Schönreederei

Eigentlich ist, zumindest auf den zweiten Blick, nur die Kopfoption eine echte Option. „Ich find’s gut, wie du dich da gerade auf die positiven Punkte konzentrierst“, sagt die Lieblingsmitpatientin heute zu mir als ich ihr vom Termin gestern erzähle und ich bin nicht sicher, ob das wirklich gut ist oder ob ich hier gerade eigentlich nur versuche, mir was schön zu reden und dann vielleicht in ein paar Wochen die Rechnung dafür kassiere, gegen den Bauch zu entscheiden. Wenn ich denn dann… Vielleicht sollte ich mir morgen einfach einen Zettel schnappen und notieren und abwägen und versuchen, mir über meine Prioritäten klar zu werden. Der Termin war schräg. Ich hatte mit einer Stunde gerechnet, fast 2,5 wurden’s und dann war’s auch nur vorbei, weil ich mich quasi verabschiedet habe und dabei war es nicht mein Job, da für Struktur zu sorgen. Im Gespräch ging auf, dass mein Gegenüber das erst so kurz macht, dass es nicht mal die korrekten Fakten kennt. „Wie kann das denn sein, dass….?“ frage ich an einer Stelle, wo eine deutliche Diskrepanz zwischen der Aussage und dem, was in Schriftform vorliegt. „Da muss ich mal nachfragen“ und dann kurz drauf das „Ah, da hab ich Ihnen leider etwas Falsches erzählt.“ und jetzt weiß ich nicht, inwiefern ich mich auf die restlichen Informationen verlassen kann. Und das macht nur einen Teil des merkwürdigen Bauchgefühls aus. Und doch ist die Option *eigentlich* die einzige sinnvoll machbare und mir wird schwindlig bei dem Gedanken, was da alles schief gehen kann. Ufff. Immerhin geht inzwischen darüber nachzudenken, ohne komplett in Panik zu verfallen. Ich werte das mal als Erfolg.

Katja

Kleine Schritte

Am Ende eines emotional furchtbar anstrengenden Wochenendes zu bemerken, wie gut gerade die Abgrenzung funktioniert, das „Nicht-mein-Problem“-Denken, nicht das Bedürfnis zu verspüren, mich dringend zu erklären, nicht hinterherzulaufen, sondern einfach mal „Tja, dann eben nicht“ zu denken. Statt Schuldgefühlen zu haben, sogar genervt zu sein. Mich ein Stück weit zurückzuziehen oder wenigstens geistig auszuklinken, wenn’s nicht mehr aushaltbar ist. Nicht auszuhalten, rauszugehen. Gelegentlich auch den Mund aufzumachen, völlig egal, was das Gegenüber dann denken könnte. Nicht darauf fokussiert zu sein, die Bedürfnisse von anderen, nicht nur zu erfüllen, sondern am besten vorher auch noch zu erraten, stattdessen öfter mal die Schultern zu zucken. Das ist alles noch enorm ausbaufähig, aber es ist da. Endlich. Und vielleicht zum ersten Mal überhaupt.

Mjor. Und jetzt trotzdem oder auch gerade deswegen furchtbar müde zu sein. Aber auch das ist im Moment völlig ok.

Katja

Extrakäse

Und dann wird dir auf einmal bewusst, wie häufig du alle negativen Gefühle gegen dich selber richtest, wie du immer wieder in Selbstabwertung und Selbsthass versinkst und du willst es anders machen und versuchst, deine Gedanken bewusst umzuleiten bzw. umzuformulieren, dir deine Muster bewusst zu machen und dir zu sagen, dass du das doch so nicht mehr willst, endlich nicht mehr. Das geht einen Moment lang gut und dann reißt es dir wieder den Boden unter den Füßen weg und du hörst auf, dich gegen die negativen Gefühle zu wehren und dann wird dir auf einmal auch noch bewusst, wieso dir das immer wieder passiert, wieso du am Ende doch wieder unten landest und dass das viel mit Sicherheit zu tun hat, denn der Selbsthass, das ist das vertraute Gefühl. Es geht dir dann zwar schlecht, aber es ist ein Schlechtgehen, das du kennst, das dir den Boden lässt, nicht zum drauf stehen, aber zum in der Ecke kauern. Es erfüllt eine Funktion. Sicherheit in all dem Chaos, das gerade in dir herrscht.

Und dann, ganz bewusst, der Gedanke, dass das dann jetzt eben so ist. Es geht dir schlecht und du machst dich wenigstens nicht noch dafür fertig, dass es dir *wieder mal* schlecht geht. Wenigstens diese Extraschleife Extrahass sparst du dir heute. One step.

