Grad‘ deswegen.

Zerrissen zwischen so viel Wollen und so wenig Trauen. Wie zur Hölle macht man das nur? Dinge nicht vorher so dermaßen zu zergrübeln, dass man am Ende nur mit hochgezogenen Schultern reglos dasitzt. Gelähmt.

Das Jahr ist noch jung und trotzdem habe ich gerade das Gefühl, mich so viele Dinge auf einmal nicht zu trauen. Ok, möglicherweise liegt es daran, dass ich gerade so viele Dinge auf einmal gerne machen / ändern würde und vielleicht ist es dann logisch, dass die alle auf einmal mich total überfordern. Aber es windet sich und windet sich im Kopf und ich weiß nicht, wo ich ansetzen, anfangen soll. Angst. Angst. Angst.

Nichts steht mir jemals so im Weg wie ich mir immer selber – mit all dem Denken und Grübeln und (Be-)Fürchten, anstatt einfach mal anzufangen, auszuprobieren, zu machen. Dabei weiß ich nicht mal, wovor genau ich mich so fürchte. Ob wirklich vor dem Scheitern. Oder vielleicht, manchmal, auch einfach vor der Veränderung, die Mutfassen mit sich bringt.

Die Zeit ist reif für Tränen, Schweiß und Blut,
Für ein ehrliches Stück grundsolides Leben!
Die Zeit ist reif für massenweise Mut,
Für die allerletzte Ruhe vor dem Beben!

(Jupiter Jones – Auf das Leben)

Und life goes on.
Und irgendwie mach ich das schon!

Katja

 

Rezeptbaukasten: No-Butter-Dingsi, #1 Chicken

Eines meiner absoluten Lieblingsrezepte stammt von Tanya, deren Blog leider schon seit geraumer Zeit ganz verwaist ist. Jedes Mal, wenn ich das kochen will – und das ist bei diesem Essen aufgrund der explosiven Aromenvielfalt wirklich oft der Fall – googele ich „kyramae butter huhn“ oder etwas ähnliches und jedes Mal halte ich die Luft an, ob google mich hinführt, weil ich immer ein kleines bisschen Angst habe, die Lieblingstanya könnte ihr feines Blog, das übrigens das allerallererste Blog war, das ich jemals gelesen habe, irgendwann ganz abschalten und das Rezept könnte damit im Nirvana versinken. Klar, eigentlich weiß ich, was alles rein kommt, aber bei all den Gewürzen bin ich nie 100%ig sicher, von welchen die Ess- und von welchen die Teelöffel reinkommen, daher gucke ich doch immer wieder nach.

Um meine Nerven endlich mal zu beruhigen und mir die Angst zu nehmen, muss ich jetzt endlich mal die genauen Mengen noch irgendwo greifbar festhalten und weil es wirklich so ein grandioses und einfaches Gericht ist, das in der ganzen Wohnung großartigen Duft verbreitet, halte ich’s hier fest auf dass ihr auch alle No-Butter-Chicken süchtig werdet. Kocht. Das. Nach. Das ist wirklich famos! (Oder kocht einen der anderen Teile, die hier irgendwann demnächst noch folgen werden und mit ein Grund dafür sind, dass ich’s endlich mal hier verblogge.)

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Man braucht dafür:

500 g Hühnerbrust
1 (rote) Zwiebel
2-3 Zehen Knobi
1 etwa daumengroßes Stück Ingwer
2 EL Tomatenmark
1 EL braunen Zucker
1 EL Kreuzkümmel (ganz, wenn ihr habt, sonst geht auch gemahlen)
1 EL Garam Masala
1 TL Salz
1 TL Kurkuma
1 TL rote Chiliflocken
1 Schluck Olivenöl
2 EL Joghurt
200 ml Wasser

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Und so geht’s:

Gewürze zusammensuchen, Hühnerbrust in kleine Würfel schnippeln, Zwiebel, Knoblauch und Ingwer schälen und fein würfeln.

