Gelesen im Januar 2015

Erstaunlich, wie viele Bücher das im Januar geworden sind. Dabei war mir gar nicht bewusst, wie viel ich gelesen habe. Aber ich bin, glaube ich, sehr konsequent jeden Abend relativ früh ins Bett gegangen und habe lieber gelesen als mich länger im Internet rumzutreiben.

Mit dabei: ein Buch, das mich mächtig enttäuscht hat, weil ich es ganz anders erwartet hatte (es liegt nicht an dir Schatz, es liegt nur an mir^^), aber auch ein neues Lieblingsbuch.

Chris Carter – Der Vollstrecker

Das ist der zweite Band der Reihe um Detective Robert Hunter, der im Morddezernat des LAPD für Serienmörder und aussergewöhnlich gewalttätige Verbrechen zuständig ist. Im November hatte ich den ersten Band gelesen und da musste ich schon wegen der recht expliziten Gewaltbeschreibungen schlucken, im zweiten Band war das noch schlimmer. Ein Serienkiller treibt sein Unwesen, der jedes seiner Opfer durch dessen persönlichen größten Albtraum sterben lässt, indem er es jeweils damit foltert, wovor es am meisten Angst hat. Das war nochmal eine ganze Spur krasser als im ersten Band und etwa auf Seite 100 habe ich überlegt, ob ich das wirklich weiterlesen möchte. Blöderweise ist es aber ausserdem auch wieder ein sehr spannendes Buch und ich wollte unbedingt wissen, was den Mörder antreibt und wo die Verbindung zwischen den Opfern liegt.

Trotzdem war ich wirklich erleichtert, als ich endlich damit fertig war und jetzt bin ich unsicher, ob ich die weiteren Bände der Serie überhaupt noch lesen möchte. Ich brauche jetzt zumindest erst mal eine längere Pause davon. Ufff.

 

Tilman Rammstedt – Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters

Ich finde es sehr schwierig, etwas über dieses Buch zu sagen, ohne zu viel über den Inhalt zu verraten. Hier hatte ich schon einige großartige Zitate gebloggt, die alle aus dem gleichen Teil – jenem über die Treffen mit dem Bankberater – stammen und dieser Teil des Buchs hat mir großen Spaß gemacht. Im anderen Teil spielt Bruce Willis die Hauptrolle, der hat für mich zwischendrin zähe Längen und zu viele Wiederholungen. Das hat mich, trotz der insgesamten Kürze des Buches, ein bisschen genervt.

Ähm. Oh. OK.

Vielleicht binde ich lieber das Rezensionsvideo ein!

Ich liebe „Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters“! (Trotzdem hat mir „Erledigungen vor der Feier“ von Tilman Rammstedt noch ein bisschen besser gefallen.)

 

Minette Walters – Wellenbrecher

Am Strand entdecken zwei kleine Jungs eine Frauenleiche. Steven Harding, ein junger Schauspieler, der gerade in der Nähe eine Wanderung unternimmt, ruft die Polizei und gerät später selber unter Mordverdacht, als sich herausstellt, dass er die Tote nicht nur flüchtig kannte. Und dann wird auch noch die 3-jährige Tochter der Getöteten entdeckt, die ganz alleine durch die Straßen eines Ortes in der Nähe irrt und in deren Blut sich die Reste von Betäubungsmitteln nachweisen lassen. Hat die Kleine etwa die Vergewaltigung und den Mord an ihrer Mutter mitangesehen? Und weswegen schreit sie immer los, sobald ihr Vater, dessen Alibi für die Tatzeit auch erst noch zu überprüfen ist, versucht, sie hochzunehmen.

Die Kripo ermittelt und nimmt dabei immer wieder die Hilfe des Ortspolizisten Nick Ingram in Anspruch, der seine ganz eigenen Theorien über den Tathergang und die Motive der Beteiligten aufstellt.

Ich mochte bisher alle Krimis, die ich von Minette Walters gelesen habe, recht gerne. Durch ihre Art, die reine Erzählung immer wieder durch eingeflochtene ärztliche Gutachten, polizeiliche Vernehmungsprotokolle, Zeitungsberichte, Aktennotizen oder dergleichen zu unterbrechen, verleiht sie den Geschichten einen sehr realen Anstrich. Die Fiktion bricht mMn durch diese eingefügten „Beweismittel“ auf, macht das Geschehen glaubwürdiger.

