Neulich beim Ausmisten

Beim Ausmisten findet man ja mitunter kuriose Dinge. Mein bisher abgefahrenster Fund ist ein Papier-Tablett-Aufleger einer großen Fastfood-Kette.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEin Klick macht extragroß und nur dann offenbart sich so richtig, wie alt das Teil sein muss. Ich glaube, das ist tatsächlich das gesamte Sortiment, das es seinerzeit in deutschen McDonald’s-Restaurants gab. Wikipedia verrät, dass der abgebildete Viertel-Pfünder schon in den 80ern in Hamburger Royal umbenannt wurde. Das Ding stammt also aus den 70ern oder frühen 80ern als es ausserdem statt Fanta noch schnöde Limo und ausserdem einen Sunny Drink gab, Happy Mäc Shakes und das Eis nur in ausgewählten Filialen.

Weswegen derjenige, dem es mal gehörte und zu dem es gerade auf dem Postweg unterwegs ist, es so lange aufbewahrt hat (denn in meinem Besitz ist es frühestens seit irgendwann in den 90ern) entzieht sich allerdings meiner Kenntnis. Aber vielleicht fällt’s ihm ja wieder ein, wenn er’s auspackt. 😀

Katja

Neulich in meinem Postfach *Update*

Früher, wenn ich Mails der Art bekam, dass jemand mein Blog als Werbeplattform – noch dazu möglichst gratis – nutzen wollte, erklärte ich immer einigermaßen ausführlich wie wichtig mir mein Blog ist und dass ich nicht vorhabe dort irgendwelche Werbung zu veröffentlichen für Kram, den ich nicht so toll finde, dass ich nicht ohnehin von selber lobhudelnde Blogartikel darüber schreiben würde. Das mündete dann oft in ‚aber wir sind doch anders und das ist doch gar keine echte Werbung‘-Diskussionen.

Jetzt habe ich gemerkt, dass man die ‚keine Werbung, es geht hier doch um hochwertigen Content!1elf‘-Marketingmenschen viel einfacher loswird, wenn man sie ernst nimmt. Quasi.

Anfrage Kooperation auf wawuschel.wordpress.com

Hallo Katja,

ich heiße [Name] und bin freie Texterin im Bereich Freizeit/Ratgeber. Gerade habe ich mir Ihre Webseite angesehen und würde Sie gerne fragen, ob Sie Interesse an einem Artikel haben.

Den Content, auf dessen Qualität ich viel Wert lege (ich schreibe keine „Werbetexte“), würde ich natürlich exklusiv für Ihre Webseite verfassen und entsprechend darauf anpassen. Einen Link zu einer der Seiten, mit denen ich zusammenarbeite, würde ich einfügen.

Wenn Sie einverstanden sind, würde ich Ihnen gerne einen Artikel
fertigstellen. Ich würde Sie bitten mir mitzuteilen unter welchen Voraussetzungen Ihrerseits wir den Beitrag realisieren können.

Danke für die Aufmerksamkeit.

Viele Grüße

Auf meine Antwort

Hallo [Name],

nun dann fragen Sie doch mal, wenn Sie gerne würden. 🙂

Ich hätte dann aber auch ein paar Gegenfragen:

Worüber konkret möchten Sie schreiben? Welche Seiten bewerben Sie, um wen geht es da? Was ist Ihr konkretes Angebot an mich im Falle einer Veröffentlichung?

Freundliche Grüße,

kam natürlich nichts mehr.

Kann es sein, dass es immer noch Leute in der Marketingbranche – pardon Qualitativ-Hochwertigen-Contentbranche – gibt, die Blogger für so dämlich halten, dass sie nicht merken, wenn sie kostenlos oder für ’nen Appel (nicht zu verwechseln mit den teuren angebissenen) und ein Ei ihr Blog für Werbung zur Verfügung stellen sollen?

Katja

*Update 2.10.

Da war ich unnötig pessimistisch. Es kam doch nochmal Antwort, die allerdings genauso nichtssagend war wie die erste Mail. Auf mein Insistieren, dass sie bitte erst mal meine konkreten Fragen beantworten möge, kam dann auch nichts mehr.

Viel interessanter ist aber – und deswegen das Update – was Jelena Lift, die hier auch kommentiert hat, mir schrieb. Bei ihr ging der Kontakt noch weiter und die eigentlich interessanteste Information ist, dass jene hochwertige Contentproduzentin möchte, dass man nicht angibt, dass es sich bei den Beiträgen um Werbung handelt. Hier sollen Blogger dazu überredet werden, ihre Leserschaft für dumm zu verkaufen. Jelena gab mir Links zu einigen Beiträgen der Dame. Die Texte sind weder als Werbung ausgewiesen, noch als fremde Inhalte. Die Blogger müssen also scheinbar auch so tun als seien das eigene Inhalte. Dabei merkt man den Texten deutlich an, dass es dort nur darum geht, die Links irgendwie unterzubringen. Und das für einen lächerlich geringen Preis, wie Jelena mir auch verriet.

