Gelesen im Februar 2016

Das war ein überaus ereignisreicher Monat und zum Lesen blieb schon wieder nicht so viel Zeit. Aber kann man sich ja nicht immer aussuchen und die Dinge, die die Zeit stattdessen beansprucht haben, waren überwiegend Gute.

John Green – Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Ich drücke mich jetzt schon seit 2 Wochen davor, hier meine Eindrücke über das Buch festzuhalten, weil mich die Geschichte und die Charaktere einerseits so sehr berührt haben und mir so nahe gekommen sind, dass ich ab irgendwann in der Mitte des Buches bis zum Ende fast nur noch weinend weiterlesen konnte (obwohl ich den Film vorher schon gesehen hatte und wusste, um was es geht), andererseits finde ich es unheimlich schwierig, inhaltlich etwas darüber zu schreiben, ohne zu spoilern. Ich bediene mich also mal am Klappentext, auch wenn der dem Buch mMn nicht wirklich gerecht wird:

„Krebsbücher sind doof“, sagt die 16-jährige Hazel, die selbst Krebs hat. Sie will auf gar keinen Fall bemitleidet werden und kann mit Selbsthilfegruppen nichts anfangen. Bis sie in einer Gruppe auf den intelligenten, gut aussehenden und umwerfend schlagfertigen Gus trifft. Der geht offensiv mit seiner Krankheit um. Hazel und Gus diskutieren Bücher, hören Musik, sehen Filme und verlieben sich ineinander – trotz ihrer Handicaps und Unerfahrenheit. Gus macht Hazels großen Traum wahr: Gemeinsam fliegen sie nach Amsterdam, um dort Peter Van Houten zu treffen, den Autor von Hazels absolutem Lieblingsbuch. Ein tiefgründiges, emotionales und zugleich freches Jugendbuch über Krankheit, Liebe und Tod.

Das war jetzt mein drittes John Green Buch und ich fand alle 3 sehr lesenswert.

 

Erich Kästner – Emil und die Detektive

Nachdem ich im Januar „Das doppelte Lottchen“ gelesen hatte, hat die liebe Jule mir in den Kommentaren für die nächsten Monate je ein weiteres Kästner-Buch ‚als Hausaufgabe‘ aufgegeben. Für den Februar war das „Emil und die Detektive“ und wiederum fand ich vor allem interessant daran, wie sehr sich die Welt seitdem verändert hat. Speziell die von den Jungs zur Schau getragene Uncoolness, die ja auf fehlende Notwendigkeit sich cool zu geben, hindeutet, hat mich sehr fasziniert. Ein bisschen mehr davon stünde uns allen heute immer noch gut.

 

Karen Köhler – Wir haben Raketen geangelt

Kurzgeschichten stehe ich ja eigentlich immer eher skeptisch gegenüber, weil wir die zu Abizeiten bis zum Umkippen sezieren mussten. Trotzdem hatte ich so viel Gutes über Karen Köhlers Raketenbuch gelesen, dass ich es gerne lesen wollte und das war eine gute Entscheidung, denn die Geschichten sind mir alle sehr nahe gegangen. Karen Köhler packt schwierige Themen an, in allen Geschichten geht es mehr oder weniger um Verlust, um Loslassen und das hat mir an manchen Stellen den Atem geraubt. Ihre Geschichten funktionieren, landen punktgenaue Treffer und sind dann auch schon wieder vorbei. Auch die Sprache bleibt dabei angenehm klar und schnörkellos. Ich bin ja ansonsten Freundin schöner Formulierungen, aber hier hätte das nicht gepasst, hätte die Wirkung zu sehr umgekehrt.

Eine echte Leseempfehlung, die allerdings nicht die Suche nach kurzweiliger Unterhaltung erfüllt, sondern oft betroffen zurücklässt.

 

Minette Walters – Das Echo

Ich habe so ein paar Autor*innen, auf die ich mich immer verlassen kann. Wenn ich total unschlüssig bin, was ich als nächstes lesen möchte, weiss ich bei denen, dass ich nichts verkehrt machen kann. Minette Walters ist eine davon. Bisher hat mich noch jedes ihrer Bücher in seinen Bann gezogen und so ging es mir auch mit ‚Das Echo‘.