Wellenbrecher hat mir besonders gut gefallen. Die Charaktere, auch die Randfiguren, bekommen eine gewisse Tiefe, wobei ohnehin kein deutlich erkennbarer einzelner Protagonist im Vordergrund steht. Schön erzählt und auch wenn man früh Ahnungen über die Hintergründe hat, schafft Minette Walters es hier geschickt, bis zum Ende immer wieder Zweifel und weitere Seiten und Aspekte einzustreuen. Trotzdem ist die Auflösung keineswegs an den Haaren herbeigezogen.

 

Aimee Bender – Die besondere Traurigkeit von Zitronenkuchen

Was für ein großartiger Buchtitel. Und dann muss ich hier mal den Klappentext zitieren:

An einem strahlenden Frühlingstag kurz vor ihrem neunten Geburtstag beißt Rose Edelstein in ein Stück Zitronenkuchen, den ihre Mutter für sie gebacken hat. Und muss feststellen, dass zwischen den frischen Zitronen, dem Zucker und der Butter, nun ja, eindeutig ein Hauch Traurigkeit liegt. Nicht besser ergeht es Rose mit dem Hühnchen und den grünen Bohnen, die die Mutter zum Abendessen zubereitet – und von nun an mit allen Gerichten. Der Marmeladentoast schmeckt seltsam abwesend, das Roastbeef nach Schuldgefühlen, ein Sandwich nach großer Verliebtheit: Jeder Bissen offenbart mehr, als Rose lieb ist – und erst im Laufe der Jahre lernt sie, mit ihrer besonderen Gabe umzugehen …

Aimee Benders furiose Idee, dem Alltäglichen des Essens eine magische Bedeutung zu geben, ist verführerisch und einnehmend zugleich. Voller leuchtender Sätze stellt ihr Roman die Frage, wie viel wir wirklich von unseren Liebsten wissen.

Nachdem ich das gelesen hatte, war ich hin und weg und wusste: ich MUSS dieses Buch unbedingt lesen. Was für eine Gabe, was für eine Begabung. In meinem Kopf entstand eine Geschichte – noch bevor das Buch im Regal mit den ungelesenen Büchern lag und ich freute mich darauf, Rose dabei zu begleiten, wie sie immer besser darin wird, aus dem Essen, das jemand anderes zubereitet hat, herauszuschmecken, wie es demjenigen geht. Wie sie sacht und mit großer Empathie hergeht und versucht, diese traurigen Menschen aufzumuntern. Den Verliebten Mut zu machen. Die Fäden zu spinnen, um Menschen, die gefühlstechnisch zusammengehören, einen sanften Schubs in die passende Richtung zu geben. All das malte ich mir schon im Voraus aus.

Und dann las ich das Buch und war maßlos enttäuscht, weil die ‚echte‘ Buch-Rose im Gegensatz zu meiner Phantasie-Rose, ihre Gabe als große Last empfindet. Weil sie sich, sobald sie die Möglichkeit dazu hat, von Fabriknahrung, die nicht von Menschen zubereitet wurde, ernährt. Weil sie nach der Entdeckung 10 Jahre ins Land streichen lässt, bis sie endlich mal selber eine Mahlzeit zubereitet, um ihr eigenes Inneres auf eine Weise zu ergründen, bei der man sich nicht selber belügen kann…

Obejektiver betrachtet ist es vermutlich kein schlechtes Buch. Die Idee ist originell, man kann das durchaus lesen und eigentlich kann ich den Vorwurf nur mir machen, mit meiner falschen Erwartungshaltung an das Buch und vor allem seine Protagonistin. Trotzdem finde ich es mindestens mal sehr schade, dass Aimee Bender aus dieser zauberhaften und großartigen Idee, die sie da hatte, kein zauberhaftes und magisches Buch gemacht hat, dessen Protagonistin versucht, das kleine bisschen Welt um sie herum, ein kleines bisschen besser zu machen – sondern dann noch dazu das Hauptaugenmerk auf dem Bruder liegt, der auch eine seltsame „Gabe“ hat, deren Gewahrwerden viel Raum und Fokus des Buchs einnimmt und ausmacht.

