Dream a little dream

Ich koche für mein Leben gerne. In Kochtöpfen zu rühren, Gemüse zu schnippeln, beim Abschmecken rumzuexperimentieren – das alles erfüllt mich mit echter Zufriedenheit. Kochen ist eines der wenigen Dinge, von denen ich auch selber das Gefühl habe, etwas gut zu können. Klar, meine Gerichte kommen meist schlichter daher als bei den zahlreichen Kochsendungen, die das Fernsehen bereit hält, nix mit Schäumchen hier und an Sößchen da – schmecken tut’s trotzdem. Ich koche mit frischen Zutaten, Fertigkram und Tütenkost kommt mir nicht ins Haus.

Und ich koche wirklich gerne für Gäste. Vielleicht, weil es mich ein bisschen von meiner Nervosität ablenkt, die bei mir immer mit der Begegnung mit Menschen einhergeht. Vielleicht, weil es sich ein bisschen so anfühlt, als könne ich von meinen Unzulänglichkeiten, meiner Angst mit einem guten Essen ablenken.

Seit längerem habe ich so ’nen beknackten Traum darüber, was ich gerne mit mir anfangen würde. Ich weiss, dass er fernab der Realität ist, aber das haben Träume ja so an sich. Die Vorstellung, wie es in dieser Traumwelt sein könnte, mag ich trotzdem. 🙂

In meiner Traumwelt betreibe ich ein kleines Restaurant. Ein großes Hoftor, dessen Tür, wenn das Restaurant geöffnet ist, einladend offen steht, schirmt den grünen Innenhof, in dem im Sommer die Tische draussen stehen, vor den vorübergehenden Passanten ab.
Im Speisezimmer gibt es einige wenige Nischen, ansonsten aber keine kleinen Tische sondern zwei bis drei größere Tafeln für je an die 8 bis 10 Personen. Ansonsten erinnert die Einrichtung eher an ein privates Ess- oder Wohnzimmer. In der Ecke steht ein großer Geschirrschrank mit einem bunten Sammelsurium an Tellern, Tassen und Co.

Es gibt keine Speisekarte, dafür aber nur ein oder zwei Gerichte pro Tag. Die Gäste sind überwiegend Stammgäste. Ich koche für Menschen, die sonst irgendwo alleine an einem Tisch sitzend oder auf der Couch vorm Fernseher ihr Abendessen einnehmen würden. Vermutlich ein Fertiggericht oder was vom Schnellimbiss um die Ecke. Alleine essen ist doof. Ich finde selten fühlt sich Einsamkeit gemeiner an, als wenn man alleine vor ’nem Teller sitzt. Und ich glaube, dass deswegen auch so viele alleinstehende Menschen das, was sie essen, vernachlässigen und gar nicht auf die Idee kommen, „richtig“ (im Sinne von nicht nur in der Mikrowelle warm machen) zu kochen. Wenn man alleine isst, ist eine Mahlzeit nunmal oft nicht mehr als die Befriedigung eines zum Überleben notwendigen Bedürfnisses. Das würde ich gerne ändern.
Mit großen Tischen, Stammkunden, die sich im Laufe der Zeit durch die Gespräche beim Essen kennenlernen, gefüllten Töpfen und Schüsseln auf dem Tisch, aus denen sich jeder selber bedienen kann. Das ist viel familiärer als die vorgefüllten Restaurantteller. Den Kaffee nach dem Essen gibt’s für jeden aus der persönlichen Lieblingstasse, gerne auch aus der selbstmitgebrachten, die ihren Platz im Geschirrschrank findet. Was ich in der nächsten Zeit koche – da dürfen die Gäste gerne mitreden und Wünsche äussern. Ansonsten koche ich nach Lust und Laune. Vom schlichten Eintopf bis zum mehrgängigen Menü.

Und hinterher zahlt jeder soviel er möchte oder kann. Reich werden will ich mit dem Restaurant nicht, nur davon leben können. Und etwas für meine Zufriedenheit tun. Und vielleicht auch für die meiner Gäste. Gutes Essen in Gesellschaft ist (zumindest für mich) ein Stück Lebensqualität.

Ich weiss *soifz* alles völlig unrealistisch. Aber ich mag den Traum. 🙂

Katja

12 Kommentare zu “Dream a little dream

  1. Ich finde nicht, dass dieser Traum beknackt ist. Er ist vielleicht etwas hochgegriffen, doch nicht beknackt. Hast du mal überlegt bei eine Tafel oder so im Ehrenamt zu kochen? Das heißt wenn du dafür Zeit hast. Die Leute da sind meistens echt dankbar für ein warmes Essen. Da bekommt man zur Freude gleich noch etwas dazu.

  2. @Charlotta: Ich wusste bisher nicht, dass die auch warme Mahlzeiten ausgeben. Ich dachte, dort könne man nur Lebensmittel bekommen. Ich werde mal mit meinen Ängsten verhandeln, dass ich ja nichts zu verlieren habe, wenn ich mich wenigstens mal näher informiere. Die Idee gefällt mir auf jeden Fall. Über Kochen in Obdachlosenwohnheimen hatte ich schon nachgedacht, aber ich fürchte dafür wohne ich zu weit von der größeren Stadt weg, als dass sich sowas sinnvoll machen ließe.

