Irgendwas mit Pizza oder so

Seit Tagen hängt mein Kopf wieder mal in einer Schleife fest. Da stellt mir jemand ein paar Fragen zu meinen Terminen (die wo es um die Kopf vs. Bauch-Entscheidung geht) und ich beantworte wortkarg die Fragen und erzähle nicht wirklich viel, weil ich eigentlich gar keine große Lust habe, mit dieser Person darüber zu reden. Eigentlich antworte ich da nur, weil ich sie #ausGründen nicht vor den Kopf stoßen will, aber ich fasse mich knapp und erzähle auch nichts, was sie nicht direkt fragt und auch nicht, dass ich mich eigentlich schon entschieden habe und wofür und warum.

Daraufhin kommt, für mich tatsächlich überraschend, von ihr „Dann rate ich dir zu X“. Und mein erster Gedanke so „Watzefack?!“ Und ich schreibe ihr, dass es ja *nett* von ihr ist, dass sie mich unterstützen will, aber dass ich nicht um Rat gebeten hatte und dass ich auch nicht glaube, dass man jemanden sinnvoll beraten kann, wenn man nur so wenig über die persönlichen Umstände, die für die Entscheidung ausschlaggebend sind, weiß. Und dass es ja nun nicht um was Banales geht, wie wo man die beste Pizza bekommt, sondern um meine Zukunft. Und ich frage zugegebenermaßen provokant, ob sie denn die Verantwortung übernehmen wolle, wenn ich ihrem Rat folge und es stellt sich raus, das war nix.

Und dann hab ich eine wichtige Lektion gelernt, nämlich: es gibt Leute, die kümmert’s ’nen Scheiß, ob sie um Rat gebeten wurden oder nicht, weil es eh nicht um Hilfe oder Unterstützung für die Person, der sie „Rat“ erteilen, sondern nur darum, sich selber auszubreiten. Was denn ein Ratschlag mit Verantwortung zu tun hätte und ich müsse ihn ja nicht befolgen und wenn sie jemanden um Rat fragen würde, dann wäre ihr ja auch klar, dass derjenige ganz andere Lebensumstände als sie selber hätte und dass sie das in ihrer Entscheidung dann berücksichtigen müsste.

Und mir fiel auf, wie anders ich ticke. Wie oft und weitreichend ich bereit bin, Verantwortung (ja, auch für mein dummes Geschwätz von gestern) zu tragen und dass ich mir mehr Gedanken mache, wenn mich jemand fragt, wo man die beste Pizza bekommt, als andere, wenn sie dich bezüglich deiner Zukunft „beraten“. Ich ticke da so dermaßen anders, wenn mich jemand fragt, wo man die beste Pizza bekommt, dann sage ich so Dinge wie „Ich mag an Pizza gerne, wenn sie einen dünnen und knusprigen Boden hat und nicht so mit Käse überhäuft ist. Sparsamer Belag ist mir immer lieber als zu dick zugekleistert. Falls das deinem Geschmack entspricht, dann könntest du mal die bei X probieren.“ und wenn dann derjenige, der mich fragte, hinterher erzählt, die Pizza bei X sei nicht gut gewesen, dann bedaure ich das wirklich, dass ich einen nicht hilfreichen Rat gegeben habe. (Ich freue mich aber auch, wenn die Person die Pizza wirklich so toll fand, wie ich sie dort finde.)

Seit Tagen frage ich mich, ob _ich_ hier die Schräge bin, dass ich mir wegen ’ner simplen Restaurantempfehlung mehr Mühe gebe, sorgfältig und hilfreich zu sein oder ob meine Beraterin oben die Schräge ist, die ungebeten und ungefragt und vor allem unüberlegt, Ratschläge, die die komplette Zukunft betreffen, raushaut. Zum Glück ist mir – in all meinem mich komisch fühlen, weil ich so bin – vorhin aufgegangen, dass ich einfach nur darüber nachdenken muss, mit welcher der beiden Personen ich lieber zu tun hätte oder lieber befreundet wäre und juhuu, ich habe (für mich) gewonnen. Das ist neu, dass ich das tatsächlich dann auch alleine derart auflösen kann und es fühlt sich gerade gut an. (Und es fühlt sich auch gut, es nicht zwanghaft mit ihr klären / mich ihr gegenüber zu erklären zu müssen, sondern es halt einfach so stehen lassen zu können, weil wir da so diametral verschieden sind, dass wir eh keine Verständigung finden werden – oder es mir tatsächlich gerade der Mühe nicht wert ist, sie gibt sich ja auch keine, gute Ratschläge zu geben.)

