läuft

Die ganze Zeit über das Gefühl, gehetzt zu sein und dann kommt da so ein Tag wie heute, der sich anfühlt, als hätte alles rundherum für einen Moment angehalten, als wäre endlich wieder mal Zeit, sich Zeit zu nehmen. Lachen, essen, reden, trinken, quatschen, freuen, lachen, essen, shoppen, lachen, reden und Gesellschaft, die einem das Gefühl gibt, so wie man ist, richtig zu sein, passend, ohne sich zu verbiegen, ohne die Notwendigkeit einer Fassade. Und dann abends diese große Dankbarkeit über alte und auch so viele neue Freunde. Und die Freude darüber, wie unkompliziert sich so manche Begegnung inzwischen anfühlt und auch das Bemerken, wie sehr man die eigenen Grenzen verschoben hat, wie spontan man sich inzwischen darauf einlassen kann, Dinge mit Menschen zu machen. Gestern erst unterwegs gewesen, da total spontan. Heute unterwegs gewesen, geplant. Und dann direkt von unterwegs aus noch spontan mit wieder anderen Menschen für morgen zum Grillen verabredet. Gäste von heute auf morgen, ohne jeglichen Anflug von Überforderung, total entspannt, weil die Gesellschaft so angenehm ist, dass es keinen Stress verursacht, weil ich meinen eigenen Anspruch, was ich auf die Beine stellen muss, inzwischen so gut drosseln kann, dass ich sowas hinbekomme, wenn keine Zeit für Aufwand ist. Aber ich muss den nicht mehr zwanghaft betreiben, weil ich mir zugestehen kann, dass nicht alles perfekt sein muss. Auch das ist neu und anders und gut so.

Und jetzt kippe ich grinsend und dankbar hintenüber ins Bett. (Und freue mich auch noch ein bisschen darüber, dass das gerade so gut klappt mit dem kurz hinsetzen und 2 Gedanken notieren.)

Katja

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…macht kluch

Den ganzen Tag über das Gefühl, unter einer Dunstglocke zu sitzen. Die Gedanken breiig, verwaschen, die Gefühle ebenso. Zu viel Anspannung gestern und überhaupt gerade die ganze Zeit und sobald die mal einen Moment lang die Zügel locker lässt, ist da nur noch porentiefe Erschöpfung von Körper und Geist. Entsprechend ist der Wunsch, mich gerade in ein kuschliges Kissenfort zu verziehen groß und doch mache ich genau das Gegenteil: ich bin auf dem Sprung und gehe gleich noch aus. Aktivität gegen Nebel, Lebendigkeit gegen Taubheit, Gesellschaft gegen Isolationsdrang. Schlimmer werden kann’s ja gerade eigentlich kaum, aber vielleicht ja besser.

Versuch und so. Und wenn der nach hinten losgeht, dann hab ich’s aber immerhin versucht. Anders machen. Muster aufweichen. Neue Pfade suchen.

Auf los geht’s los, würde ich jetzt normalerweise eventuell sagen, bin aber Twitterin, also:

So!

Katja

Versuch

Schreiben tut mir gut. Erst recht, wenn ich es regelmäßig mache, Gedanken mit einer gewissen Routine notiere. Beim Versuch, Worte dafür zu finden, Sätze zu formulieren, sortiert sich vieles einfacher.

Ich habe das viel zu lange vernachlässigt. Ich hätte inzwischen einen respektablen Betrag zusammen, hätte ich bei jedem “ich müsste dringend wieder häufiger bloggen“ der letzten Monate einen Euro beiseite gelegt. Gerade beim Zähne putzen dachte ich das auch. Aber ja nicht mehr heute, ich bin ja schon fast im Bett.

Aber vielleicht genau deswegen doch noch heute. Nich lang schnacken, Kopp in Nacken.