Michael Deacon soll die wohlhabende Architektin Amanda Powell interviewen, die ein halbes Jahr zuvor die Leiche eines toten, offensichtlich verhungerten Obdachlosen, in ihrer Garage gefunden hatte. Amanda bittet ihn, ihr dabei zu helfen, herauszufinden, um wen es sich bei dem Toten handelt und warum er ausgerechnet ihre Garage ausgewählt hatte, um darin zu sterben. Denn daran, dass das seine Absicht war, bestand kein Zweifel, er saß neben der gut gefüllten Kühltruhe.

Michael findet schon nach kurzer Zeit heraus, dass Amandas Ehemann vor ein paar Jahren unter ungeklärten Umständen verschwunden war, just als er beschuldigt wurde, mehrere Millionen veruntreut zu haben. Handelt es sich bei dem Obdachlosen um James, Amandas verschwundenen Mann?

Wie alle Walters Krimis bleibt auch dieser bis zum Ende spannend. Flüssig lesbare, gute Unterhaltung.

Katja

Gelesen im Januar 2015

Erstaunlich, wie viele Bücher das im Januar geworden sind. Dabei war mir gar nicht bewusst, wie viel ich gelesen habe. Aber ich bin, glaube ich, sehr konsequent jeden Abend relativ früh ins Bett gegangen und habe lieber gelesen als mich länger im Internet rumzutreiben.

Mit dabei: ein Buch, das mich mächtig enttäuscht hat, weil ich es ganz anders erwartet hatte (es liegt nicht an dir Schatz, es liegt nur an mir^^), aber auch ein neues Lieblingsbuch.

Chris Carter – Der Vollstrecker

Das ist der zweite Band der Reihe um Detective Robert Hunter, der im Morddezernat des LAPD für Serienmörder und aussergewöhnlich gewalttätige Verbrechen zuständig ist. Im November hatte ich den ersten Band gelesen und da musste ich schon wegen der recht expliziten Gewaltbeschreibungen schlucken, im zweiten Band war das noch schlimmer. Ein Serienkiller treibt sein Unwesen, der jedes seiner Opfer durch dessen persönlichen größten Albtraum sterben lässt, indem er es jeweils damit foltert, wovor es am meisten Angst hat. Das war nochmal eine ganze Spur krasser als im ersten Band und etwa auf Seite 100 habe ich überlegt, ob ich das wirklich weiterlesen möchte. Blöderweise ist es aber ausserdem auch wieder ein sehr spannendes Buch und ich wollte unbedingt wissen, was den Mörder antreibt und wo die Verbindung zwischen den Opfern liegt.

Trotzdem war ich wirklich erleichtert, als ich endlich damit fertig war und jetzt bin ich unsicher, ob ich die weiteren Bände der Serie überhaupt noch lesen möchte. Ich brauche jetzt zumindest erst mal eine längere Pause davon. Ufff.

 

Tilman Rammstedt – Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters

Ich finde es sehr schwierig, etwas über dieses Buch zu sagen, ohne zu viel über den Inhalt zu verraten. Hier hatte ich schon einige großartige Zitate gebloggt, die alle aus dem gleichen Teil – jenem über die Treffen mit dem Bankberater – stammen und dieser Teil des Buchs hat mir großen Spaß gemacht. Im anderen Teil spielt Bruce Willis die Hauptrolle, der hat für mich zwischendrin zähe Längen und zu viele Wiederholungen. Das hat mich, trotz der insgesamten Kürze des Buches, ein bisschen genervt.

Ähm. Oh. OK.

Vielleicht binde ich lieber das Rezensionsvideo ein!

Ich liebe „Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters“! (Trotzdem hat mir „Erledigungen vor der Feier“ von Tilman Rammstedt noch ein bisschen besser gefallen.)

