Regionale Sprachdingse

Wer nicht alles isst, war in der Gegend, in der ich aufgewachsen bin (Vogelsberg/Hessen) ’schneubig‘ bzw. eben ein ‚Schneuber‘. Spontan fallen mir noch ’schnücksch‘ und ‚mäkelig‘ als Synonyme für diese Eigenschaft ein, denen ich in den letzten Jahren begegnet bin – ich weiss aber nicht mal, wo die herstammen. Und gerade schrieb Frau Leo in einem Kommentar was von ’schneikig‘. Ein tolles Wort, das ich bis dato noch nie gehört hatte.

Wie nennt man das denn in eurer Gegend, wenn jemand beim Essen sehr wählerisch ist, auf seinem Teller rumpickt und nicht alles isst? Ich glaube, dafür gibt es wirklich viele verschiedene regionale Begriffe. Helft ihr mir beim Sammeln der Wörter (möglichst mit zugehöriger Gegend)?

Katja

*Edit: Ich ergänze hier mal, was in den Kommentaren zusammengekommen ist.

schnäkig sagt man in Mainz
und vermutlich im Süden Hessens ist man schnäk mit langgesprochenen ä
krüsch sind die Hamburger Schneuber
leksch heisst es in NRW und Niedersachsen
die Badenser sind schneikig
die Schwaben schleckig
picky heisst’s im Englischen
in Oberösterreich ist man haglich
und so ähnlich klingt das bayerische Wort hoaklig
es gibt aber auch Menschen, im bayerisch-schwäbischen Grenzgebiet und auch in Niederbayern, die das hochdeutsche heikel verwenden
dort (also in Bayern) sagt man auch g’schleckert
in Franken bzw. Oberfranken heisst es knäschig, aber das wird dort natürlich wie gnäschig ausgesprochen
in und um Braunschweig sagt man bei Kindern mäkelig/mäklig, das määglich ausgesprochen wird,
Erwachsenen sind dort wahlweise wählerisch, wenn sie trotz Angebots nichts für sie passendes finden und pingelig, wenn sie sich an Kleinigkeiten stören (alles auch um Braunschweig)
ebenfalls sind die Menschen aus Essen, die nicht alles essen mäkelig
im Ruhrgebiet, oder Teilen davon, nutzt man ausserdem noch krattig
die Sauerländer sind schnöggelig und das klingt so niedlich, dass ich es fast gerne wäre
vom Klang her ähnlich ist schneckelig, was vermutlich eine ungarndeutsche Bezeichnung ist
bei den Frankfurtern klingt’s ganz ähnlich wie im Vogelsberg, die sagen schnäubisch
im Schwarzwald ist man schnaugig oder auch direkt ein Schnaugmaul, ausserdem wird in der Familie derjenigen, die mir das Wort auf Twitter genannt hat, noch pfuizen benutzt, wenn man etwas zu Essen vehement ablehnt (vielleicht weiss jemand, in welcher Gegend man das noch sagt?)
und im Süden des Schwarzwaldes ist man naißig
aus der Kurpfalz kommen nicht nur Jäger, sondern auch doddlische Esser
Ostfriesen sind pinnig, was man aber pinnich spricht und vielleicht nur ein genuscheltes pingelig ist – manchmal auch nur mit einer Silbe
die Heidelberger sagen schnäkisch oder schleckisch, das scheint in unterschiedlichen Aussprachen und Schreibweisen sehr verbreitet zu sein
und auch die Saarländer sind schnäkisch
Falls ihr noch Worte dafür kennt, die noch nicht in der Liste stehen, würde ich mich sehr über einen Kommentar freuen, um die Sammlung zu vervollständigen!🙂

Vielen Dank nochmal an alle, die schon mitgemacht haben.

40 thoughts on “Regionale Sprachdingse

    • Picky passt in der Tat sehr gut!😀

      Gibt’s eigentlich ein hochdeutsches Wort? Wählerisch würde mir einfallen, aber das bezieht sich ja nicht nur auf Essen.

