Der Garten des Architekten

…, der Generalife war der Sommersitz der Nasriden Herrscher und ist der Teil der Alhambra, der noch fehlt in meinen Reiseerinnerungen und -fotos. Obwohl das nicht ganz korrekt ist, denn er gehörte nicht direkt zur Alhambra und zur eigentlichen Festungsanlage. Heute macht das aber keinen Unterschied mehr beim Besuch, denn das Eintrittsticket gilt für beides (öh, ich glaube zumindest, dass wir die nicht extra so geordert hatten, sondern dass das generell so ist) und man ist nach einigen Minuten Fußweg schon dort.

Das ’schon‘ ist allerdings an heissen Tagen und wenn man stundenlang durch die Alhambra gelaufen ist und die Füße schon recht platt sind, ziemlich relativ. Ich war froh als wir endlich da waren – und diese wunderbaren Gärten entschädigen wirklich für jeden Schritt, den man dorthin machen muss.

Der Palast im Garten, der ‚Palacio de Generalife‘ ist im Vergleich zu den Nasridenpalästen eher unscheinbar, aber das ist gar nicht schlimm, denn um die Gärten geht es und um’s Wasser. Überhaupt das Wasser! Überall dort begegnet man ihm und alleine das Rauschen und Betrachten bringt Abkühlung im Kopf. Immerhin war es in der zweiten Oktoberhälfte noch so heiss, dass wir mit ausgewachsenem Sonnenbrand rauskamen.

(Klick macht groß!)


So beim Betrachten der Bilder und beim Schwelgen in Erinnerungen fällt es mir echt schwer, nicht dieses Jahr direkt wieder hinfahren zu wollen, sondern mir das für in ein paar Jahren irgendwann vorzunehmen. So wunderbar hat mir die Alhambra gefallen.

Unbedingt alle hinfahren, wenn ihr in die Nähe kommt! (Ich weiss, ich wiederhole mich.)

(Hier und hier gab’s auch schon was über die Alhambra zu lesen und zu gucken und hier geht’s zu meinem Album mit Alhambra-Fotos bei Picasa.)

Qal’at al-Hamra

(Für alle Fotos gilt: Klick macht dick)

Die Alhambra von den Generalife aus gesehen

In der Mitte das Motto der Nasriden Dynastie (Banu Nasr), das einem dort überall an den Wänden begegnet. ('Es gibt keinen Sieger ausser Gott.')

„Die Alhambra ist wunderschön, manchmal fällt es jedoch vor lauter Menschen nicht leicht, dies auch zu würdigen.“ ist einer der ersten Sätze, die ich seinerzeit in meinem Reiseführer (übrigens, weil ich den schon gelegentlich erwähnte: Andalusien von Thomas Schröder im Michael Müller Verlag erschienen und sehr empfehlenswert) über die Alhambra gelesen habe und den ich während des Besuchs dort ein paarmal im Kopf nach vorne kramen musste, um mich dazu zu bringen, die vielen (vielen, vielen, vielen!) Menschen bewusst zu übersehen, um manchmal so ‚dicht‘ im Kopf zu machen, dass es sich anfühlte als sei ich alleine dort, die Wahrnehmung nur auf die Umgebung gerichtet, nicht auf die Menschen darin.

Und so kommt es auch, dass ich selten Menschen im Foto eingefangen habe, weil ich den Blick auch oft so halb schräg nach oben gerichtet hatte, über die Köpfe hinweg, um nicht dauernd im Bewusstsein zu haben, wie viele Menschen da waren.

Ich habe das Gefühl, ich könnte mit noch so vielen Worten nicht einmal ansatzweise ausdrücken, wie wunderschön die Alhambra ist. Nach 2 oder 3 – ich weiss gar nicht mehr wie vielen – Stunden in den Nasridenpalästen – jenem prachtvollen Teil, dessen Wände fast überall reich verziert sind mit Mosaiken

Mosaiken (müsste im Mexuar (Verwaltungstrackt) sein)

und Ornamenten,

stuckverzierte Wände

wo es Wasserbecken gibt, deren Zuläufe so raffiniert konstruiert sind, dass die spiegelnde Wasseroberfläche völlig unbewegt bleibt,

