Irgendwo


zwischen Trauer und Glück
zwischen stark und schwach
zwischen grau und bunt
zwischen oben und unten
zwischen Kopf und Herz
zwischen warum und deshalb
zwischen warm und kalt
zwischen wollen und nicht können
zwischen Verzweiflung und Erleichterung
zwischen Denken und Fühlen
zwischen Ruhe und Getriebensein
zwischen zu wenig und zu viel
zwischen alten Mustern und neuen Wegen
zwischen Festhalten und Loslassen
zwischen neben mir stehen und bei mir sein
zwischen Halten und Fallen
zwischen Energie und Antriebslosigkeit
zwischen Kopf in den Wolken und Füße am Boden
zwischen schwarz und weiss
zwischen Einatmen und Ausatmen
zwischen zwei Herzschlägen.

Katja

141144

Es gibt überhaupt kein Jahr mehr, in dem ich nicht am 14.11. schreibe, dass in den letzten 12 Monaten so so viel passiert ist. Oft meine ich damit gar nicht mal das Außen, obwohl in den letzten 12 Monaten auch in diesem Außen verdammt viel passiert ist, sondern was sich in mir drin so tut. Und dann fällt mir auf, dass ich mich in all den Jahren immer wieder an den gleichen Themen abarbeite, dass ich zwar irgendwie vorankomme, aber dieser Grundknacks, den ich habe, der bleibt wohl immer der gleiche. Und doch finde ich immer wieder einzelne Puzzlestücke, die nach so vielen Jahren an ihrem Platz einrasten – das neueste liegt quasi noch frisch vor mir. Zusammenhänge. Warum ich so ticke wie ich ticke und wieviel davon mit dir zu tun hat. Wie viel davon damit zu tun hat, dass der verschissene Dreckskrebs mir dich just dann weggenommen hat, als ich mich, wahrscheinlich zum ersten Mal in meinem Leben überhaupt, geliebt gefühlt habe. Für die, die ich bin, nicht für irgendwas was ich tue. Aber vielleicht war ich da schon zu alt als dass es sich noch tiefer hätte einprägen können. Stattdessen geblieben ist die Angst, dass die Menschen, die ins Herz geschlossen habe, wieder aus meinem Leben verschwinden, so wie du es getan hast. Und jedes Mal, wenn sowas passiert, wirft es mich zu Boden und es hat lange gedauert, diesen Zusammenhang zu verstehen, warum der Aufprall immer so hart ist und wie viel davon alter Schmerz ist und jetzt bin ich wieder mal wütend auf dich, weil du vor fast 31 Jahren einfach gestorben bist, obwohl ich dich doch noch so dringend gebraucht hätte. Aber vielleicht ist es gut, dass ich diese Wut endlich spüren und auch zulassen kann, um vielleicht irgendwann einen Umgang mit dem Gefühlsdurcheinander zu finden, das du damals in mir hinterlassen hast.

Happy Birthday, Dad. Herrje, du fehlst mir immer noch. Nach all den Jahren.

Katja

buy one, get one free

Seit Tagen fühlt es sich an als hätte ich zwei Köpfe und ich meine jetzt nicht so drachengleich in physischer Form sondern das, was da inhaltlich passiert. Ein ständiger Wechsel zwischen Gedanken, die immer wieder im Kreis die gleichen Pfade ablaufen, feststecken, nicht voran kommen, sich verzetteln und noch bevor die Spuren der letzten Runde verblasst sind, geht der Kopf – oder, bei näherer Betrachtung ist es vielleicht gar nicht der, sondern eher der Bauch oder das Herz, die sich da die Füße platt laufen – schon in die nächste Runde. Das ist nicht neu, das kenne ich schon. Aber dann kommt irgendwann der zweite Kopf, diesmal wirklich der Kopf, jener mit Verstand ins Spiel, mit dem es sich völlig anders verhält. Der ist ruhig und überlegt, erkennt die alten Muster, die da gerade aufpoppen, hat den Überblick, gechillte Distanz. Been there, done that, kommt nix Gutes bei raus, also vielleicht mal anders probieren? Und ich hänge irgendwo dazwischen, hin- und hergeworfen, mal mitten im Sturm, mal im Auge des Orkans
und
das
ist
fürchterlich
anstrengend.
Und dabei bin ich noch nichtmal bei der (eventuell) finalen Frage, ob und wie sehr ich noch ich bin, wenn ich vielleicht mal anfange, auf den Kopf statt auf’s Gefühl zu hören und ob das, was einerseits so bestechend klug erscheint, nicht auch ein Stück weit Verrat an mir selbst ist. Oder (haha, als gäbe es hier gerade auch nur einen einzigen Gedanken, der keine zweite Seite mitbringt, quasi als Gratiszugabe, yay /o\) ist ein Stück weit Selbstschutz zu lernen nicht das genaue Gegenteil von Verrat an mir selber? Aaaaaaaaarghhhh.

