Nebelmeer. (nT)

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(Alles Cuxhaven, Elbe und Nordsee, Anfang April 2017)

Katja

out of the blur

Und dann nach dem Duschen stehst du vorm beschlagenen Spiegel im Bad und siehst nur einen schemenhaften Umriss, den du durch den Dunst nur deswegen als dich selber erkennst, weil du weisst, dass du es bist, die da steht und niemand anderes. Nur ein Wissen, kein Erkennen. Nicht mal, wenn du näher rangehst, die Nase fast ins Kondenswasser auf der kalten Scheibe drückst…

Doch dann. Der Griff zum Föhn. Und bevor du ihn auf die Haare richtest, zielst du auf den Umriss im Spiegel, zielst auf den Dunst, den Nebel, der den Schemen umgibt und ganz langsam löst sich die Unschärfe auf, du siehst deinen Hals, dein Kinn, deinen Mund, deine Nase, zuletzt deine Augen. Der Nebel lichtet sich und bei dem Gedanken musst du lachen, weil dir den Satz gestern erst einer gesagt hat und auf einmal ist da wieder diese ganz andere Assoziation von sich lichtendem Dunst und Nebel. Und du musst noch mehr lachen als dir auffällt, dass in beiden Fällen sogar das gleiche wieder darunter zum Vorschein kommt: Du selber.

Katja

Aussen und innen

Aus der Therapiesitzung raus und nur ein kleines Stück vom Haus des Therapeuten entfernt über die Brücke auf die Insel. Alles im Nebel und Dunst, einfach loslaufen, in den Wald rein und dann nach einer Weile auf einmal die ersten hell leuchtenden Flecken auf dem Boden und die Sonne, die sich anfangs nur kurz durch ein kleines Loch im fahlen Dunst zeigt, wird immer kräftiger und der Wald wird immer bunter und passend dazu verzieht sich auch ein wenig von dem Nebel im Kopf.

*

Das, was da in der Therapie passiert ergibt für mich noch kein Gesamtbild (vermutlich wäre das auch viel zu viel erwartet). Bisher sind das einzelne Episoden und jede davon macht mich ein bisschen reicher (Ich glaube, ich habe dieses Mal endlich [Ich würde das am liebsten mit 36 Punkt Schrift, kursiv, fett und gesperrt schreiben.] einen Therapeuten gefunden, der zu mir passt.), aber sie fügen sich für mich noch nicht zusammen. Da sind bisher nur einzelne Ideen im Kopf, eine lose Folge von Akkorden, die noch keine Melodie ergeben. Mein aktuelles ‚Grundthema‘ hat er mir in der 3. Sitzung mit großer Klarheit ins Gesicht gesagt und ich konnte nur mit offenem Mund nicken, denn auf einen solch einfachen Nenner konnte ich das nie runterbrechen.

Da sind gerade so viele offene Baustellen in mir und ich habe das Gefühl, es kommen andauernd noch neue hinzu, anstatt dass irgendwo mal eine abgeschlossen wird. Aber vielleicht ist es genau das, vielleicht muss erst mal alles noch viel mehr durcheinander geraten, damit es hinterher in Ordnung kommt. Wenn ich von der Anordnung in meinen Küchenschränken wieder mal sehr genervt bin, weil ich die Sachen, die ich selten brauche, immer rausräumen muss, um an die ranzukommen, die ich in der Phase häufig brache, mache ich’s ja ähnlich. Erst mal alles raus, Riesenchaos, dann gucken, was wo wie am besten passt.

*

Es ist ganz still im Wald und wenn ich kurz stehenbleibe um zu Lauschen, kann ich hören, wie laut in dieser Stille das Geräusch von herabfallenden Blättern ist, die auf der schon dichten Laubdecke am Boden landen. Dann beim Weitergehen bloß nicht die Füße anheben – eines der besten Dinge am Herbst ist es, laut raschelnd durch Laub zu laufen. Und die bunten Fotos. Nochmal richtig viel Farbe tanken, bevor alles nur noch grau und braun ist.

Hier nochmal bunte Beute:

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Katja

~misty~

Manchmal fühlt es sich in diesen grauen Tagen an, als wäre der Nebel auch in mir drin. So viel im Kopf, aber ich bekomme keinen Gedanken richtig zu fassen, alles ist hinter einem diffusen Dunst verborgen. Wobei ich mir gar nicht so sicher bin, ob ich überhaupt so genau wissen will, was es ist, was da in mir rumort. Lieber ignorieren, wenigstens bis der November vorbei ist, damit er mich mit seinem Blues nicht zusätzlich einholen kann. Und doch fühlt sich auch das nicht richtig an, weil alles dumpf bleibt, ich ein bisschen das Gefühl habe, dadurch auch irgendwie von meinen Gefühlen abgeschnitten zu sein. Beim nochmaligen Lesen macht der vorherige Satz so gar keinen Sinn – das Gefühl haben, vom Gefühl abgeschnitten zu sein und doch beschreibt es ziemlich gut, wie sich dieses Nichtrichtigfühlen gerade anfühlt.

Nach dem Einkauf bin ich heute kurz im Nebel rumgestapft, das hat zwar den inneren Nebel nicht vertrieben – vielleicht waren dafür auch die Schritte im Laub zu dumpf gedämpft – aber immerhin hat es für ein paar Schlechtwetterfotos gelangt.

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Katja