Wasserbecken im Myrthenhof

wo man bei jedem Innenhof (und überhaupt jeder Wand und jedem Ornament) auf’s neue erstaunt ist, was sich hinter der äusseren schlichten Fassade verbirgt (was ich übrigens hoch interessant finde: die ganze Pracht und Zier gibt es nur nach innen, wo die Herrscher lebten und selber etwas davon hatten, nach aussen ist alles unbeeindruckend schlicht gehalten),

Blick auf den Comares-Palast

wo es unendlich viele Säulen

Ein paar der Säulen des Löwenhofs (leider gerade ohne Löwenbrunnen und in Restaurierung als wir dort waren)

und Muquarnas zu geben scheint,

Tropfsteinhöhlenartige Wandnischen

wo die Fenster prachtvolle Ornamente aufweisen,

Fenster im Sala de los Embajadores (Saal der Gesandten)

wo es unglaublich geschmückte Kuppeldecken gibt,

Decke im Sala de los Abencerrajes

wo man zwischendurch immer wieder auf üppige Gärten mitsamt Brunnen blickt (bzw. durch kommt),

schattige Gärten

wo es immer wieder offene Durchgänge gibt, wo man ganz unvermittelt auf Granada schauen kann, das der Alhambra zu Füßen liegt

Blick auf Granada

und wo – als wäre das alles noch nicht genug – auch noch fast alle Fußböden verziert waren

Jeder Fußboden mit anderem Muster

– war ich irgendwann erleichtert, in einem schattigen, kühlen Raum zu landen, dessen Wände schlicht weiss gekalkt waren und ich habe eine ganze Weile nur diese weissen Wände angeschaut, um meine Augen wieder mal zu resetten, um gegen die Reizüberflutung anzukommen, die in den vorangegangenen Stunden über mich hereingebrochen war. So wunderschön das alles ist, als so anstrengend habe ich es empfunden. So viel Pracht, so viel Schönheit, so unfassbar viele Details, dass ich völlig überfordert davon war, das alles in der kurzen Zeit in mir aufzunehmen. Ich hätte da wirklich Wochen verbringen können und langsam an den Wänden entlanglaufen, die Ornamente und Schriftzeichen, deren Bedeutung ich nicht kenne, mit den Fingern langfahren – das hätte mir besser gefallen als diese kurze Zeit für so viel Information. (A propos Information: Die offizielle Webseite (ich glaube zumindest, dass sie das ist) ist ungeheuer inforamtiv!)

Nach den Nasridenpalästen waren die groben Mauern des Alcazaba, der eigentlichen Festung und auch dem ältesten Teil der Alhambra fast erholsam.

Wachturm des Alcazaba

Blick auf den Waffenplatz

Und nach so viel ‚kleinteiligem‘ Anschauen, war es wunderbar, vom Waffenturm aus, den Blick in die Ferne schweifen zu lassen.

Aussicht vom Wachturm auf Granada

Und auch die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada konnte man von dort aus sehen.

Von dort aus ging es dann weiter zu den Generalife, aber das verschiebe ich auf einen anderen Eintrag, weil es hier schon genug zu sehen gibt. Ich will hier ja nicht für die gleiche Reizüberflutung sorgen. 😀

Und weil das Kurzfassen mir nie so gut liegt und das Fotos aussortieren schonmal gar nicht, habe ich noch einige Bilder mehr gerade bei Picasa hochgeladen – für alle, die noch mehr sehen mögen. Ein Klick auf’s Albumbild hier unten, bringt euch dort hin.

La Alhambra

Katja

Little Britain

Nachdem ich gestern in Dänemarkurlaubserinnerungen geschwelgt bin, fiel es leicht, heute wieder einmal ein paar Fotos des letzten Spanienurlaubs zu sortieren und dabei ein ums andere mal zu soifzen. Verflucht, wird wieder mal Zeit ans Meer zu fahren.

Aber halt, eigentlich sind das dieses Mal gar keine echten Spanienfotos, die ich heute zeigen will, sondern britische. Die Ferienwohnung lag ja nur einen Steinwurf von Gibraltar entfernt und wir waren zwei Nachmittage auf ‚The Rock‘ unterwegs.

