Tag 28/44

Am Meer

Wie ist dir nun,
meine Seele?
Von allen Märkten
des Lebens fern,
darfst du nun ganz
dein selbst genießen.

Keine Frage
von Menschenlippen
fordert Antwort.
Keine Rede
noch Gegenrede
macht dich gemein.
Nur mit Himmel und Erde
hältst du
einsame Zwiesprach.
Und am liebsten
befreist du
dein stilles Glück,
dein stilles Weh
in wortlosen Liedern.

Wie ist dir nun,
meine Seele?
Von allen Märkten
des Lebens fern
darfst du nun ganz
dein selbst genießen.

(Christian Morgenstern)

 

(Die Fotos stammen alle aus Kolberg, August 2019. Klick macht big.)

 

Katja

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Tag 25/44

Wenn Licht und Dunkelheit aufeinandertreffen³.

Katja

Tag 22/44

Sie hörte ein leises Schluchzen und wusste nicht, wo das Geräusch herkam. Alle Winkel der Wohnung lief sie ab, schaute in alle Ecken, hob alle Kissen und Decken an und suchte darunter, doch sie konnte niemanden finden. „Wo bist du?“ fragte sie in die Leere hinein. „Ich kann dich nirgendwo finden.“ Das Schluchzen verstummte kurz und ein leises Stimmchen antwortete zaghaft: „Na hier. Hier bin ich.“ Sie drehte eine zweite Runde, suchend, innehaltend und dabei immer kurz die Luft anhaltend, damit sie eine mögliche Richtung aus der das Schluchzen kam, wahrnehmen könnte. Nichts. Die Lautstärke blieb immer gleich, egal in welcher Ecke der Wohnung sie sich bewegte. Irgendwann gab sie ihre Suche auf. Setzte sich still hin und vergrub den Kopf in den Armen. „Jetzt bin ich da. Ich höre dich. Erzähl mir, was los ist.“

Manchmal muss man nach außen hin leiser werden, damit man das Innere besser hört.

Katja

Tag 8/44

Und dann ist da auf einmal wieder dieses Band, das die Brust so einschnürt, dass jeder Atemzug schwer fällt und der Kloß im Hals, der sich auf-Teufel-komm-raus nicht runterschlucken lässt, sondern mit jedem Versuch noch anzuwachsen scheint und du merkst, wie die Schultern immer schwerer werden, das Sichtfeld enger und wie dich die Woge aus Traurigkeit und Verzweiflung von den Füßen reißt und über deinem Kopf zusammenschlägt. Während du das Gefühl hast, immer tiefer zu sinken, wird es wenigstens still um dich herum, verstummt auch endlich für einen kurzen Moment die Frage nach dem Warum, die ansonsten inzwischen dauerpräsent in deinem Kopf ist und von der du weißt, dass du niemals eine Antwort darauf erhalten wirst.

Und dann merkst du, wie deine Füße den Grund erreichen, zaghaft tasten, du atmest ein, du atmest aus, was, obwohl du dich wie unter Wasser fühlst, endlich wieder schmerzfrei geht und dann ein kleiner Tipp mit den Fußspitzen. Du stößt dich ab, steigst wieder auf, durchbrichst die Oberfläche, atmest tief durch. Und noch einmal.

Und machst weiter. Bis zum nächsten Mal.

Katja

Irgendwo


zwischen Trauer und Glück
zwischen stark und schwach
zwischen grau und bunt
zwischen oben und unten
zwischen Kopf und Herz
zwischen warum und deshalb
zwischen warm und kalt
zwischen wollen und nicht können
zwischen Verzweiflung und Erleichterung
zwischen Denken und Fühlen
zwischen Ruhe und Getriebensein
zwischen zu wenig und zu viel
zwischen alten Mustern und neuen Wegen
zwischen Festhalten und Loslassen
zwischen neben mir stehen und bei mir sein
zwischen Halten und Fallen
zwischen Energie und Antriebslosigkeit
zwischen Kopf in den Wolken und Füße am Boden
zwischen schwarz und weiss
zwischen Einatmen und Ausatmen
zwischen zwei Herzschlägen.

Katja

Because you know it’s all about the…

Manchmal glaube ich, es geht eigentlich immer in irgendeiner Form ums Annehmen und Loslassen und dass sich am Ende alles irgendwie darauf zurückführen lässt.

Annehmen. Vor allem mich selber. Vor allem die Teile von mir, mit denen ich mir oft doch so schwer tue. Die Dunklen, die Traurigen, die Verzweifelten, die fast schon zwangsläufig in ein „warum bist du nur so wie du bist und nicht anders?“ münden, was ungefähr das Gegenteil von dem ist, was in solchen Momenten hilfreich wäre, denn letztendlich schiebt mich das Hadern mit mir selber immer nur weiter in Richtung Boden. Annehmen. Auch die schlechten Tage. Auch jene Gefühle, die ich lieber nicht fühlen würde.

Annehmen und dann loslassen. Loslassen von dem, was ich nicht haben will, dem, was ich nicht haben kann, dem, was mir nicht gut tut.

Und dabei am besten noch locker bleiben, denn ohne das geht weder das eine, noch das andere so richtig und schon gar nicht leicht. Ach herrje, wenn da nur nicht immer diese Kluft wäre zwischen dem, was mein durchaus kluger Kopf so weiß und dem, was mein kleines dummes Herz daraus macht.

Einatmen. Ausatmen.

Katja

die jetzt länger nach einem griffigen Titel gesucht als am Text geschrieben und sich am Ende selber ’nen Ohrwurm gemacht hat

Treasure

Und dann, als du wach liegst und die Hand auf’s Herz legst, spürst du auf einmal, dass da was anders ist. Da, wo vorher immer dann, wenn du nicht am Meer warst, sofort ein stechender sehnsüchtiger Meerwehschmerz einsetzte, fühlt es sich auf einmal an, als wäre alles angefüllt mit dem Rauschen und den Wellen des Atlantiks und du weisst, dass die Verbindung die du dieses Mal mit dem Ozean eingegangen bist, eine andere ist. Die Windsbraut, die Wellentochter, das girl of the sea hat das Meer im Herzen mit nach Hause genommen.

Und du hoffst, dass es da bleibt, wenigstens für eine Weile, und bist in diesem Moment unendlich froh. Und dankbar.

Katja 🌊