Bis dass der TÜV uns scheidet

Ein Golf war ein Golf, war ein Golf, war mein Golfi.

 

Und das war heute schon eine traurige Angelegenheit, als mir auf der Heimfahrt von der Zulassungsstelle, wo ich ihn abgemeldet habe, bewusst geworden ist, dass das unsere allerletzte gemeinsame Fahrt nach 8 Jahren ist und so richtig kann mich auch noch nicht die Tatsache trösten, dass ich morgen mein neues Auto, das nur 4 anstatt der 23 Jahre alt ist, bekomme. Erwähnte ich schon, dass ich nicht so gut im Loslassen bin? Das gilt auch – und erst recht – für meine bisher verflossenen Autos, die noch dazu allesamt Golfs waren. Jetzt kommt der erste Nichtgolf. Ich bin gespannt.

Farewell mein Guter.

Katja

 

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Mein Stern explodiert

Als ich vor ein paar Tagen hier die 3 guten Dinge des Tages gebloggt habe, hat eine Freundin mich gefragt, ob wir eine Weile täglich zusammen sammeln wollen, weil es ihr auch gut täte, da ein bisschen drauf zu fokussieren und gerade sitze ich mit den Fingern auf der Tastatur und überlege, was heute gut war. Gefühlt ist da heute nur Schwere in mir. Mit fieser Erkältung und ’nem Brummschädel wie nach zu viel schlechtem Wein – obwohl ich mit einem Tag Ausnahme schon den ganzen September überaus diszipliniert keinen Alkohol trinke – aufgewacht und auch innen ist alles schon wieder wund und voller Traurigkeit.

Mich selber traurig denken, das kann ich leider gerade sehr zuverlässig. Im Draußen muss gar nichts passieren, es reicht, wenn mein Kopf meinem Herz Vorträge hält und den Finger in die klaffende Wunde drückt. Die Diskrepanz zwischen den beiden könnte größer wieder mal nicht sein und zwischen dem, was der Kopf weiß und dem, was das Herz will, hänge irgendwo mittendrin ich. Wankend. Schwankend. Zerfasert. Zerrissen. What for? Und ich merke, wie ich schon wieder verdränge und die Augen schließe, weil ich nicht sehen will, was in Leuchtschrift von innen auf die Lider projiziert wird, was natürlich nicht geht und mit schwankender Präsenz, wankschwanke ich so rum. Projiziert. Gutes StichwORRRRRt übrigens.

Stopp jetzt. Reicht für heute. Jetzt mal Konzentration:

#3guteDingedesTages

* Quark mit Feigen und Walnüssen ❤

* am Aufenthalt in Barcelona rumgeplant (zu-wenig-Zeit-für-zu-viele-Dinge-die-ich-gerne-sehen-möchte-Mimimi)

* heute Morgen der Blick in die Blogstatistik, die gestern wegen meines Textes von vorgestern und weil @erzaehlmirnix den Link auf Twitter geteilt hat, durch die Decke gegangen ist. (Uffff. Das ist gleichermaßen schön, wie auch beängstigend, dass so viele den Text gelesen haben, der mir so schwer gefallen ist)

Ich bin das Chaos
Hey – wo willst du hin?
Ich bin das Chaos
Hey – du weißt wer ich bin
Ich bin das Chaos

Ein tanzender Stern?
Immer gern
Immer gern
Mein Stern
Tanzt
So

Mein Stern explodiert
In tausend Teile
Und ich räum
Keine wieder auf

(Judith Holofernes – Ich bin das Chaos)

Katja

Über starke Schwäche und schwache Stärke

Und dann bist du an dem Punkt, wo du merkst, dass du gerade mal ganz bewusst einen bestimmten Schmerz anschauen solltest, statt ihn wegzuschieben und zu verdrängen, wo du anfangen solltest, umzudenken. Wenn du jemandem einen Platz in deinem Herzen gibst, ist das ein Privileg für denjenigen. Du willst dich nicht mehr als die kleine, naive, vertrauensselige TreuDOOFE fühlen, die zu blöd ist, eine Mauer um ihr Herz zu bauen und deswegen alle direkt so nah an sich ranlässt. Du willst dich nicht mehr selber für diese Eigenschaft hassen, wenn du wieder mal eins auf die Nase bekommst, sondern du willst dich endlich als die annehmen und mögen, die du bist und diese Eigenschaft, immer wieder vertrauen zu _können_ und Menschen nah an dich ranlassen zu _können_, als eine deiner Stärken und Fähigkeiten zu sehen. Wenn du jemandem einen Platz in deinem Herzen gewährst, ist das eine Einladung für Freundschaft und Nähe. Aber du musst endlich anfangen, die Einladung an ein gewisses Benehmen zu knüpfen. Es ist nicht nötig, an der Tür die Schuhe auszuziehen oder reglos in Sonntagsklamotten am Tisch zu sitzen. Es gibt aber auch keinen Freibrief, mit schmutzigen Schuhen auf dem Sofa rumzuhopsen oder wie ein volltrunkener Elefant im Porzellanladen, Scherben anzurichten. Und das ist der Punkt, an dem du wirklich endlich lernen musst/solltest auf dich selber aufzupassen und Menschen, die sich daneben benehmen auch wieder rauszuwerfen. Keine Türsteher, aber wenigstens Rausschmeißer. Und dafür ist es vermutlich ganz gut, gelegentlich mal einen Schmerz genauer zu betrachten und zuzulassen.

