Wie auf’s Stichwort…

Dieses Gefühl, wenn es manchmal nur eines Stichwortes oder ein paar weniger Sätze bedarf und ganz unerwartet fängt es an, in dir zu purzeln. Da fallen Puzzleteile plötzlich wie von selbst an die richtige Stelle vor deinen Füßen und dann siehst du auf einmal die Linien und Muster und Zusammenhänge, die dir vorher verschlossen waren und die teilweise nicht mal nur vom Verstehen her verschlossen waren sondern von deren schierer Existenz du bis zu jenem Stichwort und den folgenden Gedanken nichts gewusst hast.

Haaapuh! Ach so ist das? Aber das bedeutet ja…

Und du verstehst an einer neuen Stelle, bei einem neuen Gebiet, bei einer deiner ‚Macken‘, deiner Eigenarten was es damit auf sich haben könnte, lernst etwas über dich, an einer Stelle, an der dir gar nicht bewusst war, dass es dort gerade etwas zu lernen gibt, weil du dir die (dazu passende) Frage nie gestellt hattest.

Ach so ist das!

Dann fällt dir auf einmal die frisch gefundene Erkenntnis wieder aus den Händen, rollt über den Boden, auf die offene Kellertür zu, kullert hopsend die Treppe runter, springt ein letztes Mal und landet im Regal zwischen all dem Kram, der dort schon rumliegt, zielsicher, genau in einer Lücke, die dir vorher nicht mal aufgefallen war. Du merkst: ach da kommt das her und da passt das rein? Und du hoffst, dass auch diese Erkennen-Verstehen-Bemerken-Umlernen-Kette sich irgendwann schließen wird. Den Anfang davon hast du gerade zumindest in den Händen und den nimmt dir erst mal keiner mehr…

(Und du denkst dir: Krasser Shice! Was kommt denn da noch alles?)

[A big shout-out to the one with the keyword! Again.]

Katja

Erinnerungsnotiz: Veränderung

Es fühlt sich nicht anders an, zumindest nicht bewusst und zumindest bisher noch nicht und doch wird mir derzeit häufig bewusst, dass sich (endlich) etwas bewegt in meinem Denken und Fühlen.

Ich merke, meist erst hinterher und wenn ich tatsächlich darüber nachdenke, dass Situationen, die mich früher in ein Loch hätten fallen lassen, mir längst nicht mehr so nahe kommen.

Da ist zB diese Frau auf diesem Portal, bei dem ich mich angemeldet habe. Wir tauschten ein paar Mails, sie stellte irgendwann eine Frage, die ich seltsam fand. Ich antwortete ihr zwar, traute mich aber auch zu schreiben, dass ich die Frage seltsam finde. Das ist eigentlich sehr banal, aber etwas, was ich früher nicht gemacht hätte, denn in meiner Wahrnehmung wäre es früher immer so ausgegangen, dass ich einfach zu empfindlich bin und dass es nur an mir lag, dass ich diese Frage merkwürdig finde. Dann ging es weiter und sie war (so vermute ich zumindest) irritiert, dass ich das geschrieben hatte. Ich habe versucht zu erklären, ich glaube aber sie hat gar nicht verstanden, worauf ich hinauswollte und ich überlegte ein paarmal, ob das schon ein Hinweis darauf ist, dass wir wellenlängentechnisch einfach zu weit voneinander entfernt sind.

Dann, nach ein paar Tagen, schrieb sie mir – für mich aus relativ heiterem Himmel, denn ihre letzte längere Mail wartete noch auf eine Antwort von mir – sie wolle den Kontakt lieber abbrechen, es hätte aber nichts mit mir zu tun.

Und ich las die Mail und ich dachte ‚Hm ok. Das hätte vermutlich eh nicht so gut gepasst.‘. Dann schrieb ich ihr eine kurze Antwort, wünschte ihr alles Gute und dann machte ich mit der Sache weiter, an der ich vorher gewesen war.

