Gelesen im Mai 2015

Huch! Eigentlich fühlte es sich so an als wäre ich im Mai kaum zum Lesen gekommen, aber dadurch, dass ich wieder oft morgens vorm Aufstehen gelesen habe, sind es am Ende tatsächlich so viele Bücher geworden.

John Green – Eine wie Alaska

Miles ist Aussenseiter an seiner Schule und hat keine Freunde. Das ändert sich schlagartig als er auf das Internat Culver Creek wechselt und dort den ‚Colonel‘, Takumi und Alaska kennenlernt und wo er sich Hals über Kopf in Alaska verliebt, die ebenso schön wie launisch ist.

Das ist zugegebenermaßen ungeheuer knapp, aber ich finde es immens schwierig, viel über den Inhalt des Buches zu schreiben ohne zu spoilern, daher lieber etwas über meinen Eindruck beim Lesen.

Nach ‚Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen)‘ war das innerhalb kurzer Zeit der zweite Roman von John Green, den ich verschlungen habe. Alaska merkt man deutlicher die eigentliche Zielgruppe an, das ist schon recht deutlich ein Jugendbuch. Trotzdem hat es mir enorm gut gefallen. Ich mag Greens Stil, der sich sehr gut und flüssig lesen lässt und ich mag seine Figuren, die ich bisher durch die Bank weg sympathisch fand. Manchmal stört mich so etwas bei Büchern, wenn irgendwie alle zu den ‚Guten‘ gehören, aber gerade bei diesen Jugendbüchern mag ich es irgendwie, weil das Lesen ein bisschen eine Flucht in eine ‚bessere‘ Welt ist. Gerade in dem Alter, das die Protagonisten haben (so 16, 17) hätte ich mir damals ein bisschen mehr heile Welt gewünscht, von daher passt es für mich gut als Abtauchmöglichkeit. Das mag aber auf andere möglicherweise nervig wirken und ein bisschen zu glatt.

Dafür bietet die Geschichte hier jede Menge Drama, da landet man als Leser*in erst mal genauso unsanft, wie die Charaktere inmitten der Handlung es tun.

Was ich an Green ausserdem gerne mag, ist die Schrulligkeit, die seine Hauptpersonen aufweisen. Colin, der Protagonist der ersten Liebe hatte die Angewohnheit, im Kopf aus allen Worten / Sätzen Anagramme zu bilden. Miles kennt eine große Sammlung letzter Worte berühmter Personen auswendig, der Colonel die Hauptstädte aller Länder (und ab später im Buch auch die Einwohnerzahlen). Sowas mag ich, solche Besonderheiten und dass Green seinen Figuren so nahe ist, dass er ihnen solche Eigenarten andichtet.

Und jetzt wiederhole ich mich bewusst, denn das schrieb ich auch schon nach Lesen des ersten Buchs von ihm: Tolles Buch. Mehr von John Green bitte!

 

Viktor Staudt – Die Geschichte meines Selbstmords

Es ist kompliziert.

Auf der einen Seite hat die Lieblingscorina mir eine vom Autor signierte Ausgabe des Buchs geschenkt, weil sie ihn kennengelernt hatte und sehr beeindruckt von ihm war und signierte Ausgaben sind ja von Haus aus eher so „yeah! \o/“.
Auf der anderen Seite finde ich das Buch leider alles andere als „yeah“, bin aber geneigt anzunehmen, dass es möglicherweise eine andere Wirkung hat, wenn man den Menschen hinter dem Buch kennenlernt.

1999 warf Viktor Staudt sich in seinem damaligen Wohnort Amsterdam vor einen Zug, um sein Leben zu beenden. Er überlebte, allerdings verlor er seine Beine und sitzt seitdem im Rollstuhl. In dem Buch erzählt er, chronologisch ein bisschen durcheinander, mit stetigen Rückblenden von seinem Leben. Was ihn in diese Situation auf dem Amsterdamer Bahnhof gedrängt hat, von den anschließenden Krankenhaus- und Reha-Aufenthalten und „wie ich das Leben wiederfand“, was auch Untertitel des Buches ist.

In Kürze zusammengefasst waren es Depressionen und Panikattacken, die ihn soweit brachten und die richtigen Medikamente zur Behandlung seiner Borderline-Störung, die am Ende die Lösung brachten.

Und – das ist für mich das eigentlich Schlimme an dem Buch – das war’s auch quasi schon. Da leidet einer 15 Jahre lang an Angstattacken und statt sich mal damit auseinanderzusetzen, was da überhaupt passiert, sucht er immer neue ‚Kicks‘, weil es solche Situationen sind (zB er in einer Bar strippend oder bei einem Fotoshooting,…) die ihn die Angst vergessen lassen. Schließlich schnürt ihn die Angst so vom Leben ab, dass er im Internet aktiv wird, aber auch hier nicht auf der Suche nach Hilfe oder um erst mal zu verstehen, was da mit ihm los ist und passiert, sondern in einer Newsgroup, die das suicide schon im Namen trägt und wo, wenn ich ihn richtig verstanden habe, eher über mögliche Methoden als über Hilfemöglichkeiten diskutiert wird.

Und dann, und das hat mich vermutlich am meisten an dem Buch angekotzt (bitte entschuldigt die derbe Formulierung) – schreibt er immer wieder, wie sehr ihn Menschen bewundert hätten. Für seinen Mut, sich vor den Zug zu werfen. Für seine Stärke und den Mut nach der Amputation weiterzumachen.

