Und weiter in Text und Bild: Amsterdam / 10 to go

Da müssen wir alle jetzt durch. Ich war in einer wunderschönen Stadt, ich habe in 5 Tagen etwa 1000 Bilder geknipst und ich blogge gerade täglich. Es liegt also nahe, endlich wieder mal eine Reiseerinnerung hier festzuhalten und nicht nur zu erwähnen, dass ich weg war. (Oder weg fahre. Das tue ich übrigens im Oktober. Erwähnte ich es schon? 🙂 )

Am dritten Tag in Amsterdam waren wir auf Het Woonbootmuseum, was alleine schon wegen der zwei Doppel-Os in der Bezeichnung eine ziemlich tolle Sache, aber auch ansonsten besichtigenswert ist. Die zum Wohnboot umgebaute Hendrika-Maria ist schon über 100 Jahre alt und war – im Gegensatz zu vielen anderen Wohnbooten – mal echt als Schiff im Einsatz und verbringt jetzt nur ihr Altenteil in der Amsterdamer Prinsengracht. (Ihr kennt das schon: Klick macht groß!)

Es gibt übrigens überhaupt keine freien Liegeplätze für neue Wohnboote mehr in den Amsterdamer Grachten. Wer dort auf einem Boot leben möchte, der muss ein vorhandenes mitsamt seinem Liegeplatz erwerben und das ist überhaupt kein Schnäppchen mehr, wie man im Museum (auf dem Museum?) erfahren kann, denn dort sind einige, derzeit zum Verkauf stehende, Hausboote gelistet:P7190803

 

Von dort sind es nur ein paar Gehminuten zum Museum Het Grachtenhuis.

Wir hatten ehrlich gesagt keine genauere Vorstellung, was uns dort erwarten würde, wussten nur grob, es geht um die Baugeschichte Amsterdams und den Grachtengürtel und seine Entstehung. Mit der Erwartung an einen eher trockenen Museumsbesuch, bei dem man primär viele alte Dokumente sichten und wälzen kann bzw. muss und mit dem Vorsatz „wenn’s blöd und uninteressant ist, gehen wir eben wieder“ kamen wir dort an und waren wirklich überrascht von dem multimedialen Spektakel, das uns stattdessen dort erwartete. Das ist alles andere als langweilig und dröge, die Städtebaugeschichte wird einem in gleich mehreren Multimediashows mit jeweils mehreren Beamern und allem Zipp und Zapp vermittelt! Ausserdem gibt es dann in der unteren Etage eine Menge Informationen über das historische Gebäude, in dem sich Het Grachtenhuis befindet und seine Geschichte und die der ehemaligen Bewohner. Für mich nicht ganz so faszinierend, wie oben, wo es etwas über die Stadt zu lernen gibt, aber insgesamt ein wirklich (!) lohnender Museumsbesuch.

Raus aus Het Grachtenhuis und von dort nochmal ein paar Minuten durch die Grachten geschlendert,

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kommt man zum Museum Van Loon – noch ein historisches Grachtenhaus (Ha! Eben im Grachtenhuis gelernt: Doppelgrundstück – Architekten liebten es, sich daran zu verewigen, weil der Platz in der Stadt insgesamt so begrenzt war und die Bauparzellen an den Grachten an sich alle klein.).

Das Van Loon ist noch mit historischer Einrichtung und Zierrat bestückt und man kann sich anschauen, wie die Reichen im Goldenen Zeitalter des 17. Jahrhunderts in Amsterdam so lebten.

Mir hat natürlich die Küche am besten gefallen! Irgendwann hab ich auch so einen riesigen Herd. 😀 (Ich hab ihn nicht ganz im Bild, aber er war insgesamt sicher 2,5 m breit.)

Besonders interessant ist, dass man an der riesigen Eingangshalle (von der ich leider kein schönes Bild habe) und dem „verschwenderischen“ Treppenhaus erst richtig erkennen kann, WIE reich die einstmaligen Bewohner der Villa waren und wie sehr ihnen daran gelegen war, das zur Schau zu stellen. Platz war in Amsterdam wahnsinnig knapp, die Bauplätze an den Grachten alle begehrt und schmal wie Handtücher. Wer es sich da erlaubt, so viel Platz für ein protziges repräsentatives Treppenhaus zu verschwenden, der demonstriert damit seinen Status. Im Van Loon gibt es übrigens wegen der überaus verschwenderischen Treppe, im Gegensatz zu den damals üblichen Gebräuchen, kein extra Treppenhaus für die Hausbediensteten, sondern sie nutzten die gleiche Treppe wie die Hausbewohner. So dicke hatte man den Platz dann doch nicht über, dass es noch für die schmale Dienstbotentreppe genügt hätte.