Selbst das halbwegs versöhnliche Ende kann das für mich alles nicht mehr gut machen.

Schade, schade, schade.

 

Carlos Ruiz Zafón – Der Schatten des Windes

Als Daniel Sempere 10 Jahre als ist, nimmt sein Vater ihn mit zum geheimen Friedhof der vergessenen Bücher. Daniel darf sich dort ein Buch aussuchen, für das er fortan die Verantwortung trägt und so gerät er in den Besitz eines Buches – „Der Schatten des Windes“ – eines unbekannten spanischen Autoren, genauer gesagt die letzte existierende Ausgabe des Buches, denn ein Unbekannter mit einem maskenhaften Gesicht, der sich stets in den Schatten verbirgt, macht Jagd auf die Bücher von Julian Carax, jenem Autoren und hat alle anderen Ausgaben verbrannt. Im Laufe der Jahre trägt Daniel immer mehr Informationen über Julián Carax und dessen Lebensumstände zusammen und gerät dabei immer tiefer in den Sog des Buches, denn es gibt da eine Menge Parallelen zwischen seinem Leben und jenem von Julián Carax.

Du weisst, ein Buch hat das Zeug dazu, eines deiner Lieblingsbücher zu werden, wenn du es ab einem gewissen Punkt kaum noch aus der Hand legen kannst, dich aber trotzdem häufiger dazu zwingst, weil du genau weisst, dass du mit jeder weiteren gelesenen Seite dem unvermeidlichen Ende wieder einen Schritt näher gekommen bist und so dringend du auch wissen willst, wie die Geschichte weitergeht, wie sie ausgeht, willst du doch auf gar keinen Fall an ihrem Ende ankommen.

Großartiges Buch, großartige Geschichte, großartige Charaktere. Eines jener Bücher weswegen ich Lesen so sehr liebe.

So. Und jetzt muss ich erst mal ein paar Orte Barcelonas in google Streetview besichtigen, allen voran die Avenida del Tibidabo 32 – hoffentlich irgendwann auch in echt.

 

Rolf Merkle – So gewinnen Sie mehr Selbstvertrauen; Freundschaft mit sich schließen, den inneren Kritiker besiegen

Nachdem ich letzten Herbst angefangen hatte, damit zu arbeiten, lag es dann seit ich im Oktober in Spanien war wieder brach… Jetzt habe ich es nochmal von vorne gelesen und wieder angefangen, mich mit meinem Denken auseinanderzusetzen und zu befassen und umdenken zu üben. (Mehr darüber schon hier und hier.)

 

Rolf Merkle – Nie mehr deprimiert, Selbsthilfeprogramm zur Überwindung negativer Gefühle

Das Buch war mein erster Ratgeber zum Thema Depressionen und auch jener, den ich wohl schon am häufigsten in der Hand hatte und irgendwann zornig/deprimiert in die Ecke gefeuert habe. Ich blieb bei jedem Versuch, damit zu arbeiten an der gleichen verfluchten Stelle hängen – jener, an der man 10 Dinge notieren soll, die man an sich mag. Nachdem ich mit dem Buch obendrüber deutlich bessere Erfahrungen gemacht habe, wollte ich das jetzt nach einigen Jahren doch nochmal probieren. Über diese Stelle bin ich dieses Mal lässig drüber gekommen und alleine das fühlt sich für mich nach einem großen Erfolg an. Ansonsten ist mir zum ersten Mal aufgefallen, wie alt jenes Buch ist. Ich habe die 7. Auflage aus 2000, das Copyright stammt aus 1987 und so kommt es mir beim Lesen auch vor. Da wirkt vieles eingestaubt, da tauchen viele Stereotype und ein veraltetes Rollenverständnis auf, an etlichen Stellen musste ich da großzügig drüber weglesen, um nicht empört loszuschnauben.

