Gelesen im April 2015

Im Vergleich zu den Monaten vorher, habe ich im April nicht so viel gelesen, was möglicherweise auch ein bisschen daran lag, dass ich mich durch den 800-Seiten-Band von Elizabeth George dieses Mal wirklich ziemlich durchquälen musste.

Dafür waren die anderen beiden Bücher wirklich groß! John Green hat mir so gut gefallen, dass ich im Moment schon das nächste von ihm lese und den Baker, auf den ich durch Anettes Rezension gestoßen bin, hätte ich am liebsten auch nicht aus der Hand gelegt. (Wer Anettes Blog noch nicht kennt, der bzw. dem sei es hier übrigens mal warm empfohlen. Ich mag eigentlich lieber so gemischte Feld-Wald-und-Wiesenblogs und lese wenige monothematische Blogs, aber Anettes Bücherblog lese ich unheimlich gerne, weil ich ihre Rezensionen als genau richtig empfinde. Die sind so informativ, dass ich eine Vorstellung davon bekomme, ob das Buch was für mich wäre und kurz genug, dass ich sie gerne lese.)

John Green – Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen)

Nachdem ich vor kurzem den Film ‚Das Schicksal ist ein mieser Verräter‘ gesehen hatte, wollte ich unbedingt ein Buch von John Green lesen – nur nicht direkt das Schicksal, da wusste ich ja schon, dass mir der Film gefallen hatte und der Eindruck war auch noch zu frisch. Also wurde es ‚Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen)‘.

Colin ist ein hochbegabtes Wunderkind, der – als eine seiner Besonderheiten – aus allem (im Kopf) Anagramme bildet. Eine weitere Besonderheit ist, dass Colin, schon ganze 19 Freundinnen hatte. Das alleine mag noch keine so aussergewöhnliche Besonderheit sein, doch alle 19 hießen Katherine. Gerade hat Katherine XIX sein Herz gebrochen und Colin lässt das Sommercamp für Wunderkinder in diesem Jahr ausfallen und steigt mit seinem (einzigen) Freund Hassan ins Auto und die beiden fahren einfach drauf los bis sie ein Schild an der Autobahn entdecken, das besagt, dass man in Gutshot das Grab von Franz Ferdinand besichtigen kann.

Bei der Führung lernen sie Lindsey Lee Wells kennen und kurz darauf deren Mutter, die in einer rosafarbenen Villa lebt und DIE Fabrik des Ortes betreibt. Hollis bietet den beiden einen Ferienjob an und so bleiben sie in Gutshot, wo Colin an einem Theorem arbeitet, bei dem er seine Erfahrungswerte mit den 19 Katherines in eine Formel verwursten will, die sämtliche Beziehungen in ihrer Länge und der Frage, wer wen sitzen lassen wird, erfasst und somit das Liebesglück vorhersehbar macht.

Nebenbei schließen sie Freundschaft mit Lindsey, Hassan küsst zum ersten Mal ein Mädchen, Colin lernt Geschichten so zu erzählen, dass sie nicht langweilig sind und sie gehen auf Schweinejagd und scheuchen dabei nicht nur angriffslustige Hornissen auf.

‚Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen)‘ ist eigentlich ein Jugendbuch, abgesehen davon, dass die Protagonisten Jugendliche sind, merkt man ihm das aber mMn wenig an und es ist auch für Erwachsene gut lesbar. Worauf ich nach dem Film gehofft hatte, hat sich als für mich wahr herausgestellt: John Green weiss auf jeden Fall, wie man Geschichten erzählt. Die Charaktere haben Tiefe, die Geschichte ist interessant und gut lesbar erzählt und bekommt immer noch rechtzeitig die Kurve, bevor es ins Kitschige abgleitet. Tolles Buch. Mehr von John Green bitte!

 

Elizabeth George – Asche zu Asche

„Asche zu Asche“ ist handlungschronologisch der 7. Band um Elizabeth Georges Inspector Lynley und ich habe erst gerade, nachdem ich fertig war gemerkt, dass ich ihn versehentlich vorm 6. gelesen habe – was aber so wenig stört, dass es mir tatsächlich erst nach der Lektüre aufgefallen ist.

