehst ran, sagst 2 Sätze, fragst was und während ich antworte, bist du schon wieder von irgendwas in deinem direkten Umfeld abgelenkt, legst den Hörer beiseite, vergisst als du wieder rankommst deine Frage, meine abgebrochene Antwort, stellst eine neue Frage. Ich setze zur Antwort an, mitten drin unterbrichst du mich, musst auflegen, weil irgendwer gerade etwas von dir will, was wichtiger ist als das erste Gespräch mit mir seit vielen Wochen.

Dann, nach dem Auflegen ist das schlechte Gewissen einem miesen Gefühl gewichen, einem ‚immer das gleiche‘-Gefühl, einem ‚wieso hab ich eigentlich überhaupt angerufen?‘ einem ‚warum begrabe ich die Hoffnung, du könntest dich für mich interessieren, nicht endgültig?‘, einer tiefen Traurigkeit, wie nur du sie in mir auslösen kannst.

Gerade alles voller Scherben.

Scherben aussen, weil ich während des Gesprächs so fahrig war, dass mir ein Glas runtergefallen ist.

Scherben innen. Wie immer nach solchen ‚Gesprächen‘, wie nur du sie zurücklässt.

Katja

Umzugspannen-Monstertext oder Wieso bist’n du gerade dauernd so schlecht drauf, Katja?

Vorhin Gestern Abend waren wir in der neuen Wohnung, um am 4-Meter-Monster-Schrank weiterzubauen und das ging ganz gut und ich war endlich wieder mal zuversichtlich, dass jetzt doch endlich mal wieder alles gut oder wenigstens ok werden könnte, wie ich es in letzten Tagen selten war. Dann ging ich in die Küche, die bisher mehr Raum mit über 200 Paketen (in denen sich die noch nicht ausgepackte, noch nicht aufgebaute Küche befindet) als wirklich Küche ist und da fiel mir ein dunkler, weil feuchter Fleck ein bisschen seitlich und oberhalb des Rolladenkastens des größeren Küchenfensters auf und ich konnte fast körperlich spüren, wie alle Kraft, Zuversicht und Energie erst mal wieder aus mir wichen, so wie Luft aus einem kleinen Löchlein in einem Luftballon entweicht.

Ich kann nicht mehr. Ich hab die Schnauze gerade so gestrichten voll.

Es ist nicht die Arbeit, die der Umzug mit sich bringt, nicht das Kartons packen und von Wohnung zu Wohnung verschieben, nicht das Ikea-Piktogramme entschlüsseln und Möbel zusammenbauen, es sind diese ganzen Probleme und Katastrophen, in allen möglichen Formen, Farben und Größen, die dieser Umzug mit sich bringt.

Es sind die vielen Termine, das auf Abruf für Handwerker, Speditionen und dergleichen sitzen, die wenige Zeit alleine, um zur Ruhe zu kommen, um die vielen Gedanken, die sich sammeln, mal wieder zu notieren. Es ist keine Zeit zum Kochen, was mich normalerweise erdet und beruhigt, keine zum Bloggen, keine zum Lesen.

Es ist das trotz völliger Erschöpfung nachts nicht schlafen können, vor lauter Sorgen und Angst, was als nächstes noch passieren wird. Es ist nicht mal die Sorge, ob noch etwas passieren wird, sondern nur die Frage wann und was und wie schlimm wird’s denn…

Ich bin ein optimistischer Mensch, bin ich immer gewesen. Tief in mir glaube ich immer daran, dass irgendwann dieser blöde Spruch ‚alles wird gut‘ wahr wird. Ich konzentriere mich auf die guten Dinge, die guten Seiten. Und hinter all dies muss ich gerade ein großes EIGENTLICH setzen, denn gerade geht mir all das verloren, wird mein Optimismus auf eine harte Probe gestellt.

Schnitt.