Und dann gibt es tatsächlich Leute, die sich wundern, dass jene Branche so einen schlechten Ruf hat…

Neulich in der Reinigung

Reinigungsmann: Tach.
ich: Guten Tag. Ich hab hier 10 Hemden zum Bügeln.
R.: Oh-oh! Das wird dauern! Die Frau war krank. Die ist heute den ersten Tag überhaupt wieder da. Und die macht das ja mit dem Bügeln.
ich: Na macht ja nichts, wenn’s dauert. Wie lange denn?
R.: Oh-oh! Das wird lange dauern!
ich: Ach. Und wie lange denn? So ungefähr?
R.: Oh-oh! Auf jeden Fall lange. Sehr lange.
ich: Vielleicht könnten Sie mir einfach sagen, wann ich sie abholen kann?
R. (empört): Das kann ICH Ihnen doch nicht sagen! Auf keinen Fall mehr in der Woche.
ich: Ja, das macht ja nichts. Es darf ruhig etwas dauern. Ich muss nur wissen, wann ich wieder vorbeikommen kann, um die Hemden abzuholen. Ich komme aus der kleinen Stadt und möchte ungerne umsonst bis hierher fahren. Deswegen wäre ein genauer Termin praktisch.
R.: Also diese Woche wird das auf keinen Fall was. Nächste Woche dann wohl irgendwann.
ich: Und an welchem Tag denn da? Ich möchte ja nicht auf Verdacht an irgendeinem Tag vorbeikommen und die Hemden sind noch gar nicht fertig.
R.: Das kann ICH Ihnen nicht sagen. Geben Sie mir Ihre Telefonnummer. Dann rufe ich an, wenn sie fertig sind.
ich: Das möchte ich nicht so gerne. Nennen Sie mir doch bitte einen Tag, an dem sie auf jeden Fall fertig sein werden.
R. schlurft in einen Nebenraum.
R.: Sie müssten dann am Mittwoch vor halb 1 kommen.
ich: Also ich kann sie dann irgendwann ab Mittwoch abholen, ja?
R.: Sie müssten dann vormittags kommen. Mittwochnachmittag haben wir nicht offen.
ich: Ich weiss. Ich weiss nur noch nicht, ob ich das Mittwoch schaffe. Ich komme ansonsten wann anders nächste Woche, nur nicht vor Mittwoch.
R.: Ja vorher sind sie auf keinen Fall fertig. Donnerstag haben wir dann auch wieder nachmittags offen. Nur Mittwoch nicht. Kommen Sie da vor halb 1.
ich: Mittwoch vor halb 1 oder dann Donnerstag oder Freitag! Vielen Dank, auf Wiedersehen.

Irgendwann habe ich mich gefragt, ob ich wohl einen Termin genannt bekomme, bevor seine Frau mit dem Bügeln fertig ist oder ob wir einfach so lange im Laden weiterdiskutieren werden bis alle Bügelwäsche, inclusive meiner erledigt ist.

Katja

Neulich beim Einkaufen

  • Der alte Mann, der den beiden kleinen Kindern, die mit ihrer Mutter in der Schlange vor ihm standen, jedem ein Überraschungsei schenkte. Als er der Mutter auch eines schenken wollte, schnappte sie beide Kinder an den Schultern und zog sie wortlos beiseite. Bedankt hatte sich niemand. Er lächelte tapfer und unbeirrt weiter.
  • Der junge Vater mit seinem kleinen Sohn, letzterer im Einkaufswagen sitzend. Üblicherweise mag ich solche Einkaufsgespanne gerne, Väter machen viel mehr Faxen beim Einkaufen und reagieren nicht so schnell genervt wie Mütter. Jene beiden waren allerdings anstrengend. Der Vater ließ den Einkaufswagen immer mitten in den Gängen statt am Rand stehen und der Sohn fing an zu weinen, falls man versuchte, den Wagen ein bisschen beiseite zu schieben um vorbeizugehen, was den Vater aber nicht dazu brachte, irgendetwas an seiner Parktaktik zu ändern.
  • Der Mann mit Pappbecher und Pappschild am Rande der Einkaufswagenschlange auf dem Parkplatz, so platziert, dass man unbedingt an ihm vorbei musste, wenn man einen Einkaufswagen holt. Den hatte ich vor ein paar Tagen schonmal gesehen und fand es merkwürdig. Ich glaube nicht, dass sich das auch nur ansatzweise lohnen könnte in der kleinen Stadt. Hinter seinem Rücken hatte er eine Porzellantasse mit Kaffee stehen. Der Becher, den er in der Hand hielt, war einer von Starbucks, was das Merkwürdigste daran war. Ich war eine Weile am Parkplatz, weil dort auch die Hermesannahmestelle ist, kam ein paarmal vorbei. Niemand warf ihm etwas in seinen Becher, alle gingen vorbei und was ich viel trauriger fand, alle guckten vorbei. Ich schenkte ihm meinen Einkaufswageneuro, obwohl ich das des Starbucksbechers wegen fast nicht getan hätte. Aber Becher hin oder her. Wer sich in dieser Stadt auf den kalten Teer des Reweparkplatzes setzt, muss wirklich in einer Notlage sein.
  • Die Frau, die mit ihrem Auto an der Kreuzung von rechts kam und als ich anhielt, um ihr Vorfahrt zu gewähren, genauso überrascht aussah, wie ich an dieser Kreuzung vermutlich auch immer aussehe, wenn sich mal jemand an die Regeln hält. Üblicherweise ist dort viel LKW-Verkehr und die fahren einfach rüber ohne auch nur langsamer zu werden.
  • Die Frau im Auto vor mir an der Ampel. Nachdem alle anderen Richtungen 3 Mal grün hatten, stieg ich aus und ging auf ihre Fahrertür zu. Sie kurbelte die Scheibe runter, meinte hilflos „Die Ampel ist doch kaputt, oder?“. Ich bat sie, doch einfach noch den halben Meter bis auf die Kontaktschleife vorzufahren. Ich konnte kaum rechtzeitig wieder einsteigen als die Ampel schon grün wurde. Als hätte sie nur darauf gelauert.
  • Das ältere Paar, das alle Nase lang im Laden völlig abrupt stehen blieb, weil einer den anderen fragte „Butter? Brauchen wir eigentlich Butter oder haben wir noch welche?“ „Weisst du, ob wir noch Reis haben? Sollen wir welchen kaufen?“ uswusf. Dabei wirkten sie in dieser Vorgehensweise sehr eingeübt. Vermutlich ist das einfach ein besserer Zeitvertreib als sich die Gedanken schon zu Hause zu machen und mit Einkaufszettel einkaufen zu gehen.
  • Die ältere Frau, die auf dem Parkplatz im Auto mit halbgeöffnetem Fenster wartete. Die Volksmusik dröhnte in ziemlicher Lautstärke aus dem Autoradio und sie klatschte vergnügt im Takt mit.