Eigentlich hatten wir mal überlegt uns noch das zweite historische Grachtenhausmuseum (Museum Willet-Holthuysen) anzuschauen, aber unser tägliches Kitschkontingent hatte das Van Loon schon vollständig aufgebraucht. 😀 Ausserdem war es schon gerade Mittag durch und wir hatten noch viel vor!

Stattdessen also hurtig mit der nächsten passenden Tram zurück zum Hotel, ab in die Badesachen und die Strandtasche geschultert! Aber die Fotos vom Strand und Meer kennt ihr ja schon. 🙂

Katja

Neulich in Amsterdam / 12 to go

Es gibt ja Städte, die sind so schön, dass man dort a) gerne viel Zeit verbringen, b) möglichst bald wiederkommen und c) unendliche Fotomengen von dort im Blog zeigen möchte.

Der zweite Tag in Amsterdam brachte dann zum vielen vielen Rumschlendern entlang der Grachten und über die malerischen Brücken, was wir schon am Abend vorher geübt hatten, auch noch echtes Kulturprogramm. Darüber, dass ich seit meiner Jugend ein Faible für Gemälde von van Gogh habe, bloggte ich bereits, als ich vor einigen Jahren sehr berührt davon war, meinem Lieblingsgemälde Aug in dick aufgetragener Ölfarbe live gegenüber zu stehen. Bei mehreren Tagen direkt in Amsterdam war für mich erstes und wichtigstes Ziel ein Besuch im van Gogh Museum und weil wir darauf hofften, dass vormittags nicht so viel los sein würde – was eine echte Fehlannahme war, es war rappelvoll – machten wir uns früh auf den Weg vom Hotel in die Innenstadt.

Ich erfuhr vieles, was ich noch nicht über van Gogh wusste (oder möglicherweise schon wieder vergessen hatte, denn vor vielen Jahren laß ich mal eine Biographie) und wäre es nicht so enorm voll im Museum gewesen, sodass man die Gemälde mit Zeit und Ruhe hätte betrachten können, wäre es noch ein bisschen schöner gewesen. Aber wir waren auch so schon fast 3 Stunden im Museum unterwegs – und das ohne größer zu trödeln und gänzlich ohne Kaffee im Museumsrestaurant.

Leider durfte man im Museum nicht fotografieren und so habe ich nur ein einziges Foto drinnen gemacht, im Souvenirshop.

Watzefack?

Watzefack?

Mittgenommen habe ich aber lieber die Kühlschrankmagnete. *nuschelt was von alt und spießig* 😀

Kaffee gab’s hinterher im Vondelpark und Wasser und Halbschatten und eine vorwitzige Taube, die am Nachbartisch das Essen vom Teller runter geklaut hat. Danach waren wir am Bloememarkt, wo ich, nicht nur aber auch, hinwollte, um meinem Therapeuten, der den hübschesten, grünlichsten, geblümtesten und gartenartigsten Garten hat, den man sich vorstellen kann, Tulpenzwiebeln aus Amsterdam mitzubringen, und sind auch danach wieder mehr oder weniger ziellos durch die Stadt geschlendert, haben die Blauwe Brug gesucht und gefunden, auf dem Weg dorthin die Kirche, hinter dem Grachtenblick entdeckt, die Monet gemalt hat, um direkt in der Perspektive, aus der er malte, einen jungen Maler auf einer Parkbank vorzufinden – den Blick abwechselnd auf’s Händi gerichtet, wo er das Bild Monets geöffnet hatte, auf die Kirche und auf seinen Block, den er auf dem Schoß hatte, und abends indonesisch gegessen und sind dann müde und vollgepackt mit jeder Menge Eindrücke zurück zum Hotel.

Aber guckt selbst! (Klick macht groß.)

 

Katja

Bildbetrachtung

Ich war gestern seit längerem endlich wieder mal ‚Kunst gucken‘. Eigentlich hatten wir das schon für das letzte Wochenende geplant, an dem das Wetter durchgängig lausig war, aber aus Gründen hat es da nicht geklappt. Und vielleicht war es auch ganz gut so, denn es war bei herrlichem Sonnenschein schon furchtbar voll dort und ich möchte lieber nicht wissen, wie voll es erst bei Regenwetter gewesen wäre.

