Die Sache mit dem Bus

Ich bin kürzlich, also eigentlich schon vor 5 Monaten, aber die Zeit ist ja ein wenig breiig verschwommen seit wir uns dauerhaft im März 2020 befinden, unter die Pendler gegangen und fahre jetzt an 4 Tagen der Woche mit dem Bus ins Büro. Wobei das ja auch nicht ganz richtig ist, schließlich fahre ich nur bis zum Bahnhof, das letzte und auch das erste Stück des Weges lege ich zu Fuß zurück, aber der Einfachheithalber soll das mal außen vor bleiben. Ich fahre also mit dem Bus ins Büro.

So ganz grundsätzlich gibt es sogar 3,5 verschiedene Buslinien, die ich dafür nutzen könnte. Das Problem ist nur, dass die meisten davon keinen Spaß machen, weil sie an jedem Blumentopf auf der Strecke halten. Mit dem Auto brauche ich 20 min, dieses Blumentopfgestoppe dauert aber 50 min und da ich ja auch zur Bushaltestelle und vom Bahnhof noch ein Stück zu Fuß zurücklegen muss, wäre ich also etwas über eine Stunde unterwegs. Für 17 km.

Es gibt da aber diese eine Buslinie, die fast immer nur bis zur Tramhaltestelle im Nachbarort fährt, was im Prinzip gar nicht so schlecht wäre, aber dann doch ist, weil es mit Umsteigen und weil die Tram zwar nicht an jedem Blumentopf, aber doch sehr häufig hält, insgesamt auch nicht viel schneller geht. Und dann gibt es diesen einen Bus der Linie, die eigentlich nur bis zur Tramhaltestelle fährt, von dem sogar schon meine Chefin weiß, dass es der gute Bus™ ist. Dieser gute Bus fährt nicht nur bis zur Tramhaltestelle, sondern – und das ist der eigentliche Clou – ohne weitere Zwischenhalte weiter bis zum Hauptbahnhof und damit ist er fast so schnell wie ich mit dem Auto wäre und das bisschen Fußweg zusätzlich nehme ich gerne in kauf.

Blöd ist nur, dass der gute Bus™ insgesamt nur 3 Mal an einem Morgen fährt und die Zeiten scheinen völlig willkürlich zu sein. Ich kann entweder um 7:20 Uhr im Büro sein oder dann wieder um 9. Dazwischen gibt’s nix. Das heißt jetzt aber auch, dass ich trotz ziemlich coolen Gleitzeitmodells quasi immer zu festen Zeiten arbeite und obwohl der Text schon so lange ist, sind wir immer noch beim Vorgeplänkel, holt euch also lieber was zu trinken, die eigentliche Sache mit dem Bus kommt erst noch.

Ich muss ja nämlich nicht nur hin, sondern nach Möglichkeit auch wieder zurück nach Hause kommen. Mir persönlich ist daran sogar ein klitzekleines bisschen mehr gelegen als daran ins Büro zu kommen. In den ersten Wochen, in denen ich den Job hatte, habe ich für den Rückweg eine passende Tram (so dass es zu meiner Anfangszeit + Stundenzahl passte) gewählt und bin mit der Tram zur Endhaltestelle, dort in den Bus umgestiegen und mit dem zurück nach Hause – also zumindest bis zu einer Bushaltestelle in der Nähe – gefahren. Das ging überraschend gut, aber leider nur 2 Wochen lang. Quasi zum Anfüttern oder so. In den folgenden 2 Wochen funktionierte das exakt null Mal.

Und jetzt muss ich doch nochmal einen Bogen schlagen – nämlich zu den Busfahrern, die hier in der Gegend so tätig sind. Die machen nämlich grundsätzlich, was sie wollen und betrachten den eigentlichen Fahrplan mehr so als Serviervorschlag. Dass Busse sich gelegentlich verspäten ist ja durchaus nachvollziehbar und kommt vor, problematisch wird es hier aber an der Stelle, an der die Busse zu früh erscheinen und das kommt erstaunlich viel häufiger vor als ich vorher angenommen hätte. Wenn also so ein Bus zu früh an der Haltestelle auftaucht, sollte man meinen, dass er seine eigentliche Abfahrtszeit abwartet, soweit die Theorie. In der Praxis sieht es aber so aus, dass der Bus anhält, Türen auf, Leute steigen aus und ein, Türen zu und weiter geht die Fahrt. 6 min vor der planmäßigen Abfahrtszeit ist in den 5 Monaten, die ich jetzt pendele der bisherige Rekordhalter.

