Worum es geht. Und worum nicht.

„Du schaffst das schon!“ bekomme ich gerade häufiger zu hören. „Ja, danke. Ich hoffe es.“ antworte ich meistens und bin tatsächlich dankbar über den Zuspruch und die Unterstützung und Aufmunterung, die darin steckt.

Und dann, wenn es außen ruhig wird, geht innendrin der eigentliche Kampf los. Ja, natürlich werde ich es schaffen. Das ist klar, daran besteht kein Zweifel und das Schaffen bzw. die Angst davor, es nicht zu schaffen, ist gar nicht das, was mich so umtreibt und was mir solche Angst macht. Ich weiß, dass ich es schaffen kann. Und vielleicht ist genau das das Problem. Ich kann schaffen. Ich kann durchhalten. Ich kann *aus*halten. Und ich kann genau dabei – beim Schaffen, beim Durchhalten, beim Aushalten – innerlich kaputt gehen während ich nach außen ganz wunderbar funktioniere, während ich versuche allen Ansprüchen und Erwartungen oder angenommenen Ansprüchen und angenommenen Erwartungen zu genügen, während ich versuche alles gut und alles richtig zu machen. Gut und richtig für alle anderen, nur leider selten für mich selber.

Ich habe keine Angst, es nicht zu schaffen. Ich weiß, dass ich das *kann*. Ich habe Angst davor, es zu schaffen, aber mich dabei selber aus den Augen zu verlieren. Meine Grenzen, meine Kapazitäten nicht zu spüren, den schmalen Grat zwischen Ehrgeiz und Selbstfürsorge nicht zu finden. Es nach außen zu schaffen, damit alle zufrieden sind und ich mich nicht wie eine Versagerin fühle, nicht schon wieder, und den viel zu hohen Preis dafür zu zahlen, dass mir das verloren geht und entgleitet, was das Leben schön und lebenswert macht.

Mein Anspruch an mich, mein Auftrag, den ich mir gerade also selber gebe, ist nicht, es zu schaffen, sondern genau hinzugucken, meine Grenzen zu finden, wahrzunehmen und vielleicht auch wirklich zu verschieben, aber im richtigen Maß, in jenem, dass nicht die Selbstfürsorge wieder hinten runterfällt, wo ich sie doch gerade erst so mühsam erlerne. Mir selber zuzugestehen, nicht alles schaffen zu müssen, im Zweifel sogar scheitern zu dürfen. Ohne, dass das meinen Wert schmälert.

Und das ist leider sehr viel schwieriger als es zu schaffen.

Katja

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Wenn ich die Augen schließe und mich konzentriere, kann ich immer noch dein Gesicht vor mir sehen. Jenes, von dem Foto, das so lange über meinem Bett hing, du im roten Poloshirt, mit Jeans und Wanderschuhen auf einem Stein, irgendwo auf einem Berg sitzend, so viel Kraft und Zuversicht im Blick, obwohl der Krebs schon lange an deinem Körper gezehrt hatte. Heute wäre dein 75. Geburtstag, eigentlich noch kein so sehr hohes Alter, heutzutage, und doch bin ich inzwischen schon 5 Jahre älter als du je werden durftest. Nur in mir drin, da fühlt es sich nicht so an, da bin ich oft immer noch die Kleine, die ihren Dad vermisst, der ihr durch’s Haar wuschelt und sie Wawuschel nennt. Der, der so zuversichtlich wie auf dem Foto guckt, sie fest in den Arm nimmt und ihr verspricht, dass alles gut werden wird.

Happy Birthday, Dad. Du fehlst. Immer noch. Nach all den Jahren.

Deine Katja

*DIE* Reise

Wenn für mich eine Reise in groß und in Sternchen gefasst, die Bezeichnung *DIE* Reise verdient, dann ja wohl diese. Fast 6 Wochen unterwegs gewesen, ganz exakt 40 Nächte an 14 verschiedenen Orten verbracht. 7585 km insgesamt – unterwegs in Deutschland, Frankreich, Portugal und Spanien. Das war vermutlich eine vollkommen einmalige Reise, sowohl einmalig im Sinne von traumhaft schön als auch (wahrscheinlich und leider) einmalig im Sinne von once in a lifetime.