Wer mich eine Weile kennt oder hier liest, weiss, dass es auch in meinem Leben eine lange Phase gab, die so dunkel war, dass ich dachte, es gäbe keinen anderen Ausweg und ja, auch ich habe mir damals den „Mut“ gewünscht, meinem Leben ein Ende zu setzen und fühlte mich feige, weil ich das nicht schaffte.

Möglicherweise ist diese Haltung in jenen dunklen Phasen auch verbreitet und üblich. Aber, großes ABER spätestens irgendwann, wenn ich nach eigener Aussage ins Leben zurückgefunden habe, finde ich es merkwürdig, das so unreflektiert aufzuschreiben (noch dazu in einem Buch), denn letztendlich ist dieser letzte Ausweg, der Weg der Verzweifelten und, sich dem Leben zu stellen und sich bewusst dafür zu entscheiden und all den Mist, der einen dadurch erwartet, anzunehmen ist mMn der eigentlich mutige Weg.

Mich hat gestört, dass der betroffene Zugführer zwar insofern thematisiert wird, dass Viktor Staudt fast schon in beleidigtem Ton darüber berichtet, dass dieser nichts mit ihm zu tun haben wollte, obwohl er ihm ja sogar einen Entschuldigungsbrief geschrieben hätte, aber mir fehlt die Selbstkritik, dass er da möglicherweise einen anderen Menschen stark traumatisiert hat. Mir fehlt die Einsicht, dass von allen Möglichkeiten, sein Leben freiwillig zu beenden, die beschissenste Idee ist, andere, unbeteiligte Menschen da mitreinzuziehen.

Dieses egozentrische Weltbild bestimmt für mich das ganze Buch. Natürlich kann er mit Bestimmtheit nur aus eigener Sicht und eigenem Empfinden schreiben, aber wo bleiben Verständnis und Empathie für sein Umfeld und wenigstens der Versuch, mal den eigenen Blickwinkel zu verlassen? Mir fehlt in weiten Teilen eine Art Reflexion, eine Auseinandersetzung mit dem, was er in den Jahren so gemacht hat. Das steht einfach alles so da, so war das eben.

Die Diagnose der Borderlinestörung bekommt er Jahre vorher und zerreisst den Behandlungsbericht? Und dann am Ende ist die Lösung und der Ausweg so einfach, dass es nur um die passende Medikation ging, die in den ganzen Jahren einfach gefehlt hat? Und natürlich hat das die ehemalige Hausärztin verbockt, die die falschen Medikamente verordnet hat als er zuerst wegen der Angstattacken bei ihr war. Im Epilog fragt er sich, wie sein Leben hätte verlaufen können, wenn er da keine Beruhigungsmittel sondern schon die richtigen Medikamente von der Hausärztin bekommen hätte. Er fragt sich aber nicht, wie sein Leben hätte verlaufen können, wenn er selber etwas anders gemacht hätte und zB zu einem weiteren Arzt gegangen wäre, der dann möglicherweise schon passende Medikamente verordnet hätte. Ihm blieb kein anderer Ausweg als der mit dem Zug…
Als jemand, der die Schuld quasi immer bei sich selber sucht, sich selber wegen alles möglichen zerfleischt und sich selber für verantwortlich hält, kann ich eine solche Sichtweise auf die Welt echt nur ganz schwer aushalten.

Mir ist es verflucht wichtig, dass wir möglichst offen über psychische Erkrankungen reden und mit ihnen umgehen können. Ich wünsche mir sehr, Depressionen seien kein Tabuthema mehr, weil ich daran glaube, dass es dann auch einfacher würde, sich Hilfe zu holen.

Vielleicht ist dafür auch Aufmerksamkeit in jeglicher Form gut und auch dieses Buch hat seinen Platz. Mich macht es allerdings wütend, denn es rührt ja auch in mir als seit Jahren an Depressionen und Angst Erkrankte (und ich schreibe bewusst nicht darunter Leidende) etwas an, weil das Thema an sich mir so vertraut und nahe ist. Vielleicht bringt es mich so auf, weil man ja unter ‚Leidensgenossen‘ immer hofft, sich selber irgendwie wiederzufinden, die eigenen Gedanken und Probleme und auch Lösungswege. Vielleicht regt es mich so auf, weil Viktor Staudts Weg so völlig anders ist als meiner, weil ich nur schwer verstehen kann, wie das ist, wenn der Wechsel zwischen Suizidalität und alles irgendwie cool & froody nicht ein hartes Stück Arbeit mit sich selber und die Auseinandersetzung mit sich selber, sondern vor allem die Einnahme der richtigen Tablette ist. Das erscheint mir, ein so falsches Bild nach ‚aussen‘ vermittelt, als wäre es tatsächlich so einfach („Du musst doch einfach nur….“ in diesem Fall dann die richtige Tablette einwerfen. „Guck, bei dem klappt’s doch auch.“). Aber – und das ist ja eigentlich klar, so verschieden wie Menschen nun mal sind – auch wir Depressiven ticken auf völlig unterschiedliche Art und Weise und es gibt kein objektives Richtig oder Falsch, sondern jede muss irgendwie ihren eigenen Weg finden und das ist eben Viktors Staudts Weg. Und vielleicht ist es für manche so einfach und es geht nur um die richtigen Pillen. Entschuldigung also für die Wut, die mir gar nicht zusteht. Ausser vielleicht in der Sache mit dem Reinziehen von Unbeteiligten.

