Vs

Seltsamer Tag, noch seltsamerer Termin. Schon mittendrin war irgendwie klar, dass das wohl eine Bauch vs Kopf Entscheidung werden wird. Eigentlich neige ich dazu, auf meinen Bauch zu hören, aber damit hatte ich bei so wichtigen Fragen, in der Vergangenheit, oft kein gutes Händchen und vielleicht wäre deswegen der Kopf da gerade der bessere Ratgeber. Und so ganz gegen das Gefühl ist das ja nicht mal, weil der Verstand schon versucht, die diversen Ängste zu koordinieren.

Müde. Totale Überlastung seit ich aus dem Termin raus bin. Ich hoffe, Schlaf kommt und hilft.

Katja

(Bitte keine Ratschläge!)

Sowas wie Tagebuchbloggen. 22.7.19

Und dann ertappe ich mich bei dem Gedanken, dass ich hier dringend noch ein paar Sätze festhalten muss, damit ich tatsächlich wieder eine tägliche Routine entwickle und direkt danach bei dem Gedanken, dass ich’s auch einfach bleiben lassen könnte, weil ich nicht immer so verdammt streng mit mir sein sollte oder zumindest nicht mehr will und dann denke ich, dass ich ja, wenn ich jetzt eh schon drüber nachdenke, ob ich heute noch ein paar Sätze bloggen will oder nicht, das auch direkt schreibend tun könnte und immerhin grinsen klappt jetzt ganz gut.

Ansonsten war der Tag nicht so gut. Ich bin irgendwann nachts aus einem schrägen Traum erwacht, in dem ich in einem Zimmer (das ich nicht kannte, das aber im Traumgefühl mein eigenes war) einen Haufen Menschen zur Tür raus schieben musste, weil mir das alles zu viel war mit den Leuten und freiwillig wollten sie nicht gehen. Ich schob also und schob und drückte dann gegen Widerstand die Tür von innen zu und verriegelte sie und im Moment als ich mich erleichtert umdrehe, nehme ich wahr, dass sich in der Seitenwand auf einmal eine Tür öffnet, die vorher gar nicht da gewesen ist und durch die jetzt alle die wieder reinströmen, die ich gerade vor die Tür bugsiert hatte. Und sie umzingeln mich direkt wieder und alle wollen was von mir und ich will doch einfach nur meine Ruhe. Durch diese zweite, neue Tür kann ich sie aber nicht wieder loswerden, die scheint nur in eine Richtung zu funktionieren. Ich öffne also wieder die ursprüngliche Tür und fange wieder an, einen nach dem anderen nach draußen zu schieben und just als ich wieder so weit bin, die Tür zu verriegeln, fängt das Drama mit der bis dahin wieder unsichtbaren Zweittür wieder an. Ich glaube, nach der dritten erfolglosen Runde bin ich aufgewacht und es dauerte lange bis ich wieder einschlafen konnte, weil dieses Gefühl, bedrängt zu werden, so lange nachwirkte.

Dann hab ich mich früh zum Einkaufen aufgerafft, um nachmittags noch Zeit für Sport zu haben und auf dem kurzen Weg dahin, bin ich nur knapp 2 Unfällen entkommen, von denen keiner auf meine Kappe gegangen wäre. Immerhin das mit der Geistesgegenwärtigkeit hat gut funktioniert. Durchatmen musste ich danach dann aber trotzdem.

Und schließlich war ich dann wirklich noch beim Sport, weil heute der einzige Tag der Woche sein sollte, wo es *nur* 30 Grad warm ist, aber das war selbst bei den nur 30 Grad keine so gute Idee. Die Muckibude hätte zwar theoretisch eine Klimaanlage – ich hab aber in 2,5 Jahren noch nie erlebt, dass das Ding wirklich lief. Im Sommer ist es einfach nur unerträglich heiß und wie sehr das (und der Umstand, dass ich gerade so selten zur Ruhe komme) mir tatsächlich auch die körperliche Kraft raubt, ist mir heute deutlich geworden. Als ich wieder zu Hause war, ging’s mir ziemlich mies und vielleicht sollte ich mir einfach merken, dass ich bei mehr als 25°C nicht sinnvoll dort trainieren kann und dann lieber erst gar nicht hingehen. Ich mag ungerne dieses „nach dem Sport geht’s mir schlechter als vorher“-Gefühl festigen. Dann lieber ’ne Woche ganz verzichten, aber wenn ich hingehe, strahlend rausmarschieren.

