Augenblick.

Dieser Moment, wenn der Sturm ein bisschen abflacht, der Regen nachlässt. Wenn zwar überall Blätter durch die Straßen fegen und kleine Äste rumliegen, weil noch niemand sie weg- und aufgeräumt hat, aber erst mal, wenigstens im Augenblick, keine neuen mehr runterfallen. Wenn die Luft ganz klar ist und frisch und noch nach Regen riecht. Wenn die grauen Sturmwolken erste Lücken bekommen, durch die Sonnenstrahlen gleißend einfallen und im Kontrast zum Grau, ein surreales Zwielicht entsteht. Wenn alles – für einen Augenblick nur – anhält. Ruhig. Klar. Durchatmen. Nur für einen Augenblick.

Dieser Moment. Aber in einem drinnen.

Katja

Es geht bei Zeit ja meist ums Nehmen, nicht ums Haben

Immer, wenn von aussen viel auf mich einstürzt, fühlt es sich in mir an, als käme ich gar nicht mehr zur Ruhe. Wenn der Berg der zu erledigenden Dinge groß ist, verliere ich oft erst mal den Überblick, gerate ins Trudeln und schaffe es – je stärker ich trudele – nicht gut, mir einen Plan zurechtzulegen. Der Kopf steht dann nicht still. Nie. Nachts kann ich noch schlechter schlafen als ohnehin schon, weil 1000 Darfstenichtvergessens und Mussteunbedingtdrandenkens in meinem Kopf eine Party feiern.

Was mir dann – das hat die Erfahrung der letzten Jahre mich gelehrt – verlässlich gut hilft ist, wenn ich mit einer gewissen Regelmäßigkeit meinen Kopf im Blog auskippe. Wenn ich hier Gedanken aufschreibe, wird es dort (also im Kopf) ruhiger, werde ich ruhiger. Der Haken an der Sache ist, dass ich genau das, was gut hilft, dann oft nicht gut hinbekomme. Viel los, viel zu tun und immer ist es das Bloggen, das auf der Strecke bleibt, weil das ja _eigentlich_ nur Freizeitvergnügen ist und wenn da (mindestens gefühlt) wenig Freizeit ist, fehlt mir die Ruhe und ich finde keinen Anfang. Und nicht mal die Feiertage bringen mich dazu, mal abzuschalten und runterzufahren.

So beobachte ich mich gerade wieder seit Wochen. Dadurch, dass ich seit Anfang Dezember diese dusslige Erkältung nicht wieder richtig losbekomme und ohnehin alles auf Sparflamme läuft, ist da noch weniger Energie übrig, um mich hinzusetzen und zu bloggen. Und es dauert jedes Mal, wenn ich in einer solchen Zwickmühle stecke, ein bisschen, bis die Erkenntnis bei mir ankommt, dass das (einer) der Haken ist, dass dieses Zeit nehmen, für diese Sache, die mir gut tut und vor allem hilft, den Kopf ein bisschen leiser zu bekommen, mich gar nicht aufhält, sondern voranbringt.

In diesem Sinne also endlich wieder ein Versuch, den gordischen Knoten im Kopf aufzubekommen. Zeit gewinnen, durch Zeit nehmen. Denn letztendlich ist ja nie welche davon übrig und es hängt alles nur an meiner Wahrnehmung.

Katja

Open mind for a different view

Meistens ist Schreiben für mich das Aufdröseln von Gedankenknäueln, aber es gibt Tage, da passiert genau das Gegenteil und ich merke beim Schreiben, wie ich mich immer weiter verheddere und wie es mir nicht gelingt, das in Worte zu fassen, was ich eigentlich ausdrücken möchte.

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Heute ist nach vielen ich-muss-heute-unbedingt-Tagen in Folge der erste ich-müsste-heute-mal-Tag und ich bin noch am überlegen, ob das nun gut oder schlecht ist. Einerseits bin ich immer noch furchtbar angespannt und fertig, von all den Dingen, die ich in den letzten Tagen erledigt habe, so sehr, dass nicht mal ein gewisser Stolz einsetzt, dass ich mich auch tatsächlich durch alles durchgekämpft habe, und ich bin froh, dass es heute auch mit einem weniger durchgetretenen Gaspedal geht. Andererseits kann ich mir das wieder mal nicht gut zugestehen, wenig zu machen und so hänge ich zwischen Motivationsverlust (der dringende Zwang ist weg) und dem nicht gut damit Fühlen, wenig zu schaffen.