Es ist kompliziert.

 

Doris Wolf, Rolf Merkle – Gefühle verstehen, Probleme bewältigen

Wir fühlen das, was wir denken. So lässt sich wohl in aller Kürze die Kernthese des Buchs zusammenfassen. In loser Zusammenstellung von einzelnen Aufsätzen betrachten Wolf und Merkle einzelne Gefühls-Themenbereiche und geben Tipps, wie man selber die Verantwortung für’s eigene Fühlen übernehmen und sich durch positivere Denkweisen besser fühlen kann.

Nach einem ersten Lesen bin ich noch recht unschlüssig. Dass viele Gefühle von meiner eigenen Wahrnehmung, meinem Blick auf Situationen abhängen, ist nichts neues für mich, aber es ist trotzdem interessant zu lesen, wie das im Buch aufgedröselt wird. Trotzdem, da wo es an die Arbeit und das Umdenken / Umlernen geht, erscheint es mir auf den ersten Blick deutlicher an der Oberfläche zu bleiben als jener Selbsthilferatgeber zum Thema Selbstachtung, was natürlich bei der Themenvielfalt kein Wunder ist.

Muss ich mich noch ein bisschen mit beschäftigen und sicher noch ein-, zweimal lesen und auch tatsächlich damit arbeiten, bis ich etwas darüber sagen kann, ob es für mich persönlich hilfreich war. In jedem Fall ist es aber ein weiterer Schritt beim Verständnis der Zusammenhänge des Denkens und Fühlens.

Insofern: lesenswert. Wenn man sich allerdings zum Arbeiten mit nur einem Buch entscheiden möchte oder müsste, wäre meine Empfehlung eher ‚So gewinnen Sie mehr Selbstvertrauen‘ von Rolf Merkle.

 

Eoin Colfer – Artemis Fowl, Die Akte

Das war jetzt leider der wirklich allerletzte Band der grandiosen Artemis Fowl-Reihe von Eoin Colfer, wobei „Die Akte“ eigentlich gar kein echter Band mehr ist, sondern eine Sammlung, die zwei (Kurz-)Geschichten enthält (in einer davon erfährt man, wie Holly Short der erste weibliche ZUP-Officer wurde), Aufzeichnungen Artemis, wo er die verschiedenen Wesen des Erdvolks charakterisiert, sowie geheime Interviews mit den Hauptcharakteren der Reihe. Also alles in allem eine Materialsammlung, an der kein echter Fan vorbeikommt. Der einzige Haken: es ist viel zu kurz und zu schnell gelesen.

 

A. Lee Martinez – Der Mond ist nicht genug

Als Diana ihre neue Wohnung bezieht, ahnt sie nicht, dass im Schrank das buchstäbliche Monster wohnt, das sie fressen will, sobald sie den Schrank öffnet und auch nicht, dass ihre Realität nie wieder so sein wird, wie sie einmal war.  Doch sie bekommt das wirklich gut hin, arrangiert sich mit der neuen Wirklichkeit und auch mit dem gefräßigen Vorm, ‚adoptiert‘ dann ratz fatz noch ein, zwei, drei weitere Monster, die ja auch nur hilflose Wesen sind, die sich in dem Paralleluniversum, in dem sie unbeabsichtigt gelandet sind, zurechtfinden müssen und hilft nebenbei noch dem skurrilen Hausverwalter das Universum am Laufen zu halten.

Ich ahne, wenn das so weitergeht, kann ich irgendwann nicht mehr glaubhaft versichern, dass ich Fantasy nicht mag. A. Lee Martinez Buch hat mir viel Spaß gemacht. Das ist keine tiefschürfende Geschichte (und die muss es ja wahrlich nicht immer sein), aber eine ordentliche Gaudi, die sich gut runterlesen lässt. Schön. Ich bin gespannt auf weitere seiner Bücher.

 

Juli Zeh – Corpus Delicti. Ein Prozess.

In einer Zukunft, in der es kaum noch Krankheiten und Schmerzen gibt, überwacht der Staat seine Bürger vollständig, damit diese nach der ‚Methode‘ leben, einer Ideologie, bei der es keine individuellen Interessen mehr gibt, sondern das gesunde Leben des einzelnen bis ins kleinste Detail protokolliert wird.

In dieser Welt muss sich die junge, schöne und bis dato erfolgreiche Mia Holl vor Gericht verantworten, zunächst nur weil sie ihr Sportpensum nicht erfüllt hatte, doch das steigert sich immer weiter bis ihr terroristische Handlungen und Staats- bzw. Methodenverrat zur Last gelegt werden.

Nuuu ja.

Der Gedanke an diese vollständige Überwachung ist – wie bei all diesen Überwachungsstaatdystopien – erschütternd und doch ist das Buch mir nicht zu recht nahe gegangen. Zu wenig greifbar blieb die Protagonistin für mich. Zunächst ist sie zu rational, dann der plötzliche Wandel und sie handelt nur noch noch ihren Emotionen, um sich am Ende selbst zur Gallionsfigur einer Bewegung hochzustilisieren, mit deren Handeln sie eigentlich nichts zu tun hat oder haben will. Interessantere Figur ist ihr Gegenspieler. Der tut alles, um die Methode zu schützen und schreckt auch nicht davor zurück, Zeugen unter Druck zu setzen und Beweise zu fingieren. Trotzdem kam mir das alles beim Lesen nicht nahe, blieb mir fern und abstrakt, was bei einer Dystopie keine gute Voraussetzung ist.