Und trotzdem war die Lektüre für mich hilfreich – nicht nur, wegen des Erfolgserlebnisses mittlerweile 10 Dinge zu kennen, die ich an mir mag, sondern auch, weil es das Selbstvertrauenbuch gut ergänzt und weiterführt. Merkle erklärt, wie Gedanken Gefühle beherrschen und dröselt die verschiedenen Arten des negativen Denkens auf. Ich glaube, das wird mir dabei helfen, mich dahingehend selber zu ertappen und diese schädlichen Denkmuster zu entlarven. Insofern hat es sich für mich als Ergänzung gelohnt, explizit empfehlen würde ich es aber aufgrund seines Alters nicht und ich glaube, es ist auch gar nicht mehr auf dem Markt sondern mittlerweile durch eine neueres Buch zu dem Thema ersetzt worden.

 

Axel Hacke – Oberst von Huhn bittet zu Tisch, Speisedeutsch für Anfänger

Axel Hacke präsentiert hier eine Sammlung der schönsten falsch ins Deutsche übersetzten Gerichte in ausländischen Speisekarten. So beginnt das Buch mit einem Gericht des Namens ‚Zwiebel ruft an‘ und da ist noch leicht zu erkennen, was bei der Übersetzung der ‚Onion rings‘ falsch gelaufen ist. Es gibt aber auch völlig absurde Namen von Speisen, deren Zustandekommen man sich nicht erklären kann und leider fehlt die entsprechende Erklärung – oder zumindest der Hinweis, was zur Hölle das denn in der Originalsprache mal gewesen ist – an vielen Stellen. Trotzdem, ich habe beim Lesen häufig schallend lachen müssen und das schaffen nicht so viele Bücher. Für kurzweiligen Spaß zwischendurch ist das Buch auf jeden Fall gut geeignet und bei mir passte es wunderbar als Ablenkung nach dem Zafón, weil ich wusste, dass es da erst mal jedes andere Buch schwer haben würde.

Katja

(nicht ganz so) kurz zitiert #45

Mein ehemaliger Bankberater hatte ein feines Gespür für Abwesenheiten. „Heute regnet es sehr stark nicht“, konnte er zum Beispiel unvermittelt feststellen oder: „Die Leere dieses Bierglases ist zu groß“ oder auch: „Ich erinnere mich genau an all das, was ich jemals vergessen habe“, obwohl ich dabei vermute, dass es aus irgendeinem Lied stammte und mein ehemaliger Bankberater nur fand, dass es gut klang. „Aber mal im Ernst“, sagte er dann immer. „Es gibt viel mehr nicht, als es gibt.“
(Seite 24)

Dass ich unbedingt auch mal seinen Bruder kennenlernen müsse, sagte mein ehemaliger Bankberater, an den würde ich ihn nämlich erinnern. Dann suchte er in seiner Brieftasche lange nach einem Foto von ihm, fand aber keines und zeigte mir stattdessen einen entwerteten Fahrausweis, den der Bruder bei seinem letzten Besuch angeblich benutzt hatte. „Als ersten Eindruck“, sagte er.
(Seite 41)

Mein ehemaliger Bankberater war angeblich nie müde. Immer wenn er anfange, müde zu werden, denke er darüber nach, was für ein unglaublich faszinierendes Gefühl die Müdigkeit doch sei, wie rätselhaft, wie unerforscht, und dann sei er so aufgeregt über seine Müdigkeit, dass sie sofort verschwinde. Erst Stunden später komme sie zurück, sagte er traurig, aber da schlafe er immer schon.
(Seite 57)

Man könne das Wachstum gar nicht verhindern, erklärte mir mein ehemaliger Bankberater. „Wenn die Wirtschaft schrumpft, wachsen die Schulden. Wenn die Haare ausfallen, wächst die Glatze. Wenn die Handys kleiner werden, dann wächst halt die Fläche um die Handys herum.“ Auch mein Geld sei also nicht direkt weg, ich hätte dafür etwas anderes bekommen. „Nun müssen wir nur noch herausfinden, was das ist.“, sagte er und klopfte mir auf die Schulter.
(Seite 64)

Alles aus: Tilman Rammstedt, Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters

 

Manche Bücher sind wahre Schatzkisten voller wunderbarer Formulierungen. Jene beiden von Tilman Rammstedt, die ich bisher las, gehören dazu und ich muss das hier mal in dieser epischen Breite festhalten, weil ich diese Satzschätze viel zu schön finde und sie nicht einfach wieder stumm ins Regal räumen mag.

