Kraftgrenze

Manchmal reicht eine wirkliche Kleinigkeit aus, um mir wieder mal deutlich vor Augen zu führen, wie wacklig das alles ist.

Ich war heute aus Gründen nicht in der Kleinen Stadt sondern in einem Nachbarort einkaufen. Im Grunde in den gleichen Läden, in die ich auch hier gehe und doch hab ich zwischendrin irgendwann gedacht, ich müsste dringend aus dem Laden flüchten und nach Hause fahren und mir schnellstmöglich die Decke über den Kopf ziehen.

Das, was mir hier mittlerweile seit vielen Jahren (zumindest meistens) wieder total ’normal‘ erscheint und worüber ich meist nicht viel nachdenken muss, hat mich heute alleine dadurch total geschafft, dass es nicht in der vertrauten Umgebung stattfand. Die Läden, auch wenn sie zu den gleichen Ketten gehören, sind anders eingeräumt, nichts da, wo es hingehört, kein vertrautes Gesicht beim Personal… Wieviel Sicherheit mir diese kleinen Dinge üblicherweise geben und wie sehr die mich vor der Angst schützen und bewahren, ist mir gar nicht mehr bewusst. Man bemerkt Ich bemerke sowas tatsächlich oft erst dann, wenn es fehlt, wenn es anders ist. Wenn ich Sachen suchen muss, statt sicher den Arm an der richtigen Stelle auszustrecken und nach den Dingen zu greifen. Suchen, den Blick schweifen lassen, diese unsicheren äusseren Gesten machen mich auch innen unsicher.

Ich bin nicht rausgelaufen und nicht nach Hause geflüchtet, um mir die Decke über den Kopf zu ziehen. Ich bin sogar hinterher noch hier zum Lieblingsbäcker (juhu, ein vertrautes Gesicht!). Aber kaum, dass ich zu Hause war, fühlte ich mich wie ein Luftballon, dem gerade sämtliche Luft entwichen ist. Umfassend erledigt.

Und stattdass ich mich drüber freuen könnte, dass ich nicht mittendrin aufgegeben habe, ärgere ich mich darüber, dass mich das so fertig gemacht hat. Dass ich da längst nicht so stark und sicher bin, wie ich dachte, zumindest nicht, wenn irgendwelche vertrauten, Halt gebenden Parameter wegfallen. Und ich weiss, dass der Ärger total doof ist und ich lieber von der anderen Seite aus drauf gucken sollte und doch geht das gerade gar nicht und ich sehe nur das, was nicht geht, statt das, was geht.

Ätzend das!

Katja

Umlernprozess

Vielleicht eine meiner wichtigsten Erkenntnisse in den letzten Wochen (genauer gesagt auf meinem Lernweg, mich selber anzunehmen und zu versuchen, mich zu mögen, anstatt mich immer selber fertig zu machen und klein zu halten) war jene, dass es völlig ok / erlaubt / legitim ist, wenn ich das (versuche zu) lerne(n).

Das mag nach einer unglaublich simplen Erkenntnis klingen und vermutlich ist sie das auch, aber trotzdem ist mir tatsächlich erst jetzt aufgegangen, dass das eine der Stellen ist, wo es innerlich bei mir bei sämtlichen Umdenkversuchen hakt.

Jeden Versuch, mich selber zu trösten, nicht so streng mit mir zu sein, mir selber Mut zu machen, habe ich doch an einer späteren Stelle noch selber sabotiert, nämlich mit dem Schuldgefühl, das einsetzt, sobald ich etwas Positives über mich denke. Bzw. genügt dafür sogar schon, mir gezielt Positives zu sagen. Davon, tatsächlich so zu denken, bin ich ja ohnehin noch weit entfernt.

Jetzt also noch eine zusätzliche Stelle, an der mir immerhin schon bewusst wird, wo meine alten Muster anspringen, an der ich immerhin mittlerweile merke, dass da diese schädliche Stimme im Kopf einsetzt.