Es ist Ende Februar, wir treffen die neuen Vermieter in der neuen Wohnung, um noch ein paar Details zu klären. Wir wollen die Wohnung, die wollen uns als Mieter, soweit passt alles, da sind nur noch ein paar Sachen zu besprechen. Das soll noch gemacht werden und da soll noch der Fensterbauer nach schauen und die Einfahrt wird bald gepflastert und im Bad dürfen wir gerne die dunkelkackbraunen Fliesen hell überstreichen, eigentlich kann das sogar der Handwerker der Vermieter für wenig Geld für uns erledigen und dann muss da noch ’ne Kleinigkeit gemacht werden und dort, aber das wird schnell gehen und sobald sie fertig sind, können wir den Schlüssel der Wohnung eigentlich schon haben und schon anfangen, unsere Sachen rüberzuräumen und das wird vermutlich in der zweiten Märzwoche der Fall sein, auch wenn wir die Wohnung erst ab Mitte April gemietet haben.

Direkt am Tag als wir den Mietvertrag unterschreiben fahren wir von dort aus ins große Möbelhaus in der Nähe und schauen uns Küchen an, lassen uns eine planen. Uff teuer und Lieferung erst Ende Mai. Wir erbitten uns Bedenkzeit für ein paar Tage, weil wir am nächsten Tag für zwei Nächte nach Wien aufbrechen wollen.

In Wien ist schlechtes Wetter und so brechen wir am Abreisetag früher als geplant auf und machen auf dem Rückweg noch bei einem weiteren Möbelhaus Halt. Da isses genauso teuer und liefern können die auch nicht eher. Also am nächsten Tag zum Möbelschweden, gucken, an deren Planungstool setzen, sieht alles gut aus und deutlich günstiger. ‚Wie lange dauert das denn, wenn man bei Ihnen eine Küche incl. Aufmaß planen und bestellen möchte?‘ ‚Wenn Sie das online beauftragen, bekommen Sie ganz zeitnah telefonisch einen Termin für’s Ausmessen, dann kommen Sie wieder zu uns zu einem Planungstermin und dann liefern wir innerhalb von 1-3 Wochen.‘ OH WIE SUPER! Dann können wir die Küche so Ende März, Anfang April rum bekommen, in Ruhe einen Dienstleister zum Aufbau suchen und tatsächlich direkt Mitte April einziehen und haben dann auch noch 6 Wochen Zeit, um ganz gemütlich aus der alten Wohnung das selbstverlegte Laminat in 2 Räumen rauszureissen, uns um Sperrmüll und dergleichen zu kümmern.

Das scheint in der Regel auch ganz gut zu funktionieren. Aber nicht, wenn der zuständige Ausmesser einen Unfall hat und der Termin ausfällt und auch nicht, wenn bei Ikea nur eine von eigentlich fünf Küchenplaner*innen arbeitet. Statt nach 6 Wochen eine fertig aufgebaute Küche zu haben, haben wir nach 6,5 Wochen immerhin einen Termin zur Planung und Bestellung und nach weiteren 4,5 Stunden auch einen Termin für die Lieferung – schon 2 Wochen später. Ganz Gallien? Einen Liefertermin für die ganze Küche? Nein, eine unbeugsame Arbeitsplatte hört nicht auf, unserer Planung Widerstand zu leisten. Deren Liefertermin sollen wir am nächsten oder übernächsten Tag bekommen.

Bevor das aber geschieht fällt mir abends auf, dass in der Bestellung nicht die ausgesuchte Arbeitsplatte aufgeführt ist, sondern ein ganz anderes Design. Also bei Ikea gemeldet (erreichen tut man die übrigens nie, man kann nur hoffen, dass auf Mails irgendwann doch noch jemand reagiert und anrufen kann man nur im deutschlandweiten Callcenter, nicht mal im entsprechenden Laden, geschweige denn in der Küchenabteilung des entsprechenden Ladens…) und dann tagelang (nicht bis morgen oder übermorgen) gewartet, bis wir endlich erfahren, dass sie a) die Platte im richtigen Design in Auftrag gegeben und b) die Arbeitsplatte schon gute 2 Wochen nach der restlichen Küche geliefert wird.

Schnitt.