Und um jetzt wieder den Bogen zu meinem Heimweg zu schlagen: ich vermute, dass genau das das Problem ist, denn selbst wenn die Tram pünktlich an der Haltestelle ankam, war mein Bus schon weg. Und der nächste in meine Richtung fährt erst 20 min später. Eine Tram früher fahren löst das Problem leider auch nicht, weil ich dann von Haus aus 15 min auf den Bus warten müsste. Es ist kompliziert!

Weil mich irgendwo sinnlos rumstehen und auf einen Anschluss warten deutlich mehr nervt als unterwegs zu sein, bin ich irgendwann auf eine ganz andere Linie ausgewichen, die so mittelgut ist von der Anzahl der angesteuerten Blumentöpfe auf dem Weg und der Fahrtdauer. Leider leider fährt diese Linie aber nur an Schultagen und in den letzten 6 Wochen (die hessischen Sommerferien enden exakt an diesem Wochenende) also nicht. Da blieb mir nur übrig, auf den ganz schlechten Bus, der so schlecht ist, dass ich ihm nicht mal ein ™ gönne, auszuweichen – jenen der von Haus aus schon die 50 min braucht und außerdem zu wirklich ungünstigen Zeiten, die nicht gut zu meiner Anfangszeit passen, fährt.

Wie es der Zufall so will, war ich am Montag aus spontanem „keinen Bock mehr, warte ich halt etwas länger“ heraus 15 min vor Abfahrt des schlechten Busses an der Haltestelle. Die Haltestelle am Bahnhof, das muss man schon sagen, ist praktisch, weil dort nur Busse in meine Richtung abfahren. Ich kann also unmotiviert in alles, was dort anhält einfach einsteigen, irgendwie werde ich schon nach Hause kommen. Also zumindest irgendwann.

Am Montag stieg ich also ohne drüber nachzudenken in den nächsten Bus der kam und die Türen öffnete, in der Annahme meiner sei ausnahmsweise schon so früh da. Der Busfahrer schloss auch direkt die Tür wieder und fuhr los und da fiel mir erst auf, dass die Anzeige immer noch auf „Hauptbahnhof Platz 11“ stand und leider auch, dass er nicht die übliche Route einschlug. Da wir aber grundsätzlich in die richtige Richtung unterwegs waren – eigentlich sogar in die gute Richtung, die mit den ganz wenigen Blumentöpfen, unterdrückte ich den leichten Anflug von Panik und staunte, dass der Bus wohl exakt bis zur Tramhaltestelle durchfuhr. Konnte doch nicht sein? Mein Heimwegbus hatte doch noch Ferien? So behaupteten es auch beide Apps, die ich für den ÖPNV nutze.

Jetzt doch ein bisschen verunsichert wartete ich aber artig bis zur Haltestelle, man hat das „Während der Fahrt nicht mit dem Fahrer sprechen!“ ja doch quasi schon mit der Muttermilch oder zumindest der Grundschulpausenmilch aus dem Trinkpäckchen (nennt man das heute überhaupt noch so? Gibt es den Begriff noch?) aufgesogen und so fragte ich erst nach dem Anhalten „Entschuldigen Sie bitte, ich bin ein bisschen verwirrt, eigentlich fährt der [Busnummer] doch in den Ferien gar nicht und in meiner App wird er auch nicht angezeigt.“, der Fahrer darauf „Doch, doch. Ich fahre die Strecke schon seit 2 Monaten!“ und eine Frau von weiter hinten im Bus „Das ist auch nicht der [Busnummer], das ist der gute Bus™.

Zurück an meinem Platz machte ich beide Apps links und konnte die Verbindung nicht finden. Später am PC das gleiche Problem. Es gibt diese Verbindung nicht im Fahrplan. Der gute Bus™ fährt genau 3 Mal am Tag in meine Heimfahrtrichtung, aber der früheste davon etwa 3 Stunden nach meinem üblichen Feierabend. Mysteriös!