So kommt es, dass mich die wenigen Dinge, die ich heute tatsächlich schaffe, viel mehr mentale Kraft kosten als das Durchziehen die letzten Tage. Und die Zeit, in der ich nichts echt Produktives mache, fließt an mir vorbei, ohne dass ich sie wirklich nutzen würde für die Dinge, die ich neben all jenen, die ich erledigen muss, gerne machen würde. So als würde irgendwas in mir dicht machen nach solchen hektischen Tagen und dieses Machenmachen anhalten – nur nicht auf dem gesunden Weg, dass es sich tatsächlich nach Ruhe anfühlt, sondern auf diesem innerlich durchdrehenden, der nur die Gedanken rotieren lässt und den Rest von mir blockiert.

Ich weiss nicht, wieviele Dinge ich heute angefangen habe, wie oft ich sinnlos in der Wohnung hin- und hergerannt bin, ohne wenn ich bei B angekommen war noch zu wissen, wieso ich von A losgelaufen war. Dann mache ich irgendwas ganz anderes, gehe zurück nach A und das, was ich machen wollte, fällt mir kurz darauf wieder ein. Nur, dass ich dann eigentlich schon etwas ganz anderes angefangen hatte, was ich in just dem Moment dann aber auch wieder aus den Augen verliere, weil mir ja das vorherige wieder eingefallen war. Und so fühle ich mich immer noch total gehetzt und gestresst, obwohl ich tatsächlich viel mehr Zeit damit verbringe, völlig verpeilt zu sein und dauernd den Faden zu verlieren, sowohl gedanklich als auch im Tun.

Und da sind so viele Gedanken in mir, die ich eigentlich aufschreiben möchte, aber mir fehlt so sehr die Zeit und die Ruhe dafür. Zumindest gefühlt tut sie das. Wie wird man das nur wieder los, dieses Zeitwegrenngefühl? Ich glaube, ich hänge da seit Wochen drin fest und weiss nicht, wie ich zur Ruhe kommen soll, weil ich, sobald ich mich still hinsetze, auch sofort wieder das Gefühl habe, dringend etwas zu erledigen zu müssen, weil da so viele Dinge sind für viel zu wenig Zeit… Aber das, was wirklich fehlt ist vermutlich gar nicht so sehr die Zeit sondern nur die innere Ruhe.

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Und der Kopf kreiselt und kreiselt und dann kommt eine SMS und ein Anruf und mir wird wieder mal bewusst, was dieses in mir selber festhängen doch für Luxusprobleme sind, im Vergleich zu jenen echten Problemen, die über anderen gerade zusammenbrechen. Und das ist der erste Moment, wo die Welt kurz stillsteht und die Gedanken kurz stillstehen und wo ich denke, dass das alles nichts ist, das, was ich da oben um mich selber kreiselnd aufgeschrieben habe. Gar nichts von irgendeiner Bedeutung.

Katja

Glück ist #26

…immer wieder mein Garten. Besonders an so einem Tag, an dem eigentlich keine Zeit ist, und ich dann doch wenigstens für eine halbe Stunde rausgehen mag, um den Kopf frei zu bekommen und dann völlig verdutzt beim Reinkommen feststelle, dass 2 Stunden vergangen sind. 2 Stunden, in denen ich völlig in dem versunken war, was ich gemacht habe. Und auch wenn ich jetzt schon weiss, dass ich spätestens heute Abend Rückenschmerzen haben werde, geht’s mir gerade doch viel besser als vorher und ich gönne mir das jetzt, nicht voller Hektik doch noch zu versuchen, alles was ich heute vorhatte, zu retten, sondern zucke mit den Schultern, mache nur das dringend Notwendige, blogge lieber über das Glück meines Gartens und spare mir die Hektik, nachher in Spanisch zu gehen, weil diese zwei Stunden Garten gerade unendlich viel wichtiger waren, um mal wieder zur Ruhe und zu mir zu kommen.