 

Minette Walters – Wellenbrecher

Am Strand entdecken zwei kleine Jungs eine Frauenleiche. Steven Harding, ein junger Schauspieler, der gerade in der Nähe eine Wanderung unternimmt, ruft die Polizei und gerät später selber unter Mordverdacht, als sich herausstellt, dass er die Tote nicht nur flüchtig kannte. Und dann wird auch noch die 3-jährige Tochter der Getöteten entdeckt, die ganz alleine durch die Straßen eines Ortes in der Nähe irrt und in deren Blut sich die Reste von Betäubungsmitteln nachweisen lassen. Hat die Kleine etwa die Vergewaltigung und den Mord an ihrer Mutter mitangesehen? Und weswegen schreit sie immer los, sobald ihr Vater, dessen Alibi für die Tatzeit auch erst noch zu überprüfen ist, versucht, sie hochzunehmen.

Die Kripo ermittelt und nimmt dabei immer wieder die Hilfe des Ortspolizisten Nick Ingram in Anspruch, der seine ganz eigenen Theorien über den Tathergang und die Motive der Beteiligten aufstellt.

Ich mochte bisher alle Krimis, die ich von Minette Walters gelesen habe, recht gerne. Durch ihre Art, die reine Erzählung immer wieder durch eingeflochtene ärztliche Gutachten, polizeiliche Vernehmungsprotokolle, Zeitungsberichte, Aktennotizen oder dergleichen zu unterbrechen, verleiht sie den Geschichten einen sehr realen Anstrich. Die Fiktion bricht mMn durch diese eingefügten „Beweismittel“ auf, macht das Geschehen glaubwürdiger.

Wellenbrecher hat mir besonders gut gefallen. Die Charaktere, auch die Randfiguren, bekommen eine gewisse Tiefe, wobei ohnehin kein deutlich erkennbarer einzelner Protagonist im Vordergrund steht. Schön erzählt und auch wenn man früh Ahnungen über die Hintergründe hat, schafft Minette Walters es hier geschickt, bis zum Ende immer wieder Zweifel und weitere Seiten und Aspekte einzustreuen. Trotzdem ist die Auflösung keineswegs an den Haaren herbeigezogen.

 

Aimee Bender – Die besondere Traurigkeit von Zitronenkuchen

Was für ein großartiger Buchtitel. Und dann muss ich hier mal den Klappentext zitieren:

An einem strahlenden Frühlingstag kurz vor ihrem neunten Geburtstag beißt Rose Edelstein in ein Stück Zitronenkuchen, den ihre Mutter für sie gebacken hat. Und muss feststellen, dass zwischen den frischen Zitronen, dem Zucker und der Butter, nun ja, eindeutig ein Hauch Traurigkeit liegt. Nicht besser ergeht es Rose mit dem Hühnchen und den grünen Bohnen, die die Mutter zum Abendessen zubereitet – und von nun an mit allen Gerichten. Der Marmeladentoast schmeckt seltsam abwesend, das Roastbeef nach Schuldgefühlen, ein Sandwich nach großer Verliebtheit: Jeder Bissen offenbart mehr, als Rose lieb ist – und erst im Laufe der Jahre lernt sie, mit ihrer besonderen Gabe umzugehen …

Aimee Benders furiose Idee, dem Alltäglichen des Essens eine magische Bedeutung zu geben, ist verführerisch und einnehmend zugleich. Voller leuchtender Sätze stellt ihr Roman die Frage, wie viel wir wirklich von unseren Liebsten wissen.

Nachdem ich das gelesen hatte, war ich hin und weg und wusste: ich MUSS dieses Buch unbedingt lesen. Was für eine Gabe, was für eine Begabung. In meinem Kopf entstand eine Geschichte – noch bevor das Buch im Regal mit den ungelesenen Büchern lag und ich freute mich darauf, Rose dabei zu begleiten, wie sie immer besser darin wird, aus dem Essen, das jemand anderes zubereitet hat, herauszuschmecken, wie es demjenigen geht. Wie sie sacht und mit großer Empathie hergeht und versucht, diese traurigen Menschen aufzumuntern. Den Verliebten Mut zu machen. Die Fäden zu spinnen, um Menschen, die gefühlstechnisch zusammengehören, einen sanften Schubs in die passende Richtung zu geben. All das malte ich mir schon im Voraus aus.