Ich beschloss, das am Dienstag nochmal zu überprüfen und ging wieder so zeitig zum Bahnhof, dass ich zu ebenjener Zeit dort bin, zu der der gute Bus™ am Montag gefahren war. Dieses Mal war ich aufmerksam und achtete auf die Busnummer und das war vermutlich des Rätsels Lösung: er kommt mit einer anderen Busnummer an und schaltet die Anzeige an meinem Haltestellenplatz auf das allseits verwirrende 999 Betriebsfahrt um. Diese eigentliche Leerfahrt führt ihn zu jener Tramhaltestelle, wo er dann zur Busnummer des guten Busses wechselt – der bis auf diese wenigen Ausnahmefahrten am Tag eigentlich nur von irgendwo hinter meinem Zuhause bis zur Tram pendelt. Es gibt den guten Bus also auch mittags und zu einer genau passenden Zeit! Wenn diese Erkenntnis kein echter Erfolg dieser Arbeitswoche war! Nur, dass es ihn eben eigentlich gar nicht gibt, zumindest nicht planmäßig, aber da er die Strecke eh als Leerfahrt zurücklegt, hält er flugs an der Haltestelle und sammelt alle Einstiegswilligen auf und bringt sie nach Hause. Ein Hoch auf unsern Busfahrer, Busfahrer, Busfahrer! (Ihr versteht das doch, oder? ODER?)

Gestern kam dann übrigens die Ernüchterung: Es gibt den guten Bus™ in die Gegenrichtung nämlich tatsächlich nur in Verbindung mit dem guten Busfahrer™. Gestern hatte ein anderer die Mittagsschicht und ich stand 15min wartend und ein bisschen grummelnd am Bahnhof.

Heute war dafür wieder alles gut und Otto (:D) hatte Dienst und fragte mich beim Einsteigen sogar, wo ich hinmöchte. Blöderweise bin ich erst hinterher drauf gekommen, dass ich es mit „bringen Sie mich bitte auf dem kürzesten Weg ans Meer“ hätte probieren können – ich hatte den Bus nämlich für mich alleine und wer weiß, vielleicht hätte das sogar funktioniert.

Katja (Buslinien- und Fahrerbewerterin)

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Pummel

Pummel, an dessen richtigen Namen ich mich gar nicht mehr erinnern kann, war alles andere als ein Pummel. Lang, schlaksig und mit wildem Afrolook, den er oft mittels eines gehäkelten ‚Mützchens‘ bändigte, das eigentlich mal ein Klopapierrollenhäkelhütchen war, das er der Mutter einer Freundin bei einem Besuch dort abgequatscht hatte.

Pummel war ein paar Jahre älter als wir und durfte schon Auto fahren. Eine alter Klapperkiste hatte er – ich hab keine Ahnung mehr, was das war. Ich glaube, ein kleiner Fiat. Das Auto verfügte zwar über ein Radio, das war aber kaputt. Und Cassetten konnte man damit eh nicht abspielen. Pummel hatte also stets sein kleines Kofferradio mit Cassettenteil zwischen Fahrer- und Beifahrersitz stehen und hörte Musik von Cassette, wenn er mit der kleinen Klapperkiste unterwegs war.

Meist liefen da Cassetten, die er von irgendwelchen Schallplatten aufgenommen hatte und an eine davon kann ich mich gut erinnern. Also nicht an den Inhalt, ich hab keine Ahnung mehr, welche Lieder darauf waren. Aber ich weiss noch, dass seine entsprechende Schallplatte an einer Stelle im Lied immer festhing, bis man den Arm mit der Nadel gewaltsam weiterstupste und ich weiss noch, dass er diesen ‚Hänger‘ mit aufgenommen hatte. Und zwar in der langen Variante, weil er gerade nicht in seinem Zimmer war als die Aufnahme lief. Störte ihn aber nicht. Es hatte ja trotzdem alles auf die Cassette gepasst.

Irgendwann waren wir wieder einmal mit seinem Auto unterwegs und unter anderem auch einer der Jungs, die nicht so oft mit dabei waren. Als besagte Stelle auf der Cassette kam, wussten ausser ihm alle was los war, nur er war sichtlich irritiert, weil Cassetten ja eigentlich zu Bandsalat neigten, nicht aber zu solchen Hängern wie Schallplatten. Pummel meinte, bei seinen Cassetten würde das dauernd passieren, der andere (der praktischerweise auf dem Beifahrersitz saß, weil er die längsten Beine hatte) solle doch bitte mal das Radio schütteln. Besagter Junge tat’s und natürlich passierte nichts. Pummel maulte ihn an, dass er das ja auch nicht richtig machen würde. Er versuchte es erneut und es ging wieder nicht. Genau zur passenden Stelle nahm Pummel das Gerät dann selber in die Hand, redete drauf ein, schüttelte kräftig, haute mit der flachen Hand drauf und die Musik lief weiter.

Der Gesichtsausdruck – unbezahlbar und unvergesslich!