Janus, äh Katja

Because you know it’s all about the…

Manchmal glaube ich, es geht eigentlich immer in irgendeiner Form ums Annehmen und Loslassen und dass sich am Ende alles irgendwie darauf zurückführen lässt.

Annehmen. Vor allem mich selber. Vor allem die Teile von mir, mit denen ich mir oft doch so schwer tue. Die Dunklen, die Traurigen, die Verzweifelten, die fast schon zwangsläufig in ein „warum bist du nur so wie du bist und nicht anders?“ münden, was ungefähr das Gegenteil von dem ist, was in solchen Momenten hilfreich wäre, denn letztendlich schiebt mich das Hadern mit mir selber immer nur weiter in Richtung Boden. Annehmen. Auch die schlechten Tage. Auch jene Gefühle, die ich lieber nicht fühlen würde.

Annehmen und dann loslassen. Loslassen von dem, was ich nicht haben will, dem, was ich nicht haben kann, dem, was mir nicht gut tut.

Und dabei am besten noch locker bleiben, denn ohne das geht weder das eine, noch das andere so richtig und schon gar nicht leicht. Ach herrje, wenn da nur nicht immer diese Kluft wäre zwischen dem, was mein durchaus kluger Kopf so weiß und dem, was mein kleines dummes Herz daraus macht.

Einatmen. Ausatmen.

Katja

die jetzt länger nach einem griffigen Titel gesucht als am Text geschrieben und sich am Ende selber ’nen Ohrwurm gemacht hat

Treasure

Und dann, als du wach liegst und die Hand auf’s Herz legst, spürst du auf einmal, dass da was anders ist. Da, wo vorher immer dann, wenn du nicht am Meer warst, sofort ein stechender sehnsüchtiger Meerwehschmerz einsetzte, fühlt es sich auf einmal an, als wäre alles angefüllt mit dem Rauschen und den Wellen des Atlantiks und du weisst, dass die Verbindung die du dieses Mal mit dem Ozean eingegangen bist, eine andere ist. Die Windsbraut, die Wellentochter, das girl of the sea hat das Meer im Herzen mit nach Hause genommen.

Und du hoffst, dass es da bleibt, wenigstens für eine Weile, und bist in diesem Moment unendlich froh. Und dankbar.

Katja 🌊

 

Declaration of Independence oder how to make your own Laugenbretzeln

Zu den Dingen, die ich schon seit Jah-ren mal selber ausprobieren wollte gehören definitiv Laugenbretzeln und obwohl ich ja tatsächlich gerne backe, hab ich es bisher immer gescheut, mich ranzuwagen – das hat ja auch ein bisschen was mit Ehrfurcht und Sakrileg und so zu tun. Aber nachdem ich letztens auf Twitter einen Schwaben Franzbrötchen habe backen sehen, dachte ich, die Weltordnung sei ohnehin schon so weit auf den Kopf gestellt, dass sich vermutlich kein schwarzes Loch in meiner Küche auftun wird, wenn ich’s mal mit dem Laugengedöns probieren würde. Das hat auf Anhieb so dermaßen gut geklappt, dass ich dringend das Rezept hier festhalten muss.

Für 6 (kleine) Bretzeln braucht man:

300 g Mehl
1/2 Würfel Hefe (oder 1 Tütchen Trockenhefe)
1 TL Zucker
1,5 TL Salz
210 ml Milch
sowie Bretzelsalz oder Sesam oder whatever man oben drauf haben möchte, nach Belieben

und für die Lauge:

1,5 l Wasser
3 EL Natron

Und so geht’s:

Die Milch lauwarm erhitzen, in der Zwischenzeit Mehl, Trockenhefe, Zucker und Salz vermischen (bei frischer Hefe kommt der Zucker mit in die Milch und die Hefe wird in der lauwarmen Milch aufgelöst), Milch drüberkippen und die Zutaten gründlich mind. 5 min lang zu einem geschmeidigen Hefeteig verkneten.

