Nur Blei

Und dann merkst du, wie du gerade gleichermaßen fürchtest auf dich selber zurückgeworfen zu werden und doch hoffst, dass du dadurch endlich wieder mehr von dir zu greifen bekommen könntest.
„Vielleicht macht’s Sinn sich nochmal neu zu verirren, denn jede Suche führt uns näher zu uns.“ So viele Jahre schon, hast du die Textzeile aus „Gold gegen Blei“ von von Brücken in der Seitenleiste deines Blogs stehen und jedes Mal, wenn du sie siehst, denkst du, dass Nicholas wahrscheinlich wirklich der einzige ist, dem du das „Sinn machen“ lächelnd durchgehen lassen kannst und wie ironisch es eigentlich ist, dass gerade diese Textstelle so enorm wichtig für dich ist, dass du sie trotz des dich ansonsten immer störenden Machens so prominent im Blog stehen haben willst. Aber herrje, wie lange soll denn dieses sich neu verirren noch dauern? Wann kannst du denn endlich mal wieder bei dir ankommen? Und wie sollst du das anpacken? So viel Veränderung in den letzten Jahren, wie sollte das Gefühl, das dir so fehlt, denn zu dir zurückfinden, wenn dein ganzes Leben sich so verändert hat? Oder umgekehrt, wie solltest du es wiederfinden können? Wann ist das große Verirren endlich vorbei? Wann führt die Suche dich wieder näher zu dir selbst? Und wie zur Hölle solltest du das eigentlich anpacken mit der Suche? Wo gibt’s die Taschenlampen für die Suche nach dir selbst, wo die Spürhunde? Wie geht das alles überhaupt? Und wann wird und wird überhaupt diese große Unsicherheit und Ratlosigkeit sich wieder mal lichten?

Ufffff. Einatmen. Ausatmen. Geht schon Schnaps?

Katja

Immerhin

Die Frau im Spiegel sieht traurig aus, denke ich in letzter Zeit häufig und tatsächlich wird es mir am ehesten beim Blick in den Spiegel bewusst, dass mein Blick sich verändert hat, meine Augen oft mehr grau als grün sind und die Mundwinkel hängen. Vielleicht ist es auch eher ernst als traurig. Schwermütig. Und dann zwinge ich mich, mich anzulächeln, wenigstens einmal die Mundwinkel nach oben zu reißen, aber es fühlt sich nicht echt an und da kann ich mir leider auch nichts vormachen und zack sind sie auch wieder unten, als hätten sie vergessen, wie es ist, von selber weiter oben zu bleiben. Haha, du versuchst doch gerade zu schummeln, schimpft es dann irgendwo hinten in einem Winkel des Kopfes, klar, dass das nicht funktioniert.

Aber dann sind da auch endlich wieder diese Momente, in denen ich brüllend losprusten muss, mich manchmal auch eine ganze Weile nicht mehr einkriegen kann. Immerhin das geht wieder. Immerhin manchmal.

Einatmen. Ausatmen.

Katja

Ruderpartie

Und dann wird dir wieder mal bewusst, dass du selbst es bist, die du da vermisst. Die von vor einiger Zeit, die mit mehr Leichtigkeit und Zuversicht, die nicht andauernd das Bedürfnis hatte, die Arme schützend um den eigenen Körper zu legen, um sich irgendwie selbst besser zusammenzuhalten – aus Angst, da könnte noch mehr verloren gehen, von dem (Lebens-)Gefühl, das da mal war. Als ob Arme da etwas ausrichten könnten, wo es doch die Dinge im Inneren sind, die schmerzlich fehlen und so ist es auch oft mehr ein hilflos suchendes Rudern, kein wirkliches Festhalten. Und du merkst, wie oft dir wieder mal die Worte fehlen, um das, wie es in dir aussieht zu beschreiben und um es über das Worte finden, das Beschreiben zu begreifen. Aber du weißt zum Glück auch, dass das Worte suchen und finden, wenn du es übst, dazu führt, dass die Gedanken sich daran gewöhnen, formulierbar, ausdrückbar zu werden und dass die Gefühle weniger beängstigend sind und weniger Macht über dich haben, wenn du sie in Worte fassen kannst und dadurch auch besser verstehen. Also einatmen, ausatmen und zum zwiffundnölfzigsten Mal der Vorsatz hier wieder häufiger Gedanken aufzukritzeln.