Krasser Shice!

Ich, die ich bis vor kurzem nach einer solchen Mail vermutlich den Rest des Tages weinend verbracht hätte.
Ich, die ich bis vor kurzem angefangen hätte, mich selber zu zerfleischen, dass ich etwas so Falsches gemacht habe, dass diese Frau sich zurückzieht noch bevor wir uns ein bisschen kennenlernen konnten.
Ich, die ich bis vor kurzm gedacht hätte, dass ich mich nicht genügend angestrengt hätte, so zu sein, wie sie mich mögen könnte.
Ich, die ich bis vor kurzem gedacht hätte, dass ich gar keine Freunde verdient habe, weil ich so anders und so falsch bin und dass Menschen mich nur so lange mögen, bis sie mich näher kennenlernen.
Ich, die ich bis vor kurzem über Wochen nachts wachgelegen hätte und mich damit gequält hätte, das unbedingt verstehen zu wollen, mich versichern zu wollen, dass es tatsächlich nichts mit mir zu tun hat, hätte nachfragen und erklären wollen, weil ich mich sicherlich falsch verstanden gefühlt hätte.

Das ist neu und anders und für mich sehr krass. Ich glaube, es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich nicht in ewiges Grübeln, Selbstvorwürfe und Schuldgefühle versunken bin, sondern – so vermute ich zumindest – einen etwas realistischeren Blick auf die Situation haben konnte. Wer weiss, was für eine Geschichte die andere mit sich herumträgt, wer weiss, was bei ihr in den Tagen rund um den Mailwechsel noch so im Leben los war, wer weiss…? Natürlich kann es sein, dass es meine Bemerkung war, die ihren Kontaktabbruch ausgelöst hat. Aber, wenn sie nicht in der Lage ist, dann darüber mit mir zu reden und das zu klären, was ich durchaus versucht habe, dann ist das – ausnahmsweise – mal nicht mein Problem und wenn sie solche Dinge nicht mal wieder klären möchte oder kann, dann hätte das tatsächlich nicht gepasst mit uns und ich wäre damit eh nicht glücklich geworden.

*

Zum Jahreswechsel formulierte ich einen einzigen Wunsch und Vorsatz für 2015  und ich wusste und weiss, dass ich vor allem Geduld und Beharrlichkeit aufbringen muss, um endlich meine eingetretenen Denkmuster hinter mir lassen zu können. Bis Mitte Januar habe ich noch gebraucht, um mich endlich aufzuraffen. Seitdem verbringe ich wirklich viel und fast täglich Zeit damit, die Nase (wieder) in Ratgeber zu stecken, um die ich vorher lange Jahre einen Bogen gemacht habe, ich mache Übungen, ich notiere mir Dinge, ich merke, wenn ich schlecht über mich selber denke und versuche, meine Gedanken zu korrigieren. Ich merke, wie in den letzten Wochen ein paar Dinge wie Puzzleteile einrasten und wie ich immer deutlicher verstehe, wo die Gedanken herkommen. Ich merke, wie es mir mal gelingt, mit Abstand daraufzusehen und wie ich dann, vor allem, wenn es mir schlecht geht, wieder ganz tief mitten drin hänge und nicht rauskomme. Aber das alles ist mir gerade Zeichen von Bewegung. Denn selbst, wenn ich tief drin hänge, fällt mir das Drinhängen auf und ich weiss oft, woran es liegt. Das fühlt sich alles irgendwie sehr meta an, als würde ich mich im Erleben und Denken von aussen betrachten.

Und dann gibt es solche Ereignisse, wie das oben beschriebene, bei denen mir erst hinterher irgendwann im Laufe der nächsten Tage aufgeht, wie anders ich darauf reagiert habe als ich das früher hätte. Mir wird dann schlagartig dieser frühere Ablauf und all die negativen Gedanken und Gefühle, die das eigentlich nach sich gezogen hätte, bewusst, die einfach so ausgeblieben sind. Das sind die Momente, in denen ich tatsächlich merke, dass ich voran komme, dass die Zeit gut investiert ist und meine Methode doch irgendwie zu funktionieren scheint.