Vielleicht ist das ja alles gar nicht so schlimm, dass es so lange dauert, denn in der Wohnung geht es auch nur mäßig voran. Beim Vertragsabschluss ist noch eine uralte und verranzte Einbauküche aus den frühen Siebzigern eingebaut, die die Vermieter noch rausnehmen und dann auch noch die Wand dahinter verputzen wollen. Beim Rausnehmen der Küche, die eine Theke mitten in den Raum gebaut hatte, fällt dann auf, dass die Fließen, die in Küche und Wohnzimmer durchgehend verlegt sind, unter den alten Küchenschränken nicht mit verlegt sind. Als wir das nächste Mal in die Wohnung konmen, stehen wir vor einer klaffenden Lücke im Bodenbelag, mitten im Raum, wo die Theke war. Zum Glück findet sich im Keller noch ein Rest Fließen. Der Handwerker verlegt die restlichen Fließen so gut wie er’s wohl kann. Teils quer zur Richtung, ohne Wasserwaage, und sie reichen auch nicht ganz für die noch bestehenden Lücken. Nun gut, kommen ja Schränke drüber.

Die Wand ist natürlich noch nicht verputzt. Der Vermieter sollte uns Bescheid sagen, dass der Handwerker drauf wartet von uns zu hören, wo die Steckdosen hin sollen. Uns sagt niemand Bescheid, es geht 2 Wochen nicht weiter.

Beim nächsten Besuch guckt G. ein bisschen betreten. ‚Hier, das mit den Steckdosen da in der Wand. Das geht so nicht. Da verlaufen die Heizungsrohre. Ich hab da reingebohrt. Ist aber alles schon wieder behoben und die Wand neu gemacht.‘

Und dann bei einem der nächsten Besuche ‚drüben‘ fällt mir auf, dass da gar nicht überall Schränke drüber kommen, wo die Fließen fehlen. Die Lücke ist 47 cm breit. Der eine Schrank nur 40 cm tief, weil sonst das Fenster nicht aufginge. Oh und Fußleisten fehlen auch noch hier und da und dort, wo man den Boden sehen wird. Oh und im Arbeitszimmer und Schlafzimmer gibt es da auch noch Lücken.

Wir suchen selber im Keller nach Restfließen. Da gibt es nichts, was auch nur einigermaßen passen würde. Also zum Baumarkt, Fließen kaufen, G. fragen, ob er die 3 Stück verlegen kann. Mittlerweile ist auch egal, ob mit oder ohne Wasserwaage. Da sieht man eh nur 7 rausguckende Zentimeter.

Schnitt.

Frustriert durch so vieles, was da gerade schief läuft, kaufen wir uns einen Megamonstergrill für die neue Terrasse. Die alte Wohnung hat einen fest auf der Terrasse vermauerten, wir brauchen also einen eigenen. Der Mitdings recherchiert, liest in Grillforen, sucht, macht. Die mit Abstand günstigste Lösung ist, nach Dänemark zu fahren, um dort einen zu kaufen. Da sind jene, wovon wir einen haben möchten, um Klassen billiger. Dann flattert das Angebot vom Baumarkt rein. Genau so einer. Günstig und zusätzlich nur für einen Tag, den die Baumarktkette als ‚Welttag der Heimwerker‘ ausgerufen hat, gibt’s nochmal 15% Rabatt auf alle Käufe über 100 Euro. Ausgerechnet an dem Tag haben wir aber eine Verabredung mit meiner Familie, die sich nicht verschieben lässt. Der Mitdings verfolgt online die Bestände diverser Baumärkte der Kette, telefoniert morgens schon rum, stellt irgendwann fest, die Preise der Grills schwanken von Region zu Region. Dann findet er einen Markt, der auf der Strecke liegt und wo wir auf dem Rückweg vorbeifahren können, um den ‚Schnäppchengrill‘ einzusacken.

Als wir den Markt stürmen, ist das Modell ausverkauft. 20 Stück davon hatten sie da. 20 Stück davon haben sie verkauft. Der nette Verkäufer bietet uns an, dass er den Grill für uns nachbestellt, wir den dann trotzdem zum gleichen Preis mitsamt der 15% Rabatt bekommen und – der Knüller – dass sie ihn kostenlos anliefern. (Wenn man online bestellt, zahlt man schicke 30 Euro für die Anlieferung und jetzt soll das auf einmal gratis gehen?) Wir schlagen ein, zahlen eine Unsumme an der Kasse, freuen uns. Endlich klappt doch mal was. Ende der Folgewoche soll er im Markt ankommen und dann bekämen wir einen Anruf zur Vereinbarung der Lieferung. Stattdessen bekommt der Mitdings mit fast einer Woche Verspätung einen Anruf, dass sich das ganze um noch eine Woche verzögern wird und dann ein paar Tage später einen weiteren, dass der Grill nicht mehr hergestellt würde und wir doch in den Markt (~ 50 km von uns entfernt) kommen sollten, um unser Geld wieder abzuholen. Ok, also kein Grill erst mal.