Und dann las ich das Buch und war maßlos enttäuscht, weil die ‚echte‘ Buch-Rose im Gegensatz zu meiner Phantasie-Rose, ihre Gabe als große Last empfindet. Weil sie sich, sobald sie die Möglichkeit dazu hat, von Fabriknahrung, die nicht von Menschen zubereitet wurde, ernährt. Weil sie nach der Entdeckung 10 Jahre ins Land streichen lässt, bis sie endlich mal selber eine Mahlzeit zubereitet, um ihr eigenes Inneres auf eine Weise zu ergründen, bei der man sich nicht selber belügen kann…

Obejektiver betrachtet ist es vermutlich kein schlechtes Buch. Die Idee ist originell, man kann das durchaus lesen und eigentlich kann ich den Vorwurf nur mir machen, mit meiner falschen Erwartungshaltung an das Buch und vor allem seine Protagonistin. Trotzdem finde ich es mindestens mal sehr schade, dass Aimee Bender aus dieser zauberhaften und großartigen Idee, die sie da hatte, kein zauberhaftes und magisches Buch gemacht hat, dessen Protagonistin versucht, das kleine bisschen Welt um sie herum, ein kleines bisschen besser zu machen – sondern dann noch dazu das Hauptaugenmerk auf dem Bruder liegt, der auch eine seltsame „Gabe“ hat, deren Gewahrwerden viel Raum und Fokus des Buchs einnimmt und ausmacht.

Selbst das halbwegs versöhnliche Ende kann das für mich alles nicht mehr gut machen.

Schade, schade, schade.

 

Carlos Ruiz Zafón – Der Schatten des Windes

Als Daniel Sempere 10 Jahre als ist, nimmt sein Vater ihn mit zum geheimen Friedhof der vergessenen Bücher. Daniel darf sich dort ein Buch aussuchen, für das er fortan die Verantwortung trägt und so gerät er in den Besitz eines Buches – „Der Schatten des Windes“ – eines unbekannten spanischen Autoren, genauer gesagt die letzte existierende Ausgabe des Buches, denn ein Unbekannter mit einem maskenhaften Gesicht, der sich stets in den Schatten verbirgt, macht Jagd auf die Bücher von Julian Carax, jenem Autoren und hat alle anderen Ausgaben verbrannt. Im Laufe der Jahre trägt Daniel immer mehr Informationen über Julián Carax und dessen Lebensumstände zusammen und gerät dabei immer tiefer in den Sog des Buches, denn es gibt da eine Menge Parallelen zwischen seinem Leben und jenem von Julián Carax.

Du weisst, ein Buch hat das Zeug dazu, eines deiner Lieblingsbücher zu werden, wenn du es ab einem gewissen Punkt kaum noch aus der Hand legen kannst, dich aber trotzdem häufiger dazu zwingst, weil du genau weisst, dass du mit jeder weiteren gelesenen Seite dem unvermeidlichen Ende wieder einen Schritt näher gekommen bist und so dringend du auch wissen willst, wie die Geschichte weitergeht, wie sie ausgeht, willst du doch auf gar keinen Fall an ihrem Ende ankommen.

Großartiges Buch, großartige Geschichte, großartige Charaktere. Eines jener Bücher weswegen ich Lesen so sehr liebe.

So. Und jetzt muss ich erst mal ein paar Orte Barcelonas in google Streetview besichtigen, allen voran die Avenida del Tibidabo 32 – hoffentlich irgendwann auch in echt.

 

Rolf Merkle – So gewinnen Sie mehr Selbstvertrauen; Freundschaft mit sich schließen, den inneren Kritiker besiegen

Nachdem ich letzten Herbst angefangen hatte, damit zu arbeiten, lag es dann seit ich im Oktober in Spanien war wieder brach… Jetzt habe ich es nochmal von vorne gelesen und wieder angefangen, mich mit meinem Denken auseinanderzusetzen und zu befassen und umdenken zu üben. (Mehr darüber schon hier und hier.)