Katja

 

52 Bücher, Teil 19, 20, 21

Ähem. Ich hinke ein wenig hinterher. Das, was mir gerade dauernd am dringendsten fehlt, ist Zeit und so kommt es, dass im Feedreader schon seit letzten Sonntag das 23. Thema (bisher noch ungelesen) rumliegt und ich hatte gerade mal die Nummer 18 abgehandelt.

Wäre ja gelacht, wenn sich das jetzt nicht innerhalb von einer halben Stunde aufholen ließe. Ähem. Ja. Ich fange dann mal an und gucke, wie weit die Motivation reicht, Zeit habe ich ausnahmsweise heute Abend. Naja zumindest keinen Nerv, irgendwas Wuseligeres zu tun als Bücher aus dem Regal zu ziehen.

Das 19. Thema hat Natira vorgeschlagen und es lautet:

„Wenn der Vater mit dem Sohne…“

Nachdem mir da erst mal lange gar nichts einfiel, brachte mir dann Guinans Beitrag endlich eine Idee ein. Sie schreibt nämlich über ein Buch, wo ein Vater gemeinsam mit dem Sohn im Kanu unterwegs ist, also quasi reist und dabei fiel mir dann eines meiner früheren Lieblingsbücher wieder ein, das ich vor Jahren einige Male gelesen habe und bei dem ich mal wieder überprüfen sollte, ob ich es immer noch mag – sowas wandelt sich ja immer mal.

„Das Kartengeheimnis“ von Jostein Gaarder handelt direkt von mehreren Reisen. Eine davon unternehmen der 12-jährige Hans-Thomas und sein Vater von Norwegen aus mit dem Auto nach Griechenland, um dort Hans-Thomas Mutter zu suchen, die die beiden vor Jahren verlassen hatte, um ihr Glück zu suchen. Unterwegs bekommt Hans-Thomas zuerst von einem seltsamen Zwerg an einer Tankstelle in den Alpen eine kleine Lupe geschenkt, hinterher stößt er in einem geschenkten Rosinenbrötchen auf ein winziges Buch – das Brötchenbuch (das eine Geschichte in der Geschichte öffnet, nämlich jene vom Bäcker Frode, der mit einem Kartenspiel im Gepäck auf einer Insel strandet), in dem er fortan während der Reise heimlich liest, wenn sein Vater ihn nicht gerade an seinen philosophischen Überlegungen teilhaben lässt.

Wem „Sofies Welt“ von Gaarder zu sperrig und theoretisch war, der könnte Gaarder mit dem Kartengeheimnis nochmal eine Chance geben. Hier wird viel mehr praktisch rumphilosophiert statt die Theorie zu erläutern und ich mag die Art, wie (ähnlich wie in Sofies Welt) die verschiedenen Ebenen der Geschichte immer dichter miteinander verwoben werden. Wer gar nichts von Gaarder kennt – meiner Meinung nach ist das viel weniger bekannte Kartengeheimnis viel unterhaltsamer und auch leichter lesbar.

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Das 20. Thema ist sogar ein dreiteiliges (mimimi). Der erste Teil stammt vom Wurzelimperator und lautet:

Das Buch, das du als letztes verschenkt hast.

Als zweites möchte der Krötengeneral wissen:

Das Buch, das du zuletzt geschenkt bekommen hast.

Und weil aller guten Dinge drei sind, auch noch eine Frage von mir:

Das Buch, das ich am häufigsten verschenkt habe.

Das letzte Buch, das ich verschenkt habe, war – wenn ich mich gerade nicht sehr täusche – zum Geburtstag einer büchervernarrten Freundin und es war das wunderbare „Erledigungen vor der Feier“ von Tilman Rammstedt, über das ich hier schon ausgiebig geschwärmt hatte. Das war auch eines meiner Top 5 Bücher aus dem letzten Jahr.

Das letzte Buch, das ich geschenkt bekommen habe war der Ferdinand von Ralph Ruthe und Flix, den mir die Lieblingscorina zu einem streng geheimen Anlass geschenkt hat. Wie überaus praktisch für mein Vorankommen, dass ich auch darüber schon geschrieben hatte. 😀 Nämlich hier.

