I am raining down in pieces

Und dann sitzt du wieder mal da. Ewig. Reglos. Mit den Fingern auf der Tastatur. So viel im Kopf, noch mehr im Herzen und doch fehlen dir die Worte, in die du all das fassen kannst. Worte. Du hast so viele davon gemacht, wünscht dir so sehr, sie wären angekommen. Durchgekommen. Jetzt fehlen sie dir. Zumindest jene, mit denen du ausdrücken könntest, wie es in dir aussieht. Mit denen du das fassen könntest. Fassen. Fassung. Auch die geht dir dauernd verloren und das im doppelten Sinne und du bist fassungslos und ohne Fassung. Die fehlt zum Haltgeben. Halt. Halten. Festhalten. Und bei dem Gedanken erfasst dich die nächste Welle aus Traurigkeit und du hältst still und die Luft an, während sie über deinem Kopf zusammenschlägt und sich dann langsam wieder zurückzieht und ein Stück von dir mitnimmt. Ausschwemmt, ein Stück von dir, abgebrochen, zerbrochen, entzwei. Wegschwemmt, wie Sand und kleine Steinchen. Und auch deine Augen schwimmen dauernd und du wünscht dir, du könntest Dinge, Gefühle einfach aus deinem Herzen rausweinen. Weinen. Wein. Aber das jetzt bloß nicht. Der macht gerade alles nur noch schlimmer und das wird’s ja auch so schon von ganz alleine.

Today I am a small blue thing
Made of China, made of glass
I am cool and smooth and curious, I never blink
I am turning in your hand
Turning in your hand

I am cold against your skin
You are perfectly reflected
I am lost inside your pocket
I am lost against your fingers
I am falling down the stairs
I am skipping on the sidewalk
I am thrown against the sky
I am raining down in pieces
I am scattering like light
Scattering like light
Scattering like light

 

Katja

Neulich™ beim Training

„Probier das demnächst mal mit geschlossenen Augen und guck, was sich da anders anfühlt.“, sagte S. letztens und dann sitze ich also da, den Rücken gerade, die Brust vorgestreckt, die Hände an den Griffen, schließe die Augen, ziehe auseinander und atme aus, bewege die Arme nach vorne und atme ein. Das geht langsamer als sonst, das merke ich sofort. Ich ziehe auseinander, atme aus, spüre genau die Stelle bis zu der es geht, ohne wehzutun, merke, dass ich die Schultern hochziehe, hebe das Kinn, zusammen und einatmen. Musik im Ohr, meine Musik, fast immer die gleiche, wenn ich hier bin, aber ansonsten bin ich gerade ganz alleine. Auseinander, ausatmen, zusammen, einatmen. Drei. Die geschlossenen Augen blenden die Menschen, die außer mir noch da sind, aus. Ziehe auseinander, atme aus, spüre zum ersten Mal genau, welche Muskeln hier gerade beansprucht werden, zusammen, einatmen. Vier. Ich merke, dass – so oft ich auch schon da war und genau die gleichen Bewegungsabläufe durchgeführt habe – ich noch nie SO da war. Auseinander, ausatmen, zusammen, einatmen. Fünf. Nie so wie jetzt. Ich weiß ohne hinzusehen, wo ich anhalten muss, wie weit die Kraft reicht. Auseinander, ausatmen, ok oder doch nicht, autsch zu weit, zusammen, einatmen. Sechs.

Und dann schweifen die Gedanken ab und doch nicht ab, sondern rein. Fokus, nicht nach außen, sondern endlich (endlich!) wieder einmal nach innen. Reinhören. Reinspüren. Auseinander, ausatmen, zusammen, einatmen. Sieben. Was tut gut? Was tut weh? Wo sind die Grenzen?  Auseinander, ausatmen, zusammen, einatmen. Acht. Die Augen geschlossen, das Außen ausblenden.  Auseinander, ausatmen, zusammen, einatmen. Neun. Was will ich und was nicht? Zehn. Was kann ich und was nicht? Elf. Und die Erkenntnis (wieder einmal, listen and repeat in Dauerschleife, bis es irgendwann bei mir ankommt), dass ich die Antworten nur innen finden kann. Zwölf. Die Kleine wird leiser, endlich, hört (nochmal) endlich auf, so viel Kraft zu verschlingen mit ihrer Traurigkeit und Trauer, ihrer Wut und dem trotzigen Fußaufstampfen. Auseinander, ausatmen, zusammen, einatmen. Dreizehn. Schultern zurück, Kinn hoch, Rücken gerade, Brust vor.  Auseinander, ausatmen, zusammen, einatmen. Vierzehn. Und jetzt das ganze innen: Schultern zurück, Kinn hoch, Rücken gerade, Brust vor. Auseinander, ausatmen, zusammen, einatmen. Fünfzehn.

Augen auf!