 

Rolf Merkle – Nie mehr deprimiert, Selbsthilfeprogramm zur Überwindung negativer Gefühle

Das Buch war mein erster Ratgeber zum Thema Depressionen und auch jener, den ich wohl schon am häufigsten in der Hand hatte und irgendwann zornig/deprimiert in die Ecke gefeuert habe. Ich blieb bei jedem Versuch, damit zu arbeiten an der gleichen verfluchten Stelle hängen – jener, an der man 10 Dinge notieren soll, die man an sich mag. Nachdem ich mit dem Buch obendrüber deutlich bessere Erfahrungen gemacht habe, wollte ich das jetzt nach einigen Jahren doch nochmal probieren. Über diese Stelle bin ich dieses Mal lässig drüber gekommen und alleine das fühlt sich für mich nach einem großen Erfolg an. Ansonsten ist mir zum ersten Mal aufgefallen, wie alt jenes Buch ist. Ich habe die 7. Auflage aus 2000, das Copyright stammt aus 1987 und so kommt es mir beim Lesen auch vor. Da wirkt vieles eingestaubt, da tauchen viele Stereotype und ein veraltetes Rollenverständnis auf, an etlichen Stellen musste ich da großzügig drüber weglesen, um nicht empört loszuschnauben.

Und trotzdem war die Lektüre für mich hilfreich – nicht nur, wegen des Erfolgserlebnisses mittlerweile 10 Dinge zu kennen, die ich an mir mag, sondern auch, weil es das Selbstvertrauenbuch gut ergänzt und weiterführt. Merkle erklärt, wie Gedanken Gefühle beherrschen und dröselt die verschiedenen Arten des negativen Denkens auf. Ich glaube, das wird mir dabei helfen, mich dahingehend selber zu ertappen und diese schädlichen Denkmuster zu entlarven. Insofern hat es sich für mich als Ergänzung gelohnt, explizit empfehlen würde ich es aber aufgrund seines Alters nicht und ich glaube, es ist auch gar nicht mehr auf dem Markt sondern mittlerweile durch eine neueres Buch zu dem Thema ersetzt worden.

 

Axel Hacke – Oberst von Huhn bittet zu Tisch, Speisedeutsch für Anfänger

Axel Hacke präsentiert hier eine Sammlung der schönsten falsch ins Deutsche übersetzten Gerichte in ausländischen Speisekarten. So beginnt das Buch mit einem Gericht des Namens ‚Zwiebel ruft an‘ und da ist noch leicht zu erkennen, was bei der Übersetzung der ‚Onion rings‘ falsch gelaufen ist. Es gibt aber auch völlig absurde Namen von Speisen, deren Zustandekommen man sich nicht erklären kann und leider fehlt die entsprechende Erklärung – oder zumindest der Hinweis, was zur Hölle das denn in der Originalsprache mal gewesen ist – an vielen Stellen. Trotzdem, ich habe beim Lesen häufig schallend lachen müssen und das schaffen nicht so viele Bücher. Für kurzweiligen Spaß zwischendurch ist das Buch auf jeden Fall gut geeignet und bei mir passte es wunderbar als Ablenkung nach dem Zafón, weil ich wusste, dass es da erst mal jedes andere Buch schwer haben würde.

Katja

Gelesen im Juli 2013

Irgendwie ist das gerade keine so geschmeidige Verbindung, die Bücher und ich. Aber vielleicht muss das nach so langer Dauerlesezeit einfach mal sein, dass ich ein bisschen weniger Seiten verschlinge. Und wenn es dazu dient, diese fiese Stimme im eigenen Kopf, die selbst Lesen unter Leistungsaspekte stellt, ruhig zu bekommen. Als einziges ausgelesen habe ich:

Minette Walters – Schlangenlinien

Das war jetzt insgesamt mein sechster Roman von Minette Walters und was sie alle gemeinsam haben ist, dass ich eine Weile brauche, bis ich in die Geschichten reinkomme und dann überhaupt nicht merke, wie ich immer tiefer hineingerate.