Katja

(gerade sehr mit Therapie beschäftigt, viel zu wenig bloggend, mal sehen, ob ich das nicht wieder regelmäßiger hinbekomme, meine Gedanken hier reinzukippen und zu sortieren)

Liebe Twitter-Hasis! (Die Sache mit den Ratschlägen)

[Vorgeschichte in very short: Ich hab seit gestern Morgen die Fensterbauer in der Wohnung. Es ist alles ganz schlimm. Die arbeiten in einem unfassbaren Ausmaß schlampig (was schon beim falschen Ausmessen im März angefangen hat), richten Chaos in der Wohnung an, machen Dinge kaputt und dergleichen mehr, die Liste ist lang. Darüber habe ich – mit steigendem Frust und steigender Verzweiflung, weil mich die Situation überfordert – getwittert.]

Twitter ist für mich ein guter Ort, wenn ich in einer akuten Krise stecke, weil es ein gutes Ventil ist, um inneren Druck abzubauen, indem ich relativ ungefiltert und schnell rausschrei(b)en kann, was mich gerade belastet. Und weil es mir außerdem das Gefühl gibt, da ist jemand an meiner Seite, wenn ich mich im Realen räumlich alleine, in der für mich schlimmen Lage, befinde.

Twitter ist für mich ein schlechter Ort, wenn ich in einer akuten Krise stecke, weil Menschen oft so ticken, anderen helfen zu wollen, wenn die ihre Probleme schildern und das oft versuchen, indem sie Ratschläge erteilen.

Und das ist der Punkt, wo es schwierig wird, denn – auch wenn ich weiß, dass all die Vorschläge, Ideen, Aufforderungen etwas zu tun, überaus wohlwollend, freundlich, hilfreich und gut gemeint sind – ich bin ja nicht zu blöd, selber auf diese Ideen zu kommen. Ganz im Gegenteil, solche Krisen entstehen bei mir oft dadurch, dass ich _sehr genau_ weiß, was ich in dem Moment _eigentlich_ tun müsste, aber im gleichen Moment bin ich so dermaßen von der Situation überfordert, dass mir die Kraft zur Handlung oder – so wie heute – zur konkreten Auseinandersetzung fehlt.

Was passiert also, wenn diese Ratschläge auf mich einprasseln? Der Druck, unter dem ich stehe, wird größer statt kleiner und meine Handlungsfähigkeit wird schwächer, weil die Überforderung größer wird.

Jetzt könnte man sagen: „Selbst schuld! Wenn du deine Gedanken und Probleme auf Twitter in die Öffentlichkeit stellst, dann komm auch mit den Folgen und Reaktionen klar!“ und/oder mich auch für undankbar halten, weil ich ja – meiner wunderbaren Timeline sei’s gedankt – fast ausschließlich freundliche Antworten und Reaktionen erhalte und ja eigentlich froh sein sollte, dass Menschen meinen Kummer lesen, mich sehen und wahrnehmen und auf mich reagieren. Und zweiteres sehe ich auch und das ist es, was Twitter zu einem guten Ort macht. Menschen achten aufeinander, beachten einander, sind füreinander da. Auch und gerade, wenn einer in einer Krise steckt.

Was ich mir wünschen würde: Kein RatSCHLAG ohne Bitte darum. (Oder wenigstens nicht ohne die vorherige Frage, ob konkrete Tipps gesucht werden.) Ich kann mir das nur für mich wünschen, das muss für niemand anderen gelten, aber wenn ich tatsächlich Rat suche, dann frage ich konkret danach. Wenn ich über ein Problem twittere, dann geht es mir darum, der inneren Anspannung ein Ventil zu geben. Ich persönlich bin dann dankbar, gesehen und wahrgenommen zu werden. Bin dankbar über Flausch und virtuelle Umarmungen. Bin froh, wenn ihr mit mir zusammen flucht oder die Hände vor’s Gesicht schlagt.

Aber sagt mir bitte nicht, was ich dann tun und wie ich mich verhalten soll! Das macht das Gefühl des Drucks für mich größer, die Lage schlimmer.

Und weil ich die beste Timeline von allen habe, hoffe weiß ich, dass ich euch das sagen darf und dass ihr mich jetzt nicht für völlig undankbar haltet. ❤

#notjustsad

Katja

Wie gewonnen

Sagte ich gestern, dass ich mich ausnahmsweise mal nicht als Loserin fühle? Ich hab’s so satt, direkt am nächsten Tag wieder heulend hier zu sitzen und mich klein zu fühlen und zu unfähig, weil mir ein, an sich schon blödes Problem, wegen meiner Feigheit und Einschränkung gerade so den Boden unter den Füßen wegzieht. Der Selbsthass wittert Morgenluft und ist sofort wieder da. „Du kannst nix. Du bist nix wert. Du bist zu unfähig. Zu doof für alles. Versagerin.“ dröhnt es laut im Kopf und ich möchte mir die Ohren zuhalten, aber der Lärm kommt von innen und wie zur Hölle soll das denn dann gehen?

