Las olas

Heute wieder Sturm. Innendrin. Tosende, bordwändeüberschwappende Tränenfluten. Wellenwogendes Auf und Ab und Auf und Ab. Auf dem Deck rumirrend, nach dem Mast suchend, zum Festhalten. Halt. Halt suchend und nicht findend. Und dann irgendwann in und mit zornigen Wellen auf den Strand klatschend. Sich aufbäumend. Später kraftlos im Sand liegen bleibend. Das Gesicht nach unten in den kühlen, feuchten Sand drückend.

Nach außen funktionierend. Nur die Augen verraten, was unter der Oberfläche brodelt.

Nicht deine Zeit, nicht deine Füße
Nicht dein Beat, nicht deine Leute
Deine Welt nicht, und nicht mal dein Schmerz
Du musst hier nicht dazugehören, aber such dir, was zu dir gehört
Du musst nicht tanzen, aber beweg dein Herz

Es tut weh, so zu sein, wie du denkst, dass du solltest
Es tut weh, so zu sein, wie du denkst, dass du bist.

(Wir sind Helden – The Geek (Shall Inherit))

Katja

Hinab zum Grund

Manchmal reicht ein einziger Song im Radio, manchmal sogar nur eine Textzeile und die Fassade, von der dir gar nicht mehr bewusst ist, wieviel Kraft es dich kostet, sie aufrechtzuerhalten, weil du sie ja andauernd vor dir herträgst, bricht zusammen. Alle Schleusen auf, Wasser marsch und die Tränen purzeln nur so aus dir heraus und finden kein Ende mehr, bilden erst kleine, dann tiefer werdende Pfützen um deine Füße und du merkst wie du versinkst. Immer tiefer. Die Luft bleibt weg, das Wasser schlägt über’m Kopf zusammen. Erst strampelst du mit aller Gewalt mit den Füßen dagegen an, paddelst, versuchst den Kopf über Wasser zu halten, aber irgendwann ist auch diese Kraft aufgebraucht. Du schließt die Augen, atmest noch einmal tief ein, gibst alle Starre, allen Widerstand auf und lässt dich in die Tiefe hinabsinken. Du sinkst. Versinkst. Bis die Füße auf dem Boden auftreffen, noch ein bisschen weiter, bis du auf dem Boden sitzt. Dann öffnest du die Augen, schaust dich um. Betrachtest das, was zu betrachten dir so viel Angst macht. Du schaust hin, nur einen Moment lang. Durch den Schmerz hindurch. Dann schließt du die Augen wieder, stehst auf, stößt dich mit den Füßen ab. Nach oben. Wieder durch die Oberfläche. Die Pfützen werden kleiner, verdunsten um deine Füße herum. Du reibst dir die Augen. Blinzelst. Du weisst, es war nicht das letzte Mal, dass du dort hinab musstest. Aber du weisst auch, dass der Grund dir entgegen kommt, dass es jedes Mal ein bisschen weniger tief nach unten geht. Und, dass du den Schmerz nur loslassen kannst, wenn du ihn betrachtest, weil die Wunden sonst immer wieder aufreissen.

Katja