Vuizvuigfui

Diese Tage, an denen einem schon morgens beim Aufstehen, die eigene Haut nicht richtig passt, an manchen Stellen schlabbert, wie ein ausgeleiertes altes Shirt, an anderen kneift, wie die frisch gewaschene Jeans. Diese Tage, an denen man sich wünscht, jemand anderer zu sein, irgendwer nur nicht man selber. An denen sich alles verkehrt anfühlt, was man ist, wie man ist und vor allem, was und wie man fühlt. An denen sich das Fühlen verkehrt anfühlt, alles nicht richtig, alles zu viel, viel zu viel. An denen man sich dauernd fragt, warum man so ist, wie man ist, warum man nicht ein bisschen weniger so sein kann, wie man ist, ein bisschen weniger fühlen kann. An denen man sich fragt, warum das alles immer direkt so tief reingehen muss, warum man’s nicht lernen kann, ein bisschen nach außen dicht zu machen. So ein Gürteltierpanzer wäre schön. Oder einer von ’ner Schildkröte. Ein Schneckenhaus. Igelstacheln. Ein Gürteltierpanzer mit Igelstacheln. Irgendetwas, das Schutz bietet, vielleicht auch abschreckt. Einem Gefahr vom Leib hält, obwohl es gar nicht um den Leib geht, sondern um die Gefühle, um das Innen, nicht das Außen. Diese Tage, an denen man sich fragt, warum einem Nähe zu anderen Menschen so wichtig ist und warum man aus all dem Schmerz und der Erfahrung nichts lernt, nicht irgendwann begreift, dass Dichtmachen das ist, was einen schützt, einen schützen könnte, wenn man denn dichtmachen könnte. Diese Tage, an denen man sich so verkehrt fühlt, so nicht in diese Welt passend. Zu viel denkt. Zu viel fühlt. Zu viel von allem ist. Vor allem von sich selbst. Und an denen man das, was man ist, die, die man ist, so überhaupt nicht leiden kann, weil sie einem selber viel zu viel ist und man sie mit ihren vielen Emotionen kaum mehr aushalten kann.
Diese Tage, von denen man immerhin (wieder) weiß, dass sie irgendwann vorbeigehen und an denen man hofft, dass der nächste dann doch wieder besser wird. Immerhin das. Immerhin wieder hoffen, dass das irgendwann mal wieder besser werden wird.

Muss ja.

Katja

Advertisements

Lost in time and lost in space and meaning

Es ist fast als würde ich mich mit jedem Kilometer, den ich mich vom Meer entferne, auch wieder von mir selber entfernen, als würde die gigantische Schere zwischen Herz und Kopf immer weiter auseinanderklaffen und mich mit- und in zwei Teile reißen. Denken und Fühlen, das waren bei mir noch nie so dermaßen verschiedene Dinge wie sie es jetzt sind und in mir finden tägliche Grabenkämpfe über die Vorherrschaft statt. Innere Aufruhr, ein ewiges Zerren meiner Selbst an meinen Ressourcen und ewiges Krisen- und Kriegsgebiet. Der Kopf hat immer wieder seine klaren Momente, in denen er die Oberhand hat und in denen ich mir selber ziemlich genau erklären kann, was da überhaupt gerade in und mit mir passiert und dann im nächsten Moment kommt eine Welle aus Emotionen und schlägt mir über dem Kopf zusammen und reißt mich von den Füßen und dabei bin ich doch gerade schon wieder so weit vom Meer entfernt, aber es ist der Sturm in mir drin, der das macht. Ich sehne mich nach Ruhe und Frieden und doch ist da auch immer wieder ein kleiner Teil von mir, der das selber sabotiert, der dem Drang nach- und die Kontrolle abgibt und dann ist da noch mehr Wasser und es tropft aus den Augen bis sich um die Füße eine Pfütze bildet und ich mir wünsche, darin zu versinken. Bis zum Grund zu sinken, in der Hoffnung, dass sie so tief ist, dass kein Geräusch mehr bis zu mir durchdringt. Aber dann wird mir wieder bewusst, dass der Lärm nicht außen, sondern in mir drin ist und dass es keine Flucht gibt sondern nur ein Mittendurch. Mitten durch, durch den ganzen Selbsthass, der jede Schwäche erkennt und nutzt und sofort wieder grinsend ums Eck kommt, sobald ich mit mir selber hadere, weil es mir schon wieder und immer noch so schlecht geht und ich diesen Schalter im Kopf oder Herzen oder im Woauchimmer nicht finde, der alles mal wieder zurecht rücken und die Dinge in ihre wahre Bedeutung sortieren kann und aufhört, alles immer größer zu denken, außer mich selber, mich immer nur kleiner. Dabei wäre Gelassenheit das, was sehr viel besser helfen könnte. Auch das weiß ich, die Erkenntnis ist keine neue und doch verhakt es sich gerade an allen Stellen, des schon einmal Gelernten und wenn da auf der anderen Seite nicht so enorm viele Fortschritte wären, die ich gerade mache und zum Glück auch sehe und wahrnehme, nämlich in allen anderen Bereichen, dann würde ich vermutlich noch mehr verzweifeln als ich es gerade ohnehin schon tue.