    @Rüdiger: Naja, ich bin realistisch genug zu wissen, was das fernab meiner idealistischen, romantischen, verklärten (Edit: naiven 😉 ) Wunschvorstellung eine knallharte Branche ist. Und ich will ja eigentlich am liebsten nur kochen – ohne die betriebswirtschaftlichen Dinge, die aber dranhängen müssen, um den Überblick zu behalten, dass man sich nicht in den Ruin wirtschaftet. 🙂

    Edit: Charlotta, worauf hörst du denn eigentlich lieber? Otter oder Charlotta? 🙂

    • Mir ist gerade entfallen wie das mit den Textlinks geht, aber: http://spielplatztaube.wordpress.com/2009/11/29/wie-otter-zu-ihrem-namen-kam/ Das hat sich einfach ergeben. Such dir was aus, solange du weder auf Charlott, Charlotte noch Carl-Otto kommst. Letzteres hat sich eine bestimmte Behörde hier bereits mehrmals erlaubt.
      Ich glaube, die Tafeln kochen nicht alle selbst, sie sind jedoch oft an Einrichtungen angeschlossen, die das tun. Sozialdienst Katholischer Frauen und so was. Oder frag doch mal in einer Ganztagsschule oder Kita. Selbst wenn du abends für den nächsten Mittag vorkochst ist das immer noch besser als das Fertigzeug das dort sonst angeliefert wird.

  3. Naja, das „frag doch mal“ ist nicht so einfach. Das ist ja der Punkt, an dem bei mir so vieles noch hängt und mich zum schlucken bringt.
    Ich muss ja schon schlucken, bei dem Gedanken, mich erst mal im Internet zu informieren. Und da kann mir ja eigentlich nun wirklich nichts passieren und ich gehe keine Verpflichtung ein, mich auf irgendetwas einzulassen…

    Ich bleibe dann bei Charlotta. 🙂

    • Die Schwelle beim „Frag doch mal“ kann ich nachvollziehen. Das hatte ich früher häufig und heute auch noch manchmal. Ich habe im Laufe der Zeit gelernt, dass das bei mir in Zusammenhang gestanden hat damit, dass meine Eltern so einen tollen Satz hatten Mach die Augen zu was du dann siehst ist dir und der auch auf persönliche Rechte Anwendung gefunden hat. Eigentlich auf alles, das ihnen zu unbequem war. Deshalb hatte ich auch als Erwachsene noch nicht selten Himtergedanken wie Darf ich das überhaupt?, wenn ich zum Beispiel eine Auskunft wollte. Ganz lapidare Sachen. Heute weiß ich jedoch, dass das mein Recht ist.

      • Ich habe noch einen Text gefunden, der mir früher sehr geholfen hat. Er stammt aus einer Literaturmappe zum 12-Schritte-Programm, aus einer speziellen Gruppe für erwachsene Kinder mit suchtkranken Eltern, wozu „Sucht“ auch ein Verhalten meinen kann. Vielleicht magst du den Text.

        Die andere Seite der Münze

        Die Charaktereigenschaften, die wir entwickelten, während wir in einem abhängigen Zuhause aufwuchsen, sind nicht alle negativ. Viele dieser Züge werden zu Vorteilen und besonderen Fähigkeiten, wenn sie einmal erkannt und unter Kontrolle gebracht werden.

        1. Z. B. kann ein Gefühl der Isolation die Fähigkeit hervorbringen, sich ganz auf sich selbst zu verlassen und allein sein zu können.

        2. Vertrauen, wenn es einmal geschenkt wurde, ist tief. Das kann Seelenfrieden und inneres Wachstum fördern.

        3. Eine Neigung zur Übertreibung kann Kreativität bewirken und einen wunderbaren Sinn für Humor entwickeln.

        4. Alles-oder-Nichts-denken kann Entschiedenheit mit sich bringen und Unabhängigkeit för­dern.

        5. Das Bedürfnis zu kontrollieren kann Organisationstalent und Managementfähigkeite n för­dern.

        6. Die Neigung, überkritisch zu sein, kann ungewöhnliche Einsichten bringen und konstruktiv genutzt werden.

        7. Schuldgefühl kann Sensibilität hervorbringen.

        8. Das Gefühl, es anderen Menschen recht machen zu müssen, kann zur Achtung vor den Ge­fühlen anderer führen.

        9. Die Furcht, verlassen zu werden, kann zur treibenden Kraft werden, eine außergewöhnliche Gesundheit in unsere Beziehungen zu bringen.

        10. Besessenheit verhilft zu Konzentrations- und Durchhaltevermögen.

        11. Der Wunsch, alles unter Kontrolle zu halten, kann außergewöhnliche Führungsfähigkeiten entwickeln.

  4. Danke vielmals. Da werde ich noch ’ne Weile drauf rumzudenken haben. Die meisten dieser Dinge empfinde ich immer noch als Schwächen an mir – obwohl ich rational mittlerweile weiss, dass sie durchaus auch positive Aspekte haben…

  5. Pingback: Fragen, Fragen, Fragen | Gedankensprünge

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