Notiz an mein Urlaubs-ich

Liebes future-me im Spanienurlaub,

egal wie hungrig du im Supermarkt stehst, bitte denk daran, dass Duschgel zu kaufen, das nach knatschesüßem Vanillepudding mit Zimt und Popcorn riecht, nur für ungefähr 2 Sekunden und ausschließlich in der Flasche in deiner Hand und innerhalb des Supermarktes, wie eine Spitzenidee wirkt. Vor allem dann, wenn es nur in 750 ml Flaschen angeboten wird. Und falls du dich wieder nicht beherrschen kannst, sag dann bitte hinterher nicht, ich hätte dich nicht gewarnt, wenn du wieder wochenlang wie ein viel zu süßes spanisches Dessert riechend durch den südhessischen Winter stapfen musst!

Katja

Es reibt sich mit der Lotion ein*

Selten fühlte ich mich besser organisiert als heute!

Ich habe es tatsächlich geschafft, vorm Urlaub – und ja eigentlich nicht nur das, sondern sogar vorm Einkauf im Drogeriemarkt – im Badezimmerschrank nachzusehen, was noch an Sonnencreme vorhanden ist, was davon aussortiert und entsorgt werden sollte und ob die Anschaffung neuer Sonnencreme erforderlich ist oder ob noch ausreichend Restbestände da sind.

Das habe ich in dieser Gründlichkeit noch nie vor Antritt einer Reise bewerkstelligt. Üblicherweise läuft das so ab, dass mir beim Einkauf im Drogeriemarkt kurz vorm Urlaub einfällt: Ach Sonnencreme! Und dann kaufe ich entweder einfach welche (und hätte keine gebraucht) oder ich kaufe keine, weil ich denke, es wäre noch genügend da und stelle dann, gelegentlich, beim Packen fest, dass ich nochmal dringend in den Drogeriemarkt oder dann eben vor Ort welche kaufen muss.

Ich gebe natürlich zu, dass diese wunderbare Organisiertheit dieses Mal vor allem daher rührt, dass ich vor ein paar Wochen den Badezimmerschrank komplett ausgeräumt hatte und neu sortiert und dass ich, ohne suchen zu müssen, wusste, wo sich die Sonnencreme befindet. Das genauere Sichten und Aussortieren der Sonnenschutzprodukte hatte ich seinerzeit direkt auf kurz vor der Reise verschoben, weil ich da schon von diversen anderen Aussortierprozessen ausreichend genervt war. Aber so aus heutiger Sicht war das super. Echt wahr! Nie mehr Badezimmerschrankchaos!

Ich brauche übrigens keine neue und auch kein After Sun, obwohl insgesamt weniger davon im Schrank rumstand als ich befürchtet hatte. Und ich brauche auch kein Duschgel. Letzteres gilt übrigens für die nächsten Monate. Die Vorräte wirken ein bisschen als sei ich in Sorge, es könnte ab morgen ernsthafte Duschgelengpässe geben.

Beim Küchenvorratsschrankaufräumen einige Zeit nach dem Badezimmerschrank ist mir aufgefallen, dass sich diese Sorge scheinbar auch auf Kokosmilch, rote Linsen und Kichererbsen erstreckt, aber das ist ja wieder eine ganz andere Geschichte.

Katja

*Ich schreibe das hier natürlich alles nur deswegen auf, weil ich schon immer mal einem Blogeintrag diesen Titel geben wollte, die Cineasten unter euch werden das verstehen.

Skurriles bei der Ferienhaussuche oder Abgrundbeleuchtung für Silencer

Das Haus für 16 Personen, die sich auf 4 Schlafzimmer verteilen sollen. 2 Doppelzimmer und 2 Sechsmann-/bzw. -frauzimmer, bei denen sich in der Mitte ein etwa schulterbreiter Gang befindet und links und rechts davon je ein 3-Stöckiges-Etagenbett mit so wenig Platz zwischen den Etagen, dass man in den unteren beiden Etagen nicht auf der Seite liegen kann. Und nein, die werben nicht mit realistischem Meuterei-auf-der-Bounty-Feeling, obwohl mir persönlich die Meuterei ja bei Vollbelegung unausweichlich erscheint.