„Esprit Montmartre, Die Bohème in Paris um 1900“ heisst die Ausstellung und sie ist noch bis zum 1. Juni in der Kunsthalle Schirn in Frankfurt zu sehen. Über 200 Werke von mehr als 20 verschiedenen Künstlern (darunter zB Van Gogh, Toulouse-Lautrec, Picasso, Van Dongen) gibt es dort zu sehen, die alle um die Jahrhundertwende am Montmartre lebten und arbeiteten. Und es gibt dort nicht nur die schillernden Seiten der Zeit mit Cancan-Tänzerinnen des Moulin Rouge in bunten Kostümen zu sehen, sondern auch die Schattenseiten – Alkoholmissbrauch und Armut, die für viele Frauen den Zwang mitbrachte, sich zu prostituieren.

Viele der Bilder kamen mir bekannt vor, selbst einige von Künstern, bei denen ich sicher bin, dass ich die Namen vorher noch nicht gehört hatte. Für mich besonders interessant waren einige der Van Goghs, die dort hingen. Im Kröller-Müller-Museum vor einigen Jahren hatte ich ein recht gutes Gespür dafür, die Van Goghs von weitem zu erkennen – hier wäre mir das nicht gelungen, denn einige seiner Bilder, die in der Ausstellung gezeigt werden, weichen im Stil sehr von den (mir) bekannteren Werken ab. Ich muss unbedingt demnächst versuchen, die irgendwo im Web zu finden.

Erfreulicherweise ist auch der Audio-Guide, den ich mir schon im Vorfeld zu Hause als App runtergeladen hatte, wirklich gut gelungen. Es gibt zwar etliche Wiederholungen bei den Texten, speziell, wenn man auch die ausgeschilderten Texte über die Künstler liest, aber trotzdem ist das alles sehr interessant und auch unterhaltsam gestaltet. Ich habe nicht nur viele sehr beeindruckende Gemälde bestaunt, sondern gestern Nachmittag auch eine Menge über jene Zeit und die Lebensbedingungen am Montmartre gelernt. Empfehlenswert für alle in der Nähe von Frankfurt; ich würde nur nicht unbedingt an einem Sonntag Nachmittag hingehen, das ist da schon alles sehr eng gequetscht in den Räumen und von der Anordnung so, dass man sich schnell auf den Füßen rumtritt, wenn nur ein bisschen mehr los ist.

Leider durfte man dort nicht fotografieren. Aber ein paar Eindrücke von Frankfurt habe ich mitgebracht. Dafür, dass das so dicht ist, komme ich dort viel zu selten mal hin.

(Klick macht groß)

Katja

Sonntags auf Kul-Tour

Als Kind dachte ich immer, es hieße Muss-see-um, weil man da nicht freiwillig hingeht, sondern die ansehen muss. Freiwillig macht’s natürlich viel mehr Spaß und erst recht solche „Mitmachmuseen“ wie die Explora in Frankfurt.

Hauptsächlich wollte ich dort gerne hin, weil in der Ausstellung unter anderem optische Täuschungen und Illusionen zu sehen gibt und mich die seit jeher sehr faszinieren. Das ist aber längst nicht alles, was die Explora zu bieten hat, denn dort gibt es für alle Sinne etwas zu entdecken.

Von den Riechkästen (ich weiss nicht genau, wie sie hießen), bei denen man einen Duft versprüht und erraten muss über diverse optische Tricks, über Holzlegepuzzle, über verschiedene akkustische Experimente und Dinge, mit denen man einfach mal ordentlich Radau machen kann, bis hin zu den Palindromen und Zungenbrechern, die überall auf Tafeln aufgehängt sind. Es gibt jede Menge Vexierbilder, alte mechanische Rechenmaschinen, Zerrspiegel und Kaleidoskope.

Ein bisschen schräg mutet an, dass die ganze Austellung zwar sehr kindgerecht ist, dann aber die meisten der 3D-Anaglyphen, das sind jene Bilder für die man die rot-grün-Brille, die man mit der Eintrittskarte erhält, benötigt, nackte Frauenbrüste zeigen, die einem durch den 3D-Effekt entgegenwogen.

Ein paar Eindrücke:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Insgesamt ein wirklich lohnender und spannender Besuch, allerdings leider auch nicht ganz günstig. 16 Euro muss man als Erwachsener hinlegen. Da ist dann die Brille mit drin, aber kein Museumsführer, von dem man besser zusätzlich einen für 5 Euro kaufen sollte. Leider hat uns an der Kasse niemand gesagt, dass der Führer für einige der Exponate notwendig wäre, um überhaupt zu wissen, was man da machen muss. Wir waren also ohne unterwegs und das war manchmal ein bisschen Rätselraten, was schade war, auf die 5 Euro wär’s uns ja jetzt auch nicht angekommen, hätten wir gewusst, dass der Führer nicht Zusatzinformationen, sondern fast die einzigen zur Ausstellung liefert.

Interessant war’s trotzdem!

Katja