Katja

(Musste ich gerade seit langem wieder mal dran denken als das Fellmonsterchen von alten Cassetten erzählte.)

 

Sweet Memories – Andi (Teil 2)

(Hier gibt’s den Anfang.)

Zwei Tage nach dem Konzert rief Andi mich an und wir holten in einem Dreistundentelefonat erst mal einiges davon nach, wofür es auf dem Konzert zu laut gewesen war. Irgendwann,  und da klang er zum ersten Mal wirklich schüchtern, meinte er, dass er mich gerne wiedersehen würde. Damals wohnte ich auf einem wirklich kleinen Dorf mit nicht mal 1.000 Einwohnern und nur einer Kneipe, in die mich allerdings keine 10 Pferde bekamen. Da ich überhaupt nicht mobil war – das was es an öffentlichem Personennahverkehr im Ort gab, waren 2, 3 Bussen pro Tag aus dem Ort raus und ebenso vielen, die vom nächstgelegenen Bahnhof in den Ort reinfuhren, am Wochenende natürlich weniger und nach 19 Uhr waren die Bürgersteige so hochgeklappt, dass keiner mehr anhalten konnte – beschlossen wir, dass Andi mich besuchen käme. Am Samstag gegen 19 Uhr wollte er da sein. Ufff.

Die Tage bis dahin verbrachte ich in einem Zustand zwischen Vorfreude und Nervenbündel und dann kam der Samstag und die verabredete Uhrzeit und ausserdem kam alles anders als gedacht. Wer nämlich nicht kam war Andi. Es wurde 19 Uhr, 20 Uhr, 21 Uhr und von Andi kein Lebenszeichen. Dafür verschmierte dann meine Wimperntusche zwischen 1, 2 Tränchen, von denen ich nicht mehr weiss, ob sie aus Wut oder Enttäuschung über die Wangen liefen.  Das war das erste Mal (und ich grüble gerade nach und bin nicht sicher, ob vielleicht sogar das einzige Mal), dass ich so massiv versetzt wurde. Was ich aber noch weiss ist, dass ich die Sektflasche köpfte und leerte, die ich kurz vorher bei einer Wette gewonnen hatte und dass das mein damaliger Lieblingssekt – Asti Cincano – war, den ich heutzutage nicht mal mehr für viel Geld anrühren würde.
Als die Flasche leer war ging ich frustriert schlafen und mit dem festen Vorsatz, mich nicht mehr bei dem Typen zu melden.

Das Telefon weckte mich viel zu früh und am anderen Ende war ein verlegen stammelnder Andi, der sich vielmals dafür entschuldigte, dass er nicht aufgetaucht war. Er druckste rum und es dauerte eine Weile bis ich seine Erklärung, dass ihn niemand mitgenommen hätte, überhaupt verstanden hatte. Und dann erzählte er mir, dass er tatsächlich versucht hatte, die 100 km um mich zu besuchen zu trampen und dass er insgesamt über 5 Stunden an der Autobahn gestanden habe und ihn einfach niemand mitgenommen hätte und dass er fies durchgefroren gewesen sei und bis er wieder zu Hause war, wär’s so spät gewesen, dass er nicht mehr anrufen wollte, um mich nicht zu wecken.

Und auf mein verständnisloses Stammeln, dass ich gedacht hätte, er hätte ein Auto, mit dem er mich besuchen wollte, erzählte er mir die unglaubliche Geschichte, dass er ja eigentlich mal den Führerschein machen wollte und auch in der Fahrschule war und Fahrstunden hatte und auch schon einen Termin für die Prüfung. Und in der Nacht vor der Prüfung hätte er geträumt, dass er ein Kind überfahren hätte und dann sei er nicht zur Prüfung gegangen und seitdem habe er auch nicht mehr hinterm Steuer gesessen. Und er wisse, dass sich das ziemlich beknackt anhören müsse und dass es nur ein Traum war und dass die Wahrscheinlichkeit wohl ziemlich gering wäre, dass da was dran sei, aber ihm wäre es so wohler und lieber würde er sich einschränken, als sich irgendwann in dieser Albtraumsituation zu befinden.

Ich wollte gerne den Kopf darüber schütteln, aber eigentlich hatte ich nur Bewunderung für diese Konsequenz und die Haltung, die die eigene Bequemlichkeit aus einem diffusen Verantwortungsgefühl heraus so hintenanstellte.