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Olivenöl in einer großen Pfanne erhitzen und Zwiebel, Knobi und Ingwer ein paar Minuten bei mittlerer Hitze unter Rühren anschwitzen, dann die Gewürze dazugeben und ein paar Minuten rösten bis die ganze Küche intensiv danach duftet. Das Tomatenmark dazugeben und mit den Zwiebeln und Co. vermischen.

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Die Hühnerbrust ebenso in die Pfanne und so lange wüst drin rumrühren bis die Fleischstücke rundum mit der roten Gewürzpaste überzogen sind und dabei ein bisschen anbraten. Die müssen bei weitem nicht garen, das tun sie gleich, indem sie in der Soße durchziehen und werden dabei wunderbar zart.

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Wasser angießen, kräftig rühren und ca. 20 min vor sich hinblubbern lassen, dann den Joghurt reinrühren, nicht mehr kochen (sonst gerinnt der Joghurt). Fertig.

Reis passt wunderbar dazu oder auch Naan-Brot. (Das auf dem Foto ist mit Shirataki-Nudeln.) Wem’s zu scharf ist, der verrührt ein bisschen Joghurt mit einem Schluck Olivenöl und frischer oder getrockneter Minze. Das kühlt herrlich und nimmt die Schärfe.

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Omnom! Ich glaube, ich muss das nächste Woche schon wieder machen.

Katja

Ach und trotzdem.

Und dann merkst du irgendwann, du kannst das nicht, nicht so, merkst wie die Wunde jedes Mal wieder aufplatzt, wie es jedes Mal wieder weh tut und dass du dich nicht mehr darüber freuen kannst, sondern nur noch traurig bist.

So funktioniert das nicht. Du dachtest, es ginge ok so und dass du damit klar kommen könntest, aber diese Sache, da geht das nicht, da geht kein Ungleichgewicht, da geht nur Augenhöhe, sonst ist es irgendetwas anderes und ganz anders als das, wie es für dich (ge)passt (hat).

Aber dann merkst du, bei all den Tränen, immerhin, dass es hier um Selbstschutz geht, vielleicht zum ersten Mal überhaupt und dass der gerade wichtig für dich wird, du ihn dir zugestehen kannst und scheinbar doch endlich anfängst, auf dich achtzugeben.

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Katja

 

Shaka, als die Mauern fielen.

Dann, wenn der Groschen gefallen ist, irgendwann viel viel […] später, wenn der Zusammenhang zum ersten Mal vor dir offen liegt, die Frage der Fragen zum ersten Mal eine Antwort gefunden hat und wenn dir genauso unerwartet wie beim vorigen Mal und in der gleichen Situation wie beim vorigen Mal der nächste Zusammenhang, das, was da an dieser Antwort ja auch noch dran hängt, wie eine fehlgeleitete Silvesterrakete dicht an den Ohren vorbeisaust.

„Was passiert jetzt gerade mit Ihnen? Was löst diese Tränen aus?“ Und du willst, aber kannst vor lauter Schluchzen gar nicht sprechen, merkst, wie dein Kinn zittert, kein Laut über deine Lippen kommt, weinst, weinst, weinst, weinst… erst mal einfach weiter. Und er lässt dich, lässt dir die Zeit und du brauchst nicht hinzugucken, weißt auch so, dass dieser leicht besorgte, verständnisvolle, (ab-)wartende Blick auf dir ruht, den du in den letzten Monaten schon so häufig gesehen hast.

Dann, nach einer gefühlten Ewigkeit, als du endlich wieder sprechen kannst, ohne dass dich das Schluchzen erneut erschüttert, erklärst du stockend. Wenn das alles gar nicht an dir gelegen hat, eigentlich gar nichts mit dir zu tun hatte und es doch DAS war, das dich, das dein Leben am allermeisten geprägt hat. All der Selbsthass, all die Lebenszeit, die du damit zugebracht hast, und dann auf einmal bricht die Ursache dafür weg. Es liegt nicht an dir, du bist vielleicht gar nicht, nicht liebenswert. Und du weißt nicht weiter, weißt nicht, wie du mit diesem neuen Gedanken klar kommen kannst und sollst, weißt gar nicht, was das jetzt mit dir macht. Die Grundlage auf einmal weg. Es hatte nie mit dir zu tun.