Katja

Immunschwäche

Es sind immer wieder die gleichen Fragen, auf die das Leben™ dich zurückwirft, immer wieder die gleichen Zweifel, immer wieder die gleichen Ängste und Befürchtungen. Wenn es dir gelingt, einen Schritt beiseite zu treten, erkennst du deutlich die Muster – das Auge sieht was passiert, der Verstand begreift es – und doch sind die Gefühle gleich einem Kunstwerk von Escher und es scheint schier unmöglich den Knoten aufzulösen, die Täuschung und Illusion zu entwirren.

Die 3-jährige stampft zornig mit dem Fuß auf, bettelt, fleht, wirft sich heulend auf den Boden und du weißt nicht, wie du sie trösten sollst. Du schaffst es nicht mehr, streng mit ihr zu sein und ihr alles zu verbieten, seit du ihre Not einmal erkannt hast. Aber du weißt auch nicht, wie du ihr die Welt erklären sollst, ihr das geben, was ihr so dringend fehlt. Und so wendet sie sich nach außen, sucht, findet, strauchelt, fällt, schürft sich die Knie auf und ihr ertrinkt beide in Tränen. Sie trotzig, selbst-ver-zweifelt. Und du voller Hass auf die Kleine, weil sie so ist wie sie ist und dir das Leben so schwer macht und du kommst erst langsam dahinter, dass du so niemals einen Ausweg finden kannst, wenn du nicht endlich anfängst, die Verantwortung für sie zu übernehmen und dich liebevoll und geduldig um sie zu kümmern.

Das kann niemand außer dir. Die Lücke in ihr kannst nur du füllen. Akzeptiere das endlich. Es geht nur so.

Katja

Kopfmückenschwarmrückholversuch

Und irgendwann weißt du nicht mehr, ob die Antwort aus dem Innen oder Außen kommen muss, weil du nicht mal mehr weißt, ob die Frage ins Innen oder ins Außen gehört. Und_oder ob es nicht völlig unterschiedliche Fragen sind, die jeweils ihren Ort und_oder ihre Berechtigung haben. Und_oder welche davon relevant ist und_oder sind.

Im Kopf schwirrt es, als hätte ein wütender Schwarm Mücken sich darin niedergelassen und du weißt nur, was du gegen Mücken machen kannst, wenn sie deinen Kopf auf deinen Spaziergängen auf der Rheininsel von außen umschwirren. Augen zu und vor allem den Mund fest zusammenkneifen, damit du sie nicht zwischen die Zähne bekommst und dann nur sehr vorsichtig durch die Nase atmen, um sie nicht dort einzuatmen. Aber was zur Hölle macht man, wenn man den verdammten Mückenschwarm nicht vor der Nase sondern mitten im Kopf hat und dann gerade nicht mal niesen muss, um sie dadurch und mit aller Gewalt nach draußen zu katapultieren?

Und dann blinzelst du vorsichtig ins Licht, reißt die Augen auf, hoffst auf den photischen Niesreflex, und noch während es dir in der Nase kribbelt, weißt du schon, dass die Lösung die gleiche wie immer ist. Zumindest der Weg zur Lösung der gleiche wie immer sein muss: bei dir bleiben oder erst mal wieder da ankommen, denn du bist dir ja wieder mal abhanden gekommen.
Und du machst einen Schritt zurück und hoffst, dass das Innen dabei mitkommt und nicht wieder auf der Stelle stehen bleibt und dich zurückreißt und dann kneifst du die Augen erst mal wieder fest zusammen, weil du dir nicht, zumindest noch nicht, eingestehen willst, dass es doch eigentlich nur einen Weg gibt, nämlich genau der, den du selber gehen kannst. Und dass du eigentlich nur darauf gucken und danach fragen musst_solltest, welches die relevanten Fragen für dich sind.

Und dann rennst du blindäugig wieder los, suchst deinen verdammten Mückenschwarm, reißt den Mund auf, atmest tief durch die Nase ein, weil alles gerade besser erscheint als genau dieser Weg. Bitte noch eine Runde. Es muss doch auch anders gehen. Schwirrt! Schwirrt!

Katja

Braucht man für’s Verlorengehen eigentlich besondere Schuhe?

Und dann merkst du am Ende eines langen und vollgepackten Tages, dass der Schmerz genau in dem Moment ein_setzt, dich zer_setzt, in dem die Ablenkung aus_setzt. Die Lücke wird greif_bar, spür_bar und du fühlst dich ohnehin seit Wochen bar jeder Vernunft und jedes Verstandes. Nur Gefühl, dauernd Gefühl, zu viel, zu laut, zu grell, zu zu. CUT.