Zum Beispiel: ich lasse etwas fallen. Die Stimme im Kopf höhnt los, wie typisch das wieder mal ist und dass ich nix kann und zu blöd zu allem bin. Ich bemerke mittlerweile recht gut solche Abwertungen und versuche gezielt gerade zu rücken, dass ich nicht mehr so denken möchte und dass daraus etwas fallen zu lassen, längst nicht folgt, dass ich eine Versagerin auf ganzer Linie bin. Und nicht nur, dass mir das eh schon schwer fällt, mich da gegen mich selber zu verteidigen – diese Stimme im Kopf geht jetzt weiter und setzt dort an, dass ich mir das ja wohl selber nicht glaube und diese Milde ja wohl auch kaum verdiene. Dazu Schuldgefühle dafür, dass ich denke mich mögen zu dürfen…

Immerhin erkenne ich jetzt diese nächste Stolperstelle (häufig) und letztens abends ging mir auf, dass ich mir vielleicht einfach endlich erlauben sollte/könnte, mich selber zu mögen. Vielleicht setzt das die Sperre im Kopf endlich ausser Gefecht.

Das wirkt schon beim Denken irgendwie skurril und lächerlich und es ist mir ein bisschen peinlich, diese Art des inneren Streits mit mir selber überhaupt hier aufzuschreiben. Ich will es trotzdem hier notieren, denn für mich ist das gerade ein wichtiger Schritt, den ich weiterkomme und ich möchte das festhalten – vor allem auch, um es für mich abrufbarer zu halten, wenn die nächste dahingehende Stufe auftaucht.

Auch wenn ich vom ‚echten‘ Umdenken noch weit entfernt bin, alleine die Tatsache, dass mir die selbstabwertenden Gedanken als solche mittlerweile oft bewusst sind und ich mir da selbst Einhalt gebieten kann, fühlt sich schon deutlich besser an.

Katja

 

 

Gedankengeschwurbel über Freundschaften und ein Umdenkversuch

Immer wieder piekst das Thema, mal deutlicher mal weniger schlimm, aber immer irgendwie präsent. Mir fehlt hier eine Freundin in direkter unmittelbarer Umgebung, jemanden mit dem ich mich gelegentlich an einen Tisch setzen, einen Kaffee schlürfen, quatschen kann.

Vor ein paar Tagen gab es so einen tiefen Stich. Ich habe eine Mail bekommen und bin beim Lesen der Absenderin fast vom Stuhl gefallen. Meine Freundin aus Kindertagen, jene für die ich, seit sie seit ein paar Jahren auf keinen meiner Kontaktversuche mehr reagiert hatte, jedes Jahr zu ihrem Geburtstag hier Geburtstagsgrüße im Blog hinterlasse (zB hier), weil es für mich einfach undenkbar ist, ihr an ihrem Geburtstag nicht zu gratulieren. Es war der erste nach meinem eigenen, den ich auswendig wusste.

Und ich mache die Mail auf und sie ging nicht nur an mich, sondern ohne BCC (was mich üblicherweise völlig irre machen würde) scheinbar an ihr gesamtes Adressbuch, mich und weitere 85 Empfänger und zwischen einem Christoph und einem Eugen taucht da auch mein Name und meine (alte) Mailadresse auf und darin findet sich nichts ausser einem sinngemäßen ‚öffnet keine Anhänge in Mails von mir, irgendwas ist hier bei meinem Mailkonto komisch‘.

Nach dem Lesen sitze ich da, weiss nicht, ob ich lachen oder weinen soll, kann zweiteres aber nicht zurückhalten. Ein Lebenszeichen, es gibt sie noch, sie hat noch ihre alte Mailadresse – also vermutlich auch meine Mails bekommen, nur nicht beantwortet und ich kann mir nicht mehr länger vormachen, dass sie vielleicht einfach nicht angekommen sind.