Mal sehen, ob ich wirklich dazu komme und die Muße habe, hier demnächst ein paar Eindrücke festzuhalten, aber ich hatte auf Twitter versprochen, wenigstens alle Etappen der Reise, alle Orte, an denen wir übernachtet haben, mal aufzulisten und here we are:

25.09. Abreise
25.09.-26.09. Châlus (Frankreich)
26.09.-27.09. San Sebastian (Spanien)
27.09.-28.09. Santiago de Compostela (Spanien)
28.09.-30.09. Porto (Portugal)
30.09.-01.10. Nazaré (Portugal)
01.10.-22.10. Isla Canela (Spanien)
23.10.-24.10. Sevilla (Spanien)
24.10.-26.10. Jerez da la Frontera (Spanien)
26.10.-28.10. Granada (Spanien)
28.10.-29.10. Tomelloso (Spanien)
29.10.-30.10. Almazan (Spanien)
30.10.-31.10. Saragossa (Spanien)
31.10.-01.11. Yosa de Sobremento (Spanien)
01.11.-03.11. Soulac sur mer (Frankreich)
03.11.-04.11. Vicq (Frankreich)
04.11. Heimkehr

Lustigerweise hat unsere Route die Routenplanung von googlemaps gesprengt. Die kann nur 10 Etappen verarbeiten und darstellen.

Hier immerhin noch in Einzelteilen die Hin- und Rückreise – wobei bei der Rückreise auch die letzte Etappe nach Hause (in der Nähe von Darmstadt) fehlt, weil das die 11. Etappe gewesen wäre.

Es fühlt sich sehr unwirklich an, beim Nachhausekommen nicht nur ein Kalenderblatt umzublättern, sondern nach dem ersten einen Moment hinschauen und innehalten und dann direkt das nächste Blatt auch noch umzuschlagen, weil man über einen Monat lang unterwegs war.

In der ganzen Zeit habe ich exakt einmal und auch nur für eine Stunde etwa, gedacht, ich wäre gerade lieber zu Hause. Da war ich aber körperlich und emotional durch und hatte so das Bedürfnis nach heimischer Couch und Pizza vom Lieferdienst. Ansonsten habe ich die komplette Zeit sehr genossen. Der Gedanke, nach Hause zu kommen, fühlte sich vor allem merkwürdig an als ich noch unterwegs war. Am Ende war es dann weniger komisch als befürchtet.

In mir war es schon lange nicht mehr so ruhig und friedlich wie auf dieser Reise und die war so ungefähr das Allerallerbeste, was ich gerade für mich tun konnte. Natürlich vermisse ich das Meer wieder, sobald ich ihm den Rücken zugedreht habe, weil Zeit am Meer nie ausreicht, wenn ich wieder abreisen muss, aber ich bin auch unglaublich froh und dankbar, dass ich überhaupt so lange dort bleiben konnte. Die Reise fühlte sich in jedem Moment als enormes Privileg an und das hat sie noch besonderer gemacht.

Katja

Haftnotiz

Da ist dieser Termin, vor dem ich nicht erst seit Wochen sondern sogar schon seit Monaten Angst habe. Dann war er endlich da. Und ich krank. Und voller Angst und Unsicherheit, dass das jetzt zu einem noch größeren Problem werden könnte. Und dann war der Ersatztermin. Und ich immer noch krank. Zu viel Aufregung in den letzten Wochen, zu viel Anspannung, die dieses Mal nicht nur als *Ver*spannung in meinem Nacken landet, sondern auch als Entzündung im Magen und Darm. Zwieback, Kamillentee, Antibiotika, juchee!

Und jetzt warte ich schon wieder seit Wochen auf den Ersatztermin vom Ersatztermin vom Termin und dass ich keinen bekomme setzt mir noch mehr zu als es die Angst vorm Termin an sich könnte, weil herrje, ich will das jetzt endlich hinter mich bringen, will endlich wissen, was genau mich da überhaupt erwartet, wie schlimm es denn jetzt überhaupt wird.

