Black Chamber

Die Depression hat mich seit Ende letzten Jahres wieder fest im Griff. Angst ist wieder mein täglicher Begleiter und die Tage ohne Panikattacken sind seltener als jene mit. Kommunikation fällt mir schwer, Mails bleiben ewig unbeantwortet, die Blogkommentare bleiben unbeantwortet und selbst die Weihnachtskarten liegen noch ungeschrieben auf dem Schreibtisch. Mittlerweile unter einem dicken Stapel sonstiger Papiere begraben, denn die innere Unordnung spiegelt sich gerade auch nach außen. Rückzug, einigeln, die „bewährten“ Methoden, um es noch schlimmer zu machen und doch gelingt es mir gerade nicht, die Muster aufzubrechen, das zu tun, was mir gut tut, was hilft. Stattdessen schaue ich mir selber beim Fallen zu und immer, wenn ich denke, der Tiefpunkt sei erreicht und es geht wieder ein Stück aufwärts, kippt alles wieder kopfüber und ich lande noch ein bisschen weiter unten. Seit Wochen will ich bloggen. Schreiben hilft. Worte finden und Dinge benennen hilft. Aber auch da komme ich über die Absicht nicht hinaus, warte auf die „richtigen“ Worte und weiß doch eigentlich, dass die Worte sich fast immer erst im Schreiben finden.

Jetzt also hier der Versuch, endlich wieder welche zu finden und die Gedankenspiralen schreibend zu entwirren.

I am lost in the black chamber
There’s no way to turn back
It takes me down forevermore
And death would be so sweet
I’m possessed by the old creature
Who had planned all
To take my soul
Too late for me
In my hands
It liest I thought
But I failed
Now he’s in me
My soul is lost
In his black chamber
I’m gone
Katja

*macht Lebensaufräumgeräusche*

Dann, irgendwann, Monate später, bekommt der Text doch noch seine Widmung und seinen Adressaten und die immer wieder aufreißende Wunde in mir, vielleicht endlich die Ruhe, die sie zum Heilen braucht.

Aus Gründen des Selbst/-schutzes und/oder des auf-mich-selber-Achtgebens an einigen Stellen Grenzen zu ziehen, an anderen Hürden einzurennen, ist noch neu und ich bin noch nicht so sicher, was da gerade in mir und mit mir passiert. Bei aller Verwirrung und Überforderung, ist da auch eine ganz neue Klarheit und furchtbar viel Energie und Mut, die mich andauernd selber überraschen und von denen ich gar nicht weiß, wo zur Hölle die gerade herkommen. Same same but very different. Und so wie mein Draußen auf einmal in viel mehr Bewegung ist, scheint es auch in mir zu sein. Ein bisschen ist das wie beim Aufräumen, wo mir auch äußeres Wohnungaufräumen so oft hilft, in meinem Kopf mehr Klarheit zu finden.

„Bleiben Sie bei sich selber“ hallt die Stimme des Therapeuten immer wieder in meinem Kopf und ersetzt oder übertönt zumindest so manches Mal jene Stimme, die mir einredet, wertlos zu sein.

Bleiben Sie bei sich. Und vielleicht ist es genau das, woher auf einmal der Mut und die Energie kommen. Vielleicht mache ich genau das gerade zum ersten Mal im Leben wirklich.

Es bleibt spannend! Bleiben Sie dran!

Katja

(Danke an die, die mir gerade dauernd stellvertretend für mich selber auf der Schulter rumhaut, weil ich das (noch) nicht kann. ❤ )

Eine mit so fröhlich leuchtenden Pünktchen

(Für M.)

Und dann stehst du da, ein kleines Stück deines Herzens in den Händen und du hast es extra verpackt ins schönste Geschenkpapier, das du hast und dann noch eine kleine Schleife drumherum gebunden, eine mit so fröhlich leuchtenden Pünktchen drauf und du streckst die Hände vor, bereit es zu verschenken, jemanden hineinzulassen, der eigentlich ja längst schon drin ist und der guckt von dir zu deinen Händen und zurück und sagt, ach komm lass mal, das kann ich gar nicht brauchen, dafür hab ich keine Verwendung, das kommt mir irgendwie ungelegen und das ist doch eigentlich auch gar nicht so richtig was, und dein Lächeln erstirbt und du lässt beschämt die Hände sinken, würdest selber am liebsten im Erdboden versinken, guckst zu Boden und du brauchst eine Weile, versuchst, den Kloß im Hals runterzuschlucken, gehst langsam und zögerlich einen Schritt rückwärts und dann noch einen, während im Kopf laut der „du-hast-es-wieder-mal-vergeigt-Chor“ schon mal lossingt, in voller Lautstärke und schief, während das „du-bist-halt-einfach-nicht-liebenswert“-Orchester noch schrill seine Instrumente stimmt und du sagst, lasst mich, lasst mich doch, und willst nicht wahrhaben, was so wahr ist, hast so viele Abers im Kopf und im Herzen, aber irgendwann wird dir klar, dass du manche Dinge nicht verschenken kannst, auch wenn du sie wirklich als Geschenk meinst und du gehst traurig noch einen Schritt zurück und noch einen, während du das leise Klirren, das aus der Verpackung in deinen Händen kommt, hörst und du versuchst, tapfer die Zähne zusammenzubeißen und dir zu sagen, dass es zumindest nicht nur dein Verlust ist, aber du beißt dir dabei nur von innen in die Backe.

Katja