Worum es geht. Und worum nicht.

„Du schaffst das schon!“ bekomme ich gerade häufiger zu hören. „Ja, danke. Ich hoffe es.“ antworte ich meistens und bin tatsächlich dankbar über den Zuspruch und die Unterstützung und Aufmunterung, die darin steckt.

Und dann, wenn es außen ruhig wird, geht innendrin der eigentliche Kampf los. Ja, natürlich werde ich es schaffen. Das ist klar, daran besteht kein Zweifel und das Schaffen bzw. die Angst davor, es nicht zu schaffen, ist gar nicht das, was mich so umtreibt und was mir solche Angst macht. Ich weiß, dass ich es schaffen kann. Und vielleicht ist genau das das Problem. Ich kann schaffen. Ich kann durchhalten. Ich kann *aus*halten. Und ich kann genau dabei – beim Schaffen, beim Durchhalten, beim Aushalten – innerlich kaputt gehen während ich nach außen ganz wunderbar funktioniere, während ich versuche allen Ansprüchen und Erwartungen oder angenommenen Ansprüchen und angenommenen Erwartungen zu genügen, während ich versuche alles gut und alles richtig zu machen. Gut und richtig für alle anderen, nur leider selten für mich selber.

Ich habe keine Angst, es nicht zu schaffen. Ich weiß, dass ich das *kann*. Ich habe Angst davor, es zu schaffen, aber mich dabei selber aus den Augen zu verlieren. Meine Grenzen, meine Kapazitäten nicht zu spüren, den schmalen Grat zwischen Ehrgeiz und Selbstfürsorge nicht zu finden. Es nach außen zu schaffen, damit alle zufrieden sind und ich mich nicht wie eine Versagerin fühle, nicht schon wieder, und den viel zu hohen Preis dafür zu zahlen, dass mir das verloren geht und entgleitet, was das Leben schön und lebenswert macht.

Mein Anspruch an mich, mein Auftrag, den ich mir gerade also selber gebe, ist nicht, es zu schaffen, sondern genau hinzugucken, meine Grenzen zu finden, wahrzunehmen und vielleicht auch wirklich zu verschieben, aber im richtigen Maß, in jenem, dass nicht die Selbstfürsorge wieder hinten runterfällt, wo ich sie doch gerade erst so mühsam erlerne. Mir selber zuzugestehen, nicht alles schaffen zu müssen, im Zweifel sogar scheitern zu dürfen. Ohne, dass das meinen Wert schmälert.

Und das ist leider sehr viel schwieriger als es zu schaffen.

Katja

3 Kommentare zu “Worum es geht. Und worum nicht.

  1. Wenn wir alle gemeinsam aufeinander aufpassen, dass wir unsere Grenzen einhalten, Mitgefühl für uns selbst haben, auf unsere Bedürfnisse achten und sie kommunizieren … – wenn wir uns gegenseitig immer wieder liebevoll daran erinnern, dann können wir das schaffen. Oder?

    Liebe Katja, ich wünsche dir neben der Selbstfürsorge vor allem auch Freude an den neuen Aufgaben, weil Freude am Tun auch Hoffnung und Mut mit sich bringt. Du bist nicht allein. ❤

  2. Ich weiß genau, was du meinst. Deshalb habe ich in meiner Reha sofort die Reißleine gezogen, als ich in zig verschiedene Gruppentherapien am Tag sollte. Ich habe gesagt „Das schaffe ich nicht“. Und man hat mir geglaubt (dass ich mich in einigen Nachmittagsgruppen kaum wachhalten konnte, hat wahrscheinlich dazu beigetragen). Deshalb, wenn es dir zu viel wird, dann sag das gleich.

Und jetzt du! Deine Gedanken, Worte, Punkte, Smilies, Bilder, Gesänge... Danke dafür!

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