AngSTarre

Ich weiss gar nicht mehr, wie das geht, mich mit solchen „Psychothemen“ auseinanderzusetzen, ohne sie ins Blog zu schreiben. Jetzt knabbere ich seit Wochen an einem rum und bekomme es nicht zu fassen, so wie es mir früher –  in Präblogzeiten – eigentlich immer ging, auch wenn ich mich kaum erinnern kann, was ich stattdessen gemacht habe. Ich weiss nur, dass ich damals™ ewige Gedankenkreisel hatte und nicht wirklich vorankam. Das Aufschreiben ist einfach meins. Aufschreiben, um zu sortieren, um Gedanken (be-)greifbar zu machen, als meine ganz eigene Therapie. Jetzt bei diesem Thema möchte ich das #aus_Gründen nicht. Das geht zu tief rein und überhaupt komme ich dem schreibend (ganz grundsätzlich, nicht mal auf’s Blog bezogen) nicht bei, schweife dann doch direkt wieder ab. Zu schwierig, zu tief, zu viel Angst vor dem, was ich damit (in mir) lostreten könnte. Ich weiss nicht, wie herum ein Schuh daraus werden kann. Vor allem einer, der mir dann auch passt.

Und so schiebe ich das über-diese-Sache-nachdenken-mich-dieser-Sache-stellen vor mir her wie einen Punkt auf der todo-Liste und genauso unangenehm piekt er von Tag zu Tag schlimmer. Ich will das ja eigentlich _hinter mich bringen_ – auch und gerade, um in der Therapie weiterzukommen. Den Termin heute habe ich abgesagt, weil ich mich ein Stück weit so fühle, als hätte ich die Hausaufgaben (die nur ich selber mir gedanklich gestellt habe) nicht erledigt. Keine Zeit, keine Ruhe, ich muss da noch mehr drüber nachdenken, das hat sich noch gar nicht gesetzt. Und eigentlich rede ich mich damit nur vor mir selber raus. Denn eigentlich ist es _wieder mal_ Angst, die mich davon abhält. Angst vor dem Ungewissen, das hinter dieser Tür liegt, Angst an einem Status Quo zu rütteln, ohne zu wissen, was danach kommen kann. Und statt einfach loszugehen und zu gucken, erstarre ich in einer vor einem ganzen Leben antrainierten Angst.

Und ich ahne nur vage, dass das hier keine Selbstschutzstarre ist, ganz im Gegenteil. Und dabei gibt es – ganz subjektiv betrachtet – für mich nichts zu verlieren.

Mistmist.

Katja

15 thoughts on “AngSTarre

  1. Liebe Katja,
    schade dass Du den Termin heute abgesagt hast genau FÜR SOETWAS ist der Therapeut und die Therapie doch da.
    Weitermachen und ansprechen, bitte!
    :o***
    Jule

  2. Angst ist die schlimmste Geisel.
    Sie ist aber dazu da, dich zu beschützen. Ähnlich ist es mit den Träumen. Also, verbünde dich mit deiner Angst und werde dein eigener Therapeut.
    Kürzer lässt sich das nicht zusammenfassen. Wenn es auch schwerfällt, aber du schaffst das auch.
    LG
    PJP.

  3. @Frau Leo: Nein, hilft nicht. Ich komme da schreibend gar nicht ran und muss das so irgendwie zu fassen bekommen.

    @Jule: Du Liebe, von deinem Kommentar hätte ich mich jetzt um ein Haar in die „ich muss das erklären und rechtfertigen“-Ecke gedrängt gefühlt, aber wenn ich in der Therapie tatsächlich schon weitergekommen bin, dann in dem Punkt, dass ich dir stattdessen mit aller Zuneigung sage, dass du das, nach den paar kryptischen Sätzen, die ich darüber verloren habe und ohne zu wissen, worum es geht, ja gar nicht einschätzen oder beurteilen kannst, ob das Absagen für mich und meinen Therapiefortschritt gut oder schlecht war.🙂

    @Rebekka: Danke für’s Drücken!

    @Pete: Die Verschwesterung mit der Angst hat schon vor Jahren stattgefunden, insofern keine Geiselnahme hier!

    • Liebe Katja,

      ich bin ganz erschrocken, das hätte ich doch auf keinen Fall gewollt. Natürlich kann ich das alles nicht beurteilen und wollte Dir nur Mut machen.
      Ich habe manchmal Therapietermine abgesagt, weil ich Angst vor den für mich anstehenden Themen hatte und habe mich nachher beschissen damit gefühlt. „Nicht mal Therapie bekomme ich hin…“
      Fühl Dich gedrückt. Du machst das bestimmt alles richtig.
      :o*