So. Bett ruft. Morgen um 10 Uhr hab ich den nächsten Termin, vor dem ich schon lange Angst habe und der hat noch dazu das blöde Zusatzfeature, dass es danach ernst wird, weil ich eine Entscheidung treffen muss.

Gute Nacht, große Welt.

Katja

Oh und jetzt hätte ich fast schon auf Veröffentlichen geklickt als mir auffiel, dass ich das tatsächlich Gute des Tages ganz vergessen habe bei dem ich jetzt aber merke, dass ich gar nicht so genau weiß, wie ich es in Kurzform ausdrücken kann. Also es gab was Gutes, es hat mit Bedauern ohne Schuldgefühl zu tun und mit Differenzierung, was ist da gerade meins und was ist deins. Ich weiß, das ist leider arg kryptisch, aber ich bin zu müde für ’ne gescheitere Formulierung.

 

Kleine Schritte

Am Ende eines emotional furchtbar anstrengenden Wochenendes zu bemerken, wie gut gerade die Abgrenzung funktioniert, das „Nicht-mein-Problem“-Denken, nicht das Bedürfnis zu verspüren, mich dringend zu erklären, nicht hinterherzulaufen, sondern einfach mal „Tja, dann eben nicht“ zu denken. Statt Schuldgefühlen zu haben, sogar genervt zu sein. Mich ein Stück weit zurückzuziehen oder wenigstens geistig auszuklinken, wenn’s nicht mehr aushaltbar ist. Nicht auszuhalten, rauszugehen. Gelegentlich auch den Mund aufzumachen, völlig egal, was das Gegenüber dann denken könnte. Nicht darauf fokussiert zu sein, die Bedürfnisse von anderen, nicht nur zu erfüllen, sondern am besten vorher auch noch zu erraten, stattdessen öfter mal die Schultern zu zucken. Das ist alles noch enorm ausbaufähig, aber es ist da. Endlich. Und vielleicht zum ersten Mal überhaupt.

Mjor. Und jetzt trotzdem oder auch gerade deswegen furchtbar müde zu sein. Aber auch das ist im Moment völlig ok.

Katja

läuft

Die ganze Zeit über das Gefühl, gehetzt zu sein und dann kommt da so ein Tag wie heute, der sich anfühlt, als hätte alles rundherum für einen Moment angehalten, als wäre endlich wieder mal Zeit, sich Zeit zu nehmen. Lachen, essen, reden, trinken, quatschen, freuen, lachen, essen, shoppen, lachen, reden und Gesellschaft, die einem das Gefühl gibt, so wie man ist, richtig zu sein, passend, ohne sich zu verbiegen, ohne die Notwendigkeit einer Fassade. Und dann abends diese große Dankbarkeit über alte und auch so viele neue Freunde. Und die Freude darüber, wie unkompliziert sich so manche Begegnung inzwischen anfühlt und auch das Bemerken, wie sehr man die eigenen Grenzen verschoben hat, wie spontan man sich inzwischen darauf einlassen kann, Dinge mit Menschen zu machen. Gestern erst unterwegs gewesen, da total spontan. Heute unterwegs gewesen, geplant. Und dann direkt von unterwegs aus noch spontan mit wieder anderen Menschen für morgen zum Grillen verabredet. Gäste von heute auf morgen, ohne jeglichen Anflug von Überforderung, total entspannt, weil die Gesellschaft so angenehm ist, dass es keinen Stress verursacht, weil ich meinen eigenen Anspruch, was ich auf die Beine stellen muss, inzwischen so gut drosseln kann, dass ich sowas hinbekomme, wenn keine Zeit für Aufwand ist. Aber ich muss den nicht mehr zwanghaft betreiben, weil ich mir zugestehen kann, dass nicht alles perfekt sein muss. Auch das ist neu und anders und gut so.

Und jetzt kippe ich grinsend und dankbar hintenüber ins Bett. (Und freue mich auch noch ein bisschen darüber, dass das gerade so gut klappt mit dem kurz hinsetzen und 2 Gedanken notieren.)

Katja

…macht kluch

Den ganzen Tag über das Gefühl, unter einer Dunstglocke zu sitzen. Die Gedanken breiig, verwaschen, die Gefühle ebenso. Zu viel Anspannung gestern und überhaupt gerade die ganze Zeit und sobald die mal einen Moment lang die Zügel locker lässt, ist da nur noch porentiefe Erschöpfung von Körper und Geist. Entsprechend ist der Wunsch, mich gerade in ein kuschliges Kissenfort zu verziehen groß und doch mache ich genau das Gegenteil: ich bin auf dem Sprung und gehe gleich noch aus. Aktivität gegen Nebel, Lebendigkeit gegen Taubheit, Gesellschaft gegen Isolationsdrang. Schlimmer werden kann’s ja gerade eigentlich kaum, aber vielleicht ja besser.

