Neulich beim Einkaufen / 28 to go

„Wollen wir noch Gorke mitnehmen? Wollen wir heute Abend einen Gorkensalat machen?“ ruft die brünette Mittdreissigerin mit dem kleinen Kind, das total in pink gekleidet, im Kindersitz in ihrem Einkaufswagen thront, neben mir stehend, in unbestimmte Richtung. Ich gucke mich um, kann nicht erkennen, wen sie gemeint hat und kichere nur innerlich ein bisschen vor mich hin. Gorke. Gnihi. Zo Tösssch! Össs göbt Gorkensalat!

Ein paar Minuten später in der Obst- und Gemüseabteilung bin ich ganz entzückt vom Anblick eines jungen Papas. Mit seiner vielleicht 4 oder 5 jährigen Tochter an der Hand schlendert er, trotz des überfüllten Ladens, total entspannt und mit Engelsgeduld einmal in der ganzen Abteilung rund.

„Und was ist das?“
„Wassermelone.“
„Und das hier?“
„Kohlrabi.“
„Und das?“
„Kohlrabi.“
„Aber Kohlrabi war doch gerade schon das daneben und das sah ganz anders aus. Was könnte das hier denn sein?“
„Ich weiss es, aber ich darf’s dir nicht verraten.“
Der Papa lachend: „Ich weiss, die Mama kocht das nicht so oft, weil sie’s nicht mag. Ich verrat’s dir: das ist Brokkoli.“
„Brokkoli.“ wiederholt die Kleine andächtig.
„Was ist denn das hier?“
„Das weiss ich! Paprika.“
„Und das?“
„Gorke.“

Nein. Ich habe nicht losgeprustet. Ja, ich habe mir dabei innen auf die Backe gebissen. 😀 Immerhin habe ich rausgefunden, an wen sich die Frage vorher richtete.

Hihihi.

Katja

 

Sanch van Nilpferto

Heutzutage ist es kaum noch denkbar, ohne Navigationsgerät auf Reisen zu gehen. Wo man früher als Beifahrerin den Atlas auf dem Schoß hatte oder unförmige Landkarten ent- und wieder zusammengefaltet hat, kann man jetzt lässig entspannt zurückgelehnt sitzen und den freundlich einlullenden Anweisungen des Navis lauschen.

Komplett einlullen sollte man sich allerdings doch nicht lassen, denn mitunter ist es im Ausland überaus unterhaltsam, was die Navistimme da hervorbringt, wenn der freundliche Computermann wieder mal versucht, die Ansagen in landessprachlicher Betonierung* zu machen.

„Fahren Sie rechts Richtung Franzi.“

„Biegen Sie im Kreisverkehr rechts ab in Richtung Pferto.“

„Fahren Sie in 600 Metern links in Richtung Port Ogall.“

„Nehmen Sie die nächste Abfahrt. Fahren Sie ab in Richtung Hülva.“

„Fahren Sie im Kreisverkehr links in Richtung Sanch van Nilpferto.“

Wenn man sich das als Beifahrer eine Weile lang anhört, kommt man gar nicht mehr in Versuchung einzuschlafen. Immerhin hat man auch genug damit zu tun, die schönsten Lapsus schnell zu notieren und den Fahrer zu beknien, dass er da dringend nochmal langfahren muss, damit man auf dem Schild nachlesen kann, wie dieser Sanch van Nilpferto denn nun tatsächlich heisst. 😀

Katja

(*Das ist mein Lieblingsaussprachefehler meiner Spanischlehrerin, die irgendwann in einem der ersten Kurse mehrfach von falscher Betonierung sprach und uns gestenreich erklärte, wie man auf Spanisch richtig betoniert.)

 

 

 

 

(Franzi = Francia = Frankreich, Pferto = Puerto = Hafen, Port Ogall = Portugal, Hülva = Huelva (im Spanischen wird jeder Buchstabe einzeln nacheinander betoniert), Sanch van Nilpferto ❤ = San Juan del Puerto)

Skurriles bei der Ferienhaussuche oder Abgrundbeleuchtung für Silencer

Das Haus für 16 Personen, die sich auf 4 Schlafzimmer verteilen sollen. 2 Doppelzimmer und 2 Sechsmann-/bzw. -frauzimmer, bei denen sich in der Mitte ein etwa schulterbreiter Gang befindet und links und rechts davon je ein 3-Stöckiges-Etagenbett mit so wenig Platz zwischen den Etagen, dass man in den unteren beiden Etagen nicht auf der Seite liegen kann. Und nein, die werben nicht mit realistischem Meuterei-auf-der-Bounty-Feeling, obwohl mir persönlich die Meuterei ja bei Vollbelegung unausweichlich erscheint.