Das jetzt. Ein Ver_such. Eine Suche. Nach dem Jetzt. Dem Hier. Nach dir. Verloren gegangen zwischen all dem Suchen und all dem Gefühl. Und wie kann man überhaupt verloren gehen? Braucht man dafür besondere Schuhe oder Ausrüstung? Verlorengehschuhe? Und sagt man dann so Dinge wie: „Lass uns noch eben eine Runde verloren gehen, ich ziehe nur schnell meine Verlorengehschuhe an!“? Und was trägt man denn_dann idealerweise bei der Suche? Suchschuhe? Ich mach mich mal auf Schuhsuche nach Suchschuhen! Und dann auf Michsuche. Dichsuche.

55/1. No strike anymore.

Traurig. Ver.loren.missen.stehen.suchen.bieten. Nicht fragen. Wenigstens heute nicht.

Katja

Meerfarbene Sehnsucht

Dann holst du eine Schachtel hervor und kleidest sie von innen mit Seidenpapier aus, nicht mit dem gewöhnlichen weißen, du holst dafür das meerfarbene von ganz hinten aus der unteren Schublade, passt es sorgfältig in die Kanten ein und lässt ein bisschen über die Ränder der Schachtel überstehen. Du zupfst hier nochmal und dort, achtest darauf, dass alles beinahe perfekt ausgeschlagen ist und lässt nur diese eine kleine Falte in der einen Ecke. Das muss so sein, das ist immerhin deine Schachtel und ganz ohne Makel würde sie wohl längst nicht so gut zu dir passen, wäre nicht so sehr deine.

Und dann nimmst du diesen gewaltigen übergroßen Wunsch, betrachtest ihn noch einmal lange von allen Seiten. Drehst ihn langsam ein Stück weiter, nicht zu schnell, streichst sanft mit dem Finger über diese eine Stelle und dann ein Stück weiter hinten nochmal. Atmest ein. Atmest aus. Und nochmal:

Ein.

Aus.

Mit einem leisen Seufzen faltest du ihn vorsichtig in der Mitte zusammen und dann noch einmal, damit er überhaupt in die Schachtel hineinpassen kann. Du legst ihn in sein meerfarbenes Bett. Sehnsucht in Sehnsuchtsfarben gehüllt. Einatmen. Ausatmen. Dann, ganz langsam schlägst du die Kanten des Seidenpapiers ein, bedeckst den Wunsch, den übergroßen. Einatmen. Ausatmen. Du verschließt die Schachtel und stellst sie, ohne noch weiter zu zögern und vor allem, damit du keine Zeit hast, es dir anders zu überlegen, ins Regal und hoffst, dass sie dort nicht zu sehr rumlärmen und zappeln wird.

Einatmen. Ausatmen.

Und dann, vielleicht demnächst, vielleicht irgendwann, vielleicht bald, vielleicht nie wirst du nachsehen, wieviel noch von der Größe übrig geblieben ist und ob du die Schachtel noch brauchst.

Ein.

Aus.

Ein.

Katja

Say Cheese.

Seit Tagen den Editor offen, so so viel im Kopf, im Bauch, im Herzen, was gleichermaßen nach außen drängt und dringend, ganz klein zusammengerollt, innen drin bleiben will. Gedanken, wie flüchtige Schlieren von Milch, die auf Kaffee trifft und sich direkt im nächsten Moment alles durcheinanderwirbelnd vermischt, deren Spuren sich verflüchtigen, nicht mehr nachverfolgbar und erst recht nicht greifbar sind. Aufruhr, dessen Infragestellungsfragen so überriesengroß und furchteinflößend sind, dass der Nacken vom zu-ihnen-Aufschauen sicher weh tun würde, wenn die Angst davor nicht so allumfassend dafür sorgen würde, dass der Kopf kaum zwischen den Schultern rausgucken kann, während der Blick ins Leere gleitet, wechselt sich ab, mit ungläubig zaghaft fragendem Gibtsdaswirklichstaunen. Dazwischen die Erwachsene, erstaunlicherweise oft bei sich bleibend, verschwestert, gestärkt und manchmal den Selbsthass wie eine alte und zu groß gewordene Schlangenhaut abstreifend, trotzig ‚Hier, das bin ICH‘ sagend, manchmal (selten, aber immerhin) das ‚und das ist ganz ok so‘ denkend und die Kleine, gebeutelt, verletzt, so viel sinnlos und unmöglich ersehnend, im ewig erscheinenden Pingpong hin- und hergeworfen zwischen viel zu großen Gefühlen und Gedanken.

Seit Tagen den Editor offen und dann geht doch nicht mehr als diese kryptische Bestandsaufnahme des Moments, der nicht nur den aktuellen Moment, sondern den im weiter gefassten Sinne erfasst. Bestandsaufnahme. Aufnahme. Achtung Aufnahme. Jetzt bitte lächeln. Say ‚Gibtsdaswirklich‘ oder ‚Cheese‘. Und Klick.

Katja