Seitdem bin ich ratlos, weiss nicht, ob ich die Mail einfach ignorieren kann (soll) oder vielleicht darauf antworten und doch nochmal einen letzten Versuch unternehmen, sie zu erreichen. Warum macht sie sowas? Warum hebt sie meine Mailadresse auf und lässt die nicht wenigstens bei den Empfängern solcher Massenmails raus, wenn sie sonst auf keinem Kanal auf meine Kontaktversuche reagiert? Das reisst soviele Wunden (und soviel Sehnsucht) auf einmal auf. (Bitte macht das besser! Solltet ihr mal jemanden aus eurem Leben streichen, dann streicht sie/ihn auch als Empfänger aus solchen Massenmails!)

*

Fast 2,5 Jahre ist es her, dass ich via Onlineanzeige nach einer Freundin hier in der Gegend gesucht hatte. Ungefähr ein Jahr ist es her, dass jene Freundin, die ich über diese Anzeige gefunden hatte, mir ein Ultimatum gestellt und damit die noch frische Freundschaft wieder beendet hat. Und auch das nagt immer noch, auch wenn ich mittlerweile denke, dass es so vermutlich besser war. Seit ich vor ein paar Wochen mit Ralph bei Twitter auf das Thema kam, überlege ich, ob ich das einfach nochmal versuchen soll, mit einer solchen Anzeige, aber ich traue mich nicht.

Heute habe ich eine Mail von dem Kleinanzeigenportal bekommen, wo ich damals die Anzeige veröffentlicht hatte. Die ist tatsächlich immer noch online, nur sehr nach hinten durchgerutscht und heute hat tatsächlich noch jemand darauf geantwortet. Diese Frau hat 54 Seiten mit je 20 Anzeigen durchgeklickt bis sie bei meiner angekommen war und hat nach fast 2,5 Jahren noch darauf geantwortet. (Deprimierend übrigens: viele der Anzeigen, die jetzt aktuell unter Bekanntschaften in der Gegend drin stehen, gab es fast wortgleich vor 2,5 Jahren schon so und diese Leute suchen scheinbar auch immer noch nach Freunden.) Seitdem ich die (leider sehr kurze und quasi nichtssagende) Nachricht gelesen habe, dreht sich wieder alles in mir. Da ist so viel Hoffnung und Angst gleichzeitig und ich begreife zum ersten Mal wirklich, weswegen Menschen, die schlechte Erfahrungen gemacht haben, manchmal solche Schwierigkeiten haben, wieder zu vertrauen und sich auf andere Menschen einzulassen. Natürlich betrifft das meist Beziehungen, aber für mich fühlt es sich genauso schwierig und frustrierend an, eine Freundin zu finden.

Und ich merke, wie fest und tief immer noch dieses selbst Niedermachen sitzt. Meine Angst ist immer nur einseitig, immer nur in die Richtung, dass ich nicht genügen könnte, zu feige, zu wenig unternehmungslustig, zu verschlossen, zu ruhig, zu klein, zu schüchtern, zu aufgeregt, zu depressiv, zu gestört, zu alles sein könnte und deswegen falsch bin und nicht in das Raster Freundin passe.

Ich kann nicht denken „ok, ich antworte mal auf die Nachricht und wenn sich rausstellt, dass die Frau doof ist, dann muss ich sie ja nicht treffen“ – in meinem Kopf gibt es nur „oh je und was ist, wenn sie mich doof findet und es dann wieder nichts wird?“.  Und wenn ich wenigstens weiterdenken würde (ohne mich hier jetzt bewusst dazu zu zwingen das aufzuschreiben, sondern als natürliche Folge des letzten Gedankens) „oh ok, wenn sie mich doof findet, dann wäre sie ja eh nicht die richtige Freundin für mich gewesen“, aber dafür fehlt mir das Bewusstsein, dass ich ja gar nicht doof bin. Wenn sie mich doof findet, hat sie recht und es liegt an mir.

Umdenkversuch:

(Vielleicht kommt es ja tatsächlich irgendwann bei mir an, wenn ich endlich anfange, mich dahingehend zu korrigieren – auch wenn ich das selber (noch) gar nicht glauben kann.)

