Über starke Schwäche und schwache Stärke

Und dann bist du an dem Punkt, wo du merkst, dass du gerade mal ganz bewusst einen bestimmten Schmerz anschauen solltest, statt ihn wegzuschieben und zu verdrängen, wo du anfangen solltest, umzudenken. Wenn du jemandem einen Platz in deinem Herzen gibst, ist das ein Privileg für denjenigen. Du willst dich nicht mehr als die kleine, naive, vertrauensselige TreuDOOFE fühlen, die zu blöd ist, eine Mauer um ihr Herz zu bauen und deswegen alle direkt so nah an sich ranlässt. Du willst dich nicht mehr selber für diese Eigenschaft hassen, wenn du wieder mal eins auf die Nase bekommst, sondern du willst dich endlich als die annehmen und mögen, die du bist und diese Eigenschaft, immer wieder vertrauen zu _können_ und Menschen nah an dich ranlassen zu _können_, als eine deiner Stärken und Fähigkeiten zu sehen. Wenn du jemandem einen Platz in deinem Herzen gewährst, ist das eine Einladung für Freundschaft und Nähe. Aber du musst endlich anfangen, die Einladung an ein gewisses Benehmen zu knüpfen. Es ist nicht nötig, an der Tür die Schuhe auszuziehen oder reglos in Sonntagsklamotten am Tisch zu sitzen. Es gibt aber auch keinen Freibrief, mit schmutzigen Schuhen auf dem Sofa rumzuhopsen oder wie ein volltrunkener Elefant im Porzellanladen, Scherben anzurichten. Und das ist der Punkt, an dem du wirklich endlich lernen musst/solltest auf dich selber aufzupassen und Menschen, die sich daneben benehmen auch wieder rauszuwerfen. Keine Türsteher, aber wenigstens Rausschmeißer. Und dafür ist es vermutlich ganz gut, gelegentlich mal einen Schmerz genauer zu betrachten und zuzulassen.

Katja

Hinab zum Grund

Manchmal reicht ein einziger Song im Radio, manchmal sogar nur eine Textzeile und die Fassade, von der dir gar nicht mehr bewusst ist, wieviel Kraft es dich kostet, sie aufrechtzuerhalten, weil du sie ja andauernd vor dir herträgst, bricht zusammen. Alle Schleusen auf, Wasser marsch und die Tränen purzeln nur so aus dir heraus und finden kein Ende mehr, bilden erst kleine, dann tiefer werdende Pfützen um deine Füße und du merkst wie du versinkst. Immer tiefer. Die Luft bleibt weg, das Wasser schlägt über’m Kopf zusammen. Erst strampelst du mit aller Gewalt mit den Füßen dagegen an, paddelst, versuchst den Kopf über Wasser zu halten, aber irgendwann ist auch diese Kraft aufgebraucht. Du schließt die Augen, atmest noch einmal tief ein, gibst alle Starre, allen Widerstand auf und lässt dich in die Tiefe hinabsinken. Du sinkst. Versinkst. Bis die Füße auf dem Boden auftreffen, noch ein bisschen weiter, bis du auf dem Boden sitzt. Dann öffnest du die Augen, schaust dich um. Betrachtest das, was zu betrachten dir so viel Angst macht. Du schaust hin, nur einen Moment lang. Durch den Schmerz hindurch. Dann schließt du die Augen wieder, stehst auf, stößt dich mit den Füßen ab. Nach oben. Wieder durch die Oberfläche. Die Pfützen werden kleiner, verdunsten um deine Füße herum. Du reibst dir die Augen. Blinzelst. Du weisst, es war nicht das letzte Mal, dass du dort hinab musstest. Aber du weisst auch, dass der Grund dir entgegen kommt, dass es jedes Mal ein bisschen weniger tief nach unten geht. Und, dass du den Schmerz nur loslassen kannst, wenn du ihn betrachtest, weil die Wunden sonst immer wieder aufreissen.

Katja

Pues claro prefiero aprender sin dolor

Und auf dem Weg begegnest du diesen wenigen Menschen im Leben, die irgendetwas in dir ansprechen, das dich denken lässt, du seist bei ihnen sicher. Die lässt du durch alle inneren Zäune und Mauern hindurch, ganz bis zu deinem Kern vordringen, legst ihnen Kopf und Herz zu Füßen, ziehst vor ihnen blank: Hier, das bin ich. Ohne Maske, ohne Schminke, ohne Fassade. Das hier ist die offenste, echteste und ehrlichste Version, die es von mir gibt und dir zeige ich sie. Bei dir will ich, dass du _mich_ siehst, so siehst, wie ich wirklich bin.

Es ist nur ein leises Klirren zu hören, tief in dir drin, nur ein feiner Sprung, den das Herz bekommt, wenn ausgerechnet einer dieser Menschen, dir zu verstehen gibt, dass du mit genau dieser Nähe bei ihm verkehrt bist, dass du lieber bequeme Lügen erzählen sollst.

Dann stehst du da mit Tränen in den Augen, die Arme in einer hilflosen Geste ausgestreckt und das erste ‚Aber…‘ bleibt dir fast im Hals stecken.

Bis du dich darauf besinnst, wer du bist, wie du bist und dass genau und ausgerechnet diese Offenheit und Echtheit und Ehrlichkeit, die Dinge an dir sind, die dich ausmachen, die dich zu dir machen. Mit dem zweiten ‚Aber…‘ bricht die Wut aus dir heraus und du fragst: was willst du denn überhaupt?! Wasch mich, aber mach mich nicht nass?! Und du merkst, inmitten des Strudels aus Ent*Täuschung, dass dieses vermaledeite 2015 doch ein gutes Jahr ist, weil diese Wut eine gute und neue Wut ist, die dich über die Hilflosigkeit und Kleinheit hinauswachsen lässt.

Und dann wird dir bewusst, dass das, was da gerade passiert, wohl bedeutet, dass du dir deiner selbst bewusst wirst. So fühlt sich das also an?

Katja

Unter Testbedingungen

Ein einfacher Test, um die Schärfe von Peperoni zu ermitteln, ist das Kleinschneiden ebenjener, ohne dabei Handschuhe zu tragen.

Die Schärfeskala reicht von

  • brennt – aber nur in offenen Wunden

über

  • ‚Wahwahwah! Amputiert mir den Finger!‘

bis hin zu

  • ‚Ich werde auf diesem Auge nie wieder sehen können!‘ nach gründlichem und doppeltem Händewaschen und erst anschließendem Augenreiben

Ein solcherart durchgeführter Test ermöglicht es, die Schärfe sehr präzise zu ermitteln, ohne die Schote tatsächlich probieren zu müssen.

In meiner Versuchsküche für euch getestet. Bittegerne.

Katja

(Liebe Kinder, bitte NICHT zu Hause nachmachen!)