Katja

Ja huch?!

…und dann wird mir auf einmal bewusst, wie ultrahammeroberkrass diese Veränderung und Entwicklung ist, die ich da in der letzten Zeit gemacht habe. Dieses berufliche Thema, das so lange Zeit so dermaßen furchteinflößend war, dass ich schon alleine beim Drandenken, dass ich mal drüber nachdenken müsste, eine Panikattacke bekommen habe, wie ich es nur aus Zeiten kannte, als ich noch rauchte, was inzwischen auch schon wieder über 10 Jahre her ist und dass ich damals™ immer in Panik verfallen bin und dringend erst mal eine rauchen musste, wenn ich nur darüber nachdachte, dass ich mal über’s Aufhören nachdenken müsste, so in etwa war das jahrelang für mich.

Und jetzt? Ich stelle mich. Ich mache diese Reha, in der es darum geht. Ich beschäftige mich damit. Ich frage großartige Menschen um Rat und bekomme noch viel großartigere und allesamt wohldurchdachte Ideen, denke über diese Ideen nach, versuche mich reinzudenken, reinzuspüren, reinzuhören. Das alles vorsichtig optimistisch, neugierig, offen, gespannt. Und mir wird erst in einem ruhigen Moment überhaupt klar, WIE groß diese Veränderung ist und ich muss es dringend hier aufschreiben, um es bewusster festhalten zu können. Da tut sich was in mir, viel sogar und immer noch ein bisschen wehmütig vermisse ich den besten Therapeuten und mir wird – beim Gedanken, dass er gerade vermutlich stolz auf mich wäre – wieder mal bewusst, wie nah er mir in all den Jahren war und dass genau diese, möglicherweise nicht zu hundert Prozent professionelle, dafür aber immer enorm fürsorglich wohlwollende Nähe es war, was mir in all den Jahren so gut getan hat, weil das eines der Dinge ist, die mir in meiner Kindheit am allermeisten gefehlt haben. Aber vielleicht kann ich mir auch jetzt einfach mal erlauben, selber stolz auf mich zu sein. So! Nämlich!

Katja

 