Also back to the basics. Einatmen. Ausatmen. Repeat. Und dann merken, dass da immerhin langsam wieder ein Funken Zuversicht auftaucht, dass es doch verdammt nochmal irgendwann langsam mal besser werden *muss*, weil noch schlechter und noch länger so schlecht nicht mehr geht.

Katja

Momentaufnahme/Bestandsaufnahme (Irgendwas mit Selbstakzeptanz)

Bis vor ein paar Tagen hatte ich für eine ziemlich lange Zeit die beiden Sätze

Denkt (zu) viel. Fühlt (zu) viel.

als Charakterisierung in meiner Twitter-Kurzbeschreibung stehen. Für eine noch viel, viel, viel […] längere Zeit waren genau das zwei meiner Grundgedanken/-gefühle und über das Gefühl stets irgendetwas ZU zu sein, habe ich hier mindestens schon einmal gebloggt. Immerzu immer zu. Immer falsch und verkehrt und das war oft der Einstieg in eine Spirale aus Selbstzweifeln und Selbsthass.

Seit ein paar Tagen und Wochen oder vielleicht auch schon Monaten merke ich, wie sich mein Denken und Fühlen dahingehend ändert. Ich glaube, ins Rollen kam dieser Stein durch viele geduldige Gespräche mit einer Freundin, die mich zum ersten Mal fest in die Richtung geschubst hat, meine von mir als Makel empfundenen Eigenschaften als meine Stärken zu sehen. Das bin ich.

Vor ein paar Tagen, als sich andere Dinge, die mir das Herz schwer gemacht haben, ein bisschen gelichtet haben, ist mir klar geworden, wieviel weiter ich auf diesem Weg in der letzten Zeit tatsächlich gekommen bin, wie oft ich – wenn ich merke, dass ich mich wieder mal am Anfang der ‚ich bin falsch, wie ich bin‘-Gedankenspirale befinde – selber wieder korrigieren kann. Ich denke viel. Ja. Aber so bin ich und das ist ok. Ich fühle viel. Ja. Aber auch das bin ich und das ist ok wie es ist. Gedanken abbiegen lassen, ganz bewusst den schädlichen Einhalt gebieten. Gerade gelingt es mir besser als möglicherweise je zuvor, denn wenn dieser folgende Selbsthass und das Verkehrtfühlen erst gar nicht richtig durchstarten, sondern ich die Stellen, an denen das passiert, rechtzeitig bemerke und/oder von einem der großartigen Menschen in meinem Leben, zeitig ausgebremst werde, erst gar nicht in Gang kommen, ist der Weg hinaus deutlich kürzer.

Ich habe die lange getragenen Klammern – und nicht nur jene um den Text – endlich aus meinem Profil und hoffentlich auch aus meinem Kopf entfernt.

Denkt viel. Fühlt viel.

Und weil Heiko mich auf den wunderbaren Gedanken brachte, dass die Klammern ja jetzt eigentlich übrig sind, mag ich sie nutzen, um all jene mal fest virtuell in die Arme zu schließen, die einen ordentlichen Anteil an der Entwicklung haben – dadurch, dass ich bei ihnen so sein darf, wie ich bin und dadurch, dass sie mir das Gefühl geben, so wie ich bin, richtig und ein liebenswerter Mensch zu sein. Es ist viel leichter, das im eigenen Kopf zu implementieren, wenn man das als Feedback und Input von außen bekommt (und ich weiß nicht mal, ob das so verwerflich ist, nicht ganz alleine an den Punkt zu gelangen sondern von dieser Bestätigung von außen zu zehren). Meine lieben Freunde – und wer sich hier gerade angesprochen fühlt – ist vermutlich gar nicht so falsch in der Annahme auch gemeint zu sein. Danke! Schmag euch. Sehr! ❤

(( ))

Katja

 

Immunschwäche

Es sind immer wieder die gleichen Fragen, auf die das Leben™ dich zurückwirft, immer wieder die gleichen Zweifel, immer wieder die gleichen Ängste und Befürchtungen. Wenn es dir gelingt, einen Schritt beiseite zu treten, erkennst du deutlich die Muster – das Auge sieht was passiert, der Verstand begreift es – und doch sind die Gefühle gleich einem Kunstwerk von Escher und es scheint schier unmöglich den Knoten aufzulösen, die Täuschung und Illusion zu entwirren.