Versuch und so. Und wenn der nach hinten losgeht, dann hab ich’s aber immerhin versucht. Anders machen. Muster aufweichen. Neue Pfade suchen.

Auf los geht’s los, würde ich jetzt normalerweise eventuell sagen, bin aber Twitterin, also:

So!

Katja

Versuch

Schreiben tut mir gut. Erst recht, wenn ich es regelmäßig mache, Gedanken mit einer gewissen Routine notiere. Beim Versuch, Worte dafür zu finden, Sätze zu formulieren, sortiert sich vieles einfacher.

Ich habe das viel zu lange vernachlässigt. Ich hätte inzwischen einen respektablen Betrag zusammen, hätte ich bei jedem “ich müsste dringend wieder häufiger bloggen“ der letzten Monate einen Euro beiseite gelegt. Gerade beim Zähne putzen dachte ich das auch. Aber ja nicht mehr heute, ich bin ja schon fast im Bett.

Aber vielleicht genau deswegen doch noch heute. Nich lang schnacken, Kopp in Nacken.

Ich probiere dann mal, ob ich das nicht wieder irgendwie hinbekommen kann, täglich ein paar Gedanken festzuhalten. Ja und falls es nicht klappt (immerhin kann ich mir inzwischen Scheitern zugestehen und verzeihen), dann hab ich wenigstens heute was aufgeschrieben.

Bis morgen dann. Vielleicht. Hoffentlich.

Katja

Komm da runter!

„Komm da runter, du fällst!“ hallte es gestern irgendwann durch’s geöffnete Fenster, durch das einen Augenblick vorher noch ausgelassenes Kinderlachen zu hören war.

„Komm da runter, du fällst!“ hallt es seitdem dumpf in meinem Kopf. Immer und immer wieder und es ist die Stimme meiner Mutter, die ich nicht wieder zum Schweigen bekomme. Schlagartig übel geworden ist mir gestern als ich den Spruch von draußen aufgeschnappt habe, weil er so vertraute Erinnerungen, mit so schalem Geschmack hochholte von der Kleinen, die nirgendwo hochklettern, nirgendwo drüberspringen, nirgendwo draufbalancieren, nirgendwo wasauchimmer sollte, weil sie’s doch nicht kann, weil’s doch zu gefährlich ist, weil sie doch hinfallen könnte, sich wehtun könnte, sich wasauchimmer könnte. Tu dies nicht. Mach das nicht. Du kannst das nicht. Du schaffst das nicht. Lass es bleiben.

Da ist diese Erwachsene in mir, die inzwischen weiß, wieso sie viele Ängste hat, wieso sie sich selber so wenig zutraut, so wenig auf sich selber vertraut, auf ihre Fähigkeiten und die das gerade, wo so viele Veränderungen passieren, quasi jeden Tag ausbaden muss, jeden Tag das „du schaffst das nicht“ runterschlucken muss und die sich oft genug daran verschluckt und sich dann am liebsten unter einem Stein verkriechen würde, irgendwohin, wo sie nichts schaffen muss, nicht versagen kann, nicht hinfallen kann.

Das ist die, die sich gestern sehr zusammenreißen musste, nicht das Fenster aufzureißen und mit voller Stimmgewalt „Mach weiter! Trau dich! Du kannst das!“ rauszubrüllen, um die Kleine mit dem fröhlichen Lachen zu ermutigen. Die sich zusammenreißen musste, nicht die Erwachsene vorm Fenster anzubrüllen, weil die gar nicht weiß, was sie der Kleinen antut, wenn sie ihr so viel Angst vorm Klettern – vorm Leben – mit auf den Weg gibt. Aber da ist natürlich auch noch die interne Kontrollinstanz, die weiß, dass das Brüllen nicht dorthin gehört, dass die Wut an eine ganz andere Stelle gehört. Und dann ist es innendrin gleichzeitig laut, weil da auf einmal diese Wut ist und das ist gut und da ist es außerdem zur gleichen Zeit ganz leise, damit die Erkenntnis, dass die ganze Angst und das Selbst*miss*trauen von außen kommen und dass es eigentlich keinen vernünftigen Grund dafür gibt, sich nicht sofort wieder aus dem Staub machen.

Katja