Insomnia

Wird das eigentlich reichen oder haben wir da doch zu wenig geplant. Mist! Vielleicht brauchen wir doch mehr Soße? Orrr. Schlafen. Ich bin ganz ruhig. Ruhe kommt von selbst. Ich brauche Passbilder, aber hier bei der Fotografin lasse ich die nicht wieder machen. Wo soll ich aber sonst hingehen? Morgen mal M. fragen, wo sie ihre hat machen lassen. Die sind ja ziemlich hübsch. Ich bin ganz ruhig. Ruhe kommt von selbst. Ich bin ganz… Ob ich das Fleisch lieber doch anbraten sollte? Aber dann wird das zeitlich wieder so ’ne enge Kiste. Oh Mann, nur noch dieses eine Mal. Ich mache drei Kreuze, wenn das dämliche Kochen erst rum ist. Ruhe kommt von selbst. Meine Arme und Beine sind angenehm warm und schwer. Ich bin ganz ruhig. Was ziehe ich eigentlich auf den blöden Passfotos an? Vielleicht die grüne Bluse? Qwertee wäre wohl eher blöd, auch wenn das am echtesten ist. Oder die lila Bluse? Aber die hat keinen Kragen, das sieht dann auch wieder doof aus. ORRRRR! Schlaf! Ich bin ganz ruhig. Ruhe kommt von selbst. Das ist schon über ein Jahr her und ich höre immer noch Frau S. Stimme im Kopf, wenn ich an die Formeln des autogenen Trainings denke. Krass. Ey, wieso hilft das heute eigentlich alles nichts? Es gibt nichts zu tun. Was ist eigentlich morgen Mittag auf dem Plan? Haben wir da EDV bei Herrn T.? Uh. Ich will nicht. Und wie wird das erst ab Mittwoch? Keine Ergo mehr, das stehe ich doch gar nicht durch. Ich bin ganz ruhig. Ruhe kommt von selbst. Hoffentlich hat C. Spätzle gekauft. „Das könnt ihr doch ganz einfach selber machen. Das ist doch wohl kein Problem. So Spätzle sind doch schnell geschabt. Die kauf‘ ich nicht.“ ARRRRGH! Ich will den Mist nicht mehr. Nur noch einmal. Ommmm. Ruhe kommt von selbst. Ich muss morgen unbedingt Miss Verständnis fragen, ob sie da anruft wegen eines Termins oder ob ich das doch selber machen soll. Was mache ich denn nur, um da wieder rauszukommen? Und was, wenn’s gut aussieht? Das kann’s eigentlich nicht sein. Dann hat das ja noch länger kein Ende. Ok. Passbilder und dann so schnell wie möglich… Ich bin ganz ruhig. Ruhe kommt von selbst. Wieso hat A. sich damals eigentlich nicht mehr gemeldet? Das verstehe ich immer noch nicht. Was ist nur so verkehrt an mir? *soifz* Ich bin ganz ruhig. Ruhe kommt von selbst. Ich bin ganz ruhig. Ruhe kommt von selbst. Ich bin ganz… Lieber eine von den großen Formen für’s Gemüse oder nur eine von den Glasformen? Das passt doch eh wieder mal nie im Leben. Du ziehst alle Augen auf dich. Bewegst dich zu Liedern aus Licht, doch wir schauen uns nicht an, weil der Moment uns noch verraten kann. Wenn du tanzt und du weißt, dass du nie mehr so lieben kannst… Wer weiß wie viele morgen überhaupt da sind. Ich muss einkaufen, wenn ich da mittags raus bin, sonst hab ich Mittwoch nix zu essen. Ruhe kommt von selbst. Meine Arme und Beine sind angenehm warm und schwer. Vielleicht sollte ich N. fragen, ob wir lieber Mittwoch rübergehen wollen. Dann würde es reichen, wenn ich da nachmittags einkaufen gehe. Oder ich mache ’nen schnellen Nudelsalat. Ruhe kommt von selbst. Wie dieser Workshop wohl läuft? Ich kann mir gerade nicht vorstellen, was das überhaupt bringen soll. Hoffentlich ist das bald. 3 Monate sind total kurz. Mir ist schlecht. Ich hab Angst. Ok, im schlimmsten Fall bin ich einfach ganz raus. Und wahrscheinlich könnte ich dann wenigstens wieder ruhiger schlafen. *soifz* Ruhe kommt von selbst. Ich bin ganz ruhig. Ruhe kommt von selbst. Du schaust nach oben, es wird Tag und du weißt nicht, ob du bereit bist. Und irgendwo hörst du Musik und dann ist wieder alles wie im Film und jeder weiß, dass es vorbei ist. Und was bleibt ist nur ein Lied. Und wenn ich die blau gestreifte Bluse anziehen würde? Obwohl, die hat auch wieder keinen echten Kragen. Ich kauf‘ mir doch keine verdammte Bluse, nur um Passbilder zu machen!1elf Ich darf nicht vergessen, den Tee einzupacken und eine Tasche für die Bilder. Vielleicht sollte ich morgen vor 8 noch über den Krakelierlack malen? Sonst muss ich das vom Tisch losmachen, wegpacken und wer weiß, wann ich dann überhaupt dazu komme. Ich bin ganz ruhig. Ruhe kommt von selbst. Jetzt gibt es nichts zu tun. Ruhe kommt von selbst. Du hast dich betrunken und die Nacht ist verschwunden bis du dir irgendwann sicher bist, dass du dich verlaufen hast hoffnungslos und du hast Angst, dass du nie mehr so fühlen kannst. ICH BIN GANZ RUHIG! RUHE KOMMT VON SELBST! Kopf, du blöder Arsch! Ich stehe jetzt auf und koch‘ mir’n Kaffee! So ein Mist!