Nachdem wir im Jahr vorher oben auf dem Berg das ganze Sightseeing Programm gesehen hatten (was sich hinter diesem Link verbirgt), waren wir dieses Mal am Fuß des Felsens in der Stadt unterwegs. Gucken, staunen, in der Sonne sitzen und Kaffee schlürfen, sich wie im Urlaub fühlen (was durchaus leicht fällt, wenn man im Urlaub ist :D), die Seitenstraßen entlanglaufen, wo sich selten die Touristenmassen hinverirren und ein bisschen zollfrei shoppen.

Die Stadt und vor allem ihre Bewohner fand ich immer noch genauso skurril wie im Jahr vorher. Alles sehr britisch, alles wirkt sehr darauf bedacht, auch unbedingt deutlich zu machen, dass es britisch ist. Dass man dort zB überhaupt gar keine einzige Postkarte von den herrlichen Stränden der Gegend kaufen kann, sondern ausschließlich welche, auf denen der dicke Felsen zu sehen ist, hatte ich ja während des Urlaubs schon beklagt.

Und ansonsten gleicht die Stadt einem riesigen Duty-Free-Shop.

(Falls irgendwann mal jemand von euch dorthin kommt und sich von den vielen Parfumläden angezogen fühlt: Ein Einkauf dort lohnt sich nur extrem selten, weil man meist beim Onlineshopping einen besseren Preis erzielen kann als dort zollfrei. Falls ihr natürlich ansonsten nur bei Doug.las und Co. kauft, lohnt es sich sehr! Was sich allerdings nicht lohnt ist, die Mainstreet langzulaufen und Preise der einzelnen Parfumläden zu vergleichen. Die gehören (bis auf sehr (!) wenige Ausnahmen, bei denen es kein Markenparfum gibt) alle zur gleichen Kette und haben identische Preise.)

Und jetzt: Bilder! Ein paar Stadtansichten.

 

Katja

Wenn einer eine Reise tut (8)

(Was bisher geschah: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7)

Dienstag, 27.10. Wie? Schon der letzte Tag?

Ihr müsst jetzt alle ganz stark und tapfer sein! Der letzte Tag in La Barrosa war nämlich wirklich ereignislos. Strand, ein letztes Mal in den Atlantik hüpfen, fotografieren, ein letztes Mal einkaufen, zwischendrin immer mal etwas von unserem ganzen mitgeschleppten und dort erworbenen Kram einpacken und spät abends dann nochmal Essen gehen. Aus Müdigkeitsgründen und weil’s viel aufregender ist, haben wir die Tapas komplett ohne Wörterbuch bestellt und einfach auf der Karte von oben her angefangen. Äh ja. Ich bin nicht mehr ganz sicher, aber eventuell war das überaus merkwürdige Pilzgericht mit einer der ersten Anlässe, in denen ich dachte, ein paar Worte Spanisch verstehen zu können, könnte nicht unser Nachteil sein. :mrgreen:

Das alles sagt ja aber noch gar nicht aus, wieso ihr so tapfer sein müsst! Ach aber seht einfach selbst:

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Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, hier auch noch ein kurzer bewegter Eindruck mit Meeresrauschen. (Die 22 Minuten-Version erspare ich euch aber! :D)

Katja

Wenn einer eine Reise tut (7)

(Was bisher geschah: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6)

Montag, 26.10. The Rock

Eigentlich war das ja gar nicht so weit bis Gibraltar, 130 km etwa, aber die Strecke führte kurvenreich durch die Berge und es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis wir La Línea de la Concepción, die spanische Stadt an der Grenze zu Gibraltar, erreichen. Der Anblick des aus dem Meer ragenden Felsen in seiner beeindruckenden Größe trifft mich völlig unvermittelt. Wow, ist das riesig!

 

The Rock

Das Navi zeigt kurz vor der Grenzlinie seltsam verschlungene und verschachtelte Straßenführung an und es dauert einen Moment bis uns klar wird, dass es sich dabei, fast wie bei der Fahrattraktion im Freizeitpark, um die gewundene Warteschlange für den Grenzübertritt handelt. Ich nehme an, wir haben Glück – es dauert nämlich nicht allzu lange bis wir durch das Geschwurbel durch und über die Grenze drüber sind. Dazu müssen wir quer über’s Rollfeld des Flughafens fahren, eine Ampel sorgt dafür, dass man nicht in startende oder landende Flugzeuge kracht. 😀