Nachdem die vorherigen Bände so um und bei 450 Seiten hatten, kommt „Asche zu Asche“ mit 800 Seiten fast doppelt so dick daher und das hat dem Buch, mMn nicht so arg gut getan. Vielleicht ist es auch die Überladung der Handlung, weswegen ich mit diesem Band bisher insgesamt am wenigsten anfangen kann. Der Mord an Kenneth Fleming, einem bekannten Cricket Champion und die folgende Ermittlung, eine militante Organisiation, die Labortiere befreit, die ALS Erkrankung einer der Protagonistinnen. Da werden viele Dinge miteinander verknüpft, viele Fäden aufgenommen – zudem macht Lynley seiner Angebeteten einen Heiratsantrag, seine Partnerin im Team bei Scotland Yard, Barbara Havers, hat eine neue Wohnung bezogen, die örtliche Polizei in Kent und deren Brandexpertin ermitteln parallel und es kommt zu Reibereien – aber alles wirkt ein bisschen halbherzig in diesem Band. Viele angefangene Fäden werden nicht zu Ende gesponnen, sondern gehen einfach unterwegs verloren. Dafür werden die Klischees umso deutlicher gezeichnet. Was mich in bisherigen Bänden fasziniert hat – die unterschiedlichen sozialen Schichten, denen Lynley und Havers angehören und wie sie sich dabei in den Ermittlungen ergänzen, das alles kommt dieses Mal nicht so wirklich hervor und in der Beziehung zwischen Lynley und dessen mittlerweile Verlobten Helen zementiert George Rollenbilder aus dem vorigen Jahrhundert.

Näää. Das war nicht meiner und momentan bin ich nicht so erpicht* darauf, die Serie überhaupt weiterzulesen.

 

Jo Baker – Im Hause Longbourn

Während sich in den oberen Etagen des Hauses Longbourn Jane Bennet in Mister Bingley verliebt und Elisabeth Bennet damit beschäftigt ist, Mister Darcy abscheulich zu finden, sorgen die Dienstboten des Hauses für einen möglichst reibungslosen Ablauf des Haushalts. Um genau jene Dienstboten bei den Bennets geht es „Im Hause Longbourn“ von Jo Baker. Während ganz am Rande des Buches die Handlung von Jane Austens großartigem „Stolz und Vorurteil“ abläuft, beschreibt Jo Baker das Leben der Angestellten im Hause. Hauptperson ist dabei Sarah, eines der Hausmädchen und man bekommt einen völlig anderen (zusätzlichen) Blick auf das Leben in England zu jener Zeit. Während bei Jane Austens Geschichte die Mahlzeiten, wenn Gäste da sind, aufgetischt werden, bekommt man bei Jo Baker Einblick in die Zubereitung in der Küche. Der Besuch des Erben bekommt eine ganz andere Bedeutung, wenn die Bediensteten versuchen, ihre Stellungen für die ungewisse Zukunft zu sichern und dass die Bennet-Töchter ständig über staubige oder gar matschige Landstraßen spazieren gehen, bekommt eine ganz andere Note, wenn man es aus der Sicht deren erlebt, die die dreckverkrusteten Rocksäume wieder sauberschrubben müssen – bis die Hände bluten und darüber hinaus.

Das wirklich geniale an dem Buch ist für mich aber, dass es eine ganz eigenständige Geschichte erzählt, bei der es zwar Überlappungen zu Austens Werk gibt (und natürlich ist der Lesegenuss größer, wenn man die Geschichte um Elizabeth und Darcy kennt), die aber trotzdem ganz für sich alleine steht. Es ist keine Nebenhandlung zur ‚Hauptgeschichte‘, sondern ein Buch über das Leben der Dienstboten – und speziell des Hausmädchens Sarah – um die Jahrhundertwende vom 18. ins 19. Jahrhundert. Dabei ist die Sprache etwas rauher und die Themen etwas derber als bei Austen, das ist sehr stimmig für den geringeren Stand der Figuren.

Schönes, spannendes und interessantes Buch, das angemessen respektvoll mit der Vorlage Austens, ihren Figuren und ihrer Handlung umgeht. Einzig mit dem Ende tat ich mir ein bisschen schwer und bin nicht sicher, wie realistisch es für die damalige Zeit sein könnte. Aber letztendlich war es sehr stimmig für die Figuren, die ja auch ein wenig eigensinnig sind.

Ich muss jetzt dringend nochmal die BBC Verfilmung mit Colin Firth gucken und die Dienstboten – so sie zu sehen sind – mit angemessener Aufmerksamkeit und Respekt betrachten.