Auch Wochen später weißt du immer noch nicht, wie du damit umgehen sollst, was das jetzt eigentlich verändert. Wie sich die Dinge dadurch ändern können. Endlich. Ändern. Können.

Ratlos. Überfordert.

Und doch. Irgendwo in dir ist auch eine ganz neue Erleichterung. „Es liegt nicht an mir.“, sagst du dir immer wieder, schließt die Augen, spürst wie die Tränen wieder in dir aufsteigen, aber andere, trotzigere, mutigere.

Katja

 

Knäuel

Keine Ruhe im Kopf. Wieder mal. Zu viele Dinge, um die die Gedanken gleichzeitig kreisen und kreisen und weiterkreisen und dann scheint es als würden sie Fäden oder doch zumindest fadenartige Spuren hinter sich herziehen und je wilder alles kreiselt, desto mehr verheddert sich der ganze Mist im Kopf. Und ich sitze da, rolle den aufgewickelten, verhedderten Gedankenschnurwollball von der linken Hand in die rechte und wieder zurück, betrachte den wüsten Mix aus Farben und Mustern und finde wieder mal keinen Anfang, keine Stelle, an der ich anfassen kann und von wo aus ich mich ans Entwirren machen könnte. Irgendwie ist das tatsächlich ähnlich wie bei einem neuen Wollknäuel. „Man muss immer den Fadenanfang im Knäuelinneren suchen“, habe ich als Kind von meiner Oma gelernt, „weil sich dann alles ganz leicht einfach von innen rausziehen lässt“ und nicht rumkullert und sich auf’s neue verheddert, wie es passiert, wenn man einfach den äußeren losen Faden nimmt. Meine Oma konnte das wirklich perfekt. Von beiden Seiten steckte sie Zeigefinger, Mittelfinger und Daumen ins Wollknäuel, tastete ein bisschen rum und voilà, kurze Zeit später zog sie lässig die Finger wieder raus und hatte den Fadenanfang zwischen den Fingern.

Bei mir sieht das leider ganz anders aus. Ich stecke die Finger, genau wie meine Oma, ins Knäuel, dann taste ich und fühle und suche und am Ende habe ich das halbe Knäuel Wolle rausgerissen, verknotet und vertüdelt, aber den Anfang sehe ich immer noch nicht und das ist jetzt am Ende des Bildes mehr Parallelität zu meinem aktuellen Gedankenschnurwollball als mir lieb ist.

Katja

Neulich auf dem Parkplatz

Heute Nachmittag fahre ich auf den Supermarktparkplatz. Ein Stück vor mir rangiert jemand ziemlich langsam aus einer Parklücke raus. Ich halte, statt mich vorbeizudrängen, in ausreichendem Abstand an und warte ab, dann fällt mir auf, dass direkt rechts von mir eine freie Parklücke ist, die ich wegen des Rangierers vorne übersehen hatte. Ich fahre in die Parklücke, merke schon, dass mich ein Mann in 3, 4 Metern Entfernung beobachtet, steige aus. Er so „Sie haben Ihren Behindertenausweis vergessen.“. Ich – völlig verdutzt und mehr stammelnd als deutlich – weil ich weder wusste noch gesehen hatte, dass es sich um einen Behindertenparkplatz handelt „Oh, ist das ein Behindertenparkplatz?“ Er schnaubt ein verächtliches „natürlich“ raus, dreht sich um, geht weg. Ich steige wieder ins Auto, fahre aus der Parklücke (tatsächlich, am Boden ist ein Rollstuhl aufgemalt, den man aber durch den Frost auf dem Plaster kaum erkennen kann), parke anderswo.