Auf der anderen Seite erwartet uns eine völlig andere Welt: britische ‚Bobbies‘ in Uniform mit ihren typischen Helmen, rote litfasssäulenförmige Briefkästen des Royal Gibraltar Post Office, überall Fish & Chips-Buden und in der Luft ein ‚Duft‘ von Frittierfett, Kinder in Schuluniformen in unterschiedlichen Farben (wohl je nach Schulzugehörigkeit) und und und. Alles wirkt ein wenig als wäre es den Gibraltarern immens wichtig ihre Zugehörigkeit zum Britischen Überseegebiet zu zeigen, sich möglichst von den direkten spanischen Nachbarn zu unterscheiden. Sehr bizarr.

Die Innenstadt erscheint wie ein riesiger Duty-Free-Shop. Also eigentlich sind es viele verschiedene. Tabakwaren- und Alkoholläden reihen sich an Fotoausrüstungsgeschäfte und Parfumshops, die sich wiederum an Tabakwaren- und Alkoholläden anschließen, dazwischen lediglich Souvenirshops, Restaurants und Burger-Buden und überall Menschenmassen. Ufff.

Irgendwann folgen wir dem Angebot eines der vielen Guides, mit seinem Kleinbus-Taxi die Tour auf den Upper-Rock, das Naturschutzgebiet mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten weit oberhalb der Stadt zu machen. Mindestens so unterhaltsam und lehrreich wie das Gucken an den Haltepunkten erweist sich die Fahrt mit dem Guide, der uns jede Menge Informationen über ‚The Rock‘ gibt. Nach einem Jahr hab ich die natürlich leider fast alle vergessen, was jedoch hängen geblieben ist, ist dass es auf Gibraltar ca. 30 km Strassenlänge gibt (wenn man alle Wege auch auf dem Berg zusammenrechnet) und mehr als 30.000 zugelassene Fahrzeuge! Extrem erstaunlich, dass wir trotzdem sehr schnell einen Parkplatz gefunden hatten (was ja in Spanien quasi unmöglich ist)!

Blick auf Afrika

St. Michael's Cave

 

links: Afrika, rechts: Spanien, vorne: Gibraltar, ganz vorne: Äffchen

Höhlen und Tunnel vom spanischen Festland aus fotografiert

Aus den Höhlen in Richtung spanisches Festland fotografiert (mit Blick auf den Flughafen)

Mein persönliches Highlight waren natürlich die überall auf dem Felsen frei lebenden Berberäffchen, denen ich stundenlang hätte zuschauen können. 🙂 Anfassen darf man sie verständlicherweise nicht, auch wenn mir das echt schwerfiel *soifz*. Und in meinen Rucksack packen und mitnehmen durfte ich auch keines! *schmoll*

Zwischen den einzelnen Haltepunkten immer wieder die Fahrt mit dem Taxi durch die enggeschlängelten Serpentinen am Berg, die mich ein ums andere Mal die Luft anhalten ließen, weil es bei Gegenverkehr haarscharf war. Unser Guide plauderte aber locker weiter und steuerte nervenstark und ohne mit der Wimper zu zucken an entgegenkommenden Kleinbussen vorbei, wo ich vermutlich hinter einem Steuer sitzend, vollkommen die Nerven verloren und den Kopf heulend auf’s Lenkrad geworfen hätte, weil’s so abartig eng war. :mrgreen:

Union Jack auf dem (ehemaligen?) Gefängnis

Obwohl es schon spät ist als wir den Felsen verlassen und wir die Rückfahrt schon fast im Dunklen antreten, machen wir auf dem Weg noch den geplanten Abstecher nach Tarifa, besser gesagt zur Punta de Tarifa, dem südlichsten Punkt des europäischen Festlandes. Der Abstand nach Marokko beträgt hier nur 14 km. Zu sehen gibt’s natürlich nichts mehr in der Dunkelheit (die Fotos bringe ich dann in ein paar Wochen mit, dieses Mal sind wir nur ca. 40 km von Tarifa (und übrigens nur 15 km von Gibraltar) entfernt) und es ist schweinewindig – aber immerhin gelingt uns noch ein Blick auf die nahen Lichter der afrikanischen Küste, die ahnen lassen, dass der andere Kontinent nur einen Steinwurf entfernt ist.

