Zuhause ist, wo der Schlüssel passt…

Heute war ein guter Tag. Aus vielen Gründen und einer davon ist:

Ich war heute in der Kleinen Stadt, in der ich die letzten 9 Jahre gewohnt habe und bin dort nicht nur einkaufen und am Rhein spazieren gewesen, sondern auch an dem Haus vorbeigefahren, in dem ich so viele Jahre zu Hause war.

Ein Zuhause ist für mich existenziell. Eines, das sich so anfühlt, nach Sicherheit und Wärme und so einem Myhomeismycasleding. Das war bei der letzten Wohnung #aus_Gründen in den letzten beiden Jahren, die ich dort gewohnt habe, nicht mehr so richtig so. Und heute dann, als ich dort vorbei bin, war da gar keine Sehnsucht in mir oder Wehmut oder Heimweh, sondern nur der Gedanke, dass es gut so ist, wie es jetzt ist. Gut, dass ich dort nicht mehr wohne. Gut, dass die Sorgen jetzt zwar auch nicht weg, aber ganz andere sind.

Und dann später, als ich hier in die Wohnung kam und zum ersten Mal seit dem Umzug nicht nur ahnte, sondern wirklich wusste, dass sich nichts in mir mehr dorthin zurücksehnt, war das noch ein bisschen mehr nach Hause kommen, als es eh in den letzten 9 Monaten schon war.

Heute war ein guter Tag. 🙂

Katja

 

Von wegen Pfusch! Das ist Kunst! / 14 to go

Als wir in die neue Wohnung zogen und ich zum ersten Mal ohne Schuhe im wirklich riesigen Flur unterwegs war, war mein erster Gedanke „Was für ein Pfusch. Die Fliesen sind total schief und hubbelig*.“, denn das sind sie tatsächlich. Viele Fliesen stehen leicht schräg und ragen an einem Rand deutlich über die Fuge, andere sind komplett ein bisschen erhöht und ragen ganz heraus, manche liegen auch ein bisschen tiefer, insgesamt kann man kaum einen Schritt machen, ohne dass einem, sofern man barfuß unterwegs ist, auffällt, dass da etwas schief ist.

Es dauerte nicht lange bis mir auffiel, dass ich erstaunlicherweise extrem gerne und extrem oft barfuß durch den Flur laufe, dass ich manchen Laufweg ganz bewusst wähle, um eine bestimmte Unebenheit unter den Fußsohlen zu spüren. Und dann kam mir der Besuch im Hundertwassermuseum in Wien, wo ich im Februar war, wieder in den Sinn und dass dort die Böden ganz absichtlich größere Unebenheiten aufweisen und dass Hundertwasser – den ich noch mehr schätze, seit ich in dem Wiener Museum nicht nur seinen Bildern und seiner Architektur, sondern auch vielen seiner Gedanken zum Menschsein begegnet bin – auch zum unebenen Boden Gedanken festgehalten hat.

 

Der gerade Boden ist eine Erfindung der Architekten. Er ist maschinengerecht und nicht menschengerecht.

Die Menschen haben nicht nur Augen, um sich an Schönem zu erfreuen, und Ohren, um Schönes zu hören, und Nasen, um Schönes zu riechen. Der Mensch hat auch einen Tastsinn für Hände und Füße.

Wenn der moderne Mensch gezwungen wird, auf asphaltierten, betonierten, geraden Flächen zu gehen, so wie sie in den Designerbüros gnadenlos mit dem Lineal konzipiert werden, entfremdet von natürlicher Erdbeziehung und Erdberührung, so stumpft ein entscheidender Bestandteil des Menschen ab, mit katastrophalen Folgeerscheinungen für die Psyche, das seelische Gleichgewicht, das Wohlbefinden und die Gesundheit des Menschen.

Der Mensch verlernt zu erleben und wird seelisch krank.

Ein belebter, unebener Fußboden bedeutet eine Wiedergewinnung der Menschenwürde, die dem Menschen im nivellierenden Städtebau entzogen wurde.