Ich bin kein schlechter Mensch und keine schlechte Freundin. (Ich weiss nicht, ob etwas dran ist, aber ich habe mal gelesen, das Hirn blendet Verneinungen aus, deswegen besser andersrum.)
Ich bin ein guter Mensch und eine gute Freundin. Ich bin freundlich, großzügig, fürsorglich, warmherzig, empathisch und manchmal sogar lustig. Ich kann gut zuhören und Verschiedenartigkeit annehmen ohne sie zu (be-)werten. Ich bin offen und ehrlich und ich lüge nicht aus Bequemlichkeit. Was ich sagen will, sage ich eher in den Zeilen als dazwischen.

Ufff. Ich weiss nicht, ob ich mich gleich traue, das so zu veröffentlichen. Ich glaube, ich habe noch nie so sehr versucht, mich von einer positiven Seite zu betrachten. Üblicherweise verleihe ich mir eher die Attribute naiv statt freundlich und gluckenhaft statt fürsorglich und ich komme mir gerade vor als würde ich eine Mogelpackung kreieren und mir selber falsche Werbeversprechen aufdrucken.

Aber vielleicht ist es gerade der Punkt, dass ich das nicht nur mir selber so andrehen muss, sondern zusätzlich auch noch die furchtbare Scham überwinden, so positiv öffentlich über mich zu reden bzw. zu schreiben. (Nochmal uffff.)

(Und entschuldigung für die vielen Klammern, die nicht gerade die Lesbarkeit unterstützen, aber ich habe das gerade nicht ohne hinbekommen.)

Katja

Falsche Fährte

Wo kann man einen Anfang finden, auf dem Weg sich selber zu mögen und wertzuschätzen? Wo nur? In einem Buch habe ich als Aufgabe gelesen, eine Liste zu machen, 10 Dinge aufzuschreiben, die man an sich selber mag. Anfangs hat mich das das Buch weglegen lassen, mehrfach immer an der gleichen Stelle, weil mich diese Aufgabe so überfordert hat. Da ist nichts Liebenswertes, da gibt es nichts, was ich mag. Dann, wenn ich versucht habe, nicht direkt vor lauter Panik dichtzumachen, konnte ich nur an die Dinge denken, von denen ich wusste, dass andere sie an mir schätzen. Weil diese anderen mir das irgendwann gesagt hatten. Katja ist soundso, Katja kann dasunddas besonders gut. Irgendwann, vor noch nicht gar so langer Zeit, habe ich mich, Jahre nachdem ich zum ersten Mal diese Aufgabe in diesem Buch gelesen habe, hingesetzt, um eine solche Liste zu machen, mit Dingen, die ich an mir mag. Und zum ersten Mal sind mir tatsächlich ein paar Punkte – längst keine 10 – eingefallen. Immerhin ein Anfang auf dem Weg, mich irgendwie gut zu finden.

Aber eben kam mir der Gedanke, dass das alles vielleicht genau die falsche Herangehensweise ist. Ich bin mir gegenüber oft unerbittlich und streng. Wenn ich eine Eigenart an mir entdecke, die ich für wenig erstrebenswert und wünschenswert halte, dann zerfleische ich mich gerne selber dafür, werte mich selber ab. Und genau da ist vielleicht das Problem mit dieser Positivliste. Auf die schreibe ich nämlich nur ‚gute‘ Dinge, Eigenschaften. Wie aber kann ich anfangen, mich als ganzen Menschen zu mögen und wie kann ich aufhören damit, mich selber in so vielen Situationen abzuwerten, wenn ich dieses interne ‚gut‘ vs. ‚böse‘ Ranking immer weiter betreibe, wenn ich mich nur meiner guten Eigenschaften wegen mag und annehme, und mich für alles andere selber fertig mache?