Der Soundtrack zum Wachliegen wird Ihnen präsentiert von Lukas Meister:

Katja

Konzentrieren und Fokussieren, my ass

Hab ich doch vor ein paar Wochen im Vorbeigehen beim Discounter ein Buch über Achtsamkeit entdeckt, samt 8-Wochen-Übungsprogramm und weil ich mich zwar inzwischen in diversen Kliniken mit Achtsamkeit beschäftigt habe und schon auch probiere, das im Alltag aufrecht zu erhalten, dachte ich mir so, bei – soweit ich mich richtig erinnere – dreineunundneunzich kannste nicht viel verkehrt machen. Und würde ich jetzt achtsamer schreiben – vor meinem inneren Auge wippt gerade die Therapeutin der Klinik auf ihrem Stuhl und näselt „Was verstehen wir denn unter Achtsamkeit?“ und M. – es war immer M. die wie aus der Pistole geschossen antwortete: „Achtsamkeit, das bedeutet Konzentrieren und Fokussieren!“ – also würde ich jetzt achtsamer und konzentrierter schreiben, hätte ich zwischendrin nicht gedacht „neuenundneunzich“ sieht geschrieben aber ganz schön komisch aus und das liegt nicht am „ch“ hinten.“, sondern ich hätte weitererzählt, dass ich beim Lesen schon direkt nach den ersten paar Seiten gemerkt habe, wie das Buch mit seinem 8-Wochen-Programm, das aber programmmäßig auf den ersten paar Seiten noch gar nicht angefangen hatte, trotzdem schon eine erste Wirkung entfaltete, als es mir nämlich während ich zur Teetasse griff, vom Schoß und bis auf den Boden rutschte und ich dann *sehr* achtsam, nämlich überaus konzentriert und fokussiert, fluchte. Leider blieb das Buch völlig unbeeindruckt von meiner neuen Achtsamkeit trotzdem stur auf dem Boden liegen bis ich es selber wieder aufhob.

Inzwischen bin ich dann doch bei Woche 1 des 8-Wochen-Programms angekommen und bei allem Geflachse über das Thema, Erkenntnis erwischt mich ja trotzdem immer ganz hinterrücks, wenn ich mich solchen Themen wieder mal – Achtung! – achtsam widme. Eine der Aufgaben in Woche 1 ist, man möge doch bitte mal seine inneren Antreiber und Stressoren identifizieren und genauer betrachten und dass man sie oft an einem „ich muss“ erkennt und das ist bei mir persönlich noch häufig ergänzt von einem „unbedingt“ und/oder einem „dringend“. Wenn man diese Antreiber und was sie so antreiben, was man also denkt zu müssen, gefunden hat, soll man sie versuchshalber mal durch „ich kann, wenn ich möchte“ ersetzen und beobachten, wie sich das Gefühl und die Einstellung der Sache gegenüber verändert. Und während ich das so lese, springt mir einer der niedrignummerierten Peitschenschwinger direkt über die Schulter auf den Schoß und macht sich da breit: Ich MUSS dringend wieder mal bloggen. Wie oft denke ich das? Wie oft verschiebe ich das? Immer mit dem Gedanken, *eigentlich* hab ich voll Lust wieder häufiger Gedanken festzuhalten, aber irgendwie ist das auch komisch, wenn ich so lange so still war und dann mit banalen Gedanken und keinen langwierigen Erklärungstexten, was (außer Twitter) mich denn so dermaßen lange so dermaßen dolle verschluckt hatte und ach, dann verzettele ich mich gedanklich schon so sehr im weit Ausholen, dass die Energie verpufft ist, noch bevor ich den PC hochgefahren und die Finger auf die Tastatur gelegt habe.

Wie ich also vorhin das Achtsamkeitsbuch so auf dem Sofa liegen sah, ploppte in meinem Kopf die völlig neue Formulierung „ich kann eigentlich wieder mal bloggen, wenn ich möchte“ und ja äh, wie man sieht: hier bin ich! Ohne langwierige Erklärungstexte, ohne all das aufzuschreiben, von dem ich in den letzten Monaten gedacht habe „das *musst* du superdringend bloggen“, einfach nur mit dem Kram, der mir jetzt genau in diesem Momant, leider nicht so sehr konzentriert und fokussiert, durch den Kopf geht, aber dann wende ich einfach noch den zweiten Trick an und erlaube mir genau das: statt konzentriert ein Thema abzuarbeiten, gedanklich ein bisschen zu mäandern – das ist nämlich eigentlich das, was mir am Bloggen oder Schreiben insgesamt in der letzten Zeit am meisten fehlt: die Gedanken einfach mal fließen zu lassen, während die Finger über die Tastatur gleiten, ohne zu wissen, wohin so ein Satz am Ende Puddingplunder.