Mist heute. Kein. Guter. Tag.

Katja

AngSTarre

Ich weiss gar nicht mehr, wie das geht, mich mit solchen „Psychothemen“ auseinanderzusetzen, ohne sie ins Blog zu schreiben. Jetzt knabbere ich seit Wochen an einem rum und bekomme es nicht zu fassen, so wie es mir früher –  in Präblogzeiten – eigentlich immer ging, auch wenn ich mich kaum erinnern kann, was ich stattdessen gemacht habe. Ich weiss nur, dass ich damals™ ewige Gedankenkreisel hatte und nicht wirklich vorankam. Das Aufschreiben ist einfach meins. Aufschreiben, um zu sortieren, um Gedanken (be-)greifbar zu machen, als meine ganz eigene Therapie. Jetzt bei diesem Thema möchte ich das #aus_Gründen nicht. Das geht zu tief rein und überhaupt komme ich dem schreibend (ganz grundsätzlich, nicht mal auf’s Blog bezogen) nicht bei, schweife dann doch direkt wieder ab. Zu schwierig, zu tief, zu viel Angst vor dem, was ich damit (in mir) lostreten könnte. Ich weiss nicht, wie herum ein Schuh daraus werden kann. Vor allem einer, der mir dann auch passt.

Und so schiebe ich das über-diese-Sache-nachdenken-mich-dieser-Sache-stellen vor mir her wie einen Punkt auf der todo-Liste und genauso unangenehm piekt er von Tag zu Tag schlimmer. Ich will das ja eigentlich _hinter mich bringen_ – auch und gerade, um in der Therapie weiterzukommen. Den Termin heute habe ich abgesagt, weil ich mich ein Stück weit so fühle, als hätte ich die Hausaufgaben (die nur ich selber mir gedanklich gestellt habe) nicht erledigt. Keine Zeit, keine Ruhe, ich muss da noch mehr drüber nachdenken, das hat sich noch gar nicht gesetzt. Und eigentlich rede ich mich damit nur vor mir selber raus. Denn eigentlich ist es _wieder mal_ Angst, die mich davon abhält. Angst vor dem Ungewissen, das hinter dieser Tür liegt, Angst an einem Status Quo zu rütteln, ohne zu wissen, was danach kommen kann. Und statt einfach loszugehen und zu gucken, erstarre ich in einer vor einem ganzen Leben antrainierten Angst.

Und ich ahne nur vage, dass das hier keine Selbstschutzstarre ist, ganz im Gegenteil. Und dabei gibt es – ganz subjektiv betrachtet – für mich nichts zu verlieren.

Mistmist.

Katja

Kannste mal halten?

Es gibt manchmal diese Tage, da wandern alle negativen Gedanken und Gefühle durch eine Art Verstärker oder Vegrößerungsglas und wecken dieses große Monster in meinen Inneren, das meine Ruhe verschlingt und ein brennendes Inferno in mir anrichtet. Das piekt und sticht und brennt sich Löcher in die Oberfläche, dringt nach aussen, nimmt mir auch nach aussen die Kontrolle und Fassung, lässt diese ganze Hölle, die in dem Moment in mir stattfindet, wasser- nein eher feuerfallartig, vulkanerupierend nach aussen dringen, stachelt damit dann noch den Selbsthass an, kocht noch höher, noch weiter, noch blubbernder. Alles in mir tut weh, fühlt sich an, wie innerlich ausgepeitscht, überall wunde Striemen, fühlt sich an wie verbrannt, versengte, brennende Wundheit, pieksende Messer- und Nadelstiche nach innen, Juckpulver nicht auf, sondern unter der Haut.

Wenn das passiert, entzieht es sich/ich mich ab einem gewissen Punkt meiner Kontrolle. Ich bin dann wie fremdgesteuert, von diesem inneren Monster, nehme mich selber wie durch einen Schleier wahr, kann mich nicht leiden, hasse mich, kann mich kaum aushalten, würde am liebsten vor mir selber weglaufen…

Vielleicht sind die wahren Freunde, die du im Leben finden kannst die, die dein Monster (aus-)halten, wenn es sich losreisst und du es selber gerade nicht halten kannst?!

Katja