Und – was noch viel schwerer wiegt – ich bekomme eine Ahnung davon, wie sich das Leben anfühlen könnte, vielleicht irgendwann mal anfühlen wird.

Katja

Umlernprozess

Vielleicht eine meiner wichtigsten Erkenntnisse in den letzten Wochen (genauer gesagt auf meinem Lernweg, mich selber anzunehmen und zu versuchen, mich zu mögen, anstatt mich immer selber fertig zu machen und klein zu halten) war jene, dass es völlig ok / erlaubt / legitim ist, wenn ich das (versuche zu) lerne(n).

Das mag nach einer unglaublich simplen Erkenntnis klingen und vermutlich ist sie das auch, aber trotzdem ist mir tatsächlich erst jetzt aufgegangen, dass das eine der Stellen ist, wo es innerlich bei mir bei sämtlichen Umdenkversuchen hakt.

Jeden Versuch, mich selber zu trösten, nicht so streng mit mir zu sein, mir selber Mut zu machen, habe ich doch an einer späteren Stelle noch selber sabotiert, nämlich mit dem Schuldgefühl, das einsetzt, sobald ich etwas Positives über mich denke. Bzw. genügt dafür sogar schon, mir gezielt Positives zu sagen. Davon, tatsächlich so zu denken, bin ich ja ohnehin noch weit entfernt.

Jetzt also noch eine zusätzliche Stelle, an der mir immerhin schon bewusst wird, wo meine alten Muster anspringen, an der ich immerhin mittlerweile merke, dass da diese schädliche Stimme im Kopf einsetzt.

Zum Beispiel: ich lasse etwas fallen. Die Stimme im Kopf höhnt los, wie typisch das wieder mal ist und dass ich nix kann und zu blöd zu allem bin. Ich bemerke mittlerweile recht gut solche Abwertungen und versuche gezielt gerade zu rücken, dass ich nicht mehr so denken möchte und dass daraus etwas fallen zu lassen, längst nicht folgt, dass ich eine Versagerin auf ganzer Linie bin. Und nicht nur, dass mir das eh schon schwer fällt, mich da gegen mich selber zu verteidigen – diese Stimme im Kopf geht jetzt weiter und setzt dort an, dass ich mir das ja wohl selber nicht glaube und diese Milde ja wohl auch kaum verdiene. Dazu Schuldgefühle dafür, dass ich denke mich mögen zu dürfen…

Immerhin erkenne ich jetzt diese nächste Stolperstelle (häufig) und letztens abends ging mir auf, dass ich mir vielleicht einfach endlich erlauben sollte/könnte, mich selber zu mögen. Vielleicht setzt das die Sperre im Kopf endlich ausser Gefecht.

Das wirkt schon beim Denken irgendwie skurril und lächerlich und es ist mir ein bisschen peinlich, diese Art des inneren Streits mit mir selber überhaupt hier aufzuschreiben. Ich will es trotzdem hier notieren, denn für mich ist das gerade ein wichtiger Schritt, den ich weiterkomme und ich möchte das festhalten – vor allem auch, um es für mich abrufbarer zu halten, wenn die nächste dahingehende Stufe auftaucht.

Auch wenn ich vom ‚echten‘ Umdenken noch weit entfernt bin, alleine die Tatsache, dass mir die selbstabwertenden Gedanken als solche mittlerweile oft bewusst sind und ich mir da selbst Einhalt gebieten kann, fühlt sich schon deutlich besser an.

Katja

 

 

Na und ob!

