Katja knipst Sonnenuntergänge, die 214.

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Zum Beispiel jenen, für dessen Foto ich gerade abenteuerliche Stunts beim Heraushängen aus dem Fenster des Hotelzimmers hingelegt habe.

Katja

Wenn einer eine Reise tut (Spanien 2011) #14

Von Cordoba aus geht’s 250 km Richtung Nord-Osten durch Don Quijotes Mancha zum Hotel nach Almagro und am nächsten Tag weitere 800 km bis nach Campdevànol, mitten in den Pyrenäen und kurz vor der französischen Grenze.

Das Hotel dort ist, genau wie das erste der Reise, ein echtes Highlight. Als wir ankommen, werden wir gefragt, ob wir abends im Hotel essen wollen und weil wir keine große Lust haben, uns eine andere Gelegenheit zu suchen und weil wir ausserdem am Abend vorher ’nen Haufen Geld in einem wunderbaren Restaurant in Almagro gelassen haben, lassen wir uns, des sehr günstigen Preises wegen ohne großartige Erwartungen, darauf ein. Und das war eine wunderbare Entscheidung. Nicht nur, dass wir dadurch noch ein bisschen mehr Kontakt zu den wahnsinnig freundlichen und coolen Geschwistern bekommen, die das Hotel betreiben, das Essen ist auch der Oberkracher. Wir zahlen 16 Euro pro Nase und bekommen dafür ein erstklassiges 3 Gänge Menü, inclusive jeder Menge Brot, ’ner Flasche Wein, 2 oder 3 Flaschen Wasser und am Ende noch 2 oder 3 Runden der regionalen Schnapsspezialität, deren Namen ich leider sofort wieder vergesse, was evtl. in direktem Zusammenhang mit der Wirkung der leckeren, im Hals brennenden, Flüssigkeit zusammenhängt.
Und dann am nächsten Tag beim Zahlen der Rechnung werden selbst die Dinge, die einen Aufpreis auf den Standardpreis bedingt hätten, großzügig abgewunken. Ich frage mich ernsthaft, wie das Geschäftskonzept bei solchen Preisen aufgehen kann, üblicherweise haben wir bisher in Spanien für ansatzweise vergleichbare Menüs den 3-5 fachen Preis bezahlt.

Unbedingt empfehlenswert, falls ihr mal ’ne Übernachtungsgelegenheit in den östlichen Pyrenäen, nahe der französischen Grenze sucht: La Sèquia Molinar in Campdevànol – lediglich die Tiefgarage sollte man meiden, wenn man ein etwas größeres Auto hat. 😀

Am nächsten Tag dann endgültig in Richtung Heimat. Wir brechen früh auf, weil uns noch 1.250 km von der kleinen Stadt trennen. Und der frühe Aufbruch ist sehr krass für die Aussicht, denn die Täler zwischen den Bergen der Pyrenäen hängen noch voll dichten Morgennebels. Hinter der französischen Grenze machen wir noch einen Abstecher von der Autobahn, um noch einen letzten Blick auf’s Meer – dieses Mal das Mittelmeer – zu werfen bevor wir wieder endgültig in Richtung Norden durch’s Rhonetal nach Hause fahren.

Schön war’s!

Und das war’s jetzt aber wirklich mit dem ollen letztjährigen Urlaub! Gerade noch pünktlich, denn exakt jetzt muss ich dringend mal anfangen zu packen für Spanien 2012. Die diesjährige Reise startet – darauf freue ich mich jetzt erst mal besonders – im gleichen Hotel in Campdevànol, in dem die letzte endete.

Vielen Dank für’s geduldige Lesen und Bilder angucken! 🙂

Katja

Wenn einer eine Reise tut (9)

(Was bisher geschah: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7, Teil 8)

Mittwoch, 28.10 Pleiten, Pech und Heimfahrt

Wer ist eigentlich für die beknackte Redewendung ‚es wäre ja auch zu schön gewesen‚ verantwortlich? Ich bin (fast) sicher, dass einem jede Menge doofer Kram erspart bliebe, wenn nicht irgendwer diesen doofen Spruch erfunden hätte. Jetzt ist er da und will dauernd bedient werden. (Nein, die Henne war auf keinen Fall eher!)

Aber von vorne, Mittwoch morgens:

Der Kram war zum größten Teil im Wagen verstaut und wir noch ein letztes Mal am Strand. Als wir zurück kamen, war ein leider ebenfalls ausschließlich Spanisch sprechender Freund des Eigentümers (früher als angekündigt) schon vorm Tor, um uns das Haus wieder wegzunehmen. Dahin war die Ruhe, um die letzten Dinge noch zu verstauen, die Hektik hätte größer nicht sein können. Rückwärts aus der engen Einfahrt, durch’s Tor und Krks – gegen den Anhänger des Eigentümerfreundes. Delle im Kofferraum des gerade mal 4 Wochen alten Neuwagens. Fragt nicht! Es hätte quasi keinen besseren Zeitpunkt geben können, um die Urlaubslaune auf den Tiefpunkt zu frosten – waren wir doch gerade wieder am Start in Richtung Kälte. *soifz*

Ich weiss nicht, ob es daran lag oder ob die Strecke wirklich so langweilig war, aber die Fahrt an diesem Tag zog sich ewig und es gab nichts Schönes zu entdecken – sieht man mal von der wohl schmutzigsten Toilette Spaniens (wenn nicht gar Europas!) ab, die ich ja eigentlich Tage vorher schon in Sevilla vermutet hatte.