Katja

[*Die Redewendung „auf etwas erpicht sein“ stammt übrigens vom Verb „erpichen“, das im 16. Jahrhundert dafür verwendet wurde, wenn etwas mit Pech festgeklebt wurde. Man ist wie festgeleimt, auf etwas versessen. (Quelle)]

 

 

Gelesen im Dezember 2014

Kurz und schmerzlos und ohne viel Gerade drumrum, weil ich gerade beim Erstellen meiner Top-5-Liste von 2014 bemerkt habe, dass es praktisch wäre, die Dezember-Leseliste zuerst zu veröffentlichen, um hierher verlinken zu können.

Das Jahr hat sich auf jeden Fall – sowohl, was meine mit Büchern zugebrachte Zeit als auch, was die wirklich guten Bücher angeht – im November und Dezember sehr gemacht.

Thommie Bayer – Vier Arten, die Liebe zu vergessen

Michael, Thomas, Bernd und Wagner waren in ihrer Jugend auf dem gleichen Internat und nicht nur das: aus den anfänglich verfeindeten Jungs wurde, eher durch einen Zufall, eine A Capella Gruppe. Jetzt sehen sie sich nach über 20 Jahren Funkstille auf der Beerdigung von Emmi, ihrer ehemaligen Lehrerin und Mentorin wieder und könnten verschiedener nicht sein. Trotzdem lädt Michael die anderen spontan zu sich nach Hause ein, nach Venedig, wo er seit 9 Jahren lebt. Aber was ist das eigentlich? Der Versuch, eine alte Freundschaft wieder aufzuwärmen oder jener, etwas ganz neues zu erschaffen? Und dann ist da auch noch Erin, eine weitere ehemalige Schülerin Emmis…

Thommie Bayer erzählt nicht nur aus den verschiedenen Perspektiven der vier Schulfreunde, er verwebt auch die unterschiedlichen Zeiten sehr gekonnt miteinander.

Bei Büchern mit Perspektivwechseln geht es mir manchmal so, dass ich genervt bin, wenn die Perspektive springt obwohl ich an dieser Stelle unbedingt mehr erfahren wollte. Das ging mir bei diesem Buch kein einziges Mal so. Das ist alles sehr stimmig verflochten. Die Charaktere sind nicht alle ausschließlich sympathisch (weil sie das gar nicht sein sollen), aber alle gelungen und in sich stimmig und glaubwürdig. Alle vier sind irgendwie, auf ganz verschiedene Weisen, im Leben an der Liebe gescheitert und das zeigt sich als (fast) einzige Gemeinsamkeit bei ihrem Aufeinandertreffen nach so vielen Jahren und das ist interessant und warmherzig und an vielen Stellen auch philosophisch erzählt:

„Immer wenn jemand stirbt, merkt man, dass es nicht so viele sind, mit denen man wirklich lebt. Die einem wichtig sind, mit denen man wirklich lebt. Die einem wichtig sind und für die man selber wichtig ist. An Emmis Grab ist mir aufgefallen, dass sie mir fehlen wird. Das wusste ich bis dahin nicht. Ich habe den Kontakt einfach abreißen lassen und erst, als es zu spät war, kapiert, dass ich mich irgendwie immer auf Emmi verlassen habe.
Vielleicht war sie so was wie ein Ersatz für meine Mutter. Auf einmal hatte ich das Gefühl, jetzt bläst mir ein Wind ins Gesicht, der vorher nicht da war.“

(Thommie Bayer, Vier Arten, die Liebe zu vergessen, Seite 157)

„Vier Arten, die Liebe zu vergessen“ ist ein ganz wunderbares Buch und gehört sicher zu den schönsten, die ich in diesem Jahr gelesen habe.

 

Jonas Jonasson – Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Eine Stunde bevor im Altenheim die Feier zu seinem 100. Geburtstag beginnen soll, klettert Allan Karlsson aus dem Fenster seines Zimmers mitten in die Blumenrabatten und büchst aus. Als ihn kurz darauf ein stoffeliger junger Mann, Mitglied der Motorradgang ’never again‘ am Busbahnhof bittet, mal eben auf seinen Koffer achtzugeben, während er zur Toilette geht, nimmt Allan den Koffer kurzerhand mit als sein Bus kommt. Kurz darauf begegnet er Julius, der seinen Lebensunterhalt, mehr oder weniger gut, durch Kleinkriminalität bestreitet und während die beiden sich bei Elchgulasch und jeder Menge Schnaps verbrüdern, taucht das Gangmitglied auf der Suche nach seinem Koffer in Julius Behausung auf.