Zugedeckt ca. 45 min gehen lassen bis sich das Volumen verdoppelt hat.

Die Luft aus dem Teig schlagen, den Teig in 6 Teile aufteilen, nochmal durchkneten und Bretzeln (oder was man sonst gerne haben möchte) daraus formen. Wie das sehr einfach geht, hab ich mir da abgeguckt:

Während man die Bretzeln formt, schon mal einen (ausreichend großen) Topf mit 1,5 l Wasser und 3 EL Natron zum Kochen bringen und für 10 min kochen lassen. (Gibt man das Natron erst ins heiße Wasser schäumt das erst mal ziemlich hoch, ansonsten ist es aber völlig entspannt.)
Die Bretzeln einzeln mit einem Schaumlöffel in die kochende Lauge geben und da für 30 sek baden. Zwischendrin immer wieder unterstupsen und nach der Hälfte der Zeit umdrehen. Danach auf ein mit Backpapier belegtes Blech geben, den dicken Teil mit einem Messer einritzen, Salz drüberstreuen und für ca. 25 min bei 180°C Ober-/Unterhitze backen.
That’s all.
(Klick macht big)
Katja

Es geht immer ums Tun, nie ums Sein.

Wenn ich abends auf den Tag zurückblicke, sind es immer die Tage, an denen ich wie eine Blöde vor mich hingearbeitet habe, an denen es mir am besten geht. Ich bin fertig, ich habe über meine Reserven und Ressourcen hinaus geschuftet? Prima! Dann darf’s mir jetzt auch gut gehen. Ich. Kann. Nicht. Nichtstun. Zumindest nicht so, dass ich es mir gut zugestehen könnte, dass ich mich nicht elend fühle, weil ich nichts „geschafft“ habe. Als ginge es immer nur darum, etwas zu schaffen. Schaffe, schaffe, Häusle baue und der Selbstwert hängt wieder mal gefährlich eng mit der eigenen Leistung zusammen. Liebenswert, nur weil ich ich bin? Niemals. Aber wenn ich viel gemacht habe, ordentlich was weggeschafft habe, dann doch sicher, ja? Und so packe ich mir die todo-Liste voll, oft deutlich voller als das, was ich realistisch schaffen kann und Hinsetzen ist ja erst dann okay, wenn ich am besten fertig bin. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, hallt es im Kopf. Pause, dann wenn ich fertig mit der Arbeit bin. Oder eben innerlich und kräftemäßig so fertig, dass nichts mehr geht. Rien ne va plus. Das Gemeine ist, dass ich sehr genau weiß, wo diese Denkweise ihren Ursprung hat, seit wann ich diese Beule* habe (hint: natürlich ganz früh in meiner Kindheit, wie fast all der Mist, an dem ich mich abkämpfe), aber ich weiß nicht, wieso das aktuell wieder so stark aufpoppt und auch nicht, wie ich da gerade rauskommen soll. Natürlich will ich lieber, dass es mir gut geht. Also müssen die Tage erfolgreich sein. Aber so richtig gut geht es mir dann doch nicht, das ist wieder nur die Fassade. Man (ich) muss doch jetzt irgendwie merken, dass ich wertvoll bin, wo ich mich doch so abstrampele. Ich wäre so verflucht gerne auch mal wertvoll, wenn ich ’nen Tag mit Tee und Buch unter der Kuscheldecke auf dem Sofa verbringe. Ich würde das so gerne mal hinbekommen und es genießen können und mich nicht elend und als Vollversagerin (natürlich immer voll, nicht nur so’n bisschen, ich mache ja keine halben Sachen) fühlen. Orrrr. Orrrr.

(*Das, was ich bisher immer „Macken“ genannt habe, nennt die Kollegin „Beulen“ und ich finde es deswegen schöner, weil eine Beule größere Chancen hat zu heilen, als wenn man sich eine Macke irgendwo reingeschlagen hat, wie bei einer Tasse und ich mag’s auch, weil die Macke (für mich) immer so einen Hauch von selbstverschuldet hat, die Beule kommt oft durch Kloppe von außen. Manche buchstäblich…)

Katja