Das Buch, das ich am häufigsten verschenkt habe ist „Das heimatlose Ich“ von Holger Reiners. Und das ist jetzt wirklich Zufall, dass ich auch darüber schon ausgiebig geschwärmt/-bloggt hatte. 🙂

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OK, das 21. Thema ist dann wirklich schwierig. Sarah möchte wissen:

Ein bestimmtes Genre.

Eigentlich sollte das ja durch die offene Fragestellung sehr einfach sein, aber ich finde es immens schwierig, mich auf ein Genre festzulegen. Dafür lese ich zu sehr querbeet und meist versuche ich sogar, nicht zwei Bücher des gleichen Genres nacheinander zu lesen, sondern da immer durchzuwechseln, wenn es sich denn nicht gerade um Trilogien oder so handelt.

Zu meinen bevorzugten Genres gehören sicherlich Krimis bzw. Thriller, gerne spannend (wobei das kein Muss ist – wenn ich die Charaktere mag wie zB bei Donna Leon die Brunettis, ist die Spannung der Geschichte an sich nicht so wichtig), aber nicht so blutig oder gewalttätig. Ich mag einige Jugend- und auch Kinderbücher sehr gerne, zumindest lese ich relativ häufig aus diesem Genre.

Die Kategorie, die mir am liebsten ist, kann ich aber nicht mal beim Namen nennen. Oben schon erwähnter Tilman Rammstedt gehört zB dazu. Das sind Bücher, die etwas in mir ansprechen, die gar nicht mal zwingend eine Handlung haben, aber die mich mit ihrer Sprache und ihren Gedanken berühren. Elisabeth Ranks „Und im Zweifel für dich selbst“ gehört auch mit dazu und auch Daniel Glattauers „Gut gegen Nordwind“, um nur ein paar aufzuzählen. Ich weiss nicht so genau, ob und welchen Genres diese Bücher angehören (der Glattauer ist wohl ein eMail-Roman), wichtig ist hier für mich nicht das Label, sondern das, was die Bücher mit mir machen.

Was ich nicht so gerne mag sind Horror und Fantasy und auch keine seichten Liebesschnulzen – schöne Liebesgeschichten aber schon.

So, mir reicht’s jetzt erst mal. 3 geschafft, 2 fehlen noch – naja, bis ich wieder mal dazu komme, vermutlich eher wieder 3, weil es Sonntag ja schon ein neues Thema gibt, aber ich hab mich wieder mal quasi so gut wie in die Nähe des aktuellen Standes gebracht. 3 sind ja dann nur noch ein Klacks! 😀

Alle Projektbeiträge sammelt Katrin in ihrer mittlerweile schon über 500 Einträge starken Projektmuddi-Sammelliste.

Katja

 

kurz zitiert #35 und/oder immer dieser Header

Wir redeten nicht, L. sagte: Immer diese Blätter. Erst geben sie so an mit ihrem Buntsein, und dann fallen sie einfach runter. Wenn sie mit dem Herbst nicht klarkommen, können sie doch wenigstens in den Süden fliegen.

Tilman Rammstedt, Erledigungen vor der Feier, Du Mont, Seite 22

Wenn man in Spanien auf dem Sofa sitzt, im Glas einen guten Rioja und vor der Scheibe, im Dunklen gerade so erkennbar, die riesigen weissen Schaumkronen der riesigen Atlantikwellen, gibt es fast keine bessere Lektüre als die ‚Erledigungen vor der Feier‘. So magisch die Atmosphäre mit den Wellen vorm Fenster ist, so magisch empfand ich die Sprache des Buches und Tilman Rammstedt ist mein persönlicher Held des Schachtelsatzes. Das liest sich bei den wenigsten Autoren flüssig und gut, bei ihm liegt für mich unheimlich viel Poesie in seinen ungewöhnlichen und irgendwie auch schrulligen Gedankenschlangen.