Ich wohnte auf dem Dorf ohne sinnvolle Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel. Da war ganz klar, dass jeder (!) mit 18 seinen Führerschein machte und auch ein Auto hermusste, wenn man denn keines der Familie nutzen konnte. Für mich war das völlig unvorstellbar, aus was für Gründen auch immer, darauf zu verzichten. Und da war dieser Mensch, der das mit ’nem Lächeln und ’nem Schulterzucken konnte. OK, er wohnte in der Stadt, wo das sicherlich keine so große Rolle spielte wie auf dem Dorf. Trotzdem fand ich diese Konsequenz des ’sicher sei ja immerhin sicher und er könne so einfach ruhiger schlafen‘  immens beeindruckend.

Was uns allerdings auch direkt klar wurde, war, dass diese doofen fast 100 km bei der lausigen Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel, die es in meinem Heimatdorf nur gab, ohne Auto recht unüberwindbar waren. Wir versuchten nicht noch einmal uns zu treffen und ich weiss, dass da zumindest bei mir die Angst mit reinspielte, ihn noch toller zu finden, wenn ich ihn wiedersähe und dann aufgrund der Distanz nicht mehr draus machen zu können. Eine Weile lang telefonierten wir noch gelegentlich, aber das war zu Zeiten als Ferngespräche noch teuer waren und auch zu Zeiten als es sich noch fremd anfühlte, Menschen über die Distanz näher kennenzulernen.

Die Musik von Marillion liebe ich immer noch sehr und das Konzert war eines der besten Konzerte, auf denen ich je war – und das auch, aber nicht nur, wegen Andi. Ich habe alle Platten von Marillion im Schrank stehen – also jene, als Fish noch Sänger war – und das ist die einzige Band von der ich ausserdem genau die gleichen Scheiben allesamt auch noch als CD besitze. Die Musik höre ich noch relativ häufig und ganz selten erinnere ich mich dabei auch wieder an das Konzert und Andi und frag mich, was aus dem Ritter mit dem Lausbubenlächeln, der mich so beeindruckt hat, wohl geworden ist.

Danke für’s Lesen! 🙂

Katja

Unvollständige Gedanken über’s Lesen

Manchmal fühlt sich Lesen für mich an, als wäre ich im Wasser. Manche Geschichten plätschern freundlich wie ein kleiner Bach. Und auch wenn es keine größeren Stromschnellen oder Wasserfälle gibt, so sind sie doch aufgrund der am Ufer vorbeiziehenden wechselhaften Landschaft und einem gelegentlich im Wasser schwimmenden Stöckchen, so abwechslungsreich und unterhaltsam, dass ich auf dem Flüsschen dahintreiben kann.

Andere Geschichten, immer noch jene, die sich nach Wasser anfühlen, sind wie das Meer. Kaum habe ich begonnen zu lesen, schwappt die erste reissende Welle über mir zusammen, zieht mich, einem Strudel gleich, in die Tiefe und reisst mich bei jeder Welle mit sich. Solche Geschichten nehmen mich meistens so gefangen, dass ich erst wieder auftauche(n kann), wenn ich sie bis zum Ende gelesen habe.

Dann gibt es Geschichten, die fühlen sich für mich wie Bergsteigen an. Die Sprache ist nicht so eingänglich, gerade so als müsse man konzentriert vor die Füße gucken, um nicht auf dem Geröll auszurutschen und den Halt zu verlieren oder noch schlimmer, gleich den Abhang runterzupurzeln. Jede Seite liegt wie eine Aufgabe vor mir und wenn ich nicht konzentriert bin und die Gedanken nicht gesammelt habe, erwische ich manchmal den falschen Abzweig und muss ein Stück zurückgehen um wieder auf dem richtigen Pfad zu landen.
Insgesamt komme ich oft nur langsam voran, muss häufig innehalten, um wieder zu Atem zu kommen und nutze solche Gelegenheiten, schon mal den Blick schweifen zu lassen.
Einmal am Gipfel angelangt, entschädigt die Aussicht, die Weitsicht für alle Strapazen des Aufstiegs. Das Herz hüpft und ich fühle mich einig mit mir und der Welt um mich rum. Das sind die Texte, die viel mehr als nur die Geschichten an sich sind.

Schlimm sind die Geschichten, bei denen man sich den Weg auf den Berg mühevoll erkämpfen muss und die am Ende des Berges, Gipfel wäre hier einfach nicht passend, im dichten Nebel liegen und nichts weiter als den müffelnden Müll, der zu Füßen liegt, offenbaren.

Katja