 

Ernest Cline – Ready Player One

Noch eine Dystopie, angesiedelt von hier aus ca. 50 Jahre in der Zukunft. Die Energiekrise ist weit fortgeschritten, die Städte zerfallen, die Umwelt ist kaputt, die Menschen flüchten vor der realen Welt in eine riesige Online-Welt – die Oasis – die quasi alle Funktionen des Internets übernommen bzw. integriert hat. Der Zugang ist kostenlos und man bewegt seinen Avatar durch die virtuellen Welten.

Als der Multimilliardär James Halliday, Kind der 1970er mit einer großen Leidenschaft für die Computerspiele, TV-Serien, Kultfilme und Musik der 80er Jahre und Schöpfer dieser gewaltigen Simulation,  in der es sogar ein offizielles Schulsystem und einen eigenen Planeten voller öffentlicher Schulen gibt, stirbt, startet er ein großes Spiel. Der Spieler, dem es zuerst gelingt, anhand von Rätselaufgaben, die sich auf Hallidays Leidenschaften beziehen, 3 Schlüssel zu finden, durch die 3 Portale zu gehen, die dort gestellten Aufgaben zu meistern und so das von Halliday in der Oasis versteckte Easter-Egg zu finden, soll die Oasis und Hallidays gesamtes Milliardenvermögen erben.

Wade Watts, im echten Leben jugendlicher Waise, der im Trailerpark bei seiner Tante lebt, benennt seinen Avatar nach dem gleichnamigen Gralssucher um in Parzival und macht sich mit mehreren Tausend weiteren Jägern auf die Jagd nach den Schlüsseln. Als er – als allererster – den ersten findet, ist sein Avatar plötzlich in der ganzen Oasis berühmt und darüber hinaus auch in zunehmender Gefahr, denn die Sechser, die gleichförmige Avatararmee der Firma IOI wollen natürlich auch die ersten sein, die das Ei finden, um die bis dahin kostenlose Oasis in ein, für die Firma, lukratives Geschäftsmodell umzuwandeln. Dafür schrecken sie auch nicht davor zurück in der realen Welt auf die Menschen hinter den Avataren zu machen. Es geht also nicht mehr nur darum, selber zu gewinnen, sondern auch zu verhindern, dass einer der Sechser gewinnt und es geht um’s Überleben.

Das für mich wirklich unglaubwürdigste an der Geschichte ist, dass es Wade so dermaßen drauf hat. Er ist nicht nur in sämtlichen Computerspielen überlegen gut, er hat auch sämtliche Lieblingsfilme und Serien Hallidays teils über 100 Mal angeschaut, um die gestellten Rätsel zu knacken _und_ dabei hat er sich dann auch noch den ganzen Kram gemerkt. Also nicht nur, was da passiert, sondern auch in welcher Folge das der Fall war. Das ist einfach komplett unrealistisch, dass man so viele Details im Gedächtnis nicht nur gespeichert sondern auch abrufbar hat.

Wenn man das aber ausblendet ist das eine tolle Geschichte. Ich mag die popkulturellen Referenzen, auch wenn ich bei den amerikanischen Serien der Zeit und bei vielen der vorkommenden Spiele weniger Bezug habe als zu Musik und Filmen. Aber ich finde die ganze Idee dieser virtuellen Welt und auch der Jagd sehr faszinierend. Cline mag die 80er, das merkt man beim Lesen und hat ihnen hier ein tolles Denkmal gesetzt, das ich in den letzten Tagen oft am liebsten gar nicht aus der Hand gelegt hätte. Interessante Ideen, schön erzählt und flüssig lesbar – ich musste häufig an die Zeiten denken, als ich viele Adventures gespielt habe und wie es sich anfühlte, wenn man tagelang an der gleichen Stelle festhing und dann plötzlich eine Eingebung hatte, wie es weitergeht. Gutes Buch.

Katja

Gelesen im Januar 2015

Erstaunlich, wie viele Bücher das im Januar geworden sind. Dabei war mir gar nicht bewusst, wie viel ich gelesen habe. Aber ich bin, glaube ich, sehr konsequent jeden Abend relativ früh ins Bett gegangen und habe lieber gelesen als mich länger im Internet rumzutreiben.

Mit dabei: ein Buch, das mich mächtig enttäuscht hat, weil ich es ganz anders erwartet hatte (es liegt nicht an dir Schatz, es liegt nur an mir^^), aber auch ein neues Lieblingsbuch.

Chris Carter – Der Vollstrecker

Das ist der zweite Band der Reihe um Detective Robert Hunter, der im Morddezernat des LAPD für Serienmörder und aussergewöhnlich gewalttätige Verbrechen zuständig ist. Im November hatte ich den ersten Band gelesen und da musste ich schon wegen der recht expliziten Gewaltbeschreibungen schlucken, im zweiten Band war das noch schlimmer. Ein Serienkiller treibt sein Unwesen, der jedes seiner Opfer durch dessen persönlichen größten Albtraum sterben lässt, indem er es jeweils damit foltert, wovor es am meisten Angst hat. Das war nochmal eine ganze Spur krasser als im ersten Band und etwa auf Seite 100 habe ich überlegt, ob ich das wirklich weiterlesen möchte. Blöderweise ist es aber ausserdem auch wieder ein sehr spannendes Buch und ich wollte unbedingt wissen, was den Mörder antreibt und wo die Verbindung zwischen den Opfern liegt.