      • Laut LEO.org ist waehlerisch die korrekte Uebersetzung. Ich hab da heute morgen auch erst mal drueber nachdenken muessen und mir faellt sonst auch nichts ein. Bis ich zum Studium nach Schwaben gezogen bin, dachte ich uebrigens, schneickig *sei* Hochdeutsch lol

        Toller Thread, find ich toll, dass Du das so aufgegriffen hast🙂

      • Vielleicht gibt’s das ja genau deswegen in allen möglichen Dialektvarianten, weil es kein hochdeutsches Wort gibt, das für sich alleine stehen kann? *überleg*
        ‚xy ist wählerisch‘ muss man ja immer noch ergänzen und erklären. ‚xy ist schneickig‘ versteht jeder direkt. Äh also zumindest jeder Badener (Badenser?).😀

        Aufgreifen bot sich an, weil ich solche Dialektworte, die es nur regional gibt, so gerne mag. Und speziell bei dieser Bedeutung ist mir schon häufiger aufgefallen, dass es da viele verschiedene Worte gibt.🙂

  1. Hallo!
    Ich bin zufällig hier reingestolpert und beteilige mich gerne:
    bei uns (Bayern) nennt man das „hoaklig“ (kommt von „heikel“, was meines Wissens auch der entsprechende hochdeutsche Begriff ist) oder „g’schleckert“.

    • Das „g’schleckert“ klingt ja auch sehr freundlich, wobei ich bei schlecken immer so die Süßigkeiten-Assoziation im Kopf habe.

      Vielen Dank für’s Mitmachen und herzlich Willkommen auf meinem Blog!🙂

  2. meine Oma und mein Opa (kommen aus Oberfranken) sagen dazu knäschig.
    bzw. fränkisch = gnäschig, wegen dem hadden d und weichen d – „k“ gibds ned😀

  3. Bei uns sind die (Klein)kinder, die nicht alles essen: mäkelig; mäklig (gesprochen: määglich „Die sind heute wieda mal määglich“

    Bei etwas Älteren sagt man dann auch schon: „Der ist aber heute wieder wählerisch“ – wenn nicht das richtige Angebot vorhanden ist
    oder „Sei nicht so pingelig“ – wenn einige, unerwünschte Mohnsamen am Sesambrötchen kleben.

    • Toll! Vielen Dank für’s Mitmachen. Ich freue mich wirklich sehr, dass die Sammlung, obwohl der Beitrag schon so alt ist, immer noch mal weiterwächst!🙂

  4. Ist zwar schon ein alter Beitrag (aus der Sidebar gepickt), aber vielleicht noch etwas, das (möglicherweise) aus einer Ecke des Ruhrgebietes stammt: Meine Mutter, die mit Essen sehr wählerisch/pingelig ist wird von ihrer Schwiegermutter, der Mutter meines im Ruhrgebiet geborenen Stiefvaters, auf Speisen bezogen „krattig“ genannt, wie in „Wat se nich kennt, datt isst se nich, die is immer so krattig“. Ich weiß allerdings nicht ob das allgemein gültig ist. Kenne den Dialekt da nicht.

    • @dergl: Oh toll! Ich freue mich nach wie vor über neue Begriffe für die Sammlung. Hier landen auch relativ häufig google-Suchanfragen, diese Besonderheiten sind scheinbar noch für mehr Menschen von Interesse. Vielen Dank für einen weiteren Eintrag für die Liste.🙂

      • Wenn du willst, ich habe zwei Kurpfälzisch-Wörterbücher (ich wohnte früher in Heidelberg), kann ich da auch mal nachschlagen, ob etwas dazu verzeichnet ist.

      • Auf die Schnelle habe ich doddlisch gefunden. Das bedeutet eigentlich etwas anderes, sowas wie „weich“ oder „matschig“ bei zum Beispiel Obst. Aber ich erinnere mich, dass das irgendwann mal im Zusammenhang mit „A doddlischer Esser sein“ bei uns rumging, daher habe ich es auch nachgeschlagen.

