Überholspur

Unser Postbote hier kommt ziemlich früh. Früher, als ich in diesen Tagen eigentlich auf den Beinen wäre. Heute bin ich nun den dritten Tag in Folge deswegen früher als mir lieb war unter der Bettdecke rausgekrabbelt. Obwohl meine erste Amazon Marktplatzbestellung, wenn ich der Mail glauben darf, am Dienstag schon losgeschickt wurde und drei weitere am Mittwoch war es die letzten beiden Tage vergeblich.

Heute früh klingelte der Postbote dann doch tatsächlich. Und brachte mir das Buch, das ich gestern am späten Nachmittag direkt bei Amazon bestellt hatte. 😯
Von den Bestellungen von Dienstag Früh immer noch keine Spur. Fast zwei Stunden später kam dann noch ein Postbote und brachte die ersten der sieben am Dienstag bestellten Bücher.

Ich frage mich ernsthaft, wo das Amazon Buch unterwegs überholt hat, dass es nicht mal 17 Stunden nach der Bestellung da war, die anderen aber von Dienstag / Mittwoch bis Samstag und länger unterwegs sind. Und wieso zur Hölle kamen heute zwei Postboten?

Das tatsächlich Bemerkenswerte ist aber vermutlich, dass ich die superschnelle Lieferung sehr viel erstaunlicher und beängstigender finde als die, auf die ich tagelang warten muss.

Katja

Unsichtbar

Ich habe heute drei Anläufe gebraucht, um das Haus zu verlassen um Einkaufen zu gehen. Es gibt insgesamt zwar nur drei Wohnungen im Haus, aber jedes Mal, wenn ich gerade gehen wollte, tummelten sich Nachbarn im Flur bzw. Treppenhaus. Hoch, runter, wieder hoch, wieder runter, sich unterhaltend. Ich gehe dann nicht raus. Ich gehe nie raus, wenn gerade jemand im Treppenhaus unterwegs ist. Nicht mal in den Keller zur Waschmaschine. Ich weiss, dass das idiotisch ist, aber ich bringe es einfach nicht fertig meinen Nachbarn absichtlich zu begegnen. Es ist schlimm genug, wenn ich zufällig jemandem beim Verlassen des Hauses oder beim Wäsche waschen begegne. Ich fühle mich unwohl. Statt freundlichem Smalltalk gelingt mir höchstens ein zaghaft lächelndes „Hallo“ mit kaum hörbarer Stimme. Ich weiss nicht, weswegen das so ist. Mit anderen Menschen, der Kassiererin im Supermarkt, der Frau von der Post, meiner Lieblingsapothekerin gelingt mir mittlerweile problem- und zwanglos eine Unterhaltung. Nur meine Nachbarn schüchtern mich so ein. Heute Nachmittag hat mich das extrem genervt. Der Vorsatz war da, einfach rauszugehen, gar nicht darauf zu achten, ob immer noch jemand im Treppenhaus rumgeistert. Dann stand ich an der Tür, die Hand auf der Türklinke, die Knie gaben nach und ich hab’s nicht fertig gebracht. Bin wieder zurück in die Wohnung, hab mich nochmal hingesetzt. Mist das. Ein bisschen fühlt sich das immer an, als dürfe ich nicht da sein, müsse heimlich agieren, mich verstecken, flüchten. Und ich kann dem Gefühl keinen sinnvoll passenden Gedanken zuordnen. Objektiv gibt es keinen Grund, mich so zu fühlen. Trotzdem ich das weiss und mir selber bewusst mache, bekomme ich das Gefühl nicht weg. Wenn meine Knie nicht so unkooperativ wären, hätte ich’s längst mit einer Augen-zu-und-durch-jetzt-erst-recht Desensibilisierung versucht, aber das ist eine der seltenen Gelegenheiten, wo sie mir noch jedes Mal wegknicken. Mist das.

Katja