Dann, wieder ein paar Tage später plötzlich noch ein Anruf, der Grill sei jetzt wieder da und wir könnten ihn im Markt abholen. Wir stimmen zu, fragen gar nicht mehr nach Lieferung, bevor die sich’s wieder anders überlegen. Heute holen wir das Baby vermutlich ab. Und ja, das hat einen guten Ausgang, aber hätte es den nicht ohne das Generve zwischendurch haben können?

Schnitt.

Der Handwerker hat die Badezimmerfließen gestrichen und das sieht richtig gut aus im Vergleich zu dem dunkelbraun vorher. Weil wir hier schon 9 Jahre lang mit dem Bad nicht so glücklich waren, wollen wir’s in der neuen Wohnung von Anfang an schön machen und kaufen uns eigene Waschbecken samt Unterschränken und Spiegelschränken, um die quietschorangenen der Wohnung dagegen auszutauschen. Seit wir versucht haben, die alten Waschbecken abzuschließen (heisst das so? das Rückgängigmachen von anschließen?), weiss ich, was Eckventile sind und dass man gar nix machen kann, wenn die zu alt und verkalkt und nicht drehbar sind. Eckventile besorgt, den Handwerker gebeten, sie auszutauschen, weil auch das eigentlich Vermietersache ist. Der ist so freundlich und hängt sogar die ollen Waschbecken für uns ab und schleppt sie in den Keller, zerquetscht aber dafür mit seiner Zange direkt die Gewinde der neuen Eckventile. Alles wie immer.

Dafür fällt ihm auf, dass in der Küche noch gar keine Eckventile angebracht sind und wir die brauchen werden für den Küchenaufbau. Also wieder in den Baumarkt, nochmal welche besorgt, G. baut sie ein. Und ich stehe knirschend daneben und bitte ihn, die Zange nicht ausgerechnet an den Gewinden anzusetzen…

Nachdem wochenlang immer Werkzeug auf dem Klodeckel im Bad rumlag und plötzlich mal keines da ist, komme ich zum ersten Mal auf die Idee, den Klodeckel zu öffnen. Dass wir eine neue Brille samt Deckel besorgen wollen ist klar. Dass wir ein komplett neues Klo brauchen, um nicht vor Ekel die Flucht zu ergreifen, zeigt sich erst da. Das geht echt gar nicht. Wieder mit dem Vermieter verhandelt. Wir besorgen, bauen ein, er zahlt.

Die Duschglastür, die im März angebracht werden soll, fehlt übrigens Mitte April als wir den Wohnungsschlüssel dann doch endlich bekommen – nicht mal pünktlich zum Mietbeginn – immer noch und auch Ende April. Wir messen die Nische selber aus, stellen fest, dass das gar nicht so einfach wird, weil die Nische recht niedrig ist, fragen nach, ob wir uns einfach selber kümmern können/sollen und der Vermieter die Rechnung übernimmt. Später die Nachricht: ja geht klar. Die wird jetzt zwar spät, aber immerhin am gleichen Tag wie die Küchenarbeitsplatte geliefert.

Bei der Gelegenheit und der Beschäftigung mit der Dusche fällt uns auf, dass es exakt eine Temperatur zum Duschen gibt. An der unterputz liegenden Duscharmatur ist irgendwas gebrochen, das Teil dreht rund, die Temperatur lässt sich nicht regeln. Der Mitdings recherchiert wieder mal, stellt fest, dass das auch nicht so einfach wird und der Kundendienst der Herstellerfirma vermutlich die gute Lösung sein wird, wenn man nicht die Wand aufstemmen möchte, sagt dem Vermieter Bescheid, der schickt am nächsten Tag den Handwerker, der stellt nochmal das gleiche fest wie der Mitdings und wir bekommen endlich das Ok, den Kundendienst zu rufen und die Rechnung an den Vermieter zu schicken.