Die Wohnung, bei der das benutzte Kaffeegeschirr mit halbgegessenen Kuchenstücken und überquellendem Aschenbecher für die Fotos schnell vom Tisch geräumt wurde.
In das leere Regalfach unterm Fernseher.
Wo sie dann mit auf dem Foto auftauchen.
Ganz möglicherweise handelte es sich dabei allerdings auch um eine künstlerische Installation. Genaueres weiss man nicht.

Die ‚Vaddi, pack doch mal die Blume mit ins Bild. Das sieht gemütlicher aus.‘-Wohnung, wo in jedem einzelnen Raum die haargenau gleiche Rose, mal in einer Vase auf der Küchenarbeitsfläche, mal lose auf Tisch oder Bett liegend, mal auf dem Waschbeckenrand mit auftaucht. Wie gemütlich!

Was dem Deutschen der Fließentisch ist dem Spanier scheinbar der Tisch mit schwerer mehrschichtiger bodenlanger Decke und Glasplatte drüber. Seit wir im letzten Jahr mit einem solchen Bekanntschaft machen durften, bin ich großer Fan des klassisch schlichten Fließentisches. Der hat idR wenigstens keine schwere Samtdecke, in der sich jede Menge Gerüche und Essensreste von Generationen von Ferienwohnungsmietern sammeln. (Nein, leider keine Übertreibung.)

Die Wohnung, bei der auf fast jedem Bild die gleiche junge blonde Frau im knappen Bikini mitabgelichtet ist, mal auf der Sonnenliege, mal beim Geschirr spülen. Scheint aber Verarsche zu sein. In der detaillierten Ausstattungsbeschreibung taucht sie zumindest nicht zwischen Spülmaschine und Tiefkühlfach auf.

Bilder, auf denen man etwas erkennen kann, kann ja jeder! Wir machen folgendes: wir verkleinern unsere Fotos auf Thumbnailformat, sagen wir 40*30 Pixel und dann zoomen wir die wieder hoch auf 400*300 Pixel. Wohoooo. Guck mal, voll der Space-Invaders-Retropixelstyle!

Das Ferienhaus mit den 16 Fotos, von denen genau 0 einen Teil des Inneren zeigen. Aber tolle Terrasse! Ehrlich!

Die Wohnung, bei deren Fotos man glaubt, es ginge nicht darum, die Wohnung zu vermieten, sondern den Wohnzimmertisch bei Ebay zu verscherbeln. Fotos aus allen möglichen und unmöglichen Perspektiven, mit möglichst unterschiedlicher Deko und Tischdecke. (Ey, 8 Fotos von einem fucking Tischchen.)

Häuser mit Meerblick gibt es in folgenden Bedeutungen:
*von einem, mehreren oder allen Fenstern / Terrassen / Balkonen der Wohnung / des Hauses aus
*wenn man auf den Badewannenrand klettert und den Oberkörper aus dem Fenster beugt, vom Badezimmerfenster aus
*der Ort, in dem sich die Wohnung befindet liegt grob in der Nähe eines Meeres oder sonstigen Gewässers, mindestens aber innerhalb eines Landes, in dem es Meere oder sonstige Gewässer gibt.

Die Wohnung für Fledermäuse: Wie kann es eigentlich passieren, dass man nicht merkt, wenn man sämtliche Fotos kopfüber in ein Online-Vermietungsportal hochlädt?

Die Wohnung mit 5 Wohnungsfotos und 15 Meerfotos, 1 von der Stadt, 1 mit Palmen, 1 mit Bergen, 1 vom Kirchenfenster. So in etwa ist bei mir auch das Mengenverhältnis, wenn ich aus dem Urlaub zurück bin. Ich weiss zwar nicht wie die Wohnung aussieht, aber der Vermieter und ich haben eindeutig die gleichen Prioritäten.

