Neulich in Absurdistan

Die Volkshochschule, bei der ich jetzt schon seit 5 Jahren Spanischkurse belege, hat sich über den Semesterwechsel ein neues Konzept ausgedacht. Vorher gab es eine Mindestteilnehmerzahl von 8 für die Kurse. Wir sind seit ein paar Semestern schon nur noch 7, was aber nicht weiter schlimm ist. In der ersten Stunde des jeweils neuen Kurses kommt eine Dame von der Volkshochschule, klärt uns darüber auf, zückt ihre Tabelle und dann verzichten wir meist auf einen, der eigentlich vorgesehenen 14 Termine und zahlen statt paarundneunzig Euro knapp über 100 und alles ist gut.

Aber jetzt hat die Volkshochschule sich ein neues, überaus beeindruckendes Konzept ausgedacht:

Hat ein Kurs 8 bis 12 Teilnehmer bleibt alles beim Alten, dann kostet der Kurs pro Nase (seit Dienstag kenne ich tatsächlich die genauen Beträge) 95,50€. Dabei ist es auch egal, ob’s denn nun 8 oder 12 sind, der Preis ist der gleiche.

Neu ist der Preis für Kurse mit 5 bis 7 Teilnehmern. Das alte Konzept des Etwas-mehr-zahlen-und-ein-Termin-weniger wurde ersetzt durch eine eigene Preiskategorie. Bei 5 bis 7 Teilnehmern soll – das hat die vhs sich spitzenmäßig ausgedacht – jetzt jeder Teilnehmer 149,40€ für die 14 Kurstermine bezahlen. In Worten: hundertneunundvierzigvierzig. Dass da irgendwer merkwürdige bunte Pillen eingeworfen haben muss, sieht man auf den ersten Blick. Simples Nachrechnen ergibt: 149,4 * 7 = 1.045,80; demgegenüber 95,5 * 8 = 764.

Spontan ergab es sich dann in der ersten Stunde des neuen Semesters, dass – wie aus dem Nichts – die Anmeldung einer weiteren Kursteilnehmerin aufgetaucht ist – unserer Nummer 8. Die Frau eines compañeros macht jetzt mit. Naja, zumindest haben wir ihm auferlegt, er möge in zukünftigen Stunden ein gerahmtes Bild seiner Angetrauten mitbringen, das wir dann vorne auf’s Pult stellen könnten.

Weil wir die Frau unbekannterweise so mögen – immerhin rettet sie uns den günstigen Preis pro Nase – haben wir beschlossen, dass wir ihr die Kursgebühren spendieren. Dafür legen wir alle zusammen. Das macht 13,64€ für jeden, insgesamt kostet der Kurs dann also jeden 109,14€. Man sieht auf den ersten Blick, dass das ganz knapp unter den Hundertneunundvierzigvierzig liegt, die die vhs bei 7 Teilnehmern veranschlagt.

Welcher Teufel die bei der vhs geritten hat, auf so ein dämliches Preismodell zu setzen, wüsste ich gerne mal. Selbst, wenn sich nur 6 Teilnehmer finden und wenn ein Kurs 2 Fakeaccounts anmeldet, ist das noch mehr als 20 Euro billiger für jeden.

Als Alternative gäbe es übrigens auch die Möglichkeit, bei 7 Teilnehmern nur 95,50€ zu zahlen und dann eben die Anzahl der Termine zu reduzieren. Auf 8 statt 14! Das ist etwas mehr als die Hälfte, da kostet uns der gleiche Inhalt also ungefähr das Doppelte. *knirsch*

Offen bleiben gerade die Fragen:

Welche Drogen haben zu einem derartigen Realitätsverlust geführt und wo kann man die kaufen?

Wird J. ein gerahmtes Foto seiner Frau mitbringen?

Wieviele zusätzliche Termine bräuchten wir, um die gesparten 40€ pro Person in der überaus günstigen Tapasbar im Nachbarort zu verprassen?

#alle_irre

Katja

Neulich in der ersten Spanischstunde

Oder um’s mit Rüdigers Worten zu sagen: Und, wie war es?