Katja

 

Neulich an der Supermarktkasse

Vor mir in der Kassenschlange drei Halbwüchsige. Einer davon, scheinbar unfähig auch nur 5 Sekunden aus eigener Kraft und ohne sich abzustützen, stehen zu bleiben, von rechts nach links schwankend und sich anlehnend, irgendwann fast auf dem Warenband liegend. Der Zweite den Jeanshintern fast in den Kniekehlen hängend (ich dachte, hatte gehofft, das sei schon längst seit Jahren wieder out). Dem war ich echt dankbar für das lange Shirt, was er drüber trug. Da kann nämlich nicht mehr viel Hose dort gewesen sein, wo sie eigentlich sein sollte. Der dritte die komplette Wartezeit über gedankenverloren mit der Hand im Schritt seiner Jogginghose rumspielend, wo sich immer deutlicher abzeic… *hust* … äh ihr wisst schon. Ich bin nicht sicher, ob mich das eher amüsierte oder peinlich berührte, faszinierend war’s schon irgendwie. (Fand die Frau hinter mir anscheinend auch. Die konnte mit dem gleichen Mix aus Fassungslosigkeit, Scham, Grinsen und Kopfschütteln kaum woanders hinschauen.)

Dann im zweiten Laden (den ich fast immer meide, weil die Auswahl lausig ist, die Preise hoch sind, aber vor allem das Personal unfreundlich und so langsam ist, dass es selbst meine Geduld strapaziert) die Überraschung schlechthin. Die haben neues Personal!1elf
An der Kasse saßen nicht die üblichen Damen, die das mittlere Alter schon länger überschritten haben, sondern ein junger Typ, vielleicht Mitte/Ende 20, die Ärmel lässig hochgekrempelt und mit freundlichem Grinsen im Gesicht. Als ich dran bin, schnappt er meine 4 Lauchstangen, lächelt freundlich und meint fast entschuldigend „Ich muss die noch wiegen.“ (Es gibt dort keine Waagen beim Gemüse, sondern alles wird direkt an der Kasse gewogen.) Ich lächle zurück. Er guckt ein bisschen hilflos, weil die Stangen viel länger sind als seine Waage erfassen kann. „Ach ich wieg einfach nur den unteren Teil. Oben das schneideste doch eh ab, oder?“ Herrlich! Nicht nur, dass er mich da (und auch später noch zweimal) geduzt hat – was mir seit Jahren nicht mehr passiert ist, ich bei vielen Menschen an Supermarktkassen auch komisch finden würde, aber bei ihm das natürlichste der Welt zu sein schien und einfach passte – nein, der war auch in seiner Haltung angenehm entspannt und locker. So hat sich dort einkaufen noch nie angefühlt. Wer auch immer, den eingestellt hat – das war eine gute Entscheidung!

Auf dem Rückweg läuft im Radio Love is a shield von Camouflage, was ich ewig nicht gehört habe. Und sofort ist die Erinnerung da an einen tollen Sommer, in dem wir das pausenlos gehört haben. Wir brauchten wochenlang bis wir beim Mitsingen die Stellen rausgefunden hatten,an denen man sinnvoll atmen konnte, sodass wir nicht mehr japsend zusammengebrochen sind, sobald der Song vorbei war.

Katja