Was dann beginnt ist ein großer Spaß und Roadmovie erster Güte, denn nicht nur die Mitglieder von ’never again‘ sind hinter Allan her, sondern auch die Polizei und Staatsanwalt suchen den alten Mann, zuerst weil sie glauben, er sei entführt werden, später, wegen Verdacht auf 3-fachen Mordes, für den sie allerdings keine Leichen haben.

Niemand konnte ein Publikum so in Bann schlagen wie Großvater, wenn er mit dem Priem im Mund und leicht auf seinen Stock gestützt auf seiner Holzbank saß.
„Ja, aber… ist das denn wirklich wahr, Opa?“, fragten wir Enkel dann immer ganz hingerissen.
„Wenn ein’n man jümmers bloß de Wohrheit vertellt, denn is dat de Tid nich wert, dat je em tohört“, antwortete Großvater.

Dieses Buch ist ihm gewidmet.

Jonas Jonasson

Ich glaube, der Großvater ist / oder wäre unglaublich stolz auf den Enkel, denn die haarsträubende Geschichte, die Jonas Jonasson hier erzählt, ist zwar eindeutig nicht wahr, aber die Zeit, die man ihm zuhört bzw. die Geschichte liest, ist gut investiert!

Während die Gruppe um Allan immer größer wird und mehr Menschen versammelt, die mit ihm gemeinsam auf der Flucht sind, erfährt man ausserdem in Rückblicken, wie es dem Hundertjährigen so in seinem Leben ergangen ist und rein zufällig war der bei vielen wichtigen politischen Ereignissen des 20. Jahrhunderts nicht nur live zugegegen sondern oft auch maßgeblich am Ausgang beteiligt. So rettete er zufällig Generalissimo Franco im spanischen Bürgerkrieg das Leben und gab den Physikern des Manhattan-Projekt den entscheidenden Hinweis, der den Bau der Atombombe ermöglichte – um nur zwei der spektakulären Lebensstationen zu erwähnen.

Das ist alles so dermaßen haarsträubend und absurd konstruiert, dass es schon wieder unfassbar gut und unheimlich witzig ist. Tolles Buch!

(Danke an Svü, die es für mich bei einer Verlosung zum Welttag des Buches gewonnen hat. ❤ )

(Kurz danach habe ich übrigens den Film gesehen und der ist tatsächlich Zeitverschwendung! Guckt den nicht, lest lieber das Buch! :))

 

Sascha Bors – Papa, ich geh zum Zirkus! oder: Karriere – kann man das essen?

Sascha Bors, der ein recht bekanntes Taxiblog schreibt, beschreibt hier anekdotisch seinen Lebensweg von der Schulbank in Stuttgart über diverse Stationen im Niedriglohnsektor bis er schließlich Taxifahrer in Berlin wird.

Hm, schwierig. Man kann das lesen, vor allem (und das war für mich tatsächlich das beste daran) weil es sehr kurz ist und schnell gelesen. Aber das ist ja nie ein gutes Zeichen, wenn man froh ist, ein Buch hinter sich zu haben. Man muss es also meiner Meinung nach tatsächlich nicht lesen. Ich fand die Geschichten okäääy (mit langem ä), aber weder besonders spannend oder auch nur interessant. Und mich hat an vielen Stellen gestört, dass hier ziemlich in alle möglichen Richtungen ausgeteilt wird, die selbstironischen Stellen stehen Buch und Autor deutlich besser zu Gesicht.

 

Robert Asprin (Hrsg.) – Die Diebe von Freistatt

Ich bin kein großer Fan von Fantasyliteratur, aber ich liebe Robert Asprins Funny Fantasy Dämonen-Zyklus rund um Skeeve, Aahz, Tanda und Glieb, und auch seine Serie über die Chaos-Kompanie, heiss und innig. Beide Serien habe ich in den letzten Jahren mehr als einmal gelesen, deswegen war es jetzt an der Zeit, mir Asprins weiteres großes Werk – den Diebeswelt-Zyklus – anzuschauen. Asprin schrieb hier nicht alleine sondern versammelte zwischen 1979 und 89 etliche Fantasyautoren und erschuf Freistatt – eine weitere Fantasywelt. Jedoch eine, vor deren Hintergrund dann die beteiligten Autoren ihre eigenen Helden einbrachten und ihre Geschichten erzählten und die Welt gemeinsam fortschrieben. 18 Bände hat Asprin insgesamt herausgegeben. „Die Diebe von Freistatt“ ist der erste Band des Zyklus und enthält auf insgesamt knapp 200 Seiten 4 Geschichten, je eine von John Brunner, Lynn Abbey, Poul Anderson und Andrew Offutt, sowie eine längere Einleitung von Asprin, in der er sowohl die Idee zur Anthologie als auch die Welt vorstellt.