(Ach so und die beste Pizza im Rhein-Main-Gebiet gibt’s natürlich bei Leonardo im La Palma in Dreieichenhain! Ich schwör’s! :D)

Katja

 

Liebe Twitter-Hasis! (Die Sache mit den Ratschlägen)

[Vorgeschichte in very short: Ich hab seit gestern Morgen die Fensterbauer in der Wohnung. Es ist alles ganz schlimm. Die arbeiten in einem unfassbaren Ausmaß schlampig (was schon beim falschen Ausmessen im März angefangen hat), richten Chaos in der Wohnung an, machen Dinge kaputt und dergleichen mehr, die Liste ist lang. Darüber habe ich – mit steigendem Frust und steigender Verzweiflung, weil mich die Situation überfordert – getwittert.]

Twitter ist für mich ein guter Ort, wenn ich in einer akuten Krise stecke, weil es ein gutes Ventil ist, um inneren Druck abzubauen, indem ich relativ ungefiltert und schnell rausschrei(b)en kann, was mich gerade belastet. Und weil es mir außerdem das Gefühl gibt, da ist jemand an meiner Seite, wenn ich mich im Realen räumlich alleine, in der für mich schlimmen Lage, befinde.

Twitter ist für mich ein schlechter Ort, wenn ich in einer akuten Krise stecke, weil Menschen oft so ticken, anderen helfen zu wollen, wenn die ihre Probleme schildern und das oft versuchen, indem sie Ratschläge erteilen.

Und das ist der Punkt, wo es schwierig wird, denn – auch wenn ich weiß, dass all die Vorschläge, Ideen, Aufforderungen etwas zu tun, überaus wohlwollend, freundlich, hilfreich und gut gemeint sind – ich bin ja nicht zu blöd, selber auf diese Ideen zu kommen. Ganz im Gegenteil, solche Krisen entstehen bei mir oft dadurch, dass ich _sehr genau_ weiß, was ich in dem Moment _eigentlich_ tun müsste, aber im gleichen Moment bin ich so dermaßen von der Situation überfordert, dass mir die Kraft zur Handlung oder – so wie heute – zur konkreten Auseinandersetzung fehlt.

Was passiert also, wenn diese Ratschläge auf mich einprasseln? Der Druck, unter dem ich stehe, wird größer statt kleiner und meine Handlungsfähigkeit wird schwächer, weil die Überforderung größer wird.

Jetzt könnte man sagen: „Selbst schuld! Wenn du deine Gedanken und Probleme auf Twitter in die Öffentlichkeit stellst, dann komm auch mit den Folgen und Reaktionen klar!“ und/oder mich auch für undankbar halten, weil ich ja – meiner wunderbaren Timeline sei’s gedankt – fast ausschließlich freundliche Antworten und Reaktionen erhalte und ja eigentlich froh sein sollte, dass Menschen meinen Kummer lesen, mich sehen und wahrnehmen und auf mich reagieren. Und zweiteres sehe ich auch und das ist es, was Twitter zu einem guten Ort macht. Menschen achten aufeinander, beachten einander, sind füreinander da. Auch und gerade, wenn einer in einer Krise steckt.

Was ich mir wünschen würde: Kein RatSCHLAG ohne Bitte darum. (Oder wenigstens nicht ohne die vorherige Frage, ob konkrete Tipps gesucht werden.) Ich kann mir das nur für mich wünschen, das muss für niemand anderen gelten, aber wenn ich tatsächlich Rat suche, dann frage ich konkret danach. Wenn ich über ein Problem twittere, dann geht es mir darum, der inneren Anspannung ein Ventil zu geben. Ich persönlich bin dann dankbar, gesehen und wahrgenommen zu werden. Bin dankbar über Flausch und virtuelle Umarmungen. Bin froh, wenn ihr mit mir zusammen flucht oder die Hände vor’s Gesicht schlagt.

Aber sagt mir bitte nicht, was ich dann tun und wie ich mich verhalten soll! Das macht das Gefühl des Drucks für mich größer, die Lage schlimmer.

Und weil ich die beste Timeline von allen habe, hoffe weiß ich, dass ich euch das sagen darf und dass ihr mich jetzt nicht für völlig undankbar haltet. ❤

#notjustsad

Katja