Trotzdem war ich wirklich erleichtert, als ich endlich damit fertig war und jetzt bin ich unsicher, ob ich die weiteren Bände der Serie überhaupt noch lesen möchte. Ich brauche jetzt zumindest erst mal eine längere Pause davon. Ufff.

 

Tilman Rammstedt – Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters

Ich finde es sehr schwierig, etwas über dieses Buch zu sagen, ohne zu viel über den Inhalt zu verraten. Hier hatte ich schon einige großartige Zitate gebloggt, die alle aus dem gleichen Teil – jenem über die Treffen mit dem Bankberater – stammen und dieser Teil des Buchs hat mir großen Spaß gemacht. Im anderen Teil spielt Bruce Willis die Hauptrolle, der hat für mich zwischendrin zähe Längen und zu viele Wiederholungen. Das hat mich, trotz der insgesamten Kürze des Buches, ein bisschen genervt.

Ähm. Oh. OK.

Vielleicht binde ich lieber das Rezensionsvideo ein!

Ich liebe „Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters“! (Trotzdem hat mir „Erledigungen vor der Feier“ von Tilman Rammstedt noch ein bisschen besser gefallen.)

 

Minette Walters – Wellenbrecher

Am Strand entdecken zwei kleine Jungs eine Frauenleiche. Steven Harding, ein junger Schauspieler, der gerade in der Nähe eine Wanderung unternimmt, ruft die Polizei und gerät später selber unter Mordverdacht, als sich herausstellt, dass er die Tote nicht nur flüchtig kannte. Und dann wird auch noch die 3-jährige Tochter der Getöteten entdeckt, die ganz alleine durch die Straßen eines Ortes in der Nähe irrt und in deren Blut sich die Reste von Betäubungsmitteln nachweisen lassen. Hat die Kleine etwa die Vergewaltigung und den Mord an ihrer Mutter mitangesehen? Und weswegen schreit sie immer los, sobald ihr Vater, dessen Alibi für die Tatzeit auch erst noch zu überprüfen ist, versucht, sie hochzunehmen.

Die Kripo ermittelt und nimmt dabei immer wieder die Hilfe des Ortspolizisten Nick Ingram in Anspruch, der seine ganz eigenen Theorien über den Tathergang und die Motive der Beteiligten aufstellt.

Ich mochte bisher alle Krimis, die ich von Minette Walters gelesen habe, recht gerne. Durch ihre Art, die reine Erzählung immer wieder durch eingeflochtene ärztliche Gutachten, polizeiliche Vernehmungsprotokolle, Zeitungsberichte, Aktennotizen oder dergleichen zu unterbrechen, verleiht sie den Geschichten einen sehr realen Anstrich. Die Fiktion bricht mMn durch diese eingefügten „Beweismittel“ auf, macht das Geschehen glaubwürdiger.

Wellenbrecher hat mir besonders gut gefallen. Die Charaktere, auch die Randfiguren, bekommen eine gewisse Tiefe, wobei ohnehin kein deutlich erkennbarer einzelner Protagonist im Vordergrund steht. Schön erzählt und auch wenn man früh Ahnungen über die Hintergründe hat, schafft Minette Walters es hier geschickt, bis zum Ende immer wieder Zweifel und weitere Seiten und Aspekte einzustreuen. Trotzdem ist die Auflösung keineswegs an den Haaren herbeigezogen.

 

Aimee Bender – Die besondere Traurigkeit von Zitronenkuchen

Was für ein großartiger Buchtitel. Und dann muss ich hier mal den Klappentext zitieren:

An einem strahlenden Frühlingstag kurz vor ihrem neunten Geburtstag beißt Rose Edelstein in ein Stück Zitronenkuchen, den ihre Mutter für sie gebacken hat. Und muss feststellen, dass zwischen den frischen Zitronen, dem Zucker und der Butter, nun ja, eindeutig ein Hauch Traurigkeit liegt. Nicht besser ergeht es Rose mit dem Hühnchen und den grünen Bohnen, die die Mutter zum Abendessen zubereitet – und von nun an mit allen Gerichten. Der Marmeladentoast schmeckt seltsam abwesend, das Roastbeef nach Schuldgefühlen, ein Sandwich nach großer Verliebtheit: Jeder Bissen offenbart mehr, als Rose lieb ist – und erst im Laufe der Jahre lernt sie, mit ihrer besonderen Gabe umzugehen …

Aimee Benders furiose Idee, dem Alltäglichen des Essens eine magische Bedeutung zu geben, ist verführerisch und einnehmend zugleich. Voller leuchtender Sätze stellt ihr Roman die Frage, wie viel wir wirklich von unseren Liebsten wissen.