Das Ausmisten der Schränke, dem ich mich hier gerade endlich stelle, sorgt auch dafür, dass in meinem Inneren viel in Aufruhr versetzt wird. Wahrscheinlich geht das gar nicht anders, wenn man ein Mensch ist, der sehr an Dingen hängt, der Erinnerungsstücke nicht gut loslassen kann und irgendwie fürchtet, mit dem Loslassen der materiellen Dinge, auch die Erinnerungen zu verlieren. Natürlich weiss ich, dass letzteres Blödsinn ist und dass ich diese ganzen Sachen nicht brauche, um mich zu erinnern, und trotzdem ist da dieses seltsame Gefühl.

Es sind aber nicht nur diese Gedanken, die aufgewirbelt werden, auch ein paar Erkenntnisse über mich rasten wieder ein, wenn ich mich selber dauernd frage, weswegen es mir immer so schwer fällt, Anfänge zu finden, weswegen ich mir so oft selber im Weg stehe. Das auch alles, weil ich endlich wieder begonnen habe, mit jenem Buch zu arbeiten, über das ich hier ausgiebig schrieb, das bringt auch wieder viel in Bewegung.

Die Antwort ist wie (fast) immer: Angst. Hier konkreter: die Angst, Fehler zu machen.

Tief in mir ist irgendwo verankert, dass ich keine Fehler machen darf. Denn – Fehler haben direkte negative Konsequenzen. Missachtung. Missbilligung. Misshandlung.

Und noch einen Schritt früher: Das kannst du nicht. Mach das nicht, das wird doch eh nichts. Lass das lieber bleiben. Lass das, du kannst das doch gar nicht. Jetzt glaub doch nicht, du könntest das. Mach das nicht, sonst passiert x. Wenn du das machst, passiert x.

Diese Stimme in meinem Kopf, die mir mein Leben lang einredet, dass ich zu unfähig und zu blöd, zu klein, zu dumm, zu schwach, zu ungeschickt, zu . zu . zu . bin, bekommt gerade beim Nachforschen und der Auseinandersetzung – warum zur Hölle ich mir so wenig zutraue / mich so wenig traue – eine andere Stimmlage, wird zu der Stimme, die mir all diese Sätze in meiner Kindheit ganz real eingeredet hat, anstatt mir irgendwann mal Mut zu machen oder mich aufzumuntern.

Zum ersten Mal merke ich den Ursprung und dass der vielleicht gar nicht unbedingt aus meiner Erfahrung mit mir rührt (ey so schlecht bin ich doch gar nicht, verflucht! – bei allen Dingen, die ich ernsthaft angepackt habe, eher das Gegenteil, Klassenbeste, dann bestes Ausbildungsergebnis, dann bestes Jahrgangsabi, dann Studienstiftungs-Stipendium, dann gleich 3 Profs, die mir Hiwistellen angeboten haben – zumindest diesen intellektuellen Shice habe ich doch immer einigermaßen hinbekommen), sondern dass das immer der Nachhall jener Sätze ist, die ich in meiner Kindheit so oft gehört habe.

Das kannst du nicht.

Und ich habe das immer ungeprüft geglaubt, nur auf das geguckt, was ich nicht auf Anhieb hinbekommen habe und mich damit voll bestätigt gefühlt.

Ich glaube, jene Phase in meinem Leben, in der ich mir ziemlich viel selber zugetraut habe war, nachdem ich das Rauchen aufgegeben hatte. Damit hatte ich etwas geschafft, von dem ich 20 Jahre lang annahm, es nicht zu können, das gab mir Zuversicht in mich selber wie nichts zuvor, an das ich mich erinnern könnte. Damals war mein ‚Mantra‘: Ey, du hast es geschafft, nicht mehr zu rauchen. Dann kannst du doch auch alles andere!

Da möchte ich gerne wieder hin. Zuversicht, ein bisschen mehr Zutrauen in mich und in meine Fähigkeiten.

Also. Ab jetzt der Versuch, jedem inneren „das kannst du doch eh nicht“ ein „keine Angst, das klappt schon“ entgegenzuhalten. Für jedes „das wird doch eh nichts“ ein „du kannst das“ und für jede Angst davor, einen Fehler zu machen, die Beruhigung, dass selbst wenn, die Welt nicht untergeht.

