Las olas

Heute wieder Sturm. Innendrin. Tosende, bordwändeüberschwappende Tränenfluten. Wellenwogendes Auf und Ab und Auf und Ab. Auf dem Deck rumirrend, nach dem Mast suchend, zum Festhalten. Halt. Halt suchend und nicht findend. Und dann irgendwann in und mit zornigen Wellen auf den Strand klatschend. Sich aufbäumend. Später kraftlos im Sand liegen bleibend. Das Gesicht nach unten in den kühlen, feuchten Sand drückend.

Nach außen funktionierend. Nur die Augen verraten, was unter der Oberfläche brodelt.

Nicht deine Zeit, nicht deine Füße
Nicht dein Beat, nicht deine Leute
Deine Welt nicht, und nicht mal dein Schmerz
Du musst hier nicht dazugehören, aber such dir, was zu dir gehört
Du musst nicht tanzen, aber beweg dein Herz

Es tut weh, so zu sein, wie du denkst, dass du solltest
Es tut weh, so zu sein, wie du denkst, dass du bist.

(Wir sind Helden – The Geek (Shall Inherit))

Katja

Terrassenpausenfragen, eine Kaffeelänge

Warum ist der Trockner ausgerechnet in dem Moment fertig, wenn ich die vorherige Maschine Wäsche endlich zusammengelegt habe und suggeriert mir damit, dass ich direkt weitermachen muss?

Wie heißen diese Schmetterlinge?

Warum fällt es Mensch manchmal so schwer, Dinge, die zwischen den Zeilen gesagt werden, (richtig) zu verstehen und warum neigt Mensch andererseits an anderen Stellen dazu, Dinge zwischen die Zeilen zu interpretieren, die niemals da waren?

Warum ist Kommunikation überhaupt manchmal so kompliziert und geht das vielleicht nur mir so, dass ich es so empfinde?

Was ist das für ein ratterndes Geräusch und was für ein Vogel krächzt da gerade so rum?

Was ist das eigentlich für ein blaues Stoffdings, das bei den Nachbarn hinterm Garten schon seit ein paar Wochen vom Balkon hängt?

Wer singt da gerade so leise „Killing me softly“ vor sich hin? Ist das die C.?

Wo fliegt das Flugzeug über mir wohl gerade hin?

Wieso funktioniert die Maus eigentlich nicht auf dem Glastisch?

Wird der Fensterbauer tatsächlich noch vor unserem Urlaub kommen?

Wieso hab ich denn schon wieder solche Kopfschmerzen? Hab ich genügend Wasser getrunken?

Wird sich diese Sache jemals ändern?

Hat die Kamikaze-Maus sich jetzt selber vom Tisch gestürzt oder war ich das?

Wieso ist meine Tasse jetzt schon leer, wo doch noch so viele Fragen im Kopf sind?

Katja

 

Again.Just.Push.Play.

Neulich auf Twitter:

Das ist jetzt über 3 Wochen her und das ist einer der drei Songs, der bei mir in der Zeit am häufigsten und täglich und meist sogar mehrfach täglich gelaufen ist.

Spür‘ den Wind drehen, nachdem ich viel zu lange still stand.
Von vornherein schon wieder aufgab. Oh ich war so An und Aus.

Ich schau‘ aufs Meer raus, der Wind peitscht ins Gesicht,
die Augen weit auf. Ab heute hält mich nichts,
ab heute hält mich nichts zurück.

Denn die Uhren stehen und die Beine schweben, das Beben in der Luft.

Und ich renn‘ und ich renn‘ und ich renn‘
weil ich jetzt wieder weiß wer ich bin.
Und ich renn‘ und ich renn‘ und ich renn‘
weil jetzt alles von vorn beginnt.

(Joris, Neustart)

OK, ich komme bei Joris Tempo nicht ganz mit, es ist bei mir mehr ein Laufen als Rennen, aber ich weiss nicht, wie lange es her ist, dass ich mich so dermaßen lebendig gefühlt habe und so sehr den Eindruck hatte, voran zu kommen statt auf der Stelle zu treten.

(Danke, @stefl0510 ❤ )

Katja

(Liebens-)Wert

Wann ist man liebenswert? Was bestimmt den (Liebens-)Wert eines Menschen? Hat man das in sich oder wird man das erst dadurch, dass einen jemand liebt oder einen wenigstens dafür hält? Und kann man – wenn man als Kind nicht geliebt wurde – irgendwann und -wie als Erwachsene so sehr heilen, dass man ohne diese Bestätigung von aussen, an den eigenen (Liebens-)Wert glauben kann? Und falls ja, wie macht man das? In mir ist da ewig eine Lücke und ich weiss überhaupt nicht, wie ich die füllen soll ohne Input von aussen. Wenn ich den bekomme, fällt es mir viel leichter, mich selber mal nicht zu sehr zu hassen, manchmal sogar zu mögen. Aber ich denke immer, es gilt eigentlich nur, wenn man das alleine schafft an diesen eigenen Wert zu glauben, völlig unabhängig davon, ob man gerade dahingehende Bestätigung von aussen bekommt oder nicht.

