I am raining down in pieces

Und dann sitzt du wieder mal da. Ewig. Reglos. Mit den Fingern auf der Tastatur. So viel im Kopf, noch mehr im Herzen und doch fehlen dir die Worte, in die du all das fassen kannst. Worte. Du hast so viele davon gemacht, wünscht dir so sehr, sie wären angekommen. Durchgekommen. Jetzt fehlen sie dir. Zumindest jene, mit denen du ausdrücken könntest, wie es in dir aussieht. Mit denen du das fassen könntest. Fassen. Fassung. Auch die geht dir dauernd verloren und das im doppelten Sinne und du bist fassungslos und ohne Fassung. Die fehlt zum Haltgeben. Halt. Halten. Festhalten. Und bei dem Gedanken erfasst dich die nächste Welle aus Traurigkeit und du hältst still und die Luft an, während sie über deinem Kopf zusammenschlägt und sich dann langsam wieder zurückzieht und ein Stück von dir mitnimmt. Ausschwemmt, ein Stück von dir, abgebrochen, zerbrochen, entzwei. Wegschwemmt, wie Sand und kleine Steinchen. Und auch deine Augen schwimmen dauernd und du wünscht dir, du könntest Dinge, Gefühle einfach aus deinem Herzen rausweinen. Weinen. Wein. Aber das jetzt bloß nicht. Der macht gerade alles nur noch schlimmer und das wird’s ja auch so schon von ganz alleine.

Today I am a small blue thing
Made of China, made of glass
I am cool and smooth and curious, I never blink
I am turning in your hand
Turning in your hand

I am cold against your skin
You are perfectly reflected
I am lost inside your pocket
I am lost against your fingers
I am falling down the stairs
I am skipping on the sidewalk
I am thrown against the sky
I am raining down in pieces
I am scattering like light
Scattering like light
Scattering like light

 

Katja

Kopfmückenschwarmrückholversuch

Und irgendwann weißt du nicht mehr, ob die Antwort aus dem Innen oder Außen kommen muss, weil du nicht mal mehr weißt, ob die Frage ins Innen oder ins Außen gehört. Und_oder ob es nicht völlig unterschiedliche Fragen sind, die jeweils ihren Ort und_oder ihre Berechtigung haben. Und_oder welche davon relevant ist und_oder sind.

Im Kopf schwirrt es, als hätte ein wütender Schwarm Mücken sich darin niedergelassen und du weißt nur, was du gegen Mücken machen kannst, wenn sie deinen Kopf auf deinen Spaziergängen auf der Rheininsel von außen umschwirren. Augen zu und vor allem den Mund fest zusammenkneifen, damit du sie nicht zwischen die Zähne bekommst und dann nur sehr vorsichtig durch die Nase atmen, um sie nicht dort einzuatmen. Aber was zur Hölle macht man, wenn man den verdammten Mückenschwarm nicht vor der Nase sondern mitten im Kopf hat und dann gerade nicht mal niesen muss, um sie dadurch und mit aller Gewalt nach draußen zu katapultieren?

Und dann blinzelst du vorsichtig ins Licht, reißt die Augen auf, hoffst auf den photischen Niesreflex, und noch während es dir in der Nase kribbelt, weißt du schon, dass die Lösung die gleiche wie immer ist. Zumindest der Weg zur Lösung der gleiche wie immer sein muss: bei dir bleiben oder erst mal wieder da ankommen, denn du bist dir ja wieder mal abhanden gekommen.
Und du machst einen Schritt zurück und hoffst, dass das Innen dabei mitkommt und nicht wieder auf der Stelle stehen bleibt und dich zurückreißt und dann kneifst du die Augen erst mal wieder fest zusammen, weil du dir nicht, zumindest noch nicht, eingestehen willst, dass es doch eigentlich nur einen Weg gibt, nämlich genau der, den du selber gehen kannst. Und dass du eigentlich nur darauf gucken und danach fragen musst_solltest, welches die relevanten Fragen für dich sind.

Und dann rennst du blindäugig wieder los, suchst deinen verdammten Mückenschwarm, reißt den Mund auf, atmest tief durch die Nase ein, weil alles gerade besser erscheint als genau dieser Weg. Bitte noch eine Runde. Es muss doch auch anders gehen. Schwirrt! Schwirrt!

Katja

Braucht man für’s Verlorengehen eigentlich besondere Schuhe?

Und dann merkst du am Ende eines langen und vollgepackten Tages, dass der Schmerz genau in dem Moment ein_setzt, dich zer_setzt, in dem die Ablenkung aus_setzt. Die Lücke wird greif_bar, spür_bar und du fühlst dich ohnehin seit Wochen bar jeder Vernunft und jedes Verstandes. Nur Gefühl, dauernd Gefühl, zu viel, zu laut, zu grell, zu zu. CUT.