Sollte ich nicht genau dann, wenn ich etwas an mir entdecke, bemerke, was mir nicht gut tut, nicht gut gefällt, weniger streng und mehr verständnisvoll mit mir umgehen, um endlich zu einem positiven Selbst(wert)gefühl zu kommen? Gerade erscheint mir das so logisch, dass es ja eigentlich nur besser werden kann, wenn ich anfange, mich als ganze zu mögen, auch meine Macken und die Dinge, mit denen ich noch zu kämpfen habe und auch die Tatsache, dass ich noch zu kämpfen habe, weil das alles zu mir gehört.

Ich glaube, das liest sich alles sehr wirr, irgendwie fühlt es sich auch noch recht wirr an und ich habe natürlich überhaupt keine Ahnung, selbst wenn es so richtig ist, wie ich das dann anpacken soll, aber ich musste das jetzt dringend so ins Unreine hier festhalten, bevor mir der Gedanke wieder wegglitscht.

Katja

 

Innerer Schluckauf

Eigentlich bin ich gar kein sehr ordentlicher Mensch. Trotzdem hat bei mir jedes Dings seinen festen Platz und ich muss so gut wie nie etwas suchen. Obwohl ich auch im Suchen oder eigentlich eher im Finden von Sachen echt gut bin. Da ist irgendein Programm in meinem Kopf, das immer im Hintergrund mitläuft und das dafür sorgt, dass ich dauernd im Alltag unterbewusst mitschneide, wo Dinge sich befinden. Ich muss deswegen fast nie physisch etwas suchen, sondern nur in meiner Erinnerung graben, wo ich das Dings zuletzt gesehen habe.

Ich kann nicht gut mit Veränderungen umgehen und Reisen, so sehr ich es liebe, ist immer ganz viel Veränderung. Üblicherweise gibt es mir dann, gerade unterwegs bei der langen Anreise nach Spanien mit vielen fremden Orten, Menschen, Hotels und Betten, Halt, dass auch in den Taschen für unterwegs jedes Ding einen festen Platz hat. Jetzt haben wir vorm Urlaub einen neuen Rucksack mit einer anderen Fächereinteilung gekauft und auch ansonsten bekam ich es dieses Mal nicht gut hin, mir zu merken, wo die einzelnen Sachen waren und ich musste dauernd suchen – also so richtig mit Kram durchwühlen.

Und ich merke,  dass mich das wirklich mitgenommen hat und wie es in mir gerade noch trotz der tollen Umgebung schluckauft, weil mir dieser Halt fehlt, der mich auch innerlich sortiert.

Katja

Verlernt

Nachdem so lange Zeit so viele meiner Gedanken durch die Finger in die Tastatur gepurzelt sind, fühlt es sich komisch (merkwürdig komisch, nicht lustig komisch) an, dass mir das gerade gar nicht gelingen mag. Ich fange an, stocke, kann auf einmal nicht mehr ausblenden, dass – obwohl ich eigentlich ja (fast) nur schreibe, um meinen Kopf zu sortieren – es Menschen gibt, die das lesen, was ich schreibe und auf einmal verunsichert mich das vollkommen. Ich hinterfrage jeden doofen Gedanken auf Gültigkeit, Richtigkeit, ob ich mich damit blamieren könnte, ob ich mich damit angreifbar mache. Ich denke auf einmal darüber nach, was irgendwer – wen ich noch nicht mal kenne – über mich denken könnte und inwiefern das für mich relevant werden könnte. Die Leichtigkeit will einfach nicht zurückkommen, egal ob ich testweise einfach nur in die Entwürfe tippe oder ob ich direkt ’nen Bogen um den Rechner mache, um auf andere Gedanken zu kommen.