Nachdem ich das gelesen hatte, war ich hin und weg und wusste: ich MUSS dieses Buch unbedingt lesen. Was für eine Gabe, was für eine Begabung. In meinem Kopf entstand eine Geschichte – noch bevor das Buch im Regal mit den ungelesenen Büchern lag und ich freute mich darauf, Rose dabei zu begleiten, wie sie immer besser darin wird, aus dem Essen, das jemand anderes zubereitet hat, herauszuschmecken, wie es demjenigen geht. Wie sie sacht und mit großer Empathie hergeht und versucht, diese traurigen Menschen aufzumuntern. Den Verliebten Mut zu machen. Die Fäden zu spinnen, um Menschen, die gefühlstechnisch zusammengehören, einen sanften Schubs in die passende Richtung zu geben. All das malte ich mir schon im Voraus aus.

Und dann las ich das Buch und war maßlos enttäuscht, weil die ‚echte‘ Buch-Rose im Gegensatz zu meiner Phantasie-Rose, ihre Gabe als große Last empfindet. Weil sie sich, sobald sie die Möglichkeit dazu hat, von Fabriknahrung, die nicht von Menschen zubereitet wurde, ernährt. Weil sie nach der Entdeckung 10 Jahre ins Land streichen lässt, bis sie endlich mal selber eine Mahlzeit zubereitet, um ihr eigenes Inneres auf eine Weise zu ergründen, bei der man sich nicht selber belügen kann…

Obejektiver betrachtet ist es vermutlich kein schlechtes Buch. Die Idee ist originell, man kann das durchaus lesen und eigentlich kann ich den Vorwurf nur mir machen, mit meiner falschen Erwartungshaltung an das Buch und vor allem seine Protagonistin. Trotzdem finde ich es mindestens mal sehr schade, dass Aimee Bender aus dieser zauberhaften und großartigen Idee, die sie da hatte, kein zauberhaftes und magisches Buch gemacht hat, dessen Protagonistin versucht, das kleine bisschen Welt um sie herum, ein kleines bisschen besser zu machen – sondern dann noch dazu das Hauptaugenmerk auf dem Bruder liegt, der auch eine seltsame „Gabe“ hat, deren Gewahrwerden viel Raum und Fokus des Buchs einnimmt und ausmacht.

Selbst das halbwegs versöhnliche Ende kann das für mich alles nicht mehr gut machen.

Schade, schade, schade.

 

Carlos Ruiz Zafón – Der Schatten des Windes

Als Daniel Sempere 10 Jahre als ist, nimmt sein Vater ihn mit zum geheimen Friedhof der vergessenen Bücher. Daniel darf sich dort ein Buch aussuchen, für das er fortan die Verantwortung trägt und so gerät er in den Besitz eines Buches – „Der Schatten des Windes“ – eines unbekannten spanischen Autoren, genauer gesagt die letzte existierende Ausgabe des Buches, denn ein Unbekannter mit einem maskenhaften Gesicht, der sich stets in den Schatten verbirgt, macht Jagd auf die Bücher von Julian Carax, jenem Autoren und hat alle anderen Ausgaben verbrannt. Im Laufe der Jahre trägt Daniel immer mehr Informationen über Julián Carax und dessen Lebensumstände zusammen und gerät dabei immer tiefer in den Sog des Buches, denn es gibt da eine Menge Parallelen zwischen seinem Leben und jenem von Julián Carax.

Du weisst, ein Buch hat das Zeug dazu, eines deiner Lieblingsbücher zu werden, wenn du es ab einem gewissen Punkt kaum noch aus der Hand legen kannst, dich aber trotzdem häufiger dazu zwingst, weil du genau weisst, dass du mit jeder weiteren gelesenen Seite dem unvermeidlichen Ende wieder einen Schritt näher gekommen bist und so dringend du auch wissen willst, wie die Geschichte weitergeht, wie sie ausgeht, willst du doch auf gar keinen Fall an ihrem Ende ankommen.

Großartiges Buch, großartige Geschichte, großartige Charaktere. Eines jener Bücher weswegen ich Lesen so sehr liebe.

So. Und jetzt muss ich erst mal ein paar Orte Barcelonas in google Streetview besichtigen, allen voran die Avenida del Tibidabo 32 – hoffentlich irgendwann auch in echt.

 

Rolf Merkle – So gewinnen Sie mehr Selbstvertrauen; Freundschaft mit sich schließen, den inneren Kritiker besiegen

Nachdem ich letzten Herbst angefangen hatte, damit zu arbeiten, lag es dann seit ich im Oktober in Spanien war wieder brach… Jetzt habe ich es nochmal von vorne gelesen und wieder angefangen, mich mit meinem Denken auseinanderzusetzen und zu befassen und umdenken zu üben. (Mehr darüber schon hier und hier.)

 

Rolf Merkle – Nie mehr deprimiert, Selbsthilfeprogramm zur Überwindung negativer Gefühle

Das Buch war mein erster Ratgeber zum Thema Depressionen und auch jener, den ich wohl schon am häufigsten in der Hand hatte und irgendwann zornig/deprimiert in die Ecke gefeuert habe. Ich blieb bei jedem Versuch, damit zu arbeiten an der gleichen verfluchten Stelle hängen – jener, an der man 10 Dinge notieren soll, die man an sich mag. Nachdem ich mit dem Buch obendrüber deutlich bessere Erfahrungen gemacht habe, wollte ich das jetzt nach einigen Jahren doch nochmal probieren. Über diese Stelle bin ich dieses Mal lässig drüber gekommen und alleine das fühlt sich für mich nach einem großen Erfolg an. Ansonsten ist mir zum ersten Mal aufgefallen, wie alt jenes Buch ist. Ich habe die 7. Auflage aus 2000, das Copyright stammt aus 1987 und so kommt es mir beim Lesen auch vor. Da wirkt vieles eingestaubt, da tauchen viele Stereotype und ein veraltetes Rollenverständnis auf, an etlichen Stellen musste ich da großzügig drüber weglesen, um nicht empört loszuschnauben.