Mal sehen, was die anderen 7 Wochen des Programms mir noch an Erkenntnissen bescheren werden. Ich habe beschlossen, nicht vorzublättern, sondern wirklich Woche für Woche abzuarbeiten, weil ich sonst Gefahr laufe, direkt alles zu lesen und dann aber nichts davon umzusetzen und auszuprobieren. Und das wäre jetzt schon schade gewesen, weil ich dann sicherlich wieder drei Gründe gefunden hätten, die mich vom genau jetzt bloggen, doch wieder abgehalten hätten. Weil ich ja eh wieder mal bloggen muss. Dachte ich. Es zu können, wenn ich will, macht deutlich mehr Freude und mal sehen, ob das mit den anderen Antreibern auch funktioniert.

Außer dem 8-Wochen-Achtsamkeitsprogramm habe ich mir übrigens auch noch ein 8-Wochen-Programm zum Aufräumen und Ausmisten gekauft, weil ich ja echt dringend wieder mal gründlich aufräumen muss.
Wenn ich mir’s aber recht überlege, lasse ich es doch erst mal noch in die Folie eingeschweißt, weil… ich KANN aufräumen – WENN ich MÖCHTE. 😀

Katja

 

 

Worum es geht. Und worum nicht.

„Du schaffst das schon!“ bekomme ich gerade häufiger zu hören. „Ja, danke. Ich hoffe es.“ antworte ich meistens und bin tatsächlich dankbar über den Zuspruch und die Unterstützung und Aufmunterung, die darin steckt.

Und dann, wenn es außen ruhig wird, geht innendrin der eigentliche Kampf los. Ja, natürlich werde ich es schaffen. Das ist klar, daran besteht kein Zweifel und das Schaffen bzw. die Angst davor, es nicht zu schaffen, ist gar nicht das, was mich so umtreibt und was mir solche Angst macht. Ich weiß, dass ich es schaffen kann. Und vielleicht ist genau das das Problem. Ich kann schaffen. Ich kann durchhalten. Ich kann *aus*halten. Und ich kann genau dabei – beim Schaffen, beim Durchhalten, beim Aushalten – innerlich kaputt gehen während ich nach außen ganz wunderbar funktioniere, während ich versuche allen Ansprüchen und Erwartungen oder angenommenen Ansprüchen und angenommenen Erwartungen zu genügen, während ich versuche alles gut und alles richtig zu machen. Gut und richtig für alle anderen, nur leider selten für mich selber.

Ich habe keine Angst, es nicht zu schaffen. Ich weiß, dass ich das *kann*. Ich habe Angst davor, es zu schaffen, aber mich dabei selber aus den Augen zu verlieren. Meine Grenzen, meine Kapazitäten nicht zu spüren, den schmalen Grat zwischen Ehrgeiz und Selbstfürsorge nicht zu finden. Es nach außen zu schaffen, damit alle zufrieden sind und ich mich nicht wie eine Versagerin fühle, nicht schon wieder, und den viel zu hohen Preis dafür zu zahlen, dass mir das verloren geht und entgleitet, was das Leben schön und lebenswert macht.

Mein Anspruch an mich, mein Auftrag, den ich mir gerade also selber gebe, ist nicht, es zu schaffen, sondern genau hinzugucken, meine Grenzen zu finden, wahrzunehmen und vielleicht auch wirklich zu verschieben, aber im richtigen Maß, in jenem, dass nicht die Selbstfürsorge wieder hinten runterfällt, wo ich sie doch gerade erst so mühsam erlerne. Mir selber zuzugestehen, nicht alles schaffen zu müssen, im Zweifel sogar scheitern zu dürfen. Ohne, dass das meinen Wert schmälert.

Und das ist leider sehr viel schwieriger als es zu schaffen.

Katja