Ich probiere dann mal, ob ich das nicht wieder irgendwie hinbekommen kann, täglich ein paar Gedanken festzuhalten. Ja und falls es nicht klappt (immerhin kann ich mir inzwischen Scheitern zugestehen und verzeihen), dann hab ich wenigstens heute was aufgeschrieben.

Bis morgen dann. Vielleicht. Hoffentlich.

Katja

Komm da runter!

„Komm da runter, du fällst!“ hallte es gestern irgendwann durch’s geöffnete Fenster, durch das einen Augenblick vorher noch ausgelassenes Kinderlachen zu hören war.

„Komm da runter, du fällst!“ hallt es seitdem dumpf in meinem Kopf. Immer und immer wieder und es ist die Stimme meiner Mutter, die ich nicht wieder zum Schweigen bekomme. Schlagartig übel geworden ist mir gestern als ich den Spruch von draußen aufgeschnappt habe, weil er so vertraute Erinnerungen, mit so schalem Geschmack hochholte von der Kleinen, die nirgendwo hochklettern, nirgendwo drüberspringen, nirgendwo draufbalancieren, nirgendwo wasauchimmer sollte, weil sie’s doch nicht kann, weil’s doch zu gefährlich ist, weil sie doch hinfallen könnte, sich wehtun könnte, sich wasauchimmer könnte. Tu dies nicht. Mach das nicht. Du kannst das nicht. Du schaffst das nicht. Lass es bleiben.

Da ist diese Erwachsene in mir, die inzwischen weiß, wieso sie viele Ängste hat, wieso sie sich selber so wenig zutraut, so wenig auf sich selber vertraut, auf ihre Fähigkeiten und die das gerade, wo so viele Veränderungen passieren, quasi jeden Tag ausbaden muss, jeden Tag das „du schaffst das nicht“ runterschlucken muss und die sich oft genug daran verschluckt und sich dann am liebsten unter einem Stein verkriechen würde, irgendwohin, wo sie nichts schaffen muss, nicht versagen kann, nicht hinfallen kann.

Das ist die, die sich gestern sehr zusammenreißen musste, nicht das Fenster aufzureißen und mit voller Stimmgewalt „Mach weiter! Trau dich! Du kannst das!“ rauszubrüllen, um die Kleine mit dem fröhlichen Lachen zu ermutigen. Die sich zusammenreißen musste, nicht die Erwachsene vorm Fenster anzubrüllen, weil die gar nicht weiß, was sie der Kleinen antut, wenn sie ihr so viel Angst vorm Klettern – vorm Leben – mit auf den Weg gibt. Aber da ist natürlich auch noch die interne Kontrollinstanz, die weiß, dass das Brüllen nicht dorthin gehört, dass die Wut an eine ganz andere Stelle gehört. Und dann ist es innendrin gleichzeitig laut, weil da auf einmal diese Wut ist und das ist gut und da ist es außerdem zur gleichen Zeit ganz leise, damit die Erkenntnis, dass die ganze Angst und das Selbst*miss*trauen von außen kommen und dass es eigentlich keinen vernünftigen Grund dafür gibt, sich nicht sofort wieder aus dem Staub machen.

Katja

Haftnotiz*

Ich hab heute viel über genügen nachgedacht und noch mehr über nicht_genügen und wie es kommt, dass mein Kopf dafür sorgt, dass aus einem „das genügt mir nicht“, am Ende das Gefühl wird, selber nicht zu genügen. Jedes zarte aufkommende Selbstbewusstsein richte ich irgendwann doch wieder gegen mich selber, weil das Muster so vertraut ist, die Formel „ich genüge nicht“ – und das ganz egal, wie sehr ich mich anstrenge und was ich auch tue – so tief eingebrannt ist, weil sie immer noch besser als gar keine Erklärung war. Und wer bin ich denn, dass ich überhaupt das Recht auf einen Anspruch hätte, das kann ja doch nur ein Fehler sein. Mich klein denken, mich klein fühlen, mich selber klein halten – aber immerhin ist der Boden da doch so vertraut, dann kann er doch nicht so verkehrt sein. Uffff. Doch. Isser. Vielleicht sollte ich mal ein bisschen meines Mutes (dass ich den habe, weiß ich immerhin, vielleicht meine beste und wertvollste Eigenschaft) dafür aufwenden, den Schritt aus dem Schatten, in den ich mich selber immer wieder verbanne, ins Licht zu machen. Es ist ok, wenn man mich da sieht. Ich darf da sein. Ich darf sein. Ich darf. Ich.