Das jetzt. Ein Ver_such. Eine Suche. Nach dem Jetzt. Dem Hier. Nach dir. Verloren gegangen zwischen all dem Suchen und all dem Gefühl. Und wie kann man überhaupt verloren gehen? Braucht man dafür besondere Schuhe oder Ausrüstung? Verlorengehschuhe? Und sagt man dann so Dinge wie: „Lass uns noch eben eine Runde verloren gehen, ich ziehe nur schnell meine Verlorengehschuhe an!“? Und was trägt man denn_dann idealerweise bei der Suche? Suchschuhe? Ich mach mich mal auf Schuhsuche nach Suchschuhen! Und dann auf Michsuche. Dichsuche.

55/1. No strike anymore.

Traurig. Ver.loren.missen.stehen.suchen.bieten. Nicht fragen. Wenigstens heute nicht.

Katja

Fang an dich zu bewegen.

Hab gesung und ich hab geschrien,
hab gehasst und verflucht und das Weite gesucht,
um am Ende hier zu stehn:
Den Kopf im Wind, den Arm um’s Glück gelegt,
die Beinde am Boden und Tonnen Geduld,
weil’s immer zu früh ist zu gehn.

Klar hab ich Angst und klar weiß ich’s besser,
am Ende von Allem steht immer ein Stammtisch.
Aus Liebe und Angst, Hass und Verzeiflung,
ich hab ihn selbst gesehn…
… und überlebt!

Zurück ins Licht, der Sonne entgegen.
Ist es kalt da wo du stehst,
dann fang an dich zu bewegen.
Halb so schlimm, damit lässts sich leben,
vielleicht auch nicht, vielleicht auch gerade eben.

(Jupiter Jones – Kopf hoch und Arsch in den Sattel)

 

Danke an euch Lieben, die ihr die letzten Tage immer mal gefragt habt, wie’s mir geht, weil meine Blogeinträge so trübsinnig wirken! Das macht mir einerseits ein schlechtes Gewissen, weil ich ja nicht so jammernd und nölig bei euch ankommen möchte, auf der anderen Seite aber auch ein furchtbar warmes Gefühl, weil es auch und gerade dann gut ist, gesehen zu werden, wenn man mit sich selber so uneins ist. ❤

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Und jetzt geb ich mal alles, damit ich trotz Novemberblues wieder ein Stück weit zurück ins Licht komme, der Sonne entgegen. Ist kalt hier, wo ich stehe, ich fang mal an mich zu bewegen…

Katja

Eine mit so fröhlich leuchtenden Pünktchen

(Für M.)

Und dann stehst du da, ein kleines Stück deines Herzens in den Händen und du hast es extra verpackt ins schönste Geschenkpapier, das du hast und dann noch eine kleine Schleife drumherum gebunden, eine mit so fröhlich leuchtenden Pünktchen drauf und du streckst die Hände vor, bereit es zu verschenken, jemanden hineinzulassen, der eigentlich ja längst schon drin ist und der guckt von dir zu deinen Händen und zurück und sagt, ach komm lass mal, das kann ich gar nicht brauchen, dafür hab ich keine Verwendung, das kommt mir irgendwie ungelegen und das ist doch eigentlich auch gar nicht so richtig was, und dein Lächeln erstirbt und du lässt beschämt die Hände sinken, würdest selber am liebsten im Erdboden versinken, guckst zu Boden und du brauchst eine Weile, versuchst, den Kloß im Hals runterzuschlucken, gehst langsam und zögerlich einen Schritt rückwärts und dann noch einen, während im Kopf laut der „du-hast-es-wieder-mal-vergeigt-Chor“ schon mal lossingt, in voller Lautstärke und schief, während das „du-bist-halt-einfach-nicht-liebenswert“-Orchester noch schrill seine Instrumente stimmt und du sagst, lasst mich, lasst mich doch, und willst nicht wahrhaben, was so wahr ist, hast so viele Abers im Kopf und im Herzen, aber irgendwann wird dir klar, dass du manche Dinge nicht verschenken kannst, auch wenn du sie wirklich als Geschenk meinst und du gehst traurig noch einen Schritt zurück und noch einen, während du das leise Klirren, das aus der Verpackung in deinen Händen kommt, hörst und du versuchst, tapfer die Zähne zusammenzubeißen und dir zu sagen, dass es zumindest nicht nur dein Verlust ist, aber du beißt dir dabei nur von innen in die Backe.