Kurz vor Bilbao, als wir dachten, schon fast beim Hotel zu sein, landeten wir dann noch dazu im Stau und es wurde immer später. Dann endlich von der Autobahn runter und ab in die Pampa, das Hotel lag nämlich abseits der Strecke mitten in den Bergen. Dass das abseits so heftig sein würde, hatten wir beim Buchen überhaupt nicht geahnt und nachdem das Navi völlig überfordert schien und uns nacheinander in die wüstesten Feldwege und Hofeinfahrten schickte, waren meine Beifahrernerven irgendwann auch völlig überfordert. Hätte ich uns durch diese engen Bergwege (von Straßen konnte man da echt nicht mehr reden) manövrieren müssen – ich hätte ein ums andere Mal den Kopf heulend auf’s Lenkrad geknallt und einfach abgewartet, bis jemand mich rettet. Mein Mitreisender ist aber souverän im Stockdunkel am so-steilen-dass-man-aufsetzt-Hang vorwärts, rückwärts, seitwärts aus jeder dunklen Hofeinfahrt wieder rausgesteuert. Irgendwann – als wir zum vermutlich 17. Mal ‚Hier muss es jetzt aber wirklich irgendwo sein‚ dachten, stellten wir das Auto ab, um die Ansammlung der wenigen Häuser zu Fuß abzugrasen, um uns nicht wieder in knöchteltiefem Schlamm beinahe festzufahren.

Ich bin nicht sicher, ob diese Methode tatsächlich auch schon 1,5 Stunden vorher funktioniert hätte und wir dann eben eher auf das Hotel gestoßen wären. Das war in dem Moment auch nicht mehr wichtig, wichtig war nur: wir waren da. Endlich. Tatsächlich. Und obwohl wir spät waren, machten uns die überaus freundlichen Besitzer noch ein formidables Abendessen. Dann nur noch Bett und schlafen. Das beste an manchen Tagen ist, dass sie irgendwann vorüber sind.

Donnerstag, 29.10. Augen auf!

Am nächsten Morgen dann wollte ich meinen Augen kaum trauen. Wow! Im Dunklen hatte ich die Berge und das serpentinige Gekurve ja wirklich gehasst, der Anblick, der uns morgens erwartete, entschädigte aber für (fast) alles. Wir waren wirklich mitten in den Bergen!

Dusche, Frühstück, ein bisschen das schnucklige Hotel und die Gegend direkt rundrum anschauen, mit den netten Besitzern reden, Hotelhunde beschmusen und wir saßen fast schon wieder im Auto. Etwa 1000 km später nach einer Fahrt durch’s Baskenland mit seiner Sprache, die so ungeheuer fremd auf Augen und Ohren wirkt und einem letzten Besuch an einem französischen Atlantikstrand, bevor wir ganz aus der Nähe der Küste weg waren, dann das nächste Hotel, kein bisschen schnucklig, sondern ein einem Flugzeughangar nachempfundenes Aparthotel (und auch das mussten wir mühevoll suchen). Sehr stylish, sehr groß, die Zimmer mit Schiebetür hier und Schiebetür dort, um Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer und Badezimmer wahlweise abzutrennen oder als einen großen Raum zu nutzen – mein persönliches Highlight war allerdings die Tatsache, dass es in der Miniküche löslichen Kaffee gab. Yeah. Kaffee.

Freitag, 30.10 Getürmt!

Wo waren wir noch gleich? Dusche, Frühstück, Auto beladen, auschecken und mit dem Auto ab in die Stadt. Ich liebte vom Beifahrersitz aus jede einzelne Straße, die wir langfuhren und konnte mich überhaupt nicht satt sehen. Erst recht nicht, als wir uns im Stadtverkehr verhedderten und unbeabsichtigt die Avenue des Champs-Élysées langfuhren und im 8 (?)-spurigen Kreisverkehr rund um den Arc de Triomphe landeten. Hachz. (Wieso das so hachzig für mich ist, erzähle ich ein andermal!) Parkplatz suchen, finden, fluchen, weil die Pariser Parkhäuser in ihrer Enge mit den spanischen gleichauf liegen. Raus aus dem Parkhaus und freuen, dass niemand jemals einen besseren Parkplatz in Paris gefunden hatte!

Blick vom Parkhausausgang

Vermutlich war es dem Nebel zu verdanken, dass wir uns beim Warteschlangenanstehen nicht die Beine in den Bauch standen. Ich glaube, es dauerte nicht mal eine Stunde bis wir im Aufzug nach oben ratterten. Zu sehen gab’s freilich nicht so arg viel:

Triumphbogen

Notre-Dame (wirklich!)

Dafür war ich völlig überwältigt von der Turmkonstruktion. Und von der Tatsache, auf dem Eiffelturm zu stehen.

Und dann: Ab nach Hause. Irgendwann ist’s dann auch mal gut, wieder zu Hause anzukommen! 🙂

Im Gepäck: Jede Menge spanischen Wein, Schinken, Käse, Sherry, Olivenöl und und und. Und darüber hinaus die neuentdeckte Liebe zu diesem wunderbaren Land mit seiner atemberaubenden Schönheit, dem Meer, den vielen Kontrasten, vielen Fotos, Erinnerungen, alten und neuen Sehnsüchten.

Schön war’s!

Für mich war es sehr wertvoll, die Erinnerungen nochmal aufleben zu lassen und hier festzuhalten, obwohl oder vielleicht gerade weil, das jetzt ein ganzes Jahr lang her ist. 🙂

Danke, für’s Aushalten/Durchhalten/Lesen meiner langen/verschwurbelten Monstertexte!

Gerade noch pünktlich vor der Abfahrt, das war der Plan, sonst wäre das unvollendet geblieben. Jetzt kann der neue Urlaub wirklich kommen. :mrgreen:

Katja