Der wird immerhin Dienstag Morgen in aller Herrgottsfrühe auf der Matte stehen.

Schnitt.

Diese ganzen Kleinigkeiten, die so zwischendrin noch schief gehen und von denen jede ein kleines bisschen Aufmerksamkeit, Zeit und Energie frisst. Zum Beispiel bestellen wir zwei Dinge in einer Bestellung, der Versender teilt es in zwei Lieferungen auf, eine davon kommt problemlos ein paar Tage später an, die andere hat im Lieferstatus ein ‚unzustellbar, weil Empfänger unbekannt‘. Angekommen ist übrigens der mitbestellte Wein ( \o/ ), nicht das Teil für die Wohnung…

Oder die Tatsache, dass aus ‚Der Garten? Der wird noch gemacht. Der steile Hang kommt raus, das kommt alles auf ein Niveau und von der Terrasse bauen wir eine Treppe in den Garten.‘ ein ‚Ach der Garten? Ja also, der bleibt jetzt doch so. Da will die Firma zu viel Geld, das ist zu teuer.‘ geworden ist.

Da fällt es kaum noch ins Gewicht, dass man sich am neu angebrachten Briefkasten beim Leeren an den scharfen Kanten die Hand fast aufschlitzt. Immerhin haben wir den mittleren, nicht den unteren, der bei Regen komplett unter Wasser steht, während sich in unserem nur eine kleine Pfütze bildet.

Oder der Ärger über Menschen, denen man beim umzugsbedingten Ausmisten via einer Free Your Stuff-Gruppe Zeug schenken will, sich nach deren Terminwunsch richtet und dann versetzt wird.

Schnitt.

Bei der Wohnungsbesichtigung stellen wir fest, dass eines der Wohnzimmerfenster einen Sprung hat. ‚jaja, das wird jetzt auch direkt gemacht. Da kommt der Fensterbauer und tauscht das aus.‘
Mitte April ist das Fenster noch genauso wie vorher, zwischen beiden Scheiben ist es dauernd beschlagen, weil Feuchtigkeit dazwischensteht. Ausserdem stellen wir fest, dass die Fensterbank an dem gleichen Fenster gebrochen ist (‚tauscht der Fensterbauer dann auch mit‘), die Terrassentür sich nicht kippen lässt und auch nur dann richtig schließt, wenn man an der unteren Ecke dagegentritt (’soll der Fensterbauer nach gucken‘), einer der Küchenrolläden gerissen ist und sich an der Stelle verhakt (‚das macht dann der Fensterbauer‘), beim zweiten Küchenfenster die Fensterbank, da wo vorher die Arbeitsplatte bis ins Fenster rein gebaut war, noch fehlt (‚baut der Fensterbauer dann eine ein‘) und jetzt der nasse Fleck an der Ecke des Rolladenkastens und noch ein weiterer an der Decke und niemand weiss, ob es diesen Fensterbauer überhaupt gibt und falls ja, ob er jemals zu unserer Wohnung finden wird.

Katja

Schönes 15/16

*vor und hinter der neuen Wohnung blüht je eine Magnolie❤

*Küche bestellt! Finally!

*es geht ENDLICH voran mit den Umzugsdingen und wir können endlich auch zeitlich planen

*wozu auch gehört: wir haben den Schlüssel und ab jetzt werden Kartons verschoben und Zeug zusammengeschraubt und so

*die neuen Vermieter sind so nett und herzlich, dass man ihnen schwerlich etwas übel nehmen kann:)

*so dermaßen viel Action gehabt in der Woche, dass ich völlig vergessen habe, die Liste hier zu füllen. Es gab bestimmt ausser dauernd Muskelkater und schmerzenden Füßen und viel zu wenig Schlaf bestimmt noch mehr Gutes in der Woche. Mir fällt nur vor lauter Muskelkater, schmerzenden Füßen und viel zu wenig Schlaf gerade nichts mehr ein.

Katja

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