Die 3-jährige stampft zornig mit dem Fuß auf, bettelt, fleht, wirft sich heulend auf den Boden und du weißt nicht, wie du sie trösten sollst. Du schaffst es nicht mehr, streng mit ihr zu sein und ihr alles zu verbieten, seit du ihre Not einmal erkannt hast. Aber du weißt auch nicht, wie du ihr die Welt erklären sollst, ihr das geben, was ihr so dringend fehlt. Und so wendet sie sich nach außen, sucht, findet, strauchelt, fällt, schürft sich die Knie auf und ihr ertrinkt beide in Tränen. Sie trotzig, selbst-ver-zweifelt. Und du voller Hass auf die Kleine, weil sie so ist wie sie ist und dir das Leben so schwer macht und du kommst erst langsam dahinter, dass du so niemals einen Ausweg finden kannst, wenn du nicht endlich anfängst, die Verantwortung für sie zu übernehmen und dich liebevoll und geduldig um sie zu kümmern.

Das kann niemand außer dir. Die Lücke in ihr kannst nur du füllen. Akzeptiere das endlich. Es geht nur so.

Katja

Das bin ich!

Drei Worte, nur 9 simple Buchstaben – und mir die immer wieder zu sagen, ist in den letzten Tagen eine meiner schwersten Übungen. Dabei stammen sie nicht mal von mir, sondern von einer Freundin, über deren Präsenz und Geduld ich bei den inneren Grabenkämpfen, die ich derzeit mit mir selber austrage, unendlich dankbar bin.

Viel zu viel – eigentlich fast die komplette bisherige – Zeit meines Lebens, habe ich damit verbracht, mich falsch zu fühlen, so wie ich bin. Immerzu immer zu. Zu irgendwas. (Hier lang.) Zu emotional. Zu offen. Zu kompliziert. Zu anhänglich. Zu verletzlich. Zu nah. Zu empfindlich. Zu anstrengend. Zu schwierig. Zu ehrlich.

Ich möchte so gerne die vielen ‚zu‘ aus meinem Leben oder zumindest meinem Denken verbannen. Ja, ich bin emotional, offen, kompliziert, anhänglich, verletzlich, nah, empfindlich, anstrengend, schwierig, ehrlich. „Dein Herz macht immer 100% mit. Bei allem und manchmal ist das schön, manchmal weniger. Aber auch das macht Dich aus & liebenswert!!!“ schreibt jene Freundin mir (und ich hoffe, sie nimmt mir nicht übel, dass ich sie hier zitiere) und bringt mich damit erst mal zum Heulen – mitten unter Menschen. Ja, ich bin emotional (q.e.d.) und wenn ein Mensch genau jene Seiten an mir, die ich immer und ewig als Schwäche und Fehler empfinde, die manchmal alles so furchtbar kompliziert machen, als meine Stärke ansieht, als das, was mich ausmacht, ist das ein ziemlich krasses Gefühl.

Und vielleicht ist genau das der Gedanke, der mir dabei helfen kann, besser mit mir auszukommen. Das bin ich! Und das ist oft anstrengend (für mich und in meinem Kopf vermutlich in noch größerem Ausmaß als für mein Umfeld), aber es ist eben nicht per se schlecht. Ich kann nicht halbherzig und oberflächlich – auch wenn ich es manchmal wirklich gerne können würde, weil vieles dann vermutlich einfacher wäre. Aber dafür gibt es im Gegenzug auch immer Ganzherzigkeit und Verlässlichkeit von mir. Wenn Menschen einen Platz in meinem Herzen haben, dann haben sie den in der Regel auf Dauer. Und wenn sie gehen, bleibt auch nach langer Zeit meist eine freie Stelle, mit einer Silhouette desjenigen.

So langsam komme ich dahinter, dass es tatsächlich eine Superheldenfähigkeit ist, Menschen so nah an sich ranlassen zu können. Und das ist eine meiner Eigenschaften, die ich gegen nichts eintauschen möchte. Ich will Menschen nah sein, auch wenn das häufiger mal weh tut. Das gehört vermutlich irgendwie zu dieser Nähe dazu.

Wieder mal viel Auseinandersetzung mit mir selber gerade, same same but different, und vielleicht gerade ein Schritt vorwärts. Ein kleiner zumindest.*

Das bin ich!