      • Liebe Jule, das weiss ich ja und auch wie du’s gemeint hast! Es ist nur eben der komplett falsche Schluss gewesen, weil es für mich besser war, den Termin abzusagen. Und um doch noch zwei, drei Sätze zu erklären: es ist kein Thema, das ich scheue, sondern eines, um das wir seit Wochen in der T. kreisen und wo ich den nächsten Schritt alleine gehen muss. Das geht weniger einfach als mir lieb wäre und das, was wir in den Stunden bereden, muss sich erst mal weiter bei mir setzen. Ich hätte es als Verschwendung einer der raren Sitzungen betrachtet hinzugehen, weil ich kein Stück weitergekommen bin als die Woche vorher oder die vorher und wollte nicht nochmal im gleichen Stadium hingehen sondern mir lieber mehr Zeit geben. Deswegen war es eine gute und richtige Sache, es so zu machen.🙂
        Ich drück dich wie verrückt zurück! :*

  4. Angst ist das einzige in die Zukunft gerichtete Gefühl. Nachdem ich das verstand wars nicht besser, trotzdem finde ich „faszinierend“ wie sie uns geißeln kann. Immer und immer wieder …

    • @Jane: Was ist denn mit der guten alten Hoffnung? Die geht doch auch in Richtung Zukunft.
      Aber in der Tat eine sehr interessante Beobachtung, das ist mir noch nie bewusst gewesen. Da muss ich noch ein bisschen drauf rumdenken.

      • Gute Frage. Hoffnung ist eher (also für mich) so was wie ein Strohalm. Quasi das, was Depressive zur Therapie treibt, wenn die Angst das Leben bestimmt. Hoffnung ist eher etwas unbestimmtes. Etwas, ab das man glauben mag, weil ohne sie manchmal nichts bleibt. Aber keinesfalls ein großes Gefühl wie Liebe, Hass Angst. Lege Angst und Hoffnung auf eine Waage. Was wiegt schwerer? Was davon beeinflusst Menschen in ihrem Sein? Darum: Hoffnung gleich Strohalm.

      • @Jane: Spannend! Die Angst wiegt schwerer, ja. Viel.
        Aber: Was bringt Mensch dazu, nicht in der Angst zu erstarren? Ist es nicht Hoffnung (auf Besserung), die überhaupt den Mut erst aktiviert, um in diese Zukunft, auf die mMn beides gerichtet ist, zu gehen?
        Wenn kein Handeln aus der Hoffnung entsteht, dann stimme ich dir zu. Dann ist sie nicht mehr als ein Strohhalm. Aber das wäre dann eine sehr kleine zarte Hoffnung einer sehr großen Angst gegenübergestellt…

  5. Hm, gute Fage. Bei mir ist es keinesfalls Hoffnung. Vielmehr stürze ich mich blind in Unternehmungen. Alles hobbytechnisch. Aktionismus. Wühle ich, ist die Angst weg. Dann bin ich ganz ruhig. Etwas, das Hoffnung nie schaffen würde. Bei mir zu mindest nicht. Sicher ist es dann nur eine Ablenklung, aber eines der ersten Dinge, die man mir in der Therapie „beibracht“, war: werde aktiv. Hoffnung ist für mich mit Glauben gleichzusetzen. Ich glaube nicht (im Sinne vom Christentum), wie kann ich da hoffen?

  6. Also, da muss ich was zu erklären. Bei mir scheiden sich die Geister, ob das nun ne chronische Sache ist (was annehmbar ist) oder die eher kleine Chance, dass das noch unter rezidivierend läuft.
    Also entwickle ich Strategien. Aktionismus tut.mir gut. Ein für mich wichtiges Gebot, und der Satz stammt auch von mir, eben wegen der Vermutung einer chronischen Depression (was man nie wirklich genau sagen können wird): lerne die Depression im Griff zu haben, sonst hat sie dich im Griff.
    Kommt also so ein richtig mieser Tag, werde ich aktiv und trete der Depression in den Hintern dadurch. Gibt auch Tage, an denen ich der Verlierer bin, aber das nie kampflos😉
    Das ist dann reine Selbstkasteiung, klar, aber ich verliere so ungern, und indem ich immer wieder zumindest versuche gegen an zu gehen, hab ich nicht das Gefühl die Kontrolle komplett zu verlieren.
    Das liegt aber auch in meiner Persönlichkeit begründet. Für mich ist Leben nicht viel mehr aus einer kausalen Kette aus Prioritäten und der Konsequenzen daraus. Das liegt tief in mir verwurzelt. Dazu bin ich ein Dickkopf😉

    • Danke für’s ausführliche Erklären, Jane!🙂
      Das ist wirklich ein interessanter Ansatz und ganz anders als bei mir. Ich kann das nicht gut mit dem Aktionismus und der Ablenkung (obwohl ich es gerne könnte), bin nicht der Typ dafür. Bei mir findet die (Auf-)Lösung fast immer im Kopf statt. So sind meine Strategien auch ganz anders als deine, aber zweifellos geht es nicht, ohne dass man im Laufe der Zeit welche entwickelt, um – egal ob chronisch oder nicht – mit der Depression und Angst zu *leben*.

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