Die Wohnung, bei der das benutzte Kaffeegeschirr mit halbgegessenen Kuchenstücken und überquellendem Aschenbecher für die Fotos schnell vom Tisch geräumt wurde.
In das leere Regalfach unterm Fernseher.
Wo sie dann mit auf dem Foto auftauchen.
Ganz möglicherweise handelte es sich dabei allerdings auch um eine künstlerische Installation. Genaueres weiss man nicht.

Die ‚Vaddi, pack doch mal die Blume mit ins Bild. Das sieht gemütlicher aus.‘-Wohnung, wo in jedem einzelnen Raum die haargenau gleiche Rose, mal in einer Vase auf der Küchenarbeitsfläche, mal lose auf Tisch oder Bett liegend, mal auf dem Waschbeckenrand mit auftaucht. Wie gemütlich!

Was dem Deutschen der Fließentisch ist dem Spanier scheinbar der Tisch mit schwerer mehrschichtiger bodenlanger Decke und Glasplatte drüber. Seit wir im letzten Jahr mit einem solchen Bekanntschaft machen durften, bin ich großer Fan des klassisch schlichten Fließentisches. Der hat idR wenigstens keine schwere Samtdecke, in der sich jede Menge Gerüche und Essensreste von Generationen von Ferienwohnungsmietern sammeln. (Nein, leider keine Übertreibung.)

Die Wohnung, bei der auf fast jedem Bild die gleiche junge blonde Frau im knappen Bikini mitabgelichtet ist, mal auf der Sonnenliege, mal beim Geschirr spülen. Scheint aber Verarsche zu sein. In der detaillierten Ausstattungsbeschreibung taucht sie zumindest nicht zwischen Spülmaschine und Tiefkühlfach auf.

Bilder, auf denen man etwas erkennen kann, kann ja jeder! Wir machen folgendes: wir verkleinern unsere Fotos auf Thumbnailformat, sagen wir 40*30 Pixel und dann zoomen wir die wieder hoch auf 400*300 Pixel. Wohoooo. Guck mal, voll der Space-Invaders-Retropixelstyle!

Das Ferienhaus mit den 16 Fotos, von denen genau 0 einen Teil des Inneren zeigen. Aber tolle Terrasse! Ehrlich!

Die Wohnung, bei deren Fotos man glaubt, es ginge nicht darum, die Wohnung zu vermieten, sondern den Wohnzimmertisch bei Ebay zu verscherbeln. Fotos aus allen möglichen und unmöglichen Perspektiven, mit möglichst unterschiedlicher Deko und Tischdecke. (Ey, 8 Fotos von einem fucking Tischchen.)

Häuser mit Meerblick gibt es in folgenden Bedeutungen:
*von einem, mehreren oder allen Fenstern / Terrassen / Balkonen der Wohnung / des Hauses aus
*wenn man auf den Badewannenrand klettert und den Oberkörper aus dem Fenster beugt, vom Badezimmerfenster aus
*der Ort, in dem sich die Wohnung befindet liegt grob in der Nähe eines Meeres oder sonstigen Gewässers, mindestens aber innerhalb eines Landes, in dem es Meere oder sonstige Gewässer gibt.

Die Wohnung für Fledermäuse: Wie kann es eigentlich passieren, dass man nicht merkt, wenn man sämtliche Fotos kopfüber in ein Online-Vermietungsportal hochlädt?

Die Wohnung mit 5 Wohnungsfotos und 15 Meerfotos, 1 von der Stadt, 1 mit Palmen, 1 mit Bergen, 1 vom Kirchenfenster. So in etwa ist bei mir auch das Mengenverhältnis, wenn ich aus dem Urlaub zurück bin. Ich weiss zwar nicht wie die Wohnung aussieht, aber der Vermieter und ich haben eindeutig die gleichen Prioritäten.

Und dann endlich: Haus gefunden! Alles super! Jetzt nur noch beim Eigentümer nachfragen, ob es im gewünschten Zeitraum frei ist und wieviel es kostet. Er gibt an, Spanisch und Englisch zu können. Wir fragen auf Englisch, bekommen nach 3 Tagen eine ziemlich sinnfreie Antwort, fragen erneut. Dann kommt gar keine Reaktion mehr, bis ich nach einer Woche auf die Idee komme, die Anfrage nochmal auf Spanisch zu stellen. Und dann kommt auf einmal innerhalb von 7 Minuten die ersehnte Antwort.

Mittlerweile ist die Anzahlung geleistet, die Buchung verbindlich bestätigt und in 8 Wochen geht’s los. Daher endet die Sammlung dann auch hier. Zumindest für dieses Jahr. 😀

Katja