Ich weiss nicht, ob das gut ist oder schlecht. Dass das Blog mir so wichtig ist, war, whatever, ist nicht gut, weil es mich so verletzlich und empfindlich macht. Wenn es mir nicht so wichtig ist, wäre, whatever, dient es aber genau dem Zweck – ungefiltert Gedanken aus dem Kopf zu entlassen und während des Schreibens darüber nachzudenken – nicht mehr. Ich fühle mich gehemmt, gefangen, ärgere mich über mich selber, weil mir das so dämlich zusetzt, überlege schon wieder, ob ich das überhaupt veröffentlichen kann, dass es mir so zusetzt oder ob das total übertrieben und doof wirken könnte. Ich kann nicht aufhören, an mir selber zu zweifeln und das frisst mich von innen her auf. Genau wie die ganzen Gedanken, die sich unüberwindbar auftürmen, die sich spiralig wickeln. Mir wird jeden verfluchten Tag wieder auf’s neue bewusst, wie gut mir das Schreiben getan hat und trotzdem sind es verdammt seltene Momente geworden, wo ich mich traue, die Gedanken einfach wieder sprudeln zu lassen – und wenn es nur für mich ist.

Alles fühlt sich anders an, falsch, komisch, verzerrt, wie durch Milchglas. Ich habe viel Vertrauen in mich und meine Wahrnehmung, vor allem die Selbst- eingebüßt und ich bin völlig ratlos, wie ich das wieder loswerden und / oder hinbekommen soll. Und ebenso ratlos, ob ich das überhaupt wieder loswerden und / oder hinbekommen sollte, vergessen, verdrängen, einfach so tun als wäre es nicht gewesen und mich wieder so sehr auf das Schreiben einlassen. Auf die Gefahr hin, dass ich weiterhin solche Schwierigkeiten habe, in der Spur zu bleiben, mich von eigentlichen Kleinigkeiten so umhauen zu lassen.

Es ist echt lange her, dass ich mich in einer Sache innerlich so zerrissen gefühlt habe und es fühlt sich so schleppend an und ich bin so ratlos, wie ich mich damit richtig auseinandersetzen kann, wenn nicht schreibend.

Katja

Kabelsalat

Manchmal hilft alles Brot backen, im Garten rumwuseln und Wohnung aufräumen nicht, um in mir wieder ein bisschen mehr Ruhe und Ordnung herzustellen.

Viel zu viele unzusammenhängende und irgendwie doch zusammenhängende Gedanken schießen durch meinen Kopf und ich schaffe es nicht, sie mir nacheinander vorzuknöpfen und / oder sie irgendwie aufzudröseln. Stattdessen fühlt es sich an, wie der Kabelsalat unterm Schreibtisch aussieht. Nur, dass es fieserweise im Kopf nicht so leicht ist, zur Not einfach einen Stecker nach dem anderen aus der Steckdose zu ziehen und mich am Kabel langzuhangeln um zu sehen, wo es herkommt / hinführt.

Die Sache mit der (Selbst-)Wahrnehmung beschäftigt mich immer wieder, weil ich glaube, dass das irgendwie der Schlüssel ist, weil das ganz eng mit der Unsicherheit und den Selbstzweifeln verknüpft ist. In den letzten Wochen und Monaten habe ich viel über mich gelernt, habe Dinge (wieder-)gefunden, die mir helfen, mich auf mich zu besinnen. Mir war nie klar, wie wortwörtlich Selbstbewusstsein funktioniert, weil ich das (vermutlich?) nie war. Selbst bewusst. Brot backen, Gartenarbeit, Schreiben – all diese Dinge machen mich mir selbst bewusst, geben mir ein ‚das bin ich und damit bin ich OK‘-Gefühl. Das ist eine Basis, zum vermutlich ersten Mal in meinem Leben eine in mir drin, die mir bewusst ist. Das bin ich. Also nicht zwingend das brotbackende, gartenarbeitende Dingens, aber dieses OK-mit-mir-Gefühl.