Katja

Caught

Und dann kriegst du ’ne ‚denk ans Bloggen‘-Erinnerung und erzählst, dass du just in diesem Moment den Editor geöffnet hast, aber gar nicht so genau weißt, was du heute aufschreiben willst und bekommst die Frage „Was war heute gut?“ gestellt und merkst wie dir – schon wieder – die Tränen in die Augen schießen, weil der erste Gedanke „nix so richtig“ ist. Nicht mal das, was sonst so richtig gut ist, selbst das hat dich heute traurig gemacht und dann merkst du, dass du noch lange nicht wieder über den Berg bist nach dem guten Tag gestern, sondern dass es gerade ein täglicher Kampf ist, ein dem Tag irgendwie was Gutes abringen oder zumindest nicht an ihm zu verzweifeln.

Und dann fällt dir ein, dass du vielleicht unter den Umständen mal wieder anfangen musst, kleinschrittiger zu gucken und zu denken und dich drüber freuen, dass du heute den (Groß-)Einkauf geschafft hast, der dir Montag unbewältigbar erschien, alleine deswegen schon, weil du dafür unter Leute hättest gehen müssen und das nicht ging, weil du den ganzen Tag geweint hast und dass du heute lange telefoniert hast und mehrfach mit dem besten Freund, was auch nicht immer geht, wenn du durchhängst, weil durchhängend telefonieren noch anstrengender ist als ansonsten, weil du dich selber anstrengend findest und dich damit niemandem zumuten willst. Naja, schreibend geht das meist leichter, weil man dir da nicht so anmerkt, wie es dir geht, zumindest nicht, wenn du’s nicht sagst oder zeigst.

*

Und während du über den Tag nachdenkst und den Einkauf fallen dir doch noch zwei gute Dinge ein, zwei gute heute eingefangene Dinge: ein für dich eingefangenes Lächeln. Und ein Ohrwurm, den du dir beim Einkaufen eingefangen hast, als auf einmal – in dem ansonsten zum Glück recht ruhigen Laden ohne Musikberieselung – hinter dir jemand anfing „All my loving“ zu pfeifen und du nicht anders konntest als leise mitzusummen und neugierig um die Regalecke zu lugen, um zu sehen, wer da so gut pfeifen kann. Dann stocken Pfeifen und Summen, zwei unbekannte Frauen grinsen sich über einen Einkaufswagen hinweg an, lachen, drehen sich um, fangen gleichzeitig wieder an zu pfeifen bzw. zu summen.

I’ll pretend that I’m kissing
The lips I am missing
And hope that my dreams will come true

(The Beatles – All my loving)

Katja

Salzige Lippen

Heute ist kein guter Tag und ich merke, wie ich versucht bin, direkt schon zu schwänzen und meinen Vorsatz, täglich zu bloggen, nicht umzusetzen, aber ach, es ist ja genau das, was ich will – endlich Schreiben wieder als Normalzustand, auch und gerade, um Gedanken und Gefühle rauszulassen. Also jetzt erst recht. Wenistens 2, 3 Sätze, wenigstens das.

Rausgelassen habe ich heute viele Gefühle in flüssiger Form durch die Augen und ich kann mich nicht erinnern, wann der letzte so dermaßen tränenreiche Tag war. Zu allem Überfluss kamen dann noch ein paar echt blöde Dinge obendrauf, die mich traurig bis wütend bis ratlos in einer Weise zurückgelassen haben, dass ich nicht mal weiß, wie und wo ich anfangen könnte, den Knoten aufzudröseln. Heute nicht mehr, ich versuch’s nicht mal, mir fehlt die Kraft. Und so mache ich stattdessen einfach mit dem weiter, was heute als einziges richtig gut funktioniert und gehe mich gleich in den Schlaf heulen.