Erste Eindrücke:

  • Wie erwartet waren 99,9 % meiner Befürchtungen völlig haltlos und übertrieben. Ich habe es überlebt, gut sogar.
  • Die Spanischlehrerin stammt aus Mexico und als sie die ersten Blätter verteilte, fiel mir auf, dass ihre Hände leicht zitterten. Links neben mir saß eine Frau, die so nervös und verschüchtert wirkte, wie es in mir aussah. Beides hat mir direkt gut getan, weil ich gemerkt habe, dass ich ja gar nicht alleine mit Ängsten und Unsicherheit zu kämpfen habe.
  • Ich glaube, mir ist es ganz gut gelungen, die Angst nicht nach aussen zu tragen. Beim Zahnarzt habe ich zwar gute Erfahrungen damit gemacht, direkt damit rauszupoltern, dass ich unter einer Angststörung leide, bei dem Kurs ist es mir aber natürlich lieber, wenn das niemand merkt.
  • Es waren viel mehr Leute im Kurs als ich für das kleine Nachbar-Kaff, in dem er stattfindet, erwartet hätte. Im Nachhinein ist das aber sehr gut so, weil es die Chance erhöht, dass auch für Folgekurse noch genügend Anmeldungen erfolgen. (Wenn ich Spaß dran finde, will ich natürlich auch gerne bis zu einem brauchbaren Niveau weiterlernen.)
  • Die meisten Kursteilnehmer sind in Zweiergrüppchen eingetrudelt / angemeldet. Das hatte ich vorher schon befürchtet. Dass das auch ein Zeichen von Unsicherheit sein kann, sich nicht alleine auf so einen Kurs einzulassen, da musste mich vorhin erst ein Freund drauf stubsen. Ich fühle mich gerade mutig. 🙂
  • Spanisch klingt toll! Und ich glaube, die Aussprache wird einfacher als das Zungengeknote bei meinen Anfängen in Französisch.
    Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich mich mittlerweile einfach traue, diese fremdklingende Aussprache auszuprobieren. Ich glaube, 12, 13 war ein denkbar ungünstiges Alter, um in gemischten Klassen, eine neue Fremdsprache zu lernen. :mrgreen:
  • Die Leute machen aus spannenden Motiven Spanischkurse. Am beeindruckendsten fand ich wohl die Frau, die Spanisch lernen will, um die Bücher lesen zu können, die ihr Vater auf Spanisch geschrieben hat. Sie ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, ihr Vater ist aber wohl Südamerikaner.
    Und den Mann, der in Peru geboren wurde und 5 Jahre dort lebte bevor er von Deutschen adoptiert wurde und der jetzt auf der Spur seiner Wurzeln auch die Sprache (wieder)erlernen möchte, in der er seine ersten Worte gesprochen hat.
    Erzählt habe ich dort von meinem letzten Urlaub und dass dort niemand Englisch oder Deutsch konnte und dass ich mich ins Land verliebt habe und mich gerne verständigen können möchte. Dass ich damit nicht mal die Hälfte der Wahrheit erzählt habe, hat mich nicht mal gestört. Ich hatte nicht das Gefühl, bei den spannenden Motiven mithalten zu müssen.
  • In VHS-Kursen, das habe ich früher schon beobachtet, wenn ich mal einen gemacht habe, trifft eine überaus bunte Menschenmischung aufeinander. Alleine altersmäßig liegen geschätzte 40 Jahre zwischen ältester und jüngster Teilnehmerin.
  • Wir haben zusammen gelacht, gleich mehrfach. 🙂
  • Ich kann auch solche Situationen ohne Zigarette überstehen, lustigerweise vielleicht sogar besser als mit. Vorher graute mir schon davor, immerhin wollte ich, um sicherzugehen, nicht zu spät zu kommen, ordentlich rechtzeitig losfahren und bei der Erinnerung wie sowas früher war, fiel mir ein, dass ich dann solche Wartezeiten rauchenderweise überstanden habe. Und zwar eine nach der anderen. Hektisch irgendwo im kalten stehend durchgezogen und dann, trotzdem ich so pünktlich war, auf den letzten Drücker eintrudelnd, weil ich ja nur schnell doch noch eine halbe Kippe gegen die Nervosität rauchen musste.
    Gestern war ich fast 15 Minuten zu früh im Raum, habe aber vor lauter „Guten Abend. Ist das der Spanischkurs“-Unterbrechungen, nicht mal mein extra mitgenommenes Buch ausgepackt.
    Kein Herzrasen, von den vielen hektisch gerauchten Zigaretten. Keine Atemnot, von den in letzter Minute hochgestürmten Treppen. Kein Nikotingestank, für den ich mich hätte schämen müssen. Das war ziemlich gut.
  • Das Wissen über eure gedrückten Daumen und die Aufmunterungen vorher, haben echt gut getan und beim selber an mich und vor allem meinen Mut glauben geholfen. Vielen Dank dafür!