Katja

 

(*damit das, was drin steht, vielleicht hoffentlich endlich bei mir haften bleibt und das sollte ich _eigentlich_ wieder viel häufiger tun, Gedanken aufschreiben, um sie zu konservieren)

Extrakäse

Und dann wird dir auf einmal bewusst, wie häufig du alle negativen Gefühle gegen dich selber richtest, wie du immer wieder in Selbstabwertung und Selbsthass versinkst und du willst es anders machen und versuchst, deine Gedanken bewusst umzuleiten bzw. umzuformulieren, dir deine Muster bewusst zu machen und dir zu sagen, dass du das doch so nicht mehr willst, endlich nicht mehr. Das geht einen Moment lang gut und dann reißt es dir wieder den Boden unter den Füßen weg und du hörst auf, dich gegen die negativen Gefühle zu wehren und dann wird dir auf einmal auch noch bewusst, wieso dir das immer wieder passiert, wieso du am Ende doch wieder unten landest und dass das viel mit Sicherheit zu tun hat, denn der Selbsthass, das ist das vertraute Gefühl. Es geht dir dann zwar schlecht, aber es ist ein Schlechtgehen, das du kennst, das dir den Boden lässt, nicht zum drauf stehen, aber zum in der Ecke kauern. Es erfüllt eine Funktion. Sicherheit in all dem Chaos, das gerade in dir herrscht.

Und dann, ganz bewusst, der Gedanke, dass das dann jetzt eben so ist. Es geht dir schlecht und du machst dich wenigstens nicht noch dafür fertig, dass es dir *wieder mal* schlecht geht. Wenigstens diese Extraschleife Extrahass sparst du dir heute. One step.

Katja

(gerade sehr mit Therapie beschäftigt, viel zu wenig bloggend, mal sehen, ob ich das nicht wieder regelmäßiger hinbekomme, meine Gedanken hier reinzukippen und zu sortieren)

tied&bond

Vielleicht habe ich wirklich in den letzten 30 Jahren so sehr an der Trauer festgehalten, weil ich dachte, dass ich dich endgültig verlieren würde, wenn ich nicht mehr um dich trauere. Als wäre die Trauer das einzige Band, das die Verbindung zwischen uns noch aufrecht erhält. Als würde es bedeuten, dich nochmal und noch endgültiger zu verlieren, wenn ich nicht mehr in diesem Ausmaß um dich trauere. Die Trauer loslasse.

Gestern war dein 30. Todestag und in den letzten 30 Jahren ging es mir nicht einmal am 24. November so (annähernd) gut wie gestern. Ich habe viel an dich gedacht, aber es war ok und tat nicht weh. Erst abends kamen die Tränen und auch das nur für kurze Zeit.

Heute Morgen war einer meiner ersten Gedanken, dass ich die Trauer vielleicht gar nicht (mehr) brauche. Da war zum ersten Mal der ganz klare Gedanke, dass es doch gar nicht die Trauer ist, die die Verbindung zwischen uns aus- und starkgemacht hat, sondern die Liebe. In deinen letzten beiden Jahren dann doch noch. Dann endlich. Dann so stark, dass sie so verdammt vieles nicht unbedingt geheilt, aber doch gelindert hat.

Erstaunlich, welche Knoten sich gerade in mir lösen.

Katja