Dass diese Basis noch ganz schön wacklig ist und den Namen eigentlich noch gar nicht verdient, merke ich gerade. Ich kann gerade nichts machen, ohne das was ich tue und ohne mich in Frage zu stellen. Bin ich überhaupt OK so, wie ich bin? Das habe ich irgendwie in den letzten Tagen verloren, kann’s nicht mehr spüren. Ich tue die gleichen Dinge, ganz bewusst jene, von denen ich weiss, dass sie das eigentlich bewirken, aber das unbekümmerte einfach-machen ist gerade weg und ich kann nicht anders als mich selber ständig prüfend zu „betrachten“ und mich zu fragen, ob das überhaupt OK so ist, wie ich etwas mache, wie ich bin oder ob dieses ganze Gefühl etwas wäre gut, eigentlich nur eine Illusion war, die mich selber getäuscht hat.

Ich kann gerade nicht mehr beurteilen, einschätzen, ob ich etwas oder irgendwie tatsächlich bin oder ob ich eigentlich die ganze Zeit nur geglaubt habe, so zu sein. Und wer oder wie ist man eigentlich überhaupt? Der, der man selber denkt zu sein oder der, der jemand anderes denkt, dass man sei? Oder gar nichts davon? Was, wenn meine eigene Psyche (oder whatever) mir die ganze Zeit nur vorgaukelt, irgendwie zu sein und ich stürze mich drauf und glaube es, weil ich  gerne so wäre, aber tatsächlich bin ich es nur in meiner eigenen, überaus begrenzten Wahrnehmung?

Jemand erzählte mir vor einiger Zeit, dass (und ich hoffe, mich einigermaßen korrekt an die Zahlen zu erinnern) über 70% (?) der britischen Frauen zwischen 16 und 4x (?) an behandlungsbedürftiger Selbstüberschätzung leiden. Als ich das hörte, war es für mich komplett unvorstellbar und ich wünschte mir nur eine kleine Portion des zugrunde liegenden Selbstbewusstseins. Gerade wankt irgendwie alles und ich frage mich, ob ich eigentlich auch zu denen gehöre und das, wie ich mich wahrnehme, eine völlige Selbstüberschätzung ist. Und eigentlich weiss ich (dachte ich), dass das völliger Blödsinn ist, weil wenn ich etwas nicht bin, dann besonders (selbst)sicher. Aber trotzdem wankt seit Tagen wieder alles, von dem ich dachte, dass es gut an mir sei und ich bin nicht mehr sicher, ob das jemals da war oder ob ich mir einfach nur eingeredet habe, dass ich so bin / war, weil ich gerne so wäre.

Und dann muss ich an Schuhe denken und das, obwohl ich überhaupt gar nix auf Schuhe gebe und sie primär deswegen trage, um nicht dauernd in spitze Steine zu treten oder um keine kalten Füße zu bekommen und ich frage mich, wieso ich mir quasi jeden Schuh, den ich auch nur ansatzweise von jemandem hingehalten bekomme, direkt anziehen muss und wieso ich in manchen Momenten überhaupt nicht mehr beurteilen kann, ob er mir überhaupt passt oder nicht. Er ist da, ich ziehe ihn an. Und ich kann nicht mehr einschätzen, ob ich ihn tatsächlich hingehalten bekomme oder ob er irgendwie in irgendeiner Ecke rumstand und ich hab ihn entdeckt und mich draufgestürzt. Und je hässlicher und abgewetzter der Schuh ist, desto leichter scheint es mir zu fallen, ihn überzuziehen.

Und dann ist da auch immer noch der Gedanke, dass es nicht gut ist, dass dieses Blog mir so sehr Anker und Halt geworden ist, weil ein Haltpunkt genau dann eigentlich keiner ist, wenn er so leicht ins Wanken geraten kann. Wenn der (vermeintliche) Verlust des Bodens mich dann logischerweise ins Bodenlose fallen lässt, weil das, was mich eigentlich auffängt, gerade das ist, was mich in die Tiefe zieht. Speziell dabei bin ich ziemlich ratlos, wie ich einen für mich sinnvollen Weg finden soll. Das geht so gar nicht.

Alles unausgegoren, durcheinander, schwankend. Ich hoffe, dass wenigstens noch gilt, dass mein Kopf ein bisschen Ruhe gibt, wenn ich’s aufgeschrieben habe.

Katja