Diese Zeit im Jahr, die ersten Wochen, in denen ich endlich wieder rausgehen und draussen etwas machen kann, das sind mir die allerliebsten. Dann durch den Garten zu gehen und zu gucken, wo schon was grünt oder sogar blüht, wer den Winter überstanden hat und wer nicht. Freudig festzustellen, dass die totgeglaubte Hortensie doch wieder austreibt, dass der im letzten Jahr gesähte Schnittlauch fast schon wieder geerntet werden kann und dass ein paar der einjährig geglaubten Kübelpflanzen anscheinend doch mehrjährigk sind. Und immer noch so vorsichtig, bei jedem Schritt durch’s Gras die Augen vor die Füße gerichtet, um nur ja auf kein Gänseblümchen zu treten, weil ich mich noch über jedes einzelne freue. Bald wird das gar nicht mehr gehen, auf keines zu treten, dann blühen sie hoffentlich wieder flächendeckend. Und dieses unbeschreibliche Gefühl, wenn das erste Saatgut aufgeht und sich die ersten Keimlinge zeigen und erst zu Minipflänzchen und irgendwann zu großen Pflanzen heranwachsen.

Ich bin nicht besonders planvoll, was die Gartenarbeit angeht. Das meiste mache ich aus dem Bauch raus und probiere einfach aus, ohne mich vorher lange einzulesen, wie man das üblicherweise machen sollte. Das geht nicht immer gut, aber doch erfreulich häufig. Im Zweifel lese ich dann eben doch mal nach, aber das ist wirklich die Ausnahme, weil ich es genieße, den Garten nicht so verkopft anzugehen. Meist fange ich an einer Ecke mit etwas an, sehe dann die nächste, die Aufmerksamkeit fordert, mache hier etwas, rupfe da zwei Hand voll Unkraut oder vertrocknete Pflanzenblätter, leere dort einen Kübel aus, in dem noch die abgestorbenen Pflanzen vom letzten Jahr stehen, säe da schon für Blütenpracht im Sommer oder stecke mal hier, mal da eine Blumenzwiebel. Das ist irgendwie chaotisch, aber nach und nach erledige ich so doch den Kram, der zu tun ist. Vielleicht nicht immer in der absolut sinnvollen Reihenfolge, dafür aber in meiner.

Manchmal halte ich an einer Stelle inne und gucke rum und mir fällt auf, wieviel noch zu tun ist und dass ich eigentlich viel zu spät dran bin oder zumindest zu lange brauche und es tut so unendlich gut, an diesen Stellen zu merken, dass mich das beim Garten nicht lähmt, dieser Berg an Arbeit, der noch vor mir liegt, so wie mir das sonst oft geht, dass ich vor lauter Überforderung nicht weiss, wie und wo ich anfangen soll und dann aus lauter Angst, gar nicht anfange. Im Garten mache einfach weiter, befreie ein Zaunstück von den vertrockneten Ranken der Schlingpflanzen des letzten Jahres und säe dann Tomaten aus.

 

Katja (nur echt mit ihren neuen, knallelila Gartenschuhen :D)

Heilerde

Nach nicht mal einer Stunde im Garten, Unkraut und vertrocknete Überreste der Ringelblumen, die dank des milden Winters dort bis Januar geblüht hatten, aus dem Blumenzwiebel-Frühlingsblümchen-Beet vorm Küchenfenster zupfen, sieht die Welt direkt wieder freundlicher aus. Ich weiss nicht, was genau es ist, aber diese Beschäftigung im Garten, die feuchte kühle Erde, die zig Schrunden, die es an den Händen verursacht, das Gefühl der zarten Blätter zwischen den Fingern, all das lässt den Kopf wieder zur Ruhe kommen. Wenigstens ein bisschen.

Ich bin wirklich froh und dankbar, mittlerweile diese Dinge gefunden zu haben, die ziemlich zuverlässig wirken.