Ufff. Mal sehen, ob das klappt.

Katja

 

 

Gedankengeschwurbel über Freundschaften und ein Umdenkversuch

Immer wieder piekst das Thema, mal deutlicher mal weniger schlimm, aber immer irgendwie präsent. Mir fehlt hier eine Freundin in direkter unmittelbarer Umgebung, jemanden mit dem ich mich gelegentlich an einen Tisch setzen, einen Kaffee schlürfen, quatschen kann.

Vor ein paar Tagen gab es so einen tiefen Stich. Ich habe eine Mail bekommen und bin beim Lesen der Absenderin fast vom Stuhl gefallen. Meine Freundin aus Kindertagen, jene für die ich, seit sie seit ein paar Jahren auf keinen meiner Kontaktversuche mehr reagiert hatte, jedes Jahr zu ihrem Geburtstag hier Geburtstagsgrüße im Blog hinterlasse (zB hier), weil es für mich einfach undenkbar ist, ihr an ihrem Geburtstag nicht zu gratulieren. Es war der erste nach meinem eigenen, den ich auswendig wusste.

Und ich mache die Mail auf und sie ging nicht nur an mich, sondern ohne BCC (was mich üblicherweise völlig irre machen würde) scheinbar an ihr gesamtes Adressbuch, mich und weitere 85 Empfänger und zwischen einem Christoph und einem Eugen taucht da auch mein Name und meine (alte) Mailadresse auf und darin findet sich nichts ausser einem sinngemäßen ‚öffnet keine Anhänge in Mails von mir, irgendwas ist hier bei meinem Mailkonto komisch‘.

Nach dem Lesen sitze ich da, weiss nicht, ob ich lachen oder weinen soll, kann zweiteres aber nicht zurückhalten. Ein Lebenszeichen, es gibt sie noch, sie hat noch ihre alte Mailadresse – also vermutlich auch meine Mails bekommen, nur nicht beantwortet und ich kann mir nicht mehr länger vormachen, dass sie vielleicht einfach nicht angekommen sind.

Seitdem bin ich ratlos, weiss nicht, ob ich die Mail einfach ignorieren kann (soll) oder vielleicht darauf antworten und doch nochmal einen letzten Versuch unternehmen, sie zu erreichen. Warum macht sie sowas? Warum hebt sie meine Mailadresse auf und lässt die nicht wenigstens bei den Empfängern solcher Massenmails raus, wenn sie sonst auf keinem Kanal auf meine Kontaktversuche reagiert? Das reisst soviele Wunden (und soviel Sehnsucht) auf einmal auf. (Bitte macht das besser! Solltet ihr mal jemanden aus eurem Leben streichen, dann streicht sie/ihn auch als Empfänger aus solchen Massenmails!)

*

Fast 2,5 Jahre ist es her, dass ich via Onlineanzeige nach einer Freundin hier in der Gegend gesucht hatte. Ungefähr ein Jahr ist es her, dass jene Freundin, die ich über diese Anzeige gefunden hatte, mir ein Ultimatum gestellt und damit die noch frische Freundschaft wieder beendet hat. Und auch das nagt immer noch, auch wenn ich mittlerweile denke, dass es so vermutlich besser war. Seit ich vor ein paar Wochen mit Ralph bei Twitter auf das Thema kam, überlege ich, ob ich das einfach nochmal versuchen soll, mit einer solchen Anzeige, aber ich traue mich nicht.