Blick auf Afrika

Jetzt fehlt eigentlich nicht mehr viel vom letztjährigen Urlaub. Mal sehen, ob ich das noch hinbekomme, bevor es dieses Jahr losgeht.

Katja

Wenn einer eine Reise tut (6) – Sonnenuntergangsspezial

(Was bisher geschah: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5)

Sonntag, 25.10. Sonnenuntergangsspezial!

Strand, Strand, Strand und ohne Kamera, weil die nicht mit in die Atlantikwellen gekonnt hätte. Abends dann Sonnenuntergang von der Dachterasse aus. Aber sowas von. Der bisher beeindruckendste meines Lebens und ihr dürft jetzt dran teilhaben!

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Ich weiss, ich weiss, die Bilder zeigen alle das selbe. Aber ehrlich – auf diesem sieht das Wölkchen doch ein bisschen goldener aus, welches auf jenem eher rosa ist. Jaaa, oder? 😉

Dieser hohe Balken, den man gelegentlich im Bild sieht, ist übrigens ein Flutlicht, mit dem abends und die halbe Nacht über der Strand und die Wellen beleuchtet werden. Bekloppt das! :mrgreen:

Katja

Wenn einer eine Reise tut (1)

…dann kann er was erzählen. Zugegebenermaßen ist das für mich extremes Neuland. Normalerweise zeige ich nicht mal ungefragt Urlaubsfotos her und selbst gefragt nur recht zögerlich. Andererseits war dieser Urlaub für mich wirklich sehr besonders – nachdem ich jahrelang ausschließlich in Dänemark gewesen bin und dort Strandspaziergänge den Hauptanteil meiner Urlaube der letzten 12, 13 Jahre ausgemacht haben, war diese Reise für mich schon wirklich ungewöhnlich und so wunderbar, dass ich irgendwo ein paar der Erinnerungen festhalten möchte, damit sie nicht innerhalb kürzester Zeit im Alltag versinken.

Und auch wenn es mir fast immer gelingt, nur für mich zu schreiben und zu verdrängen, dass sonst noch wer, meine verschwurbelten Gedanken lesen könnte, habe ich gerade dringender als sonst das Bedürfnis, mich bei den Menschen, die sich gezielt oder auch planlos hierher verirren zu entschuldigen, wenn ich sie jetzt mit meinen „mein schönstes Urlaubserlebnis“ Erzählungen langweile. Kommt einfach später nochmal wieder. Dann gibt’s auch wieder das gewohnte Gedankenchaos. 😉

Montag, 19.10. Los geht’s

Als um 3 Uhr der Wecker klingelte, hatte ich, reisefiebrig wie ich war, noch kein Auge zugetan. Unter die Dusche, in die Klamotten und meine Petra einen letzten Kaffee zubereiten lassen, bevor ich sie ordentlich sauber gemacht und mit Tesafilm verklebt abreisefertig gemacht habe. Sie war dann auch so ziemlich das letzte, was noch an Gepäck fehlte. Und ja: ich weiss, dass es ganz schön verschroben ist, die eigene Kaffeemaschine mit in Urlaub zu nehmen. 😀

In meine wärmste Jacke und den kuschligen Schal gehüllt, war ich nach dem Eiskratzen um halb 5 beim Losfahren froh über die Sitzheizung.
Irgendwas rund um 7 rum passieren wir die französische Grenze. Ausser dass es im Slalom um irgendwelche Hütchen durch eine Baustelle geht, bekommt man nichts mehr davon mit, dass da früher Kontrollen durchgeführt wurden. Mir schießen Erinnerungen an Zolldurchsuchungen mitten in der Nacht auf irgendwelchen französischen Autobahnen in den Sinn, wo die Zollbeamten sich in fitzeliger Kleinarbeit durch unser Kofferraumchaos nach 2 Wochen Campingurlaub, wo quasi nichts mehr in irgendwelchen Taschen verpackt sondern alles lose im Kofferraum und restlichen Auto rumlag, quälten während wir, müde und frierend, neben dem Wagen standen, im Visier eines nur französisch sprechenden Beamten, der den Lauf der Waffe strikt auf uns gerichtet ließ. Urks. Amüsant ist das nur im Nachhinein. Damals – vor gefühlten 100 Jahren – habe ich mich ganz schön unwohl gefühlt.