Der unebene Wandelgang wird zur Symphonie, zur Melodie für die Füße. Er bringt den ganzen Menschen in Schwung.

Architektur soll den Menschen erheben und nicht erniedrigen.

Man wird gerne auf dem unebenen Boden auf und ab gehen, um sich zu erholen und um das menschliche Gleichgewicht wiederzufinden.

Hundertwasser, April 1991

Und tatsächlich fühlt es sich so an im neuen Flur. Die Unebenheiten stören mich nicht mehr, sie machen die neue Wohnung nicht nur sicht- sondern auch spürbar.

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Katja

 

(*Das wird in meiner alten Heimat für hügelig / bucklig verwendet und weil ich natürlich nach wie vor manche Worte im Dialekt des Heimatdorfs denke, wovon ich glaube, dass man solche Angewohnheiten wahrscheinlich nie ablegt, dachte ich natürlich „hubbelig“ – ein Wort, dass man ohnehin viel häufiger verwenden sollte, wenigstens denkend – und nicht hügelig. [Übrigens nicht zu verwechseln mit „hibbelig“, das für nervöse Stimmung, inklusive heftigen Rumzappelns steht.])

Back to life

Merkwürdig, wie fremd die eigene Wohnung erst mal riecht, wenn man ein paar Wochen nicht zu Hause war und dann zum ersten Mal wieder reinkommt. Und ich weiss nicht, ob es so ist, dass das Fehlen des eigenen Geruchs die Fremdartigkeit ausmacht oder ob da ein zusätzlicher Geruch in den Räumen liegt, der normalerweise nicht hingehört. Ich muss auf jeden Fall erst Mal für eine ganze Weile alle Fenster weit aufreissen und gründlich lüften, damit die Wohnung und ich dann wieder was Gemeinsames anfangen können, damit wir wieder unseren Zuhausegeruch entwickeln können.

Da bin ich also wieder!

Gestern Abend kurz vor halb 12 angekommen, die erste Nacht im eigenen Bett fast komplett durchwacht, weil ich über diesen toten angestrengten Punkt der Rückreise lange drüber war und nur das Aufgekratzte übrig blieb und trotzdem bin ich heute nicht völlig tot und fertig, sondern habe schon so gut wie alles ausgepackt und wieder verräumt und im Keller läuft gerade die Waschmaschine zum vierten Mal für heute.

Im Dekollete schält sich noch die Haut vom Sonnenbrand und ich sitze hier mit warmen Socken und einer heissen Tasse Tee und kann gar nicht greifen, ob sich das jetzt wie zu Hause oder einfach alles nur sehr unwirklich anfühlt.

Ich bin wieder hier. Aber ich muss nur die Augen schließen und da ist noch das Rauschen der Atlantikwellen im Ohr und der salzige Geschmack auf den Lippen und wäre ich nicht ohnehin schon ein großer Fan dieses wunderbaren Ozeans gewesen, dann hätte er mein Herz spätestens in den letzten beiden Wochen im Sturm erobert.

Wind und Wellen – die beiden waren mir schon immer lieber als die spiegelglatte Wasseroberfläche und für beides war ich zur genau richtigen Zeit am genau richtigen Ort. Ich hab mich am Meer überhachzt, ich konnte nicht aufhören, in die Wellen zu schauen und die Wellen zu fotografieren und irgendwann stand ich heulend vor Glück am Wasser, weil das Meer mich in diesen Tagen völlig überwältigt hat. Nie fühlte sich der Begriff Naturgewalt greifbarer für mich an als bei dem wahnsinnigen Wellenschauspiel, das sich an den meisten Tagen direkt vor unserer Nase bot.

Ich bin wieder da, aber so ein kleiner Teil von mir bleibt jedes Mal in Spanien und stattdessen bringe ich ein passendes Stück Sehnsucht mit nach Hause.

Toll war’s. Sehr. Sehr!

Katja