Wertlosbude

Und dann sitzt du wieder mal da, die Finger auf der Tastatur, den Kopf und das Herz übervoll und dir fehlen – auch das wieder einmal – die Worte, um das auszudrücken, was in dir vorgeht.

„Ich bin wieder da.“ fängst du also hilflos an und musst dann irgendwie lachen, weil es stimmt und doch auch nicht. Du bist wieder da, zumindest physisch schon seit einer ganzen Woche, auch wenn dein Kopf und viel mehr noch dein Herz, immer noch irgendwo zwischen Sand und Wind und Sonne und Wellen hängen und die Zehen immer noch nach dem warmen Sand tasten.

„Ich bin wieder da.“ das würdest du so gerne in anderem Zusammenhang sagen oder vielleicht stattdessen auch „ich bin wieder ich“. Diese Klarheit, die sich am Meer eingestellt hat, die dir so deutlich gezeigt hat, wie du dich fühlst – fühlen kannst -, wenn du du bist. Wie du dich fühlen kannst, wenn du _ganz_ bist und ausnahmsweise mal nicht innerlich zerrissen und von Selbsthass zerfressen.

Seit Tagen kreist dein Kopf um Wert. Schätzung. Los. Selbst. Liebens. Darum, wie die alle bei dir zusammenhängen und was da gerade in dir passiert. Fehlt das eine, steigt das andere. Du denkst darüber nach, wie das mit dem Würdigen ist, wenn du selber deine Würde dauernd aufgibst.

Und dann kaufst du dir Blumen. Für die Selbstwertschätzung. Und weil du gerade das Gefühl hast, bei dir selber einiges wiedergutmachen zu müssen.

Verworren und klar. Strafend und Schützend. Tastend und auftretend. Traurig ohne Gegenpol.

Katja

Jenga

Das neue Konstrukt aus (und du merkst, wie die Finger an dieser Stelle auf den Tasten zögern, denn was ist das überhaupt, wofür dir der passende Name und Begriff noch fehlt? also irgendetwas in Richtung) Selbstannahme / Selbst(wert)bewusstsein ist noch unfassbar wacklig, wie ein hoch aufgetürmtes Jenga, bei dem die unteren Klötzchen schon alle entfernt wurden (und hier hinkt der Vergleich, denn eigentlich waren sie nie da und genau das ist ja die Krux, dass diese stabile Basis fehlt) und bei dem jede weitere Berührung zum kompletten Zusammen- und Umfallen führt.

Manchmal reicht – und das kann in einem ganz anderen Zusammenhang sein – ein einzelner Satz und BADAUTZ und SCHEPPER, alles stürzt ein, während aus dem Hintergrundrauschen sofort wieder ein lärmender Chor aus Selbstzweifeln, Selbsthass und Minderwertigkeitsgefühlen aufbrandet. „Du kannst nix. Du bist nix. Nix wert, du Versagerin.“ und du merkst, dass all dieses Wertzeugs und die Gedanken darüber ohnehin immer in der Frage deiner LiebensWERTigkeit, deiner LiebensWÜRDIGkeit mündet. Gefühlt führen alle verdammten Fragen und Gedanken und Zweifel immer irgendwann an diesen einen Punkt. Und manchmal, wenn die Ver_zweif(e)l_ung groß wird, fragst du dich, ob sich dieser ganze verdammte Kampf überhaupt lohnt, ob es überhaupt (für dich) möglich ist, dieses Defizit in der Basis, diese Lücken, wo du in früher Kindheit ein Gefühl für deinen Wert – als Mensch, nicht für irgendeine deiner Leistungen – hättest bekommen müssen/sollen/können, ob sich diese Lücken noch jemals auffüllen lassen…

Katja

(Liebens-)Wert

Wann ist man liebenswert? Was bestimmt den (Liebens-)Wert eines Menschen? Hat man das in sich oder wird man das erst dadurch, dass einen jemand liebt oder einen wenigstens dafür hält? Und kann man – wenn man als Kind nicht geliebt wurde – irgendwann und -wie als Erwachsene so sehr heilen, dass man ohne diese Bestätigung von aussen, an den eigenen (Liebens-)Wert glauben kann? Und falls ja, wie macht man das? In mir ist da ewig eine Lücke und ich weiss überhaupt nicht, wie ich die füllen soll ohne Input von aussen. Wenn ich den bekomme, fällt es mir viel leichter, mich selber mal nicht zu sehr zu hassen, manchmal sogar zu mögen. Aber ich denke immer, es gilt eigentlich nur, wenn man das alleine schafft an diesen eigenen Wert zu glauben, völlig unabhängig davon, ob man gerade dahingehende Bestätigung von aussen bekommt oder nicht.

Katja