Und dann gestern der Entschluss, jetzt selber tätig zu werden, mich aus der Ohnmacht des Wartens zu befreien, das Handy gepackt, tief durchgeatmet, nochmal tief durchgeatmet und nochmal und dann angerufen. Jetzt habe ich immer noch keinen neuen Ersatztermin, leider, aber schon zwei Dinge angesprochen, die wichtig sind. Immerhin. Und irgendwie fühlt sich das Warten jetzt ein bisschen anders an, nicht mehr ganz so ausgeliefert.

Selbstwirksamkeit. Ich kann viel häufiger selber etwas unternehmen als mir oft bewusst ist. Ommm. Daher hier wieder mal eine Haftnotiz für mich selber. Damit ich das hoffentlich irgendwann mal verinnerliche.

Ufff. Den Termin hätte ich trotzdem gerne bitte sehr zeitnah. Nicht nur aus Angstgründen.

Katja

Prummedatschi

Wenn ich eines in den letzten Jahren auf Twitter gelernt habe, dann dass es vom Twittern eines Fotos von Pflaumenkuchen ungefähr 10 Minuten bis zum „Prummetaat!  😍“-Kommentar von Micha und dem „Zwetschgendatschi! 😍“-Kommentar von Armin dauert und natürlich auch, dass das die regionalen Vokabeln im Westen bzw. Süden der Republik sind.

Und weil ich unlängst jemandem versprochen hatte, mein Rezept für die Prummedatschi (und vielleicht nenne ich Pflaumenkuchen einfach ab jetzt immer so, als Hommage an die beiden Vokabelgeber 😅) aufzuschreiben, mache ich das direkt hier.

Meine beiden bisherigen diesjährigen waren beide mit Quark-Öl-Teig und Zimtstreuseln und das war ziemlich grandios.

Für 1 Blech dafür braucht man:

Für den Boden:

400 g Mehl
1 Tütchen Backpulver
125 ml Milch
125 ml neutrales Öl (ich nehme Rapsöl)
100 g Zucker
250 g Magerquark

Für den Belag:

ca. 1,5 kg Pflaumen

Für die Streusel:

300 g Mehl
150 g Zucker
2 Tütchen Vanillezucker
150 g weiche Butter
2 TL Zimt
(2 Handvoll grob gehackte Walnüsse – optional für mehr Crunch)

 

Und so geht’s:

Die Zutaten für den Quark-Öl-Teig zusammenkneten und auf dem gefetteten Backblech ausrollen und mit einer Gabel ein paar Mal einpieken. Die Pflaumen waschen, entsteinen und leicht einschneiden und ziegelartig überlappend auf dem Teig verteilen.

Die Zutaten für die Streusel mit der Hand zusammenkneten und über die Pflaumen streuseln.

Bei 200°C Ober-/Unterhitze für ca. 25 min backen.

 

 

That’s all.

Katja

It’s the little things

Die Nachbarn haben gestern in ihrem Garten die Musik aufgedreht und Schlagerkaraoke gemacht. Das war sehr schief und es war sehr laut und vor allem war es nach 23 Uhr und ich seit einer Weile im Bett, wo ich zu schlafen versucht habe.

Bei den Temperaturen geht das nur mit geöffneter Terrassentür und Ventilator auf der Terrasse, was bedeutet: kurz vor 23 Uhr ist es schwierig. Dass wir hier relativ flughafennah wohnen, merkt man kaum, außer im Sommer, abends kurz vor elf. Ab 23 Uhr gilt das Nachtflugverbot am FRA, kurz vorher werfen die – ähnlich dem großen Knallfinale bei einem Feuerwerk – nochmal alles in die Luft, was Flügel hat und da der Tag dann ansonsten schon recht leise ist, fällt das enorm auf.

Wenn ich zu der Zeit schon im Bett liege, dann weiss ich ohne Blick zur Uhr haargenau: jetzt ist kurz vor elf, gleich ist Ruhe.

Also eigentlich. Wenn nicht die Nachbarn dann anfangen, im Garten lauthals Schlager mitzusingen. Es läuft irgendwas, was ich nicht kenne, dann Nino de Angelos Jenseits von Eden, von dem ich wünschte, es nicht zu kennen, denn so macht natürlich mein Kopf, nicht das, was er soll – nämlich abschalten – sondern versucht krampfhaft, sich an den Text zu erinnern…wenn selbst der Kopf nicht mehr ruht, wann er soll, dann sind wir jenseits von Eden. Das. Ist. Nicht. Schön.