Und trotzdem war die Lektüre für mich hilfreich – nicht nur, wegen des Erfolgserlebnisses mittlerweile 10 Dinge zu kennen, die ich an mir mag, sondern auch, weil es das Selbstvertrauenbuch gut ergänzt und weiterführt. Merkle erklärt, wie Gedanken Gefühle beherrschen und dröselt die verschiedenen Arten des negativen Denkens auf. Ich glaube, das wird mir dabei helfen, mich dahingehend selber zu ertappen und diese schädlichen Denkmuster zu entlarven. Insofern hat es sich für mich als Ergänzung gelohnt, explizit empfehlen würde ich es aber aufgrund seines Alters nicht und ich glaube, es ist auch gar nicht mehr auf dem Markt sondern mittlerweile durch eine neueres Buch zu dem Thema ersetzt worden.

 

Axel Hacke – Oberst von Huhn bittet zu Tisch, Speisedeutsch für Anfänger

Axel Hacke präsentiert hier eine Sammlung der schönsten falsch ins Deutsche übersetzten Gerichte in ausländischen Speisekarten. So beginnt das Buch mit einem Gericht des Namens ‚Zwiebel ruft an‘ und da ist noch leicht zu erkennen, was bei der Übersetzung der ‚Onion rings‘ falsch gelaufen ist. Es gibt aber auch völlig absurde Namen von Speisen, deren Zustandekommen man sich nicht erklären kann und leider fehlt die entsprechende Erklärung – oder zumindest der Hinweis, was zur Hölle das denn in der Originalsprache mal gewesen ist – an vielen Stellen. Trotzdem, ich habe beim Lesen häufig schallend lachen müssen und das schaffen nicht so viele Bücher. Für kurzweiligen Spaß zwischendurch ist das Buch auf jeden Fall gut geeignet und bei mir passte es wunderbar als Ablenkung nach dem Zafón, weil ich wusste, dass es da erst mal jedes andere Buch schwer haben würde.

Katja

Gelesen im September 2014

Rolf Merkle – So gewinnen Sie mehr Selbstvertrauen

Bei dem Buch ist es nicht mit einem schnöden Durchlesen getan, sondern man muss sich tatsächlich über einen gewissen Zeitraum (mindestens 3 Monate, mindestens 30 min/Tag schlägt der Autor vor) mit dem wiederholten darin lesen und den enthaltenen Übungen befassen. Ich bin gerade in der zweiten Leserunde, gucke zwischendrin in die Übungen und merke, dass das alles harter Tobak ist. Ich merke aber auch schon erste Veränderungen, nach nur kurzer Zeit. Empfehlenswert für alle, die auch diese ‚Stimme‘ haben, diese selbstabwertenden Gedanken, den ‚inneren Kritiker‘ wie Merkle ihn nennt.

Wer hier schon eine Weile liest weiss, dass das eines ‚meiner‘ Themen ist. Geringes Selbstwertgefühl, Selbstzweifel, Selbsthass in vielen Schattierungen. Ich bin gespannt, ob das Buch mir jetzt tatsächlich den ‚Hebel‘ liefert, mit dem ich dahingehend mal vorankomme. Hier hatte ich kürzlich ausführlicher über das Thema und auch das Buch geschrieben und es wird wohl noch häufiger darum gehen.

 

Stephan Ludwig – Zorn, Vom Lieben und Sterben

Bei ‚Vom Lieben und Sterben‘ handelt es sich um den zweiten Fall des Ermittlerduos, das irgendwo im Osten Deutschlands (den genauen Ort erfährt man nicht) angesiedelt ist; für mich war es das erste Buch der Reihe und auch das letzte.

Ich bin ja an sich großer Krimifan (wobei dieses sich auf dem Titel als Thriller anpreist) und erst recht von Krimiserien, aber hier verspüre ich keine Lust, die beiden Kommissare näher kennen zu lernen. Die Geschichte ist zwar recht spannend, aber ich finde sie schlecht erzählt. Der Autor springt – ohne erkennbaren Sinn, es wirkt auf mich ein bisschen planlos – zwischen den Perspektiven (was ok ist) und zwischen Erzählzeiten (was nicht ok ist). Manchmal schreibt er in der Gegenwart, manchmal im Imperfekt und um das noch zu krönen, springt er manchmal zu einer Perspektive von aussen, die kommentiert, was der Figur gleich passieren wird, was sie aber noch nicht ahnen kann. Das irritiert und macht keinen Spaß zu lesen.

Bei Dan Browns Romanen (Illuminati und Co) mag ich zwar die Geschichten sehr gerne, aber mir gehen die Charaktere unfassbar auf die Nerven, weil der Protagonist so aalglatt und makellos sind und daher abziehbilderhaft auf mich wirken.

Stephan Ludwig macht in meinen Augen das genaue Gegenteil. Zorn, der Protagonist hat so viele Ecken, Kanten und Charakterschwächen, ist ein so ‚markiger‘ Typ, dass ich ihn ebenso unglaubwürdig finde wie die glatten Abziehbilder.

