Ein Versuch: Die Sätze meiner Kindheit (gesprochener Blogtext)

Bitte seid gnädig mit mir. Ich hasse meine Stimme, aber ich glaube, der Text braucht die gesprochene Form. Und mich an so etwas ranzuwagen ist ja auch eines der Dinge, vor denen ich nicht mehr zurückschrecken möchte.)

 

Die Sätze meiner Kindheit hallten laut:
Spiel nicht mit dem Hund, der beißt.
Kletter da nicht hoch, das reißt.
Guck nicht in das Licht, das gleißt.
Das kannst du nicht, du weißt
doch ganz genau, du bist zu dumm.
Jetzt steh mal nicht im Weg herum.

Die Sätze meiner Kindheit hallten laut.
Ich hab mich nie sehr viel getraut.

Ich wurde älter, vielleicht weiser?
Besagte Sätze wurden leiser.
Und doch heul ich mich manchmal heiser,
denn obwohl ich jetzt und hier das System
meiner Mutter durchschaue,
es bleibt dabei, dass ich mich nicht viel traue.
Hab Angst vor diesem, Angst vor jenem.
Muss immer grübeln. Komm nicht über’s Sehnen
hinaus und an den Punkt des Machens,
dauernd weinen, statt mich lachend_s
ins Leben zu stürzen.

Die Sätze meiner Kindheit hallten laut.
Ich hab nie auf mich selbst vertraut.

Nie gedacht, dass ich gewinn‘.
Nie gewusst, dass ich wer bin.
Nur auf der Suche nach dem Sinn.
Nie den Kopf hoch und das Kinn
nach vorn gereckt und mutig los.
Mich klein gefühlt und niemals groß.

Die Sätze meiner Kindheit hallten laut.
Das Leben nur aus Angst gebaut.

Ich will so vieles, kann doch nicht.
Bleib im Schatten, scheu das Licht.
Die Angst versperrt mir stets die Sicht
auf das was ‚echtes‘ Leben ausmacht.
Wie man aus der Starre aufwacht.
Aufstehn und dann einfach starten
nicht mehr grübeln, nicht mehr warten,
auf den perfekten Plan im Sinn
das haut ja doch dann nie so hin.

Die Sätze meiner Kindheit hallten laut.
So viel Zeit, so viel Leben versaut.

Ich sag nicht mehr ’nein‘, wenn ich ‚ja‘ sagen will.
Verbiet‘ mir das Grübeln, ach Kopf sei mal still.
Ich mach jetzt! Ich lach jetzt! Will mir selber vergeben
meine Fehler und Macken. Ich will endlich leben.

Leben.
Mein Leben.
Mein Leben leben.
Mein Leben erleben.

Die Sätze meiner Kindheit hallten laut.
Ab jetzt wird hier auf’s Selbst vertraut.

(Hoffentlich.)

Katja

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24 Kommentare zu “Ein Versuch: Die Sätze meiner Kindheit (gesprochener Blogtext)

  1. @meermond: Vielen, vielen Dank! 🙂

    @Svü: ❤ !

    @Myriade: Danke! 🙂 Ich dachte das direkt bei den ersten Zeilen, dass das eigentlich ein gesprochener Text werden muss.

    @Rüdiger: 🙂 !

  2. Die Idee es zu sprechen ist wunderbar gelungen….es gibt dem Gedicht eine unglaublich gute Dynamik….in all der „Traurigkeit“…ist es so hoffnungsvoll! Danke dafür !! ❤

  3. Sehr bewegend… der Inhalt des Gedichts, deine schöne angenehme Stimme und die Art wie du es vorgetragen hast und für mich hat sich das angehört als würdest du dies öfters tun….

  4. Ein wirklich starkes Gedicht, das mich gleichzeitig traurig und hoffnungsvoll macht. Ich lese deinen Blog seit einer Weile und bin immer wieder überrascht, bewegt und nachdenklich dabei. Du kannst wirklich sehr, sehr gut schreiben! Danke fürs Teilhaben-Lassen an deinen Gedanken.

    Alles Gute für Dich
    Jule

  5. @Rita, Jule und Chris: Seid herzlich Willkommen auf meinem Blog!

    @Rita: Vielen lieben Dank für deine freundlichen Worte. Ich hab da wirklich keine Erfahrung und hab nicht mal einen AB oder eine Mailbox(nie gehabt), weil ich keinen Ansagetext draufsprechen kann.

    @Jule: Vielen, vielen Dank! Das macht mich gleichermaßen froh und verlegen. 🙂

    @Chris: Was kanntest du denn ganz anders? So Kindheitssätze? Das wäre dann ja total gut und dir sehr zu wünschen. 🙂

Und jetzt du! Deine Gedanken, Worte, Punkte, Smilies, Bilder, Gesänge... Danke dafür!

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