Wortbild

Der Himmel von bleigrauen, schweren Wolken verhangen, nur eine winzige Lücke, die hellblau leuchtet. Und dann größer wird und größer und auf einmal bricht die Sonne mit aller Gewalt hindurch, blendet auf dem nassen Asphalt. Die Welt im Zwielicht. Auf einem Feld leuchten die zarten Sprosse frischer Aussaat in einem so dramatischen Grün wie es das in der Natur nur bei so dramatischem Licht zu sehen gibt. Die Bäume der Allee werfen fahle Schatten, die Pfützen in den Ackerfurchen sehen aus wie eisgrau leuchtende Spiegel. Aus einem Schornstein quillt heller Rauch, der von der Sonne angestrahlt wird und vor dem dunkelgrauen Himmelshintergrund aussieht, als würde er von selber und innen heraus leuchten.

Und ich, im Auto unterwegs zum Einkaufen. Guckend, staunend, tief durchatmend. Wenn Hoffnung ein Bild malen würde, dann müsste es so aussehen. Diese zwielichtige Stimmung, dieses Leuchten, das durch den dunklen Hintergrund umso strahlender wirkt.

Katja

Typen / 24 to go

Meine persönlichen Highlights, was Menschen in Amsterdam in den 5 Tagen, die wir kürzlich dort waren, angeht:

  • die Barfrau, die zuerst schlecht gelaunt und missmutig wirkte als wir eine halbe Stunde vor Schluss als einzige Gäste reinstürmten und dann aber – als sie eigentlich schon Feierabend hatte und wir längst bezahlt – an den Tisch kam und freundlich zu plaudern anfing
  • der Kellner im Café, der mir nach meinem Sturz ein Handtuch mit jeder Menge Eis zum Kühlen der Augenverletzung brachte, weswegen das Veilchen nicht noch schlimmer geworden ist, echte Zehenschuhe tragend, was für mich immer ein bisschen wie Froschfüße aussieht, mich fragend, ob ich nicht zum Eis auch lieber ein Bier, statt meines Wassers, gegen die Schmerzen haben wollte
  • die 5 Ladies in Abendgarderobe (wenn das keine waren, weiss ich nicht, wie man das sonst definieren sollte), die direkt vorm Bahnhof Sloterdijk auf der anderen Straßenseite auf das Grün der Fußgängerampel warteten und dort anfingen zu tanzen und zu singen (noch dazu saugut) und die sich sichtlich freuten als ich mitwippte und ihnen dann mitten auf der Straße beim Vorübergehen applaudierte
  • der überaus high wirkende Typ, direkt neben der Gracht, mit riesigen Kopfhörern auf den Ohren und Bob Marley-Shirt, virtuos seine Luftgitarre bearbeitend
  • die Security-Frau in Het Rembrandthuis, die mit ihrer Erscheinung und Körpersprache wirkte, als könne sie genauso gut bei  Men in Black mitmachen (ich schaute mich verstohlen um, konnte aber keine Aliens erkennen!)
  • und mein Favorit: der Typ, Anfang 20 in Bermudas und FlipFlops, der alleine am Tisch beim Hotelfrühstück saß und nachdem er sich hingesetzt hatte, erst mal die Vase mit der einzelnen Sonnenblume so drehte, dass er die Blume besser anschauen konnte ❤

Katja