Fairerweise muss ich dazu sagen, dass da schon auch immer mal andere Züge durchblitzen und möglicherweise ist es dem geschuldet, dass es als Serie eingerichtet ist, damit der Charakter Platz zur Weiterentwicklung hat. Das könnte schon durchaus so sein. Dazu kommt, dass Schröder – der weitaus sympathischere der beiden – im Buch durchgängig auf ein äusserliches Attribut, nämlich auf ‚der dicke Schröder‘ reduziert wird. Nicht nur vom Protagonisten und in dessen Gedankenwelt, sozusagen als eine Art Spitzname, sondern auch, wenn es im Buch nur um Schröder geht und man nur seine Perspektive mitbekommt. Mag sein, dass das alles noch weiterentwickelt werden soll, der Haken ist nur, dass ich überhaupt nicht darauf neugierig geworden bin, wie es mit Zorn und Schröder weitergeht. Schade echt, ich weiss auch nicht genau, weswegen ich mir mit deutschen Autoren oft so schwer tue.

 

Terry Pratchett – Dunkle Halunken

Dodger ist ein Tosher, so bezeichnet man die ‚Dreckwühler‘, die in der Kanalisation nach Münzen und sonstigen Wertsachen suchen und davon leben, in London zur Zeit von Queen Victorias Herrschaft. Er ist ausserdem bei allen zwielichtigen Halunken der Straße wohlbekannt, was zum Überleben in seiner Branche nicht ganz unwesentlich ist. Und Dodger ist ein Held, das allerdings eher widerwillig. Wobei es nicht so ist, dass er widerwillig helfen würde – zum Beispiel Simplicity, einer jungen Frau, die im nächtlichen Londen fast totgeprügelt wird, bevor sie aus der Kutsche springen kann – er sieht das nur nicht unbedingt als Heldentat an, sondern als Selbstverständlichkeit. Und so gerät er von einer Situation in die nächste und weil er ausserdem noch ungewöhnlich schlau für einen jungen Mann der Straße ist, legt er innerhalb der nicht ganz 400 Buchseiten eine steile Karriere hin und trinkt am Ende mit Queen Victoria persönlich Tee.

Vor vielen Jahren hatte ich mal einen Pratchett angefangen, einen der Scheibenweltromane, und damals fand ich die vielen Charaktere verwirrend und als ich zwischendrin 3 Wochen lang gar nicht zum Lesen kam, wusste ich nicht mehr, wer da überhaupt wer war und gab entnervt auf und hatte seitdem kein Buch von Pratchett mehr aufgeklappt. Die dunklen Halunken bekamen wir geschenkt und weil mich der Klappentext ansprach und ich es ohnehin nochmal mit Herrn Pratchett probieren wollte, war das eine gute Gelegenheit.

Ich finde den Stil ein bisschen sperrig, ausschweifend, gewöhnungsbedürftig, die Geschichte und die Charaktere ein bisschen simpel gestrickt und flach, so richtig nahe gekommen ist mir davon keiner und auch das echte Mitfiebern mit dem Helden hat sich nicht wirklich bei mir eingestellt und ich konnte das Buch auch noch gegen Ende problemlos weglegen und hatte nicht das Bedürfnis dringend zu erfahren, wie es weitergeht. Trotzdem ist die Geschichte nett und ganz unterhaltsam. Kann man mal gelesen haben, allerdings für mich kein dringendes Muss.

Mal sehen, ich glaube, ich werde aber trotzdem demnächst nochmal in die Scheibenwelt reinlesen. Vielleicht spricht die mich ja jetzt deutlicher an.

 

Erika J. Chopich und Margaret Paul – Aussöhnung mit dem inneren Kind

Ich finde es nicht ganz einfach, etwas zu dem Buch zu schreiben und ich konnte mich bei goodreads, wo ich ansonsten alle Bücher, die ich gelesen habe, bewerte, nicht dazu durchringen, dem Buch eine bestimmte Anzahl von Sternen zu geben. Auf der einen Seite regt sich in mir beim Lesen die ganze Zeit ein innerer Widerstand. Mir ist das alles zu esoterisch, zu viel über Höheres Selbst und dergleichen (und ich muss irgendwann mal ergründen, woher in den letzten Jahren mein Widerstand bei solchen Themen kommt, das war nicht immer so extrem). Auf der anderen Seite habe ich viele (!) wirklich hilfreiche Erklärungen gefunden und vor allem vieles, was das ergänzt, was sich gerade durch die Arbeit mit Merkles Buch in und mit mir tut. Mir ist beim Lesen viele Male ein Licht aufgegangen und Zusammenhänge sind an die richtige Stelle gefallen, die mir vorher noch nicht so bewusst und präsent waren. Das Buch lag schon lange (ich glaube 2 Jahre allemal) in meinem Regal mit den ungelesenen Büchern; ich glaube, ich hätte es zu einem früheren Zeitpunkt nach wenigen Seiten in die Ecke geworfen. Und auch jetzt könnte ich mit dem Buch alleine vermutlich wenig anfangen. Im Zusammenhang mit dem anderen aber passte es gerade gut. Ich habe das Gefühl einiges daraus gelernt zu haben. (Und das wiegt ja eigentlich auch den Widerwillen auf.)

 

Ich habe ausserdem unheimlich viel in Reiseführern gelesen, in meinem Kunst- und Kulturführer über Andalusien und auch Reiselektüre im Internet.  Yeah!

Katja