Kurz zitiert #15

Und nochmal. Das ist einfach zu schön, um es einfach zuzublättern und ins Regal zu stellen:

„[…] Wo geht sie denn unter, die Sonne?“
„So weit bin ich nicht einmal gekommen“, antwortete Tiuri. „Ich habe aber gehört, dass sie im Meer untergeht.“
„Im Meer? Was ist das, das Meer?“
„Es besteht ganz aus Wasser.“
„Wie ein Bach oder eine Quelle?“
„Nein, viel größer.“
„Wie ein Fluss? Ein See?“
„Noch viel größer“, sagte Tiuri. „Das Meer erstreckt sich weiter, als das Auge sehen kann – so dass du dort nichts anderes siehst als Wasser. Wasser bis ans Ende der Welt.“
„Und darin geht sie unter, die Sonne?“
„Ja.“
Der Narr überlegte kurz. „Das ist gut“, sagte er schließlich. „Dann kann sie sich abkühlen, die Sonne, vom Strahlen, den ganzen Tag lang. […]“

 

(aus Tonke Dragt, Der Brief für den König, Seite 440)

Ich weiss gar nicht, welche Vorstellung ich lieber mag – jene, dass das Meer bis zum Ende der Welt geht oder die sich abkühlende Sonne nach einem langen heissen Tag. Hachz. ♥

Katja

Kurz zitiert #14

„Gefällt es dir auch?“, fragte Piak. „Ich kenne nur dies hier und kann daher nicht vergleichen. Aber ich glaube, dass ich nirgendwo anders leben möchte. Ich finde es herrlich, hier herumzuklettern und zu sehen, wohin ich komme. Mein Vater war genauso, und in meinem Dorf sagen sie, dass er verrückt war. Eines Tages ist er in eine Schlucht gefallen, und sie behaupten, dass das auch mein Ende sein wird. So ein Unsinn! Ein Nachbar meines Vaters hat nie auch nur einen Schritt aus dem Dorf getan und starb, als er von der Treppe fiel. Da kann man doch besser in eine Schlucht stürzen, findest du nicht? Dann hat man wenigstens noch etwas gesehen!“

 

(in Tonke Dragt, Der Brief für den König, Seite 212)