Ich bin gespannt wie’s weitergeht!

(Yo me llamo) Katja

¿Hablas español?

Meine Hände zittern und sind feucht, dafür ist der Mund trocken. Mein Magen fährt Achterbahn und ich traue mich gerade nicht mal zu versuchen, aufzustehen.

Lieber warte ich 2, 3, 4, 5 Minuten ab bis dieser Murks wieder aufhört und ich mich stattdessen freuen kann und ein bisschen stolz auf mich sein, darauf mich endlich getraut zu haben.

Seit Tagen hab ich die Kurs-Anmeldeseite der VHS in einem Tab offen und jeden Morgen, wenn ich den Browser starte starre ich drauf und hoffe, dass sich an dem „ausreichend freie Plätze“-Status nichts geändert hat. Und jeden Tag frage ich mich, wieso zur Hölle ich nicht einfach endlich klicke und die doofe Anmeldung abschicke. Ich würde mich doch eh wahnsinnig ärgern, wenn ich die Gelegenheit mit den freien Plätzen verpasste.

Ich tu mir mit sowas so shice schwer. Eigentlich hab ich überhaupt nichts zu verlieren. Ich verspreche denen ja nicht meinen Erstgeborenen mit der Anmeldung. Und trotzdem bekomme ich in so Situationen nur so ungeheuer schwer in den Schädel rein, dass ich im Zweifel – sollte es denn ganz scheusslich werden, die Leute da alle gruselig sein, ich mich völlig unwohl fühlen oder eine meiner weiteren 376 Befürchtungen eintreten, die mir vor so einem Schritt (für mich ist der wirklich riesig *soifz* 🙄 ) – einfach nicht länger hinzugehen brauche. Im Zweifel habe ich die Kursgebühr in den Sand gesetzt, aber hey – das ist nichts im Vergleich dazu, was ich gewinnen kann. Alleine durch die Überwindung, mich darauf einzulassen, regelmäßig auf eine Gruppe von Menschen zu treffen und noch dazu, mit denen reden zu müssen.
Genau deswegen habe ich mich auch für einen Sprachkurs entschieden. Da muss ich zwangsläufig den Mund aufmachen und auch wenn ich jetzt noch beim Gedanken daran sterbe (und eine meiner Befürchtungen vorsieht, dass ich eher in Tränen ausbrechen als auch nur meinen Namen über die Lippen bekommen werde 🙄 ), will ich das wenigstens probieren. Wenn ich im Kurs mit denen reden muss, vielleicht bringe ich ja dann vorher oder hinterher auch wieder mal eine normale Unterhaltung zustande.

Sehr geehrte Frau xxx,

Ihre Kursanmeldung für den Kurs

"04/22/0001 - Spanisch A1 - Anfänger ohne Vorkenntnisse"

wurde erfolgreich an uns übermittelt. 
Wir nehmen umgehend die Übertragung in das Buchungssystem 
der Volkshochschule vor.

Bitte beachten Sie, dass wir Ihre Anmeldung nicht schriftlich 
bestätigen. Wir empfehlen Ihnen daher diese E-Mail auszudrucken 
und bis zum Kursbeginn aufzubewahren.

Falls der Kurs bereits ausgebucht ist oder nicht zustande kommt, 
werden wir uns rechtzeitig bei Ihnen melden. Ansonsten freuen wir 
uns, Sie zum 1. Kurstermin am 23.02.2010 um 19.00 Uhr am Kursort xxx 
begrüßen zu können.


Hey Welt, drückt ihr mir die Daumen? *schluck*

Katja