Stunden später geht mir die Situation immer noch nicht aus dem Kopf.

Ich habe noch nie (absichtlich) auf einem Behindertenparkplatz geparkt. Nicht mal für 5 min. Nicht mal, wenn ich im Auto sitzen geblieben bin. Mir war die Situation nachmittags entsetzlich unangenehm. Die durch seine Bemerkung implizite Unterstellung des Mannes, ich hätte absichtlich auf dem Behindertenparkplatz geparkt, mein unsicheres Stammeln (,das mich vermutlich erst recht hat „schuldig“ wirken lassen) und das blöde Gefühl hinterher.

Eigentlich ist das keine große Sache und doch lässt es mich schon den ganzen Tag nicht los. Ich geb mir doch tatsächlich Mühe, die Dinge richtig zu machen und es war ein Versehen. Und irgendwann bin ich auch wütend über die Unterstellung geworden, diese Bemerkung, die mir gar keinen sinnvollen Raum zur Reaktion ließ, der Mann der automatisch davon auszugehen schien, dass ich natürlich in vollem Bewusstsein und Absicht einen Behindertenparkplatz blockiere ( und das obwohl 3/4 des Supermarktparkplatzes frei waren…).

Seitdem denke ich darüber nach, wie diese Situation sich auch hätte klären können.

„Entschuldigung, haben Sie bemerkt, dass Sie auf einem Behindertenparkplatz parken?“

„Huch, nein. Das habe ich gar nicht gesehen. Haben Sie vielen Dank, dass sie mich darauf hinweisen.“

Es hätte so einfach sein können. Für ihn, wenn er nicht automatisch von meiner Schlechtigkeit ausgegangen wäre. Für mich, wenn ich die Gelegenheit gehabt hätte, meinen Irrtum auf angenehmere Weise aufzuklären.

Und selbst wenn ich absichtlich dort geparkt hätte (was ich, um’s nochmal zu erwähnen, nicht habe), wäre die zweite Variante so viel positiver gewesen. Denn dann wäre ich nicht verärgert über’s „auf frischer Tat ertappt werden“ gewesen, sondern hätte auch dann einen Ausweg gehabt, bei dem ich mich zwar geschämt, aber mein Gesicht nicht verloren hätte. Was – und jetzt unterstelle ich mal – vermutlich eher dazu geführt hätte, dass ich mir in Zukunft eine bessere Parkmöglichkeit gesucht hätte.

Für mehr Nachfragen und weniger Unterstellungen!

Katja

Nämlich.

Vor lauter „Oh Mist, ich wollte ja noch irgendwie das letzte Jahr reflektieren. Oh Mist, ich müsste ja dringend wieder mal den Header austauschen. Oh Mist, das Rezept wollte ich doch längst verbloggen. Oh Mist, es ist ja schon der 3. Januar und ich bin mir noch gar nicht so schlüssig, ob und was für Vorsätze ich für 2017 fasse.“ und diversen anderen mit „Oh Mist“ beginnenden und mit Dingen, die ich dringend machen wollte, weitergehenenden Gedanken, bin ich wieder mal in eine Art Schockstarre verfallen und statt eines nach dem anderen irgendwie anzupacken, hab ich (bisher) einfach gar nichts davon gemacht.

Weil jetzt aber wirklich schon der 3. Januar ist und ich irgendwie mal wieder dringend aus dieser Schockstarre raus und in eine Kopf-auskipp-und-schreib-Routine rein möchte, mache ich ganz was anderes und wünsche euch ein gutes, gesundes, glückliches, buntes, puschliges, zufriedenes, außergewöhnliches und mit Käse überbackenes neues Jahr! Auch wenn das natürlich am 3. Januar schon wieder keiner mehr hören will und kann. Aber hey, es hätte auch schlimmer kommen und ich mich noch eine Woche länger nicht dazu aufraffen können. Mit dem Wissen im Hintergrund lässt sich das doch sicher total easy aushalten.

Nämlich.

Katja