Heute habe ich eine Mail von dem Kleinanzeigenportal bekommen, wo ich damals die Anzeige veröffentlicht hatte. Die ist tatsächlich immer noch online, nur sehr nach hinten durchgerutscht und heute hat tatsächlich noch jemand darauf geantwortet. Diese Frau hat 54 Seiten mit je 20 Anzeigen durchgeklickt bis sie bei meiner angekommen war und hat nach fast 2,5 Jahren noch darauf geantwortet. (Deprimierend übrigens: viele der Anzeigen, die jetzt aktuell unter Bekanntschaften in der Gegend drin stehen, gab es fast wortgleich vor 2,5 Jahren schon so und diese Leute suchen scheinbar auch immer noch nach Freunden.) Seitdem ich die (leider sehr kurze und quasi nichtssagende) Nachricht gelesen habe, dreht sich wieder alles in mir. Da ist so viel Hoffnung und Angst gleichzeitig und ich begreife zum ersten Mal wirklich, weswegen Menschen, die schlechte Erfahrungen gemacht haben, manchmal solche Schwierigkeiten haben, wieder zu vertrauen und sich auf andere Menschen einzulassen. Natürlich betrifft das meist Beziehungen, aber für mich fühlt es sich genauso schwierig und frustrierend an, eine Freundin zu finden.

Und ich merke, wie fest und tief immer noch dieses selbst Niedermachen sitzt. Meine Angst ist immer nur einseitig, immer nur in die Richtung, dass ich nicht genügen könnte, zu feige, zu wenig unternehmungslustig, zu verschlossen, zu ruhig, zu klein, zu schüchtern, zu aufgeregt, zu depressiv, zu gestört, zu alles sein könnte und deswegen falsch bin und nicht in das Raster Freundin passe.

Ich kann nicht denken „ok, ich antworte mal auf die Nachricht und wenn sich rausstellt, dass die Frau doof ist, dann muss ich sie ja nicht treffen“ – in meinem Kopf gibt es nur „oh je und was ist, wenn sie mich doof findet und es dann wieder nichts wird?“.  Und wenn ich wenigstens weiterdenken würde (ohne mich hier jetzt bewusst dazu zu zwingen das aufzuschreiben, sondern als natürliche Folge des letzten Gedankens) „oh ok, wenn sie mich doof findet, dann wäre sie ja eh nicht die richtige Freundin für mich gewesen“, aber dafür fehlt mir das Bewusstsein, dass ich ja gar nicht doof bin. Wenn sie mich doof findet, hat sie recht und es liegt an mir.

Umdenkversuch:

(Vielleicht kommt es ja tatsächlich irgendwann bei mir an, wenn ich endlich anfange, mich dahingehend zu korrigieren – auch wenn ich das selber (noch) gar nicht glauben kann.)

Ich bin kein schlechter Mensch und keine schlechte Freundin. (Ich weiss nicht, ob etwas dran ist, aber ich habe mal gelesen, das Hirn blendet Verneinungen aus, deswegen besser andersrum.)
Ich bin ein guter Mensch und eine gute Freundin. Ich bin freundlich, großzügig, fürsorglich, warmherzig, empathisch und manchmal sogar lustig. Ich kann gut zuhören und Verschiedenartigkeit annehmen ohne sie zu (be-)werten. Ich bin offen und ehrlich und ich lüge nicht aus Bequemlichkeit. Was ich sagen will, sage ich eher in den Zeilen als dazwischen.

Ufff. Ich weiss nicht, ob ich mich gleich traue, das so zu veröffentlichen. Ich glaube, ich habe noch nie so sehr versucht, mich von einer positiven Seite zu betrachten. Üblicherweise verleihe ich mir eher die Attribute naiv statt freundlich und gluckenhaft statt fürsorglich und ich komme mir gerade vor als würde ich eine Mogelpackung kreieren und mir selber falsche Werbeversprechen aufdrucken.

Aber vielleicht ist es gerade der Punkt, dass ich das nicht nur mir selber so andrehen muss, sondern zusätzlich auch noch die furchtbare Scham überwinden, so positiv öffentlich über mich zu reden bzw. zu schreiben. (Nochmal uffff.)

(Und entschuldigung für die vielen Klammern, die nicht gerade die Lesbarkeit unterstützen, aber ich habe das gerade nicht ohne hinbekommen.)

Katja