Katja

 

White Zinfandel

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Der eben geöffnete Rosé, mein erster seit vielen Jahren, schmeckt ganz leicht nach Erdbeeren, aber insgesamt ist er so süß, dass im Geschmack schon die Ahnung von Kopfschmerzen liegt, die er vermutlich morgen Früh bescheren wird. Es gibt ja so Weine, bei denen weiss man schon beim Trinken, dass es so ausgehen wird. Dieser ist so einer, aber er ist auch kühler Kontrast zu dem, für meinen Geschmack, immer noch viel zu heissen Sommerabend. Der fing an mit einem gewaltigen Farbspiel am Himmel und jetzt findet sich eine der Himmelsfarben im Weinglas wieder, ohne dass ich wüsste, wer sie eingefangen hat und wie sie in das Glas kam. Und überhaupt – welch ein Sommer! Jahrelang kann man die Tage gut abzählen, ist alles immer viel zu schnell vorbei und in diesem Jahr treibt die Hitze mich in die Kühle der Wohnung, die nach wochenlanger Dauerhitze auch schon bei annähernd 30 Grad angelangt ist. Der Kopf ist träge und wattig, die Hitze höhlt Kopf und Gedanken zugleich und das obwohl da gerade so viele sind, diese fleissige Hitze aber auch. So viel im Kopf und das ist gleichermaßen so leicht und so schwer, dass die Gedanken Pingpongball-artig hin und her hüpfen, nicht zur Ruhe kommen und irgendwo steht einer und wirft dauernd noch weitere Bälle dazu bis mir vom lauten Ping und Pong und Ping und Pong ganz schwindlig wird – oder vielleicht ist es auch ein bisschen vom Wein, der diesertage zahlreich fließt – und ich mich erst mal auf’s Bett fallen lassen muss. Da liege ich dann, ohne Decke, in der Hitze, mit geschlossenen Augen und die Zimmerdecke weicht hinter den gesenkten Lidern einem bombastischen Sternenhimmel. Der scheint so greifbar nah und doch weiss ich eigentlich schon im Greifen genau, dass meine Arme nicht lang genug sind. Stattdessen bekomme ich nur wieder einen dieser Ping-Pong-Gedankenbälle zu fassen und dann geht es schon wieder los mit dem Ping und Pong und Auf und Ab. Immer wieder dabei sein, immer wieder mitmachen. Nur dass hier leider nicht jedes Los gewinnt. Aber das sagt einem natürlich vorher keiner, damit macht ja nie einer Werbung.

Kommse her, bleibense steh’n, machense Ihren Einsatz und jetzt wollnwa mal seh’n. Huiiiiiiiiiuuuu!

War was?

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(Ich hoffe doch.)

Katja

Hach Lesen

oder:

Wie ich einmal ein angefangenes Buch weglegte, weil ich mir total schwer damit tat und wie ich direkt danach ein Buch anfing, bei dem ich mir total schwer damit tat, es einmal wegzulegen.

Katja

Brauner Zucker

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Diese Tage, an denen so viel nicht klappt oder schief geht oder Murks ist, dass du irgendwann, wenn dir die frisch geöffnete Tüte mit braunem Zucker weiter aufreisst und sich ein Drittel des Inhalts über die Arbeitsplatte ergießt, denkst, ‚oh, da hab ich ja Glück gehabt‘ anstatt dich zu ärgern. Glück gehabt, weil es ja auch hätte blöder kommen können und der Zucker hätte sich über den kompletten Küchenboden verteilen können oder noch schlimmer in den schmalen Spalt zwischen Schrank und Kühlschrank, wo man nicht mal mit dem Staubsauger so einfach dran kommt. Aber stattdessen war es nur ein Drittel des Pakets und nur auf diesem überschaubaren Teil der Arbeitsfläche.

Und dann wird dir beim Aufwischen des Zuckers wieder einmal bewusst, wie relativ solche Wahrnehmung ist, was Glück ist und was Pech und wie stark das bei dir selber von der jeweiligen Tagesform abhängig ist. Und dann merkst du, dass trotz des seltsamen Tages, der mit einem gruseligen Albtraum um 5 Uhr früh begonnen hat, nach dem du lieber wach geblieben bist und gelesen hast, aus Angst, du könntest beim Wiedereinschlafen an der gleichen Stelle weiterträumen, dein Optimismus noch funktioniert, weil du nicht denkst ‚oh, das jetzt auch noch‘ sondern ‚oh, da hab ich ja Glück gehabt‘. Und dann ist der Tag auf einmal ein kleines bisschen weniger doof.

Katja