Katja

 

Tankstopp

Manchmal sehne ich mich so nach einem Mittelmaß und Ausgewogenheit. Tagelang komme ich mir vor, wie das Kaninchen aus Alice im Wunderland. Keine Zeit, keine Zeit. Vor lauter Tun und Machen komme ich überhaupt nicht zur Ruhe. Und ich bekomme es nicht hin, dann einfach mal ein paar Tage langsamer zu machen, es ruhiger anzugehen. Irgendwie scheint nur ganz oder gar nicht zu gehen. Gar nicht, das ist gerade wieder mal. Gestern und heute habe ich die todo-Liste komplett gegen Bücher eingetauscht. Ruhe ist das, was ich dringend brauche, suche, in den Büchern finde.

Irgendwie ist es so als könnte ich nicht einfach zwischendurch mal tanken. Ich muss fahren, fahren bis ich von selber liegen bleibe, dann zur Tanke humpeln und entsprechend lange dauert es, bis der Tank wieder vollgelaufen ist. Mal eben zwischendurch ein paar Liter dazu, weil der Sprit oder die Gelegenheit gerade günstig sind, gelingt mir nicht (gut).

Katja

Zeitverschwendung

In jedem Jahr vorm Urlaub das gleiche Muster. So sehr ich mich darauf freue wegzufahren, tolle Dinge zu besichtigen, stundenlang auf’s Wasser zu gucken, so schlimm geht es mir erst mal vorher. Zu jeder beliebigen Tages- oder Nachtzeit fallen die kleinen ‚muss ich noch besorgen‘, ‚muss ich vorm Urlaub unbedingt erledigen‘, ‚darf ich nicht vergessen mitzunehmen‘ Gedanken über mich her, wie ein Schwarm blutrünstiger Mücken. Sie finden ihren Platz auf Zetteln auf meinem Schreibtisch und jetzt auch digital in Exceltabellen, Notizen im Handy und in Wunderlist. (Link. Das hatte ich schon vor einiger Zeit nach einer Empfehlung von Rüdiger installiert und finde es sehr grandios!) Und ständig habe ich das Gefühl, alles kreiselt, die Zeit rennt mir weg, dass ich das nie im Leben noch alles schaffen werde – ade Gelassenheit.

Eines ist mir dieses Jahr jedoch aufgefallen: bewusste ‚Zeitverschwendung‘ bringt mich immens voran!

zB heute Morgen: Ich war früh wach, bin aber nicht sofort aus dem Bett gesprungen, sondern bin noch eine Stunde liegen geblieben und habe mein Buch zu Ende gelesen. Eigentlich verschwendete Zeit, tatsächlich hat das aber dazu geführt, dass ich heute sehr viel ruhiger und konzentrierter und effizienter den Kram angepackt habe, den ich zu tun hatte. Und noch welchen zusätzlich, der sonst in den nächsten Tagen angestanden hätte.

Und auch wenn ich mir gerade die Zeit nehme, trotz meiner eigentlichen Hektik (von der ich ja weiss, dass sie zum größten Teil nur Kopfsache ist, weil die Welt nicht untergehen wird, wenn ich die Dinge nicht alle vorm Urlaub erledige), noch ein paar Fotos vom letzten Urlaub zu sortieren und wenn ich mir die Zeit nehme trotz allem zu bloggen, dann bringt mich das so zur Ruhe, dass ich die Dinge einfach eins nach dem anderen mache anstatt, wie es mir früher oft in so Situationen ging, gar nichts auf die Reihe zu bekommen, weil ich vor lauter Überforderung nicht wusste, wo ich anfangen soll.

Spannend. Geahnt habe ich das ja immer und mich in so Situationen auch früher schon gelegentlich entschleunigt. Allerdings fast immer erst, wenn das Kind eigentlich schon im sprichwörtlichen Brunnen lag und es mir schlecht ging. Jetzt, diese Zeitverschwendung, sorgt vielleicht oder besser hoffentlich dafür, dass es erst gar nicht noch schlimmer wird. Und vielleicht sogar dafür, dass ich mit allem fertig werde.

Und falls nicht, wird die Welt auch nicht untergehen. (Glaube ich. :D)

Katja (gerade eigentlich auf dem Sprung zum Einkaufen gewesen, lieber Gedanken zu Tastatur bringend)