Und eigentlich kann ich das wieder mal gar nicht richtig erfassen und schon gar nicht ausdrücken und müsste das halbe Buch hier zitieren, um zeigen zu können, was ich meine. Weil das aber viel zu weit führen würde, nur noch ein etwas längeres Zitat:

Dem Perfekt wird oft misstraut. Vielleicht weil es so selten ist. Und vielleicht sollte man dankbar sein, ein paar solcher Perfekts zu haben, wenn sich sonst immer alles dahinzieht, wenn sich sonst immer alles mitverändert, sich anpasst, wenn alles so beliebig wandelbar erscheint, sich nichts aus den Augen verliert. Dinge tauchen wieder auf, damit ist zu rechnen. Nur die Perfekts tauchen nicht auf, weil sie nie verschwunden sind, weil sie sich immer da befinden, wo man sie hingelegt hat, in der Vergangenheit, der abgeschlossenen Gegenwart, die mit anderen Gegenwarten zum Glück nichts zu tun hat.

Und Sarah stand also eigentlich im Perfekt, und beim Perfekt ist es im Grunde gleichgültig, wie lange es zurückliegt, es ist abgeschlossen und befindet sich somit außerhalb der Chronologie. Und dennoch glaubt man sich immer mehr in Sicherheit, je weiter sich das Perfekt von der Gegenwart entfernt, traut ihm immer weniger zu, dass es, so sorgfältig abgeschlossen, noch etwas ausrichten kann, doch das nützt nichts, wenn es dann doch auftaucht, ganz unscheinbar und vorsichtig auftaucht, dann ist es plötzlich da, in der Gegenwart, die Zeiten kollidieren, und man steht dazwischen und dazwischen ist immer eine problematische Position.

Ein Perfekt in der Gegenwart wird nicht zur Gegenwart, es bleibt ein Perfekt, und damit ist in der Gegenwart nichts anzufangen. Andere Vergangenheiten lassen sich vielleicht aktualisieren, ein Perfekt nicht. Und Sarah, immer wenn sie dann doch auftauchte, weil das Perfekt nur eigentlich war, wenn sie, aus Gründen, die nichts mit mir zu tun hatten, für ein paar Tage in der Stadt war, blieb sie ein Perfekt und wir küssten uns leider.

Tilman Rammstedt, Erledigungen vor der Feier, Du Mont, Seite 64f

Wer bei diesen Gedankengängen ebenso vor Entzücken ins Juchzen kommt wie ich, dem sei unbedingt die Lektüre des ganzen – und mit knapp über 100 Seiten leider viel zu dünnen – Buches ans Herz gelegt. Das passt bestimmt auch wunderbar zu einem Sonntagnachmittag mit warmen Socken und einer kuschligen Decke und duftendem Tee und den ersten selbstgebackenen Weihnachtskeksen oder auf eine karierte Decke auf einer Wiese unter einem großen Baum in der Nähe eines Sees oder unter Umständen passt es vielleicht auch einfach auf den Nachttisch ohne weiteres großes Drumrum.

Um jetzt aber wieder die Kurve zu bekommen, also nochmal zurück zum ersten Zitat über den Herbst, weil als ich vorhin meine zahlreichen Haftmarker im Buch durchblätterte, blieb ich direkt an dieser Stelle hängen, weil ich heute Morgen mit Mörike im Kopf aufgewacht bin. Kennt das jemand? Statt eines Liedes als Ohrwurm ein Gedicht oder Gedichtfetzen im Kopf zu haben und nicht wieder rauszubekommen? So ging es mir heute Morgen mit dem ‚Septembermorgen‘, vielleicht weil es draussen so neblig war.

Und bei soviel Herbstassoziationen war es nicht mehr weit bis zu dem Gedanken, dass ich endlich mal dieses Herbstfoto als Header nehmen könnte, das schon seit letztem Jahr in dem Ordner mit den Headerfotos rumliegt, um wenigstens in der zweiten Novemberhälfte noch daran zu denken, das Bild auszutauschen.

Und weil’s ausserdem draussen seit Tagen eklig grau und dunkel und kalt ist, passt das auch ganz gut, noch ein bisschen was von dem Herbstkräftigen und dem warmen Golde über’s Blog zu kippen – wenn auch der letzte Septembermorgen schon ein paar Tage vorbei ist.

Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.

(Eduard Mörike)

Katja