Katja

[*Zumindest bis in 10 Minuten, wenn mein Kopf in die nächste Runde der ZU-irgendwas-Achterbahn einsteigt, den Selbsthasshaltebügel fest auf die Schultern gepresst…]

Jenga

Das neue Konstrukt aus (und du merkst, wie die Finger an dieser Stelle auf den Tasten zögern, denn was ist das überhaupt, wofür dir der passende Name und Begriff noch fehlt? also irgendetwas in Richtung) Selbstannahme / Selbst(wert)bewusstsein ist noch unfassbar wacklig, wie ein hoch aufgetürmtes Jenga, bei dem die unteren Klötzchen schon alle entfernt wurden (und hier hinkt der Vergleich, denn eigentlich waren sie nie da und genau das ist ja die Krux, dass diese stabile Basis fehlt) und bei dem jede weitere Berührung zum kompletten Zusammen- und Umfallen führt.

Manchmal reicht – und das kann in einem ganz anderen Zusammenhang sein – ein einzelner Satz und BADAUTZ und SCHEPPER, alles stürzt ein, während aus dem Hintergrundrauschen sofort wieder ein lärmender Chor aus Selbstzweifeln, Selbsthass und Minderwertigkeitsgefühlen aufbrandet. „Du kannst nix. Du bist nix. Nix wert, du Versagerin.“ und du merkst, dass all dieses Wertzeugs und die Gedanken darüber ohnehin immer in der Frage deiner LiebensWERTigkeit, deiner LiebensWÜRDIGkeit mündet. Gefühlt führen alle verdammten Fragen und Gedanken und Zweifel immer irgendwann an diesen einen Punkt. Und manchmal, wenn die Ver_zweif(e)l_ung groß wird, fragst du dich, ob sich dieser ganze verdammte Kampf überhaupt lohnt, ob es überhaupt (für dich) möglich ist, dieses Defizit in der Basis, diese Lücken, wo du in früher Kindheit ein Gefühl für deinen Wert – als Mensch, nicht für irgendeine deiner Leistungen – hättest bekommen müssen/sollen/können, ob sich diese Lücken noch jemals auffüllen lassen…

Katja

Shaka, als die Mauern fielen.

Dann, wenn der Groschen gefallen ist, irgendwann viel viel […] später, wenn der Zusammenhang zum ersten Mal vor dir offen liegt, die Frage der Fragen zum ersten Mal eine Antwort gefunden hat und wenn dir genauso unerwartet wie beim vorigen Mal und in der gleichen Situation wie beim vorigen Mal der nächste Zusammenhang, das, was da an dieser Antwort ja auch noch dran hängt, wie eine fehlgeleitete Silvesterrakete dicht an den Ohren vorbeisaust.

„Was passiert jetzt gerade mit Ihnen? Was löst diese Tränen aus?“ Und du willst, aber kannst vor lauter Schluchzen gar nicht sprechen, merkst, wie dein Kinn zittert, kein Laut über deine Lippen kommt, weinst, weinst, weinst, weinst… erst mal einfach weiter. Und er lässt dich, lässt dir die Zeit und du brauchst nicht hinzugucken, weißt auch so, dass dieser leicht besorgte, verständnisvolle, (ab-)wartende Blick auf dir ruht, den du in den letzten Monaten schon so häufig gesehen hast.

Dann, nach einer gefühlten Ewigkeit, als du endlich wieder sprechen kannst, ohne dass dich das Schluchzen erneut erschüttert, erklärst du stockend. Wenn das alles gar nicht an dir gelegen hat, eigentlich gar nichts mit dir zu tun hatte und es doch DAS war, das dich, das dein Leben am allermeisten geprägt hat. All der Selbsthass, all die Lebenszeit, die du damit zugebracht hast, und dann auf einmal bricht die Ursache dafür weg. Es liegt nicht an dir, du bist vielleicht gar nicht, nicht liebenswert. Und du weißt nicht weiter, weißt nicht, wie du mit diesem neuen Gedanken klar kommen kannst und sollst, weißt gar nicht, was das jetzt mit dir macht. Die Grundlage auf einmal weg. Es hatte nie mit dir zu tun.

Auch Wochen später weißt du immer noch nicht, wie du damit umgehen sollst, was das jetzt eigentlich verändert. Wie sich die Dinge dadurch ändern können. Endlich. Ändern. Können.

Ratlos. Überfordert.

Und doch. Irgendwo in dir ist auch eine ganz neue Erleichterung. „Es liegt nicht an mir.“, sagst du dir immer wieder, schließt die Augen, spürst wie die Tränen wieder in dir aufsteigen, aber andere, trotzigere, mutigere.

Katja