Und weil es so unschön war, den gleichen Song direkt nochmal und dann einen anderen und noch einen und ich ertappe mich bei dem Gedanken, ob es vielleicht doch ginge, die Terrassentür zu schließen, um wenigstens wegen der Hitze nicht schlafen zu können, was in Summe nicht besser, aber wenigstens nervenschonender wäre und dann macht mein Kopf was und das ist völlig neu und 3 min später stehe ich, mit vom Gras im Garten ganz nassen Füßen, vor den Nachbarn und bitte sie freundlich, die Musik etwas leiser zu drehen und die nicken ebenso freundlich und sagen, dass sie sie ganz ausschalten, weil: ist ja schon spät.

Ich schlurfe durch’s nasse Gras zurück und brauche dann tatsächlich immer noch eine Weile zum Einschlafen. Jetzt aber aus Freude und ein bisschen stolz darauf, dass ich meine eigenen Bedürfnisse inzwischen oft spüren kann und sie auch ernst nehme und sie mir zugestehe und dass mich nicht mehr ganz pauschal hinter allen anderen einordne. Das ist neu und es fühlt sich gut an.

Und während ich das dachte, war es himmlisch ruhig.

Katja

#aufdasLeben

Heute vor genau 11 Jahren habe ich meinen allerersten Blogeintrag geschrieben. Damals eigentlich quasi fast ganz sicher, dass es bei dem einen bleiben würde oder zumindest nicht mehr als zwei oder drei daraus werden könnten, denn mir fiele ja vermutlich dann eh nichts mehr ein, was ich noch aufschreiben könnte. Damit lag ich knapp daneben, denn obwohl ich in den letzten Jahren sehr viel weniger gebloggt habe als zwischendrin mal, sind es inzwischen 2.234 – mit diesem hier also 2.235 veröffentlichte Blogtexte. Und in all den Jahren und auch in all den Phasen, wo ich hier wenig geschrieben habe, war irgendwie immer noch klar, dass das hier, das Aufschreiben meiner oft schwurbeligen Gedankensprünge, mir immer wieder enorm gut tut und dass mein Blog irgendwie fest zu mir und meinem Leben gehört und auch wenn ich hier mal ruhiger war und oft ja noch bin, kam mir trotzdem nie der Gedanke, das Bloggen ganz sein zu lassen. Ganz im Gegenteil, eigentlich nehme ich mir andauernd vor, wieder regelmäßiger zu schreiben – eben weil es mir gut tut – aber dann grätscht mir in den letzten Monaten ziemlich oft mein Leben dazwischen und mir fehlt die Energie, mich auf’s in die Tastatur fließen einzulassen, stattdessen muss ich gerade häufig Realitätsflucht begehen, weil mein Kopf sonst komplett rund dreht.

11 Jahre in denen sich für mich sehr viel verändert hat. In denen ich mich selber sehr verändert habe. Vielleicht bin ich gerade deswegen so froh über diese kleine Konstante in meinem Leben – auch, weil es mir oft auch erst mal wieder vor Augen hält, wie groß meine Schritte inzwischen geworden sind.

Danke dafür, dass ihr immer noch da seid, hier immer noch mitlest. Ich sage seit Jahr und Tag, dass es in erster Linie das Aufschreiben für mich selber ist, was mir gut tut, aber dass ihr hier lest und so oft Anteil an meinem Leben habt, mir oft Resonanzboden für meine Gedanken seid, ist das Sahnehäubchen auf der Torte mit den 11 Kerzen.

Danke. Schmag euch. Sehr. ❤

 

Und trotzdem bleibt es immer gleich
Ich schlage auf und stell mir vor
Was wäre, wenn’s noch schlimmer wird
Den immer gleichen Satz im Ohr:
Dass Atmen sich wohl trotzdem lohnt
Das Schicksal niemals wen verschont
Die Straße ist nicht immer eben
Und gerad‘ deswegen: #aufdasLeben

Happy Blogsday, mein gar nicht mehr so Kleines! Dich mag ich auch sehr. Immer noch.

Katja