In Schlangenlinien geht es um einen 20 Jahre zurückliegenden Todesfall, den die Polizei als Unfalltod zu den Akten gelegt hatte. Nur die Lehrerin, M. Ranelagh (deren Vornamen man übrigens im ganzen Buch nicht erfährt), die die schwerverletzte schwarze Nachbarin vor ihrer Haustür in der Gosse findet, wo sie kurz darauf stirbt, ist überzeugt, dass die am Tourette-Syndrom erkrankte Ann Butts, Opfer eines rassistisch motivierten Mordes einer ihrer Nachbarn wurde. Niemand glaubt ihr, sie wird in der Folge terrorisiert, ihre Ehe zerbricht fast und sie verlässt mit ihrem Mann für die nächsten 20 Jahre England. Insgeheim stellt sie jedoch ihre Nachforschungen nie ein, schreibt jahrelang erst Briefe, später eMails, um herauszufinden, was sich in jenem November 1978 tatsächlich in der Graham Road ereignet hatte.

Nach 20 Jahren – und dort setzt der Roman eigentlich erst richtig ein – kehrt sie zurück und setzt die gesammelten Puzzlestücke zusammen.

Ich mag an Minette Walters Romanen unter anderem, dass sie häufig nicht nur die Geschichte erzählt, sondern ausserdem Polizeiberichte oder Briefe oder Ärzteberichte und dergleichen in die Erzählung einfügt. Mal tut sie das, um Hintergrundinformation zu dem gerade gelesenen Kapitel zu liefern, mal um eine Diskrepanz zwischen dem gerade Geschilderten und dem ‚Faktenhintergrund‘ zu erzeugen. Diese Methode kannte ich so nicht von anderen Autoren und beim ersten Buch, bei dem ich darauf stieß, irritierte mich das erst mal, dass der Erzähl- und damit auch Lesefluss, so eine Unterbrechung hatte. Aber tatsächlich ist es so, dass ich das mittlerweile als unheimlich geschickte Methode empfinde, die Geschichte plastischer und realistischer wirken zu lassen. Diese ‚Dokumente‘ haben eine ganz andere Wirkung als eine bloße Erzählung bei der man immer weiss, dass sie fabuliert ist. Sehr geschickte Manipulation beim Lesen, die aber trotz ihrer Durchschaubarkeit bei mir gut wirkt.

Wenn ich vor meinem ungelesenen Bücherstapel stehe und so gar nicht weiss, worauf ich als nächstes Lust habe – Minette Walters geht fast immer (allerdings nie mehrere hintereinander). Deswegen muss auch bald der nächste her!

*

Und dann habe ich noch fast komplett den (blauen) ADAC-Reiseführer Toskana gelesen. Was schön war, weil wegen Urlaub. Was aber blöd war, weil wegen schlechtes Teil. Der macht leider nur wenig von dem richtig, was ein Reiseführer können sollte. Er wirft mit Fachbegriffen aus Architektur und Sakralbau und Kunst um sich, ohne sie zu erklären. Das was er als Top-Tipps ausweist sind nur die Dinge, die ohnehin Touristenattraktionen sind – es gibt aber keine echten Geheimtipps für Dinge zum Ansehen oder kleine Lokale oder was auch immer, die fernab des Mainstreams liegen und dabei bleibt er in allen Beschreibungen blutleer und farblos. Mir fehlt hier die Leidenschaft für’s Reisen, das Staunen, die Meinungen. Der Text bleibt immer formell und distanziert und das ist nichts, womit ich beim Reisen etwas anfangen könnte. Da will ich auch gerne mal Begeisterung für eine Gegend oder Sache rauslesen und ich möchte auch gerne erfahren, was ich mir getrost schenken kann. Das fehlt ihm völlig, diese Warnungen, dass etwas zwar touristisch beliebt ist, aber dass man lieber mal ein Eis essen gehen soll, weil man nichts verpasst, wenn man’s nicht gesehen hat.

Wozu ich gar nichts sagen kann ist der Multimediateil des Reiseführers. Es gibt an etlichen Stellen QR-Codes, die dann zu weiteren Informationen bzw. Videos führen sollen und auch Webadressen zum Abtippen.

Beides mag zwar nett sein, wenn ich vor oder nach der Reise am Informationenzusammensammeln und -suchen bin, aber im Auslandsurlaub nützt mir das gar nichts – selbst mit italienischer SIM nicht, denn das ist langsam und umständlich.