Und dann endlich: Haus gefunden! Alles super! Jetzt nur noch beim Eigentümer nachfragen, ob es im gewünschten Zeitraum frei ist und wieviel es kostet. Er gibt an, Spanisch und Englisch zu können. Wir fragen auf Englisch, bekommen nach 3 Tagen eine ziemlich sinnfreie Antwort, fragen erneut. Dann kommt gar keine Reaktion mehr, bis ich nach einer Woche auf die Idee komme, die Anfrage nochmal auf Spanisch zu stellen. Und dann kommt auf einmal innerhalb von 7 Minuten die ersehnte Antwort.

Mittlerweile ist die Anzahlung geleistet, die Buchung verbindlich bestätigt und in 8 Wochen geht’s los. Daher endet die Sammlung dann auch hier. Zumindest für dieses Jahr. 😀

Katja

Zeitverschwendung

In jedem Jahr vorm Urlaub das gleiche Muster. So sehr ich mich darauf freue wegzufahren, tolle Dinge zu besichtigen, stundenlang auf’s Wasser zu gucken, so schlimm geht es mir erst mal vorher. Zu jeder beliebigen Tages- oder Nachtzeit fallen die kleinen ‚muss ich noch besorgen‘, ‚muss ich vorm Urlaub unbedingt erledigen‘, ‚darf ich nicht vergessen mitzunehmen‘ Gedanken über mich her, wie ein Schwarm blutrünstiger Mücken. Sie finden ihren Platz auf Zetteln auf meinem Schreibtisch und jetzt auch digital in Exceltabellen, Notizen im Handy und in Wunderlist. (Link. Das hatte ich schon vor einiger Zeit nach einer Empfehlung von Rüdiger installiert und finde es sehr grandios!) Und ständig habe ich das Gefühl, alles kreiselt, die Zeit rennt mir weg, dass ich das nie im Leben noch alles schaffen werde – ade Gelassenheit.

Eines ist mir dieses Jahr jedoch aufgefallen: bewusste ‚Zeitverschwendung‘ bringt mich immens voran!

zB heute Morgen: Ich war früh wach, bin aber nicht sofort aus dem Bett gesprungen, sondern bin noch eine Stunde liegen geblieben und habe mein Buch zu Ende gelesen. Eigentlich verschwendete Zeit, tatsächlich hat das aber dazu geführt, dass ich heute sehr viel ruhiger und konzentrierter und effizienter den Kram angepackt habe, den ich zu tun hatte. Und noch welchen zusätzlich, der sonst in den nächsten Tagen angestanden hätte.

Und auch wenn ich mir gerade die Zeit nehme, trotz meiner eigentlichen Hektik (von der ich ja weiss, dass sie zum größten Teil nur Kopfsache ist, weil die Welt nicht untergehen wird, wenn ich die Dinge nicht alle vorm Urlaub erledige), noch ein paar Fotos vom letzten Urlaub zu sortieren und wenn ich mir die Zeit nehme trotz allem zu bloggen, dann bringt mich das so zur Ruhe, dass ich die Dinge einfach eins nach dem anderen mache anstatt, wie es mir früher oft in so Situationen ging, gar nichts auf die Reihe zu bekommen, weil ich vor lauter Überforderung nicht wusste, wo ich anfangen soll.

Spannend. Geahnt habe ich das ja immer und mich in so Situationen auch früher schon gelegentlich entschleunigt. Allerdings fast immer erst, wenn das Kind eigentlich schon im sprichwörtlichen Brunnen lag und es mir schlecht ging. Jetzt, diese Zeitverschwendung, sorgt vielleicht oder besser hoffentlich dafür, dass es erst gar nicht noch schlimmer wird. Und vielleicht sogar dafür, dass ich mit allem fertig werde.

Und falls nicht, wird die Welt auch nicht untergehen. (Glaube ich. :D)

Katja (gerade eigentlich auf dem Sprung zum Einkaufen gewesen, lieber Gedanken zu Tastatur bringend)