  5. Tschjoh, hier in und aus Ostfriesland kommt ja alles immer ein wenig später. So wie auch dieser Kommentar zu diesem nicht mehr ganz so druckfrischen Blogpost.

    Wer hier allgemein viel (auch am Essen) herumnörgelt und eben mäkelig ist, der ist auch schnell mal pinnig (gesprochen: pinnich). Sicher nur so eine vernuschelte, zweisilbige Form von pingelig.
    Obwohl ich meine, dieses Wort hier auch ab und an schon einsilbig gehört zu haben. Kann mich aber auch täuschen.

  6. @dergl: Vielen lieben Dank, dass du extra nachgeschaut hast. Doddlisch ist ein tolles Wort, das klingt auch schon richtig weich.🙂

    @ickemich: Ich finde es toll, dass sich hier nochmal so viele neue Begriffe für ein und dasselbe Essverhalten eingefunden haben. Danke! Ich hätte das jetzt auch extra für dich einsilbig vernuschelt, wenn ich gewusst hätte, wie.😀

    @Maria: Danke vielmals!🙂

    • Nichts zu danken, Die liegen hier in Griffweite, weil ich ganz gern mit Dialektalen experimentiere. (Möglicherweise eine verspätete Revolution, da wir als Kinder auf Hochdeutsch gedrillt wurden, was nicht ganz einfach ist wenn die Eltern selber einmal relativ abgehakt und einmal selber Mischmasch aus Münchner Dialekt und Hochdeutsch sprechen.) Meine beste Freundin kommt aus dem Kreis um Coburg wo Itzgründisch gesprochen wird und hat mir aus Spaß machmal in Dialekt Briefe und Mails geschrieben. Rein aus Neugierde werde ich die auch mal fragen wie Pingelesser bei denen genannt werden.
      Ist bestimmt lustig, die ist schon so nicht zu verstehen.

      • Ich finde Dialekte auch interessant und finde es ein bisschen schade, dass viele davon verschwinden, weil sie nicht mehr weitergegeben werden. Das richtige ‚Platt‘ meines Heimatdorfes habe ich schon als Kind nicht mehr gelernt (was sicher für die Schule besser war), erst als ich älter wurde, habe ich mir von meinem Opa ein paar Begriffe und Sätze beibringen lassen.🙂

        Falls du deine Freundin fragst, würde mich das natürlich auch interessieren.🙂

  7. Als Heidelbergerin (Kurpfalz) kenne ich den Ausdruck doddlige Esser nicht. Doddelig oder doddlig ist etwas was weich ich (wie ein weicher Eidotter = Eigelb). Wählerisch beim Essen sein, hieß bei uns immer schnäkisch oder schleckisch.

    • Hallo Stefanie! Vielen Dank für deine Kommentare! Das doddlisch in dem Zusammenhang hatte dergl mir aus einem Kurpfälzischen Wörterbuch rausgesucht (https://wawuschel.wordpress.com/2011/07/13/regionale-sprachdingse/#comment-21073), aber wenn ich daran denke, wie manche Worte in meiner Heimat von Dorf zu Dorf ganz andere Bedeutung haben, ist es vermutlich auch kein Wunder, wenn es da örtliche oder auch zeitliche Abweichungen gibt.🙂

      Das mit dem Schiffer ist interessant. Ich musste erst einen Moment in meiner Erinnerung kramen. Mein Opa verwendete das Wort tatsächlich, er sprach es aber eher wie das englische ‚to shiver‘ aus.

      Viele Grüße von Katja, die mit Weck aufgewachsen ist😀

  8. Noch so ein Wort aus meiner Heimat: Der Spreißel. In Hessen nennt man ihn wohl Schiffer, im Rheinland Splinter und in Hamburg Splitter. Da gefällt mir der Spreißel besser, denn unter Splitter verstehe ich eine Glasscherbe.
    Oder Weckmehl. Wer das in Norddeutschland im Laden verlangt, hat schlechte Karten. Kein Wunder. Die kennen ja auch keinen Weck😀

  9. Pingback: Regionale Begriffe – Mitmachdings! – Gedankensprünge

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