Also falls ihr mal in die Toskana reisen solltet, mache ich hier mal, was dem Reiseführer komplett fehlt – Meinung verbreiten: Kauft das Ding nicht! Der lohnt sich nicht!
(Schleppt lieber den schweren, unhandlichen aus dem Michael Müller-Verlag mit euch rum. Ich kenne zwar jenen der Toskana nicht, weil ich aus Gründen der Handlichkeit und weil es nur für die eine Woche war, aus Formatsgründen jenen vom ADAC gekauft hatte, aber nachträglich tut mir das leid, denn bisher bin ich mit Müller immer sehr gut gereist!)

Katja

52 Bücher, Teil 3

OK, das ist jetzt wirklich ein kompliziertes Thema in der dritten Woche, des Fellmonsterschen 52-Bücher-Projektes:

Das nächste MUST-HAVE-Buch.

schlug Kerry vor und wählte Katrin aus, die in fitzeliger Handarbeit auch in dieser Woche wieder alle Projektbeiträge in ihrer Übersicht sammelt.

Nun ist es nicht so, dass ich keine Bücherwünsche hätte und dass mir die Aufgabe deswegen so schwer fällt. Ganz im Gegenteil, eine brandaktuelle Zählung ergab mehr als 400 Bücher auf der Wunschliste. Das würde wohl – auch wenn gar nichts mehr neu hinzu käme, was völlig illusorisch ist, es sei denn, man nähme mir für ein paar Jahre jeglichen Kontakt zur Außenwelt weg – für einige Jahre Lektüre genügen.

Die Herausforderung ist nur immer das Einkaufen von Büchern. Da ich fast alle Bücher gebraucht kaufe, bin ich völlig frei von dem unbedingten Wunsch, niegelnagelneu erschienene Bücher mein Eigen nennen zu wollen und die wenigen Ausnahmen kaufe ich sogar meist ohne dass sie vorher auf dem Wunschzettel landen. Aber was ich nicht kann ist, mich beim Kauf von Gebrauchten irgendwie zu entscheiden, was meist dazu führt, dass ich mich nicht mäßigen kann.

Immer, wenn der SUB (bei dem ich darauf achte, dass er nie zu hoch wird) fast aufgelesen ist, stürze ich mich also auf die Wunschliste und bestelle dann irgendwas zwischen 15 und 25 Büchern auf einmal. Die auszusuchen dauert nämlich auch nicht länger als ich dafür brauchen würde, mich auf nur 2 oder 3 von den über 400 festzulegen. Und der Lieblingspostbote weiss dann auch immer genau, woran er ist, wenn er mir einen ganzen Stapel Umschläge auf einmal überreicht. Dann begrüßt er mich nämlich stets mit den Worten „Katja, ich bring‘ dir Bücher.“

Ein ganz spezielles must-have gibt es dabei selten, aber ich kann mit einiger Zuverlässigkeit sagen, dass bei quasi jeder meiner Bestellungen mindestens ein neues Buch von Tanja Kinkel dabei sein muss, eine Fortsetzung von Elisabeth Georges Inspektor Lynley Serie, mindestens ein Buch von Minette Walters, ein Brunetti von Donna Leon (wobei das bald ein Ende hat, weil ich fast alle bisher erschienenen gelesen habe) und ein Band der Artemis Fowl Reihe von Eoin Colfer. Der Rest ergibt sich dann immer spontan beim Durchforsten der Liste.

Haaa! Eins fällt mir doch noch ein, um das ich wohl beim nächsten Großeinkauf unmöglich herumkommen werde, nachdem Corina mir da schon etliche Male den Mund mit wässrig gemacht hat:

„Der Tod ist ein bleibender Schaden“ von Eoin Colfer muss es werden.

Von der Artemis Fowl Reihe des Autors bin ich ohnehin hingerissen, weil Colfer es damit schafft, mir Fantasybücher schmackhaft zu machen, obwohl das eigentlich so gar nicht mein Genre ist.

Na super, am liebsten würde ich jetzt sofort Bücher shoppen gehen! 😀

Katja