Die erste französische Raststätte bringt die Erkenntnis / Hoffnung, dass sich an der Hygiene seit meinem letzten Frankreichurlaub vor 13 oder 14 Jahren echt viel getan hat und dass ich französische Kaffeeautomaten mag, weil sie so viele verschiedene Kaffee- und Cappucchinosorten im Angebot haben, dass die Knöpfe nicht ausreichen und Untermenüs hermüssen. Nicht, dass ich was anderes als zuckerfreien Milchkaffee bräuchte, aber kaffeeaffine Menschen / Nationen  sind mir von Haus aus sympathisch. 😀

Wir fahren durch die Berge. Geographiedau wie ich bin, habe ich keine Ahnung welche es sind. Wikipedia verrät mir jetzt im Nachhinein, dass es sich ums Zentralmassiv handeln muss. Gegen halb 11 verzieht sich endlich der dichte Nebel und urplötzlich herrscht herrlichster Sonnenschein. Da wird mir dann endgültig klar, dass ich wieder mal in Frankreich bin. Wow! Der Weg führt uns durch’s Rhônetal und ich kann mich gar nicht an der vorbeiziehenden Landschaft satt sehen. Je weiter in den Süden wir kommen, desto mehr flammt meine alte Liebe zu Frankreich auf. Wie anders sehen die Orte, rechts und links der Autobahn doch im Vergleich zu deutschen Gegenden aus. Die Häuser kleiner, die Dächer flacher und ohne Überhang, die Kontraste zwischen Dächern und Gebäuden schwächer. Alles fühlt sich „weicher“ an und ich habe zum ersten Mal das Gefühl, eine Fahrt nicht nur als lästige Anreise, sondern als wirkliche Reise zu empfinden. So viele Eindrücke gibt es zu sammeln.

Aussicht vom Hotelzimmer

Aussicht vom Hotelzimmer

Gegen 15 Uhr erreichen wir Gruissan, das erste Etappenziel, früh genug um dem winzigen Hotelzimmer mit prächtiger Aussicht direkt wieder zu entfliehen und die vom langen Sitzen müden Beine bei einem Spaziergang durch Gruissan zu bewegen. In die falsche Richtung losgelaufen haben wir uns allerdings in Gruissan Port verheddert.

Gruissan Port

Palme!

Knuddelig, aber sehr touristisch und eindeutig nach Retorte aussehende Häuschen, die sich in Farbgestaltung und Formen immens gleichen. Beim Knipsen der ersten Palme erscheint das Eiskratzen keine 12 Stunden früher sehr unwirklich.

Rückseite des Hotels

Rückseite des Hotels

Einige Stunden später dann machen wir uns nochmal auf die Socken, um das „echte“ Gruissan anzuschauen, die Festung zu erklimmen, die man vom Hotelzimmer aus sehen kann.

Wow! Obwohl alles zusammen Gruissan ist, sind der Hafen-(Touri)teil und der alte Ortskern komplett unterschiedliche Welten. Frankreich at its best! Enge verwinkelte Gässchen, die sich kreisförmig um den Berg mit der alten Festung winden und bei denen man kaum glauben kann, dass sie befahren werden dürfen – so eng wie sie aussehen.

verwinkelte Gassen

verwinkelte Gassen

Gruissan Village

Gruissan Village

Miez!

Miez!

Die Häuser bieten einen wilden Mix von total verfallen bis zu liebevoll restauriert und gepflegt, mittendrin die wimpelgeschmückte Kirche, an deren Seite die Treppen hoch zur Ruine vorbeiführen. Ganz nach oben kommen wir leider nicht mehr. Um 18 Uhr wird das eiserne Tor bei der Kirche geschlossen und versperrt den Weg zur Ruine.

Kirche Gruissan

Kirche Gruissan

Ruine

Ruine

Wirklich böse bin ich nach dem langen Tag nicht drum. Ein letzter Umweg am Etang de Gruissan vorbei, Fischernetze und Möwen gucken, und dann endlich schlafen.

Etang de Gruissan

Etang de Gruissan

Katja (die selber gerade sehr gespannt ist, ob die Schreibenergie für den Rest des Urlaubs auch noch ausreicht :D)