Soweit der interessante Teil des Ganzen. Leider sind dann drei der vier Geschichten gar nicht nach meinem Geschmack. Weder gibt es interessante Charaktere, noch spannende Handlung und auch die Sprache gefällt mir in diesen drei Geschichten überhaupt nicht. Einzig sehr positiv sticht für mich „Todesurteile“ von John Brunner heraus.

Durch die Kürze der einzelnen Geschichten habe ich auch weitergelesen, obwohl mir die meisten nicht gefielen – die nächste hätte ja besser sein können. Das kann unter Umständen aufgehen, für mich ging es nicht auf, weil mir der deutlich größere Anteil nicht gefiel. Vielleicht lag es auch nicht primär am Fantasycharakter, sondern an der Kürze der Geschichten, dass sie mir so fern blieben. Im Grunde ist das aber egal, für mich bleibt Band 1 der einzige der Serie. Es gibt ja eh viel mehr (gute) Bücher als man zu lesen schafft.

 

Alan Bradley – Flavia de Luce, Vorhang auf für eine Leiche

Im vierten Band der Reihe kommt jede Menge Leben in die ansonsten so ruhigen Gemäuer des de Luce’schen Familiensitzes Buckshaw. Um den finanziellen Ruin abzuwenden hat Flavias Vater das Herrenhaus an eine Filmcrew vermietet, die dort ausgerechnet kurz vor den Weihnachtstagen mit einer vielköpfigen Mannschaft Einzug halten. Als dann bei einer vom Dekan auf Buckshaw organisierten Bühnenaufführung am Weihnachtsabend die ganze Gegend einschneit und fast die komplette Bevölkerung von Bishop’s Lacey sich auf Buckshaw befindet, wird in der Nacht eine, mit einem Filmstreifen erdrosselte, Leiche gefunden. Natürlich von Flavia, die auch in diesem Fall wieder auf eigene Faust ermittelt und der Polizei ein ums andere mal eine Nasenlänge voraus ist, während sie ausserdem versucht den Weihnachtsmann einzufangen und ein großes Feuerwerk zu planen.

Überaus unterhaltsam. Ich mag Flavia, diese naseweise, chemievernarrte 11-jährige Hobbydetektivin wirklich von Band zu Band noch lieber! 🙂

 

Jane Austen – Stolz und Vorurteil (in der Übersetzung von Karin von Schwab)

Die zauberhafte Geschichte um Miss Bennet und Mr. Darcy hat vermutlich ausser mir schon jede*r gelesen und wer nicht, ist selber schuld. Ich hatte vor einiger Zeit die BBC Verfilmung mit Colin Firth als Mr. Darcy gesehen und spätestens seitdem wollte ich das Buch lesen. Abgehalten hat mich dann eine ganze Weile, dass ich mir bei Klassikern oft mit der etwas sperrigen Sprache ein bisschen schwer tue. Die Befürchtung war aber bei Jane Austen ganz unbegründet. Das liest sich flüssig, sie schreibt ungeheuer jung und spritzig und die Figur der Lizzy Bennet muss für die damalige Zeit aussergewöhnlich gewesen sein, so modern und unabhängig wie sie agiert. Immerhin ist das Buch in 2013 schon 200 Jahre alt geworden.
Fast noch mehr als Elisabeth mag ich den trockenen Humor ihres Vaters:

Nachdem Mr. Bennet sich eines Morgens die Ergüsse seiner beiden jüngsten Töchter eine Weile hatte mit anhören müssen, meinte er: „Soweit ich nach eurem Gerede schließen kann, dürftet ihr die beiden dümmsten Mädchen im ganzen Land sein. Den Verdacht hatte ich schon längere Zeit, aber jetzt weiß ich es mit aller Gewißheit.“

(Jane Austen, Stolz und Vorurteil, Seite 38)

Katja