I hear them saying
Tomorrow’s just another day
I hear them saying
And it gets better every day
(Madness – Tomorrow is just another day)

 

Katja

 

I am raining down in pieces

Und dann sitzt du wieder mal da. Ewig. Reglos. Mit den Fingern auf der Tastatur. So viel im Kopf, noch mehr im Herzen und doch fehlen dir die Worte, in die du all das fassen kannst. Worte. Du hast so viele davon gemacht, wünscht dir so sehr, sie wären angekommen. Durchgekommen. Jetzt fehlen sie dir. Zumindest jene, mit denen du ausdrücken könntest, wie es in dir aussieht. Mit denen du das fassen könntest. Fassen. Fassung. Auch die geht dir dauernd verloren und das im doppelten Sinne und du bist fassungslos und ohne Fassung. Die fehlt zum Haltgeben. Halt. Halten. Festhalten. Und bei dem Gedanken erfasst dich die nächste Welle aus Traurigkeit und du hältst still und die Luft an, während sie über deinem Kopf zusammenschlägt und sich dann langsam wieder zurückzieht und ein Stück von dir mitnimmt. Ausschwemmt, ein Stück von dir, abgebrochen, zerbrochen, entzwei. Wegschwemmt, wie Sand und kleine Steinchen. Und auch deine Augen schwimmen dauernd und du wünscht dir, du könntest Dinge, Gefühle einfach aus deinem Herzen rausweinen. Weinen. Wein. Aber das jetzt bloß nicht. Der macht gerade alles nur noch schlimmer und das wird’s ja auch so schon von ganz alleine.

Today I am a small blue thing
Made of China, made of glass
I am cool and smooth and curious, I never blink
I am turning in your hand
Turning in your hand

I am cold against your skin
You are perfectly reflected
I am lost inside your pocket
I am lost against your fingers
I am falling down the stairs
I am skipping on the sidewalk
I am thrown against the sky
I am raining down in pieces
I am scattering like light
Scattering like light
Scattering like light

 

Katja

Kopfmückenschwarmrückholversuch

Und irgendwann weißt du nicht mehr, ob die Antwort aus dem Innen oder Außen kommen muss, weil du nicht mal mehr weißt, ob die Frage ins Innen oder ins Außen gehört. Und_oder ob es nicht völlig unterschiedliche Fragen sind, die jeweils ihren Ort und_oder ihre Berechtigung haben. Und_oder welche davon relevant ist und_oder sind.

Im Kopf schwirrt es, als hätte ein wütender Schwarm Mücken sich darin niedergelassen und du weißt nur, was du gegen Mücken machen kannst, wenn sie deinen Kopf auf deinen Spaziergängen auf der Rheininsel von außen umschwirren. Augen zu und vor allem den Mund fest zusammenkneifen, damit du sie nicht zwischen die Zähne bekommst und dann nur sehr vorsichtig durch die Nase atmen, um sie nicht dort einzuatmen. Aber was zur Hölle macht man, wenn man den verdammten Mückenschwarm nicht vor der Nase sondern mitten im Kopf hat und dann gerade nicht mal niesen muss, um sie dadurch und mit aller Gewalt nach draußen zu katapultieren?

Und dann blinzelst du vorsichtig ins Licht, reißt die Augen auf, hoffst auf den photischen Niesreflex, und noch während es dir in der Nase kribbelt, weißt du schon, dass die Lösung die gleiche wie immer ist. Zumindest der Weg zur Lösung der gleiche wie immer sein muss: bei dir bleiben oder erst mal wieder da ankommen, denn du bist dir ja wieder mal abhanden gekommen.
Und du machst einen Schritt zurück und hoffst, dass das Innen dabei mitkommt und nicht wieder auf der Stelle stehen bleibt und dich zurückreißt und dann kneifst du die Augen erst mal wieder fest zusammen, weil du dir nicht, zumindest noch nicht, eingestehen willst, dass es doch eigentlich nur einen Weg gibt, nämlich genau der, den du selber gehen kannst. Und dass du eigentlich nur darauf gucken und danach fragen musst_solltest, welches die relevanten Fragen für dich sind.

Und dann rennst du blindäugig wieder los, suchst deinen verdammten Mückenschwarm, reißt den Mund auf, atmest tief durch die Nase ein, weil alles gerade besser erscheint als genau dieser Weg. Bitte noch eine Runde. Es muss doch auch anders gehen. Schwirrt! Schwirrt!

Katja