Katja

So einer.

Diese Tage, an denen man so in die altvertrauten Muster des Selbstzweifels und Selbsthasses zurückfällt, weil sie immer noch so dicht unter der Oberfläche lauern und diese sofort durchbrechen, wenn sie wittern, dass das endlich wieder mal eine Chance für sie ist, weil man gerade zu schwach ist, das im Kopf laut bohrende „was ist nur falsch an mir?“ zu ignorieren oder gar mit einem „gar nichts, du bist ok wie du bist“ gegenzuhalten, wie das an guten Tagen mittlerweile immerhin manchmal geht.

*

Diese Tage, an denen man sich fragt, wie es wohl wäre, eine Art Gartenzaun ums Herz zu haben, um es nicht immer direkt so weit für Menschen zu öffnen und sich damit nicht so schutzlos und verletzlich zu machen, aber noch während man überlegt, wie das sein könnte, fängt man eigentlich schon wieder an, darüber nachzudenken, dass es dann aber ein sehr kleiner und niedriger Zaun sein müsste und in einer freundlichen und einladenden Farbe und vielleicht mit ein paar Lücken und einem nie verschlossenen Tor und mit ein paar Blümchen die durch den Zaun nach draußen wachsen, weil man es eigentlich ja gar nicht will, dieses Menschen-Aussperren, weil man ihnen ja nahe kommen will.

*

Diese Tage, an denen man irgendwann mit Kaffee auf der Terrasse sitzt, nochmal kräftig die Nase putzt und den Wolken beim Umherziehen zuschaut.

Es ist, wie es ist und es kommt, wie es kommt.*

Katja

 

[*Das ist das Lebensmotto des Protagonisten aus „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonasson]

Dünne Pappe

Dann fällt dir auf einmal der Zusammenhang auf, dass es immer passiert, wenn du müde/erschöpft bist. Immer dann, wenn Kopf/Körper nach Ruhe verlangen, merkst du, wie dünn die Fassade des ‚es geht mir gut‘ gerade ist. Da ist kein festes Fundament, kein Gebäude im Rücken, das die Fassade trägt. Nur dünne Pappe, die Vorderseite schön bemalt, aber es kostet dich immer einen Teil der Kraft, die Pappe festzuhalten, damit sie nicht zusammensackt. Immer schön von hinten dagegenlehnen, damit nichts beult. Immer schön festhalten und hochhalten, damit man nicht drüber schauen kann. Und dann, immer wenn die Kraft schwindet und die Arme vom ewigen Hochhalten schwer werden, braucht es nur einen unaufmerksamen Moment. Dann knittert hier was und dort bildet sich eine Falte und wenn das erst mal passiert ist, kommst du nicht mehr hinterher, das alles wieder glatt zu zupfen und in Ordnung zu bringen und dann gibt es den ersten Riss und dann kommen die Tränen und es ist sowieso schon egal und auch zu spät. Zuerst verläuft nur ein bisschen der bunten Farbe auf der Vorderseite, aber dann weicht es bis nach hinten durch.

Und du merkst, wie groß die Angst vorm Fallen wieder mal ist. Verbietest dir jeden einzelnen dieser Gedanken, die das auslösen können. Versuchst es zumindest. Nur nicht näher darüber nachdenken. Nur nicht zu nah an dich ranlassen. Denk an was anderes. Was Gutes. Guck da nicht hin. Halt dir die Augen zu. Nicht das. Was Schönes. Das ist hier alles gerade zu instabil, zu wacklig, zu eingerissen, zu durchgeweicht. Halt das trotzdem fest, lass nicht ganz los! Sonst wird es noch schwerer werden, das soweit neu aufzubauen.

Aber du bist müde und es wird mit jedem Mal ein bisschen schwieriger, das abzufedern, die Gedanken umzulenken. Du willst dich so gerne einfach in die Dunkelheit und Traurigkeit fallen lassen. Wenn da nicht. Wenn da nicht. Wenn da nicht dieser fucking Kontrollfreak in dir wäre, der genau weiss und dir einredet, dass das nicht gut für dich wäre. Dass das nur den Moment einfacher machen würde, aber nicht das Leben. Und du kommst dir vor wie ein Flummi, der einfach nicht auf dem Boden liegen bleiben darf, der jedes Mal wieder hochschnellen muss. Nur, dass er die Kraft für das Hochschnellen ganz alleine aufbringen muss. Sich mühevoll vom Boden abstoßen. Volle Konzentration. Volle Kraft.

Und jetzt?

Wieder mal zurück auf Anfang.

Atmen. Durchhalten. Weitermachen.

Katja