Tag 24/44

Einatmen. Arme zusammendrücken und dabei ausatmen. Eins. Einatmen. Arme zusammendrücken und dabei ausatmen. Zwei. Einatmen. Arme zusammendrücken und dabei ausatmen. Drei. Einatmen. Die Augen schließen. Nichts denken. Nichts von außen wahrnehmen, nur die Spannung der Muskeln und den eigenen Atem. Vier. Einatmen. Arme zusammendrücken, den Schmerz im Muskel fühlen und dabei ausatmen. Fünf. Einatmen. Arme zusammendrücken und dabei ausatmen. Sechs. Einatmen. Schnaufen. Einatmen. Arme zusammendrücken, den Schmerz im Muskel fühlen und merken, dass das ein gutes Gefühl ist. Ausatmen. Sieben. Einatmen. Arme zusammendrücken und dabei ausatmen. Acht. Einatmen. Beim Ausatmen ächzend die Arme zusammendrücken. Neun. Nur noch einmal. Einatmen. Ausatmen und dabei die Arme zusammendrücken. Zehn.

Atmen und Fokussieren. Und sich bei jeder Anspannung, jedem Schmerz im Muskel lebendig fühlen.

Einatmen. Ausatmen.

Endlich hat die Endorphinfabrik wieder geöffnet.

Katja

Tag 19/44

Ich bin müde und mir tut alles weh, aber das ist gerade auch in Ordnung, weil ich jetzt zwei Tage lang am Wurschteln im Garten war, damit wir das dieses Jahr endlich mit dem Hochbeet hinbekommen und hoffentlich auch noch mit der eigenen Erdbeerernte. Dussligerweise habe ich vergessen, ein Vorher-Bild von der schlimmen Ecke im Garten zu machen, aber vielleicht ist es auch ganz gut, den Erdhaufen des Schweigens darüber zu legen. Den sehr hohen Erdhaufen des Schweigens, der jetzt an anderem Ort lagert und darauf wartet, dann nochmal rumgeschippt zu werden, um im Hochbeet zu landen. Hussa. In der Garage stehen seit gestern 8 Europaletten und warten darauf, dass sie lasiert werden, was erst geht, wenn die Lasur dann überhaupt mal da ist. Das ist alles nicht so einfach gerade mit solchen Bauprojekten ohne geöffnete Baumärkte in der Nähe. Was hingegen ab morgen in Hessen wieder öffnen darf sind die Muckibuden. Es gibt strenge Auflagen und Hygienekonzepte und man kann nur mit Termin hingehen und nur einer pro 40 qm und FFP2 etcpp, aber holy cheesecake, ich darf endlich wieder trainieren gehen. Die Psyche wird’s freuen, ich nenne den Laden ja nicht grundlos Endorphinfabrik. Die Trainerin hat’s gerade schon gefreut, dass ich so motiviert bin. Mit der habe ich eben telefoniert, um direkt einen Termin zu buchen. Dienstag geht’s los. Mal sehen, ob mein Gartenmuskelkater bis dahin schon ein bisschen besser ist. Ich bin auf jeden Fall gerade sehr happy darüber, dass ich auch direkt den Hintern hochbekomme und frühstmöglich wieder anfange. Der ist übrigens schon 5,5 Kilo leichter als zu Jahresbeginn. Wenigstens *etwas* bekomme ich gerade ganz gut auf die Reihe und die minus 10 kg, die ich mir für dieses Jahr als Minimum vorgenommen habe, scheinen so gut erreichbar zu sein, dass ich den Genuss nicht ganz ausklammern muss. Hussa².

Katja

Umgekehrt wird ein Schuh daraus*

Vor ein paar Monaten habe ich zum ersten Mal im Leben Sport für mich entdeckt und vor allem in dem Sinne entdeckt, dass ich merke, wie sehr er sich auf mein seelisches Gleichgewicht und Wohlbefinden auswirkt. Wenn ich japse, alle Muskeln jaulen, ich an meine Grenzen gehe und manchmal auch drüber hinaus, dabei die richtige Musik im Ohr habe, stellt sich irgendwann automatisch ein Grinsen im Gesicht ein und es hat schon seinen Grund, dass ich vom Fitnessstudio meist als die „Endorphinfabrik“ spreche.

In den letzten 3 Wochen war ich nicht trainieren, weil’s mir schlecht geht (Ha! Mit ein bisschen Übung fällt es mir gerade leichter, das Kind beim Namen zu nennen und ich habe mich nicht von „nicht so gut“ kommend auf „schlecht“ korrigieren müssen.) und ich so viele Termine um die Ohren habe, dass ich froh über jeden Tag war, an dem ich nicht aus dem Haus und vor allem nicht unter Menschen musste. Ich habe mich stattdessen, so oft und gut es ging (und das war nicht besonders häufig) zu Hause vergraben und darauf gewartet, dass es mir irgendwann wieder so viel besser gehen wird, dass ich auch wieder motiviert bin, trainieren zu gehen.

Das. Funktioniert. So. Aber. Nicht.

Das dämmerte mir schon vor ein paar Tagen und heute hatte ich endlich wirklich die Zeit, hab mir ’nen Tritt abgeholt, mich aufgerafft, die Sportsachen gepackt und bin trainieren gegangen. Und es war wie’s fast immer ist: ich habe geschwitzt, jeder Muskel tat irgendwann weh – aber der Kopf wurde im Laufe der zwei Stunden immer leichter und es ging mir seit Tagen nicht so gut wie gerade. Körperlich total ko, psychisch endlich mal nicht mehr im Dauernd-Losweinen-Müssen-Modus.

Und damit ich nicht so schnell wieder vergesse, dass ich mich erst aufraffen muss, um Sport zu machen, damit es mir besser geht, anstatt zu warten, dass es mir von selber besser geht, um mich wieder zum Sport aufraffen zu können, halte ich das lieber direkt hier fest! (Filed under: #TIL)

Gib mir ein leichtes Schwert
für meine schwere Hand
eins das führt, wenn ich folge
und folgt, wenn ich führe

Ein leichtes Schwert
für meine müde Hand
eins das tanzt wie ein Schmetterling
tanzt wie ein Schmetterling
tanzt, tanzt, tanzt

(Judith Holofernes – Ein leichtes Schwert)

Katja

[*Link zur Erklärung des Ursprungs der Redewendung im